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SamSlag, 29. März 1919.
Fuldaer Heilung
Dr»rk der A«ld«er Ikiicabtwetetd in 7i«tb»
Gebt uns unsere Kolonien wieder.
; Ter Ruf: „Gebt uns unsere Kolonien wieder!" gßfj gerade in diesen Tagen, da in Pari; um beut« AZ Schicksal gewürfelt wird, mit eherner Wucht in Rutschen Landen erschallen.
Wenn die gegnerischen Absichten auf den Raub ^.Z deutschen Kolonialbesitzes sich verwirklichen wür- Jen, dann müßte man fürwahr die letzte Hoffnung gui eine Gesundung der Beziehungen der Völker auf- «bcn. Ein Raub der Kolonien würde die krasseste fingcTcdltipfeit bedeuten, die das deutsche Volk nie. Mais verwinden Würde. Wir haben uns auf das Wilsonprogramm verlassen, in welchem die Berech- tfgitng unserer kolonialen Ansprüche geradezu anerkannt war. Das deutsche Volk hat darum der feier* snben Erklärung des Reichskolonialministers Bell Zn der deutschen Nationalversammlung gern zuge- 'stimmt:
.Wir erwarten von dem Gerechtigkeitsgefühl und itt Ehrlichkeit des Präsidenten Wilsons, daß er auch 6rt den Friedensverhandlunaen »u seinem Wort stehen toirb. Wir erwarten, datz er keiner 2ö|ung der kolo- nialen Fraae seine Zustimmung erteilen wird, die von tiefem feierlich von uns und der Entente an enomme- ntn Programm in iroend einem Punkte abweicht •
Minister Bell hat dieser Tage auch in den Hansa- püdten vor Tausenden die Forderung der Deutschen 'auf Rückgabe unserer Kolonien unter stürmischer Zustimmung vertreten. Ter leitende Grundge.- banfe all dieser Ausführungen ist der, daß wir nie und nimmer auf die Geltendmachung unserer kolonialen Rechte, denn es handelt sich in Wahrheit hier itm Rechte, verzichten. Es wäre Vie unerhörteste Ungerechtigkeit der Geschichte, wollte man gerade die Deutschen vom Kolonialbesitz ausschalten. Wir Haden unsere koloniolisierenden und damit zugleich trie Minister Dells Vorgänger Solf zutreffend charakterisierte, missionierenden Fähigkeiten glänzend er- totcfcn. Die Treue der Eingeborenen ist dafür Beweis genug. Nach dem Zeugnis des Gouverneurs von Teutsch-Ostasrika Dr. Schnee sehnen sich diese Eingeborenen nach der deutschen Herrschaft zurück. Und mehr als hundert Häuptlinge Kameruns haben kürzlich in einer Bittschrift den König von Svanien ersucht, für die Rückgabe des Landes an Deutschland jeyizutreten.
Wir haben einen Anspruch darauf, Kolonien um der Weltwirtschaft unseres Volkes willen zu besitzen. Wir sind gezwungen, aus kolonialen Gebieten unserer Bevölkerung Lebensmittel und unserer Industrie Rohstoffe "zu beschaffen. Wir haben auch ein gutes Recht auf Welthandel und Weltverkehr. Ohne Kolonialbesitz wäre deren Entwicklung nicht denkbar. Nicht nur für unser eigenes Volk, sondern auch für eile unsere Gegner hat das treffende Wort des Neickisministcr Bell Geltung, das dieser bei einer großen kolonialen Kundgebung in Bremen ausgesprochen hat und das lautet:
.Wir haben unsere Kolonien rechtmäßig erworben, vir bähen sie pflichtgemäß bemaltet und wir haben dor Gott und der Gerechtigkeit einen Anspruch darauf, ttpenen deutschen Kolonial-Besitz wieder zurück zu «langen.-
ffrankrelchs Weltmacht-Traum.
r. Während unsere Erwartungen auf einen Rechts- frieb n immer neue Enttäuschungen erfahren, ist die französische Regierung Clemenceau nicht bloß, wie ganz Frankreich von einem Chauvinismus ergriffen, der mit Siebenmeilenstieseln über alle früheren Kriegszicle hinwegschrrntet. Paris vergißt es nicht, daß es im Sommer 1914 und im Frühling 1918 vor den Deutschen gezittert hat, das Men wir büßen, aber es will die Tatsache aus der W"ft geschafft wisien, daß es nur durch die amerikanisch-englische Hilfe den Triumvh über Deutschland erlebt. Berauscht von der Glorie steigen im franzö- ■tem Hirn alte Weltmachtträume wieder auf. Teutschland soll unschädlich gemacht werdm, damit Frankreich auf dem Festlande von Europa die erste Rolle spielen kann. Deshalb werden wir Wohl vergeblich auf einen Versöbnungssrieden warten kön- nm, denn für Völkerversöhnung ist in dem französischen Plane kein Raum. Das ist die Erklärung für die Lage von heute.
