Berlaa der FuldaerHchenörudtt«tnftulöa. — Preismonatl. I A(R InhrQ.
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Parlamentarische Unterftaatssekretäre.
L>cn parlamentarischer Seite wird uns geschrieben: f Die parlameniarischen Unterstaatssekretäre sind tn «reichen und in Deutschland eine ganz neue Elnr ch- £.ng, eine Folge der parlamentarischen Regier ng und her Notwendigkeit, diese Negierung arS mehreren Partien zu bilden. Wenn tn Preußen das Zentrum sich tzewctgert hätte, in die Negierung etnzutteten, dann Säite entweder die Sozialdemokratie den Anschluß n a ch inks bei den llnabhängtgen suchen müssen oder es Iväre überhaupt keine Regierung zustande ge» kommen. Tie Unordnung würde noch fdlimmer, a.S sie schon ist. 'Tas Zentrum befand sich also in einer sehr schweren, verantwortungsvollen Lage, vi.l schwerer als im Reiche. Denn in Preußen wie in den Einzelitaaten jcherhaupt -stehen die Kulturfragcn durchaus in? Mittel- ptnfte deS politischen Lebens. Es war und ist aber selbstverständlich, daß in den Fragen der Kirche und der ßchule eine grundsätzliche Einigung zwischen Zentrum und Sozialdemokratie ausgeschlossen ist. Das ist 'm xtahlkampfe so scl)arf betont worden, datz die Wählerschaft leicht am Zentrum irre netten kann, wenn diese Partei nun m 11 den Sozialdemokraten und den Demokraten die Regierung bildete.
1 lieber diese Gefahr, wie über alle in Betracht kom- menben Echwtertgtetten waren sich die Mitglieder der tzraktion bei der Beratung über die Frage, ob man in he Regierung eintreten solle oder nicht, vollständig klar. Aber sie waren sich auch klar über die Folgen, die eine Mitwirkung der Unabhängigen bet einer Neuerung für das Vaterland und für das Christentum haben würde. Die Unabhängigen haben selbst b:e Bedingungen veröffentlicht, die sie den MehrhertSso-ialisien irr ihre etwaige Teilnahme an bet Regierungsbildung gestellt haben. Ta heißt es z. B.:
Einordnung des Rätesystems in die Versagung, ent« Beidende Mitwirkung der Räte bei der Gesetzgebung Staats- urb Gemeindevernaltung unb in b-n Betrieben. Völlige Auflösung deS alten Heeres unb des durch Freiwilligenkorrs gebildeten Söldnerheeres, Ent- toasfuung des Bürgertums, Errichtung einer Volkswehr miS der klassenbewußten Arbeiterschaft, Aufhebiinr bet Militärgerichtsbarkeit, Trennung von Staat und Kirche, Verweltlichung der Schule, sofortige Einführung der Einheitsschule.
Bei dieser Lage bet Tinge hat sich bte Z-nirums- frakiion en schloffen, um größeres Unheil zu verhüt n »mb dem Vaterlanbe zu dienen, dem Drängen bet So- Dialdemokratischwn unb der demokratischen Frakstm nach- gugeben und sich zur Mitwirkung in bet N c- gietun g bereit zu erklären. Sie machte aber doch zwch ausdrücklich den Vorbehalt, daß die Partei und ihre einzelnen Mitglieder, auch die in das Ministerium tintretenben, an ihren Grundsätzen festhal- t e n und gegen alle Vorlagen stimmen herben, welche bi>sen Grundsätzen widerspre- 8en. Wenn also in der Programnrrebe der neuen egierung ein Gesetzentwurf angeküu.bigt wird, der durch Abänderung des SchulunterhaltunaSgesetzes daS Siecht der Gemeinden auf Einreichimg von S i m u l. ton sch ulen ctireitert. so haben die Mitglieder ber ■ Zentrumsfraktion bei bet Beratung unb Abstimmung über diesen Antrag durchaus freie Hand. Tie Möglichkeit, einen solchen Antrag durchzusetzen, wird durch die Zugehörigkeit des Zentrums zur Regierung in keiner Weis» beetiislußt. Es lag nun aber der Fraktion viel daiaii, außer tn den beiden Minister-en, deren Spitzen von ihr besetzt wurden (Justiz und Volksw hl- fabrt) auch in anderen Ministerien, namentlich im Kultusministerium und im Laudwirtschaftsministerium Einfluß zu gewinnen. Denselben Wunsch hatten Sozia!- remclraten und Demokraten bezüglich anderer Ministerien. Um diesen Wünschen gerdcht werden zu können, ist die Einrichtung ber parlamentarischen U n- terstaatssekretäte geschaffen.
