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| Dienstatt 25. Mär- 5919. | 1 4S. Zahrg

¥i *1A T Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte. » V» | für die Anzeigen: I. Parzeller. Fulda. Rotationsdruck.

3>ie versunkene Krone

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Roman von Felix Nabor.

Da ging Frau Maria v. Neuhaus mit raschen Lchritten auf ihn zu und sank vor ihm auf die Knie. ».Max", rief sie,verzeihe! Diejenige, die fünfund- -vanzig Jahre zwischen uns stand, ist tot! Der Schat- irn ist verschwunden es wird licht! Mache Frieden E mir! Ich will Dir zur Seite bleiben und Dich Pflegen, damit Du nicht mehr einsam bist! Aber sei 6»t zu mir! Ich habe ja so schwer gelitten, ich bin «»schuldig verstoßen woröen!"

Ihre Tränen fielen auf seine welke Hand und brann- »En wie Feuer darauf. Da sank er auf seinen Stuhl V«rvkk und schloß die Augen.Steh auf!" sagte er «>se.Setze Dich an meine Seite und rede rede!

die Vergangenheit noch einmal vor mir aufleben, ®®"it ich klar sehe und unterscheiden kann zwischen Recht und Unrecht! Aber Du mußt mir alles erzählen, Ees auch das von Auguste alles, was Du von ihr weißt!"

Sie erhob sich, setzte sich an seine Seite und begann ihre Leidensgeschichte.

Der Kranke rührte sich nicht; nur als am Schluffe "O* Testament erwähnt wurde, und als von Augustes Jugendliebe die Rede war, ging ein Zucken durch seinen «orper wie von einem elektrischen Schlage.

So war also auch dieser sein letzter Traum von Mück und Reichtum zerplatzt wie eine schillernde Sei- lenblase; das kleine Flämmchen seiner allerletzten Hoffnung erlosch, und nichts blieb übrig als ein Häuf- «« Asche.

Frau Maria hatte geendet und fragte leise:Und ium weißt Du alles, Max. Was soll nun werden?"

Die verdorrte Hand des Kranken führte nach der ^»rn.Ich fxhe keinen Ausweg in diesem Labyrinth P°n Ereignissen", sagte er.In meinem Kopfe wir- alles durcheinander. Laß mir Zeit, daß ich meine Gedanken ordnen kann. Auf all das war ich nicht ge- M am wenigsten auf Dein Kommen! Daß Deine Worte wahr und offen sind, das erkenne ich wohl. '9 Glaube auch, daß Du unschuldig bist; aber ich muß

Preußische Landesversammlung.

Sitzung vom 24. März

Die Bespreckmng der Interpellationen und Anfragen Mer die Loslösungsbestrebungea einzelner Landesteilc toitb fortgesetzt.

