L | Verantworüich für den redaktionellen Teil; Karl Sckütte. ! HE 4 V* | für die Anzeigen: I. Pa rzel ter, Fulda.— Rotationsdruck, j
Dienste* 1. April 1919. | I 46. Zahrg.
Die Römische Frage.
In unterrichteten Kreisen glaubt man, daß die Mung der Römischen Frage nun endlich vor der Türe ugt*. Die Verbandlungen des Hl. Stuhles mit Wilson Lj‘in Amerika, und die wiederholten Aussprachen «nikanischer Würdenträger mit anderen etaatSmän- jitrn der Entente haben den Boden vorbereitet. Selbst jet den Staatsmännern der französischen Freimaurer- ypublit scheint das stärkste Eis gebrochen zu sein. Die Entente erkennt eben, daß der Papst nicht auf die x>juer als Luft behandelt werden kann, wenn anders jiC Entente schon wegen der Frieden»- und Lieber» tätigkeit de» Hl. Stuhle» während des Weltkrieges vor je; beschichte bestehen will.
Man ist im einzelnen über die Zwecke der Romrerse je§ Kardinals Amette von Paris noch nicht unter- ridtet. Aber soviel ist sicher, daß sie in großer Eile jcircrkstelligt wurde, nachdem der Kirchenfürst mit Llemenceari eine längere Unterredung gepflogen haue, und daß er gleich nach seiner Ankunft vom Hl. Lwer in Audienz empfangen wurde. Der Papst hatte trordj den Erzbischof von Paris dem französischen Mi» nn'rerpräsidenten seiner glücklichen Errettung vor dem Mörderischen Anschlag seine herzlichen Glückwünsche aiiksprechen lassen, wofür dieser ebenso herzlich gedankt w. Tas war der äußere Anlaß zu der Annäherung, die, wie man behauptet, jetzt zwischen dem Hl. Lwhl und Frankreich vor sich gehen soll. Tie Frage ist nun, ob nur diese kirchenpolitischen französischen Angelegenheiten, mit denen sich auch eine Konferenz Jet Erzbischöfe des Landes kürzlich befaßt hat. Gegen- Md der Verhandlungen mit dem Hl. Stuhl sind, oder U auch, wie von verschiedenen Seiten versiihert wird, die Absicht der Entente, den Papst zum Eintritt in dcn Völkerbund einzuiaden und ihm so eine internen tonale Sicherheit für seine Unabhängigkeit zu ße« eäiin n, dabei zur Sprache kommen soll.
Ti: „Mcrnama" untersucht die rnancherorrs auf» Mworiene Frage, ob der Hl. Stuhl einem so einseiti» gen Völkerbund, wie er von den Alliierten geplant ist, Aerhaupt beiireten kann und bemerkt dazu mit Recht, htrüber gebe die Stellungnahme des Papstes zur Frie- d-nskonferenz wohl den gewünschten Aufschluß. Zu her immer wiederkehrenden Behauptung, dem Hl. Stuhle sei sehr viel an einer Beteiligung an der Friedenskon- fereiiz gelegen, hatte kürzlich schon der Osservatore flcmano bemerkt, der Papst habe von Anfang an die Nsicht gehabt, den Verhandlungen fernzubloi- 11 n, wenn sie zu einem Gewaltfrieden führen upd somit nicht der von ihm so lebhaft angestrebten Wlkerversöhnung dienen sollen. Ter »Corriere d'I,talia" täii dann ausführlicher auf die Sache ein und versichert, feit den ersten KrlegSmonaien habe sich der Hl. Stuhl eingehend mit der ihm für den Zeitpunkt der Friedens- Verhandlungen gebotenen Haltung befaßt und sei nach rtiflidjer Ucberlegung zu dem Entschluß gekommen, im RaTlc eines BcrständigungSfriedenS S e- reitwillig eine Einladung zur Konfereny omu» vrbmen, dagegen im Falle einer Niederlage der einen der beiden Parteien eine ettvarge E i u l a d u n g .ob zu l e h ne n, weil er nicht an einem Frieden Mitwirken könne, der ztveifellos dem Besiegten verhaßt jein würde.
