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Nr. 54- |
Dorsnerstafi 6» HTnrZ 1Q1Q I Verlag der Fuldaer Actiendruckereim Fu!Da. - Preis rnonatl. I AG *lrttirr.
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Die Lage in Mitteldeutschland.
Weimar, 5. März. Die Stadt Salle ist jetzt, ruhig. Die Lage im übrigen Streikgebiet ist im grohen und ganzen unverändert. In W ei mar herrscht ebenfalls vollkommene Ruhe. Der Generalstreik wurde abgelehnt. In der Rächt zum Mittwoch wurden fünf Leute festoenommen, die spartakistischer Umtriebe der» dächtiz waren.
• Eisenach. 5. März. Bon heute mittag ab wird die Lieferung des elektrischen Stromes und des Lichtes und ebenso die Gas» und Wasserbelieferung eingestellt. Rur daS Beerdigungswesen soll aufrecht erhalten bleiben. DaS Verkehrsamt Eisenach erhielt die Aufforderung« den Ersenbahnverkehr Eisenach—Bebra, Eisenach—Gotha und Eisenach—Meiningen sofort einzustellen, widrigenfalls mit Gewalt vorgegangen werden soll. Vereinzelte Plünderungen von Geschäften sind bereits zu verzeichnen. Mit Handgranaten bewaffnete Männer bedrohen die arbeitswilligen Arbeiter der Eisenbahnwerkstätten. Die Hochspannungsleitung Eisenach—Gotha wurde zerstört.
• Leipzig, 5. März. Während hier auf der einen Seite Strerkunlustrpe mit Waffengewalt an der Wiederaufnahme der Arbeit verhindert werden, sollen die streikenden Aerzte, Bank, und städtische Angestellte zur Dienstleistung gezwungen werden. Die Streikleitung fordert in einem Anschlag erneut zur Fortsetzung des Streiks auf. Inzwischen haben sich hier spartakistische Truppen gebildet, angeblich als Bürgerwehr. Die Streik» läge selbst ist unverändert, dagegen werden die inneren Zustände immer bedenklicher. Nach ärztlicher Mitteilung sind bereits Fälle von Flecktyphus ausgetreten. Die Kindersterblichkeit in Leipzig nimmt fortgesetzt zu. Ja
Widerspruch der Alliierten
gegen die Foch'schen Bedingungen.
Gem, 5. März. Die französische RrgierungS- presse gibt mit großem Mißvergnügen zu, daß die von Fach ausgearbeiteten Frieden «beding u n gen bei den Vertretern der Großmächte am Montag wieder alles Erwarten auf entschiedenen Widerspruch gestoßen sind. Aus den Andeutungen der Blätter geht hervor, daß auf der Konferenz der Großmächte besonders zwei Bedenken geltend gemacht wurden: 1. daß es nicht angebracht sei, in Abwesenheit WilsouS Beschlüsse zu fassen über Vorschläge, die über die Ersordernrsse deS Waffenstillstandes hinauSgehen und bereits die Formulierung der Friedensverhandlungen festlegen würden, 2. daß die Vorschläge des Marschalls Fock sich nicht an die von den Sonderkommissionen der Konferenz aufgestellten Richtlinien halten. Die Einwände waren derart ernst, daß die Vorschläge FochS ohne eine Prüfung ihrer Einzelheiten zunächst zu einer neuen Prüfung an Foch zurückgegeben werden.
' RehrungSmkltcl und Rohstoffe!
Ein Mahnungsruf an unsere Gegner.
wtb Berlin, 5. März. Tie „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Tie deutsche Rcichsreg'erung kennt d n Ern st der gegenwärtigen Lage, sie verkennt auch die Gründe nicht, die diese Lage hcrbeigeführt habe» und sie fortdauernd verschärfen. Tas deutsche Volk ist von Natur nicht zu wilden Streiks und Unruhen veranlagt, aber ein Volk, daS Jahre hindurch kämpfend unendliches ge, duldet und geopfert hat und trotz aller Leistungen sich geschlagen sieht, ein Volk, das den Frieden gesucht hat und trotz des Wafsenstillftandes sich mit den Waffen der Hungerblockade mit immer neuen entehrenden Bedingungen bekämpft siebt, ein solches Volk wird im Innern krank. Tie gegenwärtigen Unruhen, der Terror und die aHtäßlidjen Verbrechen sind Krankheiten des sozialen Körpers, denen er nicht zu widerstehen vermochte weil er durch die Entbehrungen und den Blutverlust geschwächt war. DaS deutsche Volk wird nur genesen, wenn man ihnr Rohstoffe gibt, damit es arbeiten kann und Nahrungsmittel damit es leben kann. Beides verweigern „ uns die Feinde. Ter tiefste Grund der gegenwärtigen Krise und der verbrechen
Derantwortlich für den redaktionellen Teil: Kart Schütte, für die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. — Rotationsdruck.
