| Samstag 15. Mär- $919. |
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Tlr 67 | Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütte,
zu. V** | für die Anzrigen: I. Par-zell?r,Fulba.— Rotationkdruck.
Prerrtzische Landesversammlung.
Sitzung vom 14. März.
Zunächst gelangt ein Antrag Herold und Gerwfln tmf Schaffung der Stelle eines biitt-n Vizepräsi- r>tntcn zur Verhanblunu Der Antrag, der der Reckten eine Vertretung im Vorstand sichern sollte, wurde von den Demokraten und Sozialdemokraten bekämpft und mit 180 gegen 165 Stimmen abgele'ont.
Hieraus wurde gegen die Stimmen der Rechtsparteien zum Präsidenten des Hauses Leiner t (Soz), »um ersten Vizcp äsidenten Porsch (Zentr.) und zum -weiten Vizepläsidenten Frentzel (Dem) gewählt. §ie Sch'iftsübrer und Ausschüsse werden nach den tzraktionsvorschlägen gewählt.
Es folgt die Beratung des Antrages Hoffmann (Unabh.) auf
Aufhebung deS Standrechts und des Belagerungszustandes in Berlin.
Justizminister Heine: Statt daß das ganze Volk einig ist und in dieser schweren Zeit zusammenhält, wütet das Feuer des Bürgerkrieges. Was dec Feind nicht vcrmoctue, das tut in Deutsasiand die Ansteckung durch den russischen Bolschewismus und die Bestechung mit gestohlenem russischen Geld. (Lärm bei den Unabh. l'cberall ruhte die Arbeit in den letzten Wochen, nur richt die Arbeit der Plünderer und Mörder. (Großer Lärm bei dcn Unabh ) Die preußische Regierung ist sich tirer Verantwortung bewußt und wird denBclagcr^ngs» justan) nicht aufhebcn oder einschränken, so lange der Friede in Berlin nicht hergestellt ist. (Lärm und Pfuirufe bei dcn Unabh, Beifall bei dec Mehrheit.) Wir muffen das ruhige Tagen dieses Hauses sichern und die Freiheit schützen gegen Sie und Ihre Freunde. Wo Ihre Partei (zu den Unabh) die Oberhand hat, da hat sie sehr schnell den Belagerungszustand verhängt. (Scjr richtig) Dre ,Rote Fahne' ist verboten und würde es, wenn es nach meinem Wunsche ginge, auf die Dauer dleidcn. (Beifall ) Die Unabhänaigen haben nicht nur die bürgerliche Presse unterdrückt, sondern sie svcar gezwungen, Artikel tn ihrem Sinne aufzunehmen. Das ist die niederträchtigste Art der Unterdrückung der Freiheit. Wir haben in größter Not, aber aus eigenem Antrieb den Belagerun iszust ind verhängt. Sie wollten dieses auf Grund deS freien Wahlrechts gewählte Parlament als Hebel benutzen, um eben dieses Parlament zu stürzen. Der Rote Soldatenbund, der bekanntlich nur Spartakisten und Unabhängige aufnimmt, bat schon Schlachtpläne für den nächsten Aufsrand entworfen. Tarin heißt es, daß man die Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke besetzen muffe. (Hört, hört!, Wir haben dcn Bela erungszustand eist in letzter Stunde verhängt, cii bereits Plünderungen durch ba$ Lumpen csinbet borgekommen waren (Sehr richtig!) Mit Kanonen und Mineuwerfern wurde das Polizeipräsidium ton dcn Aufrührern beschaffen. 20 Millionen wird bcutzuiaae die Wiedcraufrichtung deS Gebäudes kosten. (Hört, hört!) Aber nach dieser Seite gehen die istun. p sthien deS Herrn Hoff.nann und seiner Freunde. Noske, der Sohn des Volkes (Lärm bei den Unabh Ruf: Der Bluthund!), der unerbittliche Kritiker jeder Mißbräuche im Heere, hat durchaus seine Pflicht getan und er ist getragen von dem Vertrauen dec isozialdemokra ie un d der Nationalversammlung. Schade, daß es nicht mög. lib war, dieser Tollheiten ohne Blutvergießen Herr zu werden. Unter dcn Spartakisten ist eine Anzahl ganz gewöhnlicher Verbrecher. Die Nolle der Unabhängigen war immer gekünstelt und unwahr. Das zei te auch i,re Hastuni rm K-iene. die darauf hinauslief: Wir wollen die Niederlage Deutschlands nicht, ober wir tun ti'chis, um sie zu verhindern. «Sehr richtig.) Die Unabhängigen halten i re schützende Hand i der Mörder. Tao beweist der Anschlag auf Auer (Lärm btt den ünabh. Zuruf: Liebknecht und Rosa Luxemburg). Den Mörder oer Ncsta Luxemburg haben w.r ermittelt und ist ein Steckvrief gegen ihn erlaffen. Wir wissen heute auch, wie iure Leiche beseiti t wurde und der Schuldige ist bereits gefaßt. Wegen der Tötung Lieb» knechts sitzen vier Leute in Untersuchungshaft. Während gestern der Mmisterprösibrnt zur Arbeit mahnte, liefen Sie: Es muß no b viel mehr grstr ikt werden! Solche Aufrcizun en sind fttzt ein Verbrechen am Volke. «Sehr k'chtig!) Das deutsche Volk muß alle? von sich fern hauen, was pe-ignet ist, die Rcpubiit zu untergraben.
