T7y K 1 I Verantwortlich für den redaktionell«, Teil: Karl Schütte. I R YTInW |Q1Q
HC. DD« > für die Anzeigen: I. P a r z e l l e r,Fulda. — Rotationsdruck. | lIllllWOCIj D« 1UUV*
I Verlag der Fuldaer Actiendruckereii«^uldL —Preismonaü. I 46.
| 95 Pfa. — Fernspr. Rr. s. Telepr.-Adresie: Fuldaer Zettung^j
Deutsche Nationalversammlung.
Sitzung vom 4. März.
Auf der Tagesordnung der Sitzung dom 4. Febr. stehen zunächst eine Reihe Anfragen.
Abg. Kahl (D. V.) fragt, welche Schritte von der Regierung getan seien, um die sofortige Befreiung der zu Unrecht vom Feinde verurteilten deutschen Wer' leite r zu bewirken.
Ein Regierungskommissar erwidert, datz bei den Alliierten mehrfach dagegen Einspruch erhoben worden fei, daß aber ein endgiltiger Bescheid bisher nicht erfolgt sei.
Abg. Arnstadt u. Gen. fragen: was die Regierung ?ui Beseitigung des Papiermaugels tun wolle.
Bon Reichswictschaftsmrnister Wissel wird ertlärr, daß eine befriedigende Papierversorgung erst möglich träte, wenn das Wirtschaftsleben wieder einigermaßen tu Gang gebracht worden sei.
Slbg. Ohler (Teutschnatl. Vpt.) fragt, was die Reichsregierung gegen den Mangel an Düngemitteln tun wolle.
Reichsminister Schmidt erklärt, datz die Regierung in dieser Frage alles tue, was in ihrer Macht stehe.
Darauf itnrb der Verfassungsentwurf weiter beraten.
Abg. Henke (Unabh.) wendet sich gegen die Bestimmungen. daß Enteignungen nur gegen Entschä. digunaen Zulässig sein sollen. Im allgemeinen Wahl, recht sähen die Arbeiter kein Mittel, das sie von allem Elend befreien werde. Die Arbeiter- und Soldatenräte forderten, datz das Räte sy st em auch in der Ver- sastung seinen Platz erhält. Erst trennt die Arbeiter sehen, daß das liebel an der Wurzel angepackt wird, werden sie Zufrieden fein.
Abg. Stresemann (D. 58.) führt aus, was der Bor. tebt:ct erstrebe, sei der vollkommen verfassungslose Zu. stand. Eins ziebe sich durch alle Verhandlungen als Kernvuntt: Preußen—Deutschland. Für die Loslösung innerhalb Preußens heißt es: Widersteht den Anfängen. Man lasse Preußen wie es ist, seine Vorherrschaft ist nicht mehr vorhanden. Redner vermißt in der Verfassung eine Bestimmung zum Schutz« der Deutschen im Auslande, da in den nächsten Jahren viele Deutsch, land verlasssn miiffen. Der Gedanke einer sozialen Parlamentarisierung erscheint dem Redner durchaus er. wägensweri. Die Vorstufe dazu sei vielleicht die Ar- beirsgemeinstbast zwischen Großindustrie und Gewerk- kchakt.
Reichsminister Dr. David hat aus der Debatte den Eindruck gewonnen, daß man über der Kritik das Große, das die Verfassung bringt, vergißt. Wir haben die demokratische Republik, in der die höchste Staatsgewalt beim Volke liegt und unser Wahlrecht ist demokratischer nls irgend ein anderes im Auslande. Eins ist aller, dings notwendig, daß neben der volisischen auch die so. ziale Demokratie ihren Einzug hält, die auch im Ver- fassungswerk Zu verankern ist. Aber der Sozialismus darf den Menschen «tickt mit Maschinengewehren amf- gezwungen werden.
Die Verfaffungsvorlage wird an einen Ausschuß von 28 Mitgliedern verwiesen.
Mittwoch: Poleninterpellation.
Der Berliner Generalstreik.
