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SamSI-a, 15. Mär; 1019.

F^uld Zer Zeitung

Druck bet Fuldaer Actieudrulkerei in Fuld»

Der neue Berliner Spartakusausstanv.

Unser Berliner Vertreter schreibt uns: *

Bon unferm Berliner Vertreter. Die Spartakisten, -der. tote sie sich neuerdings nennen, die Kommunisten, joben wieder ein furchtbares Blutbad in Berlin ange- -jchiet. Durch Ueberrumpelung der mehrhcits - so­zialdemokratischen Arbeitersckiaft und mit tätigster Un- terstiitzung der Unabhängigen haben sie einen Gene- rat streik inszeniert, wie er verworrener und un­seliger und darum unverantwortlicher und frivoler in her Geschichte der deutschen Arbeiter-Bewegung noch nicht existiert hat. Von vornherein waren wirtschaftliche Beweggründe keineslvegs ausschlaggebend, denn schon mehrere Tage vor dem Generalstreik hat die Reichs- regierung alle diejenigen Erfordernisse erfüllt oder ihre Erfüllung in Angriff genommen, welche erhoben wor­den waren. Es ging den Berliner Kommunisten um niwts at.cderes, als um die Eroberung der poli. zische n Macht im Reiche.

Las Signal zum Aufstand sollte der Generalstreik neben. Eine Proklamation war für das verbrecherische, lichtscheue Gesindel, das jetzt neuerdings durchaus nicht mehr lichtscheu ist, das Stichwort, um zu den Waffen zu greifen und der Bevölkerung der Millionenstadt von neuem einen neuen blutigen Terror aufzuzwingen. Gleichzeitig tobte sich dieser Pöbel in feinen niedrigsten Instinkten aus: ES wurde geraubt und geplündert, wie es in den von wildesten Kriegsstürmen heimgesuch- ien Gebieten nicht schrecklicher zutage treten konnte. Ganze Straßenzüge, ganze Stadtviertel sind ausgeraubk und große Warenhäuser, wie Wertheim und Tietz am Nleranderplatz und eine Unmasse Läden, namentlich Gold- und Kleiderläden, sind ausgeplündert worden. Be­waffnete Horden, oft aus halbwüchsigen Burschen und <ni$ Weibern niedrigster Sorte bestehend, haben die Privatwohnungen gestürmt und alles, was nicht mit- genommen werden konnte, in Trümmer geschlagen. Biele Tausemde von Menschen mußten flüchten ohne etwas anderes mitnehmen zu können als das, was sie am Leibe trugen. Auf großen Listwagen wurden die geraubten Waren, noch dazu unter dem .Schutz" bmi Soldaten des Roten Soldatenbundes und eines Teiles der republikanischen Coldatenlvehr, der sich gegen die Regierung gestellt hatte, zu den unterschiedlichen Kehlern geschleppt.

Das Grauenhafteste, was Berlin in diesen Tagen wieder sah, waren Straßen sch. lachten von nie erhörter Heftigkeit. Die Kommwe.isttrn hatten das Vier- tel am Alexanderplatz zu ihrem Stutzpunkt gemacht. Sie verfügten über alle modernen Waffen, sogar über Lang, rohrgeschütze. Die gräßlichsten Kampfmittel mußten von den Regieriingstruppen angewcmdt iverden, um den hartnäckigen Widerstand der Spartakisten zu brechen. Reben schweren Haubitzen mußten Minen bis zu 2 Zentnern, also Geschosse von furchtbarster Wirkung an­gewandt werden, um die starken Barrikaden und die gewaltigen Verschanzungen zu zerschmettern. Dazu entwickelten sich regelreckste Fliege rschlachten. Regie- rungsflieger in gepanzerten Flugzeugen leiteten das Feuer und griffen mit Flugzeugboiuben in die Kämpfe gegen die Spartakisten ein. Viel Mut ist aefloffen Tie Zahl der Toten und Verwundeten übersteigt Die Zahl von Tausend. Der Schaden, lucldjer durch die Zerstö- tungan im Straßenkampf allein an Häusern und Jn- neneinrichtiingen angerichtet worben ist, beziffert sich auf etwa 50 Millionen Mark. Auf etwa den gleichen Betrag wird der Wert berjenigem Waren und Gegen­stände gesckteitzt, welche von den Spartakisten geplündert worden sind. Ter Kampfplatz bietet einen schauerlichen Anblick. Ganze Strahenzüge weisen kaum ein einziges heiles Fenster mehr aus. Tie Läden sind zerschossen oder erbrochen, die Wohnungen von einschlagenden We» schoflen entsetzlich verwüstet. Wenn man das alles sieht, ersaßt einen der Schauder bei dem Gedanken daran, daß diese Verbrcckerbande die politische Gewalt m Deutschland an sich bringen könnte. Tann wäre für jeden Verbrecher, für jeden Dieb und Plünderer der Freibrief ausgestellt.

