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$U rote Hetze nach dem Kriege.
$ie Sozialdemokraten verbreiten in ganzen Wo- -nlatunoeii ein Flugblatt nut dem Titel „Sie tle- kjloleHetzevorundwährenddesKtie- • j«. Ter Ber,«sier war etwa, aufgeregt, als er L jdjritb Be.m liefen haben wir uns innig gefreut, irölende Worte keine Flinlentugeln find, fonst -■: ri)e da» orme Zentrum durch tiefte Flugblatt nickt lijtiraL sondern wer weife wie »ft mausetot zeschos- <m sein.
Aber die krachenden Redensarten sind schließlich ja sozialdemokratlfche Gepflogenheiten, der Gehalt MSchls. Und der Gehalt des Flugblatt, macht ee fljifütf) unbezahlbar» sodaß man sich wundern muß, jgfc die Sozialdemokratie es umsonst verteilt.
Str Flugdlattfchreider hat sich ein unsterbliches getiiie; st erworben. Er klärt die Menschheit endlich iiur die schwierige Frag« auf: Wer ist schuld ,m Kriege?
Run, wer ist»?
Summe Frage! Da» — Zentrum natürlich.
Ihr xlaubts nicht? Sa, da mi ßt Ihr schon da, giviMclf lesen, dann werden Euch die Augen auf- unb übergei.,.n. Das Flugblatt behauptet nämlich nidi* nur, nein es beweist auch. Die es da, macht, lot ist wert, daß man es sich einmal genauer ansieht.
Also.
1 Zunächst: Ausgange vunN de, Krieges war der gtorh an dem österreichischen Thronfol-zxrpoor durch ftrbifche Mordbuben. Serbien aber war — lest nur her Flurblatt, da könnt Jbr, erfahren, ein schuldloses Lamm, da» nie dem großen „Wolf" Oesterreich ein Eäfitrrfien getrübt hatte. Das schurkische Oesterreich ehr hat Serbien wegen des Doppelmord» in Sera- jtiro, an dem e» ach so unschuldig war, überfallen, em es mit Haut und Haaren aufzufressen.
Und — jetzt fommts — wer hat Oesterreich zu diesem Ueberfoll aufgehetzt und dadurch auch Deutsch- tzmd in den Krieg getrieben?
Sa, wißt Ihr nicht?
Sa, Zentrum!
Hört nur: Oesterreich wurde damals beherrscht len den Christlich-Sozialen, und diese Partei ist brüten dasselbe wie bei uns da, Zentrum. So sagt» mir da» Flugblatt schwarz auf weiß. Also nicht, einfacher als das: Das Z e n t r u m hat den Ausbruch des S ieges verschuldet!
Daß Serbien, seit Jahrzehnten nach Teilen von Ctfinreid) lüstern, mit unerhörter Perfidie die Untertanen de, Kaiserstaate, rebellisch zu machen suchte, >md mit russischem (Selbe bas Land unterwühlie. daß Rußland sest Jahren zum Krieg gegen Deutschland und Oesterreich gerüstet, daß Italien bas Gleiche in ten südlichen Grenzgebieten Oesterreichs getan, baß Frankreich seit 40 Jahren die Revanche für feine Rie- terloge von 1870 geplant und sich auf einen Roche- friea vorbereitet, daß England seit dem wirtschaftlichen misschwung Deutschlands voll Reid in gewohnter Deist die Vernichtung Deutschland» betrieben hat, «fits dies, das die Spatzen von den Dächern pfeifen, ms alles gibt, für den Flugblattfchreiber nicht. Las Lenlnim ist doch schuld!
Wähler unb Wählerinnen, für wie dumm »ü(Jen euch die Sozialisten ansehen, daß fie euch Jurjafjiq halten, zu glauben, bas Zentrum habe den Selterfrieg auf dem Gewissem Die richtige Antwort
eine so tolle Zumutung ist, daß ihr am 19. und w. b. Mts. bei den Wahlen für die Zentrums»
1 ft i m m t und denen, die euch eine foziaidtmo» Wiche Liste In die Hand drücken wollen, den Rücken kehret.
