uldaerZettung
Le
ist in Form und Inhalt der Vorsrieden. Die Blockade für L bonsmitt-l und teilweise für Rohstoffe soll mit dem Tage der Unterzeichnung deS Vertiages aufgehoben werden.
Tie LcbenSmittellieferung.
Berlin, 23. Febr. Morgen beginnen in Spa« die Verhandlungen zwischen Deutschland und der E»tenlekomrniffion über die Lieferung von Lebensmitteln an Deut chland. Zur Vo'berectung der Berauingen bat g siern in Berlin unter bem, Vorsitz ErzbergerS eine Besprechung aller einschlägigen fragen siaitgefunden, an der sämtliche 60 Kommii- sionSmitalieder teilnahmen. Am Abend ist die Komm« fion nach §paa alrereist. Da UnierstaatS' feite,ät von Braun erkrankt «st, wirb die Kom» mifsion nunmehr von dem Hamburger Großkaufmann Dr. Karl Melchior geführt. Uoiere Lchiffahriskrei!« sind auf den Beginn der Einfuhr gerichtet und unsere leitenden Finanzkrei'e sind mit Energie dabei, die für die Lebensmittelver oranng notwendigen fünf Milliarden in d n von der Entente verlangten Werten herbeizuschaffen.
Ein englische- Gutachten.
Amsterdam, 23. Febr. Nach einer Rentermeldung aus Lonoon ent ält der amtliche Belicht, der 'm Auftrage de» Obersten Nate- für die Verteilung von Vorräten und für .Hilfeleistung verfaßt wurde, Mitteilungen der englischen Offivete, die zwischen dem 12. Januar und dem 12. Februar eine Untersuchung über dieLageinDeutschland anst-llten. In diesen Mitteilungen wird ge agt, daß die Arbeitslosigkeit >n Deuttchland infolge der raschen Demobilisierung und der plötzlichen Stillegung der MuniiionSindustrie sehr zugenommen habe, außerdem aber auch in den anderen Industrien inwlge der teuren Preise der Rohstoffe und Kob len und wegen der Unluft der Unternehmer die Arbeit nicht wieder ausgenommen werden könne. Die Unlust der Arbei ter zum Arbeiten fei zum Teil d r köiperlichen und geistigen Schlappheit infolge der U n t e r « r n ä h- rung zuzuschreiben. Ter Bahnverkehr lei in« folge der Auslieferung großer Menaen rollenden Material» gelähmt. Tie LebenSmittelvor- eien ganz unzureichend und man erwa,«ee, daß die nächste Ernte nur di« Hälfte einer Mittel- erne ergebe. Alle Cffr.i re halten den Eindruck, daß eS di irgend nölig fei, Deut chlond mit Lebens- mitieln zu vet orgen, sonst seien Bolschewismus oder HungetSnot oder etwas äünllches zu etwanen.
hitse Vereinheitlickmn i zum Grundsatz erhoben.
Kerb mußte zu Gunsten der Giieduaaten, die auf jiefm Gebieten Refervatrechte haben, darauf ver- fc littet wei den, die Durchiüdrun - des Grundsatzes ander» I ,,, nur im Wege de» V rtrageS, aiio mit Zustimmung der privilegierten Staaten zu bewirten. Bei der rtom» « -lizierlheit der Ueberleitun.r ist die Rechtsnorm, nach der die Vereinheitlichun' unmittelbar mit dem Inkrafttreten der Reich»verfassung eintritt, nicht möglich.
I Sehnlicher »ilt vom
Zoll- und Abgabewesen, h v zunächst _ der E Grundsatz ausgesprochen wird, daß da» Reich sämt- Iche Einnahmequellen für seinen Zweck erichließen tann. Auch hier rst da» Ziel, die Zollverwaltung zu einer Reichsverwaltung auszubauen. Sowohl heim Militärwesen tote auch beim Zivil- und Verkehrs, yt en ist jedoch bau uf Bedacht genommen, daß auch im Falle der Vereinheitlichung da» Personal nach L landsmannschaftlichen Gesichtspunkten zusammengesetzt I; wird. Den größten Schritt zur Vereinheitlichung sieht
vi AR I Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Karl Schütt«.
111. •T-J* s sür die Anzeigen: I. Parz «11er, Fulda. — Rotationsdruck.
Der Entwurf der Reichsversaffung.
