nr. 63. |
verantwortlich für bei redaktionellen teil: Karl Schütte. I für die Anzeigen: I. Parzeller. Fulda. — Rotationsdruck. |
Montag 17. Mär- 1919. | 46. Zahrg
Preußische Landesversammlung.
Sitzung vom 15. März.
Beratung deö Gesetzentivurfes über die vorlSvfige Drdnu«S der Staatsgewalt.
Abg. Herst (Trutfchnat.): Wir Haven lange war- tcn muffen, bis diese Versammlung einberufen wurde C« ist ungesetzlicherweise eine Menge von wichrigen Dingen im VerordnungSwegc geregelt worden, die nur durch Gesetz geregelt werden tonnten. TaS benwha* * tische System verlangt vor allem Achtung vor dem Par- lmnent. (Sehr richtig!) Tie Gemeinden haben auch unter dem alten Gemeindewohlvecht voll ihre Schn dig- !ett getan. Durch die vcrvrdnungs mäßige Wahlrechtsreform ist nur Unruhe in sie hineingebracht worden. Das ist ein Rcchtkbruch. (Sehr richtig! rechts, i Wir baden unS mit dem republikanischen Staate abgefun- den. aber den monarchistischen Gedanken lassen !oir imS dadurch nicht rauben. In tiefer TanLarkeit gc. denken wir alles dessen, was die Hohenzollern für Preußen getan haben. Tie Kdonarchie ist die beste Staats- form und das deutsche Volt und wir hoffen, daß die Zeit ihrer Rückkehr kommen wird, wenn auch nicht die Zett des alten Systems. (Beifall rechts.) Wir sind Gegner jedes engherzigen Partikularismus. Aber o!jne ein starres Rückgrat geht es auch; nicht und das ist ein starkes Preußen. Ein starkes Preußen braucht aber einen eigenen Staatspräsidenten. ES muß in kritischen Zeiten die Möglichkeit geben, daß Las Parlament von einer unabhängigen Stelle aufgelöst werden kann. Das Recht, ohne Zustimmung des Sauses Verordnungen zu erlassen, muf? der Regierung endgültig genommen werden. (Beifall rechts.)
Ministerpräsident Hirsch: Die Hauptschuld an der vollzogenen Umwälzung tragen diejenigen, die sich mit Händen und Füßen gegen jede Reform in Preußen gesträubt Laben. Wir wollen die Klasienherrschast in keiner Form. Wir stehen fest auf demokratischem Grunde. Tie Verordnung über das Gemeindewablrecht war eine dringende Notwendigkeit: Tas Volk hätte es nicht verstandst, wenn daö K lassen Wahlrecht in den Gemeinden noch länger erhalten geblieben wäre. Tie Frage des Staatspräsidenten ist noch nicht geklärt Es steht noch nicht fest, ob nicht in der Reichsverfafluna diese Frage grundsätzlich geregelt wird. Bei der vorläufigen Ordnung der Tinge haben wir auf Sen Staatspräsidenten verzichten müssen. Ich bitte die Vorlage schleunigst zu verabschieden, damit Preußen möglichst bald eine ordnungsmäßige zusammengesetzte Rcgtening bekommt. ,
4. . Hellman« (Sag.): Bei dem Protest gegen
das trete Gemcindcrvablrecht fühlten wir uns völlig zurückerinnert cm die alte konservative Partei im Drei- klassen-Parlcnnent. Wir erwarten, daß die Regierung die Verordnung entschlossen durchführt und gegen wider- Ipen^ Bürgermeister energisch vorgeht. Demokratie und Republik ist für Preußen eine unwiderrufliche Einrichtung. : Institut des Staatspräsidenten könndn wir nicht brauchen, denn dieses würde einer weiteren Veretnheitllchung das Reiches naturgemäß widerstreben.
Am Zehnhof (Ztr.).: Die Verfassung nniß >chnell gemacht werden, damit wir wieder auf ge. schlichen BrLen kommen. Mit der Wohl der Regierung durch den ParlamentSpräsidenien kann man "sich .einverstanden erklären. ES handelt sich ja nur um eure vorläufige Regierung. Redner machte dann Ausführungen zu den Einzelheiten der Vorlage, bl-abt oder auf der Tribüne schwer verständlich.
