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Vl, 73 I 53eranttrortli5 für bett tebaTtioneHen Teil: Äarl ®6üHt. I Art * *7 7 tTTnry 10(0 I Verlag der Fuldaer Actiendruckrrei in ^»wa. - Prei» monatl. I 46. loflTQ.

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Deutsche Nationalversammlung.

Sitzung vom 26. März.

Miaifterpräfideni Scheidcmann: Täglich mehren «x hie Meldung n ans dem Aus.ai.de, ut denen uns «Ciie Erschwerungen ui den zu crwar enden zriedensbedingungen augelüudlgt v erdc.i zu Sem Zneck, uns nach und nach burcy ihre L-iedeeholung <n di.se ungeheuren Forderungen zu gewöhnen, un§ die endgültigen FrieLensüeLingungcn ja t cr= «röalidi ersä einen. Lurch ganz Teuts.r.lanü gehl c.n gtflitrei t.effter Verzweiflung, ein Appell an die höchste «njtüi.g, die cs gibt: A n das Gewissen der zrenschheit. Zu Tausenden kemmen die Proteste au5 den Provinzen, Städten und Dörfern. Sie !v o l- rc II deutsch bleiben, das ganze Martyrium eines deMken Voltes mitleidcn, nur weil sie nicht anders -Wen lönnen als Deutsche. (Stürmischer Beifall.) ^ic Äcichsligierung weiß, daß diese Treue das wcrt- rcllze Gut ist, das ihr zur Bcr.wa.tung anver.raut irurbc. — Aber — so rufen uns die sogenannten Ra- tutakn von links zu —: das deutsche Volk habe gar icin Recht zu Protesten gegen Perge.ralligung.nl, denn xrt st-L itowsl und Bukarest, seien unsere Schuld. Wo deutsche Schuld liegt, da darf es an Beut* {dem Schuldbekenntnis nicht feh.en. Tie deutsche Re­gierung bat ihren bisherigen Gegnern die Errichtung tiurS i n t e r n a ti o n a l c n Gerichts ho f es vor- Uschlagen, der die Schuldfrage nach ai'en Sei en xrn- • TEtt und dann urteilen sollte. England hat diesen Vrrschag al gelehnt. (Hält! hört!) Es ist a so nicht Miere Schuld, trenn dieser von uns selbst vorgeschla> genc Proz iß nngeführt bleibt. Ater selbst wenn Deutschland aller Verbrechen, deren man es be stch igt. Mklich schuldig wäre — hat cs, so frage ich die Unab- häng.gen, darum das heilige Recht ve.loren, gegen Lergewalligungen zu protestieren?! (Sehr gut! bei der Mehrheit.) Hat es darum das Recht ver­loren, gegen Fesseln ,-u protestieren, die ih n die Gurgel -«drücken irüiccnj (Sehr g-.t!) Was von uns jemals an Vergewalt gungen beabsichtigt worden ist — es reicht auch nicht annähernd an das heran, was unsere Gegner uns gegenüber schon ar sg'fi hrt haben und reck, aurfuhlen werden! (Lebhafte Zustimwunz.) Spa ist schlimmer als Brest, Werl Spa ze gt, daß ,S 6cn Brest nichts gelernt Hai l (Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit.) Aber nicht nur die äußerste Linke schwächt nnfeie Stellung ror dem bitteren Ende. Am letten Sonntag fand in Berlin eine Versamm ung ge­gen die Abtrennung Westprer tzens, Danzigs und dos