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I 96 Siro. jtermpt. Rr. s. ieltot.»flbrffie: Fuldaer Seitunn. | J___

Sreitaa 4- April 1919

Ein widerspenstiges Berliner Regiment.

* Berlin, 3. April. Tas Auoustoregiment ist heuie nachmittag m feiner Ka erne von Regierungs- irrippeii umzingel! und ent tvaff net worden. Tas Regiment wird aufgelöst. Tie Reichsregieruna halte die Uwwandlimg des Regiments in eine Reichs­wehr brigade angeoidnet, was auf W derüand stieß. Tas Augustareümenk und das Franzeriegintent sind die einzigen Berliner Regimenter, die Lo'.oaten- räte im alten Sinne haben, die m't Kommandoge- walt ausgerüstet sind und daher keine Offiz ere als Führer Haden. Wie verlautet, hatte der Führelc des Lugustateaiments gedroht, daß, wenn es jetzt zu einer Auflö ung des Eo.datenrats deS Regtmenis kommen lollte, er ckllc» Heercsgerät vnkaufen lassen werde. Taraufhin ist die En waffnung beichlossen und ausgeführt worden. Ter Führer des Regiments und em Unterosfizter wurden verhaftet und bte Mannschaft entlassen. Em Rest verbleibt. in der Kaserne und wird morgen entlassen. Tas Regiment Franz soll ebenfalls aufgelöst werden.

Russische Arbeiter

gegen den Bolschewismus.

Pari», 3. April. In unter richteten Kreisen verlau­tet, datz in Rußland vieBewegun, der sozialistischen Revolution unter der Arbeiterichast immer mehr an Boden gewinnt Das Zentrum dieser pegenbotsche- wistischen Strömung scheinen die Pudikowwerke in Pctcrebura zu sein, deren Arbeiter in einer Versamm- luna von 10000 Mann fast einstimmig eine «e en die bo schewistische Re iernna gerichtete Entschließung an- nahmen, in der sie gegen die Verletzung ihrer Rechte die Einschränkung der Presse. und Versammlungssrei» hcit Protest einlegten und den Rücktritt LcninS ver- Langten.

Berlin, 3. April. Der Lokalanzeiger meldet aus Kopenhagen: Russische Telegramme, die aus Helsing. fors hier eingelauien sind, bestätigen, daß eS m Pe- ^erSbura zu schweren Unruhen gekommen ist. Die Arbeiter lehnen sich gegen den Bolschewismus auf. Sie zogen durch die Straßen mit den Rusen: Rieder mit der bolschewistischen Gewattt errschaft. Es kam zu Barrikadenlämpsen, wobei die chinesischen Soldaten des Roten Heeres die Reihen der Arbeiter mit Maschinen, pewehren stark lichteten. Um die Arbeiter zu beruhig en, mußte die Brotration erhöht werden. Lenin be­gab sich eilig nach Petersburg und hielt eine große Rede an die Arbeiter. Er erilärte, daß sowohl die inneren als die äußeren Femoe alle» taten, um die Sowjettregierung zu stürzen. Die Lage sei sehr ernst aber man müjte sich mit dem Hunger ab- finden. Wenn die Bolschewisten die Macht im jetzigen Au enblick aus der Hanb gäben, wäre da» em großer geschichtlicher Kehler.

Neue Krise irr Ungarn.

Wien, 3. April. Wie dieWiener Allg. Ztg." von hervorragenden nngarsschen Politikern aus Bu­dapest erfährt, gestaltet sich die Stellung der neuen Regierung i tu nt e r schwieriger. Tie jetzigen Zustände hätten weder sachlich noch moralisch irgend­welche Tauer. Tas neue Regime begegne immer stärkerem W i d e r st a n d e in den bürgerlichen Krei­sen. die Sperrung des Verlaufs gewiffer Waren und die Beschlagnahme von Häusern und Wohnungen rufe immer mehr Erbitterng hervor. Große Schwierig­keiten erwüchsen der Regierung aus der Lebens­mittelversorgung, in der die neuen Männer völlig versagten. Der unvermeidliche Rückschlag auf die Stimmung bet Masse kündige sich schon jetzt an.

