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Um -a» Schicksal Preußens.

etn

Aie Versunkene Krone

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Roman von Felix Nabor.

Ta lädcltc d'e plürfl'tfe Mutter, läj-eltc süß und still. Und die? Lächeln war wirklich wie Son- ncnsct ein, obwohl Tränen daran hingen: es warxn

Vorgängen die russische Hand vermuten, der der deutsche SpartakiSinus nur als ein Werkzeug dient- Der Abschluß des Brüsseler Lebensmittclatkommens müßte daher den Spartakisten sehr unangenehm sein. In dem Hamburger Beschluß sieht der „Vor­wärts" den letzten Versuch, die Durchführung zu verhindern. Weitere Meldungen besagen:

Berlin, 20. März In der Bei ammlung bc- Seemannsbnrttes waren nicht nur Seeleute, sondein auch ArbrilSlo e anderer Berufe anwesend. Das Ergebnis der Abstimmung war zwe'selkafr. Unter den an Bord der Schiffe befindlichen €ei Rute begeht jedenfalls e>ne sta>ke Strömung gegen einen solchen Beschluß, der daS ganze Einährungsabkommen mit der Entente in Frage stellen würde: denn die feind­lichen Mächte sind entschloffen, die Schiffe eventuell mit Gewalt zu holen, wobei dann aber auf Lebens« mtilel;cn ungen in ab'ebbater Zeit nicht zu rechnen wäre. Auch die technischen Offiziermrdände sind so schwer ihnen der Verlust der Schiffe fällt, von» der Notwendigkeit der Ausfahrt übe, zeugt. Das „Hamburger Echo" weist darauf hm, daß die im Tiansportarbeitelverband organtüerten Seelen e sich betet erklärt hätten, eine genügende Anzahl See­le» e für die Besatzung der Schiffe zu stellen.

wtb Hamburg, 20. März. In einer Bekannt­mach *ng wenden fit) die Sozialdemokratische Partei, daS Gewerkschaltskanell, der Coloaienrat und der Kommandant von Groß-Hamburg an die Seeleute, sich der ungeheuren B-raniwo tung für die Ernäh- tuni des pa tz n Volkes bewußt z» sein und die Schiffe herauszubrineen. Alle SicherhettSntannschaften und Truppen Groß-Hamburgs ständen zum Schutze der Seeleute geschloffen bereit, wenn unverantwort­liche Elemente die L bensmitielschiffe mit Gewalt am >n verhindern wo iten

Wtb Berlin, 21 .März. Infolge der Weigerung einiger ro.dika.cr Seemann ^verbände, sich an Bord der auslauseudcn deutschen Lehensmittelschiffe zu be­geben, war die Ausführung des Brüsseler Abkom­mens und die Verpflegung Deutschlands in Frage gestellt. Deshalb hat die Teussche Waffenstillstands- kommission am 20. März bei den alliierten Regie, rungcn den Antrag gestellt, die Genehmigung zur sofortigen Indien st st ellung von vier tlci» neu Kreuzern auf dem schnellsten Wege zu er­teilen. Durch diese Maßnahme würde der Schny der sofortigen Ausfahrt der Handelsschiffe sowie der zu erwartenden Lcbensmitteltransporte garantiert.

gibt:

.Tie Gliederung deS Reichs in Länder soll im Sinne der wirt chastlich n und tulturellen Höbstteistunz unter wörtlichster Beiiickfichtigiin : der Willen» der be- te«U>iten Bölter erfolgen. Tie Neubildung t>on Ländern oder Aenderun en «hier Gebiete durch Vereinigung oder Ablrennun t von Gebieten kann durch NeichSgesetz erfolgen. wenn Re durch den Willen der Bevölkerung aefordert wird, oder ein übertviegen eS Allgemeintniereffe sie erheischt. Der Wille der Bevölkerung ist durch die Abstimmung der wahlberechtigten Einwohner festzu« stellen, die auf Slntrn i eines B.e telS der Stirn np«. rechtigten oder der politisch, n oder kommunalen Ver­tretung, n ein S lötet teU Der beteilt.,ten Beeölterunz durch die Reichst egierung anzuorsnen ist Entstehen bei der Vereint ung oder Abtrennung Stretti itetten über die B.rmä tenSmSeinandersetzung, so enticbeibet hierüber auf ülntrai einer der P irteien Der Staats» gerich S^of für das Deutsche

Dieser Antrag, der die Lostrennung Preußen- wesentlich erleichtert, wurde mit 16 Stimmen des g:ößeren Teiles dcr Sozialdemokraten, deS Zen­trums und des Demokraten Heile angenommen. D.ag auch der Antrag im Lause der wei­teren Verhandlungen noch eine Aenderung erfahren — soviel scheint bereits fest ustehen, daß das alte Preußen, wenn auch nicht eine Aufteilung, so doch eine wesentliche Umgestaltung erfahren wird.