Saargebiites statt. Aber was erfolgte? Es war für einen Teil des Publikums dieser Versammlung schon be­zeichnend, daß et die Ausführungen Erzbergers und Bernsteins irit lärmenden Kundgebungen unterbrach. Leelche Kräfte hier mn Work politischer Sabo age wa­ren. zeigt so recht das Verhalt-» des National- brn ndcs deutscher Offiziere. Diese Herren bracht'» cs fertig, Heil dir im Sicgerkranz zu sin en tob ein Hoch ans den Kaiser anszubringen. Sie habew dadurch die pesreinfamc Sache des ganzen Volkes mitz- hraucht für die armseligste Lappalie einer Kaste, einer Clique, einer Minderheit von 1700 Personen gegen­über 53 000 Mitgliedern des Deutschen Ofsi ierSbun- be», der von solchen Politikastern nichts wissen Willi Man brachte dem General Ludendorff Ovaii.men, der sich natürlich ganz zufällig (Große Unruhe rechts) genau zu der Minute in der Wilhelmstraße befand. , (Hört, hört! bei der Mehrheit.) Tas, was diese Her­ren nm Sonntag in Ber.in getrieben haben, war nicht gewollter, aber in seinen Wirkungen doch Landes­verrat! (Lebhafte Zustimmung links, großer Lärm rechts.) Sie haben unseren Gegnern wieder Grund zu. der Behauptung gegeben, bei uns sei alles.beim alten geblieben (Sehr richtig! bei den Unabhängigen, Lachen bei den Sozialdemokrat-ui), nach wie vor herrsch« bei Uss das Kaisertum, Ludcndorsf sei nach wie vor der führende Mann und die alten Machthaber seien nur ?um Schein vor die Türe gesetzt. (Sehr richtig! b?i den llnabh., Lachen bei der Mehrheit.) Wir Protest, mit aller Entschiedenheit gegen diese Borkommnisie vom Sonntag, Itir protestieren gegen diese Fä.schunrsoersuche, die die Freiheit der Revolution nicht für, sondern gegen un'cr voll mißbrauchen. (Lebhafter Teif.), gegen unser lei­dendes, von jeder Militär scheu Kraft entblösstes und der Vernichtung pre sgegebenes Volk! (Stürmisbe Un­terbrechung rechts, Zuruf: Das ist die Schn d bet Re­volution; Lärm und Ruf links: Ludendorff ist s..Md! Bewegung im ganzm Hause.) Wir werden uns dis Herauf eschwören neuer a- ßonpolitischer Ge astrcn durch eine Handvoll Reaktionäre nicht g fallen la'"en; >rir dn'den dos nickstI (Mit erhobener Stimme fort- fahrend) : Wir werden die Herren zu fassen wissen, die eile derartige Schuld der Pergangenbe t aus eine Reu« Gegenwart übertragen wollen! (Höri, hört!) 8nb Bewegung.) Die Anwesenheit des Generals L u- dendorff bei diesen Vorgängen soll nicht leichten Her.-ens beurteilt werden. Ludenborff hat fest feiner Rückkehr aus Schweden bas Urteil eint s Staatsgut chtr. bases verlangt. Er soll es haben. (Stürmischer Bet- mll bei der Mehrhstt ) Äm Namen der Reichstcgie- jung habe ich zu erklären, daß wir demnächst einen Ge- wtzentwurf zur Errichtung eines StaatSgc« laicht Jhofes in diesem Hause einbringen werden.

