Sreitag 7. Mär- 1919. | »I 4S. Zahrg
Abbruch der Verhandlungen in Spaa.
wtb Berlin, 6. März. Die in Spaa geführten Keihandlungen über die Lebensmittelver- sorgung Deuts chIands, dir Auslieferung der Handelsflotte und die damit im Zusammenhang stehenden finanziellen Vereinbarungen sind a b- gebroch en worden, nachdem die Alliierten auf dersofortigenAuslieferung der deutschen Handelsflotte bestanden, ohne bindende Verpflichtungen für die Lebensmittelversorgung Deutschland zu übernehmen.
Berlin, 6. März. Gemäß seiner Anweisung sollte ter Führer der deutschen Delegation, Unterstaatssekre» rät v. Braun, die Zur-Derfügung-Stellung der deutschen Handelsflotte nur zugestehen, falls die LebensM'.ttel- Versorgung Deutschlands sichergestellt werde. In einer tzadinetlssihung hatte die deutsche Regierung in Wei» not diese Anweisung erneuert.
In der darauf anberaumten neuen Sitzung der Waf- fenslillstandskommission führte Unterstaatsselretär von Braun aus, daß schon im ersten WaffenstillstandSver» trag die Belieferung Deutschlands mit Lebensmitteln borgesehen sei. Diese Klausel fei für Deutschland einer der Gründe zur Annahme der überaus harten Bedin- «ingen gewesen. Deutschland solle nun aber durch die Ablieferung der Handelsflotte eine Barleistung übernehmen, ehe die Einfuhr der Lebensmittel erfolge; eine solche Leistung könne nicht ohne Zusicherung übernommen werden, daß die Lebensmitteleinfuhr nun auch tatsächlich erfolge. Bisher habe Deutschland trotz der Versprechungen keine Tonne Lebensmittel erhalten; die Alliierten hätten vielmehr die Hun- »erschraube durch tue Blockade noch schärfer angezogen. S^utschland schlage vor, um weitere Verhandlungen zu ter Handelsflotte vorzunehmen und bei dem Vorhan- ermöglichen, eine t e i lw e i s e zur Versügungstellung ter Handelsflotte vorzunehmen und bei dem Borhan- benfetn des endgültigen VersorgungSplaneS den Rest der Flotte auszuliefern.
Der englische Vertreter erklärte, die Alliierten hätten die Absicht, die Versorgung Deutschlands von Monat zu Monat zu erleichtern, vorbehaltlich der Ent- toeibung des Obersten KriegsrateS, wenn Deutschland sofort die gesamte Flotte abliefere. In erster Linie werde tie Einfuhr von 270 000 Tonnen genehmigt, und die Krage weiterer Lieferungen werd« dem Obersten Kriegsrat zur Entscheidung vorgelegt.
Unterstaatsfekretär v. Braun entgegnete auf diese Erklärung, daß dadurch die weitere Versorgung Deuisch- lmrds von unsicheren Fakwren abhängig gemacht und die Entscheidung dem Obersten KriegSrat Vorbehalten sei, mit dem Deutschland keine Verhandlungsmöglichkeit habe. Er betonte nochmals, daß Sie Frage der Lebensmittelversorgung eine Frage auf Leben und Tod für Deutschlands Bevölkerung sei, von der schon jetzt täglich 800 Menschen Hungers stürben. Keine Regierung könne eS verantworten, sich ohne Sicherheit, daß die Alliierten helfen, des letzten Mittels berauben, sich selbst zu helfen.
Hierauf erklärte Admiral Hope, daß die assoziierten Vertreter keine Vollmachten hätten, weiterzugehen. Wenn die deutschen Vertreter keine weiteren Instruktionen hätten, schlage er vor, die Verhandlungen abzubrechen.
UnterstaatSsekretär d. Braun bemerkte, er halte es für wenig wahrscheinlich, daß die deutsche Regierung in dieser Lebensfrage nachgeben könne. Ta ein weiteres Verhandeln zwecklos erschien, wurden die Verhandlungen abgebrochen.
