| Mittwoch 19. MSr- 1919. | W. I 46. Z-dry
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f(Hn darin ergeben, daß »die Flotte restlos unfern
Händen entgleitet.*
Dafür aber übernimmt die Entente keineswegs die Gewähr für unsere Ernährung. Tie feindlichen Nc»
Drohender Generalstreik in England.
Wie der Londoner Korrespondent deS „@ecolo* meidet, sind wenig Aussichten für eine Berhinderua-
Ttv AK I Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte.
Iir. V I für die Anzeigen:J. Parzeller, Fulda. — Rotationsdruck.
Die Versorgung Deutschlands.
Je genauer man das Brüsseler Lebensmittelabkom- flten betrachtet, um so tiefer sinken die Hoffnung n. Ter vollständige Text des Abkommens ist noch nicht be- könnt gegeben, aber es ist nicht wahrscheinlich, daß er Brei der Knechtschaft süßer machen wird.
Zunächst sieht die Entente ihren Herzenswunsch voll' fiäiidiz erfüllt, nämlich die deutsche Flotte „zur Verfügung* zu bekommen. Kein Wort auch darüber, haß und wann wir sie zurück erhalten werden, vielleicht findet sich schließlich irgendwo in den Weit-
drngen deutscher Schiffe, die sich in fremden Häfen befinden. In den neutralen Ländern kann die Finanzie» rung durch Kreditgewährung auf ausländische Wertpapiere, die sich in deutschem Besitz befinden, ermöglicht werden. Tie Alliierten stehen auf dem Standpunkt, daß Deutschland seinen Goldschatz nicht für Lebensmittel» kaufe verwenden soll. Gold soll einstweilen nur alS Sicherheit in Brüsiel hinterlegt werden. Für die Aus- frihr nach den Ententeländern kommen in erster Linie in Betracht: Kohle, Holz und Farbstoffe. Für Käufe von den Neutralen kommt erschwerend unsere starke Verschuldung an sie in Frage. Die Entente beabsichtigt, die Neutralen zur Besprechung der Frage der deutschen Kredite nach Paris einzuladen. Das lönne allerdings auch zu einer Art Kuratel! über Deutsch» land führen.
ausländischer Wertpapiere bezahlt werden sollen. Für weitere Bezüge lehnt die Entente Zahlungen in Reichsmark ab, ebenso verweigert sic Kredite auf inländische Werte. Es bleibt also nur der Ausfuhrwert deutschen Waren und der Erlös von La- n deutscher Schiffe, die sich in fremden Häfen be-
Fordernnqen der Ruhrbergleute.
Bochum, 16 März. Hier fand heute eine vom (soz.) Bergarbeiterverband einberufene Konferenz zur Besprechung aller im Vordergrund stehenden Bergarbeiterfragen unter Leitung der Abi. «sachle statt. Eine längere Debatte entspann sich über dieVerkürzung der Schichtzeit. Obwohl Aba. Sachse im Auftrage deS LrbeitSministerS Bauer drin-end bat, fetzt von einer Schichtverkürzung mit Rücksicht auf die Notlage unseres Vaterlandes Abstand zu nehmen, oelan ite einstimmig ein Antrag zur Annahme, der verlangt, daß ab 1. April d. I. die siebenei nhal bstündige, ab 1 Januar 1920 die sieb enstündioe und ab 1. Januar 1921 die sechsstündige A rbeitszert einschließlich Ein. und Ausfahrt eingeführt merken. Er- folge die Sinchtverkürnm i nicht zum 1. April, dann würden bte Bergleute streiken. An die ReichSrefte» rung wurde ein Tele ramm gef' idtt, in dem u a. bis zur gesetzlichen Re-elung der Steiger», Revier-, Betriebs. und BezirkSräte all'eitige Anerkennung dieser Räte gefordert wird.
laufigkeiten des Abkommens eine nichtssagende Ver- sicherung, daß das deutsche Eigentumsrecht an den Schiffen unberührt bleiben soll; wir wissen nachgerade Genüge, was von solchen „Papierfetzen* zu halten Selbst die offiziöse „Deutsche Allg. Ztg.* hat sich
Darf Frankreich itn8 das Taargevlet rauben?