Da§ römische Blatt fügt noch hinzu, diese Entschlüsse, für deren genaue Wiedergabe es jede Bürgschaft Äernehmen förnne, reichten in die ersten Zeiten deS Krieges zurück, als die Wahrscheinlichkeit eines SiegeS der Mittelmächte am größten war; der Papst habe cb"o nicht zu einer Eriiiedrigung der Entente beitragen wollen. Die strenge Sachlichkeit verlange eine Ergänzung dieser Meldung in dem Sinne, daß der Papst ebenso- foenig an einer Erniedrigung der Mittelmächte teil» haben will.
Man dürfte gegen diese Auffafffung der Römischen Kurie vielleicht einwenden, der Hl. Pater könnte durch stme Vermittlung doch manche Karte Friedensbedingung Nilbern, wenn er nicht grundsätzlich auf eine Mitwir- Mg an der Friedenskonferenz verzichten würde. Aber demgegenüber muß festgestellt iverden, daß das Trübende und Gehässige am den Bestimmungen ganz gewiß auch dem Hl. Pater zur Last gelegt würde. Jedenfalls ist durch diese Erklärung die edle, vornehme Neutra. Zitierung deS Hl. Stuhles vor neuem be» siegelt. ___
Danzig.
Sefraqmtg der Parteiführer.
wtb Berlin, 81. März. Das Kabinett beschloß in der aefbigen Sihuna, anläßlich der Forderungen des Marschalls Foch nach neuen Verhandlungen in der Tanziwr Frage die F r a kti o n S führe r der Nationalversammlung auf Mittwoch, den 2. April, rach Berlin zu bitten. Sie sollen ebenso wie bet den bisherigen Schritten in den Waffenstillstands» derhandliinaen zu den Beratunaen binzuaezogen
Aie Versunkene Kvone.
Roman von Felix N abor.
(Schluß.)
»Es ist mehr als das, Elsa; es Ist Bewunderung, *6 ist Liebe! Daß Du an rnick glaubtest, während alle ®ibem mich ob meiner Schuld verurteilten, siehe, das war das Samenkorn dieser neuen Liebe in mir. Und wie Du Dich dann meines Vaters annahmst, wie Du bei Ihm ausharrtest. tausend Opfer brachtest und schließlich sogar seine Seele aus den Banden böser Dämonen befreitest, das steigerte meine Liebe zur Verehrung, zur glühenden Bewunderung."
»Sprich nickt davon, Kurt! Ich tat es doch gerne, es aus Pflichtgefühl."
»Und mir zuliebe! Ist es nicht so? Schau, das "wn ich Dir niemals lohnen, ebensowenig wie das andere, daß Du mich, den leichlsinnigen Weltmenschen,
den rechten Weg geführt hast. Ja, das hast Du Mim, Du. Und jetzt, nachdem Du soviel für mich und wein Haus getan hast, fetzt willst Du fahnenflüchtig ^rden und mich veilaffen?"
»Das sag' ich doch nicht, Kurt! Es ist ja nur eine Hurwliche Trennung! In Cedanken, im Herzen —"
»Nun? Sprich zu Ende!" drängte er.
' »Da bin ich doch bei Dir!" vollendete sie leise.
. „Gisa! Liebste!" rief er und zog sie jubelnd in inne Arme. „Ich weiß es ja längst: aber ich möchte *s aus Deinem eignen Munde hören, das große Wort. Und so frage ich Dich denn: Oifa, liebe Gisa, hast Du wich lieb?"
. hab' Dich lieb", gestand sie errötend, „hab' -0>ch immer, immer lieb gehabt!"
»Tor, der ich war", gestand er ihr, ..daß ich Ebwm schillernden Falter na'chjagte und den Edelstein wcht sah, hxx mir entgeaenfunkelte. Damals war ich ^rrd» jetzt aber bin ich sehend. Visa, ich liehe Dich!.
werden, damit die Endübereinstivrwung zwischen dem Kabinett und den Parteien gewährleistet wird.
t Haag, 31. März. Einer Londoner Meldung de? „N'ettwe Notterdamsche Courant" zufolge meldet „Teilt) Chronicit" auS Paris vom Sonntag: Hetzt wo sich d>e Beratungen desViererates über die polnischen Anaelegenheiten ihrem Ende nähern, hängt eine Wolke über den Erörterungen infolge des "Mißverständnisses von Danzig und des Fehlers, den General Nudant begangen zu haben schein', als er den Wortlaut des Waffenstillstands- Vertrages dahin auSlegie, daß eine Ablehnung, den polnischen Truppen unter General Haller den Durchzug durch Danzig zu gestatten, als Bruch des Waffenstillstandes bezeichnet werden müßte. Im Bieierat ist man zu der Ansicht gekommen, daß es gefährlich wäre, wenn man auf dieteWeise den „Korridor" eröffnete und 2 Millionen Deutsche von ihrem Land trennte. Es wird alle Mühe angewendrt, um diese Schwierigkeiten zu lösen.