Loch es kommen noch beffere Zeugen für die Wlö des Zentrums! Da werden eine Anzahl van »Wrangen in Zentrumsblättern aus ben letzten «songenen Jahren angeführt, die beweisen sollen, »b die Zentrumsblötter „blutgierige Ar- ”lel in die Welt geschickt, die „feindlichen Völker «^roheste beschimpft”, mit „fieberhaftem ®» 8e(,inn on den vöikerhaß geschürt, M den brutalsten Kampfformen grfdjrien, immerfort
Eroberung», unb Schwertfrieden Webigt und jede Friedensbemühungen »eryohnt haben.
^".wörilich in dem Flugblatt. Unser, Leser v«en doch auch während bei Krieges ein oder meh- E* ..«‘■‘rumrtMttet gelesen. Es ist gewiß merk- Mtlii. ' f*e fich diese angeblich so blutrünstigen ESI« «Be die Jahre hoben in, Haus kommen ö "' daß sie ihnen nicht den Laufpaß gegeben L?"* daß im Gegenteil sozusagen alle Blätter Ei. ? «bonnentenzuwachs gehabt hoben. Es muß
An ch d>ohl so fürchterlich nicht gewesen fein.
"dingl, im Laufe bet vier Krieg-jahr» sind il» < von Artikeln geschricben worden, und es e.n Kunststück, aus diesen haushohen Stößen von »''«npIpQpier die eine oder andere Eielle heraus- L,rt.?enf die einem sozialdemokratischen Flugblatt» Cu, ??t 'n feinen Kram paßt, besonders wenn sie h-it0*"* Zu ammenhana gerissen ist und man nicht fie h' n 1 6or "der hinter der Stelle gestanden har, ob LJ0,4 Aeußerung eine« Dritten mitgeteilt, Sto« k ble Meinung de» BiaiteS selbst wiedergibt. äi . braucht nur an doS bekannte Wort zu erinnern: •»Iwt’J drei Worte und ich bringe Dtch an den fit an ‘ emzelnen zusarnmenhanglo en Sätzen (. "er zu beweisen, wo« man beweisen will, o tnu§ ouffafien, daß da» Flugblatt nur einige
6U* fiöln, Essen, BreSlau und unchen ouführen kann, daß e» ober Aeußerungen ,, Zenungen, die uns näher liegen, die man *’ «rchr nachprüfen könnte, gar nicht erwähnt. $ Ln einziger Zenirumblatt aur Hessen- "stau oder au« der weiteren Umaebuna wird re-
• immer nur Plätter au« fern abliegenden Wo,um wohl?
ttan fnn to,r 1,n8 die Müße machen wollten, die z "iE'ozialdemokratiiche Presse au« den vergangenen
Iahten nackztiblättetn, würden wir sicherlich gtu manche P'eßäußeiung und manche« andere " von Soztaidemokraien finden, do« au» dem gk'issen, dem Flugblatt chretber nicht llen würde. Wte sacke doch der alte Bebel rin» tz '. !ln Re chrtog? „Wenn einmal da» deutsche tir»» ‘ K®aff' n htnautzieht, seine Heimat zu beriet- kji>’,®cnn weide auch ich alter Rebolutionär noch vunt, auf die «Schult« nehmen*. Wir IchzM.
die fozialdemokra'ische P-esse in den Augusttagen 1915? „Wtt lassen unser Vaterland in der Stunde der Not rncht im Tuche". Hat sich nicht de, badi» difche fozialdemokrausche Führer Frank al« Ktieg«» fr willmer gemeldet und wurde nicht fein Heldentod in der Peesie der Coztaldemolrotte gefeirt? Roch im Oktober 1918 schrieb tue „Tozialdeulokr. Ko retpondenz”:
£d» FriedenSpropramm der deutschen Sozialdemokratie wer vom ersten KriegStare an der Aer >tänvi- gungSfriede Darunter verstanden wir einen gtie- den, der den Besitzstand de» Deutschen Reiche» vom ttu uft 1914 unangetistet läßt und ihm die weitere wittschaitlite Entwicklungsmöglichkeit sichert. Ein solcher Friede war in den vier KriegSjrh'en niemal» zu erreichen; der Verband war nremal» bereit, den Brieden auf «rundla e de» rbrsitzstande» vor dem Mriea zu f-tuiefeen. Der Friede durch Aach reden ist etwa» ganz andere» al« da», wa» die ec« ziatdemokratie gefordert hat Ihn hätten wir vielleicht tchön früher haben können; aoer bet den schweren Opfern, die er Drntichland auferle en wird, wußten wir ihn abzuwenden suchen, so lange e» ging.