Präsident Wilson hat in seiner Antwort auf di Friedensnote des Papste« am 27. fluiuft 1917 auS.ie- sprachen, daß „die Zerstückelung von Reichen schlimmer al» nutzlos und keine brauchbare Grundlage irgend» welchen Frieden», am allerwenigsten einesDauerfriedens» ist. Am 6. April 1918 erklärte Wilson in einer Ansprache in Baltimore am Jahrestag deS Kriegseintritts der Vereinigten Staaten: „Jr iend etwas anderes vorzuschlagen a!S Gerechtigkeit, unparteiische und leidenschaftslose Gerechtigkeit gegenüber Deutschland, wie immer der Krieg auSgehen mag, hieße unsere eigene Sache int Stiche lassen und entehren." Den Weg zu diesem Ziele bezeichnete Wilson am 11. Februar 1918 wie folgt: „Jede Lösung einer in diesem Kriege aufgeworfenen Gebietsfrage muß im Jntereffe und zum Vorteil der betroffenen Bevölkerung gefunden werden und nicht als Teil eine» bloßen Ausgleich» von Ansprüchen sich gegen« überstehender Staaten.»
Diesen feierlich verkündeten Grundsätzen deS ameri. konischen Präsidenten würde der kommende FriedenS- schlußaulSärgstewidersprechen, wenn er Frankreichs offen bekundeter Absicht, große, von Deutschen bewohnte Bezirke sich anzueignen, ent präcbe. Geradezu unerhört ist daS Vorgehen der Franzosen im Saargebiet, wo gegenwärtig durch erkaufte Volks- und Landesverräter Unterschriften für den Anschluß an Frankreich durch die Drohung erpreßt werden, wer sich weigert, habe die demnächstige Austreibung au» seiner Heimat zu ge- wärtiaen. Frankreich hat den WaffenstillstandSvertrag b,utal gebrochen, indem der französische Oberbefehlshaber die Besitzergreifung deS Saargebiet» in einer Kundgebung als beschlossene Tatsache behandelt hat DaS ganze deutsche Volk, da» im Vertrauen auf die Ehrlichkeit de» Präsidenten Wilson auf Grund der von ihm aufgestellten und von den Ententemächten al» für den Frieden maßgebend anerkannten Grundsätze um Waffenstillstand und Frieden nachgesucht und die Waffen niedergelegt hat, erhebt einmütig den schärfsten Einspruch gegen die Vergewaltigung der seit 1600 Jahren rein deutschen Bevölkerung de» feit einem Jahrtausend zu Deutschland oehörenden Saar» InndeS. Schon zweimal, 1679 und 1793, find französische Heere in dieses deutsche Gebiet eingebrungen Die Fremdherrschaft dauerte daS erste Mal 18, das zweite Mal 22 Jahre und wurde in der barbarischsten Weise auSgeübt. In vielen saarländischen Bürger- familien/ lebt noch die Erinnerung an ihren früheren Wohlstand, der durch da» französische AuSsaugungSver« fahren vernichtet worden ist. Die Pariser Sammlungen enthalten reiche Kunstschätze, die an der Saar geraubt worden find. Eine Reihe von Ruinen erinnert im Saargebiet an die herrlichen Schlösser und Burgen, die durch die Franzosen eingeäschert wurden. DaS sind die .Rechtstitel* für die Erneuerung der französischen Fremdherrschaft.
Der nächstgelegene Punkt der deutsch - franzö« fischen Sprachgrenze ist vom Saargebiet fast 60 km entfernt. Die 570000 Einwohner, die ,eS zählt, find sämtlich Deutsche. Unter ihnen befinden sich 62000 Bergarbeiter und 40000 Hütten- und EiienwerkS-Arbeiter; etwa 37 C00 dieser A> beiter, also nicht wem, er alS zwei Fünftel, sind Hauseigentümer; ein Umstand, der die soziale Gesundheit der saarlänoischen Bevölkerung erkennbar macht.