; Die beiderseitigen Kommissionen reisten von Spaa ab.
Der Eindruck in Weimar.
^ Weimar, 6. März. Der Abbruch der Kommissionsverhandlungen in Spaa hat in Weimar bei den Parlamentariern nicht überrascht. Man kennt die schweren Bedenken, die die Reichsregierung und die Parteiführer geltend gemacht haben, als sie den deutschen Unterhändlern ihre Instruktionen für die Fahrt nach Spaa mit- Haben. Aus diese» ist bereits zu ersehen, daß die Grenze erreich! war, von der Scheidemann und Drockdm ff-Rantzau erklärt halten, daß sie unter Um- Pänden nicht Zweiter überschritten werden kann. Jedenfalls bewahrt man in den parlamentarischen Kreisen Weimars vorläufig völlige Ruhe, aber «s ist einleuchtend, daß jetzt noch weniger als vorher von einer längeren Vertagung der Nationalversammlung die Rede sein kann.
L'ie neue Revolution.
SeiÜtem die Nationalversammlung tagt, hat die Politische Hochspannung keinen solchen Grad erreicht, «w jetzt. Es hat gar «inen Zweck, sich dem Ernst der Lage und der Größe der Entscheidung, die auf dem Epiele steht, zu verschließen.
; Nichts anderes als eine neue Revolution ist im wonge, eine Umsturzbewegung, welche als die »zweite Devolution" von dem bekannten Unabhängigen .Leichenmüller" in Berlin bezeichnet worden ist. Nachdem Pwse Furie wieder entfesselt ist, weiß heute niemand, too sie zum Erliegen kommt, denn dem Spartakusbunde, «r kommunistischen Patrei genügt auch diese »zweite Revolution" noch nicht. Diese Richtung will, und sei es über Leichen und Blut, um jeden Preis die Diktatur des Proletariates verwirklichen, sie will keinerlei «ndereS Machtgebot, wirtsck-aftlich und polittsch, als daS v«r handarbeitenden Klassen anerkennen. Jedes Par- sument, daS nicht aus rein proletarischen Mitgliedern vkfteht, soll mit Gewalt verhindert werden. Alle polt« "sche Macht soll in den Händen deS Proletariats ver- einigt werden.
Mr Reckte im Staatsleben, alle Bedingungen des ^ictzchafislebenS wollen sie lediglich zu Gunswn deS ^vietariates angewendet wisien.
Man täusche sich nicht darüber, daß derlei Ideen bei ^.-^olfiisch ungebildeten Masse außerordentlich zug- rosttg sinh. Tie Entwicklung der letzten Wochen hat 8 ia gezeigt, daß in weite Kreise der arbeitestden Mas- ien daS bolschewistische Gift eingeträufelt werden 'Siir?» ' eine immer größere Zahl deutscher
-«vr^genossen von ihm durchseucht wurde 'x-^Iurchtbar ist die Aussicht, die sich uns eröffnet. Die *,eBt ber der unentschloss. regierungsunfähigen ^rung der Nerchsgrschäfte, wie wir sie bis zum Zu- flMsvtritt der Nationalversammlung sahen Spar- »ttstitcher Mutwille mußte ja förmlich groß gezüchtet «Knien angesichts der Halbheiten und Nachgiebigkeiten «c,r wz'.a!,,tischen Negierung. Ihre Schwächen rächen 'w letzt bitter. Mit eiserner Willenskraft hätte sie von löfer I auch den leisesten versuch Mit rücksichtS« ° er Entschiedenheit sich widersetzen müssen, der dar- die PersönlichkeitSrechle des Volkes zum .lervaü cnier plündernden Horde zu machen. Man bi? rC-J? F-wih den- Sozialisten nachfühlen, daß sie »_ LüI,,<I’IufebereitfdKjft nui sehr schwer auszubringen
-mochten qeLenstber Elementen, die im Grunde nichts
anderes taten, als die sozialistischen Ideen bis in die äußersten Konsequenzen zu verwirklichen. Unter dem Druck der Wirklichkeit haben die vernünftigen und einsichtigen Sozialisten ungemein viel umgelernt. Sie erkennen klar und deutlich, daß eine konsequente Durchführung ihres den Mafien immer mit großen Phrasen vorgetragenen politischen und wirtschaftlichen Pro- gramms den wirtschaftlichen Untergang des Volkes im Gefolge haben müsse. Aber jetzt, da die Probe aufs Exempel der _ sozialdemokratischen Theorien gemacht werden soll, hält es naturgemäß schwer, die Masse davon zu überzeugen, daß man die Tinge ja ganz anders gemeint habe. Tas Fieber ist aber nun einmal im Gange, und nichts vermag es zu dämpfen.