Abg. Rosenfeld cUnabh.) beantragt Vertagung. Der Vertagungsantrag wird ab, elehnt.
Avg. Adolf Hoffmann (Unabh); Wir verlangen die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskon- w. ffio« für die Art, wie der Belagerungszustand und das Standrechr gehandhabt wird. Die Regierung geht vollkommen ungesetzlich vor. Sie verbietet Zeitungen vtzne An abe von Gründen. Die Einigung des Proio- tariats wird doch crfoLien über alle hinweg, die es verraten haben. (Beifall bei den Unabh) Redner bespricht im Verlaufe seiner Ausführungen Einzelheiten ®Uä ten letzten Unruyen und erklärt, bc8 Standrecht habe keine z esetzliche Grundlage, eS sei die tollste Aus- lleburt des Gröger.wahnsinns.
Hierauf vertagt sich das HauS auf Samstag.
Die Brüsseler Verhandlungen beendet.
Auslieferung der Handelsflotte angenommen? jj kt5 Berlin, 15. März. (Tel) Tie in Svaa Vt'trrürrcheucn Verhandluugcn der Kommission für b . ^vcnsmistclversorgung. die Schiffahrt und die . ■’i“ gchörigei: Finc.nzftag'.n, welche in Brüssel Ff/r ousttenommcn worden toaivn, sind nm 14
arends 8.20 Uhr zum Abschluß gekom- s"kn. Es wurde ein neues Abkommen u n. "Zeichne t.
<.: -;CQS, 1t. März. Ter Bpüsieler Korrespondent
Amsterdamer Telegraaf" melket vom 13. März fr, e . nachm.tkag wurde jm Astoria-Hotel u, ■ zwischen den Alliierten und den deut- o :? ^vtcgrerren eröffnet. Sofort nach Beginn der d° ni^,bcn den Teuischen die B e d i n g u n g en
\. 1seifen vorgelcscn. Um 4 Uhr zogen Vm ? Egl eder zu Kommifsionsberatungen zurück, ff-.. ‘ ~!ir abends fand wieder eine Plenarsitzung mv». . biurde eine vollkommene Uekereinstim- fr.i 0 erzielt. Tie deutsche Delegation hat die Be-
®cv Alliierten über die Auslieferung ist a ?l ® Uc 11c o n g e n om m en. Es wahrscheinlich, daß Mitteiluncen an die AitiL^eben werde.t, bevor das Ergebnis der Be- fen ,n Paris und Berlin amtlich eingetrof-
Wilson wieder in Europa.
tm Ta"eV?- Präsent Wi lson ist gestern WÄ.bOn ®tef* elngetrvffen. Er fuhr nach
'* wc,ler, wo er heute vormittag erwartet wurde.