Wo» Frankreich zum Rauste de» Saargebiets in erster Linie reizt, sind, wie die Pariser Zeitungen vielfach offen erklärt hiben, die Kohlenbergwerke, Eisenhütten und Stab Iwerke. Lieferte da» Saar« gebiet doch im Jahre 1913 13,25 Millionen Tonnen Steinkohlen, 1,4 Millionen Tonnen Roheisen 2,08 Millionen Tonnen Slahl, 24 000 Sonnen Thomasmehl zu Diin lerzwecken Die Franzosen möchten hier ernten, wo wir Deuftche gesät haben. Hätten sie die reichen Kohlenlager _tn Fran-öfisch. Lothringen (wo die Gru« den vernachlässigt find) kräftig betrieben, so kör nten sie ihren Bedarf in der Hauptsache selbst decken. Da« würde aber Arbeit erfordern, darum ziehen sie e» vor, uns die mustergültig au»zebauteii staatlichen Koh« lenb’rgtoerte de» SaarbeckmS zu rauben.
D>e Franzosen behandeln heute die saarländische Bevölkerung, die durch den Ian en Krieg natur einäh erschöpft ist uno dur 0 die Parte>wirren und andau- ernven Unruhen im Reiche abgestoßen wftd, mit Zuckerbrot uns Peitsche, um sie gefügig zu machen Tie freie_ Meinungsäußerung wird brutal unterdrückt, jeder aufre., te Deutsch» esinnte w l ß- hau beit, jeder feile Verräter reich belohnt Ein deut cher Soldat, der vor einem Frauenzimmer auS- >vukte, daS sich den Franzo en an den Hal» warf, wurde zu 3 Monaten ®epn.,ni» und 500 Franken Geldstrafe, ein hochgeachteter Beamter, der fra be« schillerte, weil ein frauzlsisch« Leutnant, der bet ihm
Zwffchensälle in Groß-Berlin.
Berlin, 18. März. QM den Durchsuchungen nach Waffen kam eS gestern in SR e u-K ölln zu einem Zwischenfall. Tas Garde-Infanterieregiment Nr. 64 nahm ganz unerwartet eine Schwenkung ein und erklärte sich gegen die Regierung. Tie Lage gestaltete sich dadurch sehr bedenklich, da in der Kaserne zahlreiche Waffenvorräte aufbewahrt waren. Generalmajor von Hülsen, dessen Kor^s die Waffensuche in Neu-Kölln durchführen soll, verai loßte die Verhängung deS 6er« fchärften Belagerungszustandes in Neu-Kölln. Während einzelne Abteilungen die Durchsuchung in den Häusern Vornahmen, schloß der Hauvttrupp die Kaserne, in der sich die 64er verschanzt hatten, streng ab. und bereitete aller zum Sturm auf die Kaserne vor. Im letzten Augenblick gelang eS, im Wege, von Verhandlungen die 64tr zu bewegen, die Waffen enrszu- liefern. Der verschärfte Belagerungszustand wurde alsbald wieder aufgehoben.
Berlin, 18. März. Heute ist die Gemeinde Ad- lerShof zur Durchsuchung von Waffen durch Regie- rrmgStruppen besetzt worden Utber Adlershof ist der Belagerungszustand verhängt worden, weil es bei den Absperrung-n zu Mifhelligkntcn gekommen war. Jetzt sind bie Tifferenzen beigelegt.
Warum der Kaiser nach Holland ging.
* Berlin, 18 Mär;. Aus dem Großen Haupt- qnart'er in Kol borg e-ba!ten w>'r fn nenbe Mit'ei'ung:
Dre öffentliche Meinung beschäftigte sich in letzter Zeit wieder vermehrt mit der Frage, warum der Kaiser nach Holland ging. Um falscher Beurteilung vorzubeugen, bemerke ich zur Sache kurz folgendes:
AlS am 9. November der Reichskanzler Prinz Max von Baden die Abdankung deS Kaisers ohne dessen vorherige Einverständmserklärung veröffentlichte, war daS deutsche Seer nickt geschlagen, ober seine Kräfte schwanden dahin, während der Feind frische Massen zu weiteren Angriffen bereitstellte. Ter Abschluß deS Waffenstillstandes stand unmittelbar bebe r. In diesem Augenblick höchster militärischer Spannung brach in Deutschland die Revolution au». Tie Aufständischen bemächtigten sich im Rücken des deutschen Heeres der Rheinbrücken, wichtiger Magazine und Berkehrsvunkte. Dadurch wurde die Zuführring von Munition und Verpflegung gefährdet, während die De- stände der Truppen nur noch für wenige Tage ausreichten. Tie Etappen- und Ersayiruppen lösten sich auf. Auch über die Zuverlässigkeit des eigentlichen Feldbeer-'S liefen ungünstige Meldungen ein.
