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* Rotterdam, 29 März. Sie .Times' melden aus Havre: Die ersten vier TrckpventranSporrdampser mit polnischen Truppen sind am Donnerstag nachDanzig ausgelaufen.

' Berlin, SO. März. Vom Marschall Fach ist auf unsere letzte Note wegen des Ersuchens detr. Landung der Truppen in Danzig eine Antwort ein ^laufen deS Inhalts, daß er einen Bevollmächtigten der deutschen Reichsregierung am Mittwoch in Spa zu treffen wünsche, um selbst diesem die von unS gewünschten Garantien für die Landung der Hallerschrn Truppen zu geben. Wie wir erfahren, wird der ReichLmmister und Vor­sitzende der deutschen WafsenstillstandLkommission E rz- berger sich zu diesem Zweck nach Dpa begeben. (Vgl. L. Nachr.)

fang während des Krieges angenommen und trohd m verlangen die Arbeiter, daß von Entlassungen in die­sen Betrieben Abstand genommen wird. Dabei ist die r Aibeitsleistung in einer Anzahl dieser Betriebe teil­weise so zurückgegangen, daß der Bedarf an Uniformen für die Freiwilligenverbände von der Privatiiidustrie | üedeckt werden mußte. Redner gab dann noch ein Bild ton den Zuständen in den Spandauer Betrieben, in denen im Januar an Löhnen 42 Millionen Mart ge» I Sahst wurden bei einer absolut minimalem Tätigkeit der I ^bester. In den nächsten Tagen soll ein Ul.imatum »et staatlichen Arbeiter der Gewehr- und Waffenfabri» \ »en eingehen, in dem die Abschaffung der Freiwilligen- | torbände und die Schaffung einer nur von gewerkschaft- und politisch organisierten Arbeitern gebildeten ( Bolkswehr gebildet wird. Redner erklärt, daß diese I Forderungen abgelehnt würden.

s Nach kurzen Ausführungen der Abgg. Hoch (Soz.), Partmann (Dem.) und Mumm (Dntl.) begründet k Berichterstatter Dr. Becker-Hessen (D. Vpt.) namens I «es Ausschusses eine Entschließung, daß di« Reichsregie- I nm8 ungesäumt einen Plan für die Forschung auf | «^m^Gebiete der Textilindustrie aufstellt.

I . Die Entschließung wird angenommen und der Rest | «es.Notetats sowie der Haushalt der Schutzgebiete in I zweiter Lesung angenommen.

| In dritter Lesung wird sodann der Nachtragsetat und der Rotetat ohne Erörterung angenommen.

I Präsident Fehrenbach schlägt daraus vor, die Natio- ^Versammlung bis ungefähr in die Mitte nächster zu vertagen, den Präsidenten jedoch zu ermäch- rStu. angesichts der gespannten politischen Lage sie tot* wieder zusammenzurufen.

| .Dbg. Schulz (Dnatl.) legt Vertt , « die Versammlung in diesem

hereinzuholen suchen, daß wir gutes Mehl an die Be­völkerung zu entsprechend höheren Preisen abpeben. Die aus Rotterdam kommenden Waren, hauptsächlich Speck und Fett sollen in erster Linie in das Ruhr­gebiet, ferner nach Berlin, Schlesien und Sachsen kommen. Solange in Dortmund gestreikt wird, kann dorthin keine Lebensmittelzufuhr aus Amerika jtattfinden. ifeir haben in dem Brüsseler Abkommen die Verpflichtung eingehen müssen, mit den ausländischen Nahrungsmitteln die streikenden Bezirke nicht zu beliefern. Die nyrwegischen Heringe sind im großen Maße ver. Sorben. Mit Hilfe der uns zugesagten Einfuhr hoffe ich bis zur neuen Ernte auSzukommen und sogar einige Erleichterungen gewähren zu können, sofern die Be- lieferun en durch das Ausland keine Störungen erleiden.