Englische E nsicht.
i-srZ ^nd°n, 14 März. Reuters Korrespondent 'n einem Aeleytamm aus Berlin über die
durch den Lebensmittelmangel geschaffene verzweifelte Lage, die Nahrungsmiltelfrage sei die Wurzel allen liehet». Wenn die Regierung die Lebens- miitellage verbessern unb das Lost Arbeit bekommen könnte, könne die Lage noch gerettet werden. Aber es handle sich jetzt nur um Tage. Ter Korresvondmr telegraphiert: „Jm rollen Bewußtsein meiner Verantwortung erkläre ick, daß, wenn Deutschland nicht e r- heblicheLebensmittelnrengen im Saufe des April erhält, es buchstäblich verhungern muß", und fährt fort, die deutsche Regierung habe vor mehreren Wochen die Brotration auf den heutigen Stand erhöben muffen, um die Bevölkerung zu beruhigen. Wenn man diese Ration beib halte, würden die Kornvorräte im Mai vollständig erschöpft sein. Ebenso notwendig seien bestiniuite Rohmaterialien, um Deutschland zu ermöglichen, seine Arbeit fortzusetzen. Die Zeit dränge, der Bolschewismus setze Fleisch und Blut ein.
wtb. Amsterdam, 14. März. Ter Bischof von Oxford hat einen Brief an die „Times" gerichtet, in dem er. schreibt: »Vier Monate sind vergangen, seit der Waffenstillstand unterzei*net wurde, und noch n'chst? ist getan worden, um die furchtbar» Not zu linbe-n. Cs ist sowohl verbrecherisch als auch u n- polittsch, Deutschland bis zur hr'fnungslosen Verzweiflung und zum dauernden Untergang auszu- hungern.
Frankreich als Gläubiger.
Paris, 14. März. In der französischen Kammer sprach Finanzminister Klotz über die Finanzlage. Die künftigen StaatSauSgaben ergäben jetzt mehr als das Dreifach« derer vor dem Kriege. Für die Bezahlung müßten zuerst die Deutschen berangezogen werden, ehe man die Steuervflichtigen belaste. Die Zablungspflickt Deutschlands würde sehr bald festgestellt werden. Frankreich sei ein furchtbarer Gläubiger Deutschlands.
Gegen die französischen Raubpläne.
wtb Karlsruhe, 14. März Die badtsche vorläufige Regierung hat folgenden Protest erlaffen: Nach allen Nachrichen, Vie uns zu ehen, müflen wir annehmen., daß Frankreich die Absicht Heck, daS rein deutsche, auf dem rechten Rheinufer gelegene badische Gebiet von Kehl und Umgebung sich anzuei neu. Gegen solches Voroehen erheben wir schärfsten Protest. Es widerspricht dem Nationalitätcnpunzip, dem Prinzip des Selbstbestimmun iSrechts tote allen Ankündigungen Wilsons und würde leLiglich einen brutalen Gewalt- akt karstellen Das badische Volk ruft i a8 Gcrechtst- keits'esühl aller Völker an mit der Bitte, ihm gegen die Verwirklichung solcher Absichten beizustehen.
Der Protest ist den Regierungen der neutralen Staaten übermittelt worden.
Deutsch * Oesterreich Bestandteile des Deutschen Reiches.
Wien, 14. März. Tie heutigen Wiener Zeitungen veröffentlichen daZGesetzüberdieSta ats- sorm, das folgende beiden Punkte enthält:
1. Teutsch-Oeflerrc'ch ist eine demokratische Republik. Alle öffentliche Gewalt wird vom Volke eingesetzt.
2. Deutsch Oesterreich ist ein Bestandteil des D e u t s ch e n R c i ch e s.
Tas Gesetz ist am 12. März in Kraft getreten.
Oesterreichs Lebensmittelversorgung.
Wien, 14. März. Die gestern beendeten Verhandlungen mit der Lebensmittelkommission der Entente hatten als Ergebnis, daß die gesamte Lebensmittel-Versorgung Deutsch-Oesterreichs mit Lebensrnitteln der interalliierten Lebensmittelkommission über Triest geleitet wird. Es sollen täglich fünf Getreidezüge nach Deutsch-Oesterreich kommen. Ferner wird auch kondensierte M i l ch geliefert. Zur Bezahlung gewährt die Entente Deutsch- Oesterreich eilten Kredit von 30 Millionen Doll.
Der bedrohte Osten.
Während im Innern Deutschlands das durch die Revolution angefachte Feuer weiter frißt und immer mehr unersetzliche nationale, kulturelle u nd wirtschaftliche Güter verzehrt, ballen sich im Osten die Wolken dichter zusammen, die unseren Grenzmarken Unheil dräuen.