Angesichts dieser Lage war eine friedliche Rückkehr des Kaisers in die Heimat^ nicht mehr denkbar und konnte nur noch an der Spitze treuer Truppen erzwungen werden. Ter völlige Zuiam- menbn'ch Deutschlands war dann unvermeidlich, hä te sich doch -mm Kampf mit dem zweifellos nachdrängenden Feinde der Bürgerkrieg gesellt.
Ter Kaiser konnte sick ferner zur fechtenden Truppe begeben, um an deren Spive in einem letzten Angriff den Tod zu suchen. Auch dadurch wäre der vom Volke beiß ersehnte Waffenstillstand hinausgeschoben und das Leben vieler Sckdaten nuvl"S geopfert worden.
Der Kaiser konnte endlich außer Landes gehen- Er wäh'te diesen Weg im Ciuverständn'S mit feinen Ratgebern nach unendlich schweren Seelenkämvfen lediotsth in der Hoffnung, dadurch dem Vater« lande am treuesten zu dienen im> Deutschland tnc tere Verluste, Tot und Ele.id zu ersparen und ffm Fri b-n, Rude ii n b C t b n u n g zurückzugeben. Daß der Kaiser r<fi in diesem tila’ Fen geirrt bat, ist nicht feine Cchu d. Hin denburfl.
Doch eine rngskrifef
Man schreibt unS auS Berlin: Die Lage ist neuerdings b:e: Es ist unzweifelhaft, daß die Stellung einiger Kabinettmitglieder und gerade einiger
Der bayerische Landtag.
§ München, 18. März. Der bayerische Landsitz nahm heute Die ihm von dem gestern gewählte» Ministerpräsidenten Hoffmann vorgelegte Mini st e U t ft e debattelos an. Sie enthält folgende Naz men: Präsidium, Aeuß.res, Unterricht und Kultus Hoffmann (Mehrh -Soz.), Inneres Segitz (M.-Soz.^ Finanzen i. B. Staats rat von Merkl, Verkehrsange« legenhciten von Frauendorfser, soziale Fürsorge Un- terleitner (ttnabg.), Handel und Gewerbe Simon! (Unabh.), Landwirtschaft Steiner (Bauernbündler)^ militärische Angelegenheiten Schnepfenhorst. Be« züglich des Ermächtigungsgesetzes und der Sozialisierung werden die weitgehendsten gesetzgeberische» Mahnahmen eingeräumt, wie z. B. Schaffung eine» umfassenden Selbstbestimmungsrechts der Gemeinden, Sozialisierung des Bergbaues und der Waffe«, kräste, Bildung einer eigenen Volkswehr usw. Derk Landtag sagte unter dem ihm auferlegten Drucke yt; allem ein williges Ja, ebenso war binnen wenige» Minuten durch zustimmendes Erheben von den Sitzen der Gesetzentwurf zur Abschaffung des Adels in Bayern, die Auslösung der Fideikommisse und Lehen angenommen. So konnte Dann nach Inständiger Dauer der Landtag auf unbestimmte Zeit vertagt werden.
Diese Tagung des bayerischen Landtages bot also ein unerfreuliches Bild der Ohnmacht, wie eS nr der Geschichte des Parlamentarismus einzig dastehen dürste. Auch der Rsde des Ministerpräsidenten? gelang es nicht, die Versammlung zu erwärmen und löste nur an einzelnen Stellen, wie z. B. bei der Forderung auf Freigabe unserer Gefangenen, Beifall aus.