Landwirtschaftsminlster Braun: Die noch vorhan­denen Düngemittel werden wir schnellstens unter die Landwirte zu verteilen suchen. Der Eisenbahnml- nifter hat für sie eine bevorzugte Beförderung zuge­sagt. Die Versorgung der ländlichen Bevölkerung mit Schuhzeug ist durch erneute Verteilung von 300000 Paar instandgesetzter Militärschuhe pefö'bert worden. Die Tätigkeit der Viehhandelsverbände war durchaus notwendig, um die Städte mit Fleisch zu versorgen. Sie haben ja mit sehr hohen Uebxrschüssen gearbeitet, aber der Freihandel hätte sich kaum mit sieben Prozent begnügen können. Eine Herabsetzung auf sechs Pro­zent würde das Fleisch noch nicht um einen Pfennig für den Verbraucher verbilligt haben.

Ein Schiuhantrag wird unter Pfuirufen der Un- abhän. igen an enommen.

Die Anträge gehen an einen besonderen Ausschuß von 27 Mitgliedern.

Die Anträge des Ausschuffes iür Bevölkerungs- Politik auf Gewährung einer Wochenhilfe an unbemit- teile Frauen und auf Ausdehnung der Krankenunter, stützung auf die Familien der Versicherten wird ein­stimmig an -enommen.

Die Absicht des Präsidenten, eine große Anzahl von Anträgen (etwa 50), soweit keine Wortmeldungen vorliegen, an die Kommission gehen zu lasten, wird von den Unabhängigen dadurch vereitelt, daß sie in- zwischen zu allen diesen Anträgen Redner dieser Partei angemeldet hatten.

Donnerstag den 10. April: Anträge.

Der StreU um Danzig.

«td Berlin, 28. März. Was die Franzosen mit ber Landung der polnischen Armee Haller in Danzig bezwecken, geht aus einer Aeußerung des Oberstleut­nants Mareschall, des Vorsitzenden der französischen Mission in Warschau, hervor, die er lautDziennik BerlinSki" vom 22. März 1919 vor seiner Abreise nach Danzig getan hat:Wir reifen nach dem polnischen Danzig, daS hoffentlich bald in polnischen Händen sein wird, um die po.nische Armee des Generals Haller zu empfangen. Ich warte bis jetzt nur auf den Befehl zur Abreise der interalliierten Kommission. Eine Er- laubnis seitens Deutschlands ist vollständig unnötig. Die Deutschen weiden es nicht wagen, unS irgendwelche Sditoteri leiten zu machen. Sofort nach unserem Ein­treffen in Danzig werden wir die nötigen Vorbereitun­gen für die Landung und Weiterbeförderung der Haller- schen Armee treffen. Wir werden den Hasen und die Eisenbahn befiel tii-en. Wir werden Waggons, Unter» tun ft und Proviant vorbereiten und hoffen, daß alles in der größten Ochnung vor sich gehen wird, .

Preußische Landesversammlung.

Sitzung vom 29. März.

Die Beratung der Anträge auf Hebung der Land- i "Elchast zur Besserung der Volksernährung wird '"^gesetzt.

s^^eichSminister für Ernährungswesen Schmidt: Die owangswirtschaft für solche ländlichen Erzeugnisse, bei 2«en der Bedarf größer ist als das Angebot, wird beibehalten. Leider machen viele kleine Landwirte iürv "och Schwierigkeiten in der Ablieferung der »; ~'e städtische Bevölkerung erforderlichen RahrungS- und lasten lieber Butter in den Schleichhandel »;en. Wir werden das unter keinen Umständen dul- entschiedene Zwangsmaßnahmen treffen, lehr Kartoffelversorgung sieht eS leider schlecht aus. ES ist zu befürchten, daß wir terülan9 keine Kartoffeln für die städtische Bevöl- g/un0 haben werden. Was jetzt vom Ausland an ^..^smuteln hereinkommt, soll zunächst zu besonderen un?e an die großstädtische Bevölkerung Utzt werden. Die Preise, die wir dem Auslande eiT,cn' stnd enorm hoch. Trotzdem werde ich die Preise "V eichöhen. Wir werden den Preisunterschied dadurch

TTr 7S I Verantwortlich für den redaktionellen Teil; Karl Schütte. III. » | sür die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. Rotationsdruck.