Diese Unterstaatssekretäre haben denselben Rang und dieselben Rechte wie die technischen Unterstaatssekretäre, die bisher schon in jedem Ministerium vorhanden traten. Ihre Aufgabe ist vor allem, die Per» hinbutig, herzustellen zwischen der Fraktion und dem Ministerium, die Grundsätze ber Fraktion in ben? Mini- fterium zu vertreten und bte Fraktion über die Vorgänge im Ministerium zu unterrichten. Zu dem Zwecke hg'en sie das Recht, an allen Beratungen unb Sitziin- Ben 'n Ministerium teil unehmen, foirie Kenntnis zu eroalten von bett Einlaufen, Anträgen. Stellen esetznn- gen usw. vnb dabei mitzusvrechen. Es liegt auf der k«nb, baß für die Erinllung dieser Aufgaben ein Ver. rraueneverbaituts zwischen dem Minister und dem Nn- terstaatssek'-etär nötig ist. Tamm haben die Fra'tio- ven sich dahin geeinigt, daß sie detti Minister, in besten Cmt sie einen Unterftoa'SfcJrefär beanspruchen k nnen, »ettrere Mitalwber.verschlagen, a s denen er sich ben "ann auswählt. der ihm am genehmste,, ist.
Tie Zentruinsfraklimt hat zunächst in ble beiden Ministerien, die oben schon erwähnt wurden, f arlamen- tarische Unterstaatssekretäre geschickt. Im Min sterium für Landwirtschaft ist der Abg. Busch aus Cuchenhein?, der in ben Kreisen ber rhein.schen Landwirtschait großes Ansehen genießt, Unlerstaatssekretär geworden. Im Kttliusmiwisieritim hat der Abg. Pros.ssot Wilde t m a n n a»s llkeckliugbausen die Stelle eines par- lamentarifitctf VuterraattfctrctärS erhallen; cr ist als Fachmann auf dem Gebiete des Schulwesens weit bekannt. Mit ihm zieht wohl zum erstenmal seit Besteben d:s preußischen KriltusnTinisteriums, — ein katholischer Priester als Berater darin ein. In weiten Kreisen des gläubigen Volkes wird das 8?efr ebigung Wachrusen. ?(6er es würde verkehrt sein und von dem neuen Unterstaatssekretär selbst am wenigsten gebilligt werden, wenn man seinen Einfluß überschätzte. Er stlbst wird sich über die Cchwierigke'ten, die ihm bei ber Vertretung seiner Grundsätze entgegensiehen, keiner Täuschung hingeben.
Die Entschädigungsfrage.
wtb Amsterdam. 2. April. Dem „Telearaaf" zufolge beriet der Rat der Bier in Paris nochmals über die Enlschädiqungsfrage. Man scheint allgemein der Ansicht zu sein, daß es sehr schwierig sein werde, bereits jetzt die Summe zu bestimmen, die Deutschland wahrend der nächsten Jahre bezahlen könne. Mnm weiß nicht, welche Enttvick- lnnasmöglickkeilcn der Handel und die Industrie in Deutschland für die Zukunft bieten. Es scheint, daß man jetzt eine neue Lösung in diese Frage zu finden versucht, indem man tu den Friedensvertrag folgende Punkte Qitfnimmt:
1. Festsetzung der Entschädigung, die Deutschland bezahlen muß 2. Festsetzung des Zeitpunktes, an welchem die ersten Zahlungen stattzufinden haben. 3. Festsetzung der Zahlungsmittel, über die von ben Alliierten Verfügung geoeven wirb, damit die Erfüllung der an Deutschland oestellwn Forderungen gewährleistet ist. Zu gleicher Ze t würden auch die Bürgschaften für die Bezahlung der Entschädigung festgesetzt werden.
