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Hie versunkene Krone

tSj

Roman von Felix Nabo r.

(Fortsetzung folgt)

Die Seeleute uegen die

Sluslieferung der Handelsflotte.

* Hamburg, 19. März. In einer heutigen Voll­versammlung der Seeleute wurde nach 27« tünbiger Verhandlung so gen de Einschließung gefaßt:

De heutige Vollverjammlun, der Seeleute aller Arten verweigert die von der Entente geforderte Auslieferung der deutschen Flotte und macht eS allen deutschen Seeleuten und Arbeitern zur Pflicht, die Arbeit auf deutschen Schiffen zu v riveigern."

Begründet wnrde die Gat chließung damit, daß wir außer der von der Enienie garantierten ersten Lieferung von Lebensmitteln nach Auslieferung der Handelsflotte kerne Gewähr haben, auch tat äch- lich wertere Lebenem tiel zu erhalten.

Die Instondsetzunasa, beiten der deuischen Lebens- mitid djiffe auf den Weiften in Hamburg war in den letzten Tagen dfrg fortgesetzt worden. Schwierig­keiten bereitet die Bekohl ung der Schiffe. Hier dürsten Stöinngen noch einige Zeit zu bemerk n fein, die durch den Streik der Bergleute und die Transportveihälintsse verursacht werden.

Tie Krikgscutsi Ldirnnq.

Scrlin, 19. März. Auf eine Anfrage im enrli» scheu Urterdou e erklärteBonarLaw, daß diePari'er Konferenz bisher noch keine bindenden Beschlüffe über die Deut äkand anfzuerlegende Kriegsent­schädigung gefaßt habe; sie wird, sobald ihre Be­ratungen über diesen Punkt beendet fmX eine ent­sprechende Eikläiitng obgeben. England beabsichtigt nicht, von Deut chland die W ledererstatt ung seiner gesamten Kriegskosten zu verlangen.

Kundgebung für Erhaltung unseres Kolon-albesitzeS.

Aus Bremen vom 19. d. M. wird berichtet: Eine' eindrucksvolle MasseukundAebunr verawstaltete geitern die veieint! ten kolonialen Verbände Bremens für bie Erhaltuni un-ereS kolonialen Besitze» in Ge enwart veS NeichSkolonialmintslers Dr. Bell, des Gouver­neurs von Deutsch-Ostarnka Dr. Schute und des Gou. verneurS von Deutsch-Neuguinea Dr. Haber. Reichs, fo onialminifter Dr. Bell verwahrte sich m längerer Rede ge en den Raub der deutschen SU*onien und ver- lau te unter allen Umständen, daß nach Punkt 5 der Wilsonschen Bedin unien eme freie, weitherzi e und unparteiische Schlichtung der kolonialen Ansprüche er. folge und daß Deutschland einen gleichberechtigten Platz unter den Boltern der Welt erha.t«. Dr. Bell wie» nach, daß der Vorwurf der Entente, daß Deutschland seine koloniale Unfähigkeit bew,eseiil habe, durchaus underechti .t sei. Dieser Vorwurf werde z. B. durch die Treue und Anhänglichkeit der Einoeborenen OstafrikaS aufs schlagendste widerlegt. Deutschland sei jederzeit bereit, vor einen unparteiischen GerüchtShof Rede und Antwort zu stehen. Die deutsche Lolonisierfährgkeit hätten vor dem Kriege selbst englische und amerika­nische Staatsmänner anerkannt. Gouverneur Dr. Schnee und Gouverneur Dr. Hab>er schilderten die Vorgänge während der Krieges in Qsiafrika und den Südseekolonien. Die Verfammlung etwa 3000 Men. schen nahm schließlich eine Enschliezvng an. in der die Herausgabe unieier Kolonien gefordert wird.

Ein Sieg der Bürgerlichen m Düsseldorf.