, .trß- Heilbronn (Dem.): Wir erstreben den uni- tartügchen Etnhcttsstavt, und dreses Ziel wird erschwert durch die Einrichtung deS Staatspräsidenten. Es un-ß Mer eine Sinrichtimg geschaffen werden, die bei Aus- Losung des Parlamentes die Fortführung der Geschäfte Verbürgt.
_ M« . Rosenfeld (Uncstch.): Ten tatsächlichen Macht- verhaltntsten entspricht der Entiours nicht, denn er läßt v,e A.. und S.-Räte unberücksichtigt. In der Vorlage fehlt auch das Recht der Volksabstinmnmg. Haben Sie mese Forderung des Erfurter Programms misgegebeu? lZuruf von den Mehrheitssozralisten: Nein!) Um die Kepublrf fest zu verankern, bedarf es der Bestimmung: Das Haus Hohenzollern ist für alle Zeilen abgeseht.
Abg. Richter-Hannover (Dtsch. Vpt.); DaS Notverordnungsrecht ist von der jetzigen Regierung nicht un demokratischen, sondern im höchst autokratischen ^une ausgeübt worden. (Sehr rickuig! rechts.) M vnte den Ministerpräsidenten imt eine Erklärui-g. daß Cte Regierung in diesem Sinne in Zukunft ein Verord- wrngsrecht nicht mehr ausüben wird. An der Spitze --Preußens muß ein Staatspräsident stehen Es muß «nie Lvtelle da sein, die von der Landesversammlung unmittelbar an das Volk appellieren kann.
Z>ie Versunkene Krone.
Roman von Felix Nabor.
Seine Stimme erstickte in freudigem Schluchzen, E> die Frau in seinen Armen zitterte so heftig, daß « fürchtete, ein Neroenschlag müßte fie im nächsten Augenblick niederweFen. „Was — was bedeutet das?" stammelte fie. „Ich — verstehe — nicht!"
no^m ih" Hände in die seinen, hob sein Ge- --chr zu ihr empor und sagte: „Ich bin Kurt o. Neu- haus-Lieefeld! — Ich bin Drin Sohn! — Dein Sohn!"
»Mein Sohn?" kam es leise von ihren bebenden Sippen — zagend und unsicher, als ob sie ein so gro--
iSlück, eine so grenzenlose Freude nicht zu fassen vermochte. „Mein Sohn?"
»Sa, Dein Sohn! — Darüber ist gar kein Zweifel. Du bist meine Mutter! Jahrelang habe ich mich nach < I. gesehnt, habe im Geiste nach Erinnerungen gesucht, ohne sie zu finden; denn mein Beter sagte mir, -2u wärest tot! Nun habe ich Dich gefunden! Es ist ichon und schrecklich zugleich! Im Gefängnis finde ich weure Mutter, eines Verbrechens angeklagt! Glück 2? "Uglück, Freud und Schmerz, Lippe an Lippe! «der wie dem auch sei — ich bin glücklich, denn ich »°be meine Mutter gefunden! Ach, Mutter! — Mut- £ — Süße Mutter! Daß ich Dick im Unglück fand,
'"acht Dich mir noch teurer! Jetzt erst kann ich S«gen, wie lieb ich Dich habe, wie teuer Du Dei« "em Sohne bist?"
®Afalni es "vch immer nicht fassen, das große
8ch habe so viel Unglück ertragen, daß mir das '««ff wie ein goldenes Märchen erscheint, nach dem man vergebens hascht, das verschwindet wie eine glän- schwach^'° Morgana! — Und meine Augen sind so
Da nahm sie Kurt auf feine Arme und trug sie w °em vergitterten Fenster. „Hier Ist es heller. Nun "y mir ins Auge! — Nun forsche in meinen Zügen,
Su nicht Spuren darin findest, die Du erkennst!
^un laß Dein Herz sprechen, Mutter!"
Sie nahm sein Gesicht zwischen ihre Hände, bfickte "es in die Augen, fuhr ihm über Haare, Stirn
Ter Entwurf geht tm einen Ausschuß von 27 Mitgliedern.
Montag: Fortsetzung der Beratung über den Antrag Hoffmann betreffend Aufhebung des Belagerungszustandes und über formelle Anträge betreffs Verhaftung von Mitgliedern der Landesversammlung durch die Polen.
Das Verhältnis von Kirche irnd Staat.
