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|lr. )* I surdte An,ngen:J V a rzet l er, i»ukdo. Rotottonrdtuck. | VOtlttCtSlClQ l V« IttttUÜV 1919. |

Verlag der Fuldaer Äcil.. . erettn Fulda. Preis monatt.

95 Pfa. ifemipt. Nr. 9. Tcienr.-Ädresie: Fuldaer Zeitunr.

| 46. Zahrg.

Für uns alle

es jetzt nur einen Gedanken, nur eine grofce Sorge, die Wahlen. Don ihrem Ausgang I-Snflt u"ier aller Schicksal, hängt die innere und äitfsere Gestaltung Deu schlands |ur. J:elc «iiahrzebnte ab. Auch du. lieber Leser sollst jjbei deine Stimme abgeben. Welch eine Macht, -her auch welch eine Verantwortung ruht in dei­ner SS-mb! B st du btr dellen wirklich recht tze- / . jnunt? V''lle-cbt ist es doch nicht so ganz der Fall. Sonst würdest du viel eifriger werben, viel rastloser agitiere«, für dein sturmerprobtes Zentrum. Dag du selbst dem Zentrum öeine Stimme geben wirst und daß auch deine 20- : jährigen Söhne und Tochter es tun treiben, daß vc>n Euch allen keiner am Wahltag an der Wahlurne fehl:«, keiner gleichgültig in dieser heiligen, entscheidenden Stande der Wahl zu 1 Sause bleiben wird, das weiß ich. Ihr müßtet ja sonst kein Blut in den Adern, kein Herz in der 6 Brust, kein Gewissen haben, wenn Ihr zu solcher Schl'vvheit, zu solcher Gesinnungslosigkeit fähig wäret. Siebst du. wie die Sozialdemokraten es macben? Tie rennen von Dorf zu Dorf, von S-ms zu Gaus, von Familie zu Familie und re­den und verteilen Flugblätter und werben für Cire Blätter ohne Ruhe und Unterlaß. Von Enen, von unseren bittersten Feinden, mußt du fernen. Aber sag. was hast du in Wirklichkeit : bisher getan? Wen hast du gewonnen für die Kartei? Diesen oder jenen. Warum nicht mehr?

Dmm auf!

In letzter Stunde noch zu neuer Werbearbeit! L e$ ist die höchste, allerhöchste Seit, kein Tag, feine Stunde darf ungenutzt vergehen. Heute wende ich mich einmal besonders an die katholischen Laien unter den Zentrumswählern und rufe ihnen zu:

Katholischer Laie! Jetzt mußt du deiner

Kirche, deinem Glauben ein Apostel sein. Siehe deine Priester lind auch nicht untätig. Die einen predigen im Gotteshaus und arbeiten im Verein, , andere ziehen unermüdlich als Redner von Ort üu Tri, andere schreiben Artikel und arbeiten für die Zeitung. Und was tust du?

Halte heute, wenn du deine Zeitung liesest lein Feierstündchen halst, einen kurzen Augenblick Newissenserforichung über das. was d» für die Wahlagitation bischer geleistet hast. Und dann u redlich das deinige, um unserer Sache zum Liege zu helfen: Wirb rastlos von Mund zu ÜZunb, laß dir Flugblätter geben und verteile sie #i deinen Hausgenossen, auf deiner Arbeitsstätte, rag alle Glaubensgenossen, mit denen du in den wchsten Lagen zusammenkommst, ob sie eine acholische Zeitung oder das kathol. Sonntagsblatt leiten, nimm deine Bekannten mit zu den Zen. jrumsversammlungen, und hole endlich am 19. nid 26. Januar alle Säumigen persönlich zur Wahlurne ab.

Las Zentrum und die Sozialpolitik im neuen Deutschland.