Verhandlungen in Köln.
wtb Berlin, 2. April. Tie in Rotterdam begonnenen Verhandlungen mit den alliierten Regierungen über dcn Verkauf deutscher Erzeugnisie zur Erüeunq der Austandsvaluta für den Lebensmittelkauf werden am 3. Avril und zwar in Köln fortgesetzt. Es wird über den Verkauf von Holz, Kohle, Zucker, Papier und P a p i e rm a s s e ‘an die Alliierten verhandelt. Wie für die Verhandlungen in Rotterdam sind auch für Köln Sachvorständigengrulwen für jeden Artikel von der Waffenstillstandskommission im Benehmen mit dcn zuständigen Reicks niniftcrien ernannt worden. Tie deutsche Kommission reist heute abend nach Köln ab.
Danzig.
wtb Amsterdam. Dem „Allgemeen Handelsblad" wird ans Pons gemeldet, daß die Entente fest ent- schlossen sei, ihren Willen bezüglich Danzias durch« zusetzen. Die Truppen des Generals Haller würden in Danzig und in keiner anderen Stadt ausge» irfrfft werden, lieber das endgültige Schick al Danzigs sei noch kein Beschluß gefaßt. Fach weide feinerlei Aussprache über die Danziger Frage zulaffen, londetn Eizberger aufsordern, innerhalb von 48 Stunden der Forderung der Alliierten nachzulommen.
Das Saargebiet.
In der Saarbeckenfrage scheint e8, daß Frank» reich'das Recht zngestanden werden soll, als Schadens» Vergütung das Kohlenbecken auszunuhen. Sauter meldet ans Paris: Der Viererrat erwägt den Plan, Frankreich die wirtschaftliche und politische Aufsicht über das Saar decken zu geben, bis die Gruben Noidfrankreichs wieder leistungsfähig sind. DaS dauert voraussichtlich fünf Jahre.
Dke Blockade
über Deutschlanv bleibt bestehen.
wtb. Paris, 1. April. Reuter m ldet: Cs wurde beschloßen, die Blockade nicht nur über Polen unb Esthlanb, fonbern auch über Teuisch-Oester reich, bie Türkei, Bulgarien, bie Tsckeck>o-Sio:t akei unb bie durch Rumänien unb Serbien besetzten Gebiete aiifzuhelen. Eine internationale Hanbclskommission mit dem Sitz in Wien soll bie Ausfuhr von Teutsch-Oesterreich naa, Deuischlanb verh nbern.
London, 1. April. Tcrn Reuteischcn Büro würbe vorn Blockabeminister nritg.tcilt, baß kein Er nb zu ber Annahme bestehe, daß bie beutschc Bl 0 ckabe ganz aufgehobeil würde. Sie tviirte mir atgeänbert. um d e Entsendung von LebenSmikteln nach Teinsstland zu er- inögitchen. Tie Aufhebung der Blockade für Teutsch- Ocsterrelch gelte nicht für Ungarn.
Die wachsende Generalstreiksgefahr im Ruhrgebiet.
Eia Generalstreik ist der Streik im Ruhrgebiet auch jetzt noch nicht, aber immerhin hat sich, die Streiktage verschärft. Aus allen Teilen tont- men Meldungen über neue Arbei ereinstellungen. Im Essener, Mühlheimer und Bottroper Bezirk hat der Aus tand auf die große Mehrzahl der Zechen übergegriffen.m Auch i Dortmunder, Herder, Wittener und Recklinghäuser Bezirk sind zahlreiche wettere Zecken vom Ausstand betroffen.
In der Frühschicht bezifferte sich gestern die Zahl der Ausständigen auf etwa 110 000. Da die Gesamt, zisfcr der für die F-ühschjcht 'n Betracht kommenden Bergleute 215= bis 220 000 beträgt, fo ist bieJBetci, ligung cm Streik auf rund 50 Prozent der Gesamtbelegschaft anzunehmen. Die Zunahme entfällt hauptsächlich auf das Essener Revier. Im Bochumer Bezirk sind einige Zechen wieder in Arbeit getreten. Auf anderen haken die Belegschaften die Wiederanfahrt beschlossen. Die Unklarheit der Bergleute kennzeichnet sich so recht im Bottroper Bezirk. Während am Dienstag von dcn Negierungszcchen die Möllerschächte streikten und die Rheinbabenschächte arbeiteten, war am Mittwoch das Umgekehrte der Fall.