Frankreich schwenkt in die verderbliche Eroberungspolitik Napoleons ein, die 1870 bei Sedan gedichtet wurde. Was es Deutschland vorwarf, uferlos- Pläne gehabt zu haben, ist jetzt sein Ziel. Es verzeiht uns den Sieg von 1870*71 weniger denn je, es will die Rache, die Revanche voll auskosten. Und allerlei Vorwände muffen herhalten, um die wahren Absichten, die in Paris bestehen, zu verdecken. Deutschlands überlegene Menschenzahl gilt als «rund für die leichte Möglichkeit deutscher Revancho- hoffnungen, und unsere wirtschaftliche Tätigkeit wird tis Gefahr für Frankreichs Wohlstand hingest"llt. So hat Mimsterpräsident Clemenceau in Paris neu» nch gesagt, und zwischen den Zeilen konnte man noch
Unpolitische Zeitläufe.
N. Berlin, 26. März 1919.
L 70 Kinder erdrückt und zertreten I Das Unglück
Saale des Stadt oariens zu G l e i w i tz weckt überall ^utseyen und Mitleid. 400 Kinder faßen behaglich zusammen, um sich an dem Schauspiel der hl. Hedwig, Patronin Schleifens, zu erfreuen und zu erbauen, züngelt auf der Bühne ein an sich ungefährliches atommdieci auf. Ter Schreckensruf .Feuer" erscholl, 5™ nun stürmte die Kinderschar in wilder Fluckck dem “Umgang zu. Am Fuße der Treppe war die Ausgangs- unglücklicherweise verschlossen. Tie Vordersten wvll- zurück, die Nachstürmenden wälzten sich über sie. ergab sich ein verhängnisvoller Knäuel, in dem die Binder sich gegenseitig töteten.
.Panik nennt man diesen Schrecken, der die 3)ten« sinnlos macht; — häufig and) die erwachsens:!
Loschen. In Theateisälen und sonstigen Räumen für ■^rfanrntlungen hat sich schon oft aus einer geringsügi- 8«n Ursache ein Massenunglück ergeben, und zwar ge» durch die wilden Rettungsversuche. Tie Leute -Eliten einer vermeintlichen Gefahr entgehen M ttünten blindlings in die wirkliche Gefahr. cis blickt und totgrtteten zu werden.
V/* achher kann man ja leicht klug reden und zu Gleiwitzer Fall bemerken, daß vorsichtshalber nc» ?*?. e'ncr solchen Kinderschar eine An mH' von Lehr- xvlten oder sonstigen besonnenen und handfesten Per» hätte postiert sein und daß aus jeden Fall fite angstiiren Kälten offen gehalten fein mit “en. Ob . cm schttldbares Versäumnis vorliegt, wtrd ja die Untersuchung ergeben. »Der konnte denn so ettvaS enfen?", wird man gewiß zur Entschädigung sagen, «rer wenn man die Verantwortlichkeit für Leib und ^en von Mitmenschen trägt, ist es immer geraten, ii? / f allerschlimmsten» Zufälle einzurichten die ~°cr5aubt tm Bereiche der Möglichkeit liegen. Besser - Vorsicht, als nachträglich Vorwürfe.
v ^antit meine ich ater nur die peinlickie Sorgfalt.
«us der Verantwortlichkeit für schutzbetohiene Mit»
diel mehr lesen, als er mitzuteilen für gut befand. Nämlich dies: Für ein starkes Deutschland und für ein zielbewußtes Frankreich nebeneinander ist in Europa kein Platz. Und da die 70 Millionen Deutsche nicht dahin deportiert werden können, wo der Pfeffer wächst, so müssen sie ohnmächtig gemacht, da. ran gehindert werden, ihre Kraft zu betätigen. Daher die neuen Forderungen!
