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für bte Anzeigen: I. ParzeUer. FulDa.- RotationSdruch | lilOttlOg |V* HlÖtZ |9|9*

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I Verlag der Futbaer ActtenbruckeretinFulda. Preismonatt. I A/S TnfirA 95 Pfg. Fernjpr. Nr. 9. Telegr.-Abreffe: Fuldaer Zeitung. | *tv. JUIJly.

Deutsche Nationalversammlung.

Sitzung vom 8. März.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der De. «Jungen über das SozialisierungSgesetz und über dis Regelung der Soblenwirtschaft.

Abg. Henk (Unabh.) legt den bekannten Stand, bim» meiner Parier dar. Er spricht gemäßigt und er- kennt die Schwierigkeiten des Problems an. Er glaubt an den Idealismus der Arbeiter

Abg Hagenburg (Deutsch-Naü.) nennt die Ent- ipurrc furchtbar oberflächlich. Die Aufsicht des Reiches bedeute für bte Zechenbesitzer Enteignung ohne Entschä- bigung. Um augenblicklicher politischer Zwecke stelle die Regierung die Zukunft Deutschlands aufs Spiel Er verlangt Ueberweisung der Vorlagen an einen Aus. schuy. .

MintsterpräsLent Scheibemann bricht eine kräftige Lanze für das Regierungsprogramm. Von einem Nach­geben der Regierung vor dem Druck der Straße wäre nicht die Rede. Ich mache kein Hehl, daß ich den M a ft fenftreif in diesem Augenblick alt politisches Kampf- mittel verwerfen muß. Der Massenstreik war in diesem Augenblick ein Verbrechen am ganzen deutschen Volke. (Sehr'" richtig! und Zustim­mung.) Die jetzige Regierung steht nicht mehr wie d,e ftichere in einem Vorgesetzten- oder gegensätz­lichen Verhältnis zur Arbeiterschaft, deshalb ist der jetzige Streik nicht nur zu verurteilen, er ist auch rsinn ig, er ist em Wüten gegen da? eigene Fleisch (Beifall). Was er der Arbeiterschaft an Lebens» Znittelzufuhren und an wirtschaftlichen Gütern gekostet Hat, darüber wird am Montag zu reden sein. Aber das ist gerate die Pflicht einer wahrhaften Voflsregie- rung, daß sie den kühlen Kops behält, auch wenn eS in den Massen gärt, und daß sie auf Torheiten nicht mit neuen Torheiten antwortet. Wir denken nicht daran, Experimente zu machen; was hier geschieht, das ist ein wohldurchdachter Plan, der nicht scheitern kann. Die zwei Ge,etzentwürft sollen nur Meilensteine, allerdings von höchster Bedeutung, auf dem Wege zu dem Ziele fern, daß kein Volksgenosie mehr für den andern ohne Gegenseitgkeit arbeitet, sondern, daß jede Arbeit von jedem für sich und gleichzeitig für die Allgemeinheit ge­tan wird. Nicht nur die rechtlose Arbeitsbiene, ach die Drohne hat im neuen Deutschland keinen Raum mehr Das die Sehnsucht von Millionen in allen Ländern der Welt gewesen ist, seit es eine Arbeiterbewegung gibt, das soll hier zum ersten Male zur Tat werden; öbrin Zoll bte deutsche Republik ein Vorbild ter ganzen Welt 5em, daß sie eine solche Tat entschlossen und ohne Zau- öern ausführt. Soiveit die Regierung dabei in Betracht mmmt, dürfen Sie überzeugt fein: Wir werten un­sere Pflicht unter allen Umständen tun. (Lebhafter Beifall.) '

Wg. Mslkenbuhr (Sog.) spricht für die Sozialisie­rung unter Ablehnung bolschewistischer Vorbilder. ... Imbusch (Ztr.) spricht mit tiefem Verständnis E bte Forderungen der arbeitenden Klaffe. Mit einer entfchädigungslosen Enteignung ist er nicht einverstan- te«. Er findet herbe Worte Über die während des Krieges herdorgetrerene Vergötterung des Geltes. Dte Vodenschätze gehörten ter Allgemeinheit. DaS fei em alter Sah.

Darauf tritt Vertagung bis zum Nachmittag ein.