Das Haus beschließt, bei der morgigen Beratung des Rotetats Betrachtungen allgemeinolitischer Art über die Rebe Scheidemanns zuzulassen.

Es feint die Fortsetzung der Besprechung bei Inter- Motion über Mittelstand unb Kleingewerbe.

■ Aba. Herrmann-Reutlinaen tDem.): Der Mittel­stand wird auch im neuen Deutschland als kultureller Faktor des sozialen AuSgleicbeS eines der festesten Fundamente des Staates bleiben. Wir richten die Mahnung zur tatkräftigen Unterstützun r deS Mittel- standes nickt nur an die Regierung, sondern auch an d'e wohlhabenden Schichten, die am besten dazu im Stande sind..

g. Abg. Dr. Hugo (Deutsche Volkspart.l: Mit dem ^bbau der staat.ichen Zwanesor anisierung müßte schleunigst unb ernsthafter begonnen werden. Wir Irh- 8tn cS auf das entschiedenste ab, daß Staat und Ge­binden den kleinen Gewerbetreibenden etwa durch «ommunalisierung der Bäckereien, der Fleischereien, ®eä Baugewerbes usw. Konkui renz machen. Die Sozia- foierung hemmt bte Emporentwickelung der d«>"ichen Dirlichait.

Kommissar deS Reichswirtschastsamts Trendelrn- ?°r9; lieber die Frage der Einführung des Aältstun- "kntageS im Handwerk schweben zurze t Verband» ninfen nut dem Arbeitsministerium, ebenso über die ®oiiQlifiernng von KleinwirtschastSbeirieben.

f, Abg. Wurm lUnabh.): Der Untergang des Mittel- HQnbeS ist eine durch nichts auizuhaltende Tatsache.

kann dem Mittelstand nur die Sozialisierung .I'T.bie Kommunalisierung, bei der alle Angestellten "lchiich ihr Brot finden werden.

c Avg. Eisrnbrrgcr (Bahr. Bauernrat): Hie Cazmli- ung ist berechtigt beim Großbetriebe. Len Mritel- onb aber unb das Kteinwwerbe kann m u unmöglich ,°sialisieien. Ich hoffe, daß auch im neuen Leutsch- *uni) der Mittelstand e>halten we>den kann.

, . dienet fDeutschnat): Unsere Befürchtungen ,‘etbcn bestehen. Wir verlangen die Errichtung eines Wnderen Referats für Hanüwcrk unb Gewerbe beim Rerchswirtschaftsamt.

Damit schließt bie Besprechung. Eine Reihe von Wahlprüfungen wird nach den Anträgen bcs Ausschusses erledigt.

Donnerstag: Notetat.

Preutzische Landesversammlung.

Sitzung vom 26. März.

DaS HauS tritt in die Besprechung der gestrigen Regierungserklärung em.

Abg. HaaS (Soc.) bedauert, daß man kein rein sozialistisches Ministerium bekommen habe, erkennt aber die weit ehenden Zugeständnisse für die freiheitliche Entwickelung deS etnatcS an. Er be rüßt die Be­strebungen zur Schaffun r des deutschen Einheitsstaates, solan, c dieser aber nicht crieidt werden könne, wolle seine Partei ein einheitliches starkes Preußen.