Tas ganze politische Leben, wie es sich mit Dem Zusammentritt der Nationalversammlung in einigermaßen geordneten Dahnen vollzogen hat, steht jetzt vor der Gefahr der völligen Zertrümmerung. Nicht nur die Negierung, mich die Nationalversammlung ist in ihrer Existenz bedroht, damit aber auch das Letzte, was wir uns in mühsamer Arbeit erarbeitet und erkämpft haben.
Tie neuen Prüfungen, die dem Lande und Volke bevorstehen, sind vielleicht die schwersten der ganzen Kriegs- und Nachkriegszeit. Tie einzige Hoffnung, die'uns bei all dem Düsteren der Gegenwart bleibt, iir die, daß schließlich sich doch die ewigen I^een von Recht und Moral auch im staatspoli- tiscken Leben durchsetzen. Jeder von uns für feinen Teil ist berufen und verpflichtet, im Sinne diefer RecktS- sätze in den kommenden envfen Stunden mitzuarbeiten und zu schaffen für des Volkes Wohlfahrt und damit für des ganzen Reiches Schicksal,
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Was die Regierung in Weimar mit den Abgesandten bei Berliner Mehrheilsiozialisten abgemacht hat über die Einführung von Arbeiter, äten in den einzelnen Betrieben, die Schaffung von Bezirks- täten, Landesräten und einem Reichsarbeiter- TQt, was sie weiter vereinbart hat über Arbeitsrecht' und Sozialisierung, ist ja annehmbar, es fragt sich aber, ob bie 8h beiter betitelet damit in ben Streikausschüssen durchdrinien. Die Spartakisten werben sich nicht z^fiieden g ben; auch bie unabhängigen Een offen nicht; benn diese wollen ben Sturz der gegenwärtigen Regierung und die volle politische Herrschaft für die Atbeiterräie, b. h. für sich selbst. Wenn das Beruhigungspulver wirken soll, dann muffen dir Mehrheilssoftalisten den Mut und die Kraft haben, den Bann der sog. Streikleitung zu biechen und ihrerseits die Wieget» aufnahme der Arbeit in Wort und Tat dnrchzu- setzen. Warten wir die weite-e Entwicklung in Berlin ab.