Die Interpellation der Deutschnationalen wegen der Eingriffe der Einzelstaaten in den Religionsunterricht und wegen der Stellung der Reichsleitung zu derartigen Eingriffen in die zu Recht bestehenden Schulgesetze, die in der vorigen Woche in der Nationalversammlung verhandelt wurde, verdient noch eine besondere Betrachtung.
Die religiösen Fragen, die da berührt wurden, sind aufs engste mit dem Innenleben unseres Volkes verbunden, und jeder Eingriff in dieses Innenleben des einzelnen sowohl wie in das der religiösen Gemeinschaften muß lebhafteste Beunruhigung und Sorge wecken, die auch politische Folgen hat. Eine Regierung, der an einer Beruhigung des Volkes gelegen ist, hätte die Gelegenheit ergreifen sollm, um weite Bottskreise wegen der Stellungnahme der heutigen Regierung zu den großen religiösen Fragen zu beruhigen und die Gewißheit zu geben, daß auch in den künftigen, wenig erfreulichen Zeiten das religiöse Gefühl des einzelnen und seine Betätigung unangetastet bleiben. Wer war es denn, der in allen deutschen Gauen die religiöse Beunruhigung hervorgerufen Hai? Es war niemand anders als die sozialdemokratische Re- volutiousreigerung, die seinerzeit im Geiste Adolf Hofsmanns einen modernen Kulturkampf treiben wollte. Der heutige Ministerpräsident eines mit Bürgerlichen dekorierten sozialdemokratischen Ministeriums ist sonst stets bereit, die Taten der Revolutionsregierung zu vertreten. Um so mehr fällt es auf, daß er sich gegenüber der Interpellation auf eine rein juristisch formulierte Erklärung beschränkte, daß das Reich in diesen Fragen nicht zuständig sei.
Das erinnert an die Reichstagsdebatten vor 14 Jahren über den Toleranzantrag des Zentrums. Heute wie damals galt es, Front zu machen gegen Eingriffe der Einzelstaaten in die Gewissensfreiheit und in die Gleichberechtigung von gläubigen Mitbürgern. Und heute wie damals verschanzt sich die Reichsleitung hinter den Einwand bet mangelnden Zuständigkeit. Das Reich soll die Hände in den Schoß legen und teilnahmslos zufchen, wie in den Einzelstaaten die giftige Saat der Zwietracht ausgefäet und die Grundlagen der gemeinsamen nationalen Kultur erschüttert werden.
Die Ausflucht hinter die spanische Wand des Kam- petenzvorwandes war 1905 noch eher zu verzeihen, als jetzt. Demi damals regierte noch der Bundesrat, dessen Hauvlaufgabe MMrfchirrmurg der einzelstaat- Uchen Machthaber war. Jetzt haben wir eine vorwiegend sozialistische Regierung, die grundsätzlich die Einzelstaaterei verwirft und in der neuen Verfassung sogar die sittlich-religiösen Grundrechte des deutschen Volkes für das ganze Reich einheitlich fefttegen will. Die leitenden Männer sind einheitsstaatlich gesinnt, soweit es für ihre Parteiinteressea, namentlich für die Sozialisierung förderfich ist. Sie schwenken aber wieder zur Einzelstaaterei ab, wenn sie sehen, daß sie für gewisse Bestrebungen in den Einzelstaaten mehr erreichen können, als auf dem Wege der Reichspolitik. Hätten die Wahlen vom 19. Januar eine rein-sozialistische Mehrheit ergeben, so würde jetzt zweifellos die Parole ausgegeben werden: die Kulturfragen muffen in Deutschland einheitlich geregelt werden, »mtüriich im Sinne von Adolf Hoffmann.
Zum Glück ist die einseitige Parteiherrschast im Reiche verhindert worden. Es gilt nun aber zu verhüten, daß in den Einzelstaaten sich nicht aus Genossen von Adolf Hoffmann eine gewalttätige Mehrhest auftut, um die Entchristlichung des Volker, von Staatswegen durchzuführen.
Die Sachlage hat sich auch insofern verschoben, als das Zentrum bei feinem Toleranzantrage von 1905
und Wangen. Ihre Züge verklärten sich, ihr Gesicht leuchtete, als ob ihr die Sonne bin einscheine, und mit
• leise jauchzender Stimme sprach sie: „0, diese Augen — rief und stahlblau, das sind Vaters Augen! — Und diese hohe, breite Stirn, die Brauen, das starke, breite Kinn: das ist fein Erbe! — Aber den Mund upd dies Lächeln: das hast Du von mir!" Und in lauten Jubel ausbrechend, warf sie die Arme um feinen Hals, küßte ihn zärtlich auf Stirn, Wangen und Mund und rief: „Mein Sohn! — Mein Sohn!"
