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_ 1 Berantwortttch für d«, ttbe!tioneH«n Teil: Rett Schütt«. I 6«»*$#** 1Q1CI I Verlag btt Fuldaer Actiendruckereiin Fulda.- Prri»monatl. I 4«

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Aus dem kreise Hünfeld:

Kieiabach- D 360. Abgest. haben 355; sämtl. Z. Aus dem kreise Gelnhausen:

«reiaerichi. Altenmittlau. Z 426, D 2, S 19. 'Bernbach: Z 321, S 11. Horbach: Z 217, DR 5, S 15, U 7. Neuses: Z 451, D 7,.S 51, U 3. Somborn: Z 975, DL 4, D 49, S 186, U 1. In allen vorgenannten Orten des Freige­richts betrug die Wahlbeteiligung 90 Prozmt.

(!) WichelSrombach. Am Mittwoch fand auch hier Zentrumsversammlung der Frauen und Jung­frauen statt. In großer Zahl waren sie auS dem Ort selbst, sowie auS den beiden Filialdörfern her­beigeeilt, nm den begeisterten Worten der Fräulein Else Schmitt aus Fulda zu lauschen, die rn ihrem Vortrag die Not der Zeit schilderte und alle ein« dinglich darauf hinwies, wie jetzt auch die Frauen and Jungfrauen die heilige Pflicht haben, auch bei der Dahl zur Landesversammlung einzutrete« für Zucht und Ordnung, für Religion und Sitte. So« dann widerlegte Fräulein Lühn verschiedene Be- haupwngen, die oft zu Gunsten der Sozialdemo­kratie vorgebracht werden, die aber, wenn man sie auf ihr« Wahrheit prüft, vollständig hinfällig sind. Wohlgerüstet werden nun unsere Frauen und Jung­stauen eintreten in den Wahlkampf und sich durch Kine falschen Lockungen täuschen lassen, sondern am Sonntag ihre Stimme abaeben für das Zentrum.

Hünfeld. Unsere Stadt hat bei der Wahl am der. floffenen Sonntag vorzüglich gewählt. Rur 6 Wahl­berechtigte haben vqn ihrem Recht umt> von ihrer Pflicht keinen Gebrauch gemacht. Der Rest, der nicht gewählt hat, waren Teile unserer etnquartierten Truppen, die vor dem Wahltermin unsere Stadt verließen. Nur un­sere zur Zeit hier garnisonierenden Dragoner haben «mrgewählt. Ein ganz scharfes Bild laßt sich darum nicht gewinnen. Die Kranken wurden auf Wagen und Tragbahren zur Urne geführt, unter ihnen der schwer- kranke Herr Dechant, der so allen ein erhebende» Bei. spiel gab. 973 Zentrum: das heißt: die Bürger Hiln- feite haben fast ohne Ausnahme Zentrum gewählt. Möge die kommende Wahl ein glercherfreulicheS Bild bieten.

)( Seifert» (Rhön).Nach einer Jagd und vor einer Wahl wird am meisten gelogen", heißt ei im Volksmund. Da wußten vor einigen Wochen ge­wisse Leute, die daS Gras wachsen hören, einem Szuflüstern,in dem oder jenem Dorfe in der bön werden diesmal sicher etliche Sozialdemokraten «wählt", z. B. in Seiferts. H i er ist gerade das Gegenteil der Fall gewesen. Alle» hat gestern Zentrum gewählt! In ©eifer« ist nicht ein «nziger Wähler so dumm getoqen, selbst nur einem 8Mehrheitssozialisten", geschweige denn einem wüten- enUnabhängigen" seine Stimme zu geben, wie das unbegreiflicher und beschämender Weise in einigen benachbarten katholischen Ortschaften Gott sei Dank von wenigen Wählern geschehen ist! In Seiferts ist man völlig aufgeklärt über die letzten gefährlichen Ziele der Sozialdemo­kratie nicht nur durch die neulich glanzend ver­laufene ZentrumSwahlverfammlung, sondern auch durch frühere Belehrung im Gejellenderein. Man sicht, daß die soziale Aufklärung des Volkes gute Früchte trägt! Möchte wie das Alter so auch die gesamte wahlberechtigte Rhönjugend am näch­sten Sonn tag, den 26. Januar, bei der Lan- beSvertreterwahl, wo eS sich hauptsächlich um Sri st l.ich« Erziehung der Kinder handelt, einheitlich Front machen gegen die religionS- rle »"letzt auch dem Bauernstände feind-