Unsere Zustimmung zu den Zusicherungen der Regierung an bie Berliner Abordnung ist nicht von Vorbehalten sein. Wir haben erhebliche Zlveifcl, ob bas Sozialisierungsgesetz, wenn es jetzt Beschleunigung durchgebracht werden soll, zum Wohle ber Arbeiterschaft ausschiägt. Jedes überstürzte Vorgehen auf wirtschaftlichem Gebiete birgt eine schwere Gefährdung unseres Wirtschaftslebens in sich. Es ist tief bedauerlich, daß weite Kreise der Arbeiterschaft in bie Regierung unb bie Nationalversammlung nicht das Vertrauen fetzen wollen, baß sie auch ohne daß man ihnen bie Pistole auf bie Brust setzt im Sinne des wahren Bolkswohles tätig zu sein gewillt sind. Tie Erfahrungen, die wir seit dem 9. November zu sammeln reichlich Gelegenheit Hattert sollten doch gerade unsere Arbeiter zur größten Vorsicht mahnen, denn was seitdem von unserem Volksdermögen und unserer Volkskraft vergeudet und verwirtschaftet worden ist, ist nie wieder gut zu machen. Und jetzt soll mit der gleichen Eilfertigkeit, mit dem gleichen revolutionären Ungestüm weiter gewirtschaftet und die Lösung der schwierigsten Probleme unserer Volkswirtschaft in Angriff genommen werden. Einsprunghafte Entwicklung ist nirgends gedeihlich und rächt sich besonders auf einem solch verwickelten Gebiete, wie es die deutsche Vclkswirtschaft ist. Wir haben volles Verständnis für das Verlangen der Arbeiter, in eine lebendigere Fühlung zu ihrer Arbeit und ihrem Bettel zu gelangen, aber durch waltrnaßnähmen und unrrprvbte darum gefährliche Experimente werden wir bie Erfüllung dieses Verlangens nur gefährden.
c. Weimar, 6. März. In rechtsstehenden parlamentarischen Kreisen verlautet, daß zwischen den Mehrheits'ozialisten und dem rechten Flügel der Unabhängigen Verhandlungen gepflogen weiden, die angeblich aus den Eintritt der Unabhängigen in die Regierung abzielen. Man bringt diese Verhandlungen mit den Abmachungen in Weimar zwischen der Regierung und der Berliner Abordnung in Zusammenhang. So weit wir haben ftststellen können, finden diese Gerüchte bei den bürgerlichen Mehrheil kparteien keinen Glauben.
Verschärfung der Lage in Berlin.
* Bertie, 6. März. Erst jetzt ist der Generalstreik akut geworden. Fast alle Geschäfte haben geschlossen, denn die Angestellten können nicht zur Arbeit kommen, weil die Bahnen versagen und der Aufenthalt auf den Straßen mit Lebensgefahr verbunden ist. Während bi» heute früh kaum der vierte Teil der Arbeiterschaft die Aibeit niedergelegt hatte und von dem Generalstreik in der Stadt kaum etwa» zu merken war, steigerte sich heute die Zahl der Streikenden nach einir un efähren Schätzung auf 600000 Arbeiter. Ob diese Zahl, zutreffend ist, läßt sich nicht feststellen, jedenfall« ist eine erhebliche Anzahl von Großbetrieben, die gestern noch gearbeitet haben, heute stillgelegt worden.
* Berlin, 6. März. Heute ist in Berlin keine Morgenzeitung erschienen, da ceftern abend alle Setzer und Drucker in den Ausstand traten.
Berlin, 6. März. Gegen M7 Uhr abends erlosch plötzlich in ganz Berlin das elektrische Licht. Tte Vollversammlung der G-oß-Beritner A rh eite --1 ä t e hatte nämlich gegen die Stimmen der Mehrh.'ttsjofiaiisten bejchleffen. die Betriebe der Elektrizität-, Gas- und Wasserwerke sti l l zu legen. Wenn dieser Beschluß tatsächlich zur Durchführung kommt, so find bie Folgen für die Krankenhäuser, Aer^t« und Apotheken von unabsehbaren Folgen Die Kranen unb namentlich bie ftinber, würden unter einer derartigen Maßnahme außerordentlich leiden. Man hat bereits Erwägunaen angestellt, ob es möglich sein werde, den Betrieb der Las- unb Wasserwerke mit militärischer Hilfe aufrecht zu erhalten. Unter ben regierungstreuen Truppen sind bereits Fachleute ausgewählt worden, bie sich verpflichtet haben, unter ber Leitung brr Ingenieure weiter zu arbeiten., Schwierigkeiten
dürften sich beim Betriebe der W a s s e r w e r k e ergeben, da die Pumpen leicht beschädigt werden können. Tie Wasserwerke haben deshalb starken militärischen Schutz erhalten.