Machtvolle Kundgebung in Ostpreußen.
wtb Königsberg, 30. März. Tie Entrüstung und Erbitterung über den vertragswidrigen Plan unserer Gegner, das kerndeutsche Tanzig und das Weichseltal den Polen in die Hände zu spielen und Ostpreußen zu erdrücken, sand elementaren Widerhall in Massenkundgebungen, die am Sonntag zu gleicher Zeit in jeder Stadt und in jedem Tors Ostpreußens ihre Stimme laut erhoben, um dem Feinde einzuhämmern, daß deutsches Land und detuscheS Recht sich nie vergewaltige» lassen. In der Landeshauptstadt Königsberg batte sich zu der Abwehrbindgebung um die Mittagsstunde unter dem Geläut aller Glocken trotz der Ungunst der Witterung eine nach tausenden zöglende Volksmenge aller Stände und Parteien — nur die Unabhängigen hatten sich zu einer besonderen Kundgebung abgesondert — auf dem Par ade platz vereinigt. Durch alle Sieben zog der unverrückbare Gedanke, es dürfe kein beutsckes Land polnisch werden. Gemeinsam iaug die Meng: zum Schluß, arS das Hoch auf Ostpreußen und baä einirre ,untrennbare und freie deutsche Vaterland verklungen war, „Deutschland, Deutschland, über alles!" Außer der öffentlichen Kundgebung sind Liften im Umlauf, in denen alle, die deutsch denken und fühlen, ihren Namen erntragen.
Irr Versailles.
w.b Paris, 31. März. Die aus sechs Mitgliedern bestehende beutfche Fin a nzkommi ssion ist am Sonntag hier eingetroffen.
Amerikanische Kredite für Deutschland.
* Berlin, 31. März. Aus Newhork wird gemeldet, daß sich die amerikanische Hochfinanz bereit erklärt hat, Deutschland einen größeren Kredit einzuräumen, wenn neben der Verpfändung ausländi» icher Wertpapiere Lieferungsverlrage auf hochwertige deutsche Erzcugnifle, wie Farbstoffe, Cheyiikalien und Kalisalze als Sicherheit gegeben werden.
Die traurige Lage der deutsche» Gefangene» in "einem frantöjiid cn Bergwerksiagcr.
wtb Berlin, 29. März. Nachrichten aus dem Berg- Iverkslager Firm i»y, las bisher noch nie von Vertretern der Schweizer Gesandtschaft oder neutrale» Aerzten besucht wurde, haben die deutsche Regierung zu einem energischen Protest veranlaßt, der infolge- der über dies« Lager bekannt gewordenen skandalösen Zustände nur zu berechtigt erscheint. Tie Kriegsgefangenen wohnen in einem alten Gebäude und f einen. Dünn gebauten Holzhütten, die nicht dsit bescheidensten Anforderungen an Wohn'ichkeit und Bequemlichkeit entsprechen. Tische und Stühle fehlen, ein Eß- und Erholrmgsra'-m ist nicht vorhanden. Zur Bewegung dient ein kleiner Hof. Die Beköstigung ist ir reichend. Als Tusche dient ein Rohr mit etwa 20 Löchern. Trotz der schmutzigen Arbeit Wick niemals warmes Wasser geliefert. Seife müssen sich die Gesan» f.enen selber kaufen. Für die Zerstreuung und geistige Anregung der Gefangenen wirb absolut nichts getan. Bücher werden nickst ausgehändigt, frauzösisck-e Zeitungen, Singen und Musik sind verboten. Tie Arbeit beträgt unter Tage acht Stunden, über Tage zehn bis 12 Stunden bet 25 Centimes Entlohnung. Tie Behandlung ist schlecht. Als Strafe wird den Getrogenen Sonnraesarbeit ohne Entlohnung zudiktiert. Im übrigen verhängt der Lagerarzt bei angeblich unbegründeter Krankmeldung Arrest bis zu acht Tagen, der bei Wasser und Brot verbüßt wird. Es ist wohl über» slüsiig, hinzuzufügen, daß die Zwilbevölkerung die Ge-
Du bist mir die Krone der Frauen! Ach, was bin ich glücklich!" '
Arm in Arm traten sie vor Kurts Mutter, um ihr dies Glück zu verkünden. Dann erklang draußen die Hupe eines Autos, und Heinz v. Malfen kam, seine Schwester abzuholen.