Die Verhandlungen in Spa.
Auslieferung der gesamten deutschen Flotte. Nur 270 000 Tonne» Lebensmittel.
wtb Berlin, 5. März. Am 4. März begannen in Spaa die Verhandlungen über die Lebensmit. telversorgung Deutschlands. Geleitet werden sie deutscherseits von Unterstaatssekretär v. B r a u n, englischerseits von Admiral Hope. Admiral Hope erklärte, seine Zeit sei bemessen, übermorgen müßten die Verhandlungen beendet sein. Im übri- gen möchfe er klar zu verstehen geben, daß man nicht irgendwelche Nahrungsmittel nach Deutschland gelangen lasse, bis ein bedeutender Fortschritt in der Uebergabe der deutschen Handelsflotte gemacht sei. Es müßte daher sofort die Versicherung der deutschen Regierung erfolgeck, daß sie das Nötige für das Auslaufen der Flotte tun und die gesamte Handels, flotte unter die Kontrolle der Miierten stellen werde. Aus den Verhandlungen geht klar hervor, daß die Alliierten entgegen den deutschen Wünschen n i ch t die Absicht haben, über die gesamte Versorgung Deutschlands bis zur nächsten Ernte zu verhandeln, sondern eine kleine, bereits abgespro- cheue Teillieferung von 270 000 Tonnen machen wollen; darüber hinaus wollen sie Deutschland nur noch eine ziemlich verklausulierte Teillieferung von 100 000 Tonnen aus Argentinien ermöglichen. Ad- miral Hope erklärte, es fei keine Rede davon, Deutsch, land ober sonst jemand bis zur nächsten Ernte zu der. sorgen. Der englische Delegierte Kahnes fügte hinzu, erst wenn die Schiffe abgeliefert seien, werde die Entente in Besprechungen über wett. Lieferungen an Deutschland eintreten. Der deutsche Dele. gierte erklärte, daß die Auslieferung der Flotte nach denr Vertrage nur erfolgen solle, um die LebenS- mittelve, sorgung Deutschlands sicherzustellen. Ein Abschluß über die Gesamtversorgung Deutschlands wäre dazu die notwendige Vorbedingung. v. Braun begründete in längeren Ausführungen die Rechtmäßigkeit des deutschen Standpunktes nach dem Wortlaut des Vertrages und nach den Aenßerungen des Marschalls Fach. Deutschland habe das größte Jntereffe daran, die Verhandlungen zu beschleunigen und es sei fest entschloffen, mit der Auslieferung der Schiffe sofort zu beginnen, die deutsche Regierung könne aber die Verantwortung nicht übernehme», die Flotte herzugeben, ohne die Le. bensmittelversgrgung für die hungernde deutsche Bevölkerung geordnet zu haben. Daraufhin wurden die Verhandlungen auf den 5. März vormittags vertagt.
Infolge dieser Vorgänge in Spa fand heute morgen in We i m a r eine Sitzung des Kabinetts statt, als deren Ergebnis eine Instruktion nach Spaa an unsere Unterhändler ergangen ist. Auf Grund dieser neuen Instruktion wich heute nachmittag in Spa wiederum verhandelt.
testiere dagegen, wenn er behauptet, ich hätte deuffche Soldaten geschändet, indem ich sie der Entente zum Kampfe gegen den Bolschewismus angeboten hatte. Diese Note ist seinerzeit von der Negierung beschaffen worden, in der die drei Unabhängigen Haase, Dittmcrm und Barth saßen. (Hört, hört!) Es ist unwahr, daß ich die Schweizer Preßorgane gekauft und BolkSauf. stände in Rumänien inszemert habe. Abg. Cohn glaubt alle Märckxn, die unsere Gegner im Auslande berkün. dein. Verschonen Sie uns hier im Hause mit Angriffen, die jeder tatsächlichen Berechtigung entbehren. (Bei
mach weiterer, unwesentlicher Debatte wird Sie Sitzung um 8% Uhr geschlossen.