Es har alles nichts genutzt: weder der Aufruf der Reichsregierung noch die Mahnungen des Vorstandes der Fraktion und der Berliner Bezirksorgaui- sationen der mehrheitssoziaiistischen Partei. Es muß wieder generalstreikt werden. Die Unabhängiger, und Kommunisten wollen es so und ein Teil der Arbeiterschaft versteht die eigenen Interessen so schlecht, daß der Spartakus auf seinen terroristischen Leim geht. Gewiß ist es nur ein verhältnismäßig kleiner Teil, der größere wird ebenso vergewaltigt wie das ganze deutsche Volk, das mit einer unglaublichen Brutalität unter die Fuchtel einer anmaß- lichen Führerschaft gezwungen werden soll. Durch Streiks, die verbrecherisch entfesselt werden, will Man die politische Macht erobern, um dann selbst die Regierung zu übernehmen und das deutsche Volk den herrlichen Zuständen Rußlands entgegenzuführen. Daß dieser Zustand, selbst wenn er erreicht würde, nur kurze Zeit dauern konnte, da Deutschland ohnehin am Rande des Zusammenbruchs steht, ist gewiß vielen dieser Leute, die von einer „Weltrevo- iution" träumen, nicht klar. Andere aber. Und Wohl die Mehrzahl der Führer, sind sich dessen durchaus bewußt, und sie machen die von Moskau ausgehende Bewegung nur mit, um nicht die Führung über die verhetzten Elemente zu verlieren.
Wir müssen also die neue schwere Prüfung des politischen Generalstreiks durchmachen und dürfen uns nicht den Ernst der Lage verhehlen. Die Heber« revolution setzt zu neuem Marsche an; es droht uns der Umsturz der Ordnung, die Lähniung der Arbeit, die Anarchie, die Verarmung und die Hungersnot, der Untergang des Volkes und ■3es Vaterlandes.
Was ist nun zu tun? Auf den Gcgenstreik der Bürgerschaft, zu dem aufgerufen worden ist, darf Man keine großen Hoffnungen setzen. Erstens wird er schwerlich allgemein durchgeführt werden, und Zweitens würde diese Verschärfung der Lage leicht zu noch schlimmeren Tumulten und Straßenkämpfen führen, die den Umstürzlern erwünscht wären. Das nächste Erfordernis ist, daß die Regierung mit st a r- ' e r Hand für die Erhaltung der Ruhe und Ordnung in Berlin sorgt, damit das Streikfeuer in sich selbst verglimmt, ohne weitere Ausdehnung zu gewinnen.
Tann kommt es wesentlich darauf an, daß das Berliner schlechte Beispiel in den anderen Teilen des Landes und Reiches, wo zur Zeit noch die Vernunft lischt,. keine Nachahmung findet. Mögen s^us di'fer hüben Erfahrung die vernünftig: r ur» better eine neue Anregung finden zum rechtzeitigm Wtderstand gegen die kommunistischen Treibereien, -rabei ist in erster Linie auf die christlich gcsinn- wn Arbeiter zu rechnen, dann aber auch auf alle g e- werkschastlich organisierten Arbeiter, die er« saunen werden, daß gerade ihre gewerkschaftlichen Interessen durch die Ruhestörer von Grund an verachtet werden sollen.
*
Berlin, 4. März. Zum militärischen Oberkomrnan- Ersten in Berlin ist Oberst Reinhardt ernannt worden, ijä Korps Lüttwitz ist ebenfalls in, Berlin eingerückt.
lagert augenblicklich in den, westlichen Stadtteilen Jjttö Vororten. — Tie Druckerei der .Roten Fahne", res Organs der Spartakisten, ist ohftc Kampf von Re« verungstruppen besetzt worden und das Blatt verboten
worden. — Abends ist jetzt Berlin von 7 Uhr ab völlig in Dunkel gehüllt. Die Beleuchtung in den Häusern und in den Restaurants ist dagegen aufrecht erhalten.
Wie der Berliner Magistrat mitteilt, besteht keine Aussicht, daß sich die städtischen Arbeiter dem Generalstreik fügen wollen. Es ist als sicher anzunch. men, daß die Angestellten der für die öffentliche Ge- sundheitspflege notwendigen Anstalten ihren Dienst weiter tun werben. Die Oberpostdirektion teilt mit, daß die Stimmung unter den Beamten für den Streik nicht günstig ist. Man muß jedoch damit rechnen, daß der Streik die Veamren an der Ausübung ihrer Tätigkeit hindern wird. Es wird deshalb erwogen, die öffentlichen Anskalten zu schließen.