"Oft .bie Versammlung in diesem kritischen Zeitpunkt ^rseinandergehe. Draußen im Lande könne dadurch ^ Eindruck erweckt werden, als stelle die Ratio naiver- Mwilumg aus Beguemlichkeitsgründen die ^ttereffen M Vaterlandes in den Hintergrund.

Präsident Fehrenbach verwahrt sich dagegen und er. 2tt, daß die Vertagung vielmehr angesichts des Feh» dringender Beratungsstoffe angebracht erscheine. .Nach weiterer Debatte wird schließlich der Vorschlag ^Präsidenten angenommen.

. Damit vertagte sich die Nationalversammlung auf S April unter dem Vorbehalt, gegebenenfalls mich ^>hkr zusammenzutreten.

über 75 Proz. beträgt und in den meisten Kreisen so. gar 80 Proz. übertrifft. Bedenkt man, daß nach E. .Keyser (Tic Bedeutung der.Teuischen und Slawen für Wefipreußen) von den Inhabern aller kaufmännischen Betriebe 82,36 Proz die deutsche Mutwrspraäz: auf. weisen, während für die polnische nur 14,55 Proz. iibr.g bleiben, so ist die wirtschaftliche U e b e r= legcnheit der deutschen Bevölkerung zweifelsfrei erwiesen. Kein DcmMr Westpreutzms tritt jemals freiwillig in den polnischen -Staat oder Kulturverband. Das ist für jeden, der die kuliureue Ueberlegenheit der demfchen Svrache und Bildung West- preußcns kennt, selbstverständlich. Außerdem dürfte die ©turntflut von Pro:estkmidgebuiige«t aller deutschen Bolkskreise Westpreußens, seitdem der Provinz die Lau» düng volnischer Truppen droht, auch die Enrente dar­über aufgeklärt. haben, welche blutige Ver an t- Wortung mit der ForderungDurchzug polnvajer Truppen von Danzig durch Wesivreußen" leichther­zig von ihr unternommen wird.

Deutsche Nationalversammlung.

Sitzung 'vom 29. März,

Abg. Liive (Sez.) erstattet den Bericht des Hcms* haltsausschusies über tut vierten Nachtragsetat. Ausschuß nahm den Regierimgsvorschkag, der die Sczüge des Reichspräsidenten auf 100 000 Mark vor- fietü, nicht an, sondern trennte persönliche und sachliche Sfr-üge und schlägt vor, dem Reichspräsidenten jährlich 100 000 Mark Gehalt zu gewähren und für die mir seinem Amt verbundenen sachlichen Ausgaben eine halbe - Million einzusetzen. Tie Regelung der Pensionsfrage einem besonderen Gesetz überlasten werden. Tie Frage der Ministergehälter und Pensionen soll bei dem - ordentlichen Etat geprüft werden.

Abg. Bnrlage (Ztr.): Wir stimmen den Beschlüssen HauShaltSauSschusses zu. Tie ganze Regelung der Ministergehälter ist nur eine vorläufige und wir werden bei der Beratung des Gesetzes auch mit den Pen- I ffwnsverhältnisten eingehend zu beschäftigen haben.

Abg. Laubant (Unabh. Soz.): Wir lehnen das Ge­halt des Reichspräsidenten ab, weil wir diesen Posten HM nur für überflüssig, sondern für schädlich halten. ; Auch Repräsentaiionsreisen sind unnötig.

| j. ; Der Nachtragsetat wird daraus nach dem Ausschuß- ««trag gegen die Stimmen der Unabhängigen äuge»

i Memmen.

| . Es folgt die zweite Beratung der Gesetzentwürfe ' ,iibcr die vorläufige Regelung des NeichShaushalts und

-es Haushalts der Sckmtzgebiete für 1919 Notetat).