«ch« Sozialdemokratie und mit jugendlicher Begeisterung der stets siegreichen Zentrums- v,a. v < folgen im Kampfe für Religion, aus­gleichende Gerechtigkeit und wahre Freiheit!

U KreiS Gelnhausen. Als ein recht befriedigendes Gesamtergebnis kann der Ausfall der Wahlen zur Nationalversammlung für die Zentrumspartei im h.« n Elnhausen gebucht werden. Abgegeben für w» Zentrum wurden 7057 Stimmen gegen 2295 Stimmen im Jahre 1912. Die Zentrumsstimmen Woen sich also mehr als verdreifacht. Tas Zen- «um ist an die Spitze der bürgerlichen Parteien ge- «ten und hat mehr Stimmen auf sich vereinigt als «anderen bürgerlichen Parteien mit 6712 Stimmen zählen. Die MehrheitSsozialisten haben M.763 Stimmen und di« Unabhängigen 1,189 Stirn- y. zusammen 12,952 Stimmen gegen 18,769 gnnmen aller bürgerlichen Parteien erhalten. Der ^^lamps war hnß. In einigen katholischen Ge- etnben kann mit einem Zuwachs der Zentrums« L"wren am 26. Januar, dem preußischen «g, der so entscheidend für die preußische «uchen- und Schulpolitik fein wird, noch gerechnet

Darum noch einmal:Alle auf zum und Sieg für die hehrsten Güter unseres «Uer am 26. Januar!"

®et Erfolg des Berliner Zentrums. Die Hoff- J*r berliner Zentrumswähler haben sich Muut, bte Reichshauptstadt sendet einen Zentrums» ele? *n die Nationalversammlung. Dr. Ii4 gewählt und der Jubel ist unbeschre b.

bei ,ann das verstehen, wenn man bedenkt, tritn.» n derlin überhaupt zum erstenmal ein Zen- friik! KQnn ,n das Parlament einzieht. Berlin war per d,e Hochburg bei alten Freisinnes, der späte- st.,,^ortschrürlichen Bolksparter. Die Sozialdemo- ben, ^otten ihr die Führung vollständig entwun- rrr,» ® ,6 zuletzt vor dem Kriege nur noch der

» l'ner Reichstagswahlkreis, in dem der er dröhnte, mit Mühe und erst in den » «tmablen von den Fortschrittlern behauptet werden stöki» 6 Zentrum mußte sich mit einem nen». » laten begnügen, für den eine kaum 6eut»n*toerte Elimmenzahl aufgebracht wurde. 6rfl Iann man hören:Wenn das die alten °mmen ZentrumSmänner in Berlin noch er lush ttett *" ®8 aber auch mit vorbildlicher gearbeitet worden. Eine AgitationSver- ""una lagt« die andere. In der Kleinarbeit

wurde Großartiges geleistet. Hier gingen in Eifer und Opfermut die katholischen Frauen allen voran. Flugblätter und Wahlzettel wurden treppauf, trepp­ab getragen. Die vielen Unannehmlichkeiten, Be­leidigungen oder gar Beschimpfungen wurden nicht beachtet. Am Tage der Wahl wurde die Arbeit vor und in den Wahllokalen und in den Wah büroS un­unterbrochen bis zum späten Abend fortgesetzt. Der Erfolg hat die Mühe gelohnt: Berlin hat einen ZentrumSabgeordneten.