Unsere ganze Ostgrenze von Memel bis hinab zur bayerischen Grenze ist nahezu an allen Punkten schwer bedroht und im Posenschen sind bekanntlich die Polen schon weit in deutsches Land hineingedrungen. Leider deuten aber alle Anzeichen daraufhin, daß auch Obers chlesien das Schicksal Posens bereitet werden soll. Tie Polen haben es verstanden, in Oberschlesien, besten Bewohner, soweit sie nicht überhaupt Deutsche sind, sie früher niemals als richtige Polen anerkennen wollten, ihren Köder auszuloerfeu, denn der einmal geweckte Machtkitzel läßt sie keine Grenze und Mäßigung mehr finden. Ihre Begehrlichkeit lechzt nach den Kohlengruben Oberschlesiens, deren Besitz sie hinsichtlich der Kohlenzufuhr von Deutschland nicht nur unabhängig machet- würde, sondern den deutschen Osten sogar zwingen würde, die Polen um die Zufuhr von Kohlen zu bitten.
Da sie misten, daß die Entente ihnen alles nach- sieht und die Verpflichtungen der Abkommen und Verträge nur Deutschland binden, scheuen die Polen kein Mittel, um Oberschlesiens Herr zu werden. Während sie sich gegen Rußland nur mit Mühe und Not der „bolschewistischen Überflutung" wehren können, gehen sie mit Spartakus ein Bündnis ein, um mit seiner Hilfe in Oberschlesien die Anarchie zur Herrschaft zu bringen. Das arme Deutschland, das aus tausend Wunden blutet, besitzt ja nicht mehr die innere Kraft, um des Wirrwars, in dem es zu ersticken droht, überall Herr zu werden, aber die Polen glauben durch die Entfesselung der Anarchie in Oberschlesien einen doppelten Gewinn erzielen zu können; ie entreißen einmal das wertvolle Land dem zu Tode geschwächten Deutschland und Wersen sich zugleich der Entente gegenüber als die Bezwinger des Bolschewismus auf, indem sie Oberschlesien besetzen und die Geister, die sie gerufen haben, wieder zu b«- chwichrige» trachten.
Tas Spiel ist schlau erdacht, aber auch äußerst gewagt und gefährlich. Wer verspricht den Polen, daß sie des Bolschewismus in Oberschlesien, zu des- en Verbündeten sie sich jetzt machen, Herr werden tnd wie denkt denn b;c Entente über diese Politik »er Polen, die mit dem geschworenen Feind der be
st-hcudeu Gesellschaftsordnung sich verbrüdern? Tic Fäden, die von Moskau aus gesponnen werden, sind feiner und stärker, als die vom Machtgefühl geblendeten Polen zu ahnen scheinen, denn während die Flammen des bolschewistischen Aufruhrs bald hier bald dorr in Deutschland aufprasteln. ließt die große Rote Armee der russischen Bolschewiki auf der Lauer, um in das neue Polenreich und Ostpreußen einzubrechen. Noch liefern ihr die baltischen Provinzen genug zum Essen, Plündern und Morden, aber in wenigen Wochen werden diese einstmals blühenden Länder verarmt und verödet sein und wie ein gewaltiger.Heuschreckenschwarm wird sich dann die bolschewistische Plage über unsere Grenzen ergießen, um unserem Lande und unserem Volke das Schicksal zu bereiten, unter dem Kurland jetzt zu Grunde geht.
Und was können wir dieser furchtbaren Not und Gefahr entgegensetzen? Wir haben einen Nord, ostschutz in Stärke von etwa 15 000 Mann, die leider auch schon, wie vorläufige Berichte erkennen lassen, vom bolschewistischen Gift stark angefrestcn sind. Nur mit Schaudern können wir den nahenden Ereignissen entgegensehen und müssen immer mehr inne werden, daß nur ein Wunder uns noch vor dem furchtbaren Verhängnis, das uns bedroht, retten kann. Ties Wunder aber wäre die Rückkehr des deutschen Volkes zur Einsicht und Vernunft._______
Schießereien in Berlin.