Präsident Wilson und Mister Llohd George in London werden heute über ihren Verbündeten Frank, reich, der nichts anderes wollte als das „geraubte" Elsaß-Lothringen, etwas anderes denken, als seither, aber sie werden kaum dem Franzosen so in den Ann fallen, wie das Recht der Völker es erfordert. Und auf den weiteren Bundesgenosien Italien wird kaum groß geachtet werden. Dadurch gewinnt Frankreich freie Bahn für alle seine Pläne. Deutschland soll nie wieder militärisch erstarken und auch wirtschaftlich so heruntergedrückt werden, daß es überhaupt nicht wieder zu einer Machtstellung kommen kann.
Wenn das in vollem Um'anoe gelingt, dann ständen alle Zukunst^iele des deutsch"n Freistaates nur auf dem Papier und alle Hoffnungen auf ein zufrie- d-nes und glückliches Lekwn könnten in den Schornstein geschrieben werden. Nach der gleichen knappen Decke wie der Nährstand würden sich B"amtenstände, Lehr- u. Wehrstand strecken müsien? Kann das Werk des feindlichen Hasies aeling"n? Versucht kann es werden, aber ein 70-Millionen-Volk schläat man für die Dauer nicht polit'fch und wirtschaftlich tot. Frankreichs Machtpolitik ist das Pulverfaß, an dem sich ein neuer Weltenbrand entzünden muß.
SpartakuS-Grötzen.
Der.Vorwärts' hat sich die Mühe aemachk, in das Botleben verschiedener Periönlickkeiten hinein» zuleucklen, die tn der letzten Zeit im Spa takusbund eine Rolle spielten. Und da kommen ganz eigenartige Ergebnisie zutage. Der Darstellung des Blattes entnommen wir das sollende:
.DaS sind dte Radikalen I" Dieser Ruf wurde selbst aus dem Parteitag der Unabhängigen laut, als bet gewiß nicht gemäßigte Bock sestslellen mußte, daß der Radikale G o t t s ch l i n g, der frühere Präsident des Groß-Berliner Soldatenrals, ein Mar n ist, der vor 9 Jahren wegen ehrenrühriger Handlungen aus der Partei ausgeschlossen werden mußte. Er hatte den Genossen Rollwagen fälschlich wegen Meineids denun iert! — Gottschling ist keine Einzelerscheinung. Da ist der geschaßte Leutnant D o r e n b a ch, der als ehemaliger Führet der Volksmarinedivision zu Liebknechts engsten Vertrauten beim Januar-Putsch gehörte und schon damals die Volksmari, edivision zu den Spartakisten hin- überztehen sollte. Ihm mutz es jetzt passieren, im radikalen Braunschweig als Mittäter bei eine n Ra b überfall verhaftet zu werden. — Nicht weit von diesem Typ steht der Unabhängige Oberleutnant Walz, der tn den Tagen der Revolutton ein Hauptmacher der Radikalen, wenige Tage später von seinen eigenen Gesinnungsgenossen überführt n i d, vor der Revolut.on dem Oberkommando in den Marken Spitzeldienste geleistet zu haben. — Hst es ein Zufall, datz Sparialus gerade in jenen Betrieben festsitzt, in denen es früher die wenigslen Crfanijicitcn und die meisten Gelben gab? Im Groß-Berliner Arbeiterrat ma<t sich je' t der J om» munift Karl Siebt gcltenb. Siebt war früher Gau- kitcr der Berliner Kriegs ef.f'äb gten. Inz ms., en hat man etwas näher in Siebt? Vergangenheit hinein» geleuchtet unb festgestellt, daß dieser Erz-Spartakist sich auch vor dem Kriege politisch betätigt bat — als Wan- derredner des Reichsverbandes zur Bekämpfung der So- zicüdcmokratie!"____________ ____________
Ter Rückgang des Tentschtums in Amerika