Noch kein Ausruhenr

Durch die Wahl am Sonntag, 26. Jan., soll sich die Zusammensetzung der preußischen National' Versammlung, deS neuen Landtags, entscheiden. Ge­rade die Kulturfragen, auf die wir den Höch- sten Wert legen, namentlich in Schul- und Kirchen- Politik, werden in den Einzelstaaten behandelt. Deshalb wäre es besonders gefährlich, wenn sich in dem künftigen Landtage die ausschließliche Mehrheit auS Fortschrittlern und Sozialdemokraten bilden könnte. Das wäre ein kulturkämpferischer Block, der für unsere höchsten und heiligsten Interessen verhängnisvoll werden könnte.

Als» ^dürfen wir in der Wahlarbeit für den nächsten Sonntag nicht nachlassen. Im Gegenteil: der Eifer muß womöglich noch gesteigert werden.

Welche Regierereir

©Hühner, Mitglied des Berliner Soldatenrater, hat di« volle Wahrheit gesagt, als er am 28. November in einer Soldatenratssitzurig erklärte:Bei der alten Regierung mag vieles schlecht gegen, gen sein, jetzt gehtS aber noch schlechter." Die Energielosigkeit und Torheit der gegenwärtigen fo, zialdemokratischen Regierung, die der alte Vizekanzler van Payer in einer Stuttgarter Rede die kraftloseste nannte, ist kaum mehr zu übertrumpfen.

Sie hat eS verabsäumt, die Preßfreiheit zu sichern.

Sie hat eS verabsäumt, die Lebensnnttelder- sorgung vor Wirrwarr zu bewahren.

Sie hat eS verabsäumt, unser Wirtschaftsleben vor dem Chaos zu schützen.

Sie hat eS verabsäumt, dem pÄitischen Durch- einander in ihren eigenen RegieruugSreihen ein Ende zu bereiten.

Sie hat eS verabsäumt, den Spartakusleuten zeitig das Handwerk zu legen.

Se hat eS verabsäumt, die russischen VoW- vertreter Radek und Konsorten aus dem Reiche fern zu halten.

Sie ist schuld chn den blutigen Wirren in Berlin, in Oberschlesien, in Posen, im rheinisch.westfälischen Industriegebiet und an anderen Orten.

Sie ist schuld an der ungeheuerlichen GeldanS» geberei, die jene der alten DbrigfettSregieumg bei Wei. tem übertrumpft.

Sie ist schuld an der blindwütigen Kulturkämpfe, rei, die oaS christliche deutsche Volk in seiner tiefsten Seele beunruhigt und der Gewissensfreihejt Hohn spricht.

Sie ist schuld an dem Elend unserer von der Ostfront heimkehrenden kriegsgrauen Volksgenossen.

Deutsches Volk! Die sozialdemcckratische Par­teiregierung steht vor deinem Gerichtshöfe. Dein Urteil lautet auf schuldig.

Darum keine Stimme am 2 6. Januar der Sozialdemokratie. Wählt alle die christlich gesinnten Männer

des Zentrums.

Mer Milliarden für das Dolk".

Die französischen Kirchenfeinde verstanden es vor 12 und 15 Jahren leider gut, unter der Führung der Minister Comdes, Rouvier und Waldeck-Rousseau die Kirche zu knechten und die kirchlichen Orden und Ge­nossenschaften schnöde zu berauben und grausam zu unterdrücken. Sozialisten und Liberale suchten viele Anhänger für ihre ungerechten Pläne zu gewinnen und versprachen zu diesem Zwecke, das Bermögen der aufzuhebenden Klöster und kirchlichen Anstalten dem Volke zu geben. Sier Milliarden Kirchen- und Klostergut! Hei, das mußte ziehen und wirken!