Abg. Dr. Porsch (Z.): Der Mimsterp äsident hat pesterii mit Recht darauf hingewiesen, daß w»r wieder ein armeS Land geworden sind. Wir müssen unier letztes her eben, um uns miet er aufzurlchlen Wir brauchen vor allem den Frieden, einen Frieden der Gerechtigkeit, einen Frieden, der uns Brot gibt Wir hoffen auf diese Weise die innere Ordnung wieder her» zustellen. Inzwischen vermehren innere Unruhen noch di • Trümmer, vor denen wir stehen. Im Westen stehen unsere Volksgenossen nrg'er der feindlichen Beietzung und drohen unter dieser Last vollsiäudig zusammcnzu- brccten, im Osten bedrän en uns die Polen. Wir brauchen unter diesen Umständen eine kräftige Re­gierung, die auf einer breiten Grundlage errichtet ist. AuS diesen Erwä ungen heraus haticn unsere Freunde in Weimar sich entschloß in, in die Rei hk- regierung einzutreten. AuS den gleichen Gründen haben wir uns entschlossen, in Preußen den gleichen Schlitt zu tun uns in eine sleiche Koalition einzu­treten. In Weimar ist festgestellt worden, daß das Ein eben auf die Koalition an den Ueberzeu ringen und Zielen der einzelnen bctcili ten Parteien nichts ändert, daß es sich um keine Bindung auf Lebens- zeit bandelt, sondern um ein Zusammengehen für so lange Zc.t, bis Ruhe und Orknnng wieder her erteilt ist. In die "cm Sinne ist auch die Beteil, ung des Zen- trum8 an der preußischen Regierung aufzu- fassen. Wir stehen nach wie vor fest nur dem Boden unseres Programms, der Folgerungen bew-ht, bie sich aus bem Umschwung bec Verhältnisse unb den verän­derten Mehrveitsverhältnisien er eben. Nur einen kleinen Teil des gestern entwickelten Prag raiu m s wird die.LandeSveriammluna selbst erledigen können. Es ist deshalb nicht nötig, jetzt auf die Einzelheiten einzu ehe». Im allgemeinen ent pricht daS Pro ramm unierem eigenen Programm. Besondere Sorge bereitet uns die Stellung des Staates zur Kirche und Sc1 ule. Wir verlangen Gewissensfreiheit unb Frei­heit brr Religionsausübung. Beides soll in bie Reichs» verfafiung aüf enommen werben. Die Reaierung will in weitcrem Maße old bisher die Möglichkeit schaffen, außerhalb des Schattens der Kirche zu leben. Dazu soll der UMbhrete Rcliio, Snnierricht dienen,Ich verstehe bas so, da» die Religion Unterria isfach bleibt, aber der Lehrer, der 0118 Gewiffensbedenken den Unterricht nicht erteilen möchte, hat das Recht, die Erteilung des Unterrichts zu ver­weigern. Ebenso müssen bie Eltern daS Recht haben, ihre Kinder dem Unterricht fcrnzuha'tcn. Diese Frei­heit siiid mir bereit zu gewähren, aber cS muß auch den anderen, die im Glauben leben und sterben wollen, dieser Glaube unverkümmert gewährt werden Diese Eltern . müssen die Gewißheit haben, daß dec Glau e ihrer Kinder nicht gefährdet wird. kSehr richtig! im Zentrum., Diese Frei­heit müssen to.it verlangen ,Sehr richtig! im Zen- t um), und ,ch darf erwarten, daß die Sozialdemokratie uns diese Freiheit newähien wird. Dann können mir trotz aller Gegensätze weiter zusammen arbeiten. Für Tausend und Adcriausende ist heute ict Glaube an Gott das einzige, was sie hält rind was. sie in den Stand setzt, diese Zeit zu überstehen. (Lebhafte Zu- stimmuni im Zentrum.) Ich glaube annehmen zu dürfen, daß der gegenwärtige Kultusminister für diese Gedanken­gänge Verständnis hat . lAvg Hoffmann tust: Jawohl, der läßt sich kneten, wie Sie wollen !> Wir sind bereit, der neuen Regierun, in loyiler Weise die Mitarbeit zu leisten. (Lebigster Beifall tnt Zentrum.)

Abg. Ka dorf (D. nat.i schiebt von großem Lärm und Zwischenrusen der Linken unterbrochen, die Schuld an dem Zusammenbruch der So goldemokrotie zu. Er bezerchnet die Revolution als das größte Verdrehen, das je am deutschen Volke begangen wurde Der Red­ner verlangt Auskunft borübir, waS die Arbeiter- und Coldatenrote getan und was dieser RcvolutionS^chwin- drt dem Lande gekostet habe.

Ministerpräpdent Hirsch erwidert dem Vorredner, daß dessen Rede auf ihn den Eindruck eines Signals der Gegenrevolution gemacht habe. Der Ministerpräsi­dent sagt, die A.- und S.-Räte hätten dem Staate wert­volle Dienste geleistet und bemerkt, daß im Gegensatz hierzu die politischen Beamten zum Teil bei den Ge­meindewahlen passiven Widerstand geübt haben.

Finanzminister Dr Südekuni: Die Kosten der Ar­beiter- und Soldatenräte werden von den Stellen ge­tragen, bet denen sie ihre Tätigkeit auSuben. Vergütet wird der entgangene Arbeitsverdienst und eine angc- meffene Entschädigung. sowie Ersatz von Bar.iusla en unter der Voraussetzung möglichster Spirsamkcit. Die Räte haben sich um die Erhaltung der öffentlichen Ordnung in vielen Orten große Verdienste erworben. Nicht alle aber haben ihren Schild rein erhalten. Auch manche Offiziere haben ihre Pflicht schwer verna t lässt it, unb eS wäre ganz schlimm geworden, wenn nicht d e A - und S.-Näte noch Millionen, so ar Milliarden ge­rettet hätten gNufe: Wo?> Ich nenne nur Brüssel

Vlbg. Gaffel (Dem) verlangt, kaß unier gesamtes Ctaatswestn auf ivahrdast bcmoiratifcyc Grundlage ge­stellt w.rd und tritt für eine auskömmliche Besoldung der '-Beamten ein. Weiter verlan t er die Schaffung eines neuen Beamten- und eines einheitlichen Arbeiter- und Angestellten, eck ts.