Der neue Entwurf der endgtltigen Reichs. v Hersassuna fielen;t, nachdem er nunmehr vom Ltaatenavss.uutz verabschiedet ist, am Montau an d.e I «otionalversammlung Er umfaßt in acht Abschnitten I «jg Artikel. Die Abschnitte behandeln: Da» Reich und | jtine Gliedstaaten, die G- undrechle de» deutschen Volke», ten Reichstag, den Reichspräsidenten und die Reicks» regierun', Finanz, und HandelSwesen, Verkehrswesen und die Rechtspflege. Der achte Abschnitt fügt Schluß, hrstimmungen an, die hinsichtlich der Erbevung und eerroaliuni d»r Zölle, der Verbrauchssteuern de» greuerei» und Brenne.eiwesens d« n einzelnen Gli-d» siaaten die Dorschri,ten der alten Reichsverfassung be« Inffcn. — Heber ben Inhalt be» Entwurfes heißt eS in | einer offiziösen Mitteilung:
Der neue Vei,assungeentwurf strebt in allen seinen ' $ eilen möglichst Vereinheitlichung in ber Hanb i tei Reiches an. Beim
Militär, und Verkehrswesen vor allem ist
Ende deS Generalstreiks
im Ruhrgebiet.
wib Men, 22. Febr. Der Generakstreil kann als endgültig gefAei tert betrachtet werden. Nachdem alle Gewaltmittel nich« rermockst hoben, die besonnene Arbeiterschaft beS Ruhrbezirk« in den Generalstreik zu treiben, blasen nunmehr auch die Unabhängigen zum Rückzug. Am 21. Fe. bruor tagte im Hotel .DereinShauS" dieselbe Konferenz btt 25e tfla t £cit e t #e r t re ter, die am Dienstag den der-
Vo kSobftlmmun« Herbrizuführen. Er kann aber mich trotz pe» Einsprüche» daS Gesetz in der vom Reich?» fe leg beschlossenen Verfostung verkünden, wenn sich für ß dieses Gesetz eine Zweidrittelmehrheit zusammengefun» den hat. Ist solche Mehrheit nicht zusammen ekommen . »nd ist ber Reich»präsibent nicht gewillt, eine BolkSab» st'mmung vornehmen zu lasten, so kommt ba» Gesetz B*iol e be» Einsprüche» nicht zustanbe. — Die Zu» sommensetzung de» ReichSrate» soll für b e Zeit • der nächsten brei Jahre bie gleiche sein, wie sie in dem | fltsetz über die vorläufige ReichSgewalt vom 10. Febr • Ä19 vorgesehen worben ist. Bei der Regelung de» k end stltigen Etimmenverhöltniste» dagegen ist «ine Vor- Wnft in »uSsici t genommen worden, die auf Beseiti- ’ «und der kleinen Bundesstaaten hinwirken soll, in dem | bestimmt wird, daß die kleinen Staaten kein Stimm» | mehr haben sollen. Die Re>ch»regierung und der vtuatenau»schuß konnten sich aber picht darüber her» jonbipen, ob diese Vorschrift Platz greisen soll gegen» »ber allen denjenigen Staaten, die nur eine Million »wwohner haben oder bloß gegenüber denjenigen, di« - Nninet al» eine Halde Million Einwohner haben. | L $«r neue Entwurf weist gegenüber dem uriprüng« ficht" starke Abstriche auf. Der Grundgedanke, die de» Preußschen Entwurf beherrscht, da» Reich möglichst ft raff zu vereinheiilichen, ist durch einzelstaalliche ? '■"fdiläge erheblich abgefchwäckit worden.
| B gewisser Druck auf bi« Zusammenfassung der | "Innitaaten liegt in ber Bestimmung ber ersten Fai» ~ mng, die die Sloaten von weniger alS 1 Million | ei" votjner nach e ncr Wartezeit von knet Iah'«" £ Sumin recht in dem Reichsr.it, der an die c teile i 5 s «Prünglich voigelehenen Staaten auie'4 tret n W- fieiväbr-n will. Im Siaa enausichnß wird aber ■~?,t darauf gelegt, diese untere Grenze für Siaa en toentaeu als enter halben Mill.on Einwohner zu isthen.
Die Schreckensherrschaft in München.
Alle Schrecken der Hölle kommen über unser armes Volk. Don außen und von innen heraus.
