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| Mittwoch 15. Januar 1919. | I 46. Zahm

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Sozialdemokratie und Bauernschaft.

W.nn lozialdemokraliicke Agitaiozen zu den Bauern herau-konmen, nwiert d-eie sich daran er­innern , was Bebel aus dem Münchener Parieiiag über sie geiogt Hai:Tas; es leinen selb:füch>igeren, keinen rücksickislofeien, keinen brutaleren una^auch keinen dümmeren Menscheiichlm gebe, als tie bäuer­liche Klasse, gleichviel, welcher Gegend."

Gebt denUnab gängigen" die gebührende wort te. der Wahl am 19. Januar.

Feststellungen über die Sozialdemokratie.

Di« Soziaidemoklatie fiimmte:

1881 gegen die Einführung der Dtzrfen steue r.

1885 gegen die schärfer« Ausgestaltung derse'ben.

1894 gegen die er sie Erhöhunq der Borken steuer.

19D0 gegen die neue Erweiterung der eiben.

1895 re en das erste Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren WenbewerdS.

1890 gegen das erste Gesetz zur Bekämpfung de» Wuchers.

1894 gegen das verschärfte Gesetz zur Bekämpfung deS Wuchers.

1900 gegen die Besteuerung der Wetteinsätze bei Rennen.

1900 gegen die den Großhandel treffende Be­steuerung der SchiffahrtSftachturkunden entsprechend der Frachtbeträge.

1900 argen die Erhöhung deS Zolls auf auslän­dischen Champagner.

1902 gegen die Steuer auf Cbampogner; Begrün- Luup:Dieses unentbehrlich« BolkSgeiränl".

1902 gegen alle Zölle auf LuruSgenußmittel, tote Austern, persische Teppiche, Edelsteine, Luxuswagen.

1906 gegen die Automobilsteuer; in erster Lesung sogar aegcn die Tontiemensteuer.

1909 geaen die Talonisteuer (auf ZinSbogen und Getoinnanteilicheine>.

1909 gegen die Zolleihöhung auf ausländischen Chain pagner.

1909 gegen die Steuererhöhung auf inländischen Champagner.

19n9 gegen die Erhöhung deS EffektenstempelS auf Wertpapiere.

1909 gegen den mühelosen Gewinn treffend« Wert uwackSsteuer.

1883 gegen Krankenversicherung.

1884 gegen Unfallversicherung.

1889 gegen die JnvalidiiätS- und Altersver­sicherung.

Glund: Zufriedene Arbeiter sind keine Sozial­demokraten mehr.

1890 gegen daS Gesetz betr. Einführung der Getoerbegertchte.

1891 gegen da» A'beiterschutzgesrh.

1896 gegen da! Bürgerliche Gesetzbuch.

Wenn die bürgerlichen Parteien, an drr^Spltze das Zentrum, diese Ge etze nicht gegen die Sozial- bemok'aii« zustande gebracht ten, wären die Ar­beiter um Millionen gekommen.

oder vollen 30 000 Mark 20 v. ft., für die nächsten an- gefangenen oder vollen 50000 Mark 30 o. ft., für die nächsten angefangenen oder vollen 100 000 Mark 40 v. ft., für die weiteren Beträge 50 o. ft. Beträge des Mehreinkommens bis 3000 Mark bleiben steuerfrei.

Abgabepflichtiges Bermögen ist das nach den Jien de» Lesitzsteuergefetzes vom 31. 12. 1918

Die neuen Kriegssteuern.

Aus dem vorläufigen Steuerprogramm tei Reichs­regierung werden nunmehr imReiechsanzeiger^ zwei Gesetzentwürfe veröffentlicht. Es handelt sich zunächst nur um vorläufige Entwürfe, deren einzelnen Dor- schriften damit noch keineswegs Gesetzeskraft haben. Die Entwürfe unterliegen noch der Prüfung durch dir Bundesregierungen uni) der Zustimmung durch die Volksvertretung.

Die erste Vorlage stellt ein

Kri-egsabgabgefeh füt 1919 dar, im wesentlichen eine Wiederholung des gleichen Gesetzes von 1918. Die Abgabe erfolgt sowohl vom Mehreint kommen wie vom Vermägens- z uw a ch s, soweit diese nicht von dem in Vorbereitung befindlichen großen Dermögensabgabegcsetz in Anspruch genommen werden. Mehreinkommen ist der Unter­schied zwischen dem FrlÄenseinkomment und dem Krieaseinkommen.

Die Abgabe vom Mehreinkommen betrögt für die ersten 10 000 Mark des abgabepflichtigen Mehr- ei>'nkommens 5 v. ft., für die nächsten anncfangenen

Wähler aufgepatzt!