Man könnte der Meinung sein, daß die Sozieckpoli. Ä keiner besonderen Anregung mehr bedürfe, nachdem botb unser ganzes RegierungSsyslem sozialistisch emge- freüt ist. Tas ist im allgemeinen ein Ke dl schuß. Ls , komm: ja nicht so sehr auf den guten Willen an, be. stimmte sozialpolitische Richtungen einzubasten, ato Melmehr auf die sozialpolitische Praris, b. h. die Auf. findung der Wege, um die Sozialpolitik gerecht 3M gestalten. Es muß schon einleitend hier betont toetben, daß fortschrittliche Sozialpolitik nur möglich I Ä auf dem Boden einer gesunden, ertragreichen Volkswirtschaft. Alle sozialpolitischen Experi­mente, die die neue Regierung jetzt macht, hängen bei* Sfllb so lange v 0 llstänbig in bet Lust, als sie vermag, gesunde wirtschaftliche Verhältnisse zu fflaffen. Sobald der Friede da ist, unb Denlschkand «ne Zukunft übersehen tonet, wird man planmäßig ®?ran gehen können, unsere Wirtschaft neu einzu. richten.

66 gehört keine Prophetengabe dazu, um zu sehen, t6 wir im neuen Deutschland bei verminderter Le» vrnzhaitung mehr arbeiten müssen als vor «m Kriege. Immerhin ist bei all diesen Schtvierigkei» *n bas eine im Auge zu behosten, daß unser gesamter , wlkswirtschastlicher mtd staatlicher Aufbau eine soziale »rnndlage erhaltan muß. Auf dieser Grundlage gilt nicht alle wirtschaftlichen Unstimmigkeiten in der Produktion auf die Arbeit abMwälzen. Zweck und Ziel «t Produktion muß fein,, den schaffenden Kräften eine Möglichst gute Existenz zu bieten. Inwieweit ?» gelingen wird, ist abhängig von bam Erfolg un. 'etet Produktiven Arbeit.

Tas Zentrum hat unter dem alten System alle« Mordert, was die Lage bet arbeitenden Schichten un- irres Volkes verbessern konnte. Noch als die Sozial- «mokratie in arger Parteiverblendung gegen die Ar. ^uerschuh. und LersicherungSgesche stimmte, hat die Mnrmnspartei ihren ganzen Einfluß aufgeboten, um «>^?Ernde Regierung vorwärts zu treiben unb die ^verstände in den Unternehmerkreisen zu übertoin- Tw Zentrumspariri hat Sozialpolitik getrieben us Gründen der sozialen Gerechtigkeit unb als Ron.

ihrer christlichen Lebensauffassung. Das wirb r1 'm Zukunft so bleiben. Sie w-ird ferner jene ma- selbstsüchtige Denkweise bekämpf«,, die hn die Vorherrschaft hatte und bie nicht zu-- : Untergrund der sozialen Revolution bildet.

f*Lau^flll6en' leder Regierung, auch der sazicclisti- gegenüber zu vertreten sind, muffen folgende

1) Volle KoaNtions- unb Sereinöfteibeit aber gegen Koalitionszwang und terroristischen Druck. Terror8DUt ElrbeitSfreiheit und Schutz gegen den

eine8 modernen ArbeiterrmbteS, roeL an. r*® Arbeitsfreihrit ebenso sichert wie die ruhige der Volkswirtschaft, infolgedessen gesetzliche funnUnn kollektiven Arbeitsvertrags und Schaf-- ^iveckentsprechender Einrichtungen, um den toi» »n °e" Arbeitsvertrag in allen Gewerben durchzufüh» inndl ®'ne gesetzliche Arbeiterverteewng durch ein ArbettSkammergesetz und die Mitwirkung der 6un^' ierteR Arbeiterschaft an der sozialen Gesetzge» tz- ?in moderne» Landarbeiter- ettb Gesinderecht, ckem «ugi nicht die Aufhebung der bisherigen gesetzst. ihn.« -i^°"^iygen für diese Bolkskreise, eS muß :ioi,«eine neue Rechtsgrundlage für ihre ArbeitSbe» "aimg gegeben werden.

6) Ausgiebiger Schutz von Gesundheit und Leben der Arbeiter, besonders der Jugendlichen und Frauen gegen Betriebsgefahren und Berufskrankheiten; infol» gedesien muß die Arbeitszeit der Schivere der Arbeit und dem Maße der gesundheitlichen Beeinflussung an» gepaßt werden. Im beso--deren muffen die Arbeiter geschützt werden gegen den Einfluß der gewerblichen Gifte. Ter Arbeiterschutz mutz sich richten nach dem Grundsatz, daß die Erhaltung der Gesundheit unb Ar­beitskraft wichtiger ist als ihre Wiederherstellung.