Die, Unmenschlichkeiten, welche sich die Spartakisten mich bei diesem Kampf haben zu schulden kommen lassen, sind von einer geradezu bestialisäten Art.wie man sie 'm furchtbarsten Wahnwitz des Krieges nicht einmal kannte. Mannschaften und Offiziere der Regierunas­truppen, welche in die Gefangenschaft der Spartakisten geraten sind, wurden förmlich hin geschlachtet. Offiziere wurden von den Rasenden buchstäblich in Stücke ge­rissen. Ein junger Offizier tourbe von drei bewaffne- ten Bolschewisten auf die Seite gebracht. Man ließ bon Hunderten von johlenden Burschen und Weibern einen Halbkreis bildem, stellte den Offizier an die Wand und dann schlug einer der Spartakisten mit dem Kal- den den Offizier auf den Kopf. Als er sich einiger» jMjen erholt hatte, warf ein anderer Spartakist vor den stöhnenden Offizier eine Handgranate, die ihn in taufcnb Stücke riß. Und das alle-! unter dem Triumph, «eheul einer vertierten Masse. Was würde dem deut- scheu Bürgertum alles blühen, toenn diese Elemente Hu# Ruder kämen I

Es kann nicht genug gebrandmarkt werden, daß die» fem verbrecherischen Gesindel die Unabhängigen den Steigbügel gehalten haben. Sie haben diesen wil- at1 Generalstreik, der über Hunderttausende maßloses «lend brachte, nicht nur mit in «Scene gesetzt, sondern 7« haben ihn zu verlängern gesucht Durch ihr Ver- ^uhr der Spartakisten begünstigt und die Vorkommnisse, während dieser Bewegung sich ereignet haben, find auf ihr Konto zu schreiben. Das Ungeheuerlichste, »as sich die Unabhängigen leisteten, war jener, von

ihrer 300 Mann starken Fraktion mit nur 5 ablehncn. den Stimmen gefaßte Beschluß, den Millionen der Ber­liner Bevölkerung die Wasser-, Gas- und Elek­trizitätszufuhr abzusch neiden. Kann man sich etwas Mahnsicmigercs, etwas Verbrecher sckteS denken, als auf diese Weise das Leben vo.n Millionen zu gefährden? Roch wurde im letzten Augenblick durch Regierungstruppen der schamlose Plan vereitelt, aber scl'on waten woh cr~cm:fie-ie Banden bereit, die Plün­derer- und Verbrecherfreiheit auszurufon. Tas Ab- schneiden des Wassers würde geradezu das Todesurteil von Tausenden von Kranken und Stecken bedeutet ha­ben. Und dies alles haben die Unabhängigen, bewußt der ungehuertichen Folgen, über Millionen ihrer eige­nen Volksgenossen verhängen wollen. Und weshalb? Rur um auf solche terroristische Weise das Bürgertum zu Boden zu knütteln und es widerstandslos und ge­fügig für die politischen Machtansprüch« der Unabhän­gigen und Kommunisten zu machen.

Der. Plan, der nach dieser Richtung hin ging, war ja mit besonderem Raffinement ausgedacht. Mit Waf­fengewalt sollten der Reihe nach die großen öffentlichen Gebäude Berlins in die Hände der Spartak sten ge­bracht und als starke Festungen ausgebaut und gehal­ten r f-i'cn. Vom ^oli-eipräsidimn am Alexanderplatz aus sollte in das Stadtinnere vorgedrungeii und das schloß, die Linden, die Ntegierungs-Gebäude in der Wilhelmstraße, das Brandenburgertor und dann der Reickstag in die Hände der Aufrührer gebracht werden. Dann, und zwar am 5. Tage des Aufstandes die betreffenden Pläne, in ganz ausgezeichneter Ausarbei­tung sind in die Hände der Reaierungstruppen gesal- len also Samstag, den 8. März, sollte die Räte­republik für Tentschland ausgerufen werden. Dar­aufhin sollte sofort die Verbindung mit den russischen Bolschewisten ausgenommen und die Grenze für ihren Einmarsch geöffnet werden. Das also haben die Korn- munistsn, von den Unabhängigen unterstützt, mit dem deutschen Volke vor. Tie Verwirklichung dieses Planes wäre das Todesurteil für die gesamte deutsche Staats­und Volkswirtschaft gewesen. Würde sie zur Durch- führung gekommen fein, so wären heute die Privat- vermögen an beweglichen und unbeweglichen Gütern keinen Pfifferling mehr wert. Das aber wollen die deutschen Bolschewisten: Sie wollen das deutsche Wirt­schaftsleben vollständig vernichten, um dann eine neue Wirtschaftsordnung nach ihren eigenen Ideen und An- »chaunngen aufzurichten, die aber nichts anders als die Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz eines jeden unter uns bedeuten würde, während sie den Kornmu- nisten einen Freibrief für alles das, was ihnen gut dünkt, geben würde.