Die Sozialdemokraten unsere» ehemaligen ReiÄ?« ia-.s-Wahlkreises bekennen sich in der großen Mehr­zahl zu den sogen.Unabhängigen", die noch um einige Grabe rörer sind als dieMehrheitS-Sozia- lislen. Es gehen nun Sendlinge der Sozialdemo­kraten umher, die wollen Gimpel auf die rote Leim­rute fangen, indem sie lagen, sie geholten ja nicht zu den ganz Schlimmen, nicht zur Spartakus- Gruppe, nicht zn den unabhängigen, sondern zu den gemäßigten Sozialisten, -u denen um Scheide­mann. Tie so sprechenden Sozialisten wissen sicher- ltch ganz gu-, bah diese drei Gruppen ihrer Partei in ganz gleicherWeise dieTrennung der Kirche vom Staa'e und die Trennung der Schule von der Kirche, also auch die Beseitigung jeglichen ReligioitS- Unterrichtes in der Schule, erstreben.

Welcher der drei Gruppen unsere Sozialisten an­gehören mögen, ist in dieser Beziehung völlig gleich. Diese sämtlichen drei Gruppen wollen de vollständigeBeseiti-^ung jeglichen Einfluss.» derKirche im öffentlichen Leben tin - die vollständige Verban­nung jeden Religions-Unterrichte» in der gleichen Weise. ..- -

Wo gäbe es in gan^Deutschland nur einen ein­zigen sozialistischen Abgeordneten, der sich nicht auf das ganze Programm der So; aldemokea ie ver­pflichtet hätte, al o auch auf die von Papst und Bischöfen verworfene Trennung der Kirche von Staat und Schule, feftgelegt hat e?

Zentrum und Mittelstand.

. treffend mit viel schönen Reden b-hauyten die «mokraten, ihre Partei sei die beste Freundin Mittelstandes. Wer lacht da? Wir haben gestern

? * = en Lobeshymnen eine nicht ganz damit harmo- °rer.-» Begleitmusik gespielt und die ftetzer, die be- Wpten, {)as ^nfTitm eine Kapitalistenpartei, ge« ytfnb angepsiffen. fteute möge daher einmal gezeigt z^cen, wie das Zentrum auf den Schutz de» ^'Uelstandes bedacht ist.

^ristlick» Volksvartei läßt sich das Zentrum . - on-schlietzüch die Wahrung und Förderung der Iei*eCn ^rbeiterstandea angelegen fein, mit der g*1,En Wärme und dem gleichen Nachdruck nimmt e» . Urf Os'ch der großen Mo^en des selbständigen und "Wringen Mittelstandes an.

tr!,t für Schutz und ausgleichende Förderung Einzelnen Berufsstände als notwendiger Glieder Pfunden Wirtschaftskörpers ein, legt insbefon- f.fiLQ6et auch Wert auf die Ausrichtung eines lebens- ^,^",..^?>ttelstandes. Es verlangt, daß ein fc>«nffanb erhalten werde, weil es die Rotwen- . rcu einer Sicherung unserer Volksernährung Em plQnm26tge Förderung der landwirtschaftlichen teifA9Uno ertannt hat. Die Durchführung des soria» . Jidif en Programms würde für den Dauer die Der-

58 bedeuten, denn dann wäre feine wirtschaftliche * - *jL<it und der Besitz einer eigenen Scholl»

festzustellende Vermögen. Vermögen von nicht mehl als 10000 Mark sind von der Abgabe befreit. Du Kriegsabgabe vom Vermögen betragt für Die erste» 200 Ö00 Mark 1 vom Tausend, für die nächsten äuge- fangenen oder rollen 300 000 Mark 2 vom ItutenÄ. füi die nächsten angefangenen oder vollen 500 000 Mark 3 vom Tausend, für die nächste oder angefingene M-Uiou Mark 4 vom Tausend, für wettere Betrage 5 vom Taufend. Von dieser Vermögensabgabe soll ab- gesehen werden, sofern der in Aussicht geenommene ®e* setzentwmf über eine allgemeine Vermögensabgabe md- cüllige Gestalt annimmt und der Bemessung der van« vorzuschreibenden Abgabe gleichfalls das Vermögen nach dem Stande am 31. 12. 1918 zu Grunde gelegt werden sollte.

Der zweite Entwurf betrifft eine KriegsabgabevomVermögeenszuwachs, der in der Zeit rom.31. Dezembbep 1913 bis 31. Dezbr. 1918 eingetreten ist. Die vom Vermögenszuwachs be* reifte geleisteten Zahlungen werden als Forderungen an das Reich behandelt. Maßaebend für die Deranla- Kun ist bet Vermögensstand für 1^13 nach btn

riften des Besitzsteuergesetzes. Abgefetzt bei der Der- mögensaboabe wird der Erwerb von Todeswegen. Ab- rabenfliditig sind dagegen auch Schenkungen, insbesondere solche von Eltern an Kinder. Ferner ist Vorsorge getroffen worden gegen Ka pllola. u»- Wanderung und Kapitalverfchleppung, zum Beispiel durch Ankauf von Juwelen, Kunst- und Luxusgegenständen aller Art. Eine besondere Be- Handlung ersachren die seit 31. Dezember 1913 emge» ganaenen Kapitaloersicheru np en.