7) Zweckentsprechender Ausbau der Arbeiterverüche, rang in Anpassung an die veränderte Lebenshaltung. Tas Programm des vorbeugenden Verfahrens, wie eS der Präsident des Reichsversicherungsamts Dr. Kauf» manm proklamiert hat. muß zur vollen Geltung ent­wickelt werden: Bekämpfung der Volkskrankheiten, insbesonbere der Tuberkulose, der Geschlechtskrankhei­ten ufw., Ausbau des Heilverfahrens für ' Erwachsene und Kinder, Förderung der ländlichen Kranke.pflege unb des öffentlichen GesundheitsweftnS. Als Wei. lerer Zweig der Sozialversicherung ist die Erwerbs- losenfürsorge entsprechend der Tragfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft inS Auge zu sassvn.

8) Regelung der gewerblichen Prodnstio» mit dem Ziele, Arbeitslosigkeit möglichst zu verhindern. Infol­gedessen organischer Ausbau deS ArbeitSnachtveisrve- senS und der Berufsberatung.

9) Verständige Sozialisierung unter Aufrechterhal­tung deS Rechtes am Privateigentum und der privaten Unternehmerinitiative, Bekämpfung aller privattopita- ststischen Monopole und überkapitalistischen Spekula­tionen, Erziehung zur Gewerbe- unb Volkssolidarität.

Die nette Regierung fytt bereits einzelne Maßt.ah. m«n getroffen, die in der Richtung dieser Gorderungen liegen. Besonders die Erwerbslosenfürsorge, die vor­läufig provisorisch für die Uebergangszett aufgezogen ist, die aber bei Eintritt geordneter Verhältnisse auf eine neue sichere Grundlage gestellt werden muß Be­deutungsvoll ist das neue Arbeiterrechtsgesed. Dasselbe versucht,. allerdings in primitivster Form, eine gesetz­liche Regelung der Tarifverträge. Dieser Zweig wird später einer gründlichen Durcharbeitung unterzo­gen werden müssen. Weiter sind in dem Gesetze obli» Motorische Arbeiterausschüsse urtb Ei n i. gungsämter für Arbeits-'treifigkeiten vorgesehen. Solche Maßnahmen wird das Zentrum entschieden un. terstützen. Ein besonderer Zweig her Sozialreform wird die Reform des Wohn- und Siedelungs- wesens sein. Es ist nicht zu leugnen, daß das Woh» mvngSelend der Großstädte die Brutstätte für die Re­volution und für die Verzweiflung gewesen sind. £ie WobnungSreform wird sich nicht mit einem Schmge durchführen lasten. aber sie mutz grundsätzlich unb systematisch vorbereitet werden.

So wird die Zentrumspartei auch in Zukunft die. fenige politische Gruppe barstellen, welche dem sozia­len Gedanken zwischen den Schwierigkeiten von rechts unb links zur gefunden Verwirklichung verhelfen mutz. Aber keine Sozialpolitik ohne die Mitwirkung der Ar­beiter und Angestellten I Hat unsere Partei schon bis­her von allen bürgerlichen Parteien die meisten Ab. geordnet« aus dem Arbeiterstande, so wird dies in Zukunft noch bester werden. Zu den Nationalwahlen sind eine große Anzahl Arbeittrvertreter als sichere Kandidaten aufgestellt worden. Damit gewinnt die christliche Arbeiterbewegung in der Zentrumspartei bett politischen Resonanzboden, den sie gebraucht, um ilfre Interessen durchzusetzen.

Auch ein Bauernbund.

Diedemokratischen" Redner brüsten sich damit, daß dergesamte deutsche Bauernbund" in corpore der demokratischen Par'ei beigetieten sei.

