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ryr 7 A I verantwortlich für den «daktionell»» Teil: Kari SS litte. tU. »*F* | surdie Anzeigen: A. Parzeller,Fulda.— Rotationsdruck.
I Samstag 29. Mär- 1919. | I 4S. Zahrg
Die polnische Aondunq iit Danzig Ware eine neue himmepchreiende Gewalttat, die da;» bestimmt ist, einen neuen polnischeu Raubzug auf deuischeS Gebiet zu erleichtern.
Nach den Abmachungen, d>e dem Waffenstillstand zu Grunde liegen, solle» zu Polen „alle Länder, die von einer unzweifelhaft polnischen Bevölkerung bewohnt sind", fallen. Und diesem Staat, der somit keinerlei Anspruch auf ost- und westpreußisches Gebiet ha», soll „ein gesicherter, freier und zuverlässiger Zugang zur See" verschätzt werden. Deutschland ist
Ter Bolschewismus in Polen.
Vertin, 28 März. Nach hier eingetrosfenen Infor« trafionen ist die bolschewistische Gefahr für Polen ständig im Wachsen. Allein in Warsciau besinnen sich augenblicklich mehr als 7*0000 Arbeitslose, die stark unter dem Einfluß der bolschewistischen Agitation stehen. Die politischen Vertreter aus der Friedenskonferenz haben wiederholt darauf hingewiesen, daß zur Behebung der bolschewistischen Bedrohung so schnell al« möglich Maßnahmen militärischer und wirtschaftlicher Art getroffen werden müssen.
Ungarn.
Mm, 28. März. In Ungarn wir- schon feste brauf ko- sozialisiert. ES werden alle Unternehmungen und Betrieb« aU Voilk-S »»8Ntu« erklärt, meist
Deutsche Nationalversammlung.
Sitzung vom 28. März.
Nach Erledigung einer kleinen Anfrage, die dahin fcantivcrtct wuide, datz mit der Einführung der 5 o in- t serje it auch in diesem I^-Hre bestimmt zu rennen r sei. wird die erste Lesung des Gesetzes über die Schaf.
2n!i einer vor.äufigen Reiltt marme begonnen.
ReichSwehrmiuister Noöke bringt die Vorlage ein, er [ ßetcnt, datz d,e in Tiensr gestellten Schiffe für nieman- itn als eine Drehung wirken könnten, da wir sie ledig, k sich zur Sicherung der Lebensmitteltransporte, zur I Säuberung des Meeres von Minen und zum Schutze I ^serer Zisäerei brauchter.l.
In der Aussprache über den Gesetzentwurf wurde dieser einstimmig mit Ausnahuie dec Unabhängigen de» erüht, da durch ihn dem deutschen Seehandei irieder sine Belätigungsmöglichkeit yegt-ben werde, itatb 0>e jeuisttc Flagge nicht gänzl.ch vom Weltmeere verschwin- * den solle.
: ' Ter Gesetzentwurf wurde schließlich in erster und jfteitcr Lesung im wesentlichen unverändert gegen die Stimmen der Unabhängigen angenommen.
Eine längere Debatte entspann sich sodann über die klcrordnuug vom 4. Februar betr. die Sicherung der Acker- und G a r t e n b e st e l l u n g. Der kHiissäutzantrag wonach das Aufsichtsrecht der ll'egie- nrng sich auch darauf erstrecken solle, mit welchen Früch- iitai die Decker bestellt irerbeit, wurde angenommen, resgleichen ein Antrag der Deutsch-Nationalen, nach dem die Bestimmung gestrichen wird, daß dem Landwirt k hoi Nutzungsrecht auch dann entzogen werden soll, wenn er im letzten Wirtschaftsjahre die Bestellung so man- [ Mair ai'sgcführt bat, daß das Grundstück einen »er- Wwismäßig geringen Ertrag gebracht bat, und zu er. IMdcn ist, daß die neue Bestellung ebenso mangelhaft visgeführt wird.
Lamstag: Interpellation gegen die Maßregelung I tot Beamten und für eine Neuregelung der Beamte». ! besoldiing, Noletat, Jlachtragsetat und Krankcnlajsen- i teterbnung.
glauben wollte er natürlich nichts wissen. Aber das, womit sich Preußen „groß gehungert" habe, das möchte er gerettet und nach«eahmt wissen.