Jetzt ist es noch einmal gelungen, wenn auch um ter ge­waltigem Kräfteaufwand und unter blutigen Opfern, die uns selbst in den wildesten Kriegstagen erschreckten, den Aufstand nieder zu werfen. Dürfen wir aber dar- un, glauben, aller Sorgen für die Zukunft enthoben zu fein, dürfen wir uns der Hoffnung h »geben, daß die Gefahren gebannt stad? Mit nichten l Tie Wühle- rei wird weiter gehen, man wird neue Vor­bereitungen für neue noch größere Putsche treffen und die Unabhängigen und Kommunisten haben ihre dahin­gehenden Absichten in den Berliner Versammlungen ja auch ganz offen ausgesprochen. Vor dem gämlicken Ruin fei n uns nur eine gründliche Ordnung und Ar­beit, politisch und wirtschaftlich, retten.

Tie Gefahr, in der wir schweben, ist ungeheuer ernst. Wir müssen sie immer vor Augen haben ,bei allem, was wir jetzt in wirtschaftlichen und politischen Singen un­ternehmen.

Kuszug aus dem Standesamts-Register

des Standesamtes Fnlda.

Sterbefälle in der Zeit vom 7. bis 13. März 1919.

6. März: Privatin Witwe Maria Margareta Therese Zimmer, 75 I 4 M 21 T. 6. Schüler Friedrich Eduard Sipp"l, 8 $. 9 M. 24 T. 7. Schülerin Anna Henrich aus Dorfborr-, 11 & 11 M. 19 T. 8 Ehefrau Rosa Virk geb. Backrach, 49 I. 9 M. 26 T. 8. Scküler-n Wilhelmine Antonie Maria Pfeiffer, 13 I. 8 M 4 T. 8. Musiker Jakob Beier, 36 I. 1<> M. 5 T. 9. Witwer Aemilian Krönuna, 80 I. 6 M 26 T. 9. Franz Albert Buße aus Reuenbera, 1 M. 5 T. 9. Babnarbeiter Adam Svahn aus Tiefengruben, 17 I. 6 M. 21 T. 12. Karl Albert Dick »berget, 8 M' 26 T 12. Ehe-' fran Josepha Ramb geb. Spahn, 70 I. 6 T 12 Majors. Witwe Anna v. Todenwarth geb Merz, 86 I. 8 Li. 7 T.

GottesdienlLorsnnng.

Katholischer Wottosdienst.

Sonntag, 16 März. Dom. >/,6. 6. V,7 u. 7 M., V»7 M. i. d. Marienk. u. float, d. Jüngl.-Sod u d christenlehrpfl. Jün ck., 8 Pfarramt m. Um l, Pr n S . /ilO Kathedralarnt m. Pr., 11 Ehr, V.12 M. m. Pr, */,2 ?I. z Ehren ö. hl. Joseph, 2 Cgr^. 4 Fastenpr. u. A., 7 81. l Ö. Marienkapelle. (Montag u. Dienstag nachrn. 5 A. z. Ehren d hl. Joseph. Mittwoch Fest d. hl. Joseph. Ty« Pfarrgottesdienst m. Segen. Donnerstag abends 8 Fastenpr. u. A. Frei.ag nachrn. 6 Kreuzwer-A.) Stabt» Pfarrkirche. 51/. float., 5/« M., 6-/« M. u. Kom. d. Jungl., 8 M. u. Pr. (1 Schulgd.l, 9*/s P arramt u. Pr.. 11 M. u. Pr. (2. Schulqd.si 9*, A. f. d. Jünal.-Sod i. d. Severik., IV, Ehr. f. d. Juni fr., 2V, Quatember- A, 6 A. z. hl. Joseph. - Pfarrkirche znm hl. Grifte. ,;«7 Kom., 7 Fruhm., 8 Pr. u. Amt m. Kom., 5 Pr u. kurze A. Mittwoch» 5 K.-A. Srvrrikirche. >/,7 M Michaelskirchr. (Vollk. Ablaß) Vorfeier des St. Josephs- festes. V,7 M. u. Aust. d. Kom., 8 Amt m. Pr.