Als die Arveiterräte auf Antrag der Unabhängigen ben Beschluß gefaßt haben, den Generalstreik in Berlin auch auf die Elektrtziiäts', Gas- und Wafser- werkr auszudehncn verließen die Mehrheitssozialisten den Saal mit der Erklärung, daß sie diesen verbrecherischen Streik nicht mitmachen und ans der Streikleitung austreten. Damit ist eine Spaltung im Streiklager eingetreten. Es ist wahrscheinlich, daß die Mehrheilssozlalisten an ihre Anhänger die Parole ausgeben, die Arbeit wieder auszunehmen.
Kämpie um das Po i-ciprasidn m.
wtb Berlin, 6. März, lieber die Ereignisse des gestrigen Tages erfahren wir u. a.:. Heute früh 7 Uhr fielen vereinzelte Schüsse aus dem Grandbvtel Ecke Neue Königstraße. Tie Ansammlungen an dem-Ale» xanderplatz nahmen im Laufe des Vormittags immer mehr zu, sodaß der Platz zweimal von den Nc- girrungstruppen g eiäurai werden mußw. Die Menge wurde trotzdem immer ziidringlicher und eröffnete gegen 12% Uhr aus den anliegenden Häusern zunächst vereinzeltes, dann immer stärker werdendes Feuer auf Ctc im Polizeipräsidium befindlichen Regierungstruppen. Tie Erschießung eines Spartakisten, der mit einer Handgranate ein Tor des Präsidiums zu sprengen verfuchre, war daß Zeichen zu fortgesetztem Feuern auf das Gebäude. Aus den Nebenstraßen und von den anlieaenben Häusern wurde da8 Präsidium von den Spartakisten immer stärker beschossen. Tie RegierungStrnppen erwiderten DaS Feuer, das gegen 3 Uhr verstummte. Eine Viertelstunde spä- ter versuchten etwa 80 Zivilisten und Matrosen das Tienstgebäude in der Magazinstraße zu stürmen, wo die zur Besatzung DeS Polizeipräsidiums gehörige Artillerie untergebracht war. Der Angriff wurde »ach einstündigem Kampf durch Regiertmgstrnppen und Schutzleute abgeschlagen. Tie Angreifer hatten einen Toten, die Verteidiger keine Verluste. TaS Gerücht, daß die B o l k s m a r i n e b i vi s ton zu den Spartakisten überaegangen sei, verdichtete sich immer ine6 c und wurde schließlich als vollzogene Tatsache gemeldet. Gleichzeitig wurde bekannt, daß eine republikanische Soldaten wehr ebenfalls tn das Spar- takistenldger übergetreten fei. Matrosenabteilumgen schoben sich immer mehr an ba§ Präsidium heran. Weiter wurden etca 80 Matrosen auf dem Grundstück Tietz gemeldet. In der Neuen Friedrichstraße wurden ge- äcn Wi Uhr von den Matrosen Barrikade» errichtet. Nach den Nachrichten, die um 11 Uhr abends tingiugen, hat die Volksmarinedivision an der Janno- witzbrücke sowie in der Magazin- unb Alexaiiderstr.ihe Maschinengewehre in Stellung gebracht, um da- Polizeipräsidium zu stürmen. Soweit bisher bekannt, sind allein in der Rettungswache in bec Lands- bergerstrahe ein Toter und 22 Schwerverletzte einge- vracht worden.