Abg. Heß (Ztr.) protestiert gegen das Kesseltreiben, boS in den letzten Tagen gegen das Zentrum der-" «illaltet worden ist. Tie Frage der rheinischen. Repu- Hil ist überhaupt keine Parteifrage; es sind Mitglieder EZ den verschiedensten Parteien an iljt beteiligt, und yyf der anderen Seite geben die Meinungen über die ©«{je innerhalb des Zentrums weit auseinander. Von irgendwelchen geheimen Abmachungen des Zentrums jhnn in keinem Stadium die Rede sein. Ist es da ge­recht, wenn Sie setzt Ihre ganze zur Schau getragene Entrüstung auf das Zentrum ableiten wollen? Der Gedanke einer westdeutschen Republik ist in allen protzen politischen Parteien ernstlich erwogen worden. Dmn kam allerdings den anderen Parteien die entsetz­liche Idee, daß in einer solchen Republik dos Zentrum die Mehrheit haben könnte. In diesem Augenblick er­blickte derPatriotismus" der anderen Herren das Licht der Welt. Etwas Vernünftiges kann aus der westdeutschen Republik nur werden, wenn sie etwa um- fasten würde die Provinzen Rheinland, Westfa'en und Hessen-Nassau. In diesem Gebiet würde das Zentrum tzinesfalls allein die Mehrheit haben. Wir haben durch- cti keine Lust, als gezeichnete Landesverräter in Deutschland zu leben. Wenn schon einmal von H o ch- perra t die Rede sein soll, würde dieser Vorwurf dann richt viel eher die Parteien treffen, die an der Revolu- &und am Zusammenbruch unseres Heeres die Schuld n? (Große Uinruhe und Widerspruch links.) Aus­gerechnet ein Vertreter der Unabhängigen hat die Stirn gchabt. -uns zuzurufen, wir arbeiteten der Entente in die Hände. Das sagt der Vertreter einer Partei, die seit Mnaten und JMren mit Rußland zusammen- scheitet. Dieses Verfahren ist eine schamlose Heuche­lei I Es ist grundfalsch anzunehmen, daß für uns in« unpolitische Erwägungen irgendwie mitgesprochen hät­ten Wir waren aber der Meinung, daß die Grün­dung der Republik aus nationalen Gründen notwendig sei, weil wir glaubten, daß nur so die Antegrität des deutschen Landes zu sichern sei. Das -rüg falsch gewesen sein, aber Sie müssen unsere lieber» zeugung respektieren. Wir wollten lieber von Pr-u- tzer, als vem Reiche losgerissen werden. Mit dem Ge» kmken c;ner Losreißung vom deutschen i Reiche haben jp i r niemals imd in keinem llpgenblick gespielt. Wenn der Staatssekretär Freund uns vorwirft, wir hätten den Gedanken der Republik leichten Herzens gefaßt, so protestiere ich dagegen, was tristen Sie (zum Unterstaatssekretär Freund) überhaupt hm den Leiden, bie wir im besetzten Ge |. biet durchgemacht haben? (Sehr ri-ktigl im ! Zentrum.) Sie haben sich ja die ganze Zeit überhaupt nickt um uns gekümmert. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Wir verlamgen von der preußischen Regie­rung. daß sie endlich einmal auch dafür eintritt, daß uns unser Recht wird. Sie wissen wahrscheinlich per nicht, daß bei uns eine ganze Reihe von G e m e i n» t den vor dem Zusammenbruch steht! (Sehr ricktig! im Zentrum.) Der preußische Justizminister , in Weimar davon gesprochen, daß wir tote die Natten handelten, die das sinkende Schiff verlassen. Der I Minister ist nicht hier, aber ich bitte mir aus, daß ihm mitoeteilt wird, daß wir das für eine ganz unerhörte Beleidigung halten, mit der Hunderttausende von treuen Detttschen getroffen worden sind. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Wie kommt übrigens der prevstische Justizminister dazu, von einen? sinkenden Schiff zu sprechen? Wir für unseren Teil denken nicht daran, Deutschland für ein sinkendes Schiff zu halten. (Lebhafter Beifall.) Wenn man so ungeheu­ren Wert darauf legt, daß wir bei Preußen bleiben, so müssen sie uns nehmen, wir wir sind. Selbstverständ­lich muß der rheinischen Eigenart und Entwicklung in Munft Rechnung getragen werden in Bezug aus die ? Deamienfrage und die ganze Verwaltungspraxis. Wir Ebern bie Sozialdemokraten auf, den Bogen nicht zu erspannen, keinen netten Religionskrieg zu entfachen mid uns nicht tn Gewissenskonflikte zu bringen. Heute sieht die Sache so, daß außer dem Zentrum alle anderen großen Parteien den Gedanken der westdeutschen Re­publik ablehnen. Da müssen wir uns natürlich sagen, daß bie Idee aussichtslos ist. Ob in Zukunft ernmal mts der Idee etwas wird werden kön­nen, kann niemand sagen. Sicher ist jedenfalls, daß die gegenwärtige territoriale Gliederung des Deutschen Reiches nicht die einzig denkbare ist. Für den Augen­blick ist bie Idee zweifellos erledigt Wir müssen von ihr Abschied nehmen und können es itmfo leichter, als bie Gefahr nicht mehr zu bestehen scheint, daß wir ohne

die Gründung bet selbständigen Republik von Fr a n k- reich annektiert werden würden. (Sehr richtig.) Wir erklären, daß uns eine Loslösung vom Deut­schen Reich in irgend einer Form uner­träglich wäre. (Lebhafter Beifall.) Wir sind im­mer Deutsche gelvesen, wir sind Deutsche und werden immer Deutsche bleiben unter allen Umständen. (Leb­hafter Beifall.) Den Antrag Gräf, der sich gegen die Einverleibung des Saarbccketrs und gegen den rheini- schan Pufferstaat wendet, toerden wir einstimmig an­nehmen. Ten zweiten Antrag, der die rheinische Re- publik innerhalb des Reiches ablehnt, würde der weit» auL größere Teil meiner Fraktion an sich durchaus haben annehmcn können. Mit Rücksicht auf die Angriffe, die gegen uns gerichtet worden sind, haben wir uns indes entschlossen, uns der Abstiimnung zu enthalten. (Lebhafter Beifall im Zentrrtm.)