Berichterstatter Becker-Hessen (Eeutfdfe Vpt.) ver- | foent darauf, daß auf den Flugplätzen Adlershof und t «Löberitz noch viele Soldaten unproduktiv beschäftigt sind, statt demobilisiert zu werden. Diese Frage soll tot Haushaltsausschuß demnächst besonders geprüft wer- hen.

Abg. Ersing fZtr.): Für die Offiziere und Mann­schaften auf diesen beiden Flugplätzen werden jährlich SV Millionen ausgegeben, weil diese Offiziere und Mannschaften sich mit aller Macht gegen ihre Demobil- , mtrdntng wehren. Würden sie eiitlassen, so würden sie keineswegs der Erwerbslosenfürsorge anheimfallen. Es sind zum Beispiel eine ganze Menge Schreiner dort, i die jetzt in Möbelfabriken sehr gesucht sind. Auf den i Flugplätzen werden sinnlos Arbeiten angefertigt, die nachher wieder zerhauen werden. (Sehr richtig!) Tie Demobilmachung muß rücksichtslos durchgeführt werden. La- Soldaienspielen ist ein einträgliches Geschäft ge- irorden. Unter den Soldatenräten sind Leu.e | die gar nicht oder nur ganz kurze Zeit an der Fronr I waren, sogar Zivilisten, die niemals Militärs gewesen find, stehen an der Spitze von Soldatenräten. Dafür dürfen die Steuergroschen des deutschen Volkes nicht | verwendet teeren. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Riester (D. Vpt.) tritt ebenfalls dafür ein, daß auf Kosten des Reiches auf den Flugplätzen nicht Mionen an Löhnen verausgabt werden.

I Reichswehrminifier Roske führte u. a. auS: In den ! Siaatswerkftätien Haven sich in einer Anzahl Betrieben i unhaltbare Zustände herausgebildet, dagegen hat sich ; auf den beiden Reichswerften die Lage beirächtlich ge- ' bestert. In Kiel wie in Wilhelmshaven wächst die Zahl der Aufträge und auch die Arbeitsleistung. Auf der : Torpedowertstätte Friedricksort bei Kiel hatten sich die

Arbeiter am 1. Revolutionstage geweigert, für d.e Folge an der Herstellung. von Kriegsmaterial zu arbeiten.

s Nach oberflächlicher Berechnung ivurden Hunderttau- i licnie an Löhnen täglich bezahlt, ohne irgendwelche ge­winnbringende Tätigkeit in diesen Werkstätten. Auch in verschiedenen Bekleidungsämterii sind die Zustände unerträglich. Einzelne haben den zwanzigfachen Um»

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Daß Älarschall Foch selbst nach Spaa kommt, ist kein gutes Zeichen. Wir müssen damit rech­nen, daß er sich mit voller Wucht für das Landungs- rechr der Polen in Danzig ejnsctzen und nicht wieder abreisen wird, bis er diese Forderung durchgedrückt hat. Auf die Entente fällt dann die Verantwortung für alles, lvas daraus entsteht. Fast mit Sicherheit kann man den Ausbruch von Kämpfen in Wrstpreu- ßen erwarten, ganz abgesehen von dem Verlust von dem kerndeutschen Danzig und seiner Umgebung an die habgierigen Polen, die mit Hilfe der Entente die Ueberntacht über die entwaffneten Deutschen ba- ben würden. Tie Polen betreiben ja systematisch die Besitzergreifung von allen Städten und Gegenden, die sie haben möchten^ um der Entscheidung der Frie- densronferenz mkaglichst durch vollendete Tatsachen vorzugreifen. Ihre Führer gäben auch offen zu. Laß sieDanzig und ganz Westpreutzen" behalten wollen. Unter diesen Umständen, würde die deutsche Regierung, wenn sie die Polen in Danzig ohne weiteres aufnähme, einen tvahren Landesver­rat verüben, indem sic einen deutschen Hafen und ein: vorwiegend deutsche Provinz der Eroberung auslieserte und obendrein das deutsche Ostpreußen der Abspaliung vom Mutterlande aursetzte.