Hä-te da» ein ZenirumSblatt geschrieben, wäre e» gewiß in dem roten Flugblatt al« „Kriegtvei längerer" gebrandmarkt worden. Da« ist ja übrrhattpl ein beliebter Vorwurf, ben man dem Zentrum macht, e« fei schuld an der KriegSverläneetung. Dabei Weitz jede» Kind, daß der Z ntrumr-Abg. Erzlerger nicht nur in der Zentrums-Fraktion, sondern im ganz-n Reichstage in der Frage eine« VerständigungS«Friedens, olto einer möglichsten Abkürzung d'S Kriege», die Führung gestabt bat. Schon im Iahte 1915 spiach Abgeoidn. Erzberger im Re!ch«-Au«fchuß der Zentiumeparter tn Frankfurt einem Be» ständtguns« - Frieden da» Wort. Und im Jahre 1917 war er e«, der juerft den Mut fand, die Dinge im HanplauSschuß einmal rücksicht«'öS bar- zustellen, wie sie in Wi'klichkeit waren. Daß trotz dies r allgemein bekannten Tatsachen die tz- osial- demokraten dennoch den Derfuch machen wurden, das Zentrum zu den KriegSverlängerern zu zahlen, ist dem verständlich, der die sozialdemokratische Agitation kannte. Die Strafe trägt ein solche« Gebähten in sich selbst. Die Sozialdemokratie darf sich deshalb gar nicht beklagen, wenn e» ihr von ihren „Unabhängigen" genau so gemacht wird, wie e« sozialistische Agitatoren und Flugblatt chreiber dem Z ntrum machen. Wer der Versammlung der „Unabhängigen" in Fulda beigewohnt bat, weiß, daß dort den Mehr heitrsoziolrsten mit dürren Worten gesagt wurde, daß sie sich nicht frei gehalten hätten von der politischen und moralischen Mitschuld für den Krieg. So wird die Mehrhettt- sozialdemokratie von ihren eigenen Leuten, die weiter link« stehen, mit ihren eigenen Waffen, btt sie gegen da» Zentrum anwendet, geitblagen.
Ta» Flugblatt schließt: Hoch der 661 ferbet• söhnende, völkerbeglückende Sozialismus. Ach die Bölkerversöhnung! Tie Sozialdemo, fra ie hatte ja Berge gebtiut auf dar internationale Zusammenhalten der Soztaldemokratie. Tatsächlich rst ober der Pazifismus der internationalen Sozialdemokratie elend in die Brüche gegangen. Al« vor zwei Jahren die internationale Sdziawemo- fratie in Stockholm tagte, wie waren da aller Augen hoffend nach Schweden gerichtet! Welch Geschrei in der roten Preffe! Und der Erfolg? Die Sozialdemokratie der feindlichen Staaten hetzte nur nach mehr gegen Deutschland. Erinnert man sich denn nicht mehr, daß bet engliche Sozialist Henderson für b e Abtrennung Eiiaß-Lothringen« eintrat? ' Daß in Frankreich diese Sozialisten in HaßauS- brüchen gegen Deutschland sich nur so überboten? Daß der schwedische Sozialist Branting die Massen förmlich aufpeitschte fiege । die Mittelmächte? Und al« EiSner seinen WeltfriedenSaufiuf an die Proletarier aller Nat onen et gehen ließ, da kam von den Rat'M der anderen Säubern nicht da« leidste Ecko. Wohl aber verbinden sich z Zt. deuttche Soztaldemo kraten mtt dem Bolschewisten und dem tu si chen Kommunisten Radek zur bal!chew>stischen Welipio- paganda, für meld e, »ie Radek selbst taate, „Teunch- lanb den Kampfplatz bedeutet, auf welchem da« entscheidende Ringen gegen die englisch-amerikanische Weltherrschaft au«gesochten werden soll." Ist daran aber auch das Zentrum schuld?