Ein Orden nach dem anderen wurde unterdrückt, und schließlich trat bas ungerechte Gesetz über Tren­nung von Staat und Kirche am 1. Januar 1906 in Kraft. Wer aber erhielt die versprochenen Milliarden? Die französische Staatskasse bekam nichts, und das Dolk erhielten erst recht nichts! Denn es stellte sich heraus, daß die Kirchenfeinde da, Kloster- und Kirchengut ganz gewalsig überschätzt hat­ten. Was lag auch daran: es kam ja darauf an, mög- lichst viele zum Kampf gegen die Kirche zu locken. Die Ordensleute hatten ihr Vermögen durch Errichtung von Schulen sowie von Waisen- und Krankenhäusern zum Besten der Gesamtheit verwendet und im übrigen für ihre Person recht ärmlich und bescheiden gelebt Das Kirchen- und Klostergut war also viel weniger wert, als man angegeben hatte. Liquidationskosten, die Diäten der Beamten, welche die Jnventarien und den Wert der Kirchengüter prüften, die Ansprüche der Advokaten, dies alles verursachte solche Unkosten, daß diese noch nicht einmal durch den Erlös der verkauf- ten, armen Kirchcngäter gedeckt werden konnten. Die Staatskafle hatte also von dem ganzen Manöver kei- nen Vorteil, sondern nur Unkosten, das angeführte Volk hatte das Rachsehen, und ungeheure Summen verschwanden in den tiefen Taschen gewissenloser Ad­vokaten.

Es ist wohl an der Zeit, auf diese Ereignisse hin­zuweisen. Vielleicht treten auch in Deutschland Leute auf, die wie der Rattenfänger von Hameln einfältige Menschen zum Kampfe gegen die Kirche durch Hin- weis auf das zu verteilende Kirchen gut ködern möchten. Sollten solche Rattenfänger kommen, so weiß das Volk aus dem Beispiele Frankreichs, was es von dielen Leuten und deren Lukungen zu halten hat. ,

Wer ist schuld daran?

Je länger die Revolutton dauert, um so trost­loser werden die Zustände in unserer Volkswirtschaft und um so mehr rückt die Hungerkatastrophe heran. Wer ist schuld daran? Der sozialistisch gesinnte Leutnant Wüllrner sagte es in einer Sitzung der Berliner Soldatenräte vom 28. Dezember 1918 klar heraus: (Teu»itbe Allgemeine Ze'tnng" Nr. 6081:

.Er ist nicht wahr, daß wir vor einem Nichts oder einem Trümmerhaufen gestanden haben. Es war eine ungeheure Maste an Kriegsgerät und Nahrungsmitteln vorhanden. DaS weiß ich als Bevollmächtigter deS VollzugSrateS für das VerwÄtungSdepartemcnt. Raubbau ist erst getrieben worden, nachdem der VollzugSrat die Macht er­halten hatte (Große Unruhe). 8® noch heil war, hat der Bollzugsrat zertrümmert durch Untätig kett oder aus Regierungsfimmel (Sehr gut!). Grau­lich machen vor der Rcaktioin geschieht nur, um reaktio­näre Maßnahmen durchzusetzen. Auch eine Schwadron Dragoner unb eine Leutnantssprache darf uns nicht schrecken (Sehr gut!). Bei der alten Regie, rung mag vieles schlecht gegangen fein, jetzt geht eS aber nochfchlechter."

Wer trägt dafür die Verantwortung? Erich Äutfner, derBorwärts"-Redakteur, sagt eS in sei­ner Revolutionsbroschüre S. 4:Wer die Macht hat, trägt auch die Verantwortung." Die sozialdemokratischen Machthaber, die Parteidiktatoren, dieVolksbeauftragten" sind verantwortlich. Sie stehen jetzt vor dem Richterstuhle der Volkes. Am 26. Januar muß er ein Volksgericht geben. Keine Stimme der Sozialdemokratie!

Wählt alle die Kandidaten des Zentrums!

Dölkerhatz und Völkerbund.

In Paris tagt bekanntlich zur Zeit die Konfe­renz, in der die Entente die Bedingungen berät, die sie uns auferlegen will. Die Konferenz soll unS auch den Völkerbund als Beginn deS ewigen Frie­den- bringen.

Ganz so einfach, wie Wilson sich die Sache ge­dacht hatte, wird sich freilich seine Idee nicht ver­wirklichen lassen. Dem erstrebenswerten Ziel stehen zwei Hemmungsposten gegenüber, die wegzuschafsen sehr schwer fein wird: Die nüchterne Geschäftserwä­gung Englands und der Haß der Franko'en.