Abg. Tr. Nof.nfcld Unabh.) führt aus, Heine habe die Justiz in tonn ö und Boden rumieit und Hänisch sei ein > anz schwächlicher Untcrrid tSminn'ter. Redner beschwert sich, daß der Bela erungszujiand noch nicht nur rächen ist uni verweist wat.iend auf Un am.

Minister des Innern Heine tcd;tfert’gf die Haltung der Regierung in der Frage der politischen Prozesse und des B^Iag.rvngszustandes. In Sachen Liebknecht und Rosa Lnpembuig sIen alle Bcscht lugten in Haft b:§ auf einen. Redner wirst den unabhängigen var, daß sie nickt die Befreiung des Volkes, sondern die Tyrannei einer kleinen Minderheit trollten.

Finanzminister Dr. Sildekvm rechlfertizt bic Be- ererung ber Emp'änger von Arbeitslosenuntersiutzun- en. ' Steuerfrei soll niemand mehr bleiben.

Donnerstag: Fortsetzung der Besprechung, förmlich, usragcn und Anträge.

. le neue Negierung und ihr Kulturprogram

Man sieht schon jetzt, daß durch d>e Beteilig! . j i-i’. Zentrums an der preußischen Neaterung ei.

gewisse Mäßigung, eine schonende Behandlung der kirchlichen unb Schulinteressen erreicht worden tst.

Tte p öyliche und rücksichtslose Trennung von Staat und Kirche, die der Revolutioiisminister Adolf Hoffmann verkündigt hatte, ist jetzt 'tmgegofsen in einen Pioirainmptinkt, d r in der Programmrede des Mmtsierpi äsidenten Hirsch am Dienstag wie folgt foimülicrt wurde:

„Das staatsiekbtliche und finanzielle Verhältnis zwischen Staat und K-rche soll auf dem Wege der Vereinbarung und unter Vermeidung öffent­licher und per ältlicher Schädigungen mit dem End­ziel betders ei tiger Selbständigkeit neuge- otdner weiden."

Da nun einmal das alte Verhältnis erschüttert worden ist, b.lbet es eine wertvolle ErrungcnsckMfk, daß anstelle des einseitig,cn Vorgehens der Staatsge­walt die Vereinbarung Platz greisen soll, so daß die Organe der Kirche Gelegenheit haben, ihre Rechte und Interessen geltend zu machen. Dabei Wied die Verhütung vrn Schädigungen in Aussicht gestellt.

Als Endziel wird ausdrücklich die „beiderseitige" Selbständigkeit bezeichnet, woraus man folgern darf, daß her Staat künftig auf jede Einmischung in die kirchliche Tätigleit verzichten wird. Tas würde u. a. die volle Freiheit unserer Ordenstätig­keit hcrbeiführ"», deren weitere Entfaltung gerade in diesen schweren Zeiten sirr unser Volk von gllöß. tem Werte ist.

In der S chulfrage ist das Programm, das der Ministerpräsident verkündete, ausführlicher und auch mn bedenklichen Dingen versetzt. Die maß­gebende Linke hält ai ihrem Ziel der Einheits­schule fest . Tie endgültige Regelung soll durch c'n neues Schulgesetz erfolgen. ®ie Simultanschule, die in dem Plan der Einheitsschule steckt, soll zunächst nuc fakutatw werden, gemäß den Beschlüssen ein. zclner Gemeinden. Doch ist vorgesehen, daß die Religion nicht auS der Schule hcrausaeworsen wi> d, sondern überall wahlfren er R, eligi os- unterricht eingerichtet werden muß. Tie Dahl- fre heit ist e n schlimmer Mangel: ater sie ist doch wahrlich das kleinere Hebel im Vergleich mit d.'M relinions losen Mora'unierricht, der uns ange­droht ti?ar. Letzterer hätte geradezu die Aushöhlung des religiösen Glaubens und Gefühls bedeutet. Wenn jetzt ein konfessionsloser Religionsunterricht bestehen bfeibt, dann ist doch die Möglichkeit gegeben, durch , Einwirkung auf die christlichen Eltern und durch . sorgsame Erziehung der Jugend bis zum 14. Lebens­jahre die Teilnahme an diesem Religionsunterricht möglichst allgemein zu machen. Die katholischen Lehper werden gewiß gern dazu mitwirken.