Der Ausdruck, das alte Preußen habe sich „großgehungert", darf nicht mißverstanden werden. Das Hungern, die Selbstbescheidung, die häusliche und volkswirtschaftliche Sparsamkeit bildet nur die eine Seite der altpreußischen Tugenden. Hinzukommen muß der pflichttreue und opferwillige Gemeinsinn, die stramme Selbstzucht, die für Ordnung und Ruhe sorgt: das Gefühl für die ver ..... P f l i ch t und Schuldigkeit muß lebendig und wirksam bleiben, sowohl in der Bürgerschaft wie in dem Be- amtentum. Tie stramme Amtstätigkeit der hohen und niederen Behörden ist vielfach als preußische Schroffheit und Strenge gescholten worden. Die. rauhe Form bedarf gewiß der zeitgemäßen Milderung; aber den guten Kern der kräftigen und ehrlichen Führung der Staatsgeschäste müssen wir festhalten. Wir brauchen ihn jetzt noch dringender, als unsere Vorfahren und wenn die Niederlage und die Revolution nicht zur vollen Auflösung von Reich und Sraat geführt haben, so verdanken wir es wesentlich der bewährten Beamtenschaft, die trotz aller äußeren und inneren Schwierigkeiten getreu auf dem Posten blieb. Preußen hat sich nicht bloß groß, gehungert, sondern auch emporgearbeitet. Beides »st auch jetzt zu vereinen. Einerseits müssen wir verzichten, andererseits streben und schaffen.
Verzichten aus manchen Luxus, an den wir uns in den üppigen Friedensjahren gewöhnt hatten. Verzichten aus manche Liebhaberei nnd sogar auf manche an sich berechtigte Wünsche. Di« Selbstbeschränkung darf sich nickt mit der persönlichen Sparsamkeit bc- gnügcn, sondern muß auf das ganze öffentliche Le. ben übergreisen, auch in das Privatgetriebe. Alle Volksgenossen muffen sich geduldig in die Steuer, erhöhungen, die Verkehrs- und die Verbrauchs . Einschränkungen fügen. Das zeit- und pflichtmäßige Verzichten müssen auch die. jenigen Kreise lernen, die auf übertriebene Erhöhung ihres Einkommens hinarbeiten, ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl zu nehmen.
Gemeinsam, mit gesammelten Kräften können wir offenbar die Schwierigkeiten eher Lberwin. den. Daber Zurückstellung von alledem, was trennen und bindern könnte, und fester Zusammenschluß zu einheitlicher, ausdauernder Arbeit. Die Zen. trumssraktiim gibt ein Vorbild, sowohl in opferwilligem Verzicht, als auch in der treuen Mitarbeit am Gemeinwohl.
Wenn alle Parteien und alle Bürger dem Dei- spiel folgen, wird das arme Preußen doch noch gerettet werden können und mit ihm das deutsche Reich, dexen Rückgrat es bildet. .
Preußische Landesversamnrlrmg.
Sitzung vom 28. März.
i ■ Zweite Beratung des NotetatS.
Ab'. Leid Unabtz.t: Eine genaue Prüfung be# i kiat» ist un« nicht mö glich. Wir werden an seiner krrohschiedung nicht Mitwirken
Abg. Rosenfeld (Unabb.): Die preußische Republik is! ein filaiienitaat -tut Ausbeutung der Arbeiterschaft, flachens Die an ebtiche Sozialisierung hat mit Sozia.
| liemuS nichts zu tun. Dieser Nerieru», feinen i Pfennig! Wir bekämpfen sie auf das rücksichtsloseste L ! Finanzminiftrr Dr. Südekum: Der Vorredner will ! üe Diktatur der Arbeitei klasse. W>r wollen gleiche» ! Redl für alle. Die Diktatur der Minderheit muffen tetr abiebnrn. Eie sind eine Minderheit. (Wideripiuch vi den Unabb? Preußen ist mit seinem freiesten Wahl, recht kein Klaflenstaat
| • Ad,,. Rosenfeld (Unabb.): Wir wollen in der Tat »ie Hei rschaft in die Hand der Ardeiterklaffe le'en, >md sie bildet keine Minderheit. Heben sie den Bela» ! «tun szustand auf, damit wir die Möglichkeit für die Mutation haben: dann werden wir ihnen beweisen, daß dir die Mehrheit haben. Sie halten es ja einmal nicht für nötig, die Familiengüter der Hohenzollern ein- pizieblnl
Finanzminister Dr. Südekum: Die Auswirkungen wer Demagogie machen zurzeit die Aushebung de» «riaierun.i-zuitandeS unmöglich Die Abtrennung de» Privatvermö.-enS der Familie Hohenzollern von ben- imigen Gütern, die der Staat in Anspruch nehmen iaan, wird mit Ernst betete en, Auer, eS handelt sich 8m eine zenraudenöe Materie, was dem Vorredner "cht unbekannt ist.