Düsse borf. 17. März. Ein glatter Sieg der bürgerli.uen Parteien ist da» Er ebnis der gestrigen Wahlen zur Stadtlerordnetenoersammlung. Diese Wahlen mutzten wiederholt werden, da die Spartakisten vor drei Woten bei der ersten Wahl die Wahlurne« und die Wahllisten zum grötzten Teil vernichtet batten. Gestern nun er ab sich dasselbe Verhä tniS wie bei'; den Wahlen zur Nationalversammlung. 6> v. H. aller Stimmen fielen auf die bürgerlichen Parteien,! 40 v. H. auf die Mehrheitssozialrstcn und bie Unab- hän'i en Nach vorläufiger Zählung und Berechnung werden von 84 Sitzen die bürgerlichen Parteien 50 und die So ialüemo raten 3t (12 Mehiheitssozialisten und 2.' Unabyängi irs erdalten. Von den 50 bürgerlichen Sitzen kommen auf das Zentrum 38, auf die Demo­kraten t', auf die Teutichnationolen 7 und auf die deutsche Volkspartei 2 Sitze. VerhältniSmätziq am meiiien Einbutze an Stimmen Haven die Demokraten und die MehrdeitSsozialisten erlitten. Die Unabhängige« Haven sich veihältnismätzi i gut geha ten Anscheinend ist ein Teil her Medrheitrsozialiiien zu ihnen abge» f.ttocn't, was den Duffeldorfer Prrhältniffen und der Entwick.ung im Industriegebiet durchaus entsprechen wurde.

Streik in Bochum.

Bochum, 13. Man. Ank btnr Werke de? Vochumerl Vereins ist die Gußstahlsawil^tion ivüständig slillge« legt, da die gesamte Arbeiterschaft von über 7000 Slanr^

Preussische Landesversammlung

Sitzung vom 19. März

Die Römische Frage»

Haaa, 17. März. Die,Taily Newiss meldet aul Nom: Mau spiicht hier Dem Beinch der Kardi« nals Amette von Paris beim Pap^ große Be- beutnng in, da er int Zummnenha»g fteben soll mit bet ung der Römischen Frage. Es siebt fett, dab der Erzbischof von Paris, der vor feiner Abreise rach Rom mit Clemenc au Besprechungen hatte, mit einer be anderen Sendung beauftragt ist. Etn zu- verlässiger Bertchterstatter sagt, daß die Großmächte b-e Absicht haben, den Beitritt des Papstes zum B öl kerb und <u verlangen. Ties de bie An- et kennung der Unabhängigkeit des hl. Etubles heben# ten und wäre bie Lösung ber Rümi chen Frage.

taialiften auf Ciusetzung einer Kommission B;n 21 «jlgüedern, die gemäß Art 82 der alten Verfassung he Ursache» über die Unruhen und de» Verlauf der xrrlincr Märzunruhen festslelleu soll, wird einst.mutig

xz wird die an? Montag ausgesetzte Abstimmung die Anträge der Unabhängige» und Mehrheits- ^jalisten vorgcnommen. Ter Antrag Hoffmann -un--bh.) auf Aufhebung des Delageruiigs^uslandes Ijrd in einfacher, der Antrag auf Einsetzung einer Un- ^ksuchungslommissioil, bestehend aus Mitgliedern der Akdeseersainntliiiig und des Vollzugsrates ru namciit- Met Abstimmung mit 342 gegen 22 Summen avge- Lnt. Stürmische Heiterkeit erregt es, als Hoffmann, £ das Studium seiner Akten vertieft, gegen seinen riuenen Antrag stimmt. Der Antrag der Mehrhei s»

,Schrecklich!" rief der Arzt.So in seiner Sün- ff Blüte hinweggerafft zu werden! Und Sie selber? ®um richten Sie bie Waffe gegen sich?"

»Was ist mir am Leben ohne sie, ohne Aba Mar- Ha? Nichts! Ich liebte sie, obwohl sie mich rui- hat! Und dann es gab noch einen andern drund: sie hat gestern eine Entdeckung gemacht Jtt werben verfolgt; man ist uns auf der Spur! $°et das geht Sie nichts an, Doktor! Geben Sie mit ^trinken! Ach, die Hölle bie Hölle in meiner ...während ihm der Arzt aufs neue Wasser einflößte, Wien sich Kurt und seine Begleiter an. Kurt deutete ff tine kleine Narbe am Ansatz der Haarkrone, die

ein rotes Mal brannte.Das ist die Wunde", We er leise.Sieht sie nicht aus, als ob sie von ?"em Fingernagel aufgerissen worben sei? Und die wäre sind tiefschwarz und starr wie Borsten. Es W dieselben Haare, die unter dem Fingernagel der "ten steckten. Er und kein anderer ist der Mörder!"

Co leise diese Worte auch gesprochen worden tra« ff. Petrowsky hatte sie gehört. Er warf den Kopf Num und starrte die beiden an.Was was wollt hier?"