Unterstaatssekretär Freund erklärt, zu dem Angriff des Vorredners habe er keinen Anlaß gegeben. Daß sich die Regierung gegen eine Aufteilung Preußens ohne Befragen Preußens wehre, sei selbstverständlich.

Abg. Adolf Hoffmann (Unabh.): Heute soll die neue Regierung unter dem Ministerpräsidenten Hirsch gebildet werden durch Anhänger der Mehrheits­sozialisten, der Demokraten und des Zentrums. Man soll sich über die toichtigsten Tinge, z. B. über die Schul- und Kirchenfragen, schon vollkommen einig fein. Die Rede de? .Herrn Dr. Heß gab einen angenehmen Vorgeschmack dieser Einigkeit. (Sehr richtig bei den Unabh.) Tie Trennung von Kirche und Staat ist eine alte sozialdemokratische Parteiforderung. Haben die Mehrheitssozialtsten diese Forderung schon aufgegebem? (Zurufe: Neinl) Dann verstehe ich nicht, daß Sie mit dem Zentrum zusammenarbeiten wollen. Tie jetzige Zeit ist nicht dazu angetan, Millionen für die Kirche auszugeben. Herr v. d. Osten sprach davon, die Hohen- zollern hätten uns zur Blüte gebracht. Stein, wir sind groß geworden trotz der Hohenzollerm. In Not und Elend haben uns die Hohenzollern gebracht. Wir wider­sprechen jeder Loslösung, weil wir eine einheitliche Re­publik für ganz Deutschland. haben wollen.

Abg. Tannenberg (Welfe): Auch wir gfatrbcn, daß das alte Hohenzollern-Preußen unwiderbringlich dahin ist und wir wollen aus der Konkursmasse ulnsere h a n» noversche Hermat wieder haben. Eine Annexion kann niemals Recht begründen. Die Gerechtigkeit, Selbstbestimmung unb Moral erfordern die Wiederher­stellung eines selbständigen Hannovers im Rahmen des Reiches. Tie Regierung bat im Februar einen Erlaß gegen die Agitation der Teutsck^hannoverschen Partei gerichtet, der bedenklich nach Bismarcks und Puttkam- mers Geist riecht, unb der uns den letzten Rest von Vertrauen zu dieser Regierung genommen hat.

Minntorprüsident Hirsch: Unser Erlaß wendet sich gegen diejenigen, bie in Hannover eine Volksabstim­mung herbeiführen wollen, unt biefe Provinz von Preußen abzureißen. Tie Regierung steht diesem Ge­danken ebenso ablehnend gegenüber tote den rheinischen Sonderbestrebung-n. Durch bte_ Abspaltung von Han­nover wird Preußen in zlvei Hälften zerrissen werden Wir sind überzeugt, im Falle der Volksabstimmung würde sich die Mehrheit der hannoverschen Bevölkerung für Preußen erklären.

Abg. Runge empfiehlt als Schlußberichterstatter die beiden vorliegenden Entschließungen, in denen sich die LandeSversammlung gegen die Loslösungsbeitrebungen einzelner Gebietsteile von Preußen, gegen jede Einver­leibung rheinischer Landesteile, insbesondere des Saar­beckens und des Bezirks von Montjoie, Malmedh und St. Vith seitens Frankreichs und gegen die Errichtung eines rheinischen Pufferstaates ausspricht.

Beide Entschließungen werden angenommen.

Dienstag: Mitteilung des Präsidenten über die Zusammensetzung der Regierung und Notetat.

Die neue preußische Regierung.