Als Eifa schon im Auto neben ihrem Bruder saß, sprang Shirt noch einmal lachend hinzu und rief: „Jetzt entführst Du mir die Braut: aber gib nur achr, ehe ein Jahr zu Ende ist, hol' ich sie mir zurück — mit vier Rosien, wie eine Königin!"
So geschah es denn auch. Im Herbste wurde die Hochzeit in aller Stille gefeiert, und es gab im ganzen Lande kein glücklicheres Paar als Kurt o. Seefeld und feine blonde Eifa.
Am Rachmittaa, bei der großen Famllientafel» trug Eifa zum erstenmal den herrlichen Schmuck, den ihr Auguste v. Perlach vererbt hatte. Kurt hatte ihn ganz neu fassen lassen, und er erregte allgemeine Bewunderung. Besonders das Diadem aus Brillanten, das Gisa im Blondhaar trug, war vor märchenhafter Schönheit. Gisa erschien unter dieser Krone wie eine junge, strahlende Köniasbraut. Das sagte ihr auch Start, nachdem die Geste gegangen waren. Er umarmte sie und jubelte ihr zu: „Wie schön bist Du, meine siebe Herrin, meine Königin!"
Sie lächelte und bat errötend: „liebertreibe nicht, Kurt! Ich bin nur ein gewöhnliches Menschenkind."
Aber dagegen hob er ganz energisch Einspruch: „Nein, Du bist ein Engel an Güte und Reinheit, eine Königin an Größe und Edelmut."
Dem stimmte auch Kurts Mutter bei, und indem sie wie segnend die Hände erhob, sagte sie: „Du hast wahr gesprochen, mein Sohn! Strahlender als diese Edelsteine sind Eifas Tugenden. Sie bilden ihren schönsten Sckmuck, ihre herrlichste Krone: ihre Liebe und Treue, ihre makellose Ehre, ihr felsenfester Glaube an Gott und an das Gute in der Welt. He" bem Hause, das eine solche Braut empfängt! Heil dem Geschlechte, das diese Zierde der Frauen sein eigen nennt:
fangenen beschimpft und m i t Steinen bewirft, wogegen natürlich nicht bas Geringste geschieht. Ter Verkehr dieser zu einem Sklavendasein Verdammten mit her Heimat läßt alles zu wünschen übrig. Tie Kriegs- gefemgenen dürfen monatlich nur einen Brief schreiben, jedoch wird ihnen diese Erlaubnis öfters entzogen.
Wenn die frcmtösische Regierung bisher dieses Lager vor den Augen der Schuymachtveitreter geheim- gehalten hat, so sind uns nach allem: was wir über dieses Lager erfahren haben, die Gründe für diese Verheimlichung durchaus begreiflich: Tie verbrecherisch^ Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen sollte nicht ans Tageslicht kommen, der neutrale Tadel hätte vielleicht peinlich berührt. Es muß nunmehr nach Auf» deckimw bet völkerrechtswidrigen Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen mit aller Energie darauf bin« gearbeitet werden, daß diese Mißstände unverzüglich beseitigt Werben.■
Ungarn.
* Wien, 31. März. Die,Mittagspostt bringt die Unterredung mit einem früheren ungarischen Minister, der in Wien eintraf. Ttc'er erklärt, daß alle Meldungen der ungarischen Räteregierung falsch sind, und daß die Stimmung te8 Publikums eine verzweifelte sei, weil der wirtschaftliche und moralische Zusammenbruch allgemein^jei.
Die Streikbewegung im Ruhrgebiet.