In der Nachmittagssitzung spricht

, Wg- Wallbanm (Dutt.) Er glaubt nicht, daß dieDor- !age dte Spartakisten zufrieden stellen werde; jetenMs Jet bte Sozialisierung ein gewagtes Experiment. ES nege etn erschreckendes Unrecht darin. Sie Bodenschätze «tttgen wenigen Kapitalisten zugute kommen zu lassen.

RetchSpastminister GieSberls hält die geordnete und vorycclütge Sozialisierung für die beste Rettung vor der tmlten Sozialisierung. Gewiß, Eingriffe in das Eigen­tum werten kommen, und sie sind auch notwendig, denn vte schrankenlose EigentumSentwicklunA die wir vor Dem Kriege gehabt haben, dieser überspannte Eigen- rinnSbegriff ist nicht zuletzt ter Untergrund ter sozia­len liebel, unter denen wir zu leiten haben, und damit «nch der Revolution selbst. (Sehr richtig!) Wir ha- wen vor tem Kriege eine geradezu beispiellose wirtschaft- ltche Entwicklung gehabt; fie ermöglichte es uns, nicht nur unfern eigenen Bevölkerungszuwachs zu beschäfti- gen, sondern auch noch Hunderttausenten fremder Ar. Petter Beschäftigung zu geben. Und doch, welch schwere «Mn- bat es gekostet, gegen Ihren (nach recht») Widerstand den.zwölfstündigen Arbeitstag zu beseitt- S-n! Deutschland hat in den letzten 25 Jahren mehr jur öffentliche Gebäude und Luxusgebäude ausgegeben, «S bte ganze übrige zivilisierte Welt zusammen; aber aus bet andern Seite hatten wir in den Großstädten Me schauterhaften WohnungSzustände, die kein Licht, «me Lust, keine Sittlichkeit, keine Gesundheit auflom- 5eiL.e6en- Wohnungen, die im letzten Grunde die ffifflfttten ter Revolution gewesen find. (Beifall und Zwtnmnung.) Gewiß, die Regierung hat ihre ernsten giften, um die Ordnung neu aufzurtchten. Aber wenn rechts) etwa ter jetzigen Regierung und den r* "anstehenden Parteien eine Schuld beimesien wol- «n, so frage ich: Wo liegt denn die Ursache der Revo-

-®'c Revolutton ist die Folge tes großen seeli- »chen Zusammenbruchs unseres Volke» infolge des bet- Werten Kriege». Wir haben es kommen sehen, wir ha- ost genug gewarnt, aber wir haben gerate bei 2« (nach vechtS) nicht den Widerhall gefunden, den I W^ettoarten konnten, (©ehr richtig!) Wenn auf die tes Bolschewismus hingetvtesen wird, Jo wird Mviß niemand der Regierung den Borwurf machen kön» tech sie nicht alle Machtmittel aufgewandt habe, um Gefahr zurückzudämmen. Aber wer hat denn bei EI® Rheinland-Westfalen dieser Gefahr erst den J'Jren geebnet? Da» find die Vertreter des Großkapi- 5"- tewesen, die uns jene ruffischen Arbeiter impor- wen, die setzt die Träger des Bolschewismus ge- toowen find. (Sehr richttg!) Im übrigen ist es sehr r?1«'1?. daß die Bolschewisten bei UNI hn Rhein- »?^^rstfalen dort am stärksten sind, wo die Gewerk- ßoren am schwächsten sind. (Beifall.) Der nämliche

ter heute von ter äußersten Rechten gegen die ^»Etsierung erhoben wird, hat sich auch seinerzeit Jzjtote", als im Reichstag die sozialen Gesetze einge- tourten. Ach darf nur daran erinnern, welche .^*ren Kämpfe der hochverdiente Sozialpolitiker Dr.