^.Kurt trat zu ihm und sagte:Wir suchen den «wrder Auguste von Perlachs und haben ihn ietzl «esunden!"

-.Der Pianist stieß einen wilden, unverständlichen ffirei aus, warf seine Niesenarme empor, als ob er ff beiden Niederschlagen wollte, ließ sie aber kraftlos ffeber sinken und ächzte:Verloren!" Dan schloß et hattet die Atmen.

, "urt faßte seine Hand und sagte:Armer Ma"N, ffllosten Sie Ihr Gewissen! Dann wird Ihnen 'as ^übertreten in tie Ewigkeit leichter. Warum ha- 001 den Mord begangen?"

, Petrowski) gab zunächst keine Antwort. Er blickte uagend auf den Arzt.Doktor, sagen Sie mit auf We und Gewissen: muß ich sterben? Ist keine Ret-

n8 wölllich?"

Nein", erwiderte der Arzt ernst,es ist innerliche Verblutung. Dagegen ist die Kunst der Aerzte machtlos." /

»Und wie lange habe ich noch zu leben?"

»Fünf, höchstens zehn Minuten."

So lange bauern diese fürchterlichen Qualen noch? Das ist ja eine ganze Ewigkeit!"

Es ist kaum ein Atemzug im Vergleich zu bet Ewigkeit, der Sie entgegengehen."

Der Kranke stöhnte.Ach, warum habe ich nicht bester gezielt! Dann wäre es jetzt langst vorbei! Ja ich gestehe es: ich habe die Perlach ermordet! Ada, die mein Dämon war, hat mich dazu getrieben. Ich war ruiniert! Sie sagte mir, die alte Dame sei un­ermeßlich reich, besitze einen Familienschmuck im Werte von einer halben Million. Den wollten wir holen! Mit dem Erlös davon hätte ich wich wieder auf feste Füße stellen und das alte luftire Leben beginnen kön­nen! Aber wir fanden den Schmuck nicht und in meiner Wut darüber drückte ich der Alten so lange die Kehle zu, bis sie keinen Laut mehr von sich gab.'

Wie aber gelangten Sie in die Wohnung der Dame? Diese war doch so mißtrauisch!"

Ada wußte Rat. Wit ließen uns als Baron Waffen mit Gemahlin anmelden und würben ein» gelassen."

Unerhört! Welch (iftiges Weib war diese Ada'"

Ja sie war eine Schlange! Und zugleich ein Namoit!" .

Ein Zucken ging durch seinen Körper; die riesen­haften Gliedmaßen streckten sich, der Kopf sank zurück Vetrowsky war tot.

Nachdem der Unteriuckuma-richter das Selbstbe­kenntnis Betrowskys auf-ef*rieben hatte, ließ er es von dem Ante und von Kurt unterschreiben und oer- ließ den schrecklichen Ort.

Noch einen letzten wehmutsvollen Blick warf Kurt auf die Leiche Aba Marrellas; bann ging auch et, indem er sagte:Wie gelebt so gestorben! Vanitas ranifatum, et ornma raritos! O Eitelkeit ber Eitel- Teilen, und alles ist Eitelkeit! llnvemänglich aber sind ein reine» Herz und Eettes Dort."

Und jetzt", sagte Kurt, n,s er sich mit dem Richter wieder in besten Gerichtszimmer beiu.»,jetzt werden

Bor den Frledensverhanvlungen.

Die Zeit des Waffenstillstandes neigt sich ihrem kiide zu. Fünf furchibar schwere Monate, schwerer hegend als b:cici»()a[b Kriegsjahre, hat sie gedauert, «hirercr deshalb, weil nicht nur unsere körperlichen, Imbern auch unsere seelischen Kräfte unter ihren Wir- bngen völlig zerrüttet sind. Wohin ist das Ansehen uutschlands, die Achtung vor seiner Kraft und Stärke, {e Achtung des Deutschen aber auch vor sich selbst ge» Mimen? Wir haben alles, alles stürzen sehen, waS Nt seit Jahren und seit Jahrzehnten hochgehalten, ge- Atzt und bewundert haben. Tie furchtbaren Temü- «gungen, welche uns die Gegner nach unserem mi t» huschen Zusammenbruch aufzuerlegeei für gut befan- kn, haben unserem Volke den letzten Vorrat Nerven» toft genommen, haben unsere seel sche und moralische «iderstiondsfähigkeit vernichtet. Tie Revolution mit vrn zerrüttenden Folgen besorgte dann noch den Nest.