wtb Berlin, 6. März. Seit Mitternacht spielten sich schwere Kämpfe um das Polizeiprä- si b i u m ab. Tie Spartakisten feuerten mi: M a- schinengewehren und schwerer Artillerie, sobaß bas Gebäube stark vefckäbigt worben ist. Eine Verbinbung mit dem Polizeipräsidium ist unmöglich, da alle Zn gangs st ratzen von Spartakisten besetzt werben. Tie Telephonleitungen sind zerschnitten. Außer bet Bolksmarinedivi- f i o n unb einem Teil ber republikanischen S o l bäte n w e h r finb auch ein Teil ber Maikäfer und des. 2. ®arbtregiment§ zu den Aufrührern übergegangen. Tie nächtlichen Kämpfe sollen bisher acht Tote unb eine erhebliche Anzahl Verwundeter gekostet haben.
totb Berlin, 6. März. Tie Belagerung unb Beschießung beB Polizeiprä^ oiums ist auch heute vormittag fortgesetzt worben. Nach einer Gefechispause von >512 Uhr ab wurde wieder mit kurzer Unterbrechung gc= schossen und zwar meist mit Maickinengewehren. Tas Stablcogteigebäube. das sich unmittelbar an das Polizeipräsidium entschließt, tourbe mit schweren Minen bombardiert. CS gelang den Angreifern, eine Anzahl Gefangen« zu befreien, doch konnten sie wieder ergriffen und festgesetzt werben. Tie Verluste ber beiben Parteien, b:t bis zum gestrigen späten Abend etwa 20 Tote, ungerechnet die Verwundeten, betragen haben dürften, sind weiter gestiegen Die Lage ist äußerst unklar. Tie Mannschaften, die sich von der republikanischen Soldatenwehr avgezweigt Haven, erklärten Ptefieveriretetn gegenübet, sie seien keine Spartakisten, sondern stünden nach wie vor auf dem Boden ber Regierung.
• * Berlin, 6. März Wie sich jetzt beraristtellt, ist in der Volksmarinedivision eine Spaltung eingetreten. Ungefähr bie Hälfte fämpfi neaen die Regierungstruppen, bie andere Hälfte erklärte, weiterhin treu zur Ne ierung zu halten und hat sich dem Kommando der Garbekavallerie-Schützenbivision unterstellt, bereit Truppen rings um den Alexanberplatz in den Kampf ein getreten find. Die gleiche Spaltung ist auch bei der republikanischen Soldatenwehr eingetreten. Bon Seiten der Regierung find erhebliche Berstär- tun gen zur Riederkäm psung nach dem Alexanberplatz entfanbt worden, um den Platz und ine angrenzenden Straßen zu säubern. Zu einem lieber fall auf Ke- zierungstruppen ist es beim Marstall gekommen. Sine vordeimarschierenbe Abteilung von Regierungltrupp -n wurde von einer Abteilung der republikanischen Soldatenwehr, die un Marstall untergebracht war, unoet- mutet angegriffen. ES entwickelte sich ein lebhaftes Feuer.efecht, das mit einer vollständigen Niederlage ocr republikannchcn Soldatenwehr endete, von ber eine Anzahl getötet unb verwundet, der Rest gefangen genommen wurde.
Die Negierurrg-trnpperr Herrn der Lage.
wtb Berlin, 6. März. Ter Aufruhr in Berlin soll nach Versicherung unterrichteter Kreise trotz alle» äußeren Ansehens, das bte EpartakuSleuie ihm zu geben bemüht sind, doch nur eine vorübergehende Bedeutung zukommen. Er ist auf da» Gebiet um daS Polizeipräsidium herum beschränkt. Tie An. greiser bestanden zum Teil aus bewaffneten Arbeitern der Berliner Großbetriebe, aus bewaffneten Ar« deittzlosen, ou8 Mitgliedern des roten Soldatendun- bei, da» sind Deserteure oder freigekommene miti.» rärische Strafgefangene, sowie aus Teilen der Volksmarinedivision. Heute im Laufe der ersten Morgen- ftuubcn ist dir Angriff auf das Polheipräsidnuu vollkommen gescheitert. Lediglich einer kleinen Abteilung von etwa 50 Mann war es gelungen, in den Süifflügel des Polizeipräsidiums vorübergehend einzudringen Diese Abteilung wurde nach kurzer Zeit von der Besatzung hinausgeworfen. Tas Pofi« zeipräsidium wurde im Laufe des Vormittags we>.» terhin beschossen und nach allen Seiten abgeschlossen. Daraufhin ist der Gardekavallerie-Schützendivifion
Der bayerische Rätekongretz.