Wer die Verhältnisse nicht kennt, könnte leicht glauben, eS ban eie sich dabei um wirkliche Bauern, die der demokratischen Partei angehörten. In Wirk­lichkeit besieht aber bet sogenannte deutsche Bauernbund (nicht zu verwechseln mit dem bayerischen Bauernbund unb dem Bund der Land­wirte) hauptsächlich auS zwei nationalliberalen Ab­geordneten und einigen Berliner Schreibmaschinen­damen ; die unseres Wissens alle aus der liberalen Parteikasse beioldet werden.

Es hört sich großartig an, wenn die Herren aus Frankfurt, Kassel. Marburg und Wiesbaden von einemdeutschen Bauernbund" reden, dessen Bauern aber mit bet Laterne gesucht werden müssen.

Beamte, erhebt Protest!

Auf einer Beamtender amm lung, welche am Sonntag, den 13. Januar in Köln stattfand, machte RechnungSrai Lenzfolgende aufseh en erregen de Mitteilung:

Gelegentlich einer Aussprache im Ministerium irr Berlin teilte ein Beauftragter de» BolftugSratet namens Strobel (nicht Ströbel) dort erschienenen Beamten mit, daß man der gewerkschaftlichen Zu- sammenfassung des Beamtentums mit großem Miß- trauen aegenüberstLnde. Die unteren Beatmen sollten sich lieber den Arbeiter-Gewerkschaften und die anderen (mittleren unb oberen) den Organisationen der Bürobeamten anschließen.

Auf den Einwand bet Beamten Vertreter, daß der Unterschied der Interessen zwischen den genannten Gruppen und den Beamten zu groß sei, erwiderte Strobel, 6ie Rechte der Beamten aus Ruhegehalt, Hinterdliedeuensö sorge n. s. w würden bald der Bergougrnheit angehiiee»! Dieser Besprechung wohnten die Bolksbcauftiagien Ströbel und Hirsch bet, keiner von beiden erhob gegen die Erwiderung Strobels Ein prüft)!!

Weiter ist eines der werlvollsten Rechte in Ge- fahr,dieUnwiderruflichkeit derAnstellung.

Darum Beamt», erhebt Protest am 19. und 26. Januar mit dem Stimmzettel.

Kem Beamter, feem Arbeiter, der einmal Beamter «erden will, feem BeamtenanwStler iw ganzen Reich darf einen sozialdewo- feratischeu Stimmzettel obgebe*.

Beamte sorgt, daß die e Mitteilung noch vor de* Waheu m alle Zeituugeu Deutschlands kommt

Wer ist verantwortlich?

Wir sind ein elendes, verarmtes Volk geworden. Dir sind niedergebrochen im Kampfe gegen eine lieber« legenhett, aber die Heldentaten, die dro'tßen und drin­nen vollbracht worden sind, werden unvergänglich in der Geschichte be» deutschen Volkes bleiben. Heute aber sind wir ärmer als je, well un» die Hoffnung md da» Vertrauen fehlt

Wer ist verantwortlich für unsere jetzige trostlose Lage? Niemand anders, als die neuen sozialistischen Machthaber! Das merke man sich bei den komirenden Wahlen.

In keiner Regierungs-Epoche, auch unter dem dunkelsten reaktionären Regiment haben wir eine sol­che innere Verwahrlosung, eine solche Trostlosigkeit unserer politischen Zustände erlebt, wie jetzt, da wir mit einer neuenFreiheit" beglückt worden sind. Nie, auch nicht in den schlimmsten Zeiten des Belagerungs­zustands-Gesetzes ist so mit Vergewaltigungen der Pressefreiheit, wie auch der persönlichen Freiheit mn- gesprungen worden, wie in den vergangenen Revo­lutionswochen. Wir haben es erleben müssen, daß jeder, der den neuen Machthabern unbequem war, in Berlin und anderswo von irgend jemand ohne weite­res in Haft gefetzt werden konnte. Dazu hat sich Adolf Hoffmann Eingriffe in die heiligsten Empfindungen großer Volksklassen zuschulden kommen lassen, die uns einen Vorgeschmack davon geben, was wir zu erwarten haben, wenn diese Richtung zum Siege kommt. Und wie sieht es erst wirtschaftlich aus? Ueberall Trost­losigkeit, überall furchtbare Gefahren, und im Hinter­gründe das Gespenst der Hungersnot!