Nun stehen bte Fri densverbandlungen vor der Tür. M wenigen Tagen schoet werden sich deutsche Tele-

»mritomtrcn.

Abg. Tr. Kriß (Dnatl.) begründet einen Antrag, die Negierung ersucht, auf die Freilassung der von ja! Polen verhafteten Mitglieder der Landesver- tzmmlung hinzmvirken.

^Minislerpräsideut Hirsch erwidert, die Regierung Wie alles versucht, leider vergeblich. Auf unj.r Er- toen bei der interalliierten Kommission, auf sofortige Letgäbe der Abgeordneten hinzuwirken, sei eine A n t» Jcrt nicht eingegangt». Tie Bemühungen würden VWrnde-Bromberg (Soz.) unterstützt den An- ^Abg. Arensohn (Dem.) legt der Regierung nahe, dir Perhandlungen mit den Polen abzubcechen, wenn fc fiine Antwort bekomme.

flbg. Fräulein Poehlmann (Deutsche Dpt.) crwar- y von der Regierung, daß sie mit der erforderlichen Energie vergeht

Stach weiterer Debatte wird der Antrag einstimmig titgenommen.

ES folgt die zlveite Beratung deS rvrlSufigen Ber- tzjfnngsentwurfs.

Perichtcrstatter Dr. Hcilbrunn (Dem.) berichtet Wer die Ausschuhverhandlungen. Tie vorgef.htagencn klenberungen lasse» die Grundlage des EnttvurfS un- kriihn, msbesondere bleiben der Verzicht aus einen tigeneii Staalspiäsiden e» und die Berufung der Re- S >g durch den Präsidenten der verfassunggebenden soersammlung begeben.

Abg. Heilmnnn (Soz.) ivendek sich gegen einen An- Irafl der Unabhängigen, Ivonad) die Gcseygebung durch i:e Landesversammluug in llebereinstimmung m.t der Zentrafftelle der A.- und S.-Räte erfolgen soll.

Abg. Dr. Am Zehnhrff (Ztr.) hebt de» provisori» ffen Charok.er des Entwurfes benot und betont, daß in einem solchen Gesetz die Anträge auf Einführung der Säte vollkommen unangebracht fei. Weiter wendet ex sich gegen einen Antrag der Rechten, in der Fassung Fe-ublik Prenben" das Wort «Negublik. zu streichen.

Abg. Tr Kähler (Dnatl.) begründet den Antrag rot Streichln.g des WortesRepublik". Man solle utv titige Fremd» örter vermeiden.

Abg. D. Nosenfeld (Unabh.) beantragt, die Ab setz» «nj ber Hohenzollern in der Perfassnng besonders fest- itiegeii.

Rad) Weiteren Ausführungen der Abgg. Dr. Fried­ing (Dem.), Tr. Leidig (D. Dpt.) und Abg. Hei'. Mnn (Soz.), die sich gegen die Anträge der Unabhän- cheu auSspre.len, weiden die §§ 1 und 2 unverändert icdi den Beschlüssen d w Komm.ssion angenommen.

Donnerstag Weiterberatung, außerdem TiätLnvor- fege unb Anträge.

Ausspeicherung von Reserven.

Wie die ,B. Z.' erfährt, ist beiibfichtigk, auS fie- wiflen auf Grund deS Lebensmittel-Abkommens ein-,, gefühlten Lebensmitteln, beisonbers Fett unb Speck, Reserven anzulegen, um benjenig««- Schwerarbeitern, beionbers im Bergbau, die ihre Arbeitsleistungen von Monat zu Monat steigere Prämien-LebenSmiitei gewähren zu können.

Eine Einwohnerwehr in Grotz-BerNn.

Berlin, 19. März. Nach berBost. Ztg." soll, auf Befehl ber Negierung zum Scszutz des Eigentums in Berlin unb ben Bororten eine Einwohnerwehr ausgestellt werben, mit bereit Aufstellung bie Garde. Kavallerie-Schützendivision beauftragt wurde.