Ludcndorff und der Kronprinz.

Ein Berichterstatter der KopenhagenerBerlinske Tsdende" veröffentlicht zurzeit eine Reihe von Be­richten über Unterredungen mit dem früheren Kron­prinzen Wilhelm, die sehr nach blühender Berichte--- statterphaniasie aussehen. Ter Kronprinz bemüht sich danach in wenig schöner Weise, sich dadurch von Schuld frei zu machen daß er andere mit Schuld belädt. Befragt, ob T i r P i tz in U-Boolsachen nicht gelogen habe, soll der Kronprinz geantwortet haben: Et feste! Und die Oberste Heeresleitung konkur­rierte in diesem Punkt brav mit der Flotte. Lu. dendorffs Berichte waren im letzten halben Jahre verlogen bis zum Lächerlichen. Man kann nicht wie Herr Ludendorff 300 Geschütze und 30 000 Mastn verlieren und gleichwohl melden daß man einen Abwehrsieg erfochten habe. Es gibt Gren­zen dafür, wie plump eine Lüge sein darf. Unsere Feinde dagegen logen fein." In diesem Stile gcht es weiter, so daß wir zur Ebre des früheren Kron­prinzen anehmen müßen, daß die Sache nicht recht stimmt. Ludcndorff soll an allem schuld sein; wenn der Kronprinz befiere Einsichten vertreten haben will. Dann heißt es weiter:Ludendorff sprang auf, rot vor Wut, starrte durch sein Monokel den Kaiser in Grund und Boden und warteten kaum, bis Se. Maje. stät zu Ende gesprochen hatte."

Solche Auftritte erscheinen wenig glaubwürdig; denn sonst hätte der Kronprinz als Mann von Ehre damals offen bk Verantwortung ablehnen und seinen .Oberbefehl n'ederlegen müssen Derartiges geschah aber nicht. Ter Bericht ist auch sonst so sensationell aufgemacht und enthält derartig handgreifliche Un­wahrscheinlichkeiten, daß er auch als Ganzes mit der größten Vorsicht ausgenommen werden muß.

Ter Fall Fryatt.

Berlin, 1. April. Die toegen versuchten Rammen­de» deutschen U-Boote» 33 erfolgte Erschießung de» englischen Kapitäns Fr statt beschäftige beute den zur Untersuchung von Aiklagen wegen völkerrechtSioivrmer Behandlung feindlicher firteg8 'Cfanarner ein,.eilten Ausschuß. Der Sitzung wohnten als Vertreter der Schutzmacht Ennlanos der holländische Militäratache Ritter b Rappard, mehrere Sachverständige, darunter der norwegische Marineattache l,tan Meier und englische und fran-öfiscke Offiziere bei. Nach dem vom Bericht« elf tatter Dr. Rocholl erstatteten Bericht ist der Sachver. halt fotaender: Am 28. März 1915 nachmittags 2 Ubr beoegnete das deutsche U-Boot 33 unter Führung deS Kavitänleutnants Ganzer einige Weilen westlich vom Maas-Feuer sckiff dem englischen Da» p-re .Bru- xelleS-, der von dem englischen Kapitän Charles Fr statt erführt wurde. Da» U-Boot signalisierte: Stoppen Sie fotort oder ich schieße. Der Dampfer hielt jedoch nicht an, sondern versuchte offenbar da» Schiff zu ram­men, Da» Schiff ist dann entkommen und Äapitän ,, gtbaU erhielt von der englischen Regierung ein üner»

Der Württemberger Generalstreik gescheitert.