Unpolitische Zeitläufe.

N. Berlin, 12. März 1919.

in

~u6 wirklich sein deutsches Haupt in ver- Stes.u Schmn verhüllen, wenn sich so viel Sntsetz'iche °r>eit int eigenen Volke zeigt 1 Ich habe an dieser M»n _ über die wachsende Verrohung geklagt. K,?'»rotzstadt hat ihr verwahrlostes Gesindel; die sog unh - ®rtIin erst recht. Doch einen solchen Grad « Mas>e an bolltschex Verrohung hatte

Mrr doch nicht träumen lassen.

^ct Russe sich kratzt, fornnrt der Tatar zum «i*! ^üher ein Franzo,e gesagt, als er noch

tu* .Rußland den Bruderkuß ausgetausckt hatte deutsche Volk hat manchmal gesagt: Gott ich datz ich nicht bin. teig dieser Russey Ach,

Streik der Aufruhr. LuS dem Stegen «e Träufel

Bricht bet Keuchhusten in der Kinderstube aus, Mi die Eltern sehr.

MtiS hinterher, fe erschein liebel m milbrrpm

, _______ so

Vern sich die Eltern sehr. Kommt aber die Tiphthe- £ hinterher, so erscheint der Keuchhusten alS das "einere Uebel ht milderem Licht. Wenn es doch nur vetn, Streik geblieben träte l Auch die Plünderungen ?atte man noch mit Fassung ertragen. Doch dieses an» «ttcnhe Blutvergießen, dieser organisierte Bruder- MVw, diese Massenabschlachtung an deutschen Mitbür- ?r.n> dar sind entsetzliche Dinge, die daS Herz noch erschüttern als die Nachrichten von den Kampf» ^wtzfn in Nordsrankreich. Wenn zwei regelrechte Heere m^manderstoßen. so nimmt man daS als eine weit» veschtchtlichx Notwendigkeit hin; jeder Teil tut int Waf- wtontpf feine vaterländische Pflicht; das Ringen hat » ritterliche» Charakter Aber was diese Sparta» landen an richten, das hat keinen Sinn und Wer» keine Zuckst und keine Ehrlichkeit; das ist ein yemisch von Verbrechen und Dummheit, ein wahnsinrii- % eiben, das schließlich in Bestialität und wahre Takelet auslöuft. Keines von diesen Worten ist zu wjn angesichts der Tatsache, daß die Spartak sten Be- « u Soldaten, die sich ihnen hatten ergeben müs- erbannungSlo» erschopen haben, daß überrumpelte itnrf. en' b*e um *6r Leben baten, auf der Straße auSgezogen und dann zu einem blutigen Brei x. ramp,lt worden sind, auch von weiblichen Füßen im **uetn der Kinder.

lassen wir nur unser pharisäisches Selbstbewußtsein fahren. Es gibt -Deutsche", die noch schlechter sind, als die schlechten Russen.

. Heuchler im Hinterhalt versichern fortwährend m falschem Brustton, sie hätten mit den Plünderungen und den Gewalttaten nichts zu schaffen, sie wollten nur burch den friedlichen Streik den Volkswillen zur Gel­tung bringen. Sie wußten natürlich von vornherein vtel besser als wir, daß ein Generalstreik in Berlin zu Tumulten, Plünderungen und Aufruhr fuhren würde. Grade deshalb wollten sie den Stre'k, um eine Ueber- rebolufio» in Gang zu bringen und so die verhaßte Regierung Ebert-Scheidemann zu stürzen. Als der Streik in der vorigen SPode nicht allgemein werden konnte, stimmten die Unabhängigen in der Streikleitung für Die Stillegung der Licht-, Kraft- und Wasserwerks, damit das Volk in Massen zum Aufruhr auf die dunklen Straßen gehen sollte. Allzu scharf macht schartig. Diese verbrecherische Zuspitzung der Streikparole führte in« !°yr!tr ?um Umschlag, als nun endlich die Mehrheiis- soztal.sten. die sich bisher batten betölpeln lassen, den . k^sk aufgaben. Ter Umschlag kam aber zu spät, da inzvpchen schon der Aufruhr von den Spartakisten in kräftigen Gang gebracht war. Tie Verantworilichkeit für das Unheil fällt mit voller Wucht auf die unabhän- gigen s rabrzielssr; sie haben es möglich gemacht, daß vwie Hunderte von Menschen getötet, tausende v rwun- det und Güter im Werte von 50 bis 100 Millionen nermdjtet wurden. Alles nur zu dem Zweck, daß sie selber wieder anis Ruder können. Alle Kriegsgewinn- ler aus den Vorfahren sind nicht ha'b so verächtlich, wie riete Leute, die aus dem Bürgerkrieg ihren blut­befleckten Anteil ziehen wollen.