gierte in einem Vorort von Paris zur Entg-gennahmo der Gnlientebebingungen einsinden. Cs scheint, als wolle man irr der Mahl des Verhandlungsortes noch eine weitere Demütigung Deutschlands bekm.den. Tie deut­schen Delegierten sollen nicht in Paris sich selbst aushal- ten und verhandel» dürfen, sondern sie werden nach einem Vororte verwiesen. £b es zu eigenrtid enVer­handlungen" kommt, läßt sich in? Augenblick noch gar nicht übersehen. Auch da scheint es, daß uns die Geg- ner, dfe sich überhaupt als wahre Künstler in der Er- findun.z immer neuer Temütigungen erweisen, keine Verhandlungssahigkeit zugestehen, sondern einfach den Friede« diktieren wollen. Tie Bedingungen fr* lcn u>..s lediglich zur Annahme ober Ablehnung vorge­legt werden. Zu Verhandlungen, deren Wesen die beiberfeifge Aussprache wäre, auf dem Boden einer beslimmiten von vornherein festge'egt.n Verhandlungs- grunblage würde es dann garnicht kommen. Sollte das wirklich seitens der Gegner beabsichtigt sein, so würden wir in der Tat es für besser finden, wenn ein mit Vollmachten ausgestatteter deutscher Kurier das Tokumo t aus den Händen des Feindes entgegennähme.

Welche Bedingungen uns erwarten, das zählt die französische Presse mit Behagen auf: Abtretung Elsaß-Lolhringens ohne Volksabstimmung. Also fein Selbstbestimmungsrecht. Ungeheure Entschäd g ngen, die nichts anderes sind als Kriegskosten, und die zu­sammen mit unseren eigenen Schulden ungefähr e n verochlfachtes Steuersoll in Deutschland gegen früher ergaben, Heller Wahnsinn angesichts unseres wirt- fd;a?thd en Zi sa nmenbrucheS. Ferner Abtretung aller Kolonien. Anneiion des Saargebie.s burdi Frankreich. Dairzig den Polen. Entwaffnung Deutschlands und vollssändige Vernichtung der beutschen Seema.bt. Von Wilsons 14 Punkten fein Hauch mehr. Wenn auch nur eine von diese» Bedingungen teilweise zur Durchführung kommt, ist es ein Bruch mit den Grund­sätze», auf denen sich im November vorigen Jahres das Enihe der Feindseligkeiten und der Waffenstillstand auf» baute. Der starre Siegerstandunkt, die nackte Ralgier und Croberungslust sind an die Stelle des Wilsonschen Programms getreten, und darüber kann keine Lloyd Eeorge'sche Tialektik unb keine noch so wohlabgetönte Rede des von Washington zniückgekehrten Präsibonten hinweghelsen.

Wir können nicht offen und laut genug bekennen» daß dvir nur einen Frieden annehmen können, der sich im Rahmen deS Wi.sonprogrammeS bewegt. Wir haben n u.r dieses Programm, als wir damals un­sere Waffen niederlegten, a:.genommen. Wir brau­chen ja nickst zu verschiveigen es hätte, ba jeder unsere Sage kennt, auch wirklich keinen Sinn daß wir so gut wie gar kein Mittel haben, uns eines an­dere» als des Wilsonfriedens mit Aussicht auf Erfolg zu erwehren. Wir können und werden aber nicht jeden von der Entente uns gegenüber 'beliebten Frieden anuehnTSii. Tie Waffenstillstandsbebinginwen waren trotz aller ihrer Schlvere und Gehäss gleit im­merhin doch nur vorübergehende Dinge. Ter Frie­de nszustand aber soll Verhältnisse für die Tauer, für eine ganze, setzr in ihrer EliUvicklung noch garn.djt abzusehende Zukunft schaffen.

Tie Verontworlung, welche unsere Friebrnsdele- gierten auf sich nehmen, ist von einer ganz anderen Tragweite als diejenige, die auf den Schultern bet bisherigen Maffenstillstandskommission lag, unb bie schon schwer genug wat. Wit haben die größte» Be­denken, die Verantlrorfung für das Schicksal beS deut­schen Volkes und Reiches auf Jahrzehnte hinaus von einigen wenigen Persönlichkeiten tragen zu lassen. Wir halten dafür, daß, falls die uns zugedachten Bedin- gungen den Rahmen des WilsonprogrammeS über­schreiten, zur (4 .tscheidung die Nationalversammlung einberufen Irerben muß. Wir können unS sehr wohl denken, daß auch diese die Verantwortung für das Schicksal nicht übernehnTen wollte. Tann müßte das ganze Volk zu einer Abstimmung über Annahme ober Ablehnung des uns zugedachten Friedens auf« gerufen werden. Cs hätte dann bie Bestimmung seiner Zukunft in seiner eigenen Hand.