„Mick hat die Tante auch nie mit ihrer beson, bereu Licoe beglückt", sagte Heinz von Maisei. - nciuncm, vutro „Bleiben also nur Gisa und Dgin Vater als Erden. 1 Freude »tränens

Die Sitzung des VerfaffnngsauSschuffeS der Na» tionalversammsung am Mittwoch und Donnerstag befaßte sich mit tir Frage der Aufteilung oder Erhaltung Preußens. Schließlich ist " sczialdemolra istlwr Antrag angenommen worden, der dem Artikel 15 der Verfassung folgende Faflung

etwaigen UebergangeS der preußischen Eisenbahn auf daS Reich.

Finanzminister Südeknm: Das ist auch unsere Auf- fasiung. Es fdjiudten zur Zeit LerhanSlungen wegen der lieber nähme aller Staaisbahnen auf das R e i ck*. TaS soll bis zu einem bestimm en Termin im Wege des Vertrages geschehe«. Ist das niclst durchführbar, dann wird die Regelung im Wege der RetchSgesehgebung erfolgen, nobei die finonzielie Seite der Sache einem unparteiischen Schiedsgericht übertragen werden wird.

Abg. Hergt (TntL): Das ist eine so wichtige Er. fiärimg, daß wir es uns Vorbehalten, später Darauf zuri-ckzukomnecn.

Der Rest der Vorlagen wird unter Ablehnung aller Anträge angmommen.

In der Dutten Lesung erklärt Dr. Rosenfeld, daß seine Partei wegen Ablehnung des Rät sicherns gegen die Vorlage summen werde. Ter Entwurf wird in drit­ter Lesung und in der Gesamtabstimmung nach den Be- schlichen der zweiten Lesung mit der Aenderung an e- netnnen, daß die Cpiskopatsbrfngnifse des früheren jtömigs künftig drei evangelischen Ministern zustehen sollen.

Ministerpräsident Hirsch: Aach Annahme der vor- läufigen Verfassung erkläre ich namens der Rrg ernng, daß wir unsere Acmier htermit an die Landesversamm- lung zurückgeben.

Präsident Leinert: Ich bitte die Staatsregierung, die Aemter wctterznfi'thren, bts ich in der Lage bin, eine neue Regierung zu berufen.

Nächste Sitzung Freitag 1 lihr. Formelle Anträge über die Bestrebungen auf Abtrennung von preußischen Landesteilen.

Schluß 6 Uhr.

Wahlen müssen bis zum 30. März d. & ^fchgisein Sie finden nach den Grundsätzen der Verhalin swahl statt. Als Wahlbezirk gilt die Gemeinde (Stadt, Bar- germeisterei, Amtsbezirk, Giksezirkl. 8.onachbarte Ge­meinden können sich zu einem Wahlbezirl ver.uitgen.

Wa'nllxrecttigt und wähliac Zu den ArbesterrSier» sind a11e Personen beiderlei Geseblechls, die das 20. Le.euSjahr erreicht ha.en und gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt sind, sofern das ^ahreSeinkorn. men den Bctra" von 10 000 Mail nicht vbecüetgt. MS MahlmtSweis gilt eine vom Artestgebrr a sge'tellte Be- scheinigt.t'.g über Deschäsi'gnng und Lohn- beziv. &e* haltshöbe. A-^'itdlose Wah.o • tu-are Wersen sich durch Vorlage der ? rtzensi >fen.'arie aus. In Crte« mit iitctnicgenb Landwtrislaft trestender Pevölk r ng s.-ll neben den Arbriteriäieit beziv. Landacheiterraten r ne entsprech nde Anzahl Panernrö'e gewählt werden. Tie Wahl erfolgt in derselben We se wie ?u den Ar. beüerräten. Wohlberechiig' und wählbar find alle über 20 Jahre alten Petsenen, dir einen landwärtsi aft tche» Betrieb zu eigen oder in Pack t haben und die tm Betrieb beschäfitgtcn über 20 tz,ahre alten gamtlten. angehörigen.