Während im Drenpunkt des deutschen Wirtschasis- lebens an der Ruhr um die Wiederherstellung der Ordnung mit vielen Mühen und Opfern gelungen werden mußte, wurde im Süden die ähnliche Gefahr des Bürgerkrieges und der Anarchie heraufbefchwo» en durch wahnwitzige Freveltaken. Ministerpräsident Eisner meuchlings auf ber Straße erschossen, ber Minister Auer im Landtage und ein Ministerilabirektor burdj Schüsse schwer verwundet, anscheinend von einem fanatischen Anhänger Eisners; der Abg. Oesel erschaffen, der soeben zusammengetretene Landtag gesprengt: ber Kriegsmimster von einem Trupp Radikaler verhall»!; Auerufung bes Generalstreiks, Sturmgeläut, riesige Ansammlung bewaffneter Demonstranten auf ber i^he« refienwlcse; Schießereien an verschiedenen Stellen; wilde Ausschreitungen in Augsburg und Nürnb.rg: Einführung der Räteregierung nach rusfischem Muster in München!
Di« Hiobspcsten wirken um so erschütternder, als man gerade jetzt Hoffnung auf eine Entwirrung und 'Neuordnung im bayerischen Staatsw-sen hegen durste. Der neue Landtag trat als gesetzlicher Inhaber ber Staatshoheit zusammen, und Eisner, der bisherige Diktator. war entflossen, seine Mack«t dem Landtage zur Verfügung zu stellen. Vielleicht hatte er dabei boroiif <--rechnet, daß der Landtag trotz seiner bürgerlichen Mehrheit ihn dock an her Spitze der Regien,iw be- lasten werde, da keine Partei oder Persönlichkeit di« Macht hob«, gegen Ihn und seinen Anhang zu regieren. Er hatte sich |o auch no'h einen Rückhalt geschaffen in dem neu berufenen Räte-Konareß. Trotzdem wäre bei dem vorläufigen^ Entgegenkommen gegenüber dem Landtage eine allmähliche {Entwirrung ohne Blut und Trümmer möglich gewesen. Er ist ein tragisches Verhängnis, daß die Mordtat gerade in dem Augenblick, wo die Entwicklung sich verhältnismäßig günstig ansieß, den heillosen Krach heraufbeschwor.
Mr haben den gesallenen Eisner scharf kritisieren mkisten. wegen der eigenmächtigen, einen finnigen und vielfach geradezu wunderlichen Politik, dl« tt als Machthaber in München gegenüber dem bayerischen Volk, gegenüber dem Reiche und auch gegenüber d-m Aurlande betrieb. Das hindert uns aber nicht, die Mordtat zu verurteilen, als eine ebenso fihänbiidje Pi« schädliche Freveltet. Eisner hat cief Schaden äuge- rieftet; seine Ermordung wirb leider wohl noch v'cl mehr Schoden hcrbeifi'hren. Die Ereignisse in Dayern haben es bereits gezeigt.
Soll unser Vaterland wirklich nmt Untergänge f",r£fi tie UrrsmurFt einer tollsten Minderheit nenn- lt fein? eiferl'tf) werden wir des bolfchewift'sk'en Wirrwarrs nicht Herr werden, wenn nicht eine inner« l-che, gc'ftige und sittliche Ges-mduna im Volke Pkatz greift, wenn nicht wahrhaft staatsbfiraeriiche Gesinnung und wahrhaft demokrotifcher Gellt in ben Messen der Volkes geweckt werben. Solange der Sinn für Ordnung und Unterorhnun« nicht wieder lebendig werden und solange der Wahnsinn nicht erschlagen ist, daß nur aus dem größten Wirrwarr und völligster Unordnung neues Lcden und eine neue Wirtschaftsordnung erblühen können, werben wir keine Ruhe finden. Wir gehen aber zu Grunde, wenn nicht endlich der furchtbaren Zersetzung ein Ende gemacht und Vernunft und Sistl-chkeit in ihre Recht« wieder ein» gefetzt werben. Nur so können wir un, urprer furchtbaren Lage befreien und uns und unfersn Kindern wenigstens das nackte Leben retten.
Dar rette Kabinett.