führenden Persönlichkeiten, infolge der letzten Ereignisse wankend geworden ist. . Scheidemann ins. besondere dürste wegen der Entwicklung der Soziali- sierungsstage, der er in diesem Tempo widerstrebte, nicht mehr so sestzustehen wie seither. Tie radua.« Stimmung, die sich bei den Streikbewegungen geltend gemacht hat, ist auf die Festigte« der mehrheits. sozialistischen Posten im Kabinett nicht ohne Emflutz geblieben. Es ist Tatsache, daß in politischen Kreisen durchaus die Möglichkeit einer weiteren Link Sa bi s ch w e n k u n g der Reichsleitung als bestehend angenommen wird. Auch die Dinge in v r,e e * deuten darauf hin. Die Sozialdemokraten in Preußen Haden ein Regierungsprogramm ent/ warfen, das nicht nur die Rechte, sondern auch dal Zentrum nicht annehmen wird. Die Demo,' kraten werden aber in Preußen nicht als einzige dun gerliche Partei in eine sozialistische Regierung W ten. So bilden sich Krisenstimmungen, die rasch unsere politischen Verhältnisse auf ganz neue Grundlagen stellen können. „ _ ,.
Neuerdings kommt nun em Zwischenfall yrnzus der leicht politische Folgen haben kann. Der Staat» sekretär des Aeußern, Graf B r o ck d o r f f-R a tu 5au, hat Verhandlungen mit den Unabhangv gen gepflogen, welche, wie es heißt, nichts anbetel bezweckt hätten, als die Unabhängigen zum ®ntn| in die Regierung zu veranlassen und so der Polin des Auswärtige» Amte» eine breitere Grundlage ztz geben Durch die Tatsache dieser Verhanbluntze» sind aber Mißhelliqkeiten erwachsen. Welche euch Prüfung der Verhältnisse unter den KabmettSmit» gliedern zur Folge hatten- Man versichert zwar iS der Reichsleitung, daß eine Krise im Auswärtig«! Amt gegenwärtig nicht bestehe, eS läßt sich ab« nicht verkennen, daß eine Neugestaltung der Chef Verhältnisse i» diesem Amte jetzt schon durchgefuhr! würde, wenn man sich über die Nachfolgeschaft to reits schlüssig wäre. Da man das aber nicht ist und da sich unter den jetzigen Umständen auch niemand zu solchem Amte drängt, so wird die Krisett stimmung einstweilen verdunsten, bis eine- Tag» die Diplomatenkranlheit ihr Opfer gefordert hat.
gterungen haben ihre Steferung8pfli<jt auf Pen ersten Zusckfliß von 270 000 Tonnen beschränkt. Für den weiteren Bedarf geben sie unS nur die E r» laubniS zmn Einkauf und zur Einfuhr, ohne ihrerseits irgend eine Verpflichtung oder Gewähr zu übernehmen. Diese Erlaubnis macht ihnen keine Lasten «nd keine Unkosten, Wohl aber u n 8. Tie Einkaufs- erlaubnis ist begrenzt. Wir dürfen bis zur neuen Ernte monatlich 70 000 Tonnen Fett und 800 000 tonnen Brotgetreide oder deren Wert in anderen Nah- runpSmitfeln kaufen. (1 Tonne gleich 1000 Kilo.) Freigegeben wird der Export von Fischen und Gemüse nach Deutschland: solche Lieferungen werden auf Ste 870 000 Tonnen monatlich nicht angerechnet. BiS zum 1. Sept, werden wir also 6 X 370 0000 + 270 000 Tonnen, insgesamt 2 490 000 Tonnen laufen dürfen.
Die Entente behält die scharfe Kontrolle über alle Lieferungen nach Deutschland sowie über bte Gegenleistungen von unserer Seite. Das erschwert na- «Irlich unseren Einkäufern ihre Aufgabe und wirkt auch vreiStreibend. Ob wir die berechnete Zufuhr von 870 000 Tonnen monatlich im Ausland überhaupt auf- treiben können, ist noch keineswegs ausgemacht.
Nebenbei fei noch bemerkt, daß wir an der ersten Lieferung, die uns die Entente selbst besorgt hat, nickt »Skeln dürfen, sondern sie unbesehen und unge- Drobt übernehmen müssen, auch wenn daS amerikanische Schmalz, wie man befürchtet, etwas tranig schmeckt. Wir fftw ja in Fetisachen nicht mehr verwöhnt, und die deutschen Hausfrauen haben im Kriege erhebliche Fortschritte in der aufbessernden Kochkunst gemacht.