Wie wir hö>eu, ist von sozialdemokratischer Seite Ein pruch gegen die Unterlassung der Neuwahl zum Arbeiterrat der S'adt Fulda erhoben worden. ES wird al o Nmwa l im Laufe der nächsten Woche statisindcn aus (3uini> der angeführten Wahlordnung,

u Sie sank ihm in die Arme und barg ihr Haupt kDluchzend an seiner Brust. Er küßte ihr haar so Mrtlich und ehrfürchtig, als ob es die Kron« einer Kö- »tgtn wäre. „Komm", sagte er bewegt, „komm, laß gehen! Du wohnst von jetzt ab bei mir! Neben ®emem Zimmer ist ein anderes frei, das Du heute ^>4 beziehen sollst. Wir werden uns nie mehr oon- «wnder trennen und zunächst beratschlagen, was zu W ist, bis sich die Verhältnisse völlig geklärt haben."

»Und was dann?" fragte sie bange.

»Sann?* erwiderte er. „Wie magst Du fragen?

Sann gehen wir beide miteinander in die Heimat." „ »Kurt, mein Kurt, ist das wahr? Sollte mir wirt« *’«) ein so großes Glück beschieden fein?" _ »(Bemiß, Mutter!" sagte er. „Ich taffe mich in Tünchen nieder, eröffne eine Praxis als Nechtsanwalt «nd werde als mein höchstes Lebensziel die Pflicht flehen, den unschuldig Verfolgten und Unterdrückten r! 'hfem Rechte zu verhelfen. Das soll die Sühne ***** für meine Schuld! Sen ersten Baustein zu mei­nem neuen Leben habe ich bereits gelegt, indem ich Sich uu haft und von einem ungerechten Verdachte \rteite. Durch diese Tat ist meine fernere Arbeit qe- Miermaßen geweiht und gesegnet: durch Deine Liebe, 2/1']e Tränen und Deine jetzige Freude ist sie geheiligt

Darum blicke ich froh und zuversichtlich in v, Zukunft: denn ich habe die verlorene Krone wie« ""gefunden."

»Hnb Dein Vater — mein Gatte?"

»ÜBtr geben zu ihm. Es soll Friede werden in töt- m H°usr! Ich vermittle diesen Frieden, ich ver- k?e ™ater und Mutter. Es muß Gelingen, weil ich Mienen Schlüssel besitze, der alle Herzenspforten "Uffckll'eßt: die Liebe!"

»Dam in Gottes Namen — fort in die Heimat!

v’tm Frieden!"

toirfT“-? — fort in die Heimat. Auch ich fchne mich . Don ihr erhoffe ich neues Glück, neue

< &omm. Mutter, komm: die Heimat ruft e Kwder! Die Heimat hat uns wiederl"

Preußische Landesversttzmmlung.

Sitzung vom 20. Mä>kz.

Der Gesetzentwurf über die Eenä^rung einer Ent» »HLdigung an die Mitglieder des Hau- Lj (1000 Mark monat'ich während der Tagungen) Li:j) ohne Erörterung in erster Lesung erledigt und in ziriitcr Lesung einstimmig angenomw.-en. -- Die zweite Beratung der Notversassung wird forlgejetzt.

Abg. Leser (Demokr.): Bezüglich der graae etn.3 Staatspräsidenten werden wir erst Satzung „Stilen, luerm uns der Entwurf endgülttg.« Per« fasiung selbst borliegt. Ter § 3 des Nolgesctzes, der Präsidenten der Laitdesversmmnlung die B.ru- hng der Regienmg überträgt, >st selbst als vorüber- gehende Maßnahme nicht unbedenklich. Ta be Sou- peränität bei der Landesvcrsammli,ng selbst liegt, so sie auch berechtigt, daß sie den Ministerpräfideuten ^ählt und dann die übrigen Ministeir beruft. Tas be- enttagen wir.

Abg. Graes (TntL) befürwortet einen Antrag auf Einsetzung eines SlaalSpräfidenten. der das Staats- Ministerium zu berufen habe. Eine sichtbare Spitz« des Staates entsvricht dem allgentjeinen Volksempfin- den. Sallre unser Antrag abgelehnt werten, so werden M dem Anträge dcr Tcmokcalen zustimmen.