Und Mutter und Sohn hielten sich lange zärtlich umfangen. Nicmarch störte fie. Es war eine feierliche Stille.
Der enge, düstere Kerker beengte fie nicht. Die Liebe schmückte ihn zum strahlenden Königspalast; die Freude schlug ihren goldenen Thron aus.
Kurts Mutter machte sich aus den Armen Ihres Sohnes frei und sagte: „Erzähle mir aus Deinem Leben, Kurt! Ich weiß ja nichts von Dir und von Deinen Plänen."
Er tat es, so gut es in Eile ging, und sie hörte ihm mit Andacht zu; sie betrachtete immer wieder aufs neue diesen schönen Männerkopf, in den das Leben seine Runen eingeschnitten hatte; fie streichette seine Hände, und als er ihr seine Jugendsünde bekannte, da weinte sie und sagte: „Daß wir doch alle irren und fehlen muffen! Das scheint ein Naturgesetz zu fein! Aber ach, die Buße ist hart; jedes Vergehen rächt sich so bitter und grausam. Mit unfetm Herzblut müssen wir jede Schuld bezahlen! — Und wenn ich bedenke, in welcher Lage ich mich befinde, möchte ich verzweifeln. Denn ich habe meinen Sohn gefunden — und ich bin doch durch einen Abgrund von ihm getrennt. Man hält mich für eine Mörderin; man wirb mich vielleicht verurteilen."
„Nein, das wird man nicht," unterbrach Kurt feine Mutter. „Ich werde Dich dem ehernen Gesetz entreißen, wie man ein Lamm dem Rachen des Löwen entreißt. Verzage nicht, Mutter! Habe Mut! Ich werde an Deiner Seite stehen und für Deine Unschuld kämpfen und Dich niemals verlassen, niemals! Denn uns beide umschlingen nicht nur heilige Bande des Blutes: uns hat das Unglück zusammengefchmiedet. — Jetzt aber muß ich gehen, muß handeln."
in erster Linie gegen die konfessionelle E i f er- sucht sich zu wehren hatte, ba in Sachsen, Braunschweig ufro. bie katholische Minderheit zurückgefetzt und beeinträchtigt würbe zu gunsten der protestanti- schen Mehrheit, deren Bekenntnis als Staatsreligion geltend gemacht werben sollte. Jetzt haben bie positiven Evangelischen keinen Anlaß mehr, Front zu machen gegen den katholischen Wettbewerb, den der Evangelische Bund so sehr fürchtete. Vielmehr sind sie selbst zu „Objekten des neuen Kuüurkampses" geworden und' haben mit den Katholiken zusammen die religiös-sittlichen Interessen zu verteidigen, die von radikalen Gegnern der Kirche und des Religionsunterrichtes angegriffen werden. Es handelt sich nicht mehr um einen Kampf zwischen den chcistfichen Religionsgemeinschaften, sondern um den gemeinsamen Kampf gegen den gewalttätigen Unglauben.
Daraus erklärt sich auch das Zusanimengehen, das man bei den jüngsten Wahlen vielfach beobachten konnte, und das in diesem Umfange unmöglich war, so lange der Geist des Evangelischen Bundes auf protestantischer Seite den Ton angab. Demgemäß war es auch ganz natürlich, daß bei der Interpellation in Weimar bie Evangelischen von der Recht, n den Dor- ttitt nahmen.
Die kräftige Rede des konservativen Abg. Mumm und die klassische Rede unseres Parteigenossen Prof. Mausbach ergänzen sich vortrefflich, und man kann nur wünschen, daß der Zusammenschluß der christlich gesinnten Protestanten mit den Katholiken immer fester wird, und immer weiter in den Wähler- kreisen zur Geltung kommt. Je gründlicher mit den Resten des alten konfessionellen Kulturkampfes aufgeräumt wird, desto besser die Aussichten für den neuen Kulturkampf, der die Entscheidung zwilchen Christentum und modernem Heidentum bringen soll.