ßHochfdervölkrrversöhnenbevölkerbegluckende Sozialismus! — Ihr beglückt die Völker? Beglückt zu- nächst einmal da« eigene deutsche Volk. Aber wa« habt Ihr und gebracht? Da« Volk habt Ihr entzweit, den Bürgerkrieg enlfessellt; bi« Banden der Zucht und Ordnung sind gelöst, Plünderung, Raub und Mord verbreiten Furcht und Schrecken. Da« nennt Ihr Beglückung-
Wähler und Wählerinnen, am unb am £6. gebet ihnen keine einzige Stimme, fontetu alle ohne Ausnahme gebet sie den Listen der Partei, die wahrhaft unb ehrlich da« Wohl des Volkes ecft.vet. beut Zentrum!
', Senfe richtig!
-n- AuS dem Kreise Fulda. Gar manch. .... wirt denkt in dieser aufgeregten Zett falsch- Er fegt: Ich bin jetzt satt die unaufhörlichen Revisionen, Getreideaufnahmen, Beschlagnebmttngen der Regierung, ich wähle dethaib „rot" am 19. und 28. Januar.
Halt, lieber Mann und liebe Frau vom Lande. Du denkst unrichtig und willst handeln unvernünftig! Hör» mir zu!
Die Regierung in Berlin ist doch seit dem 10. November 19!8 knallrot unb hat ihre Macht schon wiederholt durch schnelle Aufhebung von manch n Verfügungen der alten, geftürtfen Regierung gezeigt. Bist du also böse gegen die Negierung und willst deinen Groll geg-n die Re üeruna, die fd on seit 2 1> onotrn rot tst, Luft machen, bann müßte t du ja gerade keiner, „roten", sondern eintn anderen XBahkeltel zur Da ilurne traaen. Nicht wahr?
Höre noch e ntn Augenbl ck zu. Am 19. und 26. Januar sollst du ja nicht deine persönliche Verärgerung durch ten Wahlzettel bekunden, sondern deinen aufrichtigen Entschluß, am Aufbau des zertrümmerten Saterlanöe« auf solider Grundlage mitzuarbeiten. Der Wahlzettel ist al o keine Bejchweraeschrist, sondern ein Baustein, iun 8«s»emeiit eine# neue» Swa:«weien«
bet sozialen (ja nicht sozialistischen) BolkSiepudlik in Deutschland. Soll die e aber Bestand erhalten und einer gejunben Entwicklung fähig werden, dann muß dar Fundament ein christliche« sein. Tein Baustein muß deshalb der Wahlzettel der christlichen Volke Partei, also des Zentrum - sein.
Denke richtig, nicht leiden chaftlich,
Handle christlich, der Wahltag ist zu wichtig!
Die Partei des Judentums.
Da« .Fuldaer UreHblati' meldet in einer großen Anzeige:
„Tie Partei be« Judentums Ist ble deutsche demokratische Partei."
Jetzt wiffen wir endlich, waS die demokratische Partei ist, wir ha ten ei un« aber gleich gedacht.
Dieselbe Anzeige findet sich auch noch in anderen Blättern, e« handeli sich also kei 'e«ioeg« nut um eine öttliche Auffassung von rem Charakter der demokratischen Paiiei al« ter Partei de« Judentums. Nicht de« Judentum« tchlechthin, 'oubeui dcS liberalen Judentums. Ta« all gläubige Judentum lehnt e« entschieden ab, in der deutschen demokrauschen Pa>lei seine Paneiv' tretung zu erblicken. Wir sind von mafegeoenber Leite ermächtigt woideü, daS hier zu erklären.
Las netteste sreglerungZprogramm.
Der Erfolg in Berlin hat die Boltsbeauftrogien ermutigt zu einem neuen „Aufruf an das deutsche Boir, der nicht nut ihren Sieg verkündet, sondern auch ein umfassendes Programm entwickelt. Dabei unterzeichnen die fünf Reichskanzler mit der stolzen Firma: „die Reichsregierung-.