Abg. An» 8el;nl)off (Ztr.): Auch wir behalten die gtagc des Stnaisuverhauptes noch unserer Prüfung toi. Für Die Notaeifassung genügt die von dem Ent- purf eorgpfetKite Regelung. Wir lehnen alle Anträge ab.

Abg. Leidig (T. Vpt.): Wir Uraud en den Staats­präsidenten, der Die Negierung ernennt.

Abg. Sreumutl) (Soz.-: litueir ejiljeitüdien Teutsch» knb widerstrebt die Einsetzung bdni Staatspräsidenten in den Cinzelstaaten.

• Abg. Tr. Rosenfeld (Unabh.) ist gleichfalls gegen den Sraatsvläsidenten.

Unter Ablehnung aller Anträge wird § 3 in der Kasjuug dcs Ennvurss (Berufung der Regierung Durch den PräsiDenten Dec LanDesverffaiumlung) aufcecht- krhalten.

Abg. Kries (TntL) beantragt zu § 4a, Der be­sagt, daß die Dem früheren König zusich.'nDen Be- fugniffe auf Die Slaatsregierunc, übertragen werden, einen Zusatz, durch den die SctMeßung uuD förmliche Aerwgi ng ausgescl.lasicn lvtrd. Ilm jeSeit Zwe.sei zu wrtneib.n, müße eine solche Bqftimmung ausdrücklich ftitgekgt werden, denn zu den Befugnissen des Kä.ngs habe auch das Recht, den Landtag zu vertagen und zu schließen, gehört.

Abg. Rade (Tcm.) empfiehlt, einen Antrag seiner ssreunte, die Epifkopatsbefugnisse des Königs künftig auf Drei evaurgUisir,« Minister zu übertragen.

Tcr Paragraph 4a wird unter Ablehnung sonstiger Sendenmgen mit Dein von Tr. a. Kries befürworteten Zusatz angenommen.

Abg. Teerberg (Tntl.) beantragt die Ausnahme einer Bestimmung, derzusolge alle von Der vor äujigen Regierung trlm;e:iai Perordiusngen Der LaudeLvcr- saminlung sescrt zur N a ch p r ü. f u ng und Feltsteüung mit Oiesetzesliast vorzulegen sind, der Äusabung deS Verordiiuiigsrcdsis, wie sie. die vorläufige Siegle- wng pflegte, liegt eine Mißachttr..g des Parlaments. Lurch diese Verordnungen ist auch eine gr ße Siechts- rnsicherheit hervorgcrufen worden. Wir können der Dlcgitri-ng nicht ohne weiteres Indcmnuät erteilen.

Miniserpräsidenl H rsäi: Tte flieg-ecimg stützt sich Cci Er.aß ihrer Beiordnungen nicht auf den Artikel 63 der alten Verfassung, sondern auf die durch die Sie- tolutitn geschaffenen Tatsachen.

Abg. Tr. Leidig (T. Vpt.): Triugliche Verord­nungen zu erlassen war natürlich Die Regierung be- wchugt. JiachDem oder Die LanDesversamneaing ein* «rufen war, Durfte sie uns nicht mehr Dorgreifen. Tie «ahlkn haben ergeben. Daß hinter den Revolutions. hatteien nicht Die Mehrheit des Volkes steht. Wir müssen Daher erwarten, daß Diefe Regierung jetzt zu- rücktritt. (Sehr richtig l rechtZ.)

Abg. Tr. Rownseld (Unabh.):, Tie Revoliitien hat me alte Verfassung gesprengt unD es ist Damit ansge- Mosisn, Daß Die Vererdnunge-n sich im Rahinrn DeS arhttls 63 halten müßten Tis« VerorDnung wurDe er- m,ien. um zutage getretenen NotuäuDen abzuhelsen (Lactien rechts).

| Abg. v. Kries (Tntl.) hält- es für richtig, Daß der Xeg.erung ein gewisses NoivctorDnungsrecht in ei er Leit zusishcn müsie, in Der Die LanDeSi ersam mlung aus tatsächlichen Gründen nicht zufarninentr.tcn kann. Tie» les Noiveierdnungsrecht Dürfte aber finanz e! e Frage., >>chi einschließen, ebenso auch nicht Die Frage eines

Baden wehrt sich.