Wie die „Deutsche Allg. Ztg." von zuverlässiger Seite hört, dürfte als Antwort auf den Generalstreik in kurzer Zeit doch noch der Bürger streik folgen. Man hat sich zunächst mit der Regierung in Verbindung gesetzt. Sollte es nicht gelingen, der Bewegung Herr zu werden, so wird der Bürgerrat gemäß seinem Beschluß voin Sonntag mittag die Bürger Berlins zum Gegenstreik aufrufen.
Schwere Ausschreitungen.
wtb Berlin, 4. März. Tie schweren Ausschreitungen des Pöbels nahmen auch in der bergangenen Nacht ihren Fortgang. Bis zur Frühe liefen Meldungen von 32 Polizeibüros ein, die von der Menge g e st ü r m t waren. Ans jedem befanden sich nur zwei bis vier Beamte- Drei Polizeioffiziere, die an verschiedenen Stellen beruhigend auf die Menge einzuwirken versuchten, wurden arg mißhandelt. In einem Hanse der Münzstraße plünderte man einen Waffenladen, besonders hatte man es aber aus Goldwarengeschäfte in der Münz-,Alexander-, Schönhauser- und Bruuuenstraße abgesehen, wo man große Mengen von Schmucksachen raubte. Tas Polizeipräsidium am Alcxandersplatz sollte wiederholt gc- ftiinnt werden. Die Besatzung ist entschloffen, das Gebäude bis auf den letzten Mann zu halten. Auf dem Platz hatte sich nach und nach eine große Menschenmenge angesammelt aus lichtscheuem Gesindel und Spartakisten. Tie Menge beging grobe Ausschreitungen . So wurden zweimal je ein Offizier, die mit dec Droschke des Weges gefahren kamen, von dem Pöbel angehalten und aus dem Wagen gerissen. Das Gesindel fiel dann über die Offiziere her, warf sie zu Boden, bearbeitete sie mit Fußtritten und riß ihnen die Uniformstücke buchstäblich vom Leibe. Regierungstruppcn, die im Polizeipräsidium bereitgestellt waren, schritten kurz nach 12 Uhr zur Säube- nntg des Platzes und machten, als die Menge nicht gutwillig wich, von ihrer Waffe Gebrauch. Sie suh. ren nach einer Meldung der „Deutschen Allg. Ztg." mit Panzerkraftwagen in die Menge hinein und gaben, um die Zusammenrottungen, die einen immer drohenderen Charakter annahmen, zu zer-« streuen, Schüffe aus Maschinengewehren auf sie ab. Hierbei wurden sechs Personen, 4 M än- ner und 2 Frauen getötet und mehrere verwundet.
Sehr schwere Ausschreitungen werden aus Lichtenberg gemeldet- Gegen 11% Uhr nachts wurde das Büro i von der tobenden Menge zu erstürmen versucht. Tic anwesenden Beamten hielten abu stand. Bei beut sich entspinncnden Feuergefecht wurde ein Wachtmeister getötet und zwei andere so schwer verletzt, daß sie bereits ihren Wunden erlegen sind. Von den Angreifern sollen 7 bis 8 getötet, bezw. verletzt fein.
In Charlottenbutg, Neukölln und Schöneberg ist bisher alles ruhig. In Spandau und Nowawes ruht die Arbeit- Am gestrigen späten Slbertb brangen drei Soldaten in die Räume des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie, Dessauer Straße, ein, bedroh ten den Kassenrendanten mit dem Revolver, banden ihn zwischen einem Stuhl und einem Tisch fest und raubten 39 893 Mark.
Zn der Gegend des Schlesischen Bahnhofes kam es zu schweren Ausschreitungen. Angeblich sollen Soldaten des Regimentes Reinhardt von Spartakisten entwaffnet, einzelne auch in die Spree geworfen worden sein.
Der Streik im Abflauen.
* Berlin, 4. März. Der Gesamteindrnck ist der, daß das Ungestüm, mit dem gestern der Streik begonnen hat, heute bereits im Abflauen begriffen ist. — Wie die „Post" erfährt, herrscht im Lager der Unabhängigen und Kommunisten starke Enttäuschung. Wenn nicht zufällig einige wirtschaftliche Ausstände mit dem Generalstreik zusammenfielen und die Verkehrsmittel funktionieren würden, wäre, so meint das Blatt, wohl der ganze Generalstreik am ersten Tag ins Wasser gefallen. Es fragt sich, ob es überhaupt zum Generalstreik gekommen wäre, wenn die Verkehrsangestellten sich nicht dafür ausgesprochen hätten.