Bon der Streikleitung war der Ausstand wohl vorbereitet. Auf den Zechen erschienen fast gleichzeitig immer um die Zeit des Schichtwechsels eine Anzabl Agitatoren, die durch weitestgehende Versprechungen, wie Einführung der Sechsstunden- chicbt. Bewilligung einer erheblichen Lobvcrhöhnng )te Bergleute mitzureißen versuchten. Die Beleg- chaften stehen diesen Angaben jedoch recht mißtrauisch gegenüber, wodurch sich auch das Zögernde und teilweise Eintreten einzelner Schächte in den Streik erklärt. Und auch auf d'esen macht eine Anzahl nur mit, weil Gewalttätigkeiten befürchtet werden. Zum Schutz der Arbeitswilligen sind Regierungstr n p p e n bereits in verschiedenen Bezirken eingerückt.
Ausstand bei Thissen.
wtb Mülheim (Ruhr), 2. April. Bei der Firma Thissen sind die acsamten Angestellten, nachdem die Firma Gefialtsforderungen obgelehnt hatte, heute vormittäg 10‘/i Ubr in den Aus tand getreten. TaS ganze Werk wurde stillgelegt.
Streik in der Berliner Metallindustrie.
wtb Berlin, 2. April. Heute vormittag traten die technischen und kaufmännischen Angestellten der Berliner Metallindustrie in den Ausstand. D'e Zahl der Angest-llwu, unter denen sich alle An- geftcntenfa'ennrien befinden, Oberinnen teure, Ingenieure, Techniker, Zeichner, Werkmeister, Expedienten, Lohnschreiber und Stenotypistinnen, belauft sich nach einer ungefähren Schätzung auf über 30000.
Die Unruhen in Stuttgart.
wtb Stuttgart, 2. April. Nach einer amil'chen Meldung gab es bei den gestrigen Zusammenstößen vier oder fünf Tote und etwa 12 bis 15 Verwundete. Der zweite Vorsitzende des Roten Soldaten- bundes, Wilhelm Teufel, unternahm einen Mord- veriuch auf den Lenker des Automobils einer Wurstfabrik, der schwer verletzt wurde. — Tie Lebensmittelversorgung ist vorläufig gesichert.
Velagernngsp stand in Sensbnrg.
In der ostprei ßiscken Stadt Sensbnrg kam es im Anschluß an einen ttebcrfall auf in einem Ho,el bc’tnb» licke Off ziere, die mißhandell rind mit dem Tode be- dreht wurden, zu einem meh-stündig-n, mit Maslincn- getn fiten und Handgranaten a/Sgifad:lenen Kampf zwischen Regierungstruppen und den N ni r u h e ft i f t e r n, wobei mebrere Personen schwer bet« wtzt wurden, l'eber die Stadt wurde der Belagerungszustand verhängt.
Olgas Irrtum.
Original-Novelle von Alca Ruth.
(Nachdruck verboten.)
Der Referendar Karl Eichbach sieht vor dem Wand- kmegel in der dritten Etage des Hotels .Royal beige" In Cftenbe und murmelte:
»Stei Treppen hoch und dafür fünfzehn Franken I potztausend! Tas gibt eine äußerst große Bresche in ?*lne ohnehin zerrütteten Finanzverhält-.isse. Frei» >ch. Tetten zahlt achtzehn und wohnt dafür eine Treppe der Mutter Erde. — Nobler Kerl, der TettenI schwerreicher Junge, ein biSchcn grob, aber er kann ®on mir lernen."
. Er dreht die Schnurbartendcn aufwärts und fährt “öm einige Male hastig über daS kiirzgeschnitteeie matte “•rnbbaar seines kugelrunden Kopfes.
-Bist ’n hübscher Kerl, Karl Elchbach," fährt er in Anrede an sein Spiegelbild fort, „bie rechte Vene Schwiegersohn Papa Kommerziell Rats! — Na, eld’c Liebenswürdigkeit gestern auf dem Kurhausball!
amüsiert — beinahe Seit getrunken! — Un- »y-? ,chliche Hermine! Ich glaub’ wahrhaftig, daS "iaoel kriegt mi.-fc! Kapitalspaß! Tie gnäd ge Mama puh, tote ungnädig! Na, totnn erst der Tetten außer Schußlinie, dann kapitulieren wir, nicht wahr, meine wnobigei Parbleu, Karl Eichba», an Mut hat’s Dir Befehlt — also vorwärts! Gestern — na gestern m s pvramidal hübsch. Das flog ja nur so heran: -Herr Eichbflcki! — Verehrte,ter! aber," und er jch ug mit der flachen Hand vor tue Stirne, „vor diesem ms-L-biz be ricn blihcn sie alle ab! AL, nur ein L^ensl'-E^' aI5 i)ic,'eS brutale nichts I Misere deS
Er greift nach Hut unb Stock, um zu gehen, wirft <w«r noch einen schmellen Blick burL'S Fenster, noch genug, um Kommerzienrat Uhneke nrit Frau und Tochter au5 dem Portale seines Hotels treten zu »ehen.