Stuttgart, 3. April. Die württembergische Regieiung hat heute eine Kundgebung erlassen, in der gejagt wird, daß der Generalstreik plötzlich zusammen gebrochen fei. Die Bevölkerung wird zum Abbruch des Bürgerstreiks und zur Wieder­aufnahme der Ai beit aufgefordert, gegen die Weiter- streikenden soll das Ge.etz mir aller Schärfe ange­wandt werden.

Heber die Ereignisse, die sich vor dem Zusammen­bruch der Streikbewegung im Laufe des Mittwcch in Stuttgart und einer Anzahl Orte der Umgebung ab» spielten, liegt uns noch folgender Trahtbericht vor:

wtb Stuttgart, 3. April- Gestern ist es nach dem amtlichen Bericht der Staatsregierung im Vorort O st- h e i m und m Cannstadt zu Kämpfen gekommen. In Ostheim ist eine Patrouille von acht Mann überfal­len worden. Ein Mann blieb mit durchschnittener Kehle liegen, ein zweiter wurde durch Augenschuß sehr schwer verletzt. Sein Zustand ist hoffnungslos. Tie andern sechs Leute sind spurlos versckwumdcn. In U n- tertürkheim konnten sich die Spaiialisken eines Lagers von Handgra aten bemächtigen und dadurch in Cauustadt mehrfach Stümpfe liefern. Im Laufe des gestrigen Nachmittag» wurde in Stuttgart eine An ahl spartali gisch er Führer verhaftet. Sämt­liche Stuttgarter Truppen stehen treu zur Reg erung. Im übrigen Lande sind Eßlingen, Göppingen, Lud.rigS- bürg, Ravensburg und Friedrichshafen vom General­streik erfaßt, doch ist m diesen Orten eine nennenswerte Ruhestörung gestern nicht vorgekommen.

Stuttgart, 3. April, 4 Uhr nachm. (Amtlich.) Am 2. April abends gelang es den Spartakisten, sich in den Besitz des Arlilleriewagenhauses in Untertürk­heim und des Waaenhausis in Wangen ?u setzen. In der Nacht wurde das Artilleri.'wageuhaiis durch Handstreich ohne einen Schuß wieder genommen und etwa 60 Spartakisten gefangen genommen. Untertürkheim und Wangen sind fest in der Hand der RegierungSnuppen. Am Abend des 2. April kam eS i: folge von Angriffen von Spartakisten auf Patrouillen zu kleinen S chi e ß e r e i c n, bei denen zwei Sparta­kisten tödlich verletzt wurden. Tie Regierung ist in Stuttgart imd in allen Städten des Landes völlig Her- rin der Lage. Tie Wiederaufnahme der Arbeit beginnt in den verschiedenen Erwerbszweigen.

Der Streik in bet Berliner Metallindustrie.

Berlin, 3. April. Ter Beamtenstieik in der Metall- inbustrie bat eine roei irre Znnal me erfahren. Die Zadl der Ctreikenden hat 30,000 überschritten.

Tie Pariser Verhandlungen.

Genf. 3. April. Tie Pariser K.nfernenz ist nach vorliegenden Berichten zu der lieber.cgug genügt, L Summe der Entschädigungen, die man I evtsch- >-K ai flegen lerne, 15 Milliarden Dollars nitfit überschreiten dürfe- wenn Teutschland im Stande foHe. die Forderungen tatsächlich auch zu bejahen sjve endgültige Festsitzung ist aber noch nift erfolgt.

die Frag.', ii> welcher Währung die En.schädlgung ftlioelegi irerdeii soll, ist noch nicht gelöst, doch d rste vvrm ssichtl'ck der amenkauische Dollar, der gegen« ►örtio den festesten Wert auf dem Gelbmarkte besitzt, a i Maßstab angenommen werden.

Tie militärischen Friedensbedingungen werden in i>,v"näck)sten Tagen einer neuen Durchsicht unterzögen loeiJeH.' Fraiikreich besteht auf der völligen R c u- jialiftcrung des linken Rheinufers uni gtsi-s Streifens von 60 Kilometer rechts des Rheins. Llankre'ch verlangt auch, daß es besondere Pollma.rten t-iultcr. s lle, um diese Neutralisierung zu kontrollie- en. Tit Konferenz scheint übrigens zu der Ansicht ge=

zu sein, daß 100 000 Mann Truppen in Tevtschlaird zur Aufrechterhaltung der inneren £rt>= nickt genügen.