Zum guten Vorzeichen nehmen wir auch gern die Rede des demokratischen Abg. Weitz, der trotz seines liberalen Standpunktes entschieden brr. Religionsunterricht als unentbehrliches Erziehung? mi 'rl gepflegt wissen will und den Sozialdemokraten zurvft, sie sollten Verständnis haben für die verbrüdernde Kraft des gemeinsamen religiösen Gedanken?.' Wenn In den fi- beralen Kreisen der Wert der religiösen Erziehung und das gute Recht der christlichen Eltern ehrlich anerkannt und vertreten wirb, so dürfen wir hoffen, daß von dem preußischen Schulgesetz, das seinerzett mit Hilfe der Nottonalliberalen zustande kam, das helfe noch hinübergerettet wird in die neue Zeit. Aus der Parole vom Abg. Weiß: „Vom Materialismus zum Idealismus!" kann ein breites Fundament für die Einigung der besonnenen Volksgenoflen sich ergeben.
Sm übrigen sollten auch die sozialdemokratischen Machthaber aus ben Wirren bet Zeit erkennen, daß cs jetzt dringlichere und bessere Aufgaben gibt, als einen neuen Kulturkampf in Kirche und Schule zu entfesseln.
Das Brüffeler Abkommen.
wtb Berlin, 15. März. Die Abkommen über die Lebensmittelversorgung Druischlands, über deren Finanzierung und über die Zurverfügungstellung der deutschen HandelSffotte sind nach zweitägigen Verhandlungen in Brüssel unterzeichnet worden.
Nach den Vereinbarunaen über die LebenSmittel- lieferungen soll Deutschland, sobald die Schiffe bereit sind in See zu gehen und sobald die Bezahlung geregelt ist, die ersten LevenSmittel inHoho von 270 000 Tonnen sofort geliefert erhalten. Deutschland hat weiter dos Recht, monatlich bis zu 700000 Tonnen Fett und 300 000 Tonnen Brotgetreide oder ihren Gegenwert in ' anderen menschlichen Lebensmitteln zu kaufen oder einzuführen, und zwar nicht nur auB teert?« und den Ländern der Entente, sondern auch aus neutralen Staaten. Die Einfuhr von Fischen aus Fängen in europäischen Gewässern und die Einfuhr von Gemüsen sollen hierbei nicht in Anrechnung gebracht werden. Die Einschrän. kung hinsichtlich des Fischfang» in der Ostsee wird sofort aufgehoben. Zahlung fall auf jede Lieferung int Voraus erfolgen. Die Versorgung der linksrheinischen Gebiete soll in der gleichen Weise, wie die des
Sie klammerte sich an seinen Arm und schluchzte: „W:e^— Du willst mich verlasi/n?"
„Sch mutz," gab er zurück. „Hier kann ich nichts für Dich tun; draußen aber werde ich fiir Dich kämpfen und Dir die Freiheit erwirken. Sch Hal» eine Spur gefunden, vermag Dir aber vorderhand nur das eine zu sagen: Hoffe! — Hoffe! — Gegen Abend kehre ich zu Dir zurück."
„Ach," sagte fie, „Du baust vor meinen Augen ein goldenes Schloß auf, das vielleicht schon zusammenstürzt, ehe der nächste Morgen kommt."
„Hast Du so wenig Bertrauen zu mir?" rief er. „Wenn das Märchenschloß einstürzt, dann bin ich an Deiner Seite, dann soll es auch mich unter seinen Trümmern begraben.“
Da küßte sie ihn herzlich auf bie Wangen und sagte: „Du hast recht, Kurt, ich will nicht kleinmütig sein, sondern Dir vertrauen. Es war nur eine augenblickliche Schwäche; jetzt bin ich wieder stark und mutig und baue auf Dich und Deine Kraft. Und was auch geschehen mag — ein Glück bleibt mir, und niemand kann es mir rauben: Deine Liebe!"
„Lebe wohl, Mutter! Ich komme wieder!"
„Vergiß nicht, daß ich die Stunden und Minuten zähle, bis Du wieder zurückkehrst. Auf Wiedersehen!"
Noch eine Umarmung — bann ging er. Die Tür fckiioß sich hinter ihm, und die Gefangene war allein mit ihrem Leid. Aber die Hoffnung stand wie ein lichter Engel an der Schwelle und blickte sie mit ihre« Himmelsaugen lächelnd an.
21. €in Lude mH Schrecken.