Berlin, 4. März. Der Berliner Generalstreik kann nur als Teil streik angesprochen werden. Die Großbetriebe, die Allgemeine Elektrizitätsgesell- schast, Schwartzkopf, die Staatsbetriebe in Spandau und ähnliche Betriebe feiern vollständig, dagegen wird in den meisten Klein- und Mittelbetrieben, auch im Zeitungsgewerbe, soweit dort nicht Lohn- streitigkeitcn ausgesprochen sind, weitergearbeitet. Die Transportmittel haben den Verkehr eingestellt- Nur die Ring- und Vorortbahnen sind noch in Tätigkeit. Die Generalkommission der G e- werkschaften hat offiziell erklärt, daß sie mit dem Streik nichts zu tun habe, der lediglich ein Politischer Streik sei. In Regierungskreisen nimmt man an, datz die Regierung Herr der Lage bleiben werde. Zur Zeit ist der größte Teil von Berlin ruhig, nur im Osten, Norden und Nordosten bis zum Alexanderplatz hin haben schwere Ausschreitungen des Möbels ftattgefunben. In den Kreisen der Mehr- heiissozialisten geht die Meinung dahin, daß der größere Teil der Berliner Arbeiter mit dem Streik nichts zu tun haben will und die ausständische Bewegung bereits auf einen toten Punkt angelangt ist, sodaß in einigen Tagen der Streik von selbst »u> fammenbrechen dürfte.
Verhandlungen.
Berlin, 4. März. Vertreter der Groß-Berliner Streikleitung iteffen, tote die »Deutsche Allg. Ztg/ aus Weimar meldet, heute in Weimar ein und werden mit der Reichsrcgierung die Verhandlungen beginnen. Solange ine Forderungen, die
extremster Natur sind, der Regierung nickt in genauer Formulierung vorliegen, ist diese, so schreibt die »Deutsche Allg. Ztg/, natürlich nicht in der Lage, dazu Stellung zu nehmen. Es steht aber fest, daß politische Rechte den Räten keinesfalls von der Regierung zugestanden werden sollen.
Eine Warnung bcS „Vorwärts".
Der »Vorwärts" veröffentlicht einen Aufruf des Vorstandes der Bezirksorganisat-on Groß-Berlin der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands an die Arbeiter und Arbeiterinnen, in dem es heißt: »Unsere Mahnungen haben nichts gefruchtet. Gegen unseren Willen hat die von den Unabhängigen und Kommunisten beherrschte Vollversammlung des Groß Berliner Ardei- ierrats den Generalstreik beschlossen. Dieser Generalstreik kann der völli g« Zusamm enbruch unseres Wirtschaftslebens zur Folge haben Deshalb haben wir ihn bekämpft. Wir fotjer.. jetzt unsere Parteigenossen auf, nur in den SBetticben in den Streik zu treten, die es in geheimer Urabstimmung beschließen und sich gegen jeden terroristischen Streit« zwang energisch zur Wehr zu setzen. Bekämpft auch entschieden das Auftreten der lichtscheuen Elemente, die die Gelegenheit zu Plünderungen und Unruhen auSzunützen versuchen. Arbeiter, Parteigenossen! Laßt Euch nicht mißbrauchen zu spartakisti- schen Machtkämpfen.
Die Lage in Mitteldeutschland.
Weimar, 4. März. Auch heute ist die Streiklage in Thüringen und Sachsen noch im-großen und ganzen unverändert, wenn auch vereinzelt nach den an zuständiger Stelle vorliegenden Mitteilungen ein Abflauen zu erkennen ist.
Tie Stadt Halle ist jetzt, nachdem es nochmals zu starken Kämpfen gekommen war, nahezu ganz in Händen der Regierungstruppsn, die in Stärke von nur vier Kompanien den erbitterten Widerstand der Uuabhän. gigen und Spartakisten nicdcrgekämpft haben. J,n den Kämpfen hatten die Unabhängigen 10 bis 12 Tote. Die Stadt hat, wie Augsnzeugen berichten, schwer gelitten. Die großen Geschäftshäuser sind vielfach nach den Plünderungen zerstört worden. In einigen Ge. bäuden wurde, nachdem sie geplündert waren,, von den Spartwkisten Feuer angelegt. Die Geschäftsstraßen bieten noch diesen Berichten ein trostloses Bild.
Ter Bürgerausschuß forderte zur Beendigung des Bürgerftetks auf, da die Truppen der Schreckensherrschaft ein Ende bereiteten.