.-2er Pariser diplomatische Situat-.onZbericht meldet H c. noch: feS scheint, daß das Abkommen i ber die Mirendigleit, Frankreich die Ai'sleutrng des Saar- j-,'lend ecke ns abzutreten, verwirllicht würde.

Ein Bündnis Bayerns mit Rußland?

, Bayerische Blätter berichten von Gerücht.n, baß die Mnchener Regierung den Abschluß eines Bünb- tiifies Bayerns mit bcr russischen Sowjetregierung betreibe. Dieseu Gerüchten werbe auch in ernsten Kreisen wirklich 'Glauben geschenkt. Zur Begrünbung ftr einen solchen Schritt wirb hauptsächlich auf d.e Lebe n s m i t te l n o t hingewiesen, ber man durch «ne enge Berdinduitg mit Rußland zu entgehen jiofft. Dazu kommt die Fernivirkung der Vorgänge m Ungarn, die von außerordentlicher Stärke und größter Eindruckskraft waren.

Die Erwartung, daß Lebensmittel aus Rußland für Bayern zu erwarten seien, wirb wohl täuschen. Rußland har ja selbst infolge der bolschewistischen Mißwirtschaft nicht genügend Lebensmittel, um seine Menen Volksgenossen vor dem Hungertode zu schützen. Sicherlich würde Bayern in Händen des volfchewismus und im Bündnis mit dem boljche- diMischen Rußland, so wie sich dieses heute noch dar- Mt, ein Sktavenland, mehr noch als Ungarn. Ganz Scsiisfenttich hält die Räteregierung in Ungarn alle Nachrichten von uns fern, welche die wahre Lage zu Mmeichnen geeignet waren. Es ist einfach nicht «ahr, was von Budapest aus in diesen Tagen ver­leitet wurde, daß dort auch die Bauernschaft die «ollchewistijche Schwenkung mitgemacht habe. Die «erichte von objektiven Quellen besagen gerade das ^genteil. Bayern würde im Bunde mit einem lhä>ewistischen Rußland von seiner hohen agrar-po- «tischen Stufe herabsinken und der Spielball fremd- »anrnscher Diktatoren werden.

Tie Frage eines auf neuer Grundlage aufgebau- ku engeren wirtfchaftspolitischen Verhältnisses mit ^ußland muß naturgemäß in unserer Politik eine «jammende Rolle spielen. Mit dem Rußland von Mt« kann sich das neue Deutschland aber nicht ver-

' ohne Gefahr zu laufen, durch den Pesthauch F? Mbst zu vergiften. Nichts steht jedoch im Wege, N Einem vernünftig, den gegebenen natürlichen ^hairniffeu Rechnung tragenben russischen Nach- totebet bejenigen wirtschaftlichen unb Handels, ^»ltischen Beziehungen anzurnüpfen, welche die ^Ablage der früheren Verbindung waren und ^iche mit Naturnotwendigkeit zu einer neuen An, L?uung, ja zu neuer enger Zusammenarbeit beider «oller und Rcickse drängen.

Münchener Gcwattplänr.

* München, 3. April. Die Kommunisten rufen 8* Generalstreik für die zwciie Aprilwoche auf. E» einet Versammlung teilten die Führer mit, daß an diesmal die Umwälzung in München mit "etn otogen Zuzug von auswärts einleiten werde, ül dieser Hilfe von auswärts und der Anwendung

Sabotage und Waffengewalt werbe man bie rbettseinstellung unb die Räterepublik

Zwingen können.

^riftlkch« Gewerkschaften und Arbetterräte.