<>8omofe Leute," erwog Elchbach im Hinvnkergehcn, Rvieje Kommerzienrats; wohnen erster — 27 Franken
ä Person pro Tag — na, und Goldtöchterchens wirklich echtes Brillantkollier — enorm bei Kaffe fein! H,mm- lisLe Hermine! Hübsches Mädel, — ergo, Karl Elchbach --"
Auf Gummisohlen huschten die Kellner, die mit Gläsern beladenen Tabletts auf den gespreizten Fingern balanzierend, an ihm vorüber. Tie Stubenmädchen, Lambrteres genannt, in ihrer anmutigen Tracht, den schlichten schwarzen Kleidern, den breiten weißen Schür- zen iind großen blütenweißrn Steifhaubon eilten ge- räusLIos von Zimmer zu Zimmer, immer höflich, tm- mer dienstbereit in desto höbe rem Grade, als das Gold in dem Barometer der Großmut der „geehrten Herrschaften" stieg.
Karl Etchbach stand dieserhalb in Verruf; aber wo er es an Trinkgeld fehlen ließ, fehlte es sicher nicht an liebrn-twürdiger Herablaffung, und man ward stets unter sich einig, daß man bei dem „galanten Herrn" ein „Auge zudrücken" muffe.
An Freund DettenS Zimmertür vorbeikommend, öffnete Eichbach dieselbe und steckte den Kopf hindurch.
„Nu, Alter, machen wir mit?"
Sein Blick glitt dabei zur offenen Balkontüre hinaus auf dcn belebten Strand.
Der Slngerebcte erhob sich ein wenig au8 dem Armstuhl. in bem er mehr lag als saß, unb eine Zigarette zwischen ben Fingern hielt:
»ftutücl Sonne, zuviel Volk vnb zu wenig Interesse — geht nicht, Karl," sagte er gähnenb.
»Wenn 'ch dir nun sage, daß Prinzeß Swphamr am Strand?"
.Sehr angenehm, aber laß mich in Frieden."
„Schau doch nur einmal hinaus, Fritzchcn; eine wad»e Völkerwanderung M „Ewig-Weiblichen" in allen Variationen Goldpapier."
„Kiimmert mtd, nicht, lieber Karl."
„Unb Du weißt auch wohl nicht, baß die Zimmer gerade unter den Seinen von dcn KourmerziculatS bewohnt sind?"
,3la f— und waS iveiterl* /
-Was weiter?! Dickhäuter! Tochter noch zu habeui, netter Käfer. — Auf Parole!"
„Dann habe sie doch!"
„Sehr lieb von Dir, vielleicht sagst Du mir auch, wie das gemacht wird," erwiderte Etchbach pitiert, „übrigens da behaupte einer bas gelb, wenn der Fritz Tetten Korn schneiben will —"
-Er will ja nickt," unterbrach ihn dieser schnell und legte sich wieder zurück.
„Je nun, den Frauen imponiert immer ein wenig Weiberbcrachtl'ng und Grobheit. Tas nennen sie „originell". Nanu, Fritzchcn, auf Komrl'mente bist Tu ja nicht erpicht — aber Tu und originell! — Nichts für ungut, stülpe Seinen Tropenhelm auf und komme mit!"
„Ich erkläre Sir hiermit zum fünften unb letzten Male, daß Du mich in Frieden lassen sollst!"
„Des Menschen Wille ist kein Himmelreich; wundern sollte eS wich indeffen n!Lt, wenn Tu auch Seine göttliche SBaine*-ont am Strand fändest."
-Geh’ zum Kuckuck, lieber Karl!"
Lachend schloß der Erotzenrngssüchtige bie Tür hinter sich und eilte, eine Operettenmelodie summend, die Trevpe hinab.