Es war inzwischen Mittag geworden, als Kurt von Seefeld bei dem Untersuchungsrichter dnfrat und ihn um eine Unterredung bat. — „In der Untersuchung gegen die des Mordes angeflagtc Musik- und Sprachlehrerin Johanna Berg hat sich eine unerwartete Veränderung vollzogen," sagte er. „Ich bin imstande, die Unschuld der Dame zu beweisen, ba ich eine Spur oefunben habe, bie auf dem kürzesten Wege zur Entdeckung bes wahren Mörders führt. Ich ersuche Sie, diese Spur unverzüglich aufzunehmen und ben Verdächtigen zu verhaften."
Und er entdeckte dem Richter seine Derbachtsgrunde und nannte die Namen — Ada Marzella und
rechtsrheinischen Gebiete» erfolgen. In Rotterdam soll ein ständige Kommission die kaufmänntschen und sonstigrn Fragen, die sich au3 dem Abkommen ergebe», regeln. _
Tie nach Deutschland eingcführten Waren «tunen bar bezahlt werden, wöbe: Zahlungen in Renw.- mar£ ausfchciden. Für die Dezablima kommen m Bc- eracht die Erlöse von Ausfuhr aus Lcntichland, iprvte Labungen in deutschen Schiffen in neutralen Häfen, Kredit: in neutralen Ländern, Verkauf oder Verpsan- bunrt ariSländiscknr Wertpapiere und Anlagen, Frachten deutscher Schiffe und schließlich Gold, das als pro- visorifche Sicherheit für Vorschüsse dient. Da die apo- ziierten Regierungen über 270 000 Aonne-n henau.- keine Liefcrverpflichtungen übernehmen und nur eine Einfuhrerlmibnis von je 370 000 Tonnen monatlich gebt, n, muß Deutfchland damit rechnen, den Versuch zu machen, einen nicht unerheblichen Teil der • Lebensmii- tel von den Neutralen zu kaufen Es sind daher Besnuunnngen über die Ausfuhr nach neutralen Ländern und die Verwertung von Gold nnd ausländischen Werlpapiercn für Kredite für Nahrungsmittelein- fuhr aus neutralen Ländern getroffen worden. Die Bestimmungen über den Verlebe mit den neutralen Ländern, insbesondere die Ausfuhren und den Finanz- Verkehr enthalten verschiedene Klauseln, insbesondere werden die asioziicrten Regierungen Liften übet Waren deren Ausfuhr verboten ist, einhändigen. Auch tft das System der Schwarzen Listen in den neutralen Ländern noch nicht aufgehoben, nbgietäf btffen Milderung erwogen wird. Die assoziierten Regierungen haben entscheidenden Wert darauf gelegt, daß Deutschland die LebenSmitteleinfuhren möglichst dutch Ausfuhr finanziert. Es ist dccher bestimmt worden, daß abgesehen von der Bezahlung der bereits früher fest zugesagten 270 000 Tonnen Gold und ausländische Wertpapiere einstweilen nur nn Betrage von 200 Millionen Dollar für ■ die Bezahlung der Lebens- nsittcleinsubren berirertet werden dürfen.
Ferner haben die assoziierten Regierungen, um auf die Belebung der industriellen Ausfuhrtätigkeit tntb damit auf die Wiederherstellung der inneren Ordnung in Deutschland einzuwirken, verlangt, daß die Einfuhren niemandem zukommen dürfen, der infolge eigenen Verschuldens arbeitslos ist. Tie deutsche Regierung hat sich schließlich bereit erklärt, in Brüssel ein Depot von 11 Millionen Pfund Sterling in Gold zu hinterlegen, bannt mit der Lieferung von Lebensmitteln sofort begonnen werden kann. Tas Depot ist zurückzugeoen, sobald andere Mittel bereitgestellt werden. Die assoziierten Regierungen verlangen fermer, daß iisit der Beschlagnalime der ausländischen Wertvapiere sofort' vorge- gmigen wird. "Turch die bislang von den assoziierten Regierungen anerkannten ZahlMigSmittel wird ehna nur die Hälfte der Lebensmittel Zu decken sein, deren Eintuhr nach Deutschland gestattet ist. Die Frage der Deckung des RcsteS uiutz späteren Verhandlungen vor- bchalten toerben.