Berlin, 24. März. Die Verhandlungen über die Bildung des neuen preußischen Kabinetts stehen vor dem Abschluß. Durch die Schaffung eines Bolks- wohlfahrtsministeriums, dem Teile des Kultusmini­steriums und außerdem die gegenwärtig dem Mini­sterium des Innern angegliederte Medizinalabtei- lung überwiesen werden sollen, wird die Zahl der Ministerien auf zehn erhöht. Von ihnen soll die Hälfte den Sozialdemokraten zufallen, nämlich au­ßer dem Präsidium, das der bisherige Ministerprä­sident Hirsch beibehält, die Ministerien der Finan­zen (mit Südekum), der Landwirtschaft (mit Braun), des Innern und das Kultusministerium. Kultusminister wird wahrscheinlich H ä n i s ch blei­ben, und Heine, der bisherige Justizminister, Mi­

mich erst in diesen Gedanken hineinleben; ich habe Dir, wenn sich alles so verhält, vieles abzubitten. Diese Nacht will ich dazu benutzen, die Wahrheit zu finden und das Recht zu ergründen. Dann will ich gutmachen, soweit ich es vermag."

Dieser ruhige, versöhnliche Ton weckte in Frau Marias Seele hellen Jubel: endlich nahte die große Weihestunde des Friedens.

Tue das, Max", sagte sie,dann wirst Du auch den rechten Weg finden, der Dich und mich zum Frie­den führt."

Ja zum Frieden! Gehe jetzt, laß mich allein! Aber gib mir zuvor jenes Buch dort vom Bücher­bord! 2a, ganz recht dieses mit dem goldnen Kreuz auf der Decke."

Sie holte es ihm und las dabei den Titel: es war die Heilige Schrift.

Da lächelte sie, legte das Buch so auf den Tisch, daß er es bequem erreichen konnte, und schlug es auf.

Er verfolgte jede chrer Bewegungen mit den Augen, und als sie sich zum Gehen wandte, reichte er ihr die Hand und sprach:Maria ich danke Dir! Habe Geduld mit mir es wird alles, alles gut werden!"

2n diesen Watten lag für sie neue Hoffnung, eine neue Welt. Sie kündeten ihr das große Fest der Ver­söhnung an, auf das sie seit zwanzig Jahren gehofft hatte, und das nun endlich wie ein Jubeljahr folgen mußte. Als hätte ihr das Glück Flügel verliehen, so leicht schwebte sie davon. Noch einen liebevollen Blick warf sie auf ihren Gatten, der nur von Liebe und Verzeihung sprach, dann ging sie hinaus.

Max v. Neuhaus ober las in dem heiligen Buche und suchte den rechten Pfad, suchte die goldene Straße der Wahrheit!

Am andern Morgen fand man Max v. Neuhaus über der Helligen Schrift eingeschlafen. Man versuchte ihn zu wecken, aber es war vergeblich: er schlief den ewigen Schlaf, von dem es fein Erwachen gibt. Sein müdes Haupt ruhte auf dem heiligen Buche; seine bleiche Stirn berührte die Stelle, die vom Guten Hitten spricht und also lautet:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: auch im Him­mel wird Freude sein über einen Sünder, der Buße

nister des Innern werden, doch ist es möglich, daß Hänisch ausscheidet und Heine' das Kultusministe­rium übernimmt. Minister des Innern würde in diesent Falle ein anderer Sozialdemokrat werden. Unter den fünf nicht-sozialdemokratischen Ministern wird einer parteipolitisch neutral sein, nämlich der Kriegsminister Re nbardt. Eiscnbahnminister wird Abg. O e s e r (Dem.) werden. Fischbeck (Sem.) bleibt Handelsminister. Für das Wohlfahrts­ministerium ist Stegerwald (Ztr.) bestimmt. Wer Justizminister wird, stelst im 'Augenblick noch nicht fest. Es war zunächst an Spahn gedacht, der tci» Amt bereits einige Zeit inne hatte. Es ist ab* * r möglich, daß man es vorziehen wird, das Iustizmini- ftenunt einer jüngeren Persönlichkeit zu übertragen. Dem sozialdemokratischen Kultusminister wer­den zwei politische Unterstaatssekretäre ans dem Zentrum und der demokratischen Partei beigegeben werden.

Gegen den Rand deutschen Bodens.

Frankfurt a. M., 24. März. Gestern fand hier eine Protestverfammlung gegen die Lostrennung deSSaar- gebte+eS statt, die von Taufenden von Personm aller Parteien besucht war. Einstimmig wurde eine Cntfchließuna angenommen, die die Regierung und die Nationalversammlung auffordert, eine lang andauernde Besetzung sowie eine offene Annexion beS Saargebietes zurückz 'weisen. Es wurden Zustimmun^steleoramme beS Reichspräsidenten Ebert und beS Ministerpräsidenten Scheidemann, sowie der Reichsminister Graf Brockdorff- Rantzau, Preuß und Erzberaer verlesen.