Herrn v. Stumm und feinen Freunden hat rten Essen. Heute, nach fünfundzwanzig Jah- T*®1 ©te (nah rechts) die Sozialpolitik und finb

W>exU Genau so wird eS auch mit ®SWn«runB gehen. Ein Volk, dem wir eine fenE«. ^E^chulbtdung geben, daS auch nachher tau- Gelegenheit hat, durch Preffe und Literatur etTt l°lch-s Volk läßt sich nickst neh° stia»n ""Ezube)chlte^n und mttznwtrken, wo seine gei- körperlichen Kräfte beansprucht werden. Des- mutz etn Weg gefunden werden, diese ArbeitSfreu- ^erhalten, und das ist ter Weg einer Vernunft 8en «Whltenma! (Lebhafter Beifall.)

fefeun»3; R85"e,tt (unabh-) übt Kritik an der Zusammen- Kahlenrate und sagt: Der Streif in Mittel- tfi °bne Flugblätter ohne Versammlungen »gtttwchen, nur toetl bte Arbeiter das Verhandeln hrr^°^to(Rufe: Weil Ihr sie belogen habt!) ES ba n-k ballige Ruhe, bi 3 bte NoSke-Garde anruckte - ehetL^8 allerdings Leute, die stahlen und plünderten,

oas waren nicht Unabhängige! (Lachen.) Sparta-'

fisten gibt eS in Halle nicht. (Lachen.) Für die AuS. schreitungen tragen die Truppen bte Schuld. Der Zorn der Arbeiter läßt sich durch Halbheiten nicht besänftigen. Die Arbeiter verlangen ganze Arbeit l (Bravo k bei den Unabhängigen.)

Reichswirtschaftsminister Wiflel: Schon Mitte Fe. bruar hatte die Regierung einer Abordnung der halle­schen Bergarbeiter ihr Einverständnis mit der Schaffung von BetrtebSräten ausgesprochen. DaS ist den Berg- arbeitet« verschwiegen worden (Hört! hört!) und deshalb haben die Bergarbeiter unter Führung des Vorredners den Generalstreik beschloffen. (Hört! Hört!) Herr Hugenberg nennt die Sozialisierung eine Zwangs, wirtschaft, aber einen größeren Zwang als in den mo- nopolartigen Gebilden, wie z. B. dem Kohlensyndikat, wird e» in der Sozialisierung nicht geben! Diese Kriegswirtschaft müssen wir auch weiter noch auf ab­sehbare Zeit beibehalten und alle Kräfte in den Dienst der Gesamtheit stellen. Aber ich betone nachdrücklich, bah wir unS von ben Methoden der Kriegswirtschaft mit aller Entschiedenheit abtoenben werden I Wenn heute jeder tun könnte, wa» er wollte, würde zum Beispiel in den nächsten Tagen ganz Deutschland mit Apfelsinen überschwemmt werden; fie stehen an der Grenze und zu langen ÄrcOtten will man fie uni geben. Aber wir brauchen die Mittel dazu, um Roh. hoffe und wirkliche Nahrungsmittel bezahlen zu können. Der Geist bet Unterordnung des Einzelnen unter daS Ganze muh das ganze Volk beherrschen! (Beifall.)

Abg. Strefemann (Deutsche VolkSpartei) gibt der Befürchtung Ausdruck, daß unsere führenden tnbuftri- eilen Kräfte unter übertriebener Kontrolle abtoanbern könnten. Die Kohlenwirtschaft müßte ber privaten Initiative erhalten bi eiben.

Abg. Erkelenz (Demafrat) erklärt, et wolle keine wahllose Sozialisierung. Die Demokraten machten einen Unterschieb zwischen sogenannten natürlichen Monopolen und sonstigen Industriezweigen. Die An­kündigung del Arbeiterrechts begrüße^ feine Partei.

Die Gesetzentwürfe gehen an den ReichShauShal. tungsauSschuh.

Montag Ernährungsfragen.

Dauernde Entwaffnung Deutschlands.

wtb Paris, 9. März. Reuter meldet: Die gestrigen Besprechungen der Vertreter der Großmächte besaß- ten sich haupffächlich mit den Bedingungen auf tem Gebiete der Flotte. England und Amerika stimmen jetzt i« dieser Fräste überein und um ihren Stand­punkt mit demjenigen, den Frankreich und Italien einnehmen, in Uebereinstimmung zu dringen, ist es möglich, daß einige Schisse Frankreich und Italien zugewicsen werden. Eine wichtige Frage war die, ob die Bedingungen für das deutsche Heer und die deutsche Flotte einen zeitlichen ober mchr oder weni­ger einen dauernden Charakter haben müßten. Der Vorschlag im Sinne der letzteren Auffassung nahm eine endgültige Form an, da dies ein Mittel ist, um Deutschland für imm er int Zwang zu halten. Es wurde hierbei die heikle Frage $ur Sprache gebracht, inwieweit eine geschlagene Nation für immer die Berechtigung, ihre eigenen Ange, legenheiten zu regeln, verlieren darf; man beriet gestern über diese Frage, aber man ist noch nicht zu einem Beschluß gekommen- Die Bedingungen, dir gestern behandelt wurden, können folgenderma­ßen zusammcngefaßt werten:

DeurschlanüS Heer wirb auf 200000 Mann herab- gesetzt, die burch ba« LoS gewählt werben und ein Jahr lang bienen muffen. Keine Aushebung barf bte Zahl von 18000 Mann überschreiten. Offiziere muffen 25 Jahre und Unteroffiziere 15 Jahre bienen. Die Menge btt Waffen unb ber Mu nition wirb auf die von dieser Streitmacht benötigte Menge herab­gesetzt. 68 werden Garantien für die vollständige Durchführung diese» Plane» geschaffen. Die Bedin. gütigen für die Flotte enthalten Bestimmungen für eine entsprechende Herabsetzung der deutschen Flotte, die Zünftig nur hinreichend fein wird, um den Polizei- unb VerteibigunciSzwecken zu genügen; sie wirb nicht mehr zu ben Flotten ersten ober zweiten Ranges gerechnet werben können Sowohl bie Heeres- alS auch bie Flottenbebingungen werden in Kraft bleiben, bi» der Völkerbund etwa»andere» beschließt. Die Bedingungen für die deutschen Luftstreit- Itäfte setzen die Zahl ber Flugzeuge herab. Da» Personal te» Flug,bleuste» wirb aus 1000 Mann be­stehen. E» wirb bie Ausgabe haben, bis zum 1. Okto­ber Minen zu suchen; danach wirb ber ganze Dienst aufgehoben werben.

So melbet Reuter unb fügt hinzu: Obwohl bie Einzelheiten biefet Bedingungen noch nähet besprochen werden müssen, werden sie in bet Hauptsache zweifellos unverändert bleiben.

Die Lebensmittelfrage.

wtb Paris, 9. März. (HavaS.) Der größte Teil der. gestrigen Sitzungen des Obersten Rates der Alliierten war der Prüfung der Lage gewidmet, dis durch die Unterbrechung der Verhandlung in Spaa geschaffen wurde. ES wurde beschlossen, an Deutschland eine Note zu schicken, in der darauf hingewiesen wird, daß Deutschland die aufgestelllen Bedingungen erfülle« müsse. Der Standpunkt der Alliierten geht dahin, daß es unzu­lässig ist, daß Deutschland, nachdem es zwecks Versor- gung mit Lebensmitteln der Ablieferung der Handels­flotte zugestimmt hat, ihre Uebergabe an Be­dingungen knüpfen will. Tie Alliierten Men bereit, die Versorgung Deutschlands mit Lebensrnitteln in vernünftiger Weise vorzunehmen. Sie erwarten jedoch, daß Deutschland ihnen die hierfür erforder­liche« Materialien verschafft, indem eS die H a n d e IS« flotte übergibt.

Eine Note über die

LsbenSmittelversorgang.

Rach Abbruch der Verhandlungen in Spaa hat bie deutsche Regierung ihren Standpunkt in einer längeren Note an bie Gegner bargelegt, in bet e8 u. a. heißt: , Die assoziierten Regierungen haben in ben jetzt in Spaa geführten Verhandlungen und den vorhergehen­den Noten der letzten Zeit mehrfach hervor'ehoben, daß die deutsche Regierung die Flotte zut Verfügung stellen müsse, ehe mit der Einfuhr nach Deutschland begonnen werden könnte. Dieser Standpunkt wirb beutscherseit» geteilt; benn bie Flotte wird eines der Mittel sein, um die Versorgung Deutschlands und des Übrigen Europas in die Wege zu leiten. Nicht aber hat Deutschland durch zur Derfügungstellung der Flotte vorzuleisten, bevor eine Bindung der asso­ziierten Regierungen (Menge unb Preis ber Waren, 'ohne insbesondere deren Finanzierung) dafür vorlegt, daß ausreichende Einfuhren auch tatsächlich er­folgen werden. Deutschland mußte schließlich