tritt u. a. dadurch in die Erscheinung, daß von den etwa 600 deutschen Zeitungen, be bei Beginn bes Krieges in btn Vereinigten Staaten bestauben, nur ein paar übriggeblieben sinb. Alle anberen sind eingegangen, weil sie nicht mehr bestehen konnten; viele sinb sogar unter englischer Flagge wieder aufgetaucht, indem sie Sprache, Namen unb Sc ndenz g ändert haben. Wetter wirb der „Kreuzzeitung" zu biesem Thema noch geschrieben: „Auf bas Teuischtum in Amerika hat bieser Krieg aerabezu verwüstenb gewirkt. Tie Deutschamerikaner sagen sich allgemein ton ber bi ätschen Sprache los, was ihnen ja insofern nicht schwer fällt, als sie auch ganz gut englisch zu fprc*en oer» stehen. Be-eichrienb sinb bie Berhälinisse in Milnaukee, die man leit langer Zeit allgemein die „deutsche Stabt Amerikas" nennt. Wer sic aber jetzt besucht, ttndet Dom Deutschtum fast keine Spur mehr. Zwar b. indet sich ber große unb vornehme „Teut'che Klub" twch ba, mich eine stattttäe Reihe deutscher Gesangvereine. In allen diesen Räumen wird aber jetzt kein deutsches Wort mehr gehört; bie Verhandlungs» unb Unterhaltungssprache ist überall englisch geworben. Die beut dun Vereine sinb jetzt alle englische Vereine von Amerikanern beutscher Abstammung. Tie „beutfdien Gesangvereine" in Milwaukee schicken sch.n seit längerer Zeit ihre sogenannten „Preßnotizen" den beutschen Zei un- gen — soweit solche noch bestehen — tn engaidier Sprache zu. Tos letzte brutsche SVatt im Westen, bie „Germania", klagt nun, daß biese Preßnotwen in einem Englisch geschrieben seien, besten Rückübersetzung an bie geliebte deutsche Muttersprache nahezu unmöglich sei. Auf eine Beschwerde ber Zeitung envibeden bie deutschen Gesangvereine, es wäre ihnen liebet, wwn
mcnschen hervprgeht. Etwas anders ist es mit der Aengstlichkeit für sich selbst. Tas ist eine Pflicht, bas anbete muh bon richtigen Mittelweg zwischen Vorsicht unb Feigheit innehalten. In den jetzigen Zeiten steckt z. B in jeder Menschenansammlung aus ben Straßen, namentlidi in unnihigen Stäbten, eine gewisse Ge;ayt. Man weiß nicht, was sich aus einem solchen Menjchen- knäuel entwickeln kann. Steckt man mitten brin, so wirb man mitgeristen, wenn sich bie Musse >n Bewegung setzt. Muh bie Menschenwelle aus irgenb einem Grunde zurückbranden, so wirb bas Geschiebe unb Gebränge erst recht gefährlich. Wer nicht handfest und drucksest ist, kann leidet den Atem unb ben Halt verlieren. Ta ist es offenbar unvernünftig unb pflicht» vergessen, wenn Eltern ihre Kinbec in einen solchen Auflauf hineinführen. In Berlin kann man solchen Unfug leider oft beobachten. Von bän tollen Weibern, bie a b si ch t l t ch sich unb ihre Kinder in einen Tumult hincindrängen, um der Polizei Schwierigkeiten zu ma- djeti, wollen wir gerade nicht reden. Aber es gibt Neugier i g e genug, die mit Kind und Kegel Überall dabei sein müsien, wo etwas los ist. Tie erheben vat'.n ein großes Geschrei, wenn ihnen auf bie Hühneraugen getreten n itb, unb schelten sogar auf bie CrOnungS» truppen, wenn bi.se pflichtgemäß bie StörenfrieOc zu- rückbrängen. Also haben schwache Frauen unb Kindr vorsichtshalber jedem Gedränge auSzuweichcn. Etwas anders ist es aber, wenn Beruf ober Geschäft euch zu einem G-auge veranlassen. Ta kann ich nicht um icbe berikbare Gefahr einen großen Bogen matten, sondern muh iedcSmal vernünftig erwägen: Ist bas Risiko so groß, bah ich lieber einen Umweg mache oder auf mein Vorhaben verzichten muß? Wenn die Gefahr nicht wirklich ernst ist, so gehe ich mutig ben Weg ber fSfi'd’t Der allen denkbaren Gefahren ausweichen wollte, der müßte ja schließlich ben ganzen Tag im Bette hegen bleiben, unb hätte auch dort noch keine Sicherheit gegen Erbbeben, Dkihschlag, Bombenfall ober Erstickung.
Die Aengstlichkeit ist eine seelische Grippe. Dieses Nebel läuft manchmal in eine Lungenentzündung auS, unb da» ist bie Pani k, ber wahnsinnige Schrecken, eine «isteckende Krankheit, die besonders bann #ce»
die Pießnottzen in englisch abgedruckt würden l Die Vereine sind so englisiert, daß sie sich nicht nur ber eng. liscken Sprache bebienen, fonbern auch meist englische Lieber fingen. So etwas nennt man in Bmer ka deutsche Vereiue. Der Weltkrieg hat Teutschamerika umgebracht."