Abg. Dr. Heilmann (Soz.): Wenn der MilitariS. wur jemals in Deutschland sein Haupt erheben sollte, rn trägt die Schuld daran allem die Gewaltpolitik de» «PortakiSrnuS und seiner Helier. (Lebh. Zustimmung.) j . Der Noietat wird in zweiter und dritter Lesung »!>» tn der Gesamtabstimmung gegen die Stimmen der llnabbün i en angenommen.
Hieraus wird die Besprechung der Regierung». Mlorung jort csetzt.
... ä°g. Klktnspahn fUnabb.): Die Me"rheitS. Mialisten sind KapitalSknechte und keine wahren ■coriäiiipfer für die Freiheit de» Volke». Die Schuldi en 2™ Kriege müssen abgeurteilt und bestraft werden, ^klit-chland sollte offen seine Schuld am Kriege zuge- ?Ehen und Reue bekennen. Dio Sozialisierungspolitik
Regieruna ist weiter nickt» als eine fade, verbrämte bürgerliche Politik. (Lachen bei den Mehrheitssoz.) -» ,.^i"ister de» Innern Heine: Wir waren nie der ??ücht, daß der Sozialismus in großen Worten be- !>aitüe, sondern wir taoUcn etwas tun. Und was haben öeiin Sie <gu denn Unabhängigen) getan seit der Revo- sutton, als jede Arbeit zu verhindern? Die AuS- Whtungen de» Vorredner» über die Notwendigkeit eine» ^chuldbelenntnisies kann man nicht ohne Widerwillen Schoren. Wir sollen al» reumütige Sünder die ganze schuld Qm atiege auf un» nehmen. Wenn wirklich '-i ganze Schuld uns träfe, hätten wir un» zu Wehr j9en muffen. Unser Volk will einen ehrlichen Frieden.
iriH da» militärische Joch von den Schu.ter» aller ypontmen sehen. ES will keine Fortsetzung der Ge» ^Nipolitik. Aber eS will sich nicht vor aller Welt an scbanbpfabl gestellt sehen! Wir wissen, daß Schuld e ,Aei den anderen gerne len ist. daß die Politik der ift6 » cnen doch nicht von Deutschland gemacht worden 2*. Wozu diese Eröiterungen? Vor un» liegt eine 'ftgbar schweie Zukunrt Diejenigen, die in dieser o'u. anstatt das Volk zur Arbeit und zur Festigung irn immer nur neue Störungen bringen, die
6«« nur dem Feinde fa,en, .die Deutschen haben nicill genug schuldig bet’jint, al|o fordert noch 3-die sind die Verräter am be litt chen (Unruhe und Widerspruch bei den Unab- ’ “p’.en, stürmischer Beifall im ganzen übrigen Hause) H, ■ 9- Moldeuhourr (deutsche Volkspartei) bittet die - ^tung, die feindlichen Aaubgelüste auf das Saar- ChZ*-et zurückzuweiscn, wie sie auch die Gelüste auf wrIf’’en uni> öaä Rheinland zurückgewiesen habe, ist ,'chfterpräsident Hirsch, der inzwischen ersch.enen . -ertlärt dazu, daß Die Franzosen verievlich versuchen fftiin 6‘e Bevölkeiung des Saargebicts zu Muß. 'ici, °’en öu ntachen. Er freue sich über daS starke - ."ntgefühl dieser Bevöikeru.ig. Diese wisse, wa» sie . «tQntreirt) zu erwarten habe.
Biester (Weife) vertan,t die Wiederherstellung hannoverschen Staate».
hj, -^'.n Schluhanirag wild angenommen. Damit ist tti«' £ie<$Un8 6cr Regierungserklärung vom 25. März fe,: folgt bann die Besprechung der Anträge der.