Gegenüber England werden wir vielleicht eher ins Reine kommen, weil dieses Land wenigsten» Vernunftgründen zugänglich ist, die ihm sagen, daß ein bankrotte» Land nichts zahlen kann. In Frank­reich spielt nach wie vor der blank Haß, genährt durch Schauermärchen aller Art, die erste Rolle im Gefühlsleben de» Volkes uns gegenüber. Aus die­sem @efül)I deS Hasses heraus sucht man in Frank­reich jede Gelegenheit auSzunützen, um für den Ge­danken der Rache an dem Besiegten Anhänger auch unter den Alliierten zu werben. So hat der Senats- Präsident Duboft im Senat eine Ansprache an Wil­son gehalten, in der er unter anderem sagte:

»Seien Sie willkommen, Herr Präsident, Sie unb Ihre Ideale.' An keinem anderen Ort hat der hohe Ehrgeiz baS immer auf3 neue zerstörte Gleichgewicht der materiellen Kräfte durch ein auf moralischen Fak- toten beruhendes Urteil zu ersetzen, größere Begeiste- ruua hervorgerufen, als gerade in Frankreich, da- für die jahrhundertelange Bedrohung durch eine habgierige und rartstlchtige Masse, die zur Ausbeutung alle» dessen, was außerhalb ihrer Grenzen, geneigt ist, offen liegt*. Nachdem Dubost die historischen Tatsachen so auf den Kopf gestellt hat, erklärt er, daß die neue Welt- ordnung sich an eine Kraft anlehnen müsse, .für welche Frankreich al» die vorgeschobene Schilöwache besteht*.

Die sozialistisch-radikale Kammergruppe, auf die man in sozialdemokratischen Kreiien Deutschlands Hoffnungen zu setzen glaubte, hat in der letzten Sitzung solgende Forderungen in der Tagesordnung vereinigt:

.Völlige Entwaffnung Deutschlands, da» nach dem Krieg von keinem mehr etwas zu befürchten braucht, also weder eine Armee oder Marine noch KriegSin. duftrie, sondern nur diejenigen Pollzetkräste nötig hat, um tm Innern die Ordnung aufrechterhalten zu können. Die Entwaffnung Deutschlands hätte auch die glücklichste Rückwirkung auf die Nachbarstaatei!. Die KriegSverantwortiichen und selbst die höchsten Schul­digen, die sich Verbrechen ge en die Haager Konvention zuschulden kommen ließen, sind abzuurteilen und zu bestrafen; es ist für dre Geschichte notwendig, daß der Kaiser, der Kronprinz, Tirpitz, Bethmann-tzollweg und 600 andere, deren Verbrechen man kennt, abgeurteilt und bestraft werden*.

Zwei hervorragende französische Recht-gelehrte, Lanwande- und Lapradelle, hatte« den offiziellen Auftrag erhalten, di«Schuldfrage" am Kriege be­züglich der Person de» deutsche« Kaiser- vorn suristischen Standpunkt au» zu prüfe«. Sie sind was natürlich vorauszusehen war zu einer Be­jahung der Schuldfrage gekommen, «xb erklären, baß der Kaiser straf- wie zivilrechtlich für den Krieg verantwortlich zu mache« sei, und zwar auch für bi«Verbrechen", die die unter seinem Befehl ste­henden Truppen begangen hätten.

Unter diesen Umständen paßt einem großen Teil der Franzosen auch die Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung in Deutschland nicht.

DieAcnon Francaise" bedauert die Wiederher­stellung der Ordnung in Berlin und schreibt u. a.: Morgen werden wir vielleicht mehr Ordnung in Deutschland haben, als wir wünschen. Tie Revo­lution in Berlin hätte den AuSeinanderfall deS Rei- ches Herbetgeführt. Von Schlesien hätte sie begon­nen. Die Alliierten werden niemals wieder daS End- der Gefahr eines Groß-Tentschlands so nahe gerückt haben. Diese Gefahr wird unausbleiblich wiederkommen, wenn Ordnung und eine starke Re­gierung in Berlin die Einigkeit der germanischen Welt wiederhergestellt haben."