Der Friede ist ein hohes Gut. Ein Gewaltfrieden aber ist die grifjte, bie furchtbarste Geißel desjenigen Volkes ,das sich einem solchen Frieden beugen muß. 9kichts anderes a!9 moderne Sklaverei wäre bie Folge. Wir aber wollen ein freies Volk sein! Wir wollen den Niedergang, den wir blutenden Herzens jetzt erlebt haben, durch unserer Hände unb unserer Köpfe Arbeit wieder überwinden. Wir können das aber nur, wenn wir frei an Körper und Geist, gesund an Herz unb Sinn, fest unb stark im Glauben ienb Ver­trauen auf bie deutsche Geltung und Zukunft in der Welt. Tas ganze deutsche Volk, ganz gleich wie es sich politisch zeicku et, muß sich eins fühlen in diese » Ge­fühlen und Gedanken. Es hofft, daß seine Friedens-

Unterhändler ebenfalls von diesen Gesinnungen sich leiten lassen. ____________________________

Beratungen im Rrichskabinett.

ff Berlin, 19. März. Im R^chskabinett haben in diesen Tagen im Beisein sämtlicher Minister wich­tige Beratungen stattceftiiiden, die samt und sonders mit ben Friedensfragen und den kommenden Friedrnsvelhandlungen sich beschäftigen. Die Kernmissare, welche den bereits ernannten Friedensdelegierten beigcgeben werden sollen, wur­den bestellt.

Aus Kreiesn der Rcichsleitung hören wir, daß das Kabinett mit einet angeblichen Brockdorff- Krise sich nicht besaßt hake, im Kabinett fei über diese Angelegenheit nicht gesprochen worden. Es habe keine Beranlafsung bestanden, sich damit zu be­fassen. Trotzdem kann nicht verschwiegen werden, daß ein gewisses Mißverhältnis z wischen dem Grafen Breckdmff und seinen Mitarbeitern nament­lich bei den Mehrhrirssozialchen wegen seiner Füh­lungnahme mit den Unabhängigen entstanden ist. Tie Auswirkung d.eses Verhältnisses wird zweifellos in einiger Zeit sich geltend machen.

Tie Reichsregierung hat weiter eingehende Be­ratungen über alle diejenigen Fragen gepflogen, die durch die süngste dtrbeiterbewepung im Reiche aufge­worfen sind. Sie. hat sich insbesondere mit der Frage, ob die A r b e i t e r r ä t e in die Verfassung eingegliedert werden können, befaßt, und ferner m;t der Frage ber gesetzlichen Befugnisse der Be t r je bs- täte. Die Verhandlungen darüber sind inzwischen soweit vorgeschritten, daß b:e Reichsleitung ihr Er­gebnis bent Versasstingsau'>schufse der Nationalver­sammlung in Weimar überwiesen hat.

kenn man zu einer Verständigung, da bie deutsche Kom- Mission tn ih.em Entgegenkommen außerordentlich weit ginu, von dem Wunsch beseelt, einen Abbruch zu bet- hindern. Ter Bruch erfolgte aber erst bei dpm polt- tischen Abkommen. Tie deuische Kommiziion ver- langte ben Schutz ber Deutschen in bent von den Pole« besetzten Gebiet r.nb verpflichtete bafüt bte beu.fve Re­gierung zur Gegenseitig.eit tn den von Polo« bewohn­ten unbesetzte» beutschen Lanbesteilen. Cin^ Untcrtom«: Mission für Besckstverben sollte eingesetzt >rerden, b.e aus einem Deutschen und einen? Po en bestand. So Weit wurde man einig. Schließlich sollte eine parttat sche Obe rkom Mission als letzte Instanz tät-g fein. £iefe sollte nach dem deutschen Vorschlag bestehen au8 einem von ber deutschen Regierung unb eitlem von der interalliierten Komnnssion ernannten Mitglied« unb einem Vorsitzenden, der von dem SchweizeiAfchen Bun­de spräsidenten ober dem Papst ernannt werben sollte. Tie interalliierte Kommission schlug ihrersettS vor, daß diese Beschwerdcittstanz aus einem Alliierten, einem Deutschen, ein-m Polen und zwei zu wählenden,Mit­gliedern bestehen solle, so daß unter alle» Umstanden die Alliierten die Mehrheit gehabt ha ten. Als end- gültiger Vorschlag blieb von beiden Sette* bestehen; auf der deutschen Seite der Plan, den Vorsitzenden durch den Papst ernennen zu lassen, auf der Entente- feite die Absicht, die Wahl dem Vorsitzendem der setnd- lichn Wasfenstillstandskommission in Spaa zu ubertra- gen. Tie deutsche Regierung sah die I*ieressen der Deutschen bei dem zahl^äßigen llebertotcgen der En. tonte nicht gesichert,'-renb die interaluerte Kon> Mission wiederum durch Linen Neutralen und auch durch den Papst nicht bett Vorsitzenden ausgetvahlt wissen wollte. Deutsch' rs. sts ist nichts u n d e t f u »_t ge­blieben, um namentlich den Vorschlag bes von vapstlt- cher Seit» aus zu wählenden Vorsitzenden tn besonbers eindringlicher Form bett Polen nahe zu bringen, wor­auf aber auS formalen Gründen der Vorsitzende ber interalliierten Kommission, Bolscha'ter Äoulens, n cht einoehen zu können glaubte und die Verhandlun­gen abbrach.