Freitag: Anfrag an, SozialisierungSgesetz und Ge. setz über die Siegelung der Kohlenwirtschast.
Berlin, 5. März. In der Gegend um den Alesi- andevplatz und im Norden und Osten ist es jedoch zu schweren Plünderungen gekommen. Die giermtgstruppen haben die Säuberung dieser Gegenden energisch in die Hand genommen. Bei einem Zusammenstoß mit Militär in der Gegend des Hackeschen Marktes wurden 14 Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Das Polizeipräsidium er- hiett Schutz durch Geschütze. Die Füsilierkaserne des Alexanderregiments wurde mehrfach vom Pöbel angegriffen, doch wurde der Angriff unter schweren Verlusten für die Angreifer abgeschlagen.
Berlin 5. März. Bei dem E i nz u g der Trup. Pen zum Schutze des Polizeipräsidiums gestern mittag versuchte eine taufendköpsige Menge auf dem Alexandcrplatz die Truppen zurückzuhalten. Diese mußten schließlich von der Schußwaffe Gebrauch machen. 3 Personen wurden getötet Das Polizeipräsidium erhielt abends weiteren Schutz durch Regierungstruppen und eine Feldartillerieabteilung. Ein Versuch, in die AIexanderkaserne einzudringen, konnte unter schweren Verlusten des Ge.' sindels abgeschlagen werden. In der Kaiser Wil-- Helm- und Münzstraße sowie am Bülowfplatz waren zahlreiche Barrikaden errichtet worden. Spartakisten versuchten unter allen erdenklichen Verkleidungen in das Polizeipräsidium einzudringen und die Besatzung zur Uebergabe des Gebäudes zu veranlassen. Heute morgen sind weitere zahl-! reich: Truppen eingetroffen und halten den ganzem inneren Stadtteil besetzt. Schwere Tanks fuhren, heute früh nach der Münzstraße, um die Gegend vons dem zahlreichen Gesindel zu befreien. Trotz aller; Warnungen der Kommandantur sammeln sich immer wieder große Mengen von verbrecherischen 6Ie.: menten auf dem Alexandcrplatz an. Da bis 11 Uhv vormittags die Ansammlungen und Zusammenrottungen trotze des Belagerungszustandes zunahmen, , mit Waffengewalt gesäu. b e r t werde». Auffällig ist, daß sich unter der Masi«, zahlreiche Frauen und Kinder befinden.
• Berlin, 5. März. Die „Deutsche TrgeSztg."
scheu Handlungen, die hier geschehen, liegt in ihrem Verhalten. Sie sollten angesichts dieser Ereignisse bedenken, daß es gegen das Völkerreckit und die Menschlichkeit ist. einen gefallenen Gegner hilflos am Boden liegen zu lasten, sie sollten aber auch beben, ken, je schwacher Deutschland wird, umsomehr wird seine Wider st andkraft gegen den Bolschewismus geschwächt: je schärfer sie im Westen die Schraube anziehen, umso offener wird der Osten für das Eindringen bolschewistischer Ideen. Kommt aber der Bolschewismus, so macht er nicht an unseren Grenze» halt. Der Bolschewismus ist eine Krankheit, aber eine ansteckende Krankheit, und es ist gefährlich, der Nachbar eines Hauses zu feilt, in dem die Pest ist. Dies geben wir unseren Feinden zu bedenken, bevor sie über den neuen Waffenstillstand beschließen.
Vereinbarungen zwischen der
Regierung und den Streikenden.