. Hoffentlich gelingt es ihnen nicht; denn die Re­gierung hat nun endlich (immer wieder mit der heil- '° £n .^,er3?f!eiun?\ sich znm Turchgreifcn verstanden. Auf den spartakistischen Gefauacnenmord wurde mit her Verkündigung des Standrechts geantwortet, und was die Hauptsache ist, das Standrecht wird wirklich angewendet durch Erschießung der Aufrührer, die be- waffnet und kämpfend angetreffen werden. Anders ist der Trotz dieser Buben nicht zu brechen

Darf man die Schuld auf das russische Geld und die russischen Verführer schieben? Allerdings sind Millio­nen von Rubeln und von Hetzschriften über die Grenze gebracht worden, um Deutschland bolschewistisch zu ver- scuchen. Ker jetzt un (Lejüriguis fitzende Radek fowie ,

Nachmittags 2 Bruderschaft und Prozession. Nonncnkirche. Nachm. 2 Herz-Jesu-Bruderschafts-Ver- tarnmlung. An Sonntagen vorrn. 10, an Werktagen vormiit 9 Hochamt, an Sonn- u We.tta ien nachm. 3 Vesper. Herz-Jesu-Heim 6 M 8 Amt mit Predigt, 2 u. 8 A. Mittwoch 8 abends A. Frauenberg. M. v. 57, 8 Bruderschafism. m. Pr. u. Joiephs-A., 9 Hochamt m. Pr., nahm. 2 Pr. u. A. f. d. Tertiären mit Einkleidung und Profeßabnahme.

«vaugettlcher Gotresdlen».

Sonntag, 16. März. Bonn.9>aWeber, 11 Kinder, goitesdienlt, nachm. 2 Becker.Bleberstei». Vorm. 9 Reich.

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der

15. Marz 1919.

Bezugnehmend auf die am vergangenen Samstag kannt gemachten Bestimmungen über Zusahnah- rnngsmitfei für Kranke wird mitgeteilt, daß nicht nur für die Folge jeder höhere Antrag nach Maßgabe der Bestimmungen herabgesetzt und jeder unberechtigt ge­stellte ohne weiteres gestrichen werden muß, sondern daß auch alle lausenden Krankenzusatzkarten einer so­fortigen Nachprüfung unterzogen und ebenfalls den Bestimmungen entsprechend berichtigt werden müssen. Ein unberechtigter Bezug von Zusatznahrungsmittel zum Schaden der Allgemeinheit kann bei unserer augenbliälichen Ernährungslage nicht zugebilligt wer­den.

Aus besonderen Gründen soll die allgemeine $elt- verleAung für die nächsten beiden Wochen durch Bor­anmeldung mittelst der Verteilungskarten, also genau wie bei Graupen, Grieß, Suppen, Nudeln usw., erfol­gen. Die ansgegebenen Aetikarken für die kommen­den beiden Wochen (Nr. 12 und 13) werden daher hierdurch mil Ausnahme der Srankenkarlen für un­gültig erklärt: die Krankenkarten sind, wie bisher, durch die Geschäfte einzureichen. Mr die kommende Woche ist die Anmeldekarte Nr. 82 zu benutzen und an die Nahrungsmittelstelle einzusenden. A n Melde­schluß: Wonlag, den 17. März. Einzusetzen ist die wirkliche Kopfzahl.

Es wird dringend gebeten, sich richtig (auf Derlei- lungskarte 82; die für Bohnen nicht benutzte Anmelde­karte 81 ist zu vcrnickten) und rechtzeitig anzumelden: eine Gewähr für die Bedienung von Nachzüglern wird nicht übernommen. Die auszuteilende Menge kann erst in der nächsten Woche verteilt werden.