nehmen, datz diese Auffassung von den assoziierten Regierungen selbst geteilt wird. Deutschland hat bislang, statt Lebensrnittel zu erhalten nur ein stärke­res Anziehen der Hungerschraube durch die Ver­schärfung der Blockade erdulden mässen, wodurch, von anderm abgesehen, nach dem Durchschnitt verletzten Monate täglich etwa 800 Menschen zum Tode geführt werden. Deutschland kann bei dieser Sachlage die Er- lebigung ber Angelegenheit unmöglich ausschließlich an ben guten Willen ber assoziierten Regierungen glauben. @8 mutz hervorheben, datz ihm sehr häufig von den assoziierten Regierungen entgegengehalten worden ist, datz noch Krieg sei. Dieses Argument kann Deutschland also nicht au» dem Auge lassen und daher auch die Handelsflotte nicht abgeden, ohne iraendwelche bindende Zusagen, ja ohne irgendwelche Erktärungeu über da» allgemeine Ver.orgungL-Programm zu besitzen.

Die deutsche Regierung hat genügend oft Betont, daß sie sich ihrer Verpflichtung zur Versügungstellung der Handelsflotte in keiner Weise entziehen will, und sie empfindet tief bte fast verhängnisvolle Sage, in bie sie durch das Scheitern der jetzigen Verhandlungen gebracht ist, datz die Lebensmittelzufuhr in unbestimmte Ferne rückt. Sie konnte aber angesichts einer Sachlage, bei der sie durch das Schwergewicht aller rechllichen und sittlichen Gründe gestutzt ist, vor ihrem Volk und der Geschichte nicht bte Verantwortung bafür tragen, bie deutsche Flotte unter die Kontrolle der Assoziierten zu stellen, ohne datz der Zweck gesichert war, für ben diese harte Maßnahme bestimmt ist.

Bandenkrieg in Berlin.

Berlin, 9. März. Der Genera teil in Berlin ist jetzt beendet, aber die Spartakisten führen ihren Bandenkrieg gegen die Regierungstruppen im Norden und Osten Berlins weiter. Die Regierungs» truppen begegnen diesem Kleinkrieg mit einer umfang­reichen Enttvaffnungsaktton, die zu einer gründlichen Säuberung ter Stadt von bewaffneten Spartakisten führen soll. ES sind 30 000 Mann, die mit Artillerie, Mtnenwerftrn und Maschinengewehren an dieser Aktion teilnehmen. Straße für Straße wird sorgfältig ab« geriegelt, jedes Haus gründlich nach Waffen und be­waffneten Spartakisten durchsucht, trenn Widerstand ge­leistet werden sollte, wird dieser energisch unterdrückt. Gegen Barrikaten gehen die RegierungZiruppen mit Ar­tillerie und Minenwerfern vor, Schritt für Schritt soll so der ganze Norden und Osten, späterhin auch das In­nere der Stadt entwaffnet werden, denn es hat sich gezeigt, daß die frühere Entivaffnuugsakiion keinen Erfolg hatte und daß die Spartakisten für ihren zweiten Putsch noch sehr erhebliche Waffenmengen zur Verfü­gung gehabt haben. Nur die Munition ist ihnen jetzt knapp geworben. Durch die heute begonnene Entwafft nungSaltion soll nicht nur dem Kleinkrieg der Sparta­kisten ein Ende gemacht, sondern auch für die nächste Zukunft die Möglichkeit eines neuen Putsches beseitigt werden.