München, 23. Febr. «w Tamrtag haste ber Aä'e. kongreß in München nach stürmischen Verhandlungen Anträge auf Bewaffnung dr» Proleto - piat» und auf verkündig»»« der tatzerifchen
»ititel 4 über die
auswärtigen Beziehungen vor, in dem die riuelnen Gliedstaaten auf da» aktive und passive Gesandifchaftrre.it und in der Hauptsache auch i ruf da» internationale vertrag«recht zu Gunsten M Reick e» verzichten. — In der Frage der trriifori- »len ffleftaltunfi der Gliedstaaten erfuhr der Entwurf gegenüber dem ersten erbebliche Aenderungen. In Artikel 15 werden Giundsätze aufgeiiellt, nach denen die
Umgruppierung drr Kleinstaaten vorgenommen Verden soll Wenn diese Grundsätze nickt im We>e eegensestiver Verstänvi,ung durchpesührt werden tonnten so soll Vermittlung der Reichsreglerung eintreten. Zwischen der RcichSregierung und dem EtiatenauSschuß ist aber über die Arane kein Einverständnis erzielt worden, ton» geschehen soll, wenn diese Bermitthm । ohne Ergebnis bleibt. Die Reichere, irrun i L, legt Wert darauf, daß in diesem Falle ein verfastun 8- I änderndes Reichs efry die Angelegenheit unter Umstän- den gegen den Willen der betreffenden Staaten regelt. *. Gegenüber dem ersten Entwurf ist die Körperschast i- lut Vertretung der bundegstaatli^en Interesten gründ» L. lätzlich utr. Tftalten. Während der erste Entwurf für die Gesetz ebung da» Staatenhau» auf parlamen» tierischer Grundlage vorsah und den Rerch»rat nur mit f beratender Stimme an den DerivaliungSbefugnisten de« Reiches leilnehmen laston wollte, »st neuerdings lediglich der Neichsral in Aussicht genommen, der sowohl tei der Gesetzgebung aL6 auch bei der Verwaltung mit« ff zubeschließen hat. Im Ge ensatz zum bisherigen tjerfgstun isrvcht aber ist dieser ReickS at nicht wie der frühere Bundesrat ein gleichberechti ter gcietz'ebender ff Körper, sondern er nimmt nur an der Gefehgebunq " teil, indem er bei der Initiative der Ne. ieruna mit» | wirst und ferner rt^en die vam Reichstag deschloffenen Eejehe Einspruchsrecht hat. Im Falle eines solchen Ei spruchs wird die Gesehvcrlage zur nochmaligen Be- tatung an den Reichstag zurückverwiesen. Kommt auch / hierbei eine Einr iung nicht zustande, so hat der ReichS- ' »räsident die Möglichkeit, übe tdie LCemungSverschieden- hert eine
BelfgerungSzustand in Baden.
Mannbrlm, 22. Febr. Aus dem Friebrlchpkah fai» heute nachmittag eine von den Spartakisten veranstaltete Demonstration zum Tode EiSuerS statt, an drr auch zahlreiche Unabb. Sozialdemokraten teiknahmen. deren Redner aber niedergeschrien mürben. Die Demonstranten verlangten die sofortige Einrichtung einer Räterepublik. Nach ben Demonstrationen zogen starke TrvppS durch die Stadt, erbrachen die Gefängnisse und setzten bie Gefangenen in Freiheit. In dem Gerichtskiebäude wurden die Akten und «chrech. Maschinen zum Fenster hinauSgetvorsen und auf den Straßen große Scheiterhaufen angezündet. DaS 5Tte* gSsängnis steht in Hellen Flammen.
Karlsruhe, 22. Febr. Tie vorläufige Regienmig gibt unter Hinweis auf die Vorgänge m Mannheim bekannt, daß fie das badische Volk vor einer Schreckensherrschaft beschützen mäste. Deshalb erklärt fie den B e. lagerungSzustand für bie Republik Baden.