Weimar, 5. März. Im Laufe des gesttigen Nachmittags begannen die angekündigten Besprechungen der R e i ch s r e g i e r n n g mit Abgesandten der Arbeiterschaft Berlins und des mitteldeutschen Braunkohlengebiets. Sie wurden nachts um 12 Uhr zu Ende geführt und hatten als Ergebnis eine Vereinbarung, in der zunächst auf, die bisherige Arbeit der Nationalversammlung hingewiesen wird, insbesondere auf das Uebergangsgesetz, durch das die Verordnungen der Revolutionszeit dauernde Gesetzeskraft erhielten, so der Achtstundentag dir Sicherung des Koalitivnsrechts, der Verfammmngs- und Pressefreiheit die Aufhebung der Gesindeordnung, die Erwerbslosenunterstützung, das Siedlungsgesetz, die Schaffung von Arbeitskainmeru im Kohlenreviers die wesentliche Verbesserung j)cr Kriegsbeschädigten, fürforge u. a. Alle diesen Gesetzesmaßnahmen seien zugleich die unbedingte Voraussetzung für die nun eingeleitete Sozi alisierung gewesen. Mehr Arbeit könne von einem Parlament innerhalb so kurzer Zeit vielleicht erlangt, aber kaum geleistet werden. Für die nächste Zeit ergäben sich folgende gesetzgeberische Absickiten der Regierung:
1. Die Arbeite r.R ä t e. a) Tre Arbeiterräte werden als wirtschaftliche Interessenvertretung gründ» sählich anerkannt und in der Verfassung verankert, b) Für die einzelnen Betriebe sind Betriebs,. Arbe'ter. und Angestelltenräte zu Wahlen, die bei der Reglung der allgemeinen Arbeitsverbällnisse gleichberechtigt mitzuwirken haben, c) Zur Kontrolle und Regelung der Produktion und Warenverteilung werden für alle In- dustrie- und Gewerbezweige Arbeitsgemeinschaften ge. bildet, in denen die Unternehmer, Arbeiter und Angestellten und deren Organisationen Mitwirken. d) Für bestimmte Bezirke werden Bezirksarbeitsräte (Ar. beitskammern) und für das ganze Reich ein Z e u t r crl. arbeitsrat gebildet. In Den Bezirks- und Zen- tralarbeitsrat sollen alle selbst Arbeit Leistenden, auch die Arbeitgeber, freien Berufe, usw. vertreten fein. Diese Räte haben bei Sozialisierungsmaßnahmen nt i t. zuwirken und sind zur Kontrolle sozialisierter Betriebe und Gewerbszweige heranzuziehen. Sie da. ben weiter alle Wirtschafts- und sozialpolitischen G e- sehe zu begutachten und das Recht, selbst solche Gesetze zu beantragen.
2. Arbeitsrecht. Ein Gesetz über ein etnheit. licheS demokratisch:? Arbeitsrecht mit dem Ziel der Schaffung dlmokratischer fcrJliitr/tioncSer Verhältnisse in den Betrieben ist sofort der Nationalversammlung vorzulegen.
3. Sozialisierung, a) Der Bericht und die Vorschläge der Soz'alisieri-noslommrssion werden sofort veröffentlicht, b) Die Sozialisierun^gesetze und daS Gesetz über die Sozialifierung der Aohlenbewirtschaf- tung sind der Nationalversammlung zur Beschlußfassung unterbreitet worden. Weitere Sozialisieriingsmahnah» men werden sofort in Angriff genommen.
4. Militärisches. Alle nach dem allgemeinen Strafgesetz strafbaren Handlungen werden auch bei Militärpersonen den bürgerlichen Gerichten überwiesen.
5. Lebensmittelversorgung. Tie Regie, tirng hat bereits verordnet, daß die Lebensrnittel unter Ausschaltung jeden unnötigen Zwischenhandels durch Vermittlung der Gemeinden an die Konsumenten der- teilt werden. An der Verbesserung der Lebensmittel, erfastung wird dauernd gearbeitet.
Deutsche Nationalversammlung.
Sitzung vom 5. März.
Auf der Tagesordnung stand die demschwationale Fnterpellation über die Zustände in der Provinz Posen
Frau Dr. Schirrmacher (Deuffchnatl.) begründet die Interpellation. Sie bringt vieles vor, was zum Teil schon in letzter Zeit von den Tageszeitungen über die unglaublichen Zustände in den Ostmarken berichtet wurde. Sie toeiß die Röte, die die deutsche Bevölkerung in jenen Gegenden durchmachen muß, treffend zu schil- dein. Am schlimmsten feien die jenseits der Dcmar. kaitonsltme wohnenden Deutschen daran. ES habe sich dort die völlige Rechtlosigkeit der Deutschen ergeben, da die Gerichte einseitig unr Polen besetzt wurden Die deutschen Geiseln, die ihre Kost wie das Vieh aus einem Napf erhielten, seien immer noch nicht herausgegeben. Die Bewohner der deutschen Städte und Dörfer hätten gewaltig unter den KriegSsreuern zu leiden. Die Deut, scheu müßten von ihrem Einkommen 50 Prozent Steuern für das polnische Heer abgeben. Sie appelliert zum Schluffe an die Regierung und fragt, was Diese zu tu» gedenke.