Aachen, 24. März DaS Korrespondenzblatt für den Kreis Eupen veröffentlicht mit Genehmiaung der französischen Zensur eine Entschließung sämtlicher SBc> trauenSmänner der Zentrums. und der Deutschen Volkspartei, in der Einspruch erhoben wird ge en eine Abtrennung der Kreise? Eupen oder Teile desselben in irgendeiner Form. Dasselbe Blatt meldet au» Malmedy, daß der Kreistag einen ähnlichen Beschluß faßte unter Hinweis darauf, daß der Kreis nur zu einem Fünftel von Wallonen bewohnt fei und die preußische Wallonei seit 1200 Fahren zu Deutschland gehört.

* Graudenz. 24. März. Der Soldatenrat der Garnison Graudenz sandte an die Reich-re iierung, die National­versammlung usw. Protestkundgebungen, in denen cS heißt: Die Garnison Graudenz, 10000 Mann stark, wird sich jedem Versuch der Angliederung West- preuhenS an Po'en mit Waffengewalt widersetzen.

Berlin, 24. März. DaS Auswärtig Amt teilt amtlich mit, daß in den letzten Tagen aus Teilen West- Preußens eine Fülle von telegraphischen Kundge­bungen ihm zugegangen ist, in denen der unberbrücb- liche Wille der westpreuhifchen Bevölkerung zum Aus­druck gebracht wird, ihr Heimatland, das von einer überwiegend deutschen Bevölkerung bewohnt wird, mit allen Mitteln gegen etwaige SoStrennunnSgelüfte von feindlicher Seite zu verteidigen. Das Auswärtige Amt schöpft aus diesem machtvollen Appell an die Gerechtig­keit die sichere Zuversicht, daß sich auch bei den Feinden mehr und mehr der Eindruck befestigen werde/ daß ein dauerhafter Friede niemals bestehen könne, wenn fest­gefügte nationale Bande gewaltsam zerrissen werhen.

totb Berlin, 24. 'März. Nach Schluß der Versannn- Timgen, die gestern an verschiedenen Stellen Berlins über die Frage der Lostrennung deutscher Gebiete statt­fanden, begab sich ein Teil der Besucher in großen Zü­gen nach dem Reichskanzlerhaufe, nm dort bie gefaßten Entschließungen zu übergeben. Reichsminister Schif­fer hielt von dem Fenster be§ ÄeichskanzlerhaukeS aus eine Ansprache, in ber eS u. a. heißt: Na­mens bei Reichsregierung verspreche ich Ihnen, alles zu tun, was Sie von uns verlangen. Ter Anlaß, bet Sie zusammenführte, ist ernst und traurig, aber Ihre Entschließung ist ein Lichtblick. Sie beweist uns, baß alle Herzen zusammen schlagen, wenn es das gerne n» famt Vaterland gilt und baß jede Regierung bas Volk hinter sich hat, bie bie höchsten Güter des Volkes zu wahren unb zu verteidigen versteht. Auf bem Stoben des Rechts wollen wir stehen bleiben, von dem (assen wir uns nicht abbrüngen und im Siege beS Rechts wird das Heil des Vaterlandes liegen. (Stürmischer Beif.)

Die Versorgung Deutschlands.

wtb Berlin, 24. März. T er Vorsitzende der britischen Kommission in Spaa teilte in einer Noto vom 23. März mit, daß in Ausführung deS Brüsseler Ab­kommens für rund 35 Millionen Dollar Nahrungs­mittel anS amerikanischen Quellen und für rund

20 Millionen Dollar aus britischen Quellen zu so- fortiger Lieferung bereit seien. Die deutsche Regtorung werde um Mitteilung gebeten, wann die als Bezahlung hierfür vorge ebenen 11 Millionen Pfund Sterling in Gold in Brüffel erniresten. Da die Ueberführung des Goldes nach Drussel^wie der Entente bereits mitgeieilt wurde, cm -6. Marz er­folgen wird, dürfte mit dem Begrnnder Lieferung der erwähnten Lebensmittel in kurzer Zett zu rechnen sein.