Berlin, 8. März. Den Regierungstruppen ist nach schweren Kämpfen, die z. Z. no<6 anbauern, un­ter Verlvendung aller militärischen Hilfsmittel, toi« Fliegerbomben, Minenwerfer und Gase gelungen, die Stellungen der Spartakisten am Alexanderplatz und ten angrenzenden Straßen zu erobern. Tie Spartakusleute hatten wieder, wie beim letzten Putsch, die Unter­grundbahn benutzt, um ihre Mannschaften und Ka­nonen gegen dar Polizeipräsidium in Stellung zu brin« MN. Die Besatzung tes Polizeipräsidiums hielt aber Stand, bis die freiwilligen Regimenter Hilfe schicken konnten. In ten angrenzenden Straßen tes Alexan- terplatze» herrschte in Der Nacht völlige Dunkelheit, da die SpartakuÄeute sämtliche Straßenlaternen umge- stürzt hatten. Der Kampf mußte infolgedessen mit Hilfe von Scheinwerfern fortgesetzt werten. Teilweise waren in ten langen Straßenzügcn teS Nordens Bar­rikaden errichtet, die nach und nach von den Regre- rungstruppen nach sorgfältiger Vorbereitung mit Minenwerfern gestürmt tourten. Die Verteidi­ger ter Barrikaden flüchteten dann in die Häuser, die einzeln abgesucht und mit Handgranaten gesäubert wurden. Tie Anzahl der Tot en wird auf 5600, die Zahl der Verwundeten auf weit über 1000 geschätzt. Auch die Opfer der Regierungsttuppen sind fehr erheb­lich. Tie Flieger der Regierungstruppen hatten die Aufgabe, vor allen Dingen die Maschinengewehrnester sestzustellen und nach Möglickikeit unschädlich zu machen. Drei gepanzerte Kampsdoppeldecker übernahmen b:efe Ausgabe. Sie strichen in 50 Meter Höhe über bte Dächer und stellten fest, auf welchen Dächern Maschi­nengewehre ausgestellt waren, lieber tem Aleranter- Piatz erhielten bie Flieger starke- Feuer au» ten R e» volverkanonen ter BolkSmarinedivi- s i o n. Jzt ter Nähe ter Georgenkirche stellte ein Dop­peldecker ein von Matrosen bedientes Geschütz fest, das so geschickt eingebaut war, daß ihm mit Maschinenge- tvehrcn nicht beizukommen war. Eine Flugzeug­bombe genügte indessen, um. daS Geschütz und die Mannschaft außer Gefecht zu setzen. Eine zweite Flie­gerbombe säuberte das Denkmal terBerolina*

wtb. Berlin, 9. März. Die heutige Nacht verlief im allgemeinen ruhig. In der Gegend Beuffel- und Turmstratze sanden Ansammlungen von Sparta­kisten statt, die durch energischer Zugreifen des Frei- willigen-RegimeniS Reinhardt, unterstützt burch eine Revolverkanonen-Batterie, sofort wieder gerftieut wur­den. Auch in Neukölln kamen Zusammenrottungen bewaffneter Zivilisten vor, die durch freiwillige Detache­ments zerstteut wurden. Die shstemattsche Säuberung deS Osten» von Berlin schreitet planmäßig fort. Wie au» der Takttk der Spartakisten immer klarer hervor» geht, ist ihr Bestreben, den Kampf, den sie in Berlin verloren haben, noch nicht aufgu ieben, sondern sich einen festen Standpunkt an der Grenze bet Stabt zu schaffen und dort so lange al» möglich auszuharren. In biefem Bestreben werben die Spartakisten von den Anhängern des radikalen Flügels der U nabb ängi q en unter­stützt, welche trotz der Beendigung des Generalstreiks erklären, in betn Kampf gegen bie Regierung zu be­harren. Der einigen gefangen genommenen Führern ber Kommunisten hat man Aufzeichnungen gefunden, au» denen hervorgeht, daß das gentium des Wider­standes in dem Vororte L ichtenb erg zu suchen ist. @8 wird die nächste Aufgabe der Regierungstruppen sein, diesen Herd beS Aufstander zu zernieren; schon jetzt ist Lichtenberg von einem festen Ring von Truppen umfaßt. Die Spartakisten haben auS Lichtenberg zwei Feldgeschütze und ein Fliegerabwehr- geschütz requiriert und beschießen damit die Stellungen der Regierungstruppen in der Frankfurter Allee. Diese mußten sich zur Sicherung vor ben Spreng, stücken ber Granaten in bie Keller flächten Dieie Ge­legenheit b uützt natürlich ba» lichtscheue Gesindel, um die leersteyenden Wohnungen zu plündern. Der Vor­marsch der Regierungstruppen gegen Lichtenberg begann heute nachmittag. Nach sehr starker Artillerie- Vorbereitung rückten die Truppen vor und getan ten bis in die Nähe der Warschauer Straße. Hier fuhr dann wieder Artillerie auf, um die noch immer stark verteidigten Barrikaden gründlich zu zerstören. Die Beschießung dauerte bis gegen ViT Uhr; sehr wirksam wurde bte Artillerie toieberum von Fliegern unterstützt, dm jede Ansammlung ftfistellien unb da» Feuer dort-

hin Mrigierten. Der Lichtenberger Güterbahnhof ist von Plünderern im Saufe be» Sonntag» vollständig auBgeraubt worden.