(Segen diesen Aufschwung ihres Selbstbewußtsein» 1 wollen wir nicht» einwenden. Um so weniger, als sie ben provisorischen Charakter ihres Regiments offen zugestehen. Sie erklären, fie würden ihr schweres Amt in Treue meiterführen oder „von ihm willig zurücktreten, je nachdem wie die Entscheidung de» Volke» ausfcllt." Die rückhaltlose Anerkennung der Souveränität der Wählerschaft und die Folgerungen au» der Abstimmung ist airzuerkeanen. Ueberhaupt ist bas Programm geschickt abgefoßt und enthält sehr vernüustige Grundsätze. E» wird Schutz versprachen vor allen terroristischen Bestrebungen, die Sorge zugesickert um einen erlösenden Frieden unb einen sichernden Völkerbund, und endlich der Schutz gegen den polnischen Slnrejionisniu» unb gegen die russische Militärbcspotie._
Für ben Sozialismus, ben bi» gegenwärtige Regierung natürlich verkünden tr.ufe. ist eine vorsichtig« Zweckbestimmung gewählt, nämlich bie „Befreiung des schaffenden Volkes au» wlrtschastlllher Ausbeulung". Das kann man auch im Sinne einer durchgreifenden Sozialreform verstehen.
Seht schön klingt die weitere Ausführung: die Rückkehr zu geordneter Arbeit fd bie erste Voraussetzung für den Sozialismus, der das Wirtschaftsleben nicht- erdrosseln, sondern neu erwecken wolle”. Die Mahnung zur geordneten Arbeit haben die Vclksbraustragten schon öfter ergehen loffen. Bisher sind acet durch bie Streiks der Radikalen unb die arbeitstörenden Gegendemonstrationen der Gemäßigten immer wieder Unterbrechungen in der bringend notwendigen Produktion eiugelreten.
Der neueste Aufruf ist offenbar auf die Werbung von Wahlstimmen am Sonntag berechnet. Trotzdem taffen wir gern gelten, wa» Vernünftiges darin steht. Das darf uns aber nicht hindern, bie Wähler doch vor der Abgabe eines fozialbemokratifchen Stimmzettels entschieden zu warnen.
Die Zweckbestimmung für den „Sozialismus” ist so dehnbar, daß sie schließlich weit in die kommunistischen Abenteuer führen tonn. Ferner fehlt in dem Programm jede Aurlaffung ff>er bie Kulturfragen, die gerade setzt die Bvtkrseele mit Recht in der Tiefe des Herzens erregen. Wir wollen uns bas Christentum und die reliyiöfe Erziehung der Kinder auch von den Mehrhsit-fozialisten nicht rauben lasten.
Daher ist es bie nationale Pflicht aller Deutschen und die heiligste Gewissenspslicht aller Christen, dafür zu sorgen, baß die Sozialdemokratie für sich nicht die Mehrheit hi der Bailonalner- fammfung erlangt.
Alle „gemäßigten” Worte und Bersprechungen können uns nicht darüber täuschen, baß ble Scheide- mannsche Partei sicherlich wieder In tos Schlepptau bet Unabhängigen und bet Radikalen geraten würde, sobald sich bie Möglichkeit ergebe, eine reine sozialistische Mehrheit und Regierung zu bilden. Um Frieden und Arbeit zu sichern, ist es unbedingt notwendig, baß bie Partei her geaenwärtipen Machthaber sich gezwungen sieht, auf die Mitarbeit von bürget- 5 kichen Parteien zurückzugteifen. Sonst kommen i wir an» der Unsicherheit und ben Wirren nicht heraus.
Wir wollen keine Regierungssturzerei von recht» \ her betreiben, wie es bie Rnkckke'en von links her tun. Eine rein bürgerliche Mehrheit in regierungs- fähiger Eintracht und Stärk» wir« sich bei den Wahlen nicht ergeben. Der bessere Teil der Cottaldemo- frafie wird auf jeden Fall ?rr Mitarbeit in der Regierung berufen fein. Diese Beteiligung wollen wh ihnen gern gönnen In Erinnerung an bie guten Wirkungen, bie nriirenb der Kriegczeit aus dieser Arbeitsgemeinschaft berporgtgangun sind. Da» wir ihnen aber nicht gönnen und ia ihrem eigenen Intereste ihnen vorentboltrn wollen, ist bie Alleinherrschaft, da» einseitige Partei- und Klostenregl- irent, da» mit Raturnatrvenbigkeü zu Maßlosigkeiten, zu Betrieb«ftönmgen und zu Friedensstörungen führen müßten.