Gegenüber solchem Fanatismus werden die Ver- treter des Völkerbundes eine schwere Arbeit haben. Man wird den Völkerbund gründe»; wie er sich in Zukunft ausnehmen wird, eine andere Frage.

Ans der Pariser Konferenz.

patte, 23. San. Die Vertreter der Großmächte verhandelten in den letzten Tagen über die Lage i n Rußland. Schließlich fand ein Vorschlag Wilsons allgemeine Zustimmung. Danach wird eine aus einem Zivil- und Mllttärvertreler bestehende Kommission

der vier Großmächte sich nach der Prinzeninsel b« Konstanünopel begeben unb bort bie Abgesandten bei vier verschiedenen Regierungen empfangen, die sick gegenwärtig in die Gewalt in Rußland teilen. Sm Einvernehmen mit diesen Delegierten wird die Kom­mission ihren Bericht an die Konferenz erstatten uni diese wird tn letzter Linie entscheiden. Sn ähnlicher Weise rourbe das polnische Problem durch die Entsendung einer Kommission nach Danzig gelost. Am Samstag wird eine öffentliche Vollversammlung stattfinden, in der die Frage eines Völkerbundes erörtert werden soll. Der Vorschlag Lloyd Georges, der in einigen knappen Artikeln in allgemein gehalte­ner Weise die Gründung eines Völkerbundes empfiehlt, wird bie Grundlage dieser Debatte bilben. Präsident Wilson wird hierauf feinen Plan barlegen.

Friedensnnierzeichnimg im Juni.

wtb. Parte, 23. San. DasEcho de Paris" glaubt zu wissen, daß die Friedenspräliminarien spa- testens Anfang Suni unterzeichnet werden.

Der Papst für bi« deutschen ftriegsgefangenea.

Zürich, 23. San. Der MailänderSecolo" mel- bet aus Paris: Der Konferenz der Alliierten find Er­suchen des Papstes unb zweier neutraler Staaten zugegangen auf Heimschaffung der deutschen Kriegs- gefangenen mit Friedensschluß.

Die Arbeitslosenfrage.