Vorstand des Gesamtvet bandes der christli- Gewerkschaften Deutschlands befaßte sich in seiner toV1* Sitzung in Weimar mit der Organisation der heißt- r^ un& Eine Eutichließung, in der es ^nfer Wirtschaftsleben hatte Formen angenommen, ttc*°enen bie Arbeitskraft weder nach der rechtlichen der feelifd-eu Sette befriedigt wurde, und "-estoep« das beplückende Gefühl aufkommen tonnte, -v ?"^ortticher Mitträger des Unternehmens zu lein.

dieser G°danke in der Bcwepnng zur S-Haffunq . Arherterräten zum Ausdruck gelangt, an er.

wir, au6 dem Geiste christlich - sozialer Aui, --Wng heraus, das Bedürfnis nach einer solchen

^iun0« die zugleich zu einem zeitgemäßen ^^oau der Arbeiter» unb Lngeftelltcnauöschüsse hinführt.

Danzig.

Die Verhandlungen in Spaa.

Wb Berlin, 3. April. Marschall Fach ist heute bormiriag nut feinem Generalstab in Spaa einge- ttflffen. Die Verhandlungen mit Erzberger über die Krage der Landung polnischer Truppen in Danzig feuerten mit mündlicher Aussprache und Notenwech­sel bis in die Abendstunden hinein und sind noch nicht obgcschllssen. Tie Alliierten legen besonderen Wert euf möglichst schnelle Beförderung der Truppen des Minfchen Generals Haller. Daraus ergibt sich eine xewisse Wahrscheinlichleit. daß der vom Reichsmini- sier Erzbergcr vorgefchlagene Weg von der Gegend tun Luneville quer durch Deutschland von Marschall Foch in besonders ernste Erwägung gezo­gen wird. Reichsmmister Erzberger und Marschall Koch wohnen beide in chren Salonwagen.

Haag, 3. April.Daily Expreß" meldet aus Parts, Danzig solle nicht Polnisch werden, sondern eine unabhängige freie Stadt, wie früher Hamburg. Im Weichseltale solle eine Volksabstimmung zeigen, 4)b die Bewohner deutsch oder polnisch werden wollen.

1. Der Aufbau der Räte muß ein organischer fein undBetriebs.,Beü>kS. unoZen tralräte umfassen. Er muß sich nach dem demolrattrchen, alle Beteiligten gleichuiäßig bet ücksil,tu enden Wa lveriahren vollzte en. Dabet itt den Minderheiten eine ihrer Stärke ent­sprechende Vcriretun i einzuiäumen. Insbesondere muh den Gewerkswasien, als anerkannter Berlretung der Arbeiterschaft, sowie der sreiwilligen ArbeitSge- meii'scha,t der Aibeitiever- un) Arbeiter verbände der Einfluß > esichert werden, der ihnen auf Gttmd ihrer Prakti ken Erfahrungen zukommt. Die Erhaltung unb Stärkun,; der gewertschl.,rllchen Stkllu»,, bleibt nah lute vor die wichtigste BortuStetzung für die gleich» mähil.e, alluinfaffenoe H bung der Aibeilerklasse.

2. Die Geltln^ii ahung der «emeinsamen Lntereffen der Berufs- und ErwerdSzw.'ige der emze nen Bezirke erfordert oie Zusammenfaj,ung der Betriebsräte nach bcitimmten Bezirken mit einer zentralen spitze. xXn den Zeiitraipunkt muffen alle Erfahrungen, An­regungen uno Gutachten aus den.ver,chieoenen derufs- genofsentchaftlichen Ormnisatione-i zusammenlauten und sich verdichten zu praktischen Vorschlägen für dte gc- wetvlichi', wirtschaflspolitische und soziale Gesetzgebung als richtun i.,ebende Ünt.'da,.e für die politischen, par- lamcnta.ischen i>.ö.pm'd;aiien.