Fritz von Selten erhob siL, eine kraftvolle Hünen- fleftabt mit ernsten GesiLtSzüge». kurzgehaltenem dunk- lsn Vollbart mit holler eckiger Stirne, darauf gleichsam die Ritterlichkeit und ehrliche Geradheit seines Wesens ausgeprägt stand.
Reicher Eltern Sohn, trat die Sorge des Lebens ihm ferngeblieben. Trotzdem fand er am müßwen Leben kein-n Gefallen, sondern fLlng mit großem Eifer und natürlichen Selbstdcwiißlsein bte StaotSkarriere ein. Sein brrefbringenber Verstaub unb ber reiche ! Besitz brauchbarer GeistekgiLen ließen ihn an b-.-m Errungenen nickst Genüge finben. Er strebte naL Besserem mit ber inm eigenen Konsequenz, nach klacliegen- bcn Zielen unb Plänen.
So kam es, baß er bisher, wie er bem Drängen 1 von von freimbschatf'icher unb verwanbter Seite ge» I ßenuber vorgab, zum Heiraten eigentlich noch gar keine
Eln neuer Krlegsplan der Spartakisten
Von einer befonberen Seite schreibt mau uns.
Tie gewaltsamen Versuche der Spartakisten, drc Staatsgewalt an sich zu reißen, sind bis jetzt g«|chcr» tert. Freilich ist das nur unter Zusammenrafte« aller Kräfte mbglich gewesen und erst als frteoltwc Städte in förmliche Schlachtfelder umgewanoeft wa. ten, und im entsetzlichsten aller Kriege, rm Burger- kriege, Bruderblut in Strömen geflossen war. Aoer noch sind die Pläne der Spartakisten und Kommunu ften nicht ausgegeben.
Ein teuflischer Plan ist im Werk. Dre nach ihrer Niederlage geslücktcten S p a r 1 a k i st e n f ü h r e r haben sich, wie wir erfahren, samt und sonders nach L st Preußen zurückgezogen und in d.e östlichen Gebiete verteilt. Ihre „Tätigkeit" gebt nun nach folgender Richtung: Im Rücken der dcn östlichen Grenzschutz bildenden deutschen Truppen suchen sie Aufruhr und Ausstand zu cntsachen, die Massen für ihre Ziele mittels einer wahnwitzigen Agitation und unter Zuhilfenahme terrorristifcher Mittel zu gewinnen. Im Verein mit der, vor den deutschen Truppen stehenden russischen Armee, würde dann — fo hoffen die Spartakisten — der östliche Grenzschutz niedergeworfen werden können, und damit die Bahn frei für den Einzug des Bolschewismus vom Osten her nach Teutschland sein.
Pflicht der Regierung ist es, dafür Sorge zu tzra, gen, daß dieser gewalttätige und gefährliche Plan mißlingt. Das ist aber nur möglich, wenn den Spartakisten ihre technischen Machtmittel genommen werden. Es ist erforderlich, daß in allen bedrohten Gebieten des Ostens unverzüglich eine a II g e m e ine Entwaffnung in die Wege geleitet wird. Dazu hinwiederum ist es notwendig, daß außerordentliche staatliche Vollmachten wie die Verhängung des Kriegszustandes Platz greifen.
Es handelt sich jetzt vielleicht um den letzten Versuch unter Ausgebot aller, auch der verzweifeltsten Mittel, Deutschland doch noch reif für den Einbruch des russischcn Bolschewismus zu machen. Auch in Rußland hält dieser Gedanke die schon arg wankend« bolschewistische Regierung noch ausrecht. Stürzt die, fer letzte Hoffnungspfeiler, dann kann man der Erwartung sich hingeben, daß auch in Rußland bie wahnsinnige Politik aufgegeben wird, die darauf hin- zielt, Deutschland in den Strudel des Bolschewismus zu ziehen.___
Tie österreichische Anschlußfrage.
Lerlin, 1. April. Die gemischten Kommissionen zur Beratung ber Anschlußfrage Teutsch-OestcrrcichS an Tculfchhand treten Ende der Woche oder Anfang der nächsten zusammen. — In Dentfch-Oesterrcich ist .wie man aus Wien erfährt, alles ruhig. Trotz der stärken kommunistischen Werbetätigkeit ist an eine Einführung der Räterepublik gar nicht zu denken
Aufruhr in Aegypten.
wtb Kairo, 1. April. Reuter meldet amtlich: Die Eikenbahnlinien nördlich von Kairo sind wieder- hergefiellt. Großer Aufruhr herrscht noch in den fern von den Verbindungslinien liegenden Gebieten. Viele Bahnhöfe sind zerstört.