■ _ Reichsminister Erzbergcr: General Dupont hat er- klärt, daß, um Verletzungen der TemarkationslWie zu verhindern, alliierte Offiziere entsandt werden sollen. Er hat sich weiter verpflichtet, für die Durchführung des Schutzes der deutschen Bevölkerung innerhalb der Demarkationslinie einzutreten. Die alliierten Regieren, gen werden gegen alle polnischen Uebergriffe einschrei. ttn, alle Geiseln sollen freigegeben werden. Sobald die Einstellung der Feindseligkeiten dmrchgeführt ist, wird der ungehinderte Eisenbahn- und Schiffahrtsverkehr in der Provinz Posen wieder aufgenommen werden. Es ist zu hoffen, daß wir aus den besetzten Gebieten des Ostens landwirtschaftliche Erzeugnisse erhalten können, da ja auch polnischerseits die Nachfrage nach deutschen Industrieerzeugniffen sehr groß ist. Die deutsche Re- tzierung tut alles, um die Not unserer Landsleute in du Ostmarken za lkndern. Die Zusage der Alliierten, daß die Polen Die Demarkationslinie nicht überschreiten dürfen und die Geiseln freilaffen müssen, sind Inhalt des Waffenstillstandsabkormnens, wenn sie auch aus for. mellen Gründem nicht in das Protokoll aufgenommen wurden. Gegenüber.der Befürchtung, daß die polnische Bewegung auch auf Westpreußen übergreifen würde, gebe tch zu bedenken, ob nicht gerade die Festsetzung der Demarkationslinie einen Schutz dagegen bietet. Es ist fetzt Ausgabe der wehrfähigen Jugend, beson. ocrS in Den Ostmarken, ihre Heimat mit allen Kräften zu ve rteidigen (Beifall.) Ich hätte gewünscht, daß die preußische Polcmpolitik schon früher den Grundrechten des polnischen Volkes besser gerecht worden wäre. Die Situation wäre dann für uns heute diel, günstiger. (Lebh. Beifall.) Die neue preußische Regierung hat erst sehr spät beet Versuch machen kön- nen, den berechtigten polnischen Wünschen Rechnung zu tragen. Einer der wichtigsten Programmsätze der deutschen Regierung zum Friedensschluß ist der Schutz der nationalen Minderheiten. Diese Forderung wird am besten dadurch begründet, daß wir den bei uns wohnenden nationalen Minderheiten dieselben Freiheiten ge. währen, die wir für unsere deutschen Volksgenossen in anderen Ländern verlangen. (Lebhafter Beifall bei bet Mehrheit.) Der Abschluß des Wasfonstillstan. deS, den die Jnterpellantin eine Schmach bezeichnete, war eine harte Notwendigkeit. Es ist richtig, daß der Respekt vor der deutschen Regierung gesunken ist. Tie Hauptursache dafür ist aber, daß 16 000 deutsche Soldaten mit Tausenden von Offizieren in Warschau aus- fieriffen sind vor 800 Polen. Dieses wenig tapfere Verhalten des Generals Beselet hat dem deutschen Ansehen den schwersten Schlag versetzt. (Zuruf: Doö ist eine Folge der Revolution!) Nein, das ist vorher g.« een. Diese Flucht einer deutschen zwanzigfachen
rmadbt vor schlecht bewaffneten polnischen Frei.
toärjern hat das deutsche Ansehen am meisten geschwächt, Ich richte an das deutsche Volk die Mahnung, sich entschlossen zur Verteidigung deö Vaterlandes auf- zuraffen. (Beifall.)
Preuß. Unterstaatssekretär Heinrichs erklärt, daß der Schutz der Deutschen östlich der Demarkationslinie der interalliierten Kommission in Warschau übertragen wor. den fei. Die preußische Regierung werde im übrigen alles tu|n, was in ihren Kräften steht, und sich dabei don dem Grundsatz leiten lassen: Was deutsch ist, soll deutsch bleiben.
, Auf Antrag des Abg. Schnlh.Bromberg (Deutschnl.) findet Besprechung der Interpellation statt.
Abg. Schulz-Posen (S.) weist Darauf hin, daß die "ölen bei allen Verhandlungen fast immer nachher ihr Wort gebrochen haben.