Ter Abbruch der Verhandlungen tst für die deutschen Interessen lein $ er lüft, ba auch die von der Entente gemachten militärischen Vorschläge ber deutschen Ansprüchen nicht genügen.

Abbruch der Verhandlungen in Posen.

Berlin, 19. März. Tie Verhandlungen, die zwj, sck/en der interalliierten Kommission in Posen und einer preußischen Telcgation stattgesunden haben, sind a b g e b r o ff, c n Worben.

Bei ben Verhandlungen handelte es sich um drei Abkommen, und zwar um ein Wirts las.lick es, ein militärisches unb ein politisches, lieber das wirtschaft­liche, das sich im wesentlichen auf die Wiederatt'nahme dos Eisenbahnverkehrs bezog, wurde eine rasche Eini­gung erzielt. Auch in den militärischen Fragen Sie doch endlich von der Unschuld Johanna Bergs überzeugt sein. Oder nicht?"

Ich bin es", sagte er.Die Untersuchung gegen sie ist eingestellt, ihrer Enllassung aus dem Gefängnis steht nichts mehr im Wege." Er füllte ein Formular aus, versah es mit Siegel und Unterschrift und hän­digte es Kurt v. Seefeld ein.Hier ist der Befehl für den Gefängnisdirektor. Wollen Sie ihn selbst überbringen ober ....?"

Ja, ich selbst!" rief Kurt.Und nun Ade ich habe Eile."

Er eilte wie vorn Fieber gepackt davon, und das Herz klopfte ihm vor Freude.--

Wieder öffnete sich vor ihm die Gefängnistüre, wieder sah er das blasse, verhärmte Gesicht vor sich, das ihm inzwischen so unendlich teuer geworden war, ein sanfter Schein drang durch bas vergitterte Fenster unb umgab bas ehrwürbige Haupt seiner Mutter wie ein sanfter Heiligenschein. Sie erschien ihm wie eine Märtyrin, bie von ber Welt unb dem Leden ans Kreuz geschlagen worben war, bie still und heldenhaft gelitten, geduldet und geblutet, aber in allen Kämpfen ihr Herz rein bewahrt hatte. Voll Adel, Hoheit unb Größe ersckssen sie ihm verehrungswürdig wie eine Kö­nigin des Schmerzes und ber Leiben, ber bie Jahre tie silberne Ehrenkrone des Alters aufs Haupt gesetzt hotten. In all ihrem Leid, in oll ihrer Not hatte sie fcft-eballen an ihrem. Glauben: ein vertrauendes Got­teskind, bas auch in dem verworrensten Irrgarten der Welt noch einen lichten Himmelspfad fand. In all ihrem Kummer bewahrte sie sich ben Adel ihrer Seele, erhielt jfjre Ehre rein unb rettete aus ben Trümmern ihres Ledens bie kostbarsten Edelsteine, bie ein Frouengemüt schmücken: den Glauben, bie Liede, die Treue.

rurt von Seefeld hatte bie Empfindung, als ob (t rcr einer entthronten Königin stände, bie sich in allen Stürmen das Heiligste gerettet hatte: ihre Ehre unb ihr reines Gewissen.

Mit ausgebreiteten Armen ging er auf sie zu. Mutter", rief er,Mutter, ich hrinre Dir bie Frei­heit! Denn Du bist unschuldig, Du bist rein Du bist frei!"

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