Kommunal-Landtag.
§§ Kassel. 27. März. In der beutiaen Schlußsitzung berichtete Oberbürgermeister Dr. T r o j e - Marbura über eine Entschließung des LandeSauSsckuffeS anläßlich ber Bestrebun en auf Bildung eine» Staates „Großhessen" und betonte, datz daS ehemali ie Kurhessen aus wirtschait- lichen, politischen unb schließlich auch kulturellen Gründen die Bestrebungen mihbilligen mußte, die darauf au5ain- en, einen konderjioat „Grosidessen" zu bilden. Das WirischoflSleden be# einftmen KurhessenS sei fo em mit Pieutzen verwachsen, daß eine Srennum für Hessen nur fdjmere Nachteile baden könnte. Gleiche Gevankcn äußerte Ab'. Konsistorialpräsident Frdr. Schenk zu SchweinSbera, ber bnrouf hinwieS, bah in ben Zeiten ber großen Not beS beutschen Vater- landeS berartiae Adsplitterun en nur den äußeren Feinden dienen unb baS deutsche Wirtscha'tsleben niederhaltcu würden. Aba. Felde-Sdmalkalden er» ind’te den Kommunal Landtag, angesichts der Lotto« sungSbestrebungen tn den thürin ischen Staaten und der Zusammenfassung dieser Einzelstaaten zu einem Groß-Thüringen als Freistaat dafür wirken zu wollen, daß diese einstige Herrschaft Sdmtnlfalben fest bei dem Regicrungsbezitt Kassel als Bestandteil des ehemaligen Kurbcsscns verbliebe.
Nach herzlidien AbschiedSwortcn des Vorsitzenden und des Oberpräsidenten v. Trott zu Solz wurde die letzte Ta ung diefeS Kommunal-Landtages mit einem Hoch auf das Vaterland geschlossen.
Aus dem Nachbargebiet.
-d- Poppenhausen. Am vergangenen Sonntag fand hier eine größere Imkerversammlung für den Kreis Gersfeld statt, bie von Herrn Lehrer Schramin-Lütter einberufcn war. Die betreffenden Vereine ans dem vlster- und F"fdatal waren stark vertreten. Nach herzl'chcr Begrüßung bat der Bor. sibende um treue Atitarbeit zur Erledigung der wichtigen Tagesordnung. Herr Lehrer Gramm aus Rfönsimlsen hielt einen lehrreichen Dortrag über die Durchfenzung der Bienenvölker. Seine trefflichen Aussichrungen gaben Anlaß zu aufklärender Aussprache. Punkt 2 der Tagesordnung umfaßte die wirtschaftlichen Verhältnisie in der Imkerei und d'e £T.qanifa‘ion der bestehenden Vereine. Ter im Jahre 1914 gebildete Krcisverein wurde erneuert und beffen Anschluß an den „Hessischen Sau. desverband" empfohlen. Zum Vorsitzenden d>'S Krcisvereins wurde einstimmig Herr Lehrer Schramm -Lütter gewählt, dem die Vorstände der einzelnen Vereine al§ beratende Stimmen zur Seite stehen. Herr Berufsimker L a i di g von Wüstensachsen gab eingehende Aufklärung über rationelle Benutzung des Bieitwaben-Blütenswckes.
* Kassel. Der Magistiat beschloß, bet nächsten am 3. April zu ammentreienden Stadtverordneten. Versammlung eine Vorlage zu unterbreiten, um den Zuzug von auswärt« fernuibaben. Es sind au8 len besetzien Gcbiewn rund ILM Familien ruqe'oaen, sodaß die Wohnungsnot febr bedeutend geworden ist. Die erforderliche gesetzliche Genehmigung zum Eilaß eines den Zuzug ortsfremder Personen ie elnben Oitssta'utes ist bereits nachgesucht wo«den. Wahr» icheinlich wird man nebenher' auch die Rev stpn der Kriensgeiellschaften und Krieosbüros auf ihre Notwendigkeit bin mit dieser Maßnahme verbinden, was sehr zweckmäßig wäre.