Zu beachten ist ferner d'e Verheißung der Ne- gierung, daß für d'.e staatliche Schule durchaus der Grundsatz unbedingter politischer und religiöser Duldsamkeit gewährleistet bleiben soll. Da­ransh in dürfen wir erwarten, daß in den weltlichen Fächern olles vermieden wird, das wieder einreißen konnte, was der Religionsunterricht aufbaut

Tie uM-ermcidlichc Aushebung der g e i st sichen Schulaufsicht hat nach Lage der Verhältnisse mehr praktische Bedeutung für die evangelischen, als für die katholischen Schulen, Unsere Geistlichen mussten sich zumeist schon feit Jahren den gebühren­den Einfluß auf die Schulerziehung ohne Hilfe des Staatsamtes zu sichern suchen. Tie neuen Verhält­nisse stellen noch höhere Anforderungen an die Tat- kraft und die K'.uahcit der Geistlichen. Sie verden ihnen gewachsen sein und hoffentlich die wirksame Unterstützung der Eltern dabei finden.

2!e neuen Gleise sind nicht bequem und voller Schwierigkeiten und Gefahren. Aber man kann doch auch cu» d'c'em Wege mm Z'kle kommen, und darf deshalb froh 'ein, daß das schlim in sie verhü­tet worden ist.

Tie „Sicherungen", die w'r voriges Jahr in Verscsstingsparaarapheu verpe^ffch suchten, müssen jetzt ersetzt werden durch erhöhten Eifer der Geist­lichen und der christlichen Eltern. Auch durch die Wachsamkeit aller christlichen Wähler in Staat und Gemeinde. ' >

Vor der Friedenskonferenz.

Genf, 20. Mär». Hebet den Verhandlungen ber Pariser Konferenz liegt feit drei Tagen ein aehcimn'S- vollcs Dunkel. Der Rat der zehn Vertretet der Groß­mächte tagt nickt mehr, unb die Minirtervrä>'bi.nten Elernenreau. Lloyd George und Orkando halten an'latt dessen durchaus vcrtraulicheBesyrechungen mit Wilson ab. Um sich gegen zudringliche Z^itungS- berichterstatter zu schützen, versammeln sich die vier Machthaber jeden Tag in einem anderen Hotel, und selbst Wilsen ist die Venfflichtung a^fcrlegt wordc-n, den amet'ken schcn Ioutn-liiten bis auf toeitcres iede Elc- legenbe'.t zu Indiskretionen abzuschnciden. Tic Presse schließt ars alledem, daß die Konferenz ihre Krä'te kon- -entriert, un? zu einem fdiTciinigen Friedens- schloß zn rc'ar-rfn, rnb die Zeitungen, die Fühlung mit dem s annösischen Ministerinm des Aeußer^n ha­ben, unterstreichen die Hcffnungen.' di - Frankreich auf einen derart beschlenn g en Frie^enesl lusi sc! en m! ß e. Si^ txrfanpea vor allem die Abg enzung geg n Deutsch- Icuib und bi' Festsepung der den schein Entschädigung.

BerUn, 26. März. Im KamnierarSsbuß . erk arte V i ck o n, daß ber Friedensvertrag b i s Orter n abgeschlossen sein werde. T>e Bcsprc- d-rr.gen mit den deutschen Delegierten beginnen am Montag. Die deutsche Hauvtniedensdclcgation wird zum 7. April in Par s erwartet.

Berzickt der Alliierten aus Danzig?