In der Badischen Landesversammlung in Karl?, ruhe ist kräftig gegen die Absichten der Franzosen auf badische^ Land Widerfipruch erhoben worden- Minister Des Innern Haas sag'e: Wir werde« in jeder Weis' protestieren, daß badisches Gebiet von Frankreich annektiert wird. Wir Halen Grund an» zunehmen, daß Frankreich beabsichtigt, das K e h l e r Gebiet zu annektieren (Lebhaftes Hürt! Hort! Niemals!» Wir protestieren vor aller Welt, Daß d'.e, ses Land in welchem kein Mensch anders als deutsch spricht, von Deutschland abgetrennt wird. Im

Tie Tagesordnung des zwe te« Rätekongrefles ist vom 3«nhabet soloen^ermaßen festgesetzt wor­den: 1. Bericht des Zcntralra eS. Referent R. Sei­ne* t. 2. Der Ausbau Deutschlands und DaS Räte« hstem. N fe,ent Max Cohen. 8. Die Sozialisierung des Wi>tschaf siebens. Refeient K. Kautzky. 4. Neu­wahl deS ZentialrateS.

Am folgenden Tage fand die Tcsiament^eröff- nung statt. Ter Jufti'rat, ein alter, weißbärtigcr Herr mit goldener Brille, prüfte die Ausweiescheins und sagte bann zu den beiden:

„2>ie Tote ist zu beklag,'n; sie ist vielfach falsch beurteilt worden und war bester als ihr Ruf. Ein schwerer Kummer zehrte lebenslang an ihrem Herzen."

Kurt und Heinz sahen sich befremdet an. Tante Auguste und — Herzenskummer? Das war ein. fach undenkbar.

„Es ist doch so", sagte der Justizrat, dcr die stumme Frage der beiden verstand. „Ich weiß daS so ziemlich genau. Denn ich — warum soll ich eS leugnen? — ich liebte Auguste; aber ich war damals, als'ich in den bayerischen Bcrcen herumkraxelte, ein aiittcT Assessor — sie ein hochgeborenes Freifräulein.

„Wir konnten zusammen nicht kommen. Das Wasser war viel zu lief!"

11 nb überbles — sie liebte einen anberen. Er war ihr aber unerreichbar; eine andere hatte ihr den Mann ihrer L ebe weggenommen und geheiratet. Natürlich ahnungslos. Da warf Airguste v. Perlach alle ihre Liebe auf das Gold und all ihren Haß auf die Frau, die zwischen ihr und — Maximilian von Neuhaus stand."

„C", rief Kurt, „nun verstehe ich, warum meine Mutter gehaßt wurde!"

Der Justizrat nickte und erbrach das Testament. Es war von Auguste v. Perlach eigenhändig ge. ichrreben und gesiegelt und enthielt als Einleitung »:e Erklärung:

„Ich habe in den letzten Tagen zwei Begegnun­gen gehabt, d-e die Erinnerung en mir weckten und mich zu der Er'cnntn's brachten, daß ich im Leben oft irrege-a^nen bin und manchen Menschen, beson­ders aber meinen nächsten Verwandten, unrecht ge. tan habe. — Ich habe Ada Margella gesehen und i Maria von Neuhaus. Marens Frau. Diese letzlere , Begegnung bat mich so mächtig erregt, daß ich mein früheres Testament verbrannte und das gegenwär- ; tifle schrieb, das ich dann bei meinem alten Freunde, | Justizrat Dr. Gern icke hinterlegte.

Gortjetzlwa folati

uld aer Zeitung

A7 I BeremttoortL für Den redaktionellen Teil: Dr.Joh. Kramer. I (CroWrtrt *> 1 tTtrtVI ICH CI I Verlag der Fuldaer «etiendruckereitn ffulda.-Preis mmiatl. I lahtQ. f[r. vt« | für die Anzeigen: H. Parze 11 er, Fulda. — Rotationsdruck. | *• !♦ UlUrZ V» | 95 Pfg. _ Fernzpr- Al. 9. Tetegr.-ADreste: Fuldaer Zeitung. I___

Die Ardeiterräte unv die Dersaffnng.