3. Die chri>tltch-nationale Arbeiterschaft verurteilt jeden po itismen Mißbrauch von Arbeiterräien zu dem Zwecke, die Tutatur deS Proletariats in irgend c.per Form zu errichten. Jede etnfeitr e Herrschaft Einer iilaffe wiverspricht den wahren demotralischen Gruno» jätzcu und i;t unverträglich Mit dem Gedanken der $oi£6|Olu>aniat.

Die Lage im Ruhrgebiet.

Tie streikenden Bergarbeiter haben jetzt, wie bie Boss Ztg" meldet, die Levensmittelfrage neben der politischen zur Hauptforderung erhoben. Sie bezeichnen die Zubilligung der Regierung für die Arbeiter als zu niedrig. Ter Bekauntgabe bet Re­gierung fein> Lebensmittel an bie Streikenden zu zu geben, stellen sie die Forderung gegenüber, keine Arbeitsaufnahme, bevor nicht genügend Le- * bensrnittel angclommen sind. Auf Grund diefer * Agitation gelang es den Slieikführern, einen großen Teil der noch orbcitenden Belegschaften zum Eintritt in den Streik zu bewegen. Tie Gesamtzahl der Aus­ständigen belief sich am Tonnerstag in der Frühschicht auf 131000. Zogs rtrher traten es 110 000.

Dortmund, 2. April. Ter Arbeiierkommission, die dem Ernährungsminister Schm.dt in Berlin die traurige E r n Ü h r n n g s l a g e int Induftriegebiel borget ragen hat, waren im Ministerium folge,,de Zusicherungen gemacht worden: Tie bisherigen Ra­tionen bleiben bestehen. Außerdem werden von den durch das Biüsseler Abkommen gelieferten Lebens­mitteln pro Kopf und Woche 125 Gramm Speck und 50 Gramm Fett geliefert. Voraussetzung für die Belieferung ist, daß in den zu beliefernden Gebieten gearbeitet wird.

wtb Esten, 3. April. Um 6 Uhr abends mußte die Straßenbahn den Verkehr einstellen, da die K r i e g s- beschädigten alle Wagen anhielten, weil ihre Forderung nach freier Fahrt auf den Bahnen abge­lehnt worden war. Tie Belegschaft der Zeche Adler" befchloß mit überwiegender Mehrheit, bie Arbeit am Morgen mit einer 7^-Stunbenschicht auf­zunehmen. Tie Frage ber Regelung der Sechsstun. benschicht würbe ber Regierung überlasten. Im Reck­linghäuser Bezirk finb alle Belegschaften triebet an­gefahren, sie arbeiten aber nur 6 Stunden.

Mitteldcutfchlanb.

* Maqbeburg, 3. April. In dem Elektrizitäts­werk zu Harbke ist ein Streik ausgebrochen, wodurch die Siromlteferung nach Magdeburg heute ein­gestellt werden mußte.

Der Kommunist Karl Baier, ein früherer Marine- obermatroie ist verhafiet worden. Er hatte Unter­schlagungen von mehr als 100000 Mark begangen, die er sich durch Verkauf von Heeiesaut verschafft hakte. Zum großen Te-l bat ec das Geld im Jnie- reste der tommunistischen Partei ouSgegeden.

Kirche und Staat

Ter Derfastungsansschuß der Naiionalversmnmlung setzte am Mittwoch und Donnerstag die Beratung über die Artikel 30 und 31 der Grundrechte fort, welche die Glaubens- und Gewijjenssreihett be­treten. Tie Aussprache knüpfte an die zahlreichen An­träge an. die andere Fassungen der Art. 30 imc 31 Vorschlägen und von denen wir die wichtig,.en Vereins mitaeteilt haben (Nr. 77).