Daher nach wie vor bie Mahnung an alle besonnenen Bürger: Wählt keine Sozialdemokraten, weder Unabhängige noch Gemäßigte, sondern wirkt mit ollen Kräften dahin, baß wir von einer roten Parteimehrheit in der Rationalysnamm- lung verschont bleiben!
DaS Wahlergebnis in DatM »z.
Berlin, 15. Jan. DaS bayeriicke Ministerium
des Innern gibt das eudaillige Wahlergebnis zur
Die Nationalversammlung.
Zusammentritt anfangs Februar.
Berlin, 16. Jan. Da« Kabinett der BoIRbeau; fragte« verhandelte gestern übet die Natwnalver- fammlung. Nach dem ,Lok.-Anz/ besteht die AuS- licht, ba$ sie in den erü en Tagen de« Februar zuiammentteten wird. Ueber reu Ort fei noch keine enbcültige Emscheidung getroffen. Wahrscheinlich treibe dieVer ammlung nicht in Berlin tagen. Luch Ftankfuit komme nicht in Frage.
bayerischen gesetzgebenden öctfammlung bekannt, Danach laben erhalten: -
Bayerische BollSPartet (Zenit.) 58 Mandat; Melnheit««?ottat0emokia >e .... 61 „
Deu sche BolkSp-ntei (Deutsche Demo.
Iratifcfce Partei)......... „
Bauernbuna......t . . 17 „
Rat ...................." »
Unabhängige So,taldemoktaten . . . S »
Verlängerung des Waffenftillftandes.
Wtb Berlin, 16. Jan. Dte Berlänaerung be» Waffenstilistanasveriraat« ist heute nachmittag in Trier vom Staat«,ekretar Erzberget unterzeichnet tooröen.
Derlln, 16. 3ak Der „Frkf. Ztg.” wird von hier gemeldet: Die Adlieseruiig de» van der Entente geforderten l a n d w ir t s ch a st l i ch e n Maschine n m a t e r i a l s ist, wie sachverständige Kreise versichern, einfach n n m ö g l i ch, selbst wenn die Ablie< feturgsfrift über den 17. Februar Humus erftredfc würte, und selbst wenn man annimmt, daß wir nut wahlweise anstelle eines Teiles der Straflokomotioen und der Straswaggon» die genannten landwirtschaftlichen Maschine» beschaffen und heranschassen sotten. Canz ebenso maßlos ist die Forderung von 400 voll» ständigen iampfpflnggruppen, denn es bestehen dafür nur ganz wenige S/ezütlsirn.en, die insgesamt eine Iahreserzeugnng von e Leicht noch nicht einem Viertel der geforderten Mr, < gehabt haben und jetzt mit Kohlen und Eisen außersrdenllich mangelhaft versorgt sind.
Das Ende Liebknechts
«nd Rosa Luxemburaö.
Berlin, 16. ^,'n Die «nt'.cke Untersnchut g hat ergeben, daß Karl Liebknecht taffächtich bei einem Flucttwersuch erschossen und Rosa Luxemburs von bet SRtrge getötet irotden ist.
Am Mittwoch abend waren in der Mannhe>mcr- stratzr 43 Kart Liebknecht und Nosa Luxemburg festgenommen worben. Tie Kestnahme erfolgte durch Kriminalbeamte, die den 9lufenU,ait bet beiden ermittelt hatten und sie bet Schöneberger Burgeuoehr zu- führten. Von dort au» würben sie getrennt nach dem Stabsquartier der Gardeschutzendivtsion im Hotel Sven gebracht. Liebknecht leugnete zuerst, der Gesuchte zu sein, gab e» aber schließlich zu, al» man seine Kle de» visitierte und Papiere auf seinen Namen bei ihm vor. fand.