Tie Unerträglichkeit der Forderung ist so klar und zwingend, daß alle Parteien in der Na­tionalversammlung, sogar die sonst immer vernei­nenden Unabhängigen, die ablehnende Note der deut­schen Regierung billigen. Diese Einmütigkeit beweist auf das schlagendste, daß die Entente in die­sem Punkt den Bogen wirklich derartig überspannt hat, daß er zum Brechen kontmen mutz, wenn nicht Wilson und die vernünftigeren Staatsmänner auf der Gegenseite einlenken.

Die deutsche Antwortnote macht ja bei aller Ent­schiedenheit in der Sache doch annehmbare Vor­schläge zur Güte, trtbem sie der Armee Haller die schönsten Durchzugswege über Stettin, Königs­berg, Metnel oder Libau anbietet und ihr auf diesen Wegen allen Vorschub verspricht. Wir zeigen damit, daß tvir weder den Polen noch ihren Gönnern ir­gendwelche Schwierigkeiten machen wollen, sondern nichts weiter anstreben, als unseren Besitzstand und den Frieden im deutschen Lande zu wahren, Auch die Ausfuhrfreiheit r.ur Osffee über Danzig soll den Polen gewährt werden; sie sollen nur die dortigen Teutscherz deutsch bleiben lassen.

Was wird nun werden, wenn trotz alledem bei den Gegnern die unversöhnliche Hatz- und Roubpo- litiker die Oberband behalten sollten? Werden die Entente und Amerika die Drohung mit dem Bruch des Wasftnsstllstandes wirklich durchführen?

Sollte das der Fall sein, bann würden wir da­raus erkennen müssen, daß es überhaupt u n m ö g - I i ch ist, mit so gesinnten Gegnern zum Friede» zu kommen.

Die Kapitalertragssteuer.

Der jährliche Grjamtsteuerbedarf d»s Reiches, der Eintelstaaten und der Gemeinden ist vom ReichS- sinanzm. Schäffer auf künftig mindestens 19 Mtlftard. Mark sestgestcllt worden, gegen 6 Milliarden Mark vor dem Krtege. Als erste der Steuern zur Auf­bringung de) Mehrbe ars§ wird uns jetzt der Ent­wurf einer Kapitalertragssteuer vorgelegt. Diese S'euer soll den Gedanken 'verwirklichen, daß das arbeitsloie Reineneinkommen in höherem Matze zur Tragung der Sieuerlasten herangezogen wird als das arbeitende Einkommen.

Nach dem Entwurf sollen alle Erträge von nutzbar angelegten Kapitalien mit einer Steuer von 10 Prozent vorab belastet werden.

Die wichtigsten Erträge, die von dieser Besteue­rung erfaßt werden, sind die Dividenden inlän­discher Aktien- und Koinmanditgesellschaften auf Aktien, tue Zinsen aus inländischen festverzinslichen Pa­pieren, d. h. Reichs-, Staats- und Kom nunalanleihen, Pfandbriefen und Obligationen, die Sparkassen­zinsen, Die Zinsen aus Bankguthaben und an. Deren Darlehen einschließlich stiller Beteiligungen, die Hypotheken zinsen und die Erträge aus AuS- landskapital.