München, 6. März. Ter Räiekongreh erweist sich je länger, je mehr, als ein Schwätzparlament übehtot Sorte. Nachdem die gestrige Vormittagssitzung überhaupt nicht zustande kam, brachte bie vierstündige Nack» Mittagssitzung lediglich daß Ergebnis, daß zwei Anträg, angenommen wurden, wonach die Unabhängigen um MehrheirSsozialisten zu einer Besprechung zusammer kommen sollten, ferner baß bet bcsichenbe Zentralem vorläufig die Geschäfte weiterfühti. Tie heutige Sitzunj würbe mit Verhanblimgen über bie verhafteten G e fe sein auSgefüllt. 15 wurden bereits entlassen; 7 sink entflohen. ES tourbe beantragt, auch noch die tn Hafk befindlichen Geiseln freizulassen, soweit ihnen eins Teilnahme an gegenrevolutionären Unternehmungen nicht nachgetoiesen werden kann.
Das Gerücht hält sich aufrecht, daß der Landtag irgendwo außerhalb Münchens zufammentre- ten wolle unb zur Bildung einer Regi-runK schreiten werde» "
die Säuberung des Alexanderplatzes und diel Entsetzung des PolizeiPräsidiums überragen; worden Der Angriff der Gardckavallerie-Schutzen», division begann um 2 Uhr nachmittags und kann bev Einbruch der Dunkelheit als gelungen bezeichnet werden. Es sind noch Einzelheiten rm Gange, irvoch kann bie Gesamtlage dahin gekennzeichnet werden, daß die Regierungstruppcn Herren er läge sind. Die Volksmarinedivision hatte aus dem Ma rinehauS die weiße Flagge gehißt und hat das Ma^ rinehaus geräumt. Zur Zett ist das Mannchau^ von plündernden Zivilisten angefullt.
* Berlin, 6. März. Der heutige Tag hat mjaj Meldungen eines anderen Berichterstatters den /te- aierungsiruppen in schweren Straßenkämpfen einen; restlosen Erfolg gebracht- Die Volksmarinedivision mit Teilen der republikanischen ^»ldaten- wehr hatte sich im Marinehaus verfch«»zt und das Haus mit Maschinengewehren, Geschützen und allen modernen Kaiilpfmitteln in eine Festung verwandelt. Gleichzeitig versuchten die Spartakisten das Poftzei-i Präsidium zu stürmen. Die wackeln Verteidigen schlugen stundenlang alle erbitterten Angriffe zuruck, t'vtzdem die Gegner auch Artillerie verwendeten.-In den Drittagsstunden setzte der hervorragend geleitete, Angriff der N^gierungstruppen an allen Stellen, gleichzeitig ein und brachte ihnen einen bolle» Erfolg Tas Marinehmrs erhielt drei Volltteffer von schweren Feldhaubitzen. Die Verteidiger verlie. ßen fluchtartig ihre Festung. Ter Äleranderplatz, die umliegenden Straßen wurden von den tztreiwilll- genformarionen ber Garbekavallsrie-Schutzendiviswir gestürmt und vollständig gesäubert. Der Erfolg der Truppen ist trotz erdstterter Gegenwchr der Spartakisten ei» voller. _
Einigung im ,
mitteldeutschen Strerkgeblet.