wtb Berlin, 14. März. In ber Nacht zum Donners- tci wurden die Rtgierungsttupp.rn in bet Hascnheibe und in bec Iahustraße mit Handgranaten und (Setoeforcn beschossen. Sie verloren einen Toten. Die Schießerei bauerte bts in die Vormittagsstunden. Gestern abenb unb beute früh wurden vier unbekannte Leichen auf= cefunben. — Die Re ierun istrupven werben am Sams- ta i eine Säuberuw sattion im Noroen Berlins vornehmen. Es hat sich gezeigt, daß dieser Stadtteil noch nicht frei von spartakistischen Elementen unb Waffen- lagern ist und daher gründlicher Absuchung bedarf. — Daß die Spartakisten nicht Halt machen vor dem Frieden ber Kirche und der Ruhe des Gottesackers, beweist der Umstand, daß sich eine starke Aufrührer-Bande mit Maschinengewehren im Turm der Mauritiuskirche in Lichtenberg eingenistei hatte und von dort cv8 im Dunkel der Nacht zum Donnerstag die gante Umgebung unter (teuer nahm. Die Regie- runak-Lruppen strichen om Mittwoch abend die Kirche mit Leuchtkugeln ab und maststen baraufhtn einen Vorstoß mit vollem Erfolge. Tas Nest wurde ausgeh den tinb bei den i n Alisch'uß daran sch abspielenden Kämpfen zwischen den Gräbern de- Friedhofes wurden neu« Spar akislen dingfest gemocht, meistens halbwüchsige Burschen, unter anderem ein löjährigrr in Uniform.
Die Lag« in Düfleldors.
Dvffrldors, 13. Mari. Sowohl der Arbesterrat als m'ch die Arbeiterat'Sschüsse der großem Werke Halen durch eine Abordnung in Weimar der Roz erung die Fctdering untorbrestel. sofort den Belazerung'mstand in Düsseldorf auf, uneben und die Regiori ngstruo en zurückgugiehen. Ter Arbei errat will selbst Maßnab- tr?n zur Her' eiführmg geortncker Verhölkni^e in D- ft seldorf ergreifen. Ter 'lüfcl'wrfet Abordpung nach Weimar haben sich auch zwei Spartakisten auzest-los- sen. Wie Tüffeldorfer Sparlalis en gestern in Mülheim (Ruhr) erklärten, soll bei dieser Ce'öoenheit in Weimar nickt bloß die Lage in Tüs'eldorf, sondern auch in andern kefirken des Indus'r'egebirtos behorche t werde.!. In Tüffeldorf ist eben immer noch der Sitz der Spartaktisführer für den Westen, und bm hier wird gegebenenfalls wieder die Paro'? zur Wiederauf- nahaw eines Generalstreiks «'lSgegsben- werden. In Mülleim (Ruhr) haben deshalb gestern auch die K m- munistrn beschloffen, ehe der dort bereits besaffoffene Generalffreil begonnen werde, die Erfolge ber Tüffeldorfer Abordnung in Weimar und die dann zu fassenden Tüffeldorfer Vescklüff? abzuwarten. Ten Antrag der Mülheimer Spartoki' en, ihre beiden verhafteten Führer wiedec auf fooien F"ß zu fetzen, hat der Ioftrz- minister bis zum Abschluß der Untersuchung abgelehnt.
Düffrlbors, 13. März. Der seit etwa acht Tag n überDüffeldor fverhängteBelagerungszustand ist wieder aufgehoben worden.
In Oberschlesien.
wtü Beuchen, 13. März. Die Streiklaae aus den oberschlesilchen Gruben hat eine wesentliche Besserung erfahren. Tie Vrrhaftnng von Spar- takistenrädelsführern frfjreitet in Oberschlesien fort. Bis zum heutigen Tage wurden über 50 Verhaftungen vorgenommen.
Tie Schmach der deutfchen Flotte.
* Serif«, 13. März. In Stettin zog die Menge, nachdem sie gestern im Schloßhofe demonstriert hatte, nach dem Bollwerk, wo der Kreuzer Straßburg lag. Eine Rotte meist halbwüchsiger Burschen begab sich aus den Kreuzer und brachte unter Gejoöle drei Maschinengewehre, Munition und anderes Gerat zurück. Die Matrosen ließen er geschehen. BiS in die späten Nachistnnten umlauerte eine große Menschenmenge den Kreuzer. Ein Führer der Bewegung veikünd-te, daß man durchgesetzt bade, daß der Kreuzer S raßburg den Hasen verlasse. Da» Sch-ff mache sich in den lpäien Abendstunde« zur Ausfahrt aus dem Hasen bereit.