Die politischen Forderungen.
wtb Esirn, 81. März. Wie die Neuner-Kommission mitteih beschloß die gestern von ihr eiube- rufene Delegierten-Konferenz dec Pe«garbeiter bc3 Ruhrgebietes den Generalstrei k.der am 1. April beginnen und solange dauern soll, bis die nachftehendeu Jörderunaen b tvillmt sind:
1. Sofortige Einführung der SechSstunden- Schicht mit Ein- und Ausfahrt und für die Unter* fageatfeiter unter Beibehaltung des bisher für die Länge der Schichtdauer gezahlten Lohnes; 2. LSproz. Lohnerhöhung; 8. Regelung der Knappschafts- fregen; 4. Anerkennung des Rätefhstems; 5. Sofortige Durchführung Der Hamburger Punkte betr. die Ko m mandogeival t; 6. Sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen; 7. Sofortige Bildung einer revolutionären Arbeiterwehr. 3. Sofortige Anknüpfung aller politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit der russischen Sowjet» Regierung; 10. Entwaffntu.g der Polizei tm Industriegebiet und im Reich; 11. Bezahlung der S l r e i k s ch i ch t e n.
Berlin, 31. März. Von zuständiger Stelle erfahren die „Pol. Park. Rachr.": Tie Lage im rheinisch.westfälischen Kvhlengebiet ist ernst. Ter Ha uv t Herd der Unruhen ist das Dortmunb-Bochurri-Wittener Revier. Tort streiken zurzeit 55 Zechen und einige Werke mit annähernd 50 000 Arbeitern. Die Bewegung geht von ben Spartakisten aus und hat rein politischen Hintergrund. Ihre Ziele sind der Sturz der ,gegenwärtigen Regierung und die Turchsüh» ritnti des Bolschewismus. Tie Führer der Bewegung sind sich darüber völlig klar, daß, wenn der Sechchtun- dentag eingeführt würde, das ganze toeifli&e Jndustrle» rebier bankerott machen würde. ES würden - bvtrm ntB* natlich nut 180 000 Tonnen Kohle gefördert werden können gegen eine Normalförderung von 340 000 bis Oktober 1918. Unabhängige und Spartakisten arbeite» in bet jetzigen Bewegung, eng zusammen. Der geistige Beirat ist der ruffische Bolschewist Dr. Karski.
AuS Dortmund wirb weiter gemeldet; Tie Belegschaften der Zechen fahren nut sechs Stunden ein, soweit sie überhaupt arbeiten. Eine Reihe von Zechen arbeitet gar nicht. Tie Eisen- und Stahlwerke sind in erheblicher Erregung, sie haben heute streiken wollen, Deutsch-Luxemburg, Abteilung Union, ist aber ein gefahren urb arbeitet, nachdem Die Mitglieder eines Hun- DertetaussLusses die Tarifverträge angenommen haben mit den Zusätzen, die von bet Werkleitung vorgeschlagen worden waren. Auf dem Eisen- und Mahlwerk Hösch wirb nicht gearbeitet. Einet der größten Hoch- Öfen des HöschwetkeS i ft heute vormittag vollständig zu 93 r u th negan gen, weil er nicht beschickt intrbe und durch Die vielen Arbeits» unterbreckimgeu gelitten hatte. Die Wiederherstellung erfordert 8 bis 10 Monate. Es besteht die Befürchlung, daß in nächster Zeit bei weiteren Hochöfen Aehnliches geschehen wird, trenn nicht die Arbeit regelmäßig fortgesetzt wird. Tie Lage kann als außerordentlich kritisch betrachtet werden.
Essen, 31. März. Die Forderungen der Velegsckaf- teil werden untrer radikaler. So wird auf verschiedenen Zechen bereits eine dOproz. Lohnerhöhung und außerdem die Auszahlung neuer Teuerungszulagen bis zu 300 Mark für jeden Bergmann verlangt. Die Berg
es wird glänzen und blühen. Gott schütze Euch! Die Krone, die versunken war, die Ehre und ein reines Gewissen, ist durch die heilige Treue einer reinen Frau gerettet worden und erstrahlt in neuem Glanze. Heil Euch, Glück und Segen!"
Sie küßte beide und ging bewegten Herzens davon, um in der nahen Dorfkirche für) das junge Paar zu beten.
Kurt und Gisa aber traten hinaus auf die sonnen» überflutete Terrasie. Da grüßte der See wie ein blaues äuge; da grüßten die grünen Hügel und in der Ferne die schneegekrönten Alpen; da fang ihnen der Herbstwind, der in den Säumen harfte, ein leises, süßes Brautlied.