Bon wesentlicher Bedeutung ist aber der Vorbehalt, daß die Einfuhrerlaubnis nur gelten soll, so lange Deutschland alle ihm auferlegten Bedingungen erfülle. Ta hängt ein Damoklesschwert über unfern JRoffen ober genauer gesagt über unfern MSg?n. Wenn Deutschland irgend eine Ablieferung nicht rechtzeitig zu leisten vermag, ober wenn Die Gegner behaupten, es löge irgend ein Mangel oder ein Versäumnis vor, so können wir jeden Augenblick wieder von einer Sperre der Lebensrnittel betroffen, also der Hungerfolter überliefert werden. In dieser Hinsicht ist auch die Bedingung gefährlich, daß kein Teil der ein- gufübrrnben Lebensimttel verteilt werben dürfe an arbeitslose Personen, die durch eigene Schuld ohne Arbeit sind. DoS ist an sich ganz vernünftig; aber die Kontrolle über die Arbeitswilligkeit der einzelnen Brot- rmpfänger kann zu vielen Zweifeln unb Merze missen führen und nur zu leicht ein Vorwand für die Sperre der Zufuhren geben.
Schließlich, was werden unS die LebenSmittek kosten? Etn Kredit und auch die Annahme von ReichSbmiknoten wird verweigert. Wir sollen bar be- zahlen, für jede Lieferung im voraus, indem wir uns entweber burch Ausfuhr von Waren auSlänbische Guthaben schaffen ober indem wir durch Verpfändung von internationalen Wertpapieren Kredit besorgen. Dabei legt die Entente Beschlag auf d i e Werte, mit denen Temschlanb am ersten die notwendigen Lebonsmi tel kaufen könnte, ganz offeinbar deshalb, weil diese Werte eben für die Kriegsentschädigungen aufgespart werben sollen. So dürfen wir auch jetzt nickt etwa frei exportieren, sondern die Entente wird Listen über Waren vusstellen, deren Ausfuhr verboten ist. Und wir dürfen vor allem über unser Golb unb über unseren Besitz »n ausländischen Wertpapieren auch jetzt, für unsere Rettung von bet Hungersnot, nicht frei verfügen, sondern nur in einem von ber Entente fest begrenzten Umfang. Aach Berechnungen von Eingeweihten werben uns Re Lebensmittel minbeuens 120 Mill. Pfund S erling, das sind nach dem heutigen Geldwerte etwa 4800 Mill., Ufo fast 5 Mi11karden Mark t o ft e n.
Einige Leute meinen nun, man Hütte dieses zweifelhafte Abkommen überhaupt nicht amieljmcii, sondern M lieber auf den Bruch ankommen lassen sollen. Die fiepierung fjat diesen Schritt der Verzwetflung nicht getan; sie hat genommen, was zu erlangen war, um bas Po« vor ter Hungersnot unb bet daraus folgenden Anarchie nach Kräften zu bewahren. ES lohnt sich nun *td)t mehr, darüber zu streiten, ob gerade jetzt der ge- ffgneie Zeitpunkt war, unt daS Aeußerfte zu riskieren dnb zur Tulbertaktik der Verzweiflung uberzugehen. Biifgcfcfeo&cn ist ja noch nicht aufgehoben. Sollten die gegnerischen Diächte die Vollmacht, die sie über unseren Brotkorb haben, zu weiteren Drangsalierungen miß. brauchen, dann bleibt ,mS immer noch der letzte Ausweg. Auf die sog. Desperadopolitik für den Augenblick M>ch zu verzichten, hielt man vielleicht für angereigt aus Rücksicht auf die bevorstehenden Friedensverhanblun» Jen. Nach der Rückkehr Wilsons wird nun doch endlich der qualvolle „Dafseustillstanb* in einen Friedensschluss Über geführt werben müssen. Wenn dessen Bebingtin- Pfn vorgclrgt werden, müssen wir den ganzen Rest unterer Kraft zusammennehnien, um bie Entscheidung zu treffen, ob wir unterzeichnen können ober ob wir den ©egnern bie Verantwortlichkeit unb bte Last ber Durchführung ihn r Pläne in Ergebenheit iibei lassen.