Das Haushaltungsmehl für die eingereichten Ab­schnitte Nr. 9 bis 13 und die eingemachten Bohnen aus der Verteilung 81 können Ende der Woche in Empfang genommen werden. Der Preis für die Boh­nen stellt sich nach inzwischen erfolgter genauer Be­rechnung auf Mk. 1,10, für das Mehl auf 28 Pfg. das Pfund. Als weiteres Konservierungsmittel für die Bohnen wird das Einwecken empfohlen.

Derleilung Nr. 83.

Voraussichtlich werden Haferslocken, Suppen und Kaffee-Ersatz vertellt; die Mengen werden noch be­kannt gegeben.

Anmeldungen auf Verteilungskarte 83 an die Nah­rungsmittelstelle; Anmeldefchlutz: Dienstag, 18. März.

Es wird dringend empfohlen, sich zu den Verkei­lungen regelmäßig anzumelden und die Ware gegebe­nenfalls für späteren Verbrauch zurückzustellen; die Ernährungsaussichlen für die Zukunfk sind sehr trüb.

Eier-Verleilung:

Die Abschnitte Nr. 2, 3 und 4 sind sofort den Ge­schäften zu übergeben. Abgabeschlutz: Dienstag, den 18. Mörz.

Abliefenmg durch die Geschäfte bei der Nahrungs­mittelstelle: Donnerstag vormittag. Die Eier werden voraussichtlich nichl auf einmal ausgeteilt: gegebenen­falls lasse man sich von den Geschäften eine Beschei­nigung über die eingelieferten Abschnitte ausstellen. Auf die aufgerufenen Abschnitte werden später keine Eier mehr geliefert.

Die auf Abschnitt Nr. 1 angemeldeten Eier sind am Dienstag in den Geschäften abzuholen. Laden­preis: 34 Pfg. das Stück.

Der Verkauf von Pferdefleisch darf auf Grund der Verordnung vom 16. Dezember 1918 nur gei-en Fleischkarten erfolgen. Danach können auf eine Wo- chenfleischkarte bis zu 500 Gramm gegeben werden. Es dürfen nur Fleischkarten der laufenden oder der darauf folgenden Woche, keine verfallenen, abgegeben werden. Sofort nach Beendigung eines Verkaufs

der auSgefoiefene -Botschafter" Joffe habe« schlau und sckrnrf gearbeitet. Aber es bleibt hoch eine sck-eußliche Säbcmde für das sogenannte Volk der Tickter und Denker, daß sie in Deutschland soviel Anhänger für ihre wahnsinnigen Pläne finden konnten und daß die deutschen Nachahmer das russische Vorbild der Un- Menschlichkeit sogar noch zu üb rtrcsfe» vermochten.

Oder darf man alle Schuld auf das Gesindel schieben, auf den Pöbel oder Mob, der in sozialer und sittlicher Hinsicht den Bodensatz der Bevölkerung bildet? Freilich sind die bösen Triebe dieser .Masse als Trieb­kraft für den Aufruhrwagen ausgenutzt worden. Doch wo sind die Kutscher und die Treiber? Die gehören nicht zu jenem Pöbel aus den Scheunenvierteil, son- dern zu den sogen. Intellektuellen. Die Führer sind auf Hochschulen gebildet, und ihre Helfew in der Lei­tung haben die gute deutsche Volksschule durchgemacht, größtenteils auch noch den Fortbildungsiinterricht. Sie betreiben das verbrecherische Geschäft mit vollem Be­wußtsein, mit Vorsatz und Ueberlegung. Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode. Das Traurige ist ja, daß sich unter den deutsche» Arbeitern, die doch etwas gesunden Mensckenverstand haben sollten, tau» enbe von diese» Verführern beschwässen und mißbrau­chen lai'en. Jeder, der nech klar im Kopfe ist, muß doch erkennen, daß bei diesem Bolschewismus nichts anders lterauskommen kann, al» Jammer, Elend und Not. Aber die Bahnbrecher des Verderbens finden immer wieder Helfer, Söldner, Kanonenfuiter.

Erschütternd ist die Dummheit, enffetzlich ist die Bos- heit. Nur weiß ich nicht, worüber ich mich am meisten entrüsten soll. Die Aufrührer, d'e da in den S raßen und auf den Dächern fämtifen, setzsn ivenigstcns ihre eigone Hmit auf§ Sriel. Aber dahinter fiten jn ihren Berliner Lehnstühlen oder fogar im Weimarer Natio­naltheater die -Unabhängigen", die das Feuer an- blawn, damit sie darin ihre Kartoffel» braten können.