Wegen des Generalstreiks in dem mitteldeutschen Braunkohlengebiet bleiben auch die Kaliwerke in Sondershausen sowie die ttromliefernde Ueberlandzentrale ohne Kohlenzufuhr» sodaß die sämtlichen Kaliwerke st i I l i e g e n. Es muß darauf hingewiesen werden, welche unübersehbaren Folgen das Verhalten der Kohlenarbeiter für unsere Volksernährung in den nächsten Monaten haben muß, da für die von der Entente zu liefernden Lebensmittel neben den etwa noch in Privatbesitz der Kapitalisten befindlichen Wertpapiere nur noch Kali als Zahlungsmittel zur Verfügung steht
Veriin, 4. März. Der Bahnzug Berlin Weimar über Halle wird von morgen ab wieder verkehren.
Eifennch, 3. März. Schau am SamStag ist es gelungen, das von Eisenacher Spartakisten aufgerissene Bahngleise bei Herleshausen wicderherznstetten, _ sodaß der Verkehr E i s e n a ch»F rankfurt und Eisenach- Kassel wieder ausgenommen werden, konnte. Am Montag zogen 200 Soldaten und 400 streikende Arbeiter vor die 94er Kaserne und verlangten die Abgabe der Waffen. Der Kommandeur Oberstleutnant Kan- der lehnte die Forderung der Demonstranten ab, die sich mit der Drohung zurückzogcm, die Kaserne später mit Waffengewalt nehmen zu wollen. Die Lage ist sehr ernst, zumal die Aufrührer im Besitz zahlreicher Maschinengewehre, Handgranaten und sonstiger Waffen sind.
.Erfurt, 3. März. Die Lage in Erfurt ist unverändert. Tas Gewaltregimcnt des erzwungenen Generalstreiks hält an. Sei« einer Woche wird keine Leiche mehr beerdigt. Der Gegenstreik der Bürgerschaft har auch dazu geführt, daß die Krankenhäuser keine Kranken mehr aufnehmen. Tie Hebammen verweigern den Dienst. Seit Mittwoch fehlt Gas, Elektrizität und Wasser. Die Bevölkerung holt sich schlechtes Wasser aus den Flußläufen. Tie Streikenden geben trotzdem nicht nach. Sie selbst haben sich mit Brot eingedeckt, haben das Proviantamt mit Beschlag belegt und lassen eine große Dampfbäckerei für sich backen. Die Lebensmittel beginnen knapp zu werden.
Jena, 27. Febr. Mit 119 gegen 89 Stimmen wurde von den Betriebsvertauensmännern abgelehnt, sich der Streikbewegung anzusckliehen.
Mb. Lk-ipzig, 3. März, lieber die Vorgänge in Halle veröffentlicht die „Leipziger Vztg." eine längere Darstellung, der wir folgendes entnehmen: Am Samstag um 2 Uhr nachmittags rückten die Regierungstruppen in Stärke von vier Kompanien von Merseburg her in Halle ein und besetzten die Artilleriekaserne und den Bahnhof. Dann bemächtigten sie sich der Post und dran, gen bis zum Marktplatz vor. Als dort ein größerer Trupp den Versuch machte, die rote Fahne vom Rathaus hermsterzuholen, stürzte sich die erregte Menge auf die Soldaten, entriß ihnen die Gewehre, warf den Ma. schinengewehrwagen in die Saale. Ein Auto mit zwei Offizieren wurde umgeftürzt. Ein Offizier tourde in die Saale geworfen, wo er ertrank. Heftige Kämpfe wurden Sonntag tagsüber rrnd in der Nacht zum Man. tag geführt, die sich namentlich zwischen der Post und dem Theater, das von Matrosen besetzt war, abspielten. Tie Regierungstruppen verwendeten bei diesen Sümpfen Minenwerfer. Um 1 Uhr morgans war die militärische Lage in Halle vollkommen verworren. Tie Stadt litt fürchterlich. In den großen Gc- sckäftsstraßen wurden die Geschäfte völlig ausge- plündert. Ganze Warbäirser sind bis unter das Dach ausgermckt. Berg oon Glassplittern, Vcr- vackungSmitteln, Flaschen. Scherben und Warenrcste liegen in den Straßen. Noch in der Nackt zum Montag waren die Plünderer eifrig an der Arbeit. Die Geschäftsstraßen bieten ein unbeschreibliches Bild. Viele Zivilisten haben während der Ereignisse das Leben verloren.