$ -»euer Parteien auf Hebung der Landwirtschaft zur V»ng -er BolkSrrnährung
§r-£. $'*’• Abderhalden (Dem.): verkangt bermehrtr
und preiswerte, gerechte Bertcilung von künsl.
irr 9--6 n62mii,e!n- ferner bei der Inanspruchnahme die gebührende Rückjichtnahme auf die rmd getietaeufluna.
Dke Ablehnung der polnischen Landung in Danzig.
tvtb Berlin, 2'.'. März. Die gestern gemeldete Antwortnote der deutschen Regierung auf die in Spaa von General Nudant übergebene Note, worin die Gestattung der Landung der Armee Haller in Danzig und des Weitermarsches nach, Polen gefordert wird, betont, daß die deutsche Regierung nach dem Waffeustillstandövertrag nur verpflichtet sei de» Alliierten freien Zugang über Danzig uno die Weichsel zur Aufrechterhaltung der Ordnung in den Gebieten des ehemaligen russischen Reiches zu gewähren. Bei Abschluß des Vertrages sei sie jeden, falls davon auggegangen, daß es sich nicht um Polnische Truppen handeln könne. Die Note weist dann auf die bekannten Vorkommnisse bei der Durchreise des polnisch,en Ministerpräsidenten Pade- rewskj hin, der unter grober Verletzung der gewähr, ten Gastfreundschaft auf deutschem Boden das Zei. chen zum Aufruhr und Bürgerkrieg gegc. ben und bei feiner Anwesenheit in Danzig im Dez. 1918 gesagt habe, wenn die polnischen Divisionen aus Frankreich nnd Jlalien erst einmal in Danzig seien, werde Danzig und ganz Westpreu- ß e n P o l n i s ch werden. Weiter wird hrngewiesen auf dre zahlreichen Kundgebungen der deutschen Mehrheit in Westprcußen, die gegenüber polnischen Angriffen gewaltsamen Widerstand leisten wolle. Durch den so entstandenen Bürgerkrieg werde auch die deutsche Ostfront gegen den russischen Bol. schewismus gefährdet. Aus diesen Gründen könne die deutsche Regierung die gewünschte Maßnah me nicht verantworten, sei aber bereit, die Landung der Armee Haller in Stettin, K ö. n i g s b e r g oder 8 i b a u mit allen Mitteln zu erleichtern. Tie deutsche Note ersucht daher um alsbaldige Mitteilung über Zusammensetzung und Stärke der Arnree, Zeitpunkt der Landung und Angabe der Zeitdauer zur Durchbeförderltng bis nach Polen. Zum Scksiuß wird die Frage gestellt, welche Gewähr dieAlliierten dafür bieten könnten, daß nicht die Armee des Generals Haller oder ein Teil sich an polnischen Kundgebungen oder etwaigen Aufständen der Polnischen Minderheit beteiligen werde.
Berlin, 28. Mürz. K» verkantet, tmf? mit der Möglichkeit des Rdbrnchs de» Waffenstillstandes gerechnet werden müsse.
Berlin, 28. März. LuS Warschau wird gemeldet: Nach einer HaväSmelduvg aus Paris beschloß der Zehnerrat. Deutschland trotz seiner Protrsle zu z w t r g e n, die Landung der Armee Haller in Danziz zu-u- lassen. Tie polnische Armee wird Havre Ende März verlassen. Aus anderer Quelle wird bewicklet. Sag die Armee Haller noch Schätzung von militärischen Stellen 35 bis 45 000 be-räpt. Tie Hälfte der Mannschaft soll au» amerikanischen Polen bestehen. . .
(Entente nnd Rntzland.
Berständigungsversnche.
Stockholm, 27. März. Wie der Korrespondent der „Frkf. Ztg." erfährt, haben Amerika und England Berstäudigungsvcrhandlungen mit der, russischen Sowjetlegierung eingeleitet. Lenin u.j Tschitscherin haben den Bod'.n für Berhandlunges vorbereitet durck Verständigung mit den Sozialrevolutionären und ben Menschewiki, die übrigens in» folge des Terrors alle tatsächliche Macht verlorelbl haben. Der Grund für Lenins Politik ist der brin>! gende Wunsch, die industrielle Zerrüttung und di« Lebcnsmittelnot durch Auslandshilfe zu beendigen und den wirtschaftlichen Neuaufbau Rußlands in tnr Wege zu leiten. Aus den mit der Entente angesponnenen Verhandlungen erklärt sich auch die Zurück» Haltung, welche Rußland gegenüber Ungarn zeigt. Einstweilen stchen sich übrigens Rußland und die Entente bei den Verständigungsversucheft no& mit größtem Mißtrauen gegenüber.