Dcr Zentral-at der deutschen A-beiier-, Bauern* und Coidalenrät', der j,inerzeit von d<'m ersten Neickiskongreß der Räte einqewht worden ist, bat bei Zusammentritt Der Na'ionalv rsammlung seine Besugnisse giniidfiitzbch in deren Hände gelegt, bat aber gleickzenig eiflärt, d e e Befnanifle vorlänsi, weher autüum zu wolle», bis die Nationalvei ia nm- luiifl fie einer äußeren Körper chaft tibeura *en habe. Der 5 ntiabflt sieht heute offenbar als feine Auf­gabe an, die SLbeitmäte in eine Beifaffung politi­scher und wiitschafilicher Demo'ratie etnzuoibnen. Die Reichereaiening hat eingelicnfe Berg ungen über die ge etzliche Festlegung Der Befugniffe der Betriebsiä e und die Art, wie die Aibe terräte in die Beifaffung eingefügt weiden sollen, in Den Ltz- ten Tagen gepflogen. Das E*gebn S öieiet B ra- tnngen wird schon in allernächster Zeit btm Ver­fass,in sousschug deS Nafionalversammlung zugeh!». Der Zen^alrat aber hat, o'jne das Eipebnis die er Verhandlungen adznwarten, einen zweiten Räte­kongreß auf den 8. Aprck einberufen. In der Verordn'*n», d*e er baut nlnffen hot. heißt eä ,, o.:

Tanrit auf diesem Kongreß die wahre Stimmung deS orbe'fcnDcn Volkes zum Ausdruck kommt, sind Neuwahlen für die Arbeiter», Bauern- und Sib- Datemäte ai-fcli t erfjiterltd). Eine 9r 1 tJatjl tonn unter!teilen, nenn die zurzeit besiehe Den Arbe t-r« rnD $iireri'rä'e im Ireseutliäcn S'nne Der nahfjehen- Dcn Ricktlinien farnrreng/jelt s uD r.nD Yins ruch ge­gen Die Unterlafjuug D'r Neuwahl fetter? Der zustän- Digen Parteiorgan;)««.en nid« erfolgt. Tie Neu- Da sie aber auch mit diefen gebrochen hat, so wird Wohl irgendeine Armenstiftung Allein-Erbin."

„Glaube das nicht!" rief Kurt. „Dazu war sie viel zu geizig — und hing zu fest an ihren Fami­lientraditionen. Ohne Zweifel bleibt bas Geld in bet „Familie"; vielleicht hat sie in irgendeinem Winkel ber Welt einen entfernten Verwandten ent- bockt, ber nun ber lachende Erbe sein wird. Ihren Familienschmuck vollends wirb sie unter keinen Ilm» stäuben auf Fremde vererben; benn ihr Familien­sinn war gerabezu benmnbernswert, unb eher hätte sie sich einen Finger ober auch zwei abhacken lasten, als ihn an Fremde hinzugeben."

„Nun", sagte Heinz, „Der morgige Tag wird ja die Wsung des Rätsels bringen. Wenn wir auch be', dem Erbe leer ausgehen, so soll uns daS unsere gute Laune nicht trüben, und unser Glück nicht be­einträchtigen. Heute wollen wir uns freuen, daß eine edle, verkannte Frau den Weg zu den Ihren zurückgesunden hat. Daß d'e Herrin v. Neuhans- Scefcld lun-’e und glücklich leben möge, darauf leere ich mein Glas!"

Frau Maria v»n Neuhaus lächelte und stieß mit den beiden an. „Ich kann gar nicht faren, wie un­aussprechlich glücklich ich hin," erwiderte sie auf Heinzens Trinlsvruch. „Johanna Berg, die Ein- saiue. Verstoßene, Heimatlose, hätte sich solch ein Glück nie träumen lasten."

„Wie kamst du zu diesem Namen, Mutter?" fragte Kurt.

„Es ist mein halber Mädchenname: Maria Johanna von Leuchienberg."

„Ah, daß mir das nicht eingefallen ist! Aber der Name jst nun gelöscht; Du trittst wieder in Deine alten Rechte ein. Daß Tu sie wiedererlangst, dafür werde ich sorgen. Unb nun sei froh unb guler Tinge, Mnt*er! Lächle wieder! Dein Lächeln ist w'e Smncnschein so mild — läch'e: denn morgen, Tu Teure, morgen geht eS in die Heimat!"

Werden die Seeleute die Lebensmittelveisorgnng vereiteln?

Der Beschluß einer Versammlung der Seeleute in Hamburg, die von den Entente als Vorbe­dingung der Lebensmittellieferung geforderte Aus. lleferuug dcr deuischcn Handelsflotte zu verweigern u,,d aücit deutschen Seeleuten und Arbeitern zur Pflicht zu machen, daß sie auf den Schiffen die Ar- beit verjagen» findet in der deutschen Preste allge­meine ?lblehnung.