Das Abkommen über die Zur Verfügung st el- lung der Flotte enthält die Ausfüürungsbestim- tnungen zum Trierer Abkomuren. Hierbei sind einige Zusogen gemacht Morden. Insbesondere sind getvnse Äusnahmeii, wenn auch vorläufig nur vrobisorisch. zu- gestanden worden, ebar.so bezüglich der deutschen Mann- schafteu imb der Schiffsladungen. Auch bie Frage dcS Delegierten ist in einem Sinuc entschieden worden, der cm Arbeiten desselben erhoffen läßt. j
Der wesentliche Uuterjchied dieser Bereinbarutrgen gegenüber den bisherigen Verhandlungen liegt darin, daß die assoziierten Regierungen nicht Drutschl«w» die Lieferung einer bestimmten Menge von Lebens- Mitteln garantieren, sondern das Recht etntäu- men, Lebensmittel in der Höchstmenge von 370,000 Tonnen monatlich durch selbständige Abschlüsse von Verträgen in ben feindlichen oder neutralen Staaten einzuführen. Die Erhaltung der Kreditfähigkek Deutschlands gegenüber diesen Ländern ist daher die Voraussetzung für die Möglichkeit der Ausnutzung der Einfuhr-Erlaubnis, unb deshalb ist unsere wichtigste Aufgabe, jetzt für möglichste Steigerung der Ausfuhr von Rohstoffen und industriellen Erzeugnissen zu sorgen.
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Die Hungrigen bekommen jetzt etwas Hoffnung in das Herz, doch der Magen wird sich noch gedulde» müssen. Wenigstens noch einen Monat.
Der erste Posten von 270 000 Tonnen, die uns die Entente zugesagt hatte, soll nach ausländischen Btätlermeldnngen Mitte April eintreffen. Dann sol-
Sandor Petrowsty! Aber er stieß auf unerwarteten Widerstand. — Der junge Streber, der die llnterfuch- ung führte und von dem Erfolg seiner Tätigkeit eine rasche Beförderung erhoffte, sah sich durch den (Eingriff eines andern plötzlich aus einer fichern Stellung verdrängt. Er hatte die Anklage gegen Johanna Berg fix und fertig in seiner Aktenmappe und sah fie im Geiste schon verurteilt — sich selbst aber zum Staats- anwalt befördert.
Da kam dieser vorlaute Herr v. Seefeld und warf alle Pläne und kühnen Hoffnungen über den Hausen. Er wünschte chn ins Pfefferiond oder auf den Mond und nannte ihn in Gedanken einen Prahlhans.
So sträubte er sich denn energisch gegen Amts Verlangen und normte die Lerdachtsgründe, insbesondere bie Entdeckung des Parfüms von Ada Margella im Wohnzimmer Der Ermordeten, einfach lächerlich. Sie disputierten wohl eine halbe Stunde lang miteinander, bis Kurt der unerquicklichen Redeschlacht mit den Worten ein Ende machte: „Nach dem Gesetze find Sie verpflichtet, die von mir oorgebrachten Entdeckungen zur Senntiiis zu nehmen und danach zu handeln. Falls Sie dies verweigern, machen Sie sich einer schwerer: Pflichtverletzung schuldig, und ich erhebe Einspruch im Namen meiner Klientin gegen ein solch einstiges Verhalten, das -ugleich eine Ungerechtigkeit in sich schließt. Wenn Sie sich noch länger meiner Forderung widersetzen, so werbe ich stehenden Fußes ?u dem Gerichtspräsidenten gehen, ihm von meinet Entdeckung Mitteilung machen und zugleich ehren Geheimpolizisten bestellen, um auf eigne Faust die Fährte weiter zu verfolgen. Sie können bann meinetwegen Frau Johanna Berg zehnmal verurteilen und fchuDig sprechen — ich werbe inzwischen langst ihre Unschuld bewiesen und ben wahren Mörder gefaßt haben."
Diese Drohung blieb nicht ohne Einte.'' auf den Umersuchungsrichter, machte ihn stutzig ur unsicher. Er lenkte vorsichtig ein und erklärte sich sci uctzlich be- «H, mit Kurt v. Seefeld und einem Kriminalkommis» sör in bie Wohung des Sandor Petrowsky zu gehen. Darüber verging wieder eine halbe Stunde, und es ging schon auf ein Uhr, als sie endlich in einer Droschke saßen uni) durch die Straßen Berlins fuhren.
(Fortsetzung