* Vern, 25. Mär». Nack der ,Daily Mail' wird d'e Mnertenkommission die Landung der pokniichen Tivistonrn des G nerals Haller statt in Danzig in Königsberg 'ns Aime fasten.

* Berlin, 26. März. Die ,P>eß Information' erfährt aus PnriS: Tie Fordernnaen des Euteine- Krieasratest, Danzia und das Gebiet läm8 der We chsel an Polen abzut eten. wurde durch Me.irheit von Ameri'g, Iap n und En länd verworfen. Eme amerikaniiche Vorlage will Polen den Gebrauch des Ha'enS von Danzig und die unemge ebränkte Benutzung der W> ich el zusichern, ob ne jedoch die Gebiete von Deutschland loszureißen. ,Tai!y News' melden:. Tie englische Arbeite, pariei erklärte sich gegen die Zu eilung von Dnuzig und der rein deutschen Gebiete an den neuen Do.euftaal. In ber

Sitzung der liberalen Unterbaukpartei sprach As<- quttb gegen die polnischen Ansprüche auf Danzig und Westpieußen und tünbeie die Opposition der Liberalen gegen einen Friesenschluß dieser Art an.

• Weimar, 26 März. Auf Grund beitimmiet Aeußerungen der En ente wach t die Wahrscheinlich­keit, daß die Ampiüche, die zunächst auf Danzig zu Gunsten der Polen erhoben worden sind, wiek>«p fallen gelassen worden sind. Deukschland ist bereit, in Llbau oder Körngsberg den Polen in einem Freihafen den Zugang zum Meer zn er­möglichen. ■

Die Krregskosten.

wtb Bern. 25. März. Der Vertreter bet .Neuen ZüruDer Zeitung" hatte eine Unterredung mit dem auf ber Reise nach Deutichlaub befinblichen Milglieb ber en lischeu Finanzbelegation W ight, ber ihm ertlärte, Deutichlaub solle burch seine Verpflichtungen für ben Wieboravibau Belgiens unb NorbsranlieichS nicht toirtschaft.it, imb finanzielle gugtunbe gerichtet werben. ES sei keineswea» dec Wunsch Em lanb» noch baS Bcaebren ber en tischen Finanz, unb Industrie- kreise, Deutschland jede zukünftige wirtschaftliche Ent- faltum$möqlidifeit zu nehmen. • .

gjtnf, 20. Mäi z. Der Berichterstatter der Telegr.. Komp uns erfährt auS diplomatischet Quelle: Die bich«: bekannt gegebenen wirtschaftlichen und ttnan. zielten Forde«unien der Entente sollen erheblich . emilbert werden, nachdem es Wiison und Lloyd George ge ungen ist, Elemenceau davon tu überzeugen, bah durch überspannte Fordetungen in Deutichtand eine Lage geschaffen . werbe, bie c.n Heb ergreifen bes Bolschewismus auf Westeuropa beäunffige. Die vier Ic'tenbcn Staatsmänner haocn infol’Cbeffen beschlossen, Dcutschlanb bie Rückkehr zu normalen Ver­hältnissen möglichst zu erleichtern.

Die Ver'orgung Deutschlands.

■wtt Berlin, 26. Mäiz. Tas Kabinett hat stch mit der Finanzierung der Lebensmitteleimuht besaßt und Herrn v Braun «rmächcig', in Ro'terdgm die Vereinbaiungen über die zweite Rate abzuschlirßen.

wtb Brrmen, 26. Mäiz. T-otz der anfangs haitnöckigen Weigerung ciueS großen Teils der See­leute, die deut'cheu Handelsschiffe nach England und Frankreich zu übers, hren, ist nunmehr die Ausreise der an die Ve>bündrten abzuliesernoen Schisse f v wäh r leistet. 1

Deutsche Proteste.

Berlin, 25. März. Der Bund der La ndwir i« erteil in einer Kundgebung Einspruch z gcn jede Ab- tretrng bcütfdcn Landes in her Ostmark. Ec fordert pon der Regicrung. daß bet den FriebcnSverhaiidli ngcn kein Fußbreit deutschen BotzenS an Polen außgeliefert wird.