Dort aber, in der Ferne, flimmerte und gleißte es geheimnisvoll wie ein goldener, lockender Vorhang, hinter dem sich ungeahnte Herrlichkeiten verbargen — dort lag die weite, weite Welt, aus der Kurt geflüchtet war, weil sie Ihn zu zermalmen gedroht hatte wie die Mühlsteine ein Fruchtkorn. Und seiner früheren SBer- Irrunaen gedenkend, sagte er zu Gisa: „Was da draußen liegt, das große, rauschende Leben, jene Welt der Freude, des Genusses, der Lust, die Welt des Scheins, die unter glänzender Hülle soviel Hohlheit und Herzlosigkeit, soviel Geistesarmut, Sünde und Schuld birgt, das alles liegt uns ferne, und wir haben keine Sehnsucht danach. Als verlorener Sohn durchirrte auch ich einstmals diese bunte, falsche Welt und mar nahe daran, in ihren Abgründen zu versinken. Deine treue Liebe aber hat mich gerettet; ich bin sehend und wissend geworden. Nicht dort draußen im Strudel der Welt liegt das wahre Glück, sondern in uns selbst, im stillen Herzenssrieden, den mir mm gefunden haben. Ach, Gisa, wie groß und rein ist unser Glück! Wir haben die Welt überwunden, sind nicht mehr selbstsüchtige, lüft- und lebenshungrige Wellkinder, sondern —" >
„Gotteskinder!" vollendete Gisa seine Rede. „5a, Gotteskinder, denen Glaube und Tugend, Ehre und Gewissen die höchste Güler dieser Erde find. Wir be«
Generalstreik in Stuttgart.
wtb Stuttgart, 81. Mörz. Ter sckon lange angekündigte und immer wieder aufgeschobene Generalstreik ist heute hier ausgebrochen. Es wurden folgende Forderungen aufgestellt: 1. Freilassung der Politisch«Inhaftierten;. 2. Aufhebung des Belagerungszustandes und des Verbots von Temonstrono- nen und Versammlungen unter freiem Himmel» 3. Einstellung der anläßlich des Ianuarstreiks ge»
herrschen nur ein kleines Reich, das man fast mit den Armen umspannen kann; aber es ist dennoch groß Und schön, denn es schwingt sich von der Erde zum Himmel empor und ist erfüllt vom heiligen Gottesfrieden. Dieses Reich wollen mir treu behüten."
„Ja, das wollen wir!" bekräftigte er. „In diesem unferm kleinen, stillen Reiche des Friedens und der Liede bist Du Herrin und Königin! Denn jedes Haus und jede Hütte wird zum Königspolast, wenn Glaube, Liebe und Treue darin wohnen. Und jede Frau, fei sie hoch ober niedrig geboren, wird geadelt und erhoben durch die Edelsteine der Liebe und Treue, die sie dem Gatten lebenslang unbefleckt erhalten soll, die sie ihm entgegenbringl wie eine Königskrone. Liebe und Treue krönen die Frauen zu Königinnen ihres Hauses^ ihres kleinen Reiches. Liebe und Treue.sind der goldne Thron, auf dem die Ehegatten herrschen, bis der Tob bie irdischen Bande löst. Deffen wollen mir stets eingedenk fein, und ein reines, makelloses Leben führen, daß wir nicht nur dem Namen nach, fonbem auch in der Tat dos sind, wozu uns der Schöpfer schuf: Gottes Kinder!"
„Gesegnet sei die Stunde", flüsterte Gisa, „die Dick mir schenkte. Nun erkenne ich erst recht, w-e edel und gut Du bist, und daß Du geläutert und geadelt ru» allen Prüfungen hervorgegangen bist. Dem Himmel sei dafür Dank' Ich aber will unser Glück hegen und pflegen wie einen kostbaren Schatz, und vereint mit Dir trotze ich allen Stürmen — und grüße in Demut das neue Sehen."
Von Sonnengold überschüttet, von Himmelsglanz nmfloffen, auf den Gesichtern den Abglanz ihres Glückes, im Herzen Gattvertrauen und felsenfeste Glaubenskraft — so traten sie Hand in Hand hinein in ihr Haus und in ihr neues Leden.
„Stimm", sagte Kurt mit bewegter Stimme, „komm, meine schöne Königin, tritt ein in das heilige Reich des Glückes und des Friedens!" — Und die Sanne, die gütige Zauberin, setzte ihnen zwei goldem Kronen süss Haupt.
arbeitetotflamiationen sind gegenüber der spartanstr» scheu Wühlarbeit vollkommen machtlos. In C a st r o p herrschen fchivere Unruhen. Nach amtlichen Nachrichten ist die Polizeistaliou gestürmt.