Das alles verdanken wir "dem heutigen Regime. Kein Bürgerlicher dachte daran, der neuen Regierung Schwierigkeiten zu machen, keiner denkt auch daran, das alte abgewirtschaftete System wieder an dessen Stelle zu setzen. Statt dessen haben die herrschenden Parteien sich selbst bekämpft durch widerwärtiae Ära» kehlereien in einer endlosen Reihe von Kongressen unb schließlich durch Maschinengewehre und Handgranaten. Durch diese Mißwirtschaft sind wir in den wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Lebensinteressen auf das schwerste geschädigt unb benachteiligt worden. Nie­mals ist die Korruption größer gewesen als jetzt Nie­mals herrschte eine solche Verwilderung in den maß­gebendsten Reichsämtern selbst. Niemals war eine solche wilde Wirtschaft, die manregieren" nennt, hn Schwünge!

Alles dos ist auch nicht ohne die schwersten schädi­genden Rückwirkungen auf unsere außenpolitische Stel­lung geblieben. Wir erlangen keinen Frieden und lein Biot, wenn e- so weiter geht.

Bei unserer Stimmabgabe für die Nationalver­sammlung müssen wir daher immer bewußt sein, wen die Verantw 0 rtung für diese heillose Zerfahren­heit trifft, die uns Milliarden am Volksgute jetzt schon gekostet hot Wir müssen eintreten für Ordnung, Sicherheit und Stetigkeit auch in der Staatswirtschast. Daneben für eine Autorität der Regierungsbehörden, die diese jammervollen Zustände endlich beseitigt

Die Verantwortung kommt jetzt übet uns, wenn wir am 19. Januar unfer| Stimmen abgeben.

Die deutsche demokratische Partei trägt die konfessionelle Hetze in den Wahlkampf.

DieDemokratische Partei" hat ein Flugblatt herausgegeben, betiteltDer Wähler". Hierin wird dem Zenirum vorgeworfen, es sei eine einseilige Beriretung der Interessen der Katholiken, und die Partei des Vatika nS in Rom.

Die demokratische Partei hat es also für nötig gefunden, die fonfeftionelle Verhetzung in den Wahlkampf zu tragen.

WaS würde die demokratische Partei dazu sa­gen, wenn wir den Spieß umdrehten und behaupt e- ten, die deutsche demokratische Partei sei die einsei­tige Betlietung des liberalen Judentums und Hinweisen würden auf die Unterschriften des demokratischen WohlkomiieeS? Kein aligläubiger Israelit hat den demokratischen Aufruf unterschrie­ben.

Diese Partei erdreistet sich zu sagen, Ire möchte wissen, welcher aufrechte deutsche Mann dem Zentrum seine Stimme geben wolle!

In Fulda hat die demolralijche Partzi nicht ein­mal einen Mann gesunden, der seinen Namen dazu hergegeben hat, ihn auf rhie Kandtdaienl-fte zu letzen, dagegen Hai sie aufgeuelst:

4 flanOtuaten aus Fiantzurt

3 Maffei

2 Marburg

1 Hanau

1 Wiesbaden

1 Jostern

1 Wildungeu

$ vom Lande

Was das demokratische Flugblatt verschweigt.

Das in dem vorhergehenden Artikel besprochene Flugblatt der demokratischen ParteiDerWöhler" ist nicht nur bemerkenswert durch das, was es sagt, sondern auch durch das, was es nicht sagt.

Es verschweigt, daß die demokratische Par­tei entstanden ist aus den Freisinnigen unb aus einem Teil der Nationalliberalen. Aus denselben Nationalliberalen, die gegen die vorn Zentrum be­antragte Friedensresolution gestimmt haben.

Es verschweigt nicht allein diese Tatsache, sondern es hat auch noch die Keckheit zu fragen: wer wagt es, sich heute noch nationalliberal zu nennen?