Tiefe Enjsche.dung soll damit begründet worden fein, daß die Entente uns nichts weiter als die erste Lieferung von 270 000 Tonnen Lebensmittel garan­tiert habe olfa uns die Gewähr fehle, nach Ausliefe­rung unserer Handelsflotte noch weitere Lebcnsmit. tcl zu erhalten. Die streikenden Seeleute würden noch im Rahmen ihrer Standesinteressen bleilen, wenn sie Einspruch erhöben gegen die geplante Ent­mannung tec überlieferten Schüfe und die Nücksen. düng Der deutschen Besatzung. Doch über die Frage, ob das getroffene Abkommen den deutschen Eesamt- iutcresseu entspreche, Halen weder die Seeleute noch sonstige Derufsgruppen das entscheidende Wort tu sprechen, sondern nur die Regierung und die Volksvertretung. Wen« man Den Entschluß der beruß ncn Staatslenker durch eine Llrbcitsvei.- Wetgerung beugen will, so ist Das ein politischer Streik, der die Ordnung gefährdet. Die Absicht der Seeleute mag sich ja wesentlich unterscheiden von den Absichten der Unabhängigen, die den General­streik zum Umsturz der Regierung betreiben. Aber in ber Politu kommt es sch'i-ßlich nicht auf b!e Ge­fühle und bte Absichten an, sondern auf die Wirku.i. fielt be*- Mafnahmen. Wir brauchen bringend Fette, Milch und Brotkorn, namentlich auch zur Stärkung der K,nder, der Kranken und Schwerar­beiter. Da ist es ein hochoe'ährliches Experiment, burd* solche Beschlüsse bie Aufbesserung ber Ernäh­rung in Fraae zu stellen.

Llach neueren Meldungen ist b:e ©treifbro, hung nicht auf den Unwillen über die Zluslieferung ber Schiffe, sondern auf s p a r t a k i st i f che Um­triebe zurückzuführeu. Der „Vorwärts" bc-eichnet das Vorgehen als Teil eines spar'akistischcn Planes, Deutschland Derart zu zerrütten, daß es nicht mehr imstande ist, sich gegen svartakist. Ansprüche zu weh­ren und nicht mit Unrecht werde man hinter solchen

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Am Arme ihres Sohnes verließ Frau von Neu­haus dar Gefängnis. Da lag die Welt vor ihnen — und ein neues Leben. Ein neuer Frühling war für fie gekommen.

22. Irdische unb himmlische Manen.

Am Abend begaben sich Kurt 0. Seefeld und feine Mutter in den Gasthof, in dem Heinz v. Malsen wohnte. Dieser war nicht wenig erstaunt, als ihm Kurt eine Dame in silberweißen Haaren vorstellte ukid sie als seine Mutter bezeichnete. Ebenso überrascht war er, als er erfuhr, was sich im Laufe des Tages ereignet hatte und wie sich alle Verwicklungen der Verhältniffe lösten. Er beglückwünschte Frau a Neu­haus und hieß sie bei sich herzlich willkommen.

Er selbst wat auch nicht untätig gewesen. Die Leiche der Tante war freigegeben worden, und «r halt? bereits alle Anordnungen zu ihrer Uebersübrung in die Heimat getroffen. Wenn Tante Auguste in ihren alten Tagen auch eine Landfluchtiae geworben war: di. ficimot hatte sie trotzdem geliebt und sollte dahc. ihr Grab dort finden.

Heinz v. Mafien machte den Vorschlag, daß fie gemeinsam in die Heimat reifen wollten, und Kurt und seine Mutter waren gerne damit einverstanden.

„Dann bleibt cS bei dem Beschluß", sagte Heinz. „Aber vor morgen abend können ivir nicht abreifen."

Er überreichte Kurt eine Vorladung und fuhr fort: „Nachmittags um zwei vhr muffen wir näm­lich bei Justizrat Tr. Gericke in ber Leipzigerstraße sein. Tort wirb das Testament unserer Tante er­öffnet.'*

„Ah — die Tante hat also ein Testament hinter, lassen?" fragte Kurt. Darauf bin ich wirklich be- gier g. Ohne Zweifel hat sie mich darin mit ihrem Fluche bedacht. — Se.t jenem unheilvollen Tage, an dem ich nach ihren Kronjuwelen, no* ihrem un­antastbaren Heiligtum griff, war ich in i : 1 Singen gc ächt et — unb bas nut Recht! Es *.ut eine böse Tat."