Eine freundliche Leserin meint, es fei doch fchrcck- Iicfi für den altem unpolitischen Onkel, in Berssn ans- whallen. Tank für die Te Inahme. Schrecklich ists ur fein Gemüt, aber »och nicht für feinen Leib und e,n Leben. Berlin ist nämlich nickt als eint Stadt zu betrachten, sondern als ein Hausen von Stadtteilen. Während es in dem einen drunter und drüber geht, herrscht in dem anderen Ruhe und Frieden. J,rn Osten wird geschossen und gemordet, 6iet im Westen können tow ungestört stazieven gehen, ,

sind die eingenommenen Fleischkarten von den Pferde- metzgern bei der Nahrungsmittelstelle (Kartenkontrollei in verschlossenem Umschlag und mit entsprechender Aufschrift versehen abzuliefern.

Ausgabe von ürankeumehl in der städtischen Der- kaufestelle:

Dienstag vormittag an die Nr. 6501 bis 6750,

Freitag vormittag an die Nr. 6751 bis 7000.

In dieser Woche werden durchschnittlich 150 Gr. Flcischwaren auf einen Fleischkartenabschnitt ausge- gcben.

Die Nachzügler in Aleischwaren werden in der nächsten Woche wiederum durch die Metzgerei von Leo will, Karlstraße, bedient.

Heute sind den Geschäften von E. Wolf, C. Derr», I. Funke und A. Friedmann Neine O.äulerheringe, wie ror einigen Wochen schon einmal eingegangen, zum Verkauf überwiesen worden. Bezugsbrrechligi hierfür sind die Ausweise Nr. 1401 bis 2185. Ge­geben wird höchstens y2 Pfund auf den Kopf zum Preise von «M. 1,50 das Pfd. Die Brühe muß mit übernommen werden; Gesäße zum Einsüllen sind mit­zubringen. Der Lebensmittelausweis ist zur Ab­stempelung vorzuleoen. Die am Dienstag abend von den genannten Ausweisen nicht abgeholte Menge ist verfallen.

liebet die Behandlung und den Verbleib beschlag­nahmter Lebensrnittel sind rielfach irrige Anschau­ungen verbreitet. Zur Aufklärung wird folgendes be­merkt:

Die von -großen" Mengen beschlagnahmter Waren berichtenden lokalen Nachrichten treffen in dem aus solchen Notizen herzuleiten-en Umfange in den meisten Fallen nicht zu und sind nur irreführend. Bei näherer Betrachtung und bei dem Versuch der Heran­ziehung dieser Waren für die allgemeine Versorgung stellt es sich fast immer heraus, daß es sich um recht kleine Mengen handelt, die, auf die Allgemeinheit be­rechnet, höchstens einige Gramm auf den Kopf aus­machen. In keinem Fall reicht eine beschlagnahmte Warenmenge auch nur zu einer ganz bescheidenen all­gemeinen Verteilung aus; zur Ausgabe von nur 50 Gramm werden z. B. für unsere Stadt schon 23 Zent­ner gebraucht; von 100 Gramm 46 Zentner!

Die beschlagnahmten Lebensmittel werden den vor­handenen oder eingehenden Mengen gleicher Ware hinzugefügt und zur Aufbesserung der allgemeinen Versoroung benutzt. Dies geschieht z. B. bei Fleisch, Fett (Butter), Eier, Mehl usw.: andere Lebensmittel, die aus mancherlei Gründen (andere Warengattung, Gefahr des Verderbens, zu geringe Mengen usw.) der Allgemeinheit nicht nutzbar gemacht werden können, wie Wurstwaren, bestimmte Sorten Fleisch, Obst oder dergleichen, werden in Sonderverteilungen an stillende und werdende Mütter, Diabeliker, Tuberkulös?- und sonstige Kranke, an Anstalten und zur Säuglings­pflege abgegeben.

lieber den Verbleib beschlagnahmter Lebensmittel kann jeder Interessent auf Wunsch bei der Nahrungs­mittelstelle Auskunft erhalten.