Von einer Staffelung ist abgesehen worden. ES sind nur eintoe Befreiungen vorgesehen, um bet . den Kreditinstituten (Banken, Sparkassen, Hypotheken» ban en) Doppelbesteuerungen zu vermeiden. Die diesen Instituten zufließenden Erträge sollen von der Steuer befreit fein. Solchen Besitzern von Kriegs­anleihen, welche Kredit haben aufnehmen müssen, soll auf Antrag Die Kapitalertragssteuer soweit erstattet werden. Daß keine SchäDigung Durch Doppel­besteuerung eintritt. Ebenso ist eine Rückerstattung unter gewissen Vorausietzun,en für verschachte-te Ihrer- nehmen vorgesehen. Die sonst unter Umständen Doppelte und Dreifache Steuern zahlen müßten. Endlich sieht der Gntwurf ein Recht -es LtaatenauSschusses vor zur Vermeidung beionDerer Härten, Befreiung von der Steuer- ober Erstattun ; eintreten gu lassen. Diese Be­freiung könnte besonders in denjenigen Fällen praktisch werden, wo arbditsunfähige und alte Personen infolge Don Besteuerung ihrer Kapitalrente in ihrer Existenz ge>chädlft luurben. Die Steuer soll Durch den Kapita­listen getragen werden; Daher ist eine Vereinbarung Dahm, Daß etwa ein Zinsschuloner die Steuer für den Gläubioer übernimmt, ausdrücklich für nichtig er­klärt i§ 7).

Reu ist die Art der Steuererhebung. Ter Entwurf schreibt dem Zins- ober Dividenden schuld- n e r vor, die Steuer für Rechnung des Gläubigers zu zahlen, und sie bei Auszahlung der Zinsen oder Tivi- ttiiben diesem in Abzug zu bringen. Bei Tibiden- destackszahhmgeii u,nb Anleihezinsen werden die -als Steuer fälligen 10 Prozent des zur Ausschüttung ge­langenden Ertrages in einer Summe an die Steuer­behörde abgefhhrt und Dem Gläubiger in Abzug ge- brachr Eine ' lOprozentige Aktiendividende wird also nur mir 9 Prozent tatsächlich dem Aktionär entr chiet, ckis.id der 4proz. Zinskupon einer Anleihe erbringt tat­sächlich nur 3,6 Proz. ' Ter Rest geht als Steuer an den Staat, ohne daß der Gläubiger, auf dessen Kosten die Steuerzahlung erfolgt, ihn überhaupt zu Gesicht bekommen har.

Bei anderen steuerpflichtigen Erträgen, z. B. Hypo- thekzinseu, Tarlehnszinsen, muß der Schuldner bei fe­tter Auszahlung dem Gläubiger eine schriftl.che Mit­teilung davon macken, was ja regelmäßig ohnedies ge- schielst, und muß diese Mitteilung mit einer Stempel» maile in Höhe des Steuerbetrugs versehen; er braucht dann den Zinsbetrag nur um die Steuer gekürzt miS» zuzahlen.

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Was uns da aufgetischt wird, ist ein saurer -Apfel. Aber angesichts der verzweifelten Finanz­lage im Reich und Staat müssen wir schon hmein- beißen und darauf gefaßt fetn, daß noch weitere ebenso saure Aepsel uns beschieden werden. Wir müssen bluten und obendrein noch dem Himmel danken, wenn, wir in der Zwickmühle zwischen den Ansprüchen der Feinde und den Drohungen des Kommunismus nicht verbluten.

Die neue Steuer hat manche Schwächen. So nimmt sie von allen Zinsen den g l e i ch e n B e tt ag von 10 Pro..;, ganz gleichgültig wie hoch der Kapitol­besitz ist. Die SparkaMzinsen eines alten nicht mehr arbeitsfähigen Mannes oder das Erziehungs- zweckcn dicnendc beschränkte Vennögen einer Waste werden genau st uiit ein Zehntel geringer werden, wie der nach Msllwnen zählende Aktienbesitz arbeits­fähiger Besitzer. Tas wird zu Härten führen. An­stößig ist auch, daß die Steuer in ganz verschiedener Weise a d w 8 l z b a r ist Eine große Zahl von Steuerpflichtigen wird sicherlich nicht in der Lage sein, irgendwelche Abwälzung vorzunehmcn. Das sind die Besitzer von Kriegsanleihen ober anderen festverzinslichen Reichs-, Staats- und Stadtanlriben, das heißt also vor allen Dingen auch die kleinen Ka- Pftalbesitzer. Deren Anlage ist nfrt einem nicht ab­zuändernden Zinssatz versehen. Sie erleiden, abge­sehen von den Kursverlusten, die ihre Papiere so- wieso betroffen haben, die volle Einbuße der Steuern. Anders wird in vielen Fällen die Wirkung beispiels­weise bei Hvpothekengläubigern oder Geldgebern, ge­schäftlicher Unternehmungen liegen. Die Bedingun­gen, zu denen sie chr Kapital ausgeljehen haben, werden, von Zeit zu Zeit neu geordnet, und hier wird es wahrscheinlich den Kreditgebern leicht sein, den Zinssatz in Zukunft um den Betrag der Steuer hcraufzuschrauben. Das heißt also praktisch gerade die g r o ß e u Nutznießer von Kapitalerträgen wer­den diese Steuer wenigstens teilweise abwälzen kön­nen, während die kleinen Kapitalisten uM .Sparet ähnliche Möglichkeiten nicht habtzn. / *