. ?n5mtfcffn beißt c§: Genieße froh, was dir be- firicbip; entbehre still, was noch nicht dal Tie amt» »lütten Stellen haben uns schon darauf vorbereitet, «iß eine Erhöhung der Brotration noch nicht nattfinben könne unb daß man zufrieden sein müsse wit ber Verhütung ber Verkürzung, tie sonst hätte ein- treten müssen. Jzt Aussicht gestellt wird eine Verbcffe- rung deZ BroteS durch den Zuschuss von amerikanischem Heizen. Tos träte ein Vorteil für bie Kranken unb C,c sarten Ktnbrr. benen hoffentlich auch bie Mi ch 8ui tun wirb. Von allgemeinem Vorteil wirb eS sein, wenn bei weniger sckarfcr Ausmahlmig des Eetre des ”tehr Klei», also mehr Vichfntler, gewonnen wird. Tie Wiederherstellung der deutschen Viehzuckt wäre von höchstem Werte, nicht nur für die Lcmbwirtsckmft, son- Hern für daS gan-e Volk.
® t sickert sind wir noch nickst; aber wir haben ”0« bte Möglichkeit, bcni £>ung-r unb der Au rch e ?u- Entgehen, wenn w-r fparfant wirtschafte,' mit.ben S ah- ^ngSinitfeln unb fleißig arbeite n, um da- «uchergeld für bie Zufuhr aufjubrtngcn.
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Zu dem Abkommen wirb noch folgendes bekannt: auSlänbische Geirr ibe ist ungefähr dreimal w teuer als das heimische. Wir werben densell-cn Weltpreis bezahlen müssen, den Amerika auch Frank- reuh unb England berechnet. Deutscherseits wird Koch»
mehl besonders auSgegebrn unb zwar zu einem höheren Preis, um be» Brotpreis nicht zu gewaltig zu steigern. Ob wir die 870 000 Tonnen Lebensmittel, Die unS monatlich zustehen, auch tatsächlich erhalten werben, .ft noch völlig unsicher. ES wird keine leichte Ausgabe fein, die ungeheuren Summen aufzubringen, die wir bet bem stark gesunkenen Geldwert für die Einfuhr benötigen unb oaburch, baß wir einen Teil unseres Bedarfes auf dem Umweg über die Neutralen werden laufen müssen, werden sich die Lasten für un8 nur vermehren. Was wir durch das Brüsseler Abkommen an Fleisch und § 111' erhalten, ist herzlich wenig unb wird größtenteils den Schwerarbeitern zu Gute kommen. Die Versuche, Futtermittel bewilligt zu erhalten, vor allen Dingen Mair, unt wieder die Schweinemast betreiben zu können, sind gescheitert. ES ist z>r«r genug MaiS in der Welt vorhanden, e» ist sogar so viel vorhanden, daß et stellenweise anstelle von Kohle al» Brennstoff benutzt wird, aber Mister Hoover meint, daß die Schiffe für andere Bedürfnisse bringender gebraucht werden, und so bleibt für uns keine andere Möglichkeit, als zu warten, ob uns die nächste Ernte im Lande genügend Futtergerste liefert, und bis dahin uns mit ber Kleie auszuhelfen, die wir durch geringere Ausmahlung be» Getretbe» ersparen
fieber da» Finanzabkommen in Brüssel erfahren wir, baß die ersten 270 000 Tonnen Leben Smit« fei durch 100 Millionen Mark Gold und 25 Millionen
wohnte, sich käufliche Weiber in» Hau» schleppte, zu 6 Monaten Gefängni» verurteilt. Aehnltche Fälle find in großer Zahl vorgekommen. In Saarbrücken wurden 24 Familien au» ihren Woimunnen vertrieben, weil diese von den Franzosen zur Einrichtung von Safterbäufern gebraucht würben.