Die Ausfahrt der Schiffe.

wtb Bremerhaven, 23. März. Eine Versamm­lung der Bremer Seeleute aller Dienstgrade, die von etwa 1000 Seeleuten besucht^war, nahm eine Entschließung an, in der sich die Seeleute ver­pflichten, auf Aufforderung der Regierung mit den Schiffen auszufahren. Eine Versammlung von Seeleuten in Bremerhaven beschloß dagegen die Schiffe nicht ohne Garantien ausfahren zu lasten.

wtb Berlin, 23. März. Wie bie deutsche Waffen- stillstandS-Kommission miiteilt, gehen heute und morgen folgende deutsche Schiffe nach England ab grm 23. März ab Hamburg die Dampfer Genua, Rugie, Graf Waldersee und Kaiserin Auguste Viktoria, Elster, Helnau, Roda, Wolfsburg und GermanikuS; ab Emden die Dampfer Claeie und Hugo Stiunes. am 24. März ab Hamburg die Dampfer Pretoria, Re-Vuma, Kaera, Hermua, Fürst Bülow und Artemisia, ab Königsberg der Dampfer Vorundi, ab Emden der Dampfer Varegge, ab Bremen die Dampfer Sonnenfeld und Weißenfels. Von Hamburg aus gingen außerdem noch die Dampfer "Secundos" undRudelSburg- nach England tn See

Holland will Lebensmittel liefern.

* Basel, 24. März. Die ,Times' melden aus dem Haag: Die niederländische Regierung hat bei den Alliierten die Ausfuhrbewilligu ng fürLeb ens- mittel nach Deutschland in Höhe von 850 Millio­nen Gulden nachgesucht. Die,New-York Sun be­richtet, daß bis Mitte April tnsge amt 500000 Tonnen Lebensmittel für die Mittelmächte aus Hoboken abgefahren sein könnten. Die Lager der großen Werfien feien so reichlich gefüllt, daß dr, Vorräte di« Abrollung bis Ende April decken.

Tie Wirkung per Blockadepolitik.

Berlin, 22 März. Um die Wirkung bet Blockade» Politik bet Entente gegenüber Deutschland treffend zu illustrieren, werden nachfolgend die S t e r b cj ä 11 e zufammengiestellt, die die einzelnen Jahresklassen im Jahre 1917 im Vergleich zu 1913 aufzuweisen haben. Es sei dabei bemalt, daß es sich nur um die Zivil- bevölkeriing^-hcmh«E bin sind. Verhältnismäßig gering, nämlich 8506 oder 2,4 Proz ist die Steigerung der Todesfälle bei den Säuglingen bis zu einem Mahr. DaS ist riatckr- lieb auf die große Sorgfalt zurückzuführen, die man gerade dieser Altersklasse und den Müttern hat zuteil werben lassen. Um so erschreckender ist der Einfluß der Blockade bei den übrigen Altersklassen. Er betragt bei den Kindern von 1 bis 5 Jahren 30 591 Todesfälle oder 49,3 Proz. Steigerung gegen 1913, bet den Kindern von 5 bis 15 Jahren 19 920 oder 55 Proz.', bei den männlichen erwachsenen Personen von 15 bis 48 Jahren 12 856 (42.2 Proz.), von 48 btS 60 Jflhren 19 720 (29,2 Prvz.), von 60 bis 70 Jahren 22 890 (35,2 Proz.), bei 70 und mehr Fahren 37 944 (40,8 Proz ); bei den weiblichen Erwachsenen im Alter von 15 bis 30 Jahren 15 565 (45,7 Proz.), von 30 btS 60 Jahren 30 562 (32,7) von 60 bis 70 Fahren 19 594 (SO Proz.), von 70 und mehr Jahren 4,739 (40,8 Prozent). _ ___________

Das LoS unserer Kriegsgefangenen.

Die deutsche Waffenstillstandskommission hatte nachdrücklichst dagegen protestiert, daß deutsche Kriegs­gefangene von den Engländern im ehemaligen fran­zösischen und belgischen Kriegstobiet mit dem Stuf» suchen von Blindgängern beschäftigt werden. Ter englijche Vertreter aniwortete auf eine diesbe­zügliche deutsche Frage, daß bet den Aufräumungs- und Erdarbeiten der in englischer Gewalt befind­lichen deuischen Kriegsgefangenen in Frankreich und

tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen."