Abg. Sagawo (Ztr.) rät der deutschen Regierung, den apostolischen Stuhl zu ersuchen, seinen Einfluß bei den Polen geltend zu machen, daß sie ihre Feindsekg« reiten und Grausamkeiten gegen oie deutsche Bevölke. rung unterlassen.
. Abg. Dr. Hernmnn.Poscn (Dem.) sagt, die Polen sollten nicht vergessen, daß wir einen gemeinsamen mrchtbaren Feind im Bolschewismus haben. Und daß wir als Nachbarvölker aufeinander angewiesen find.
Abg. Ohler (Deuffchnatl.) erklärt an Hand von gtre1 Telegrammen, daß die Polen die Demarkationslinie mcht halten, sondern wieder neue Angriffe gemocht haben.
Abg. Seit ermann (d. Dpt.) fürchtet, daß die Sn- tentekommission den Aufteilungsplan schon fertig mit. gebracht habe.
Abg. Cohn '(Unabh.) siebt in ben Taten der Polen jnne geschichtliche Notwendigkeit, da sich bei den Polen durch die Unterdrückung ein maßloser Hatz angefam. weit habe. Der Regierung warf er eine schwächliche -BoIiHf gegen die Polen nach dem 9. November vor. R*r Redner polemisiert nt längeren Ausführungen ge» »en Erzberger. Das „politische Stehaufmännchen" Erz» derger besitze nicht das Vertrauen der Welt und auch urcht der Polen. Wenn Preßorgane in der Schweiz ge. wüst, wenn VolkSaufstände in Rumänien gemacht, loenn 'n Italien die Presse bceinffußt werden sollte. Herr Erz- 6erPer war immer in der Nähe.
Reichsminister Erzberger: Die Angriff» h-r Abg. 1-ohn berühren mich nicht, tBeifall.) WaZ von feinen Ausführungen zu halten iss,' zeigt, daß er sich nicht scheut, ">er zu behaupten, es seien 350 000 Polen au3 Kon- ssr^volen nach Deuffchland verschleppt worden. Die Aahl der fortgesührtcn Geiseln hat nicht einmal 1000 "ttragen. Bei den 380 000 sind die Arbeiter mit em- Re«dbnet, die zu uns während deS Krieges freiwillig na«, Deutschland gekommen sind. Aba. Cobn wirst uns schwächliche Politik gegen die Polen vor und Pole.
"kliert dagegen, daß wir eine Reichswehr schaffen, bleibt da die Logik? SBer war eS denn, der den ^renffchntz im Osten in den ersten Monaten unmöglich «entocht hat? Es waren die öerren von der tmab. ^angrgen So-taldemokratie. (Sehr richtig!) Wenn wir genug Macht gegen die Bolen aufgebracht haben.
tjt bas bic Schuld ber uncxblxhtnißtn
Sozialdemokratie. (Ervevte Zustimmung.) Selbst die Dutten haben erkläre, es werde davon abbänaen.
Macht die deutsche Regierung hat, um in den scm;ni;tf-lrC(f,ijc[!(TT Gebieten des Ostens die Ordnung '^"trechtzuerbalten. Dem Abg. Cobn sseht die Für- Äfür die Lowictrcgiorung näher, als für unsere
-u Truppen im-Offen. (Sehr richtig.) Ich Pro
meldet aus Tempelhof: Hier kam eS gestern, zwischen einem Bataillon der Division Gerstenberg, und der auf dem Güterbahnhof stationierten Wache der republikanischen Soldatenwehr zu einem Zwischenfall. Ein Posten der Soldatenwebr wurde von den Regierungstruppen entwaffnet. Als der Sprecher der Soldaienwehr daraufhin von dem Kommandeur der RegierungStruppen in ziemlich grober Weise Rechenschaft forderte, ließ der Kommandeur. Leute der Soldatenwebr umstellen und zum Niederlegen der Waffen auffordern. Ein Tert kam dem Befehl nach. Weiter entfernt stehende Leute eröffneten plötzlich mit einem Maschinengewehr daS Feuer gegen die Regierungstruppen. Nach einem Feuergefecht von etwa 10 Minuten war es den Negie- rungsttnppen gelungen, die Soldatenwehr gu entwaffnen
Spandau, 5. März. In Spandau hat das Freikorps Hülsen seinen Einzug gehalten. Die Kundgebungen der Spandauer Arbeiterschaft gegen den Generalstreik dauern fort. Es kam wieder zu stärkeren Kundgebungen von Taufenden von Arbeitern. AlS die Arbeiter in die Fabriken nicht eingelassen wurden, stürmten sie die Eingänge und verschafften sich gewaltsam Zutritt. In Spandau ist durch Unterbindung des elektrischen Stromes der Betrieb in den meisten Fabriken ftiHgelegt. Di« spanakistischen Arbeiter deS Kreistraftwerkes terrorisieren durch diese Maßnahme ganz Spandau.