Angriff auf einen Freiwilligeutransport.
wtb Berlin, 13. März. Ein Transport rn -treu willigen auf dem Wege nach Berlin wurde auf dem Bahnhof Sangerhausen von Zivilisten ange- gris'en. Te-, Trausportführer wurde aus Cent Zuge periffen und beraubt. Er sah selbst später auf dem Bahnhof einen Freiwilligen mit klaffender Kopfwunde liegen. Nach Aussagen des Transportführers war bei gante Bahnhof von Braunkohleuarbeit e r n besetzt.
Bolschewistm in Irland.
Basel, 13. März. Die „Morninopost" meldet aus Dublin: 'Hier ist mit Unter'Atzung russischer .kommunister ein Staatsstreich versucht wor- i)en. 15 russische Bolschewisten wurden verhaftet.
Brigade Liebknecht.
Unter dieser Uebcrschrift gibt die „Derb Börfen- ze'tung" folgende Meldung wieder, die ihr von unter. richtrier Seite zugegangen ist: Es gibt 'n Petersburg einen ceütf&en Soldatenrat, dessen
Vorsitzender ein gcwisier Filter ist. Filter gtbt in Petersburg bi^i Zeitungen heraus: „Ter Suite Soldat" „Tie Zweite Jnternatwuate" u. „Ter Kommu.- nist". Diese Zeitungen werden in großen Mengen besonders nach Ostpreußen gebracht. In Petersburg ist eine Schule eingcrichtet, in der deutsche Kriegsgefangene in b v ls cyc w i st i s ch em ,<stnne ausgebildet werden. Sie sollen dort die Aufrichtung der Räterepublik vorbereiten. Jm ganzen sollen in Petersburg etwa 10 000 solcher Propagandaleute au5geti(bex werden, die nach Deutschland zurücklehren. In Nischnk-Nowgoroo und Samara werden die aus Sibirien zurückkehrenden Kriegsgefangenen gesammelt und aus ihnen wird die westliche kommunistische Division aufgestellt, die etwa 20 000 Mann stark werden soll. Diese Division ist gegebenenfalls zunt Einmarsch in Deutschland bestimmt, soll aber mehr Propaganda als Kampftruppc sein. Besonders geeignete Leute werden zur Brigade Lieb.- knech: nach Petersburg geschickt, die jetzt etwa 5000 Mann stark ist. Tas ganze System ist so einaerichret, daß die aus Sibirien heimkehrendeu Kriegsgefangenen entweder V c r 1; it n g e r it oder in diese Organisation eintreten müssen.
Zur Vorgeschichte des Krieges.
wtb Berlin, 14 März. In der .Tägl. Runbsch.» feilt Pros. Th. Schiemann mit, bah bte bip.oma- tische Korrespondenz zwischen ber ruffiscken Botsckast in Lonbon unb Pelersburi vom Jahre 1869 bis 1914 burch Vermittlung eint§ Beamten ber russischen Botschaft in London ber Berliner Reniermm befannt und von ihm «Schiemann) für bas Auswürtipe Amt aus bem Rufflschcn ins Deutsche üierseht worben fei. Hiervon hätten nur ber Streiter der politi» scheu Abtellunp, der Unterstaatssekretär und Staatssekretär des Auswärtigen sowie der Reicks- kanzler Kenntnis gehaot. Schieiuauns w'.cber- bolte Vorstellungen, auch dem Kaiser Kenntnis zu neben wurde stets ab gelehnt. Die Berichte umfassen über bie beutsch-englischen Bezieh ugen hinaus bie gejaulte Ente nie Politik, bie bie immer fester zusammenwacksenbe Versckwörung gegen Deutschland klar erkennen lassen. Erst im Juli 1814 wurden aus dieser Korrespondenz im ,B. T/ die Absicht der Russen, in Pommern zu a nben, unb bie Mission bes Prinzen Ludwig bin Ballenberg derössentlicht. Tcm Ka'lcr wurde aber noch immer nichts mitgeteilt, vielmehr I eß man im, und bas bezci.lnet Schien nun als uiweran^wort- lich, trotz .Kenntnis dcr Entcnte-Kiierspmne, auf d e Nordlcudsreise geben. Tie Beran.worlung ba,ür, b ß diese Kenntnisse nicht zur Verhütung des Kri-ies aus- genutzt wurden, weist Schiewa- n dem Reichskanzler Bethmann Holl weg zu. Schiemann fordert jo- fertige Veröffcutiichuug dieser Pap.ere.