Die prntnnn0"arfei, die demokratische Partei und die sozialdemokratische Part-i t>.,röffer<it6en p’e chwllS einen A'-'rus, in dem sie Mitteilen, datz fie ben 6d?riÄ der badls^'en Regien ng über die Urfiatim« de« Bel«. aerunstSzustande» billigen und geschlafien Hinte«- der 9te» gierrng flehen. Völliges Einverständnis zwischen ben allein ausschlaggebenden Faktoren der Regierung, der LandeSrentcake der Arbeiterräte» sowie dem flatweS- ausschuß der Soldatenräte ist in dieser Frage herga- fUlItgm Sauft de« Sonntag« kam «• in «arUruha, mehrfach zu größeren Menschenansammlunaen »ot bei^ Ministerium be« Innern. Einige radikal« •itetenW waren mit roter gähn« vor da« M'nlsterinm gezofit^ too sie di« Freiiaflung von f«ch> am SamStag abenr verhafteten spartakistlschen Anführern forderten, vtss einem der verhafteten tourbe «in von ber unabhanglgtn sozialistischen Partei «arlbruhe unterzeichn«««« blatt i tfunbrn, in dem «in« auitti*enb« Spracht gtfübtt wirb. Di« Cerbreitunfl be« in 3000 Exemplaren bot» lienenben Flugblaste« konnte burch die sofortigt »t* schla madmr verhindert werben. Auf Anordnung bet Re teruna wu't>« in bet Früh« be» Sonntag« ber gesamte Eisenbahnverkehr von Karl»ruhe nach Mannheim, Heidrlbera, Piorzbeim und Bretten ge- sperrt. Der drahtliche Ver'ehr nach Mannheim ist seit Samstag abtnb völlig unterbunden.
Karlsruhe, 23. Febr. Da bet Sonntaa in Baden mit Ausnobme von Mannheim ruhig verlaufen ist, hat sich die Regierun, ent-chlostcn, ben Belagtrung«, zustanb aufzuheben, der nut noch für Mann, beim gilt. G eichzeitig wirb bie nach Nordbaden und Pfoicheim beslehende Ei senbahnsper re am Moniaz irüh wieder aufgehoben toe den. Di« verhafteten Führer btt Karlsruher unabhängigen Sozialisten wurden wieder auf freien Fuß gefetzt, nachdem sie burch Handschlag verficheit hatten, baß si« nicht- Gewaltlätige» gegen die Regieiuna unternehmen mürb n. Die hiesi en Truppen sind durch weiteren Zufchub von au»®art» verstärkt Werben
Das Nein der Feinde.
Aus unsere Bitte um Heimsendung der deutschen Kriegsgefangenen wird jetzt die Stiche Antwort des Generals Foch veröf- icht. Ihr ablehnender Inhalt war schon bekannt. Bemerkenswert aber ist die Faflung. Foch spricht sein Nein auS, ohne irgend em Wort zur Begründung dieser harten Weigerung beizusügen. Ei teilt einjach mit,
der Oberste UnepSrat sei sich dahin ichlüssig geworben, „bag für den Augenblick die Rückführung der RtiegSgefan enen nicht ingrafiekoinmentünne". Weitet wird mitgeteilt, daß die Schivetkranken und Verwundeten .in möglichst turzer »3riu* zuruckbesördert Werden sollen: für den tiUfenbhcE 2000 aus Frankreich und ba» gleiche aus England.
Wie ungenügend diese winzige Abschlagsleistung ist, wenn t-00000 Gefangene weiterhm ihrer Freiheit beraubt und ihren Angehörigen entzogen bleiben, hat der Vorsitzende unserer Wafsenstillstandskommis- sion in ergreifenden Worten borge egt. Die Zurück. Haltung der Gefangenen nach der vollen Untertoer» hing und Celbstenttoaffmmg ist eine sehr harte Maßnahme, die unter normalen Verhältnissen in der öffentlichen Meinung der ganzen Welt lebhaftes Mitgefühl erwecken müßte. Man sollte also annehmen, daß die gegnerischen Machthaber das Bedürfnis fühlten, ihre Entscheidung vor den Völkern zu begründen und anzugelen, warum denn die Rücksendung der Kriegsgefangenen nicht in Frage kommen könnte. Doch nichts dergleichen. Mau scheint jeden Versuch einer Aufklärung oder Recht, fertigung für überflüssig zu halten. Es wird dekre» tiert, die armen Deutschen haben sich zu fügen; der Rest ist machtbewußtes Schweigen.
Aehnlich ergeht es uns bei den anderen Klage- Punkten. Tas gewaltsame Dorrehen in Elsaß« Lothringen, die Verschärfung der Blockade, die übet die Abmachungen hinausgehenden Forderungen, bie Entmannung unserer ausgeliehencn Handelsflotte, die ung'eiche Behandlung der Deutschen und der Polen im Oftbczirk, die Verzögerung ber Lebens- mittelhilfe, — dies und alle anderen Schärfen werden gegen unS angewendet, ohne daß ihr« Urheber sich zur Darlegung ihrer Gründe bemüßigt fühlen.