8fbg. v. Kessel (Teuisckmat.): Unser Antrag fordert neben einigen auch vom Vorredner schon cmäljti- teu Ddaßnahmen ten möglichst schleimigen Abbau der Zwangswirtschaft auf lanbrcirtfdnftlictje Erzeugnisse, ferner bie billige Hrrgabe verwenbungsfähigen freigewordenen HeereSgukes an bie Landwirtschaft tu S bie Bewilligung der Schwerstarbeiterrationen, sowie ausreichende fileiter und Schuhe für die Landarbeiter. Tie Erhöhung der Produktion wird auch das Mittel zum Abbau der Preise sein. Tie Landwirtschaft wird vrel- leicht der einzige Schutz fein, der uns vor dem Bolschewismus rettet.
Abg. Busch (Ztr.) begründet den Zentrumsanirag, der im Interesse der Hebung der landwirtschaftlichen Produktion eine Reihe von Forderungen erhebt (vergl. Nr. 65). Falls eine weitere Abgabe von Pferden aus dem Heeresbeständen erfolgt, so muß die Regierung dafür Sorge tragen, daß das Zuchtmaterml in erster Linie den Landwirten und Züchtern zukommt. Zur besseren Verteilung der Arbeitskräfte und zur För. derung der dringlichsten landwirtschaftlichen Arbeiten soll die Zurückführung solcher industrieller Arbeiier, die früher auf dem Lande beschäftigt waren, in jeder Werse erleichtert werden, insbesondere durch die Gewährung freier Bahnfahrt. Die Zwangswirtschaft muß auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden. Zu einen? Anbauzwang, wie ihn der Antrag der Unrhhän- gigen fordert, wird meine Partei niemals ihre Zustimmung geben. Tic Aufhebung bet Zwangswirtschaft ist heute schon möglich bei Stroh und Heu. Wie weit sie sich auch bei Gemüse und Obst erincglidyrn läßt, bedarf schleimigster Prüfung. Tie Ernährungsfrage ist heute nicht 'tut Verteilungsproblem, sondern eine Produktionsfrage.
Abg. Held (D. Vpt.) begründet einem Antrag seiner Partei, der sich in seinen Forderungen zum großen Teil mit den beiden vorhergehenden deckt.
Abg. Schmidt-Köpenick (Soz.):. Ter Antrag meiner Partei gilt den Landarbeitern. Wir fordern angemessene Erhöhung der Löhne und die Förderung des 91b- fchlusses von Tarifverträgen. Mit Vesiedelung-'verfu- chrn allein wird man die Landflucht nicht befc't'gen. Tie Laridarbciler wollen vielfach nicht an die Scholle gebunden fen, um ihre Arbeitskraft frei bertoeilen zu können.
Abg. Graf fiautti (Deulfckmat.): Wir fordern, daß eine großzügige Besiedelung alsbald in Angriff gcmm- nten wird. Zunächst sollte die Negierung die von ben Grohgrundbeiitzern schon freiwillig angebotenen Ländereien mit geeigneten Familien besiedeln.
Samstag: Forlsetzung der Debatte, andere Anträge und formelle Anfragen. ,
Papst Benedikt für die
Freilaffnng der Gefangenen.
Vtb 518:r, 28. März. Nach der „Köln. Vlksztst." anttvortele der Papst auf das von Kardinal v. Hartmann am 8. Fed-tuar namens der Bischöfe der Fuldaer Biscko^skonferenz an ihn gerichtete Bittgesuch, sich für die baldige Freilassung der deutschen Gefangenen zu veiwenden, in einem eigenhändigen Schteibeu n. a. wie folgt:’
-Eure Eminenz schildern uns in ergreifenden Worten die Leiden von sehr zahlreichen Familien, welche, während sie die K.icgscfangenen fremder Völker voller Freude auS Teutsckchsi.d wegziehcn sahen, sich gequält fühlen von der beängstigenden Ungewißheit, wann sie ihre Teuren werden umarmen können, beten Hilfe und Trost sie um so dringender bedürfen, je tieftrauriger die Zeit ist, dir sie durchleben.