Ein Oberbürgermeister von den Franzosen abge« setzt. Der Oberbürgermeister Mangold in Saarbrük- ken wurde auf Verfügung F-ochs seines Amtes enthoben. Die französische Militärverwaltung nahm Anstoß an dem Hervortretzen des Oberbürgermeisters tts Unterzeichner des rheinischen Protestes gegen dir Loslösung von Deutschland.
Bei den Wahlen znm Arbeiterrat hatten in Elberfeld die Bürae>licken Erfolg. Während der Arbe'trrrat bisher aus Unadhängiaen bestand, wurden jetzt 12 Mellrheits o:., 8 Unabd. unb 16 Nicktfuz. ge« wä' kt. Die Wallt in Barmen etg'll öllnl'cke Zall'en.
Aus ein« Treibmine gestoßen ist der jtalienifche Ozandampser „Vmbria" auf der Fahrt Venedig. Tr'prlis in der Nähe von Bari. An Bord befanden sich 2000 Soldaten. Zwei Boote fentcrreit, die Insassen ver'chwandcn in den Fluten. Das Schiff ist schwer beschädigt nach Bars geschleppt worden. 80 Mann werden vermißt.
Zeit gesunden und sich im Allgemeinen um das schöne Gcscklecht toenig kümmerte. ,
TaS Zeitungsblatt in der Hand, trat, er, nabem fein lebenslustiger Freund gegangen, auf ben Balken hinaus unb setzte sich nachlässig auf bie Ballustrabe. Brennenb heiß lag bie Sonne auf ber Marquise über seinem Kopfe, unb neugierige Sonnen'krahlen huschten über bas Zeitungsblatt, bas feine Aufmerksamkeit nicht mehr auf sich zog.
Unter seinem Balkon flirtete bte Menge ber Badegäste dahin Ein Gewirr von SvraLen, Lachen und Flüstern, neckisches Rufen und KinberjauLzen drang gebämnff -m ihm herauf. Das radierte in allen Zungen, da? schäkerte unb winkte ’U b-n Balkonen hinauf und fanbte verschwiegene Grüße hinter bas Blä ter- c-tvirr ber Altane unb Lauben. Dort streitet ein tut. k'scker Würben träger neben einem bttnrtrtrrierien Enq. länber, die kokette Fran-ösin, schweigend in bem Voael- ge,witscher ihrer Svrache, neben ber ernben deutschen Reichsgräfin. ein iranischer Grande inmitten b-r Pa- trianfccnfamifie Samuel — alle in bunter Folge ztt- fammengebrängt. durch das Gewühl schlängelnd, in Gründen beisammenstehenb ober einzeln int bick-testen Gkbränge — ein Stein be? Anbolles — ober auch an bcn runden Tis,Heu, auf Klavvst'"hlen ober unter der kühlen ITeberbabrng ber Stranbkcrbe.
Fritz b-n Setten beobachtete dieses Treiben c'ne Weile schweinenb: aber seine Ai fm-rksamkeit würbe ’eit—cil'g clmclcrlt d-rck' bas Rausten ct't.s Fra wn» kleibes auf bem vnt-ren Baltrii. Sann f;*T a"ch ein klinflenber Gegen"anb -u Beben, imb ein St"bl t'ifbc leise acrückt. Sch-n begann Zetten sich "ber di s Be- rn,-rkba-wa'den toeib’id’er Nabe — es itanb bei ihm fest, daß b*rt unter ibm niemand anderes als das „gnäb'ge F ä'ckdn Kommerzienrat" br Unwesen trieb — als diese letztere in Begleitung Karl Eickbachs soeben in dem Gewühl da unten auftauibte und dich, unter seinem Fenller vorbeikam. Sie wandte i^r ziem, kich auSdntcksleieS Gefickt emror und rief herrisch:
„Olga! Olga! Hären Sie denn nickt, den armen Joko fchrcicn? Geben Sie ihm doch feinen. Zucker."
eFortietzung folgt)