» Bochum, 31 L,ärz. Ueuer Den blutigen Zusammenstoß in Easirop wird noch gemeldet: Im Saure des NachunttaaS bewerten sich Demonstrnlurnszu^e von Belegschaftsmitgliedern der Zechen Teuronia, Errn, Stern, Graf Schwerin usw. zum Castroper Amtshaufe. Gegen 1 Uhr stießen die Demonstranten mit der Srcher- heitswehr zusamm n. Die Mannschaft der letzteren ti.itetb’.-jte sich vor dem Ämtrhause rmt Handgranaten. Von einet Handgranate wurden vier Personen getötet und eine größere Anzahl verwundet. Die Sicherhetcswehr drang vor und säuberte mehrere Straßen. Währenddessen fielen Gewehrschüsse, von denen ein abseits stehender Neugieriger getötet wurde. Im Laufe des Nachmittags herrschte verhältnismäßig Ruhe.
Velagerungszustanv.
wtb Berlin, 31. März. Die Reichsregierung hat zusammen mit der preußischen Regierung beschlossen: lieber das Nuhrrevier wird der Belagerungszustand verhängt...
Tie Regierungstruppen rucken in Äas Revier ein, um die Arbeiter und die Betr'.ebsanlageu vor dem Terrorismus zu schützen. ’ ' ,
Ter Reichsernährrmgsmincher wird entsprechens den Brüsseler Forderungen der Alliierten in das Streif« gebiet kein Pfund von den eingeführten Lebensmitteln einliestrn lassen.
Ter Neichsarbeitsminister wird keinerlei Bezahlung für Streikschichten gewähren. Dagegen soll ben Arbeitern der Zechen, aus denen nach der 734 Stundenschicht gefördert wird, eine besond. Schwerst« arbeiten 'zulag e, steigend mit dem Förderquan» tum, gewährt, werden.
Die Reichsregietung utuß unser Volk am Leben erhalten. Sie Darf die Republik nicht Dem Terror durch eine Provinz und einen Stand auShtfern. Alles für den, der jetzt arbeitet, nrchts für den, der setzt st r e i k t. Sonst gibt eS für Deutschland leine- Rettung mehr.
Ein Slufruf ver Regierung.
wtb Berlin, 31. März. Tie R eichsregierung erläßt folgenden Aufruf an die Bergarbeiter:
Für das Ruhrrevier hat über ben Kopf der^ berufenen Arbeitervertretungen hinweg eine „Delegiertenkonferenz der reaktionären Bergarbeiter" ben Beschluß gefaßt, am 1. April aufs neue in den Generalstreik zu treten. Die Forderungen, die dabei gestellt werden, wurden in ihrer Gesamtheit die deutsche Republik der politischen An. archie und dem wirtschaftlichen Zusammenbruch ausiiefern. Würde dieser Streik, der den Arbeitern nicht helfen soll, sondern die Mgemeiicheit zerstören will, siegreich sein, so würde das bedeuten: VerniÄ- tung der Kohlenförderung durch Sechsstundenschicht und sinnlose Lohnerhöhungen, Stillegung aller Industrien, die auf Ruhrkohle angewiesen sind, Ber«- cjtelung der endlich zugesicherten Lebensmittelzufullr, die mit Industrievrodukten' und Kohlenausfuhr bezahlt.'werden muß. — Die Regierung, die solche MvsruützKk üfiehrnen Mrd?. •~tBö?n?re'WengTa- beriri der Republik, des Volkes und der Freiheit. 'Die'Reichrsegierung hält nach wie vor fest a n b.ejt $ e r ei n-b a rang c-n, Ne sie seit Februar mit de» Bergarbeitern getroffen hat: Arbeiter- und Bezirksräte, durch die allein bie Arbeiterfchast in ben Produktionsprozeß hineingeführt und zur gleichberechtigten Mitbestimmung und Mitarbeit zugezogen werde» kann. Dazu das SozialtsierungSgefetz im Zusnrn.- menhang mit der SozialisierunZ des Kohlenhandels. Unb schließlich bie Einführung der Stunde»- schicht. — Es. ist keine Politik, keine Verwaltung mehr möglich, kenn solche grundsätzlichen Einigungen nach wenigen Tagen uno Wochen umgeworfen und durch unmögliche urtb übertriebene Forderungen gegenstandslos gemacht werden.