HI» die erste Vernehmung und bie Feststellung fei, net Personalien beendet »aren, wurde Liebknecht durch einen SeitenauSgana au» dem Hotel zu einem Auto geführt. Der betreffende Cffigier erklärte Lieh, knecht, daß et unbedingt von der Waffe Gebrauch machen würde, wenn Liebknecht irgendlvelchen Fluchtver. such beabsichtigen würde. AIS Liebknecht in va» Auto einstieg unb auf dem Vordersitz Platz nahm, eS war ei» offenes Dienstauto, erhielt et von hinten aus bet Ulen, fchenmenge, die sich angesammelt hatte, einen schweren Schlag auf den Kopf, bet eine stark blutende Wund, »erurfadnt. Der Führer de» Transportes versuchte mm aus der Menge herauSzukommen unb wollte auf einem Umweg durch den Tiergarten zum Unter. suckunpSgefängni» in Moabit fahren. Unterwegs erlitt bet Wagen eine Panne. In der Gegend de» neuen See« blieb da» Auto stehen und der Chauffeur erklärte, daß e» einiger ßeit bedürfe, um den Wagen Wiede» flott zu machen. Der Führer be» Transporte« fragte Liebknecht nun, ob er sich kräftig genug fühle, um bi* nach der Charlottenburger Chaussee zu gehen, wo man ein Droschkenauto anhalten wollte, nm Liebknecht tret» ter zu fahren. Liebknecht erklärte sich dazu bereit Al» bet treu Sport etwa 60 Meter vom Auto entfernt war, fing Liebknecht auf einmal zu laufen an. E« würbe ihm sofort Halt! unb Stillstehen! nachgerufen, aber Liebknecht versuchte in ba» Unterholz zu entkommen. Daraufhin würben mehrere Schüsse auf Liebknecht abgegeben. Einer davon traf ihn zwischen ben Schultern am Hal«, er fiel um unb war s o, fort tot. Man brachte ihn nach der Unfallstattoif am Zoologischen (Harten, wo nur bet Tod festgestellk werden konnte. Sein» Leiche wurde in da» Schauhauch gebracht. • j
Der Tod Rosa Luremburg» hat sich nach amt, sicher Darstellung folgendermaßen abgesipelt: Al» ft» abgeführt werden sollte, ba.X sich eine größere Men» fchenmenge vor dem Hotel angtfanunett. Der Führe» trat mit miSgebreiteten Armen vor Fran Luxemburg/ nm ihr ben Platz frei zu machen, aber bie Menge stürzt« sich auf dte kleine Person unb schlug sie n f eb e tf Bewußtlos wurde Frau Luxemburg in» Auto getragen,' MS der Wagen anfubr, sprang ein Mann auf» Trittbrett und gab einem.Schuß auf sie ab. Um Weiterungen zu vermeiden Jrurbe der Wagen mt. in schnell« Slanegrt gebracht und ’/m so an bie Brücke zwischen Kurfürstendamm unb Hikigstraße. Dort wurde bee Wagen durch Rufe angehalten. Man glaubte, eS handle sich um dte Wache und ließ den Wagen stillstehen. I» bemfelben Augenblick stürzte sich die Menge auf ba» Auto, rtft den Körper bet Frau Luxemburg heran» und verschwanb bamit in bet Dunkelheit. ES war biShet nicht möglich, die Leiche zu finben. Wahrscheinlich ist sie in den Landwehrkanal geworfen worben; alle» Surften danach war aber bi» jetzt vergeben». -
Wie der „Lok.-Anz." erfährt, hat die ReichSregie. nmg eine genaue Unters uchung darüber eintei. ten lallen, unter welchen Umständen Liebknecht und Rosa Luxembtirg den Tob aefunben haben. Falls sich bei bi-ser Untersuchung ein Pcrfrfmlben auf irgend einer Seite ergeben sollte, ist bie Regierung gewillt, streng einzuschreiten. Tie allgemeine Ausfällung geht dahin, baß bie Transportführer unb bie Begleihnarn, schäften kein ?’etfd)ulben an dem Tobe bet beiden fangenen trifft.
Ter Sicherheitsdienst in Berlin.
Verkin, 16 Jan. Die militärische Sicherheit Bet. lin» dürfte nunmehr so ziemlich vollendet fein. _ Natürlich ist e» technisch undurchfiihrbat, sämtli te Häuser zu durchsuchen. Daher ist da» Regiment Reinhardt darauf ansetoiefen, diejenigen Häuser zu durchsuchen^ die ihm verdächtig erscheinen, Waffenlager zu bergen» ob« aut.ti« au» bin Stsftisst h« ZiojsbkvhsttMtg hin.