Ta Euere Eminen'z schon die unablässige (sorge kcn. nen. womit wir uns bemüht haben, so viele Tranen in diesem Kriege zu trocknen, werden Sic leicht begreifen, wie stark in unferm Vaierherzcn auch diese Schmerzen und Leiden Widerhall finden, und wie g ücklich wir fein würden, wenn es uns gelingen sollte, Abhilfe für sie zu schaffen.
Im vergangenen November, nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes, tat bet Kardinal-Staalösekreräc bei einigen Staaten beS Verbandes zu Gunsten bet deutschen Kriegsgefangenen Schritte, namentlich für die Kranken und Verwundeten und in btm darauf folgen» den Monat wiederholte er, immer in unferm Namm, in der liebevollsten Weise seine Bemühungen, nm die Sage so vieler Unglücklichen zu verbessern und ihnen im großen Maße geistliche Hilfe zu sichern durch deulsbe Scelforgtr. Wir richteten auch teilnahws. oll bie Blicke auf die (Befangenen, die sich näher bei uns befinden und wir empfahlen den Bischöfen der italienischen Liöielen und dem Armeebischof ausdrücklich, alle in ihren straften stehende Sorge aufzmvcnben Etwas fpä>cr d-uäten wir bei einer feierlichen Gelegenheit einer hohen Persönlichkeit unser lebhaftes Verlangen ans, die Hmiberi» und Tausende deutscher Gefangenen, die fett so langer Zeit die Leiden der Gefangenschaft ertragen, zun? heimatlichen Herde zurückgcführt zu sehen. Wir hatien die Genugtuung zu erfahren, daß jene Pcrsi'nlichkeit voll und ganz unsere liebevollen Dünsche teilte und geneigt war, sie zu unterstützen. Alsdann richtete der Kardinal-Staalssekrerär ben dringenden Ap icll an einen der alliierten Staaten, um auch dessen Interesse für dieses überaus liebevolle, menschenfreundliche Werk zu getoinnen. Wir erwarten noch die Antivort.
Möge der Friedenskönig recht bald den vielen Iran- ernben Familien d.e erste und köstlichste Frucht gewähren, die sie sich von dem so heiß ersehnten Frieden bei- sprechens ■ ; . ,
Das verarmte Preußen.
In der preußischen LandrSversammkung haben dieser Tage Ministerpräsident Hirsch und Finanzminister Südekum trostlose Mitteilungen über die sinanziekle Lage des preußischen Staates gemacht. Preuße», das einst mustergültig aufgebaute Finan. zcn besaß und i» dieser Beziehung so manchem Staa«' als Vorbild dienen konnte, ist heute ein arme» Lend in des Wortes vollster Bedeutung geworden, das vor der Notioendigkett steht, sich »och einmal „groß zu hungerns Angesichts des Fehlbetrages 00p Milliarden in dem sonst so wohl, geordneten Ctaare-haushalrsetat kau» man sagte von einem $ it; a r.t m enbruch redcn. Tas Bild das in-ibcsender Hci: Südeki'm entrollte, war nichts wen-ge^ rifr.-rlich. Er zeigte vor allem, daß die füh- reuk-m Männer, die die Revolution an die Spitze des Staates gebracht hat, längst zu der Erkenntnis durchgedrungen sind, daß jn der Praxis auch die Soziald-mokratei, heute mandjeä anders machen müsse», al? sie es einst in der Theorie versprochen hatten. Arbeiten und zahlen werden die Hauptpflichte« d«S Bürgers in der nächsten Zeit fein und bleiben, und Ministerpräsident Hirsch ging sogar so weit, ausdrücklich znzugestehcn, daß das neue Preußen manche jener Eigensckiaften nicht werde entbehren können, die einst das alte Preuße» grotzgemacht haben. Von staatlicher Bevor, mundmta. Kafteuwel«» und dem blinben Autoritäts
bereit, den Polen die'en Zugang zu garantieren; die Intet Nationalisierung der Weichsel, wenn es sein muß eine Bahnlinie, seiner ein Freihafengebiet bet Danzig genügen dazu. Polen aber wünjcht einen schmalen Landstreifen, einen „Landkorridor", der es ermöglichen feil, ohne Betreten deutschen Gebietes anS Meer zu kommen. Ein solcher „£anb- korridor" läßt sich aber nur ichaffen, wenn auch Gebiete ntit reindcutscher Bevölkerung zu Polen geschlagen werden. Tas Ware ein frecher Bruch der geoachten Abmachungen. Vollends wäre die franzö. fisch-polnische Lösung, die sogar den Allensteiner Kreis noch zu dem „Korridor" schlagen will, nichts anderes als ein Verbrechen. Die Zerschneidung West, und Ostpreußens und ein derartiger Verlust wertvollen Landes ist für Deutschland absolut unerträglich. Aedes weitere Wort wäre zu viel. Un, erträglich wäre es aber auch, wenn nun Polen nach ihrer Landung in Danzig durch das Korridorgebiet t^firdett würden, um die Bewohner zur „Selbstbe- stintmung" reif zu machen. Tas ist die ungeheure Gefahr der Landung in Danzig und des Weitermar. sches nach Polen. Tie Wlehnung dieser Forderung durch die Regierung wird einmütige Zustimmung im Volke finden. Geschieht das Unrecht dennoch, so mag es ohne unser Zutun und gegen unsere« seierlt, chen Protest geschehen.