Dor dem Friedenskongreß.

wtb Paris, 30. März. Der General'ckretär der Friebenskonferenz, Dutosta, ist am Samstag in Ver­sailles eingetroffen, um die ersten Borbereitungen für den Vorftiedenskongreß zu treffen. Sobald der Wortlaut des Vorfriedens durch die Großmächte fest­gesetzt sein wird, werden die deutschen Bevollmäch­tigten, an deren Sp'tze Graf Brockdorff-Rantzau steht, nach Vei stilles berufen. Die Deutschen, bereit An­zahl etwa 200 betragen wird, werden im Ratbaus untergebracht. Die Vorbereitungen werden min­destens drei Wochen dauern. Daher wird der Vor- friedenskongreß.frühestens amTage nachOstern zusammentreten können.

wtb Berlin, 30. Marz. In der Geschäftsstelle des Auswärtigen Amtes für Friedensverhandlungen fand am Sonntag eine Sitzung statt in der ver­schiedene Fragen besprochen wurden, die bei den f?ei"densverbanblungen r« Sprache kommen könnten. Es wurde erwogen, ob und inwstweit eventuelle Entschädigungsforderungen der Geg­ner mit den 14 Punkten Wilsons überhaupt in Ein­klang gebracht werden könnten und daß d'e Stellung der deutschen Negierung nur den 14 Punkten Wilsons entsprechen könne. Es wurde mitgeteii't daß die nach Paris entsandte Finanzkommission die Vollmacht habe nnfercn Gegnern eine genaue Schilderung unserer finanziellen Lage za erstatten. Hierauf folgte noch eine Aussprache über die Terri- tcrialsragen.

* Gcnß 30. Marz. Heber die Verhandlungen der vier Regierungsoberhäupter, Wilson, Lloyd George, Clemenceau und Orlando liegen jetzt in ien französischen Zeitungen zum erstenmal ziemlich bestimmte Mitteilungen vor. Es geht da­raus hervor, daß zunächst aus Anlaß des Zwischen­falls in Ungarn militärische Maßregeln aller Art ins Auge gefaßt waren, um die Fortschritte des Bolschewismus zu hemmen. Die von der Presse Frankreichs vorgeschlagenen Vormärsche der Alliierten von der Rheitilinie aus nach Osten sind vielleicht besprochen, aber jedenfalls schnell wieder aufgegeben worden, denn sowohl Wilson wie Lloyd George haben jede militärische Operation abgelehnt. Die Machthaber der Entente haben schließlich die östlichen Zwischenstaaten vorgeschoben. Tie Polen, Tschecho- Slowaken, Rumänen und Griechen sollen Truppen zur Verfügung stellen, um den Kampf gegen den Bolschewismus aufzunehmen. Tie eigentlichen Friedensverhandlungen scheinen während der letzten Woche zu einiger Klärung, aber noch nicht zu endgültigen Entschließungen geführt zu haben. Die Raubgelüste Frankreichs auf das Saargebiet und Landau sind an dem Wider­spruch der übrigen Konferenzmitglieder gescheitert. Dagegen soll Frankreich jetzt d'e Ausbeutung der Kohlenlager im Saargebiet beanspruchen. Im Zusammenhang mit dieser Frage bereifet die fron» e Dresse das Publikum darauf vor, daß die verbreiteten phantastischen Ziff tn über die von Deutschland zu fordernde Entschädigung wenig Gnade vor der Konferenz fänden und daß be­sonders Wilson unermüdlich auf der Einschränkung der Forderungen nach Maßgabe der tatsächlichen Leistungen Deutschlands bestehe.