Berlin, 9. März. In der Nacht zum Sonntag haben die Kommunisten von Weißensee versucht, sich in ben Besitz be8 Rathauses zu setzen. Gegen 1 Uhr nacht» brangen größere Trupps Bewaffneter gegen bas Stabt- haus vor, unb forberte bie Besatzung auf, sich zu er­geben. Die Soldaten beantworteten diese Forderung mit Maschinengewehrfeuer unb bie Angreifer mußten fi* unter Verlusten zurückziehen. Balb banach toieoer- n e sich der Angriff unb schließlich wurde auch noch

ritter Sturm versucht. Da» Rathaus wurde jedoch ov.i feiner Besatzung gehalten.

Berlin, 9. März. Auch während des gan­zen Sonntags sauten schwere Straßen- kämpfe statt. Das Geschütz- und Maschinengewehr­feuer hörte noch keinen Augenblick auf. Heute machen sich auch die Dachschützen in allen Stadtteilen be- merkbar, wo fie ins Publikum schießen. Ebenso Werfen Flieger auf vom Kampf völlig unberührte Strassen Bomben ab, die fchon zahlreiche Opfer folterten. Die Volksmarinedivision ist teils versprengt, teils gefangen.

Obwohl derAbbruchdes Stre iks bereits am Samstag beschloffen, sind einzelne Stadtteile, so bis südlichen und südwestlichen Vororte, auch heute ohne Licht. Auch die Straßenbahner tietbarren noch im Ausstand, weil die Direktion ihnen die Sfteik- fage nicht bezahlen will. Die Fahrer, die monatlich 500 Mark und 26 Mark Fahrerzulage verdienen, sowie die Schaffner, die sich mit Trinkgeldern etwa ebenso stehen, haben bereits eine Einbuße von über 100 Mark zu verzeichnen. Heute hielt Reichspräsident Ebert, tet gestern abend hier eingetroffen ist, mit verfchiedeneu militärifchen Stellen eingehende! Beratungen ttb; in. denen die rücksichtslose Unterdrückung des Au ft" ruhrS beschloffen wurde. n

In den gestern zum ersten Male wieder erschienenen. Berliner Blättern kommt bie Befriedigung herüber zum- Ausdruck, daß der Generalstreik abgebrochen ift._ Der Schaden, ber durch bie Kämpfe an ten Häusern,! Gebäuden und Läden in ten betroffenen Gegenden an- gerichtet wurde, übertrifft bei weitem den ter früheren Kämpfe, die etfoa 40 Millionen Mark betrugen. 3m schwersten beschädigt wurde das Polizeipräsidium, daS Warenhaus Tietz wurde völlig auSgeplündert, das Wa- renhmiS Wertheim stark hein^esucht. f

wtb. Berlin, 9. März. Bon einem Privatberichk- erstatter Wird mitgeteilt: Ein St treten tes Alexander. Platzes und tes Polizeipräsidiums ist noch nicht gestattet. Im Hose der Rathauses liegen die Leichen dreier Man- ner, von denen einer die Uniform eines rusfifcherr Oberleutnants trägt. Die Kampfplätze sind nach dem Norden und Osten verlegt Worten. Vom Prenzlauer Tot bis zur Metzer Straße Wird von ten Tüchern geschossen. Augenblicklich wird das große Ge­bäude der Volksbühne am Bülowplatz belagert, wo sich die Spartakisten eingenistet haben. Man geht ihnen mit Artillerie und Minen zu Leibe. In btt Kleinen und Großen Frankfurter Straße hatten Spartakisten geraubte Mehl- und Zuckersäcke zu Barrikaten aufge« türmt, die durch Artillerie- und Minenwerfer zerstört wurden. *<