Ja gewiß, die neuen Demokraten tuen dies nicht mehr, deshalb verschweigen sie, daß sie die Haut ge­wechselt haben, weil sie es nicht wagen, den Wählern, um deren Stimmen sie werben, offen zu sagen: Wir neugebackenenDemokraten" sind dieselben Leute, die am 19. Iull 1917 als Nationalliberale gegen die Friedensresolution gestimmt haben, wir haben uns aber noch einige Freisinnige hinzugenommen, die da­mals für die Friedensresolution gestimmt haben, sie später aber verleugneten, wie z. B. der freisinnige Ab. geordnete für Meningen.

Heute regnen sie sichDemokraten". Und dabei machen sie anderen Parteien den Vorwurf, sie wagten es nicht, ihren alten Parieinamen beim- behalten, auch das Zentrum nenne sich jetzt zuweilen christliche Dokkspartei.

Ist das wahr?

2m Wahlaufruf der Zeuirvmspar« Ui für Hefjeu-Naffau heißt es;

.Unser Name Zentrum bleibt unverändert, . wir brauchen uns keinen neuen Namen beizulegen, wir haben keinen Anlaß, unsere Vergangenheit zu verleugnen." ,

Auch die ,F. Ztq.' hat schon mit allem Nach druck gegenüber demokratischen Versammlungsrednern darauf hingewiesen, daß die Zenirumspartei nicht daran denkt, ihren ehrlichen ruhmbedeckten Na­men zu dell«urnen. Es gehört schon allerhand da­zu, wenn das Flugblatt dennoch sich untersteht, vorn Zentrum als einerverkleideten BolkSparter" zu sprechen. Daß andere Parteien dem Zen-r trum die Anerkennung zollen, es sei einewahrhaft christliche Volkspariei" kann unS nur freuen, gern nehmen wir diele Anerkennung an.

Wenn das Flugblatt de« freisinnig-nationalftb«- talen Mlschma ches, der sich jetztdemokratlsch« Partei" nennt, weiterhin sagt, unsereschwarz» Farbe" sei geblieben, so nehmen wir auch diese An­erkennung gern an; jawohl waschecht unb un­verändert soll unsere Farbe auch künftig; bleiben, nicht wie beim demokrakischen Chamäleon- Heute blau, morgen weiß, dann rosa, bann- rot.

Franks. Zig." und Sozialdemokratie.

Wir lesen in Nr. 10 der,Franks. Ztg/ folgende» wahre Wort:

.Es ist schon wahr, daß für Mele, bte sich noch immer stolz als die Trä.ier der Revolution gebärden, die Revolu tion in Wirklichkeit doch nichts andere» ist als eine große Lohnbewegung! Nur immer höhere Löhne wollen sie, und daS Interesse der Ge­samtheit, da« Jntereffe an der Demokratie, an einem freien deutschen Vaterlande, daS sie aufbauen tollten, kennen sie nickt. Die rein materialistische Einstellung, der Sozialdemokratie, die eben in der Erziehung ihrer Mafien vielfach auch nut die materiellen Ziele in den Vordergrund schob, rächt fick jetzt bitter. Es ist wahr­lich an der Zeit, daß reue Lehrer des JdeatiSmu» auf­stehen, damit der Geist der Revolution nicht völlig im. Materiellen versumpfe, bevor er überhaupt »och recht zur Entfaltung zu kommen vermochte!*

Diese Erkenntnis, gerade von v iefer Seite, wird hoffentlich weitesten Kreien die Augen darüber öff­nen, daß das Heil nimmermehr von der Sozialdemokratie kommen kann. Die Sozi­aldemokratie muß versagen, wo sie Positiv au bauen und schaffen soll. Es tit ganz gut, wenn ihr das nun auch von einem Blatt bescheinigt wird, das den Trennungsstrich gegen die Sozialdemokratie immer sehr zaghaft oder gar nicht zu ziehen gewohnt ist.