* *

In der Gruft der Dorfkirche wurde Maximilian o. Neuhaus beigefetzt; er kam zu seinen 2lhnen ohne Krone ein stiller Mann! Aber die Toten nahmen ihn auf; denn der Tod macht alle gleich. Er nimmt dem Könige die Krone vom Haupte und windet ihm das Zepter aus der Hand; er wirst ihn ebenso nieder wie den Bettler, der in zerlöchettem Mantel durchs Leben geht. Der Leib, ob König oder Bettler, gehött der Erde. Aber die Seele schwingt sich empor zum Lichte, fliegt ihrem Schöpfer entgegen, der nun auch ihr Richter ist, und trägt, wenn sie rein und fleckenlos ist, die herrlichste Krone, die Krone der Unsterblichkeit, der Seligkeit!

Frau Maria v. Neuhaus, die in ihrer Trauerklei­dung den schwarzen Schleier über den weißen Haaren, ehrfurchtsvoll aussah, kniete jeden Tag an der Gruft ihres Satten und flehte ohne Unterlaß, daß Gott sei­ner Seele die Krone des ewigen Lebens schenken möge.

In der ftiflen Villa am See hatte sie bei ihrem Sohne eine Heimat gefunden, und wenn auch ihr Glück durch den Tod ihres Gatten getrübt wurde, so war doch der Schmerz nicht laut und wild, sondern zu stiller, frommer Eroebuna in Gottes unersorfchlichen Willen verklärt. Den stillen Frieden, den sie nach schweren Kämpfen errungen hatte, vermochten ihr we­der West noch Menschen zu rauben. Ihr Leben ge­hörte fortan ihrem Sohne, ihrem Seelenheil und den Armen, denen sie eine Mutter wurde. Groß im Leiden, war sie auch groß in der Liebe und im Geben. Die irdische, sinnliche Liebe war in ihrem Herzen er­loschen; aber rein und verklärt stieg aus der Asche irdischer Erinnerungen jene heilige Flamme, jene strah­lende himmlische Liebe empor, die wie eine Sonne leuchtet .und von der geschrieben steht:Die Liebe er­trägt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles . . . . die Liebe hött nimmer auf!"

Einige Tage nach dem Begräbnis trat Gisa in das Wohnzimmer, wo sich Kurt uni) [eine Mutter befan­

den, und sagte mit bebender Stimme:Meine Arbeit ist nun hier getan. Ich werde daher die Billa ver- laffen und zu meinem Bruder gehen, der mich in einer Stunde abholen wird."

Kurt sprang auf und rief erschrocken:Wie Du willst von uns gehen, Gisa? Das ist ja nicht denkbar. Du gehörst zu diesem Hause wie die Blüte zum Zweige, wie der Zweig zum Baume! Du. bist der Sonnen­schein, der Friedensengel!"

Gisa lächelte.Rede nicht so", sagte sie.Der gute Geist dieses Hauses ist zurückgekehrt, und ich bin überflüssig." Sie blickte dabei liebevoll auf Frau Ma- rio, an die sie sich rasch angeschlossen hatte.

So?" rief Kurt. ..Wirklich überflüssig? Was sagst denn Du dazu, Mutter?"

Diese lächelte mild.Ueberflüssig ist kein Mensch", sagte sie,am wenigsten Fräulein Gisa v. Massen! Jeder Mensch ist ein Glied in der Weltordnung unb jedem ist fein Wirkungskreis angewiesen. Auf welchen Platz aber die blcnde Gisa gehött, das dürstest Du selbst am besten wissen, Kurt!"

Bei Gott, ich weiß es", rief er.

Nun denn, so sage es ihr!" lächelte Frau Ma­ria, erhob sich und verließ, den beiden fteundlich zn- nickend, das Zimmer.

Kutt faßte die Hände der errötenden Gisa und sagte:Wahrhaftig, meine Mutter hat recht! Gisa. liebe Gisa, ich kenne wohl den Platz, der Dir gebührt: er ist auf einem Königsthron! Da ich aber keinen sol­chen zu verschenken habe, so mußt Du Dich mit einem bescheideneren begnügen mit dem Platze in meinem Herzen! Dort sollst Du aber die Erste und Einzige sein. Was sagst Du dazu?"

Täuschest Du Dich auch nicht über Seine Ge- fühle?" fragte sie.

Nein", erwiderte er fest.Ich bin fein toller Knabe mehr, sondern ein ernster, zielbewußter Mann. Ich liebe Dich tief und wahr."

Vielleicht ist das, was Du Liebe nennst, mir Freundschaft, Dankbarkeit?"

, , (Schluß folgt.)