Der Schaden durch Fliegerangriffe.
wtb Berlin, 14. März. Nach einer amtlichen Zusammenstellung verursachten d.e feindlichen Fliegerangriffe auf deutsches Gebiet in der Zeit von Ansarig August 1914 bis zum 6. November 1918 für run» 24 Millionen Mark Sachschaden. Bei de» Angriffen wurden 729 Personen getötet unh 1754 Personen verwundet.
* Tie Abgabe deutscher LokLmotiven an die Entente ist nahezu beendet. Es sind zurzeit 4900 Lokomotiven abgeliefert; die restlichen 100 muffen aus den von den Polen besetzten Gebieten herausgezogen werden.
Widerspenslige Dauern. Bei der Ankunft einer Kontrollkommission in dem Torfe Windschläg bet Cffcnburg kam es zu offenem Aufruhr. Tie Bauern, die sich mit Heugabeln und sonstig n Geräten bewaffnet hatten, fammielten sich vor dem Ra-hause au; bie dorthin geflüchtete Kontrollkommission mit ihrer militärischen Bedeckung wurde mißhandelt unb mit dem Tode bedroht. Von Offenburg herbeigcrufene mihtär sche Hilfe konnte größere Unruhen verhindern. Tie Lage war sehr bedrohlich geworden, zumal sich ein großer Teil Bauern mit Schußwaffen versehen uub scharf gefeuert hatte. Nach langen Verhaubinugen konnte der Oberamtmaun freien Abzug für bic Konirollkommission erwirken, worauf die Ruhe wieder hergestellt wurde.
* Die Vcrio gung der Flamen,uhicr. Ter Direktor in der Abteilung der stböncn Künste Coreman, der den Posten ei ie§ Generalsekretärs im sepa- ratistijchen flämischen Ministerium befleibet hatie, wurde zu löJahren Zwangsarbett verurietlt.
Die neue Erhöhung
E < serrtzatz nfrachifähü.
Berlin, 14. März. Eine Verordnung ber Preußischen Regierung bestimmt, daß die Staatseisenbahn ermächtigt wird, vom 1. April auf den preußisch-hess. Staatseisenbahnen im Güter- und Tierverkehr zu den auf Grund des Gesetzes vom 20. März 1918 bereits um 15 v. H. erhöhten Frachtsätzen einen Z u - schlag dis zu 60 v. H. z u erh eb e n. Ter Zu- sckflag soll mit Ablauf des zweiten Wirtschaftsjahres, das auf den Abschluß des Friedens mit der letzten mit Deutschland im Kriege stehenden europäischen Großmacht folgt, außer Kraft treten.
Delifdies Re.ch.
* Die Fraktionen i» der Preußischen Landesver- sammlung haben sich in sollender Stärke angeniclbct: 144 Sozialdcmokraien, 88 Zentrumsanhänger, 65 Demokraten, 50 Teujschnalionale, 24 Unabhängige, 21 Deutsche Volks)arteiier, 7 Deutsche Hannoveraner, 1 schleswig-holsteinische Landespartei. Tie meisten der Mitglieder sind bisher nid;; Parlamentarier gewesen, srühere Abgeordnete ziehen nur insgesamt 70 ein, wovon 34 allein auf das Zentrum entfallen.
* Dresden, 14. März. Die sächsische V Ikstam- mer wählte gestern den soz. Minister Tr. Gradnauer mit 49 gegen 41 Stimmen zum ib ui per* Präsidenten.
Hu$ Uirche und Schule.
* fiaibinal Bertram? Durch die Presse geht die Nachricht, daß der Breslauer Fürstbischof Dr. Adolf Beriram demnächst ziun Kardinal ernannt werden wiid, doch Dürfte die Ernennung erst nach Abschlug des Friedens mit Italien erfolgen.