TSsseldors, 25. März. Der Ptovinztaka u Z- schuß der Rheinprovinz bat einstimmig eine En Hb ie- ßung arftnorriren rnb her Reiclstegictung ss.tie der Wassenftillstandskcmmifflon übermittel', die -fefagt: Ter Prcbinzialausschnß ber Rhein tevinz erklärt sich -ciNftimMig itü b cnlschieden gegen bic Abtrennung bet Rheinpr^vinz oder einzelner ihrer Teile und sotd tt Mneingeschräiitto Aiffrecklertatiiing ihrer bisherigcn politischen und tri.tschaftliden Beziehungen. Der Prt?- vinzia'avsschiiß ■ s' r cht die bestimmte Erwartung aus, daß die Reidsregieruiig diesen Standpunkt mit allen Mitteln zur Geltung bringt.

Die Schuldsrage.

Ein deutsch-englischer Notenwechsel.

Schon im November hatte die deutsche Regierung durch Vermittlung der Schweiz der Entente tiorge- ublaqen, eine internationale Kommission einzüsetzen, um die Schuld am Kriege feftim'teHcu. Aus wiederholte Anfragen gab jetzt im März der britische Gesandte durch Vermittlung der Sch netz die ab lehnende Antwort der Entente bekannt. Eng­land sei der Ansicht, daß ein Gericht unnötig wäre, da Teutichlands Schil d am Kriege feststebe.

Tie deutsch« Regierung bat daraus, wie amtlich bekannt gegebm wird, an d e Schweizer Regieiung eine Role gerichtet, rooiin sie er udrt, bet enoli chen Regierung mttzuieilen. daß sie geat-n die Austastung der britischen Gesandtschaftickät fsteBerwabr ung eingelegt. Tie Alliieiten woll n gleichzeitig A n_t l ä« get und R ichler sein und zwar in einer Sache, in der sie selbst sta k beschuldigt werden. Deutschland könne einen Uitetlsipruch nur dann anerkennen, wenn er nach Prüfung des gesamten AktenMate­rials beider Parteien und in voller Oefsentlichkei» von neutraler Stelle au» ei folgt.

Ungarn.

Rückzug ber Entente?

Basch 26. März. Laut Ungarn. Tel.-Korrespon- dcnzbüro traten bie Franzosen aus Szegedm und dem ganzen besetzten Gebiet den Rückzug in süd­licher Richtung an.

wtb Budapest, 26. März. Die der ungarischen Regierung jiteeteil e Militärkommission der Alluer- itn rtchtiie an den rcvolunonäien regierenden Rat ein Schreiben, in denr es h-sißt, daß die 2) em ar» kationslinre weiterhin nichr als politische Grenze zu betrachten sei. Tie neuerliche Entschei­dung der Entente verfolge den Zweck, die Truppen von den Revolutionären durch eine streng begrenzte neutrale Zone zu trennen, und Zusammenstöße zu Verbindern. (Tas ist ein offen kundiger Rückzug ge­genüber dem klaren Wortlaut der neuen Entente- gewaltmaßregel die Ungarn in die Verzweiflung trieb- Er komml zu spät.).

Tpanien unter Standrecht.

Es cligen einige Trahtmcldunae:! aus Madrid und Paris vor. aus denen hcrvorgcht, daß infolge c:nc3 in Barrelona ausgebrochcnen Gencralstreils über ganz Spanien das Stand recht Verb äugt worden ist. Tie Nachrichten sind jedoch so dürftig, daß man einstweilen noch keinen Ue'erblick ülcr den Umfang der Bewegung gewinnen kann. Wir ver­zeichnen folgende Telegramme:

wie Madrid. 23 März. In Barc elona bat ein Gencratsirrit den ganzen Stratzenbahnbienst unb bie getarnte Jnbu trie lahm eie t.

wtb Paris, 26.März. Wie bie Blätter aus Madrid berichte«, verzichtete Graf Rqmauvnes nach Bekannt» werden be» Generalstreiks in Barcelona auf sein Vor-