Der Berliner Generalstreik.
Berlin, 5. März. Die Streikbewegung hat sic^ seit gestern in der Richtung einer Besserung entwik- kelt. Immerhin ist aber noch keine Ursache vorhanden, schon mit einem baldigen Ende be5j Streiks zu rechnen. Es ist sogar möglich, daß die Zahl der Streikenden noch zunehmen wird. Bon bett Angestellten der Großen Berliner Straßen»' bahn hat sich die überwiegende Mehrheit der Schaffner und Fahrer für sofortige Aufnahme des Betriebes ausgesprochen. Von den Hoch -> bahnangestellten wurde eine geheime Abstimmung vorgenommen. Tas Resultat war, daß 1350 Versammlungsteilnehmer sich gegen den Generalstreik und nur 350 dafür aussprachen. Heute soll bei der Hochbahn die Entscheidung darüber fallen, ob bet' Betrieb sofort wieder ausgenommen wird. Em Esenbahn- und Poststreik ist noch nicht ausgebrochen. Teilstteiks liegen aber auch da nicht außerhalb des Möglichkeitsbereiches. Zum Teil ist der Streik dort noch in der Diskussion. Eine Anzahl von Gewerkschaften wie z. B. die Buchdrucker haben sich dem Streik bisher nicht angeschlossen. Diese war.' ten die Weisungen ihrer Gewerkschaft ab.
Die Einigung in Weimar stellt einen Beruhi- gnngsversuch dar. Man will einen Mittelweg ein« schlagen zwischen den beiden extremen Anschauungen, von denen die eine „alles Recht" für die Arbeiter» röte fordert, die andere das volle Verschwinden der Arbeiterräle nach der Wahl der allgemeinen Volksvertretung.
Tie Ärbeiterräte sollen als wirtschaftliche Interessenvertretung anerkannt, ihre Bedeutung als einseitige Klassenvertretung aber doch eingeschränkt werden. Sie werden als Betriebsräte ausgebaut. Daniel ist die konstitutionelle Fabrik auf demokratischer Grundlage. Die erstrebte Gleichberechtigung de» Rätesystems mit dem Parlament ist nicht zugestanden worden. Eine solche Regelung würde in der Nationalversammlung auch keine Aussicht auf Zustimmung haben. Die politische Macht gehört nicht den ein eilig gebildeten Räten, sonder» der frei- gewählten Vertretung de» Volkes und der von ihrem Vertrauen getrogenen Regierung.
Der „Vorwärts sagt zu den Weimarer Vercin- banlngen: Alles, was die Berliner Arbeiterschaft in ihren Richtlinien forderte, ist grundsätzlich angenommen worden. Wenn man auch weiß, daß die Regierung seit längerer Zeit eingehend mit diesen Fragen beschäftigt hat, so braucht man dabei nicht zu der- kennen, daß die große in bem Berliner Generalstreik zum Ausbruck gekommene Bewegung bie Angelegenheit zu einem rascheren Schluß gebracht hat. Aber die Arbeiter müssen die große Gefahr erkennen, die darin liegt, daß man durch impulsives Stürmen eme geordnete Entwicklung unterbinden und damit bie ganze Angelegenheit auf eine abschüssige Bahn bringen kann, auf der aller Nutzen und das Lebensinte. resse der Arbeiterschaft schwer zu Schaden kommen kann. Mit einem Generalstreik kann man Forderungen dieser Art wohl betonen und unterstteichen, aber kann si en i ch t erzwingen, und weil wir bicscr Uebcrzeugung sind, betrachten wir auch beute noch den Generalstreik in Groß-Berlin als ein Mittel, ben Sozialisierung-wünschen unb Demokratisierungswünschen bec Arbeiterschaft schweren S-Laden zujusügen.