Bei der Nahrungsmittel- und Kartenausgabestelle werden häufig alle, verfallene Lebensmittelkarlen mit der Bitte um Belieferung oder Umtausch norgelegt. Es wird daraus hingewiesen, daß solchen Anträgen grundsätzlich nichl flattvegeben werben kann. Verfal­lene f.arfen werden vielmehr einaezagen und vernich- lel. Jede Karte gilt nur für den ihr aufgedruckten Zeitraum und ist Nach Ablauf derselben verfallen. Innerhalb dieses Zeitraums ist Gelegenheit gegeben, sich die Ware zu beschaffen: wer diese Gelegenheit versäumt, trägt selbst die Schuld, wenn er die Ware nicht erhält. Lm Zweifelsfall erteilt, die Nabrungs- mittelstslle bereitwillig Auskunft: vor allem ist aber den Mitteilungen der Nahrungsmittelstelle entsprechend zu verfahren und bei ausgeschriebenen Verteilungen die Anmeldung einzureichen.

An die Lebensmillelgeschasle:

Eierabholung in der Sammelstelle Nikolausstr. 12: Blonfag, den 17. März.

Für die Geschäfte, beginnend mit dem Buchstaben AK, ron 8 bis 12 Uhr,

Für die Geschäfte, beoinnenb mit dem Buchstaben LZ, von %2 bis 6 Uhr.

Tag und Stunde sind genau einzuhalten: am Dienstag können keine Eier wehr ausgegeben werden. Die Eier werden mir gegen Vorlage eines vorher bei der Nahrungsmittelstelle (Kartenkontrolle) erbältlichen Bezugsscheins verabfolnt und sind bei der Abholung bar zu bezahlen. Körbe und Verpackungsmaterial (Häcksel oder dergl.) sind mitzubringen.

Tie Spree ist sonst mit dem Nheinstrom nicht zu vergleichen ater jetzt hat sie mit ihm eine gewisse Aehn- lichkeit als politisck-militärischcr Grenzfluß. Auf der einen Seite des Rheins regiert die (Entente, auf der an- deren Seite das Deutsche Reick. Auf der einen Seite der Spree wird die bittere Svartakusjagd betrieb-»; auf der anderen Seite lesen wir bei der warmen Er­satzkaffeekanne die ZeitungSber^ckte darüber. Tie Leute im Osten von Berlin, namentlich in Lichtenberg, haben dieser Tag« wirklich die Hölle auf Erden: durch das Fenster kann jeden Augenblick eine Gewehr- oder Ka­nonenkugel dringen, durch das Tach eine Mine oder Fliegerbombe, und wenn sie auf die Straße gelten, so können sie jeden Augenblick erschossen oder erstochen oder zertreten werden, wenn einer sie als Regierungs- spig» oder Stoskehund bezeichnet. Und cero.be h er im Westen, wo die verhaßten Anhänger der Ordnung recht zahlreich fiten, haben die Aufrührer noch nichts zu fa- gen, und auch die Plünderer müssen da untätig blei­ben, wo die fetteste Beute -u holen wäre. Vorläufig wenigstens, denn es ist ia immer noch müÄich, daß die Feuersbrunst auf das si'dliche Ufer der Spr e h-nüber- fpringt, toenn die berufene Feuerwehr schwach oder chläsrig werden sollte.

Worunter wir in diesem geschauten Revier seufzen das ist die Verkehrsnot. Wer gme Füße und haltbare Stiefel hat, muß weite Wege traben, bis er schließlich an eine Sverre kommt, wo der Eingang in den unruhigen Stadtteil nur den unglückseligen In- assen dieses ÄrawaiViertels gebattet wird. Tie Stra­ßenbahn fährt immer noch nickt, weil unter die Kni­cker nnd Schaffner sich srartakistische Sendling« haben entnehmen lassen, die mit viel Geifer und Gewalt-, androhung ihre ..Kollegen" zwingen, den Dienst ;u ver­weigern, bis die Regierungsteuppen aus Berlin zu- rückgezogen seien, weil diese Ordnungssoldat ndie oifentlicke Sicherheit gefährden". So ein widurfin-wi- ges Zeug wird geredet und zur Geltung gebracht! Tre 6'pjgt der Verkehrsart t't für meinen Teil, daß ich noch nicht weiß, ob mein Art fei von heute i berhau-t cn die Pefrr gelangt oder ob et das Schicksal der -Unpol.ti­cken" von der vorigen Wocke teilt. In: übrigen steht die traurige Tatsache fest, daß in Deutschland le.der noch eine Menge von Leuten herumläuft, die entweder in das Zuchthaus oder in das Irrenhaus ae- bvren. Ach. wo bleibt mein National stolz?