Al» die Wahlen zur deutschen Nationalversamm. luttg herankamen, ließen die Franzosen durch bezahlte Hallunken bte Saarländer zur Wahlenthaltung al» Kundgebung für Frankreich auffordern, aber die Wahlbeteiligung war nur umso stärker. Tausende unterschrieben trotz aller Gefahr ein Bekenntnis, in bem e» heißt: „Wir Einwohner der Stadt- und Landkreise Saarbrücken», eines rem deutschen Gebiete», erheben feierlichen Einspruch gegen das Verlangen, uns von unserem deutschen Dnterlande zu trennen unb unS Frankreich, einem un» innerlich völlig fremden Staate, einzuverleiben. Wir find Deutsche nach Abstammung, Geschichte, Sprache und Gesinnung. Wir wollen auch jetzt in ber Zeit tiefen Unglücks mit unseren deutschen Brüdern und Schwestern vereint bleiben."
Alle Deutschen, die deutsch empfinden, werden bett treuen Volksgenossen im Saarlande die Treue halten und, wenn diese vergewaltigt werden sollten, nicht ruhen und nicht rasten, bi» sie wieder mit dem deut- scheu Vaterlanbe bereinigt find. Wir Deutschen nehmen da» SeibstbestimmungSrecht auch für un» in Anspruch.
Berlin, 18. März. In einer außerordentlich stark besuchten eindrucksvollen Protest Versammlung gegen die Annexion beS SaargebietS wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in ber die bestimmte Erwartung ausgesprochen wird, daß Regierung und Nationalversammlung unter keinen Umständen auf bie Forderung Frankreichs in Bezug auf ba» Saar gebiet ein ehen werben und daß eine langan- dauernde Besetzung ebenso verhindert werbe wie eine offene Annexion.______
Der Vorfrieden.
Mäßigung der sranzöfischen Ansprüch«?
Genf, 18. März. Der Pariser Korrespondent des „Manchester @uarbiaj" meldet: Auf Die Vorstellung Wilsons, laß Amerika einen Gewalifneden mit Erdrückung Deutschland« nicht gutheißen könne, willigte Frankreich ein, seine Ansprüche zu mäßigen. Es verzichtet darauf, eine als Psuffer» staai dienende rheinische Re publik zu bilden, und wird auch dem Anschluß Deutsch-Oesterreichs an Deutschland keinen Widerstand mehr entgegensetzen. Was das Saargebiet anbetrifft, wolle Frankreich sich damit begnügen für eine Reihe von Jahre» die Kohlenförderung der Saargruben zu erhalten, ohne auf Annexion des ganzen Saarbeckens zu bestehe». Die Depesche fügt hmzu, »unmehr sei unter den Verbündeten volle Einmütigkeit für die Bedingungen des Vorfnedens erreicht.
Die Möglichkeit einer deutscheu Ablesung des FriedeusvertrageS.
Kopenhagen, 15. März. Nach einer Meldung aus Stockholm wird in dortigen wohlunterrichteten deutschen Kreisen mit einer Ablehnung des Friedensvertrages durch Deutschland be. stimmt gerechnet, falls der Vertrag sich nicht in Ue- bereinsnmmuna mit den vierzehn Punkten Wilsons befinde. Zu dieser Meldung, bte übrigens mit Erklärungen des Grafen Bernswrff vom 12. März überei»stimmt, erklärt die Zeitung „Ekstrabladet", daß sie außerordontlich wahrscheinlich klinge. „Sollte der Frieden", schreibt das Blatt, „ein solcher werden, daß die deutsche Regierung die Unterzeichnung ver. weigern mutz, so wird die Lage für Deutschland kaum schlimmer werden, als sie augenblrcklich ist. Ein Millionenheer, das zur Besetzung Deutschlands notwendig wäre, kann sicher zu diesem Zweck nicht aufgebracht werden, und zweifellos wird sich zeigen, daß inan früher oder später gezwungen sein wird, der deutschen Republik die gleiche Gerechtigkeit einzuräumen, die diese nun selbst zu betätigen wünscht- Na. türlich ist ein Risiko mit der Verweigerung deS Friedensschlusses verbunden, aber in Anbetracht der Zustände in den Entenjeländern ist das Risiko solcher Demonstration doch nicht annähernd so groß, wie man beim ersten Gedanken annchmen sollte."