Leipzig, 4. März. Die Streiklage in Leipu, ist unverändert. Die GaS - und Eiektrizitätsarceeter bc- schlossen, weiterzustreiken. Die Universität gibt bekannt, daß wegen Mangels an Heizmaterial keine neuen Kranken ausgenommen werden können und sämtiiche nicht bettlägerigen Kranken entlassen werden müffen; Operationen könnten aus gleichem Grunde nicht vorgenommen werden. Die Streikleitung arbeitet fieberhaft, den Eisenb-^nerstreik auszudehnen.
Dresden, 3. März Tie Aufforderung der Sparta, kisten, heute in Dresden den Generalstrc i k zu proklamieren, ist ebenso wie der erste Aufruf erfolglos geblieben.
Tessa«, 4. März. Die Angestellten der Eisenbahn und der Post des anhaltischen Staates, Bitterfelds. Wittenbergs und Falkenbergs lehnte« ganz entschieden den Anschluß an den mitteldeutschen Streik ab. Sic . kvrrdcn nur der rohesten Gewalt weichen.
Streiks im Kohlengebiet.
wtb Essen, 4. Marz. Auf den Sckacktanlagcm Deutscher Kaiser" in Hamborn befindet sick der größte Teil der Belegschaft seit gestern wieder i m Aus stand. Bei der heutigen Frühschicht waren von der 6000Mann starken Belegschaft 5525 nicht angezahrsn. Stre/gründ. Forderung auf Zurückziehung der
Einführung einer IT-stündigen Arbeitsfrist, sowie tftet lassung bei den letzten Unruhen feugenommenen Spartakisten. — Auf den Zechen „Mathias Stinms 1. 2, 3 und 4" und „Vereinigte Wolheim ist der Streik beendet, dagegen sind auf den Zecken „Jamburg ( - neni und „Franziska" (giften) die Belegschaften heute erneut iu den Ausstand getreten £tc zahl der Ausständigen beläuft sich auf 543s
Schlimmer als in Rußland.
Zn einer dem .Vorwärts' zugegangenen Zu* schrift des Arbeiterrats von Gelsenkirchen über die dortigen Unruhen heißt es: Auf eine Anfrage eines Mitgliedes der Mehiheitspartei, tote sick die Spartakisten die Umwälzung in Deutschland dachten, erklärte der Führer der Spartakisten Schu- macker: „Wir wollen, daß die Zustande schirm- mer werden als in Rußland. Die Betriebe sollen betriebsunsähig gemacht werden. Wenn die Bevölkerung halb verhungert ist, bann wollen wir auf bett Trümmern neu aufbauen.
Angesichts solcher Ausiprüchc muß man sich fragen,' ob man es mit Wahnsinnigen oder Verbrechern zu tun bat.
Streik und Waffenstillstand.
wtb Berlin, 4. März. Infolge der Streiks und bet Unruhen in Deutschland trat eine erb eb 11 ch e V e r- zögerung in der Abgabe de r sauowirtschaftlichen Maschinen an die Alliierten em.
Durch die Streiks wurden die Fabriken der betret- senden Betriebe tage-, ja wochenlang stillgelecst. Dazu kommt die Transportnot. entstanden durch die Ablieferung ungeheuren Eiscnbcchmnaterials und die Zerstörung der Eisenbahnnetze in den Bezirken Erfurt und Halle. Von der Tragweite dieser wahniuimgen Tat kann man sich ungefähr ein Bild macken, wenn man hört, daß sich hierdurch Züge mit aus Schlesien kommenden landwirtschaftlichen Mascknen bereits von E r- f u rf bi§ Breslau angeraut haben, die aut der Fahrt nach der Uebergangsstelle in Mainz begriffen waren Aber nicht nur die Lieferungen ans ganz Schlesien, sondern selbst die aus Mecklenburg, Wckt- und Oswreußcn kommenden gerieten dadurch ins Stocken, da auch sie den Weg nach Mainz über Erfurt nehmen müssen Sin ungeheures Durcheinander auf den ganzen Strecken ist die Folge. Gsneral Nu- dant in Spaa teilte mit, daß statt der bis 1. Marz ao. zuliefernden 31 204 Maschinen nur, 577 den. Alliierten übergeben seien. Er will sich infolgedessen, wie er in der Note erklärte, bereits ietzr alles Vorbehalten, was als Strafe für die verzögerte Abgabe der deutschen Regierung auferlegt iverden tonne. Demgegenüber setzte der Vorsitzende der deutschen Kom. Mission die Umstände auseinander, durch welche Die Ablieferung der Maschinen verzögert wurde und betonte, daß hier eine höhere Gewalt vorliegt. General Nudant hielt jedoch den Text seine Note aufrecht. Er stellte in einer tveiteren Noto fest, daß feit mehreren Tagen keine Kohlen aus dem unbesetzten Teichch. land in dem besetzten Gebiet eintreffen. Er ersuchte die deutsche Regierung, Mittel zur Abstellung dicscS Uebelstandes zu treffen. Der Vertreter der deutschen Regiermig wies auf die schweren Unruhen int rhemisch- westfälischcn Kohleübezirk bin, die erst in den letzten Tagen unterdrückt feien, sodaß mau hoffen könne, bie Kohleuzufuhr wieder in Fluß zu bringen.