wtb Berlin, 9. März. Heute nachmittag S Uhr wur­den die Häuser Zionskirchstratze 26, 27 und 28 durch Artillerievolltreffer beschädigt. Mehrere Personen wurden verletzt. Die amtliche Feststellung er­gab, daß die Beschießung durch Spartakisten er­folgt ist. Die Fliegerbombe, die am Bülowplatz so verheerende Folgen gehabt hat, ist laut amtlicher Feststellung nicht von einem Meger ter Regierungs­truppen abgeworfen worden. <

wtb. Berlin, 8. März. Während der Kämpfe auf tem Merandervlah und der weiteren Umgebung tour­ten im Königsstädtischen Realghmnasium dessen Direk­tor Bötticher mit seinem Dienstmädchen von Schüssen auß einem Maschinengewehr durch das Fenster in tem Augenblick tödlich getroffen, als das Mädchen das Essen auftrug. Die BolkImarinedivision existiert feit gestern nicht mehr. Das Oberkommando hat sich vollständig aufgelöst. Die revublikanifche S o ld a t e u- wehr ist einer gründlichen Musterung unterzogen und wird vollständig reformiert. Ausgezeichnet bewährt ha­ben sich die F l i e g e r der Regicrungstruppen ,die auch für die Heranbringung von Verpflegung und Munitton' nach tem Alexanderplatz mit Erfolg verwendet Wur­den. 's

Berlin, 8. März. Auf Befehl der Regierung Würbe gestern ber anarchistische Schriftsteller und Heraus­geber dr .Aktion' Franz Pom fort in seiner Woh« nunrt verhaftet. Er steht im Verdacht, den letzten Putsch mit vorbereitet und organisiert zu haben.

Berlin, 9 März Bei dem verhafteten ftommu- nistenfüdrer Franz Pomfort wurde ein schriftlicher Plan für den Aufruhr gesunden, wonach n. a. am fünften Tage die deutsche Räterepublik außgerufea werden sollte.

Spartattstifche Vestialitätcn.

* Berlin, 9 .März. Der Kampf zwischen Re- grerungstruppen und Auffiändischen hat offenbar vielfach wilde Formen angenommen; von der- schiedenen ©eiten Werten bestialische Roheitsakte der terroristischen Elemente gemeldet. Am schlimm-^ ften ist cs in Lichtenberg zugegangen. Dort' wurde gestern nachmittag gegen 6 Uhr das Polizei­präsidium von Spartakisten erstürmt und sämtliche' Beamte, die in ihm vorgefunden wurden, wurde«' gefangen genommen; sie wurden in die Warschauer! Straß- gefahren und dort auf dem Hofe tes Omni, bustepotS, ungefähr 60 an der Zahl, durchKopf« schösse ermordet. Beamte, die sich zur Wehr setzten, wurden von 4 bis 5 Spartakisten gehalten, wahrend der 6. ihnen mit der Pistole z w i s ch e n die Augen schoß. In der gleichen bestialischen Weise wurde ein Radfahrer des Regiments Reinhard er­schossen. Dem Unglücklichen wurden die Hände und Fuße festgehalten und er wurde nun nach satanischen Mißhandlungen erschossen. Ein mit bewaffneten Regierungssoldatcn besetztes Auw wurde im Osten von Spartakisten überfallen und die Besatzung nie, dergemetzelt. Ebenso wurde in der Gegend der Gro­ßen Frankfurter Allee ein Lastauto des Freiwilligen Marineregiments überfallen; mit dem Tode der elf Mmm starken Besatzung muß leider gerechnet wer­ten. Gestern wurde eine Spartakisten verhaftet, die nach dem Zeugnis einwandftcier Zivilpersonen an der Tötung von mindestens 20 Soldaten bt. teiligt war.

Neuerdings verwenden die Spartakisten auch Flugzeuge zum Angriff auf friedliche Bürger Ber- inS. Flugzeuge der spartakisffsch gesinnten Flieger- Abteilung in Kottbu» haben außerhalb der im Kampf Iwfindlichen Stadtgcgenten Bomben auf Ansamm, hingen von Zivilisten abgeworfen und erhebliche Verluste verursacht.

wtb Berlin, 9. März. Im Lause des gestrigen. TageS wurden einige F-chrzeuge, die zum DerPfle, gimgsenipfang fsir die Frciwilligen-Wegerkorps qbge,1,