wtb Berlin, 5. März. Heute fanden unter deut Vorsitz des Reichsarbeitsministers Bauer Verhandlungen mit den Vertretern der Streikenden imi mitteldeutschen Streikgebiet statt, die zu einer b o l. ligen Einigung führten. Die anwesenden! Arbeitgcbervertreter stimmten für ihre 4>cr|oii den getroffenen Vereinbarungen zu und verlpracheq in ihren Kreisen für die sofortige Durchführung ent- zutreten. Ter Reichsarbeitsminister verpflichtete sich 'einerseits dazu, durch unmittelbare Einwirkung auj die Organisation der Arbeitgeber den Admachungeir den nötigen Nachdruck zu verleihen. Zu diesem Zweck wird in den nächsten Tagen eine Besprechung der Regierung mit den Verrretern der zuständigen Arbeit- geberorganisation in Weimar stattfinden. Die Vertreter der streikenden Arbeiterschaft verpflichten sicy, für di: sofortige. Wiederaufnahme der Arbeit cinzu- treten. . ,.
wtb Meiningen, 6. März. In den ostthurmgl- schen Städten har sich die Arbeiterschaft durchweg gegen den Generalstteik ausgesprochen. In West- thüringen flaut der Streik nach vorliegenden Meldungen ab. 3k Erfurt hat sich der Generalstteik in Teilausstände aufgelöst. Im Altenburger Kreis wurde die Arbeit wieder ausgenommen. In Gotha herrscht nur noch Teilstteik. Vorläufia sind die Drahtverbindungen zwischen Erftirt und Subthuringen noch gestört. Auch in Dresden ist der General» streik beendet. . ~ _
Weimar, 6. März. Weimar ist ruhig. %n Erfurt haben die städtischen Beamten, nachdem die Un abhängigen bie von ber bürgerlichen Proteststreitteituni gestellten Forderungen angenommen Haden, ihre, Lienst wieder ausgenommen. Tie Verkehrsbeamtek Sen noch im Streik, der aber nach Absckluß der Son oerhandlungen in kürzester Zeii mdgebrochen sei', dürfte. Der Sahnverkehr ruht bis dahin. Der Arbei terstreik flaut ab. .
Leipzig, 6. März. Ter Gcneraliireik in Lewzr. dauert fort, doch sollen heute zu seiner Beilegung Vev Handlungen beginnen. — Tie sächsische Vol-.sk am mer verhandelte heute Über zwei Interpellationen bs irefftnb das terroristische Treiben unb bie Wiederher fteUung der Pressefreiheit in Leipzig Ter Minister bei Innern führte u. a. aus, eS herrsche in Leipzig ei' Zustand, Der jeder Beschreibung spotte. Rach ihm soebe' zugegangenen Mitteilungen _ stocke in Leipzig bte Le bensmittelzufuhr gänzlich, sobaß bie Stadt mit bei schlimmsten Hunger bedroht iverbe. Dabei ser un ck, unb S.-Rat die Meinung zutage getreten, wenn d, Nahrungsmittelzufuhr aushöre, würden bte Arbeue straßenweise bie Häuser nach Lebensmitteln durchsuche' unb birst nur an bte verteilen, bie sich als Anhänge / ber Unabhängigen bekennen würben. ~ Auch bte, Regie; rung bebaueie, baß in Leipzig die Pressefreiheit schmacP voll geknebell würde.
BrrgarbeiterstreikS.
wtb 6ffe«, 6. März. Die Gesamtzahl der Auck ständigen im Ruhrgebiet beträgt 6900 gegen 750$ gestern. Der Streik dauert aus sämtlichen Zechem anlagen der Gewerkschaft Deutscher Kaffer, Rhem I und Lohberg noch an.
wtb veulhen, 6. Marz. Ein neuer Berg, arbeiterstreik ist in Dberschlesien au* gerufen worden. Die Bergleute fordern die Entfe« nmtg des deutschen Grenzschutzes, Aufhebung dcs Be. lagerungszustandes, Entfernung der Offiziere uitt ber Studentenschaft, sowie die Errichtung einer polnischen Schutzwehr. Bej der Frühschicht fehlte dst Belegschaft von 10 Gruben.