Berlin, 23. Jan. DaS Reichsamt für die wirt­schaftliche Demobilmachung veröffentlicht eine wich- tiqe Aenderung der Verordnung über die Er­werbslosen-Fürsorge, die am Tage bei Verkündung, also beute, in Kraft tritt. Danach darf Personen, die während deS Krieges zur Auf­nahme von Arbeit in einen anderen Ort gezogen sind, in diesem Ort eine Unterstützung nicht langer als insgesamt vier Wochen gewährt werden, auch wenn ihnen eine geeignete Arbeit nicht hat nachge- toiefen werden können. Die gleiche Beschränkung gilt für die vorläufig vorschußweise Unterstützung von Kriegsteilnehmern. Die Beschränkung tritt nicht ein, wenn Erwerbslose in dem Ort, an dem ihnen die Unterstützung zu entziehen wäre, mit ih­rer Familie einen gemeinschaftlichen Hausstand vor Einliitt der Erwerbslosigkeit begründet hoben und noch führen. Die Unterstützung ist ferner so lange nicht zu entziehen, al« die Rückkehr an de» früheren Wohnort tatsächlich unausführbar ift Die Gemeinden unb Gemeinbeverbänbe finb verpflichtet, bie Unterstützung zu v "sagest oder zu entziehen, wenn der Erwerbslose sich weigert, eine »achgewiesene Arbeit anzu­nehmen, bie auch außerhalb seines Berufs und Wohnort« liegen darf und ihm nach ferner koiperli- che» Beschaffenheit zugemutet werden kann. S«e Weigerung kann nur damit begründet werde«, baß für bie arbeit nicht angemessener ortsudluher Lohn geboten wird, die Unterkunft sittlich bedenklich ist und baß Verheirateten bie Versorgung der Fninrlie un­möglich gemacht wird. Freie Fahrt zur Reise an den Beschäftigungsart ist von der Gemeinde beS letzten Wohnorts zu bewilligen. Ist bei «erhena- teten die Mitnahme der Familie an den auswärtigen Beschäftigungsart nicht angängig, so kann die Ge­meinde des letzten Wohnorts den zuruckoletbenden Familienangehörigen während der Tauer des auS- toäriigen ArbeiisverhältnisseS die Zuschläge zur Ev- werbslofen-Unterftützung ganz oder teilweise gewah­ren. Die Unter'lützungen der Gemeinde und Ge- memdeverbände dürfen nur für die sechs W ochentage gewährt werden und ohne Familienzuschlag weder das Anderibalbfache deS Ortslohnes noch bie sür bie einzelnen One nach Maßgabe ihrer Zugehörigkeit zu den Ortsklassen vorgeschriebenen Höchstsätze über­steigen. Diese Höchstsätze bettagen nach der OrtS- klassen-Abstufunq für männl. Personen über 21 Jahre 6, 5, 4 und 3^50 Mark; iür weibliche Penonen über 21 Jahre: 3,50; 3, 2,50 und 2.25 Mark; für jüngere entsprechend weniger. Die Familienbezüge dürfen für Ehefrauen klassenweife 1,50, 1,50, 125 unb 1 Mark, für Kinder enisprechend 1, 1, 1 und 0,75 Mark nicht übersteigen. Die Entziehung der Erwerbslofenunter stützung darf nicht Var Ablauf von zwei Wochen nach dem Jnkiafttreien dieser Ver­ordnung ein treten. Höhere Unterstützungssätze, bie bereits eingefühn sind, dürfen fpätestens bis 1. April bewilligt werden.

Die Deutsche Allg. Zeitung" bemerkt z« be» neuen Verordnung:

Mit der Abänderung der Verordnung für die Er» Werbslosen-Fürsorg« ist endlich (fast müßte man sagen zu spät) der erste Schritt getan, der Wirtschaft die so dringend erforderlichen Arbeitskräfte zuzuführen unb auf die Arbeitslosen einen gewissen Zwang zur An- nähme der angebotenen Stellen autzuüben. Wie muffen aber daraus Hinweisen, daß diese Maß­nahmen noch lange nicht die Wirksamkeit haben werden, den wichtigsten Betrieben die Aufnahme der Arbeit »l! zu ermöglichen. ES ist unbedingt erforderlich, daß btt Regierung Zwang» - Vorschriften erläßt, denen die Ar- beitslofen unumgänglich Folge zu leisten haben. Das Erwerbslosen-Fürsorge-Gesetz muß durch ein alt- gemeinesDien st-Gesetz, das dem Htlfa^enst» Gesetz nachzubilden wäre, ersetzt werden.

Um die Ostmark.

Perlte. 23. San. Sn preußischen Regierungskrei­sen scheint man in der polnischen Frage optimistisch zu fein. Wie diePol.-Parl. Nachr." melden, glaubt man durch die inzwischen getroffenen Maßnahmen der Regierung die Palen zu einem größeren Ent­gegenkommen zu veranlassen, und man rechnet mit der Möglichkeit, daß schon in der nächsten Woche in Derlln Verhandlungen stattfinden können.

Berlin, 23. San. Der polnische Vormarsch ist auf der ganzen Front zum Stehen gekom­men. Die Polen sind 10 Kilometer vor Bromberg stecken geblieben. Thorn fft bis jetzt überhaupt nicht bedroht. Der Druck des verstärkten und diesmal wohl» orgarlfierten deutschen Widerstandes macht sich an der ganzen Front fühlbar.

Die Regierung gibt bekannt: Der Beschluß des Staatsministeriums vom 7. Februar 1886, wonach Personen, deren Muttersprache polnisch ist, grundsätzlich nicht als Beamte innerhalb der Pro­vinzen Weftpreußen und Posen, sowie des Regierungs-