Völlige Anarchie in München'.
Köln, 4. März. Der „Kölnischen Zeitung" wir» aus München gemeldet, daß dort völlige Anarchie herrsche. 15 000 Matrosen, die Ersner sich aus Kiel hatte kommen lasten, üben eine Schreckensherrschaft aus. Sie rasen in Autos durch die Srcckt und nehmen den Hotelbesitzern und Bankiers Geld und Wertsachen ab. Tic Persönlichkeit des Mör« ders Eisners ist immer noch in Dunkel gehüllt. Ein Graf Arco tommt jedenfalls nickt in Betracht.
München, 4. März. Tie bisher im Hotel unterge. brachten Geiseln wurden zu ihrem Schutze nach dem StaatsgefängniS Stadzelheirn überführt, da von, den Spartakisten als Vergeltung für die Todesfälle bei den letzten Straßenkämpfen ihre Erschießung cmgedroht wurde. Gestern nachmittag zogen eine Anzahl SVaria k i st c n vor das Gefängnisgebäude und verlangten' die Herausgabe der Geiseln, wobei es zum Gebrauch von Maschinengewehren und Geschützen kant.
Sie Kohleanot in Deutsch-Oesterreich.
wtb Wien, 4. März. Die Regierung legte den Pressevertretern den trostlosen Stand der Kohlen» Versorgung Deutsch-Oesterreichs, die namentlich durch die Grenzsperre der tschecho-slowakischen Republik in ein kritisches Stadium getreten sei, dar. Auch di« Schritte bei der «ntenie-Kommission seien ohne Erfolg geblieben. Tie Regierung ordnete daher weitere scharfe Sparmaßnahmen an. Der Straßen- bahnverkehr wurde abermals verkürzt, der Ersen« bahnverkehr wurde unter fast gänzlicher Ausschaltung der Personenzüge auf Verpflegungszüge beschränkt. Da nach Aufhebung der tschechischen Grenzsperre eine stärkere Belieferung mit Kohlen möglich erscheint, wurden der Industrie noch nicht die allere schwersten Einschränkungen auferlegt, um die Ar» beiislosigkeit nicht noch weiter zu vergrößern.
Der Verband duldet keine Räte in der neutralen Zone. General Nudant erklärte der deutschen Was», fenstillstandskommisfion, daß keinerlei Soldaten-, Arbeiter- oder Lvlksräte, auch wenn die Angehörigen keine Militärpersonen sind, in der neutrale» Zone geduldet werden.
Di» Ausweisungen eu3 dem Elfaß und au8 Loth» ringen dauert fort Es wird den Ausgewiesenen nut; in wenigen Fällen erlaubt ihr Mobiliar mitzuneymen. In den letzten Wocken haben die Franzosen mehr al» 800 deutsche Beamte ausgewiesen, vielfach auf Anzeigen von Elsässern hin. Die Benachrichtigung der Ausweisung erfolgt noch immer nur 24 Stunden vorher. Die Gesamtzahl der Ausgewiesenen übersteigt 12 000.
* Eme eiserne Division. Zn Wilhel mShaven ist eine eiserne Division aus Offizieren, Teckoffizieren» llntero'fizicren und älteren Berufssoldaten der Berliner Truppen gebilöet worden, die Mitte dieser Woche auf 10 Hochsc'etorpedobooten zur Bekämpfung des, Bolschewismus nach Lckau gehen wird.