Die Abreise der Finanz-Kommifsian.
(§) Berlin, 28. März. Die »Deutsche Allgem. Ztg/ meldet aus Weimar: „Tie deutsche Finanz- Kommission hat sich heute vormittag mit der Reichsregieiung über die Einzelheiten ih>es Auftrage» in Versailles verständigt und trist heute abend vorläufig nach Spaa, wo sie die Weirerentwickelunq der gefamlpolitischen Lage und die endgültige Aufforderung de» Befände- zur Einreise nach Fkankreich ob»Minen wird."
Die versprochene» Lebensmittel.
Die so lange versprochenen Lebensrnittel bet Entente, mit denen uns reichlich ost der Mund was, serig gemacht worden ist, scheine« nun wirklich irr greifbare Nähe zu rücken. i
Diese dem ausgehungerten Magen besonders frohe Botschaft ist aber nicht so aufzusasscn, als sei m einigen Tage» alle Not zu Ende. D-e ei »zu führenden Mengen dienen zunächst nur zur Aufrechterhaltung unserer bisherigen Lebensmittelrationen. Einr Wgabe vou Waren an den freien Handel wird nicht statisiude» Eine Kommission aus Mitgliedern des Reichsernährungsamts, die Aufenthalt in Rotterdam genommen hat, prüft die aiigelieferten Le. bensmittel aus ihre Güte und verteilt sie dann an die einzelnen Bundesstaaten und Kommunalver. bände. In erster Linie werden die I n d u st r i e . bezirke und Großstädte beliefert, da dort dir Not am größten ist. Werden die versprochene» Le. bensmittel i» vollem Umfange geliefert, dann wer. dc» wir einen gcwiffen Ueberschuß haben, der eS möglich machr, für Ende April oder Mai der Bevölkerung etwas mehr geben zu könne», als die jetzige knappe Ration. Jedoch sind bis zur Stunde dis Aussichten hierfür noch ungewiß.
Jedenfalls werden, wie schon mitgeteilt wuvde^ die Getreidelieseningen eine Verbesserung des BroteS gestatteu. Sobald das ausländische Brotkorn ein, trifft, wird auch das inländifche Getreide nur noch z» 80 Prozent ausgemahlen werden, wodurch das Brot nahchafter wird und gleichzeitig Kleie als Dikhftttter abgegeben werden kann. — Ucber das amerikanische Fleisch und ben Speck kann vorläufig nur gesagt werden, daß cs sich in der Hauptsache um Dörr- und Pökelfleisch handeln wird. Der Speck ist roh gesalzen.
®d wedischeS Mehl. Die alliierten Mächte haben das schwedische Rote Kreuz ermächtigt, 50000 Tonnen Mehl unmittelbar nach Dcutichland auSmfüjten, falls die Bezahlung in der vereinbarten Weise erfolgt. ES handelt sich sowohl um Weizenmehl wie Roqgenmehl» das Schweden nachher von Amerika zurückerhalten soll.
Kartoffel ans England. DaS englische Lebens« Mittelministerium soll beichloffen haben, außer den 100000 Tonnen Kartoffeln, die bereits uwerwegS sind, noch 200000 Tonnen Kartoffeln nach Deutschland zu schicken.