Ist daS eine Mißachtung der öffentlichen Meinung? Wohl infofern, als es sich um die Meinungen und Gefühle des deutschen Volke» handelt. Doch gegenüber den eigenen Wikern und den meisten Neutralen haben die harten Machthaber offenbar daS Bewußtsein, daß sie der öffentlichen Mei nung so wie so sicher seien. Sie rechnen darauf, die „Boches", die „Barbaren", die „Hunnen" feien in der ganzen Welt schon so verächtlich gemä ht worden, daß überhaupt feine Empörung des Rechtsg«- sühls und kein Mitleid auskommen können.
DaS berührt einen Punkt, der bei den Erörterungen über die Ursachen unserer Niederlage manchmal $u wenig beachtet wird. Die Preßhetze, die feit Beginn des Krieges gegen Deutschland ein setzte und unter Lord Northcl-ffes Leitung mit allen technischen und finanziellen Mitteln in der raffiniertesten Weise fortgeführt wurde, hat unS u n e r m e ß. sichen Schaden zugefügt. .Sie hat den Eintritt weiterer Mächte in den feindlichen Bund und dessen Unterstützung durch die Neutralen befördert. Zu den materiellen Früchten der kostspiel-'aen, aber lohnenden Preßhetze kam noch die moralische Wirkung, unter deren Druck wir auch jetzt noch schwer leiden müsien, ohne d-aß ein End« des Mißtrauens und der Abneigung gegen Deutschland abiuseben ist.
Unsere Versuche, sur Deutschland wieder die ge bübrend« Stellung im wirtschaftlichen und geistigen Leben der Menschheit zu erringen, werden andauernd sehr erschwert werden durch die „Stimmung", die man gegen unS erzeugt hat.
Was ist dagegen zu tun? Tie gegnerische Presst durch die deutsche Presie zu bekämpfen, ist leicht gesagt, aber wenn t» überhaupt möglich ist, so wird «< sehr diel Mühe, (Selb und namentlich Zeit kosten, vor der Hand bleibt un« kein ander«» Hilf»mitlek, als daß wir unsere Taten in die Dagfchal« der öffentlichen Meinung fallen lassen.
Nicht kriegerische Taten, zu denen un- sowohl der Wille al» bie Macht seht, vielmehr fried, l i ch e Taten, indem wir durch unser Verhalten und unsere Leistungen den Beweis erbringen, daß die deutsch« Nation dcch bester ist, als der ihr enge, hängte Ruf.
Wir kommen nickck wieder zu Ansehen in her Welt und zur Gleichstellung mit den anderen Nationen. trenn nicht endlich bie Putscke, Streiks und Krisen aufhören und ter Beweis erbracht wird, daß in Deutsch'aod die Ver- nunft, d e Ordnung und der Atbestsfleiß wieder regieren. Dann erst können wir auf mildere Behänd, hing rechnen, die man unS jellt noch ohne Begrün düng verweigern zu dürfen glaubt.
Sicherheit verlangen, wird die Reichswehr auf demokratischer Grundlage unter Zusammensastuna bereits bestehender Frciwilligenverbände und durch Anwerbung von Freiwilligen errichtet werden. Bei dem inneren Ausbau der Reichswehr soll ben" Forderungen der Gegenwart Rechnung gekra. gen werden. Zahlenangaben über die Größe der nenaufzustellenden Wehr find in dem Entwurf gänzlich weggeblieben.
Der V-rnicktungSkiieg der Entente gegen die Kinser-
Serbin, 21. Febr. Der „CorträrtS* sckre bi: Nach Drsttznng be» kink-n Rheinufers durch die Entente ist in Düsieldorf die Belieferung mit Milch in Wegfall ge. kommen, und alle Versuche, eine weitere Belieferung zu ermöglichen, sind an dem Widerstand der frinM dien Befehlshaber gescheitert. Tie unausbleib'icken Fo-en dieser ma gelhaften Milckverfo gi ng find fürchstrl ch. In Düsieldorf ist dst Kindersterblichkeit im Dezember 1918 um 50 Prozent höher als der Jahresdurchschnitt 1918, ferner um 70 Prozent höher al» im Dezember 1917. Tie Slrrb'ichkeit für Februar ist noch nicht festg-siellt. wird aber aller Wahr, scheinlichkeit nach noch ungünstiger.
Ter Dorsrieven.