WaS einunabhängiger" Prophet wahrsagte und wie er hereinfiel, wtb Hern. 13. Januar E>n Sonderberichterstatter des .2«ahn- hatte in München am 2 Januar bett Ministerpräsidenten Eisner interviewt. EiSner erklärte ihm u a., daß die Unabhängigen in Deutschland die ungeheure Mehrheit deS Volkes hinter sich hätten. Wenn man dies jetzt noch nickt erkenne, so werde man eS bei den Wahlen sehen. Dann würden die Unabhängigen die ganze Wacht in Deutschland haben und die Sozialisten vom Schlage Scheidemann und Auer wurden zwar mit den Unabhängigen arbei­ten können, diesen wurden sie aber die erste Stelle ein­räumen muffen. _

Jnzwi eben haben bekanntlich in den süddeutschen Staaten LandeSwab'.-a ftattgefunben, durch deren Ergebnis Prophet >.rt Eisner scheußlich blamiert ist. Die Sozialist'-* haben in ihrer Gesamtheit nirgends die Mehrhe: in den Landtagen erreicht und die Unabhängigen insbesondere haben eine geraste- zu klägliche Niederlage erlitten.

Die Verhandlungen in Trier.

Trier, 15. Jan. Die Verhandlungen zur Derlän« gerung des Wassenstillstandsabkommens wurden heute vormittag in Trier im Salonwagen des Marschall» Fach eröffnet.

Staatssekretär Etzberger führte in einer Aw­sprocke u. a. aus:

DaS deutsche Volk will Frieden. Die alliierte« Regierungen haben eS anders gewollt. Sie sprechen auch heute noch nickt von Frieden, sondern nur von her Verlängerung des Waffenstillstandes. Das deutsche Volk hat nicht den Willen und nicht die Straft, den blu­tigen Waffengang zu erneuern. Tie deutsche Armee ist so gut wie verschwur den. DaS beste deutsche KriegS- gerät ist der Gntente übergeben worden. Das deut­sche Volk hat die Waffensrillstandsbedingungen b i I zur Grenze des Möglichen erfüllt. Wo sie nickt Einfcbalten worden sind, tragen unsere Geg. ner fast ausschließlich die Verantwortung. Tie deut­schen Eifenbahnbehö^^n, sämtliche Lokomotiviverkität» ten und Wager bcruan.alten haben nur für bte Alliier, ten unb ihre Anforderungen gearbeitet. Doppelschich­ten wurden eingeführt, bestehende Betriebe vergrößert, neue Betriebe für den Lokomotiv» und Wagenbau her« angezogen unb der Verkehr auf dar genügst mögliche Maß beschränkt. Wenn es trotzdem nicht gelungen iftz die scko.l bei Abschluß des Waffenstillstandes als un­möglich bezeichneten Termine innez»«halten, so ist das auf eine Reihe von Umständen zurückzirführen,» welche die deutsche Regierung keine Schuld trifft wch

Sicherung der Wahl.

wtb Berlin, 15. Jan. (Amtlich.)Das deutsche Sott steht vor den Wahlen zur Naiwna-lversaminlung. Die Nationalversammlung allein Dann uns den Frieden bringen Nur sie tonn die rrungene Freiheit in einer neuen Serfof'itng verankern. ES gilt, den ungestör­ten L a u f der Wahlen zu sichern. Die Pflicht eineS jeden Deutschen ist eS, hierbei zu helfen. Tw Woblste^heik ist jedem Volksgenossen durch daS Gesetz, insbesondere durch § 107 des ReichSgesetzbuckes, aus­drücklich verbürgt. Nach dieser Vorschrift wird mit schwerer Freiheitsstrafe bestraft, wer einen Deutschen durch Gewalt oder Drohung in der Aus­übung feiner staatsbürgerlichen Rechte beim Wählen oder ©ttrnmen zu hindern sucht. Tie Reichsregierung wird jeder Störung der Wahlhandlung mit Entfchie. denheit entgegentreten. Wer e» unternimmt, bte Wah. len zu flöten ober zu hindern, verstößt ober nicht nur gegen das Gesetz und das Recht, er versündigt sich viel, mchr auch attgesichts bet unschätzbaren Güter, die durch die Nationalversammlung geschützt werden sollen, 0» der Zukunft des Vaterlandes.

Die NeichSregierun^ NerftScheidemmnt. Der gentralrot: Lemert, Cohen.

Berlin, 1. Januar 1919.