C) Fechenheim ($tr. Hanan). Aus dem hiesigen Rathause tiaf ein französischer Hauptmann ein, nm sich bei dem stellvertretendem Bürgermeister nach den hiesigen Verhälinissen zu erfunbiarn, namentlidi in der Richtung, ob Ruhe herrsche, keine ipariakisti schen Aus'ch>eitnngen ober Unruhen Vorkommen bezw. zu befurchten seien. Auch über die ArbeitS- vrrhältnisse winden Erkundigungen einoezogen, ob viele Arbeitslose vorhanden seien und wie hoch die Enilolinunq der 3h beiter sei. Das Erfreulichste an bem B suche war die Be> sicheruni des Offiziers, daß in 8 bis 10 Taren größere Sendungen von Lebensmitteln für die Gemeinde Fechenheim in treffen warben. Feckenhe'ur ist bekanntlich die größte Gemeinde des Landkreises Hanau mit starker Jnbustriebevölkerung.
* Frank urt a. M. In einem hiesigen StaaiS- betrteb ist leit mchieren Jahren ein Re ierun siai tätig, ber schon vor dem Kriege guf leine etatsmäßige Slnsteliuiig wartete. Der Herr, ber eine ungemein tüchtige Arbeitskraft nach ben Aeußerung>'n seiner Vorgesetzten sein soll, bat kürzlich um Besserstellung seines Einkommens. Es wurde ihm etwibert, daß man genau wisse, daß feine Bezahlung nicht mehr ausreichend fti,eaber man sehe sich leider nicht irr« stände zu helfen' da die Regierung in Berlin zu ent» scheiden habe. Nun bat der Herr, man möge ibtn wenig st enS im Einkommen mit De in Fräulei n
hängniSvoll wirkt, wenn sie plötzlich als Epidcmie in einer Masse von M-nschen ausbricht.
„Bange machen gilt nicht." „tyrmer mit bet Rübe." All' die schönen Sprichwörter unb RebenSarten der- lagen, wenn im kritischen Augenblick bie Nerven wi.b werben. Ter erschrockene Mensch verliert den Kopf. Das ist ein sthr bczeichmmber Ansbruck. Tic Tcnk- täligteit im Oberstübcken wirb gelähmt. Aus bem sonst veinünftigen Menschen wirb ein Sier, das von bem blinbcn Trieb ber Selbsterhattimg auf ganz falsche Wege gebrängt wirb. Wie bie aiifgefdireiften Pferbe bei einer Feuersbrunst in bie Flammen rennen, so kann bet erschrockene Mensch sich selber ins Verberben stürzen, wähvcnb er krampfhaft nach Rettung strebt.
Gibt cs nicht zurzeit auch eine nationale Pan k, einen kranlhaftcn Schrecktt.i im ösfeniiichen Leben? Tas ist beklageiiSlrcrt, aber nicht gcrabc wunderbar. Tas brutsche Volk hat Ungeheures burchmacheu müssen m den vier Jahren bes Krieges gegen bie halbe Welt. Noch schwerer auf bie Nerven fiel bie bittere Enttäuschung bei bem Zusammenbruch im vorigen Herbst Unb nun erst bte grausamen Qualen unb BebrchuuPn, bie uns in biefen M«:atcst bes .WaffenstillstanbeS" bett offen habcnl An unsere Nerven wurde unb wirb fonwähttmb gezerrt. Zu den Bebrängnissen von aiiße» komme i, bie eil igen Unruhen im Innern. Bat lau er Streiks unb Tumulten unb Bürg.'rkämpfen will auch bie letzte Hoffnung auf eine bei tsche Zukunfi ins Dan- keri g-raten. Menn wir in ber Kümmernis wenigstens ordentlich zu essen hätten I Ist ber Magen schlapp, so eischlafst auch bie Willenskraft, unb Hunger unb Pan k arbeiten sich gegenseitig in bie Hände.
Tie Lage ist fdjlerfjt, sehr schlecht. Aber verzweisekt ist sic doch immer noch nicht. Zur Panik braucht c5 noch nicht zu kommen, unb wenn eS bazu fäme. so trii’be damit ba8 Unglück nur vergrößert, das Verberbcn besiegelt kerben. Unter allen Umstä« den halte ich an ber Ueberzeugiing fest: ein Volk von 70 Millionen kann nicht totgebrückt, kann nicht erdrosselt, kann nicht ber» nichtet werben.