Tie Verhandlung wurde in durchaus ruhigem uno sachlichem Ton geführt. Man verwahrte sich auch von religionsloser Seite mit aller Emschiedentett dagegen, eine L.irchcnvecsolgimg ms Derk zu setzen. Abg. Meer seid (Loz.) fand versöhnliche und entgegen, kommende Töne. Zwar bestehe die Sozialdemokratte auf einer Trennung von Kirche und Staat, wumche aber eine sriedlicki-schiedliche Auseinandersetzung. Auch von der anderen Seite muffe man auf halben? Wege ent» qegenkommen. Eme völlig ungehemmte Entwickelung ber Orden nach den Zcntrumsanträgen könne man nicht Sefteben. AIS ganz unannehmbar bezeichnet Meer- einen Teil der schulpolilischcn Forderungen deS Zentrums Tas Volk verlange die Bcsremng der schule von der kirchlichen Aufsicht. Den dcmokrati- scheu Standpunkt vertrat Naumann. Natürlich könne die Trennung von jabrbunbertealtec Gemem- schäft nicht plötzlich und restlos erfolgen, yur den Staat bedeute die Trennung eine Ent a.vung, für me Kirche einen Zwang zum inneren Zufcunmenich-utz. Tie evangelische Kirche, die so lange beim Staate zur Miete wohnte, könne man seht nicht Einfach aus die Straße setzen. Ten Standpunkt der Rechtsrarteien vertraten die Abgg. Düringer urid K a h l

(D Vp). Sie traten ein für vollkommemte Gewis- fenSfreibett und Trennung von Staat und Kirche, so- weit das auf diesem.SSeticte möglich märe, feine Aut- Hebung des Eidzwanges z. B. empfahl Dr. Kahl mit Begeisterung. Tagegen fet cs für jeden Staat, und in5befonbrre für den neuen deutschen, em Lebensmter- esse bie sittlichen Kräfte zu beleben und zu erba ten, dic'sn den kirchlichen Gemeinschaften gtpfl.-gt werden.

Für das Zentrum erklärte Abg. Tr. MauSbach: Die deutschen Bischöfe haben sich mit Reckt vor allen, geaen eine Trennung gewandt ,toie man sie nach denk Beispiel von Frankreich und nach den Aeußernngen Adolf HoffmannS erwarten konnte, inzwischen bat sein Nachfolger m einer Rede den Ausdruck prcisgegcben und von einet Neuordnung des Verhältnisses gespro­chen Auch wnfere Anträge zeigen fentgegenkornm-n geaenüber den Bedürfnissen btt Seit. Aber gerade das Prinzip, Rcligion sei Pripaispche, bedarf der Ergänznng durch die sozia'e Bedeutung der Religion unb bet Re- ligionSgesellschasteu. Dos vom Abg. Äe-rfelb befürch­tete Nebetwuchcrn oct Cibcn ist fer Deuts bland ntd» zi, befurchten. Der Eeundsatz der persönlichen Ftetbetk spricht für d>e Freiheit der Katholiken, sich zu edelsten^ fit'Iiden Zwecken ?ufmnircnzuschbeßeii unb ke, den reit» ' giösen Genossenschaften liegt nicht nur ein ynterefei bet Kirche, fonbern ein toidiiigcS soziales Unterere Potj Im Krieoe hätten Wit bte Krankenpflege der D t reti nicht entbehren können: nickt "mbet mettwm« Arbeit werden sie bei bcr Erneuerung der Gesellschaft leisten. Necken den StaatLsckulen muffen Wit auch tte Möglichkeit freier P r i v a t sck> u l - « haben; e» m?» leinen llulturfiaat, wo sie nicht jugtuxjfen fuu). sau

7 A I Verantwortlich für den redakttonellen TeU: Karl Schütte. I |ir. 4 * * | kür die Aneeigen: I Par» eilet, Fulda. Rotationsdruck. |

kennungSschreiben unb von der Admiralität eine gvl- bene Ubr mit bet Widmung: .Anerkennung fut Ka­pitän Fryatt dafür, datz et .Bruxelles-oerettet bat. Später geriet Kapitän Fryatt in deut,chc