Ba'rk. 22. Febr. Di« Londoner ,Iime»' melden au5 Paris: Tri endgültig« Waste» stillstandSvrmag
Räterepublik einstimmig angenommen. Di«i „Räte' haben die RegierungSgetoalt einem Zentralvokl. zugsrat von elf Köpfen übertragen. In ihm scheine» di« ausgesprochenen Spartakisten den Ton anzugeben. Inzwischen aber hat der engere Zusammenschluß der beiden sozialdemokratischen Parteien Bayern, wie er t* dem Programm der gestern gegründeten EinheitSkom- Mission zum Ausdruck gekommen ist, eine begirmende Klärung der verworrenen politisch«» Zuständr ang«- bahnl. Schon haben fich die beiden Mehrheitssozialist«, schen Minister Hoffmann und Timm, über dere» Verbleib ztoei Tage lang Ungewißheit herrschte, wieder eingtfunben, und so konnten die Verhandlung« über die Neubildumg der Regier um g am Sonntag zu einem vorläufigen Resultat geführt werden. Danach soll der Mehrheitssozialist Hoffmann die Ministerpräfidentschaft übernehmen und zugleich da« Kultusministerium bcibehalten. Ter linksdernokratischo Verkehrsminister v. Frauendorfser, der MehrheitSs» zialist Justizminister Timm, sotoie die beiden WiabWn. Aigen Finanzminister Jasfä und Minister für sozial« Fürsorge Unterleilner Werden sämtlich im Amte blei, ben, ebenso der an seinen Wunden schwer darnieder» liegende Mehrheitssozialist Minister Auer, deffe» Amt jedoch bis auf weiterer von dem mehrheitSsozialiftische« Abg. Segih verwaltet werden soll. Man fieht, bi« Snt» wicklung beginnt in ruhigere Bahnen einzulenken. Da« Kräfteverhältnis der Parteien im Ministerrat wird da». selbe bleiben Wie zuletzt, sogar noch eine Rote nach rechts sich verschieben. Jedenfalls ist von einer Räte, regierung nicht mehr bie Rebe, und t« ist auch nicht anzunehmen, daß der auf nächsten Dienstag einberufene Landesrätekongreß eine solche Forderung sich zu eigen machen wird.
Geiseln.
München, 23. Febr. Heute wurden «ine «n»M Personen in Schutzhaft genommen. Für ihre persönliche Sicherheit sei Gewähr geboten; sie sollten aber al» Geiseln dazu dienen, gegenrebolu, tionäre Bestrebungen hintanzuhalten. Diese absonderliche Maßnahme, von der Persönlichkeiten auS Kreisen betroffen wurden, die man ftuher al« die obersten Schichten bezeichnet«, soll wahrscheinlich tti erster Linie dem Zwecke dienen, beschwichtigend auf die Massen zu wirken, die durch die Tat des Grafen Arco Valley in die grksßt« Erbitterung versetzt worden sind.
Der Mörder EKner«.
Der Mörder EiSner», Leutnant Graf Arco, scheint für feine Handlungsweise «18 Trum zurcch. nunflSfShig zu betrachten zu sein. Er soll schwer erb. lich belastet sein, ©ein Vater litt an Säuferwahnsinn. Seine Mutter, eine gebotene Oppenheim, wor ein« schwere HPKtkrrin. Graf Arco selbst kam «jt W Jahren in» Feld und galt in Ramtrebenltetfen aU im höchsten Grade rabiat.
Die Wehrvorlage.
Notwendigkeit der Wiederausrichtimg einer pverlässigcn deutschen Wehrmacht, ist, wie wir he, e'V5 toiticilten, in den letzten Tagen Gegenstand von ^-'prechungen gewesen. Diese Besprechungen ha. । das Ergebnis gehabt, daß eine neue Wehrvot- M t®Se in Pforrn eines Jnitiativ-Antrages der Mehr. | ’e‘*2j,Qr{eien eingebracht worden ist.
. . ^Qtin wird der Reichspräsident ermächtigt, das [ Heer auszulöse » und eine vortäusigc - ^"chswrhr zu bilden, die bis zur Schaffung der | reichsg^sctzlich zu ordnenden Wehrmacht die
■ schützt, und Ruhe und Ordnung im
I e.°ZLLt aufrchet erhält. Erst wenn der Friede ^ichicssen und Ordnung und Sicherheit k k^'^ckehtt sein werden, wird «3 mög.
sein, nach dem altbewährten Grundsatz der Wehr' ein Friedensheer anszustellen. Ta aber in.
als Schutz der Ostgrenze unb di« innere