Wenn uns bas Herz auch noch so schwer g macht
wird, dep Kaps braunen wir doch nicht zu verlieren.
gleichstellen, dar die Akten von einem Ztmmer zum anderen zu tragen habe. Aber auch diejem Wunsch« konnte leider nicht entsprochen werden. Ter Regie». rung§»at ersuchte dann darum, daß er wenigstens in der Arbeitszeit dem Fräulein gleichgessellt werden könne. Tas war aber im Dienstinteresie auch nicht angängig. Der RcaieruncSrat muß sich al;o weiter' pedulöen. Das Fräulein hat bei 8stündioer Arbeitszeit ein monatliches Einkommen von 420 Mk, der ReaierungSrat erhält bei ILstünbiger Arbeitszeit 380 Mk. und ist obendrein noch Familienvater. — Bluten der neuen Zeit!
tt Frank'urt a. M. Im Frankfurter Wirt^chaftS oebiet, foweit eS unbesetzt ist, haben verschiedene Hofqüter. da sie deut'che A, beiter nich» bekommen können, polnische lanDwirlschastliche Arbeiter und Arbeiterinnen in ihre Betriebe eingestellt. Das Eintreffen weiterer polnischer Hilfskräfie steht bevor. Tie FrühjahiSarbeilen in der Landwirtschaft sind durch de» Manuel an Arbeitern außerordeittlich zu» rück. — Unb die Städte geben derweilen Millionen für die Unter utzung von uugezähllen arbeitslosen Männern und Frauen a»S.
ft. Frankfurt a. M. Tie Stabiverordnetenverfamm- lung beschloß zur Deckung bet hohen durch KriegZaus- gabem, Arbeitslosenunterfttitzungen entssandenen Fehl» betrage für das Rechnungsjahr 1918 die Erhebung eines fünften Steuervierteljahres, wobei bie Einkommen bis mt 3000 Mark möglichst geschont werben sollen. — Für 1919 ist zur Deckung bes 18 Millionen 2>torl beiragenben Fehlbetrages tm Haushalts ttan eme Erhöhung bes Gerne ndeeinkommenstcuergesetzes von 177 aus 215 Proz. in Aussicht genommen. — Zur Linderung ber rasch steigenben Wohnungsnctt erhielt ibte Stadt dom Reick swohnungsamt die Ermächtigung ;.ur Vornahme von Zwangsenteignungen in großen Wohnungen mit vielen Räumlichkeiten.
□ Westerburg (Westerwald). Auf dem Frankfurter Hof gut Langwi^sen erschienen am 21. März ab.-nbs drei maskierte Männer in amerikanischen Uniformen, drangen in bas Wohnzimmer des Verwalters ein unb erpreßten von diesem unter ttorgeha'tenen Revolvern 650 Maik; bann zwangen sie ben Verwalter zur Hcrgabe der Eutskasie in Höhe von 15 000 Mk. des Privawermögens von 5000 Mk., ber Uhren und Schrnuckkachen. Sofort von den benachbarten ameri- kanisd-en Ortskommandant! ren .arfgenommene Rach- forfchungen nach den Räubern hatten bisher keinen Erfolg.
❖ Dillenburg, Bei einem Zusammenstoß mit Wilderern in? £>atgc’f-e'fm.fer Feld verwuiibete der Förster einen Wilddieb durch einen Schuß erheblich. Als ber Förüer dem Verwundeten zu Hilfe kommen wallte, schoß dieser auf den Beamten, fehlte aber.
* Wolftzagm. Zn einer der letzten Rä bte wurden auf dem Gute Elmarshaiifen zwei Ochsen im Werte von 6000 Mark aus dem Stalle gtzstohlen.
• Aus Thüringen. In Mühlhaufen ist der Wohnungsmangel fo empfindlich, daß der Ma« "iftrat die Beschlagnahme überflüssiger Zimmer an» gedroht hat.____
LurDberhessen u. den Hess.llemtern.
• Fritzlar. A»S dem Offizierkasino der Reitenden Abteilung d S FeId»Ark. »RegtS. 11 wurden ungefähr 200 Stück Eßbestecke und eine großer Posten Tiichwäsche gestohlen.
❖ Marburg. Bei der Ersatzwahl von fünf ausscheidenden Magistratsmitgliedern wurden folgende Herren gewähli: Sch eincrobermeister Rose, Bürovor- ttieher Erdeuberger, Zeichenlehrer Becker, Rentier P. Runkel und Geh. Rat Prof. Dr. med. Tuezek. Die beiden letzgenannten Herren gehörten schon seither bem Magistrat an. Ferner beschloß bie Stabtverordne« netenvorsamml'.mg, ben Fahrpreis ber Straß.nLahn von 10 auf 15 Pfg. zu erhöhen. — Am Mittwoch früh wurden hier zwei Männer aus Neustadt feftgenommen, als sie im Begriffe stauben, größere Mengen R i n b- u n b Schaffleisch hier einzuführen. Das Fleifch wurde beschlagnahmt. — In vorletzter Nacht wurden zwei hiesigen Hühnerhalicrn sämtliche Hühner g.-stt^len.