Et wurde vor ein auherordentliches Krieg» ietickt gestellt, das ibn am 27. Juni 1916 zum Tode verurteilte. I» der Be tündun, des Urteils wurde auswsptockrn, vay Fryitt a>s nicht zur fein Hieben Wchtmackt gehörig es unternommen bat, tbr Vo schud SU feisten deutschen W-Hrmackt zu schaden Die Veturtcrlimg zum Tode sei nach KriegSreckt nuSgeipro . en worden weil er auf offener See ve,sucht Habe, em deutickeS U.-Boot zu rammen. Da» Todesurteil ist vorn Gerichts- Herrn, Admiral v. Schröder, bestäti t unb ?vrt)att « Tage der Bestätigung erschaffen worben.

schietzun i bat in der feindlichen, namentlich in der eng­lischen Preffe einen Sturm bet Entrüstung bervo^e. rufen. Es kam zu emcm heftigen Notenwechsel, -vie englische Re terun t betrachtet die Erschiehun i yrbatts als einen Justizmord, als ein Verbrechen neuen das Völkerrecht ..nd gegen ben Krieg» tebranch. Rack zwölf- stündiger Verhandlung und mehr als sechsstunvi:et Beratung verkündete der SBöUerre.ttSauSfibufe folgcnves Urteil: .Die « schietzung deS Kapitäns CgarleS Fryatt enihält keine Verletzung de» VöllertechteS.^ Die Kom- miffion bedauert auf daS lebhafteste bte sdgneuig.ett, mit bet bas Urteil vollstreckt worden ist-

* Unter der französischen Herrschaft. Wie bn ,<saarbr. Ztg.' erfährt, wurde der Oberbergrat Reff, Tireklor ber Grubenin'pekiion 4 in Dudwetlcr, auf Grund eines geaen ihn gerichleien Tisz'pl nci'v'r. fabn nSber franzöüfchen Militärbehörde 'eines Amtes vorläufi g enthoben und mit strengem Artest den rast. Die Strafe ist in einer Saarbrückener Kaserne zu verbüßen.

* Eine Probeabstimmunz in Flensburg. De ,Hamb. Nachr/ melden, daß ber deutsche Ausschuß für das Herzogtum Schleswig zur Unterricht>'nq der maßgebenden Stellen Deutschlands, Tänemarls und der Ftied-nskonserenz über die wahre nationale Ge­sinnung FlenSburas eme Probeabstimm. ng veran- ftaltet hat, wob i 24,863 verwehe gegen 3401 damjche Uuterjchriften eingegangen sind. _.

* Eine Befchulbi ung bcr deutschen Schwerin- buftrie. Ein Aufsatz den Arthur Satanus tn Nr. 163 deS ,93oitoärt8' unter der NeberschriftTer Hochverrat der Schwerinrnslrte" veröffentlicht hat, erweckt den An chein, daß die Schwerindustrie wah. rend des Krieges d e u i s ch e s E i I e n an die Fetnde zur Herstellung von Granaten und Waffen geltefett habe. Gegen eine solche Verdächtigung legt der Ver­ein deutscher Eifen- und Siahlindustrieller als Be- russvern etung der Eisenindustrie enifchieden und nachdrücklich Protest ein und fordert Herrn A. Satänus öffentlich auf, die Bewetje für seine An- gaben beizudringen.

* Klawunde unter Anklage. Dte Dienstenthebung des bis erigen Berliner Stadtkommanvanten Kla- wunde ist eifolpt, weil ex nicht in der Lage war, über die rechimäßige V rwendung bedeutender Sum­men die erforderlichen Nachweise und Belege zu er­bringen. Die Summen waren zu UnierslutzungS- zwecken der Kommandur zur Verfügung gestellt worden. . _ , _

* Ter Segen des Bolschewismus. Den soeben in Paris erschienenen Polizeistatistiken zufolge sind in Petersburg im Laufe des Februar 113,006 Perionen oder übet 11 Prozent der Geiamibevölkernng der Stadt gestorben. Die Ursache dieser Sterblich- feit ist bte in Petersburg graffierende Typhus«, Pocken- und Hungeipestepioemie.