Die Parteiführer zur Polenfrage.

wtb Weimar, 30. März. Führende Abgeordnete der Rationalveriammlung in Weimar haben cs für ihre Pflicht gehalten, die Kundgebungen und Be­kenntnisse zur deutschen Einheit, welche anläßlich der angedrohtcu Landung polnischer Truppen in Dan. zig aus allen Teilen Deutschlands an die Rcichsre- gieruna und die Wafftnsttllstandskominission gerich­tet worden sind, durch den Ausdruck ihrer Ueberzeu- gung zu bekräftigen. Tie Abgeordneten Graf Pvsa- dowsky, Dr. Rießer, Dr. Gröber, Dr. Naumann, Dr. Dernburg und Hermann Müller haben dem Vor­sitzenden der Wasfenstillstandskommission Erklärun­gen abgegeben mit der Ermächtigung, sie zu ver­öffentlichen.

11. a. erklärte der ZentrmnSführer Tr. Gröber:

Wir Katholiken batten Verständnis für manche For­derung, welche früher uon Den preußischen Staatsbür­gern polnischer Raiionalitär aufgesrellr toorden ist. Wir Sen es zum Beispiel begreiflich gefunden, daß die Po- den ersten Religionsunterricht in der Murter- spräche erteilt wissen wollten. Wir hätten es gern gesehen, wenn der gemeinsame katholische Glauben der überwiegenden Mehrheit der Bewohner unserer Ostpro- binzen eine Brücke für eine Verständigudig auch in den nationalen Ansprüchen hätte bauen können. Nicht ohne eine gewisse Hoffnung hatten wir den Vorschlag der beutscheu Waffeustillsiandskommifsion begrüßt, den. Vor­sitzenden der Oberkommiffion der geplanten Beriffs- instanz für Beschwerden gegen eine unparitätische Be­handlung von Bewohnern der Gebiete der deutsch-pol­nischen Temarkcrtionslinie durch Seine Heiligkeit den Papst auswählen zu lassen. Tie Entente macht es uns durch Den Mangel an Entgegenkommen sehr schwer, mit den Polen tn ein erträgliches Verhältnis zu gelangen. Jeyt sollen wir selbst durch die Zustimmung ?,u einer Landung polnischer Truppen in Tanzig das Signal gum Bürgerkrieg in Westpreußcn geben. Im WasfensiillstanbSvertrag ist nicht vom den polni­schen Truppen die Rede. Ich sehe für uns keine Ver­pflichtung, dem Verlangen der Entente zuzustimmen, wohl aber sehe ich voraus, daß da- Erscheinen der pol­nischen Truopen auf westpreußischem Boden, wie vor einigen Wochen der unerlaubte Besuch Padcrotvsc.s in Posen, das Zeichen geben wird zum Auf st and der polnischen Minderheit W e st p r e u tz e n s. Tie Entente verbreitet: Westpreußen ist polnisch. Weit gefehlt! 1917 traten nach dem von zwei Polnischen Ge. lehrten der Universität Lemberg hetausgegebenen stati­stischen Jahrbuch Polens 65 Proz. der Bewohner WestpteußenS deutsch und 35 Proz. slawisch. Ter ländliche Grundbesitz ist überwiegend deutsch. Insbesondere muß nach der erwähnten Publikation Der* vorgehcchsn werden, daß sich von der Grenze Kongteß- polens bis zur Küste ein i breites geschloffenes Geb et hmzieht, iq chelcheD Per tzenksKe Grundbesitz

I Montag 3«. Miir- 1919. | I 4S. Zcchrg.