Lokaler. ■'
Fulda, 29. März 1919,
• Dir Ablieferung der Wertpapiere. Halbamtlich wird mitgctcilt: Um die Bevölkerung vor dem Verhungern zu schützen, ist belanntliti die Einfuhr von Lebensmitteln aus dem Auslande drin end erforbeil ch. Die Bezahlung mutz teilweise durch den Verkauf ausländischer Wutpapiere an das Ausland erfolgen. Zu diesem Zweck wird in ben nächsten Tagen eine B<kanntmachung oeS Reichsministers ber Finanzen erscheinen, laut der alle auslänb ischen fest verzinSlid-en Wertpapiere mit Ausnihme der russischen und ber Anleihen unser früheren Verbündeten dem Reiche käuflich zu uberlaffen sind. Berfchiedene Wertpapierkategorien sind: sofort gegen eine nach bem ungefähren Wert vom 31. Dezember 1918 berechneten Abschlagszahlung ab» guliefern, bie anberen sind alsbald anzumelden. — Alle Banken und Bankfirmen sind vom Reiche zur 'Annahme, bezw. Anmeldung der Wertpapiere ermächtigt, unb erhalten vom Reiche eine Vergütung. Sie sind aber ni.pt befu t, dom Publikum eine Gebühr zu erheben.
Keine Panik, bie zu ben verhanbenen Trümmern nur noch wettere Trümmer häufen würde! Keine Verschleuderung der Reichs- oder Staatspapierei Wenn jeder festhält, was er hat, wirb ber Geldmarkt sich irieb#r beruhigen. Keine Unterbrechung ber schaffenden Arbeit! Wenn wir allzumal in uns rem Beruf Iraker tätig blei, ben. Wirb ber beutsche Getverbcfleitz schon wieder in Gang kommen. Lassen Wir uns auch nicht ins Bockshorn jagen durch die gesr>ei.sttschen Ankündigungen, daß die Feinde von uns so unb so viele Hunderte von Milliarden eintreiben wollten. Sie werben schon ihre Ansprüche auf ein erträgliches Matz herabsetzen muffen. Wenn sie auch zunächst gewaltig auf ben Busch klopfen. 70 Millionen Dienichen zu Lohnsklaven zu machen, ist ein Gebawke aus ber Hölle, aber auf bieser Erdo eine blanke Unmöglichkeit.
Das schlimmste Wäre nun, wenn sich bie Panik ein» schliche in jene Kreise, bie von ber bolschew.stiscken Seuche bebrobt sind. ES darf sich nicht der Wahn verbreiten, daß die Ueterrebolution imabwenbbar sei unb der weitere Umsturz sich nidjt verhüten lasse. Was in Ungarn g genwärtig geschieht, soll uns nicht in lä iiuen» den Schrecken setzen, sondern vielmehr ansporn n, uitS gegen ein solches Schicksal zu wehren. Das können Wir noch; denn Deutschland steckt doch nodi kc.neswegS ir einer solchen Zwickmühle, wie da- kleine gcpreßte Ungarn, unb wenn un3 auch bte letzten Ma :ate viel saure Zwischeiisälle gebracht hab u. so ist boch schl eßl'ch bet Beweis geliefert worben, daß in Deutschland immer noch so viel Kraft und Zucht vorhanden ist, um bie Ruhestörer zu überwinden. Vergessen wir nicht, daß die Wahlen in? Januar ein verhältnismäßig günstiges Ergebnis Hatt2:i, rnb bah auf Grund btefeS Volkswillens sich im Reiche wie im Staate eine Regierung gebildet hat, bie zu Hoffnungen bered,i gt.
Weil noch das Lämpchen ber Hoffnung glüht. Wollen wir die Gesptuster ber Panik verscheuchen unb uns jagen: ES lohnt sich noch, zu ringen und zu streben, z« wirken unb zu schaffen. Unb Weil noch die Möglichkeit besteht, das Vaterland zu reiten, ist c§ Bürgerpflicht umb Christenpflicht, ben Kopf oben zu bchalüm unb bte Hände zu regen.