Besonders bemerkenswert sind die Staffelu« pen. Die kleinen Vermögen zum Beispiel bleiben steuerfrei, dann aber erfolgt die Staffelung außeror­dentlich schnell. Tut die ersten 3000 Mark des Der- mögenszuwaechses sind abgabefrei. Die ersten 10 000 Mark find abgabepflichtig mit 10 v. ft., die nächsten 10 000 Mark mit 15 v. ft., die roeiteren 10000 Mark mit 20 n. ft. Der rurläufige ftöchftstand von 80 oft. wird bereits bei einem T.-tmögenszuwachs von 500000 Mark erreicht. 5k' noch höheren Beträgen mtrb der gesamte Dermögenszuwachs weagesteuert.

Aus den Abgabesätzen ergibt sich, daß jeder über 199500 Mark hinausgehende Vermögenszuwachs durch die Kriegeabgabe aufgezehrt wird, also niemand nach Erfüllung der Abgabepslicht von dem abgabepflichtig«« Dermögenszuwachs mehr als 199 500 Mark zurück- behalten kann.

Die Wahlen in Bayern.

* München, 14. Jan. DaS Endergebnis der Sandeswahl n liegt auch heute noch nicht vor. Die Veilei ung der Mandate stillt sich nach ter nettesten Zählung noch günstiger für daS Zentrum als gestern gemeldet tourbe. Es erhielten dabei Ba ye- rische Volkspartei (Zentrum 59. Sozial­demokratische Partei 50, Deutsch-Demoklatiicke Par- tet 22, Bayerischer Bauernbund 17, Nationalliberale 5 Unabhängige.

Dl« Wahlen in bet Pfalz am 26. Januar?

Di« bayerischen LanbtagSwal len sollten in der Pfalz am 2 Februar stattfinden. Die französische Be- fahunq»behörde verlangt abet die Abhaltung der Wahlen noch im Januar. Da auf den 19. Jan. die Wahlen zur Nationalvermmmlunq angeseht find, kommt al« einzi er Termin der 26. Januar in tvetracht. Sin Beschluß ist hierüber noch nicht gefaßt.

Brutale Gewaltpolittt der

ttitaVl) Sttßigm SoztaldemokrsLerr.

Die Daher. Vclksvartei (ptr.) in Schwein furt fjerffe dos dortige Stak idealer zur Abhaltung einet Wählcrversarmniung gemietet. Tie Unabhängigen Sozialdemokraten und die Spartakisten besetzten je­doch geschlossen das Theater. AIS der Vorsitzende, Se­kretär Schneller, die Versammlung eröffnete, erhob sich ein betäubendes Geheul, Gepfeife und Gestrampel. Nachdem dieGenosten" sich einigermaßen ausgetobt hatten, verschaffte sich der sozialdemokratische Führer SchmauS Gehör und forderte, daß ein Unabhängiger Sozialdemokrat den Vorsitz bekäme. Da man. sich der Gewaltpolitik nickt beugte, sprengten die Genosien die Versammlung. Jeder Versuch, die Versamm. lung zu eröffnen, scheiterte an dem Lärm, Toben und gemeinen Beschimvfm gen. Stufe ertönten: »Lichter aus, Mester raus.' Mitglieder der Bayerischen Volks. Partei wurden bedroht und insultiert. Der Theater­meister bat, deck das Eigentum der Stadt zu schönem Ihm wurde zugerufen: .Jetzt haben wir die Gewalt". Einige anwesende Geistliche toaren den größtem- beleien miSgesctzt. Man fang ihnen zu: »Großer Gott, wir loben dich, doch der Teufel holt euch nickt I" Ein Teil der Genosten stürmte dann auf die Bühne, um die Redner zu bedrohen. Hierauf sammelten sich die FreiheitShelden um das Thater, bewachten die Gin» gäftge, und nur mit großer Mühe uud im Schutze der Dunkelheit gelang eS den Rednern, ungefährdet da. vonzukommen.

Tie Vorkommnisse geben ein trauriges steugniS von- dem Tiefstarck der politischen Moral und der Gewalt­politik, wie solcke im Zeitalter der Republik und der angeblichen Freiheit auSgeudr wird.

nicht mehr möglich. Die Verstaatlichung alles Grund und Boden», wie sie die Sozialdemokratie anstrebt, soll ja nicht nur den Großgrundbesitz zertrümmern, sondern auch den kleinen Bauern zum Lohnarbeiter der sozialistischen Gesellschaft machen. Der Bauer soll auch zum Proletarier werden, der keinen Familien­besitz mehr ererbt und nicht mehr als freier Mann auf feiner eigenen Scholle wirtschaften kann. Recht niete freie Bauern auf eigener Scholle zu schaffen und zu erhalten, do» ist ein Ziel der Politik, die das Zen­trum betreiben will. Fast noch mehr al» der Bauernstand wird der Stand der

Handwerker der schützenden und fördernden ftanb des Zentrums bedürfen. Kein Stand ist durch den Krieg so schwer in Mitleidenschaft gezogen worden role der Handwerkerstand und er würde jetzt völlig vernichtet werden, wenn das sozialistische Programm zur Durchführung gelangen würde. Darum verlangt bas Zentrum, daß dem Handwerk noch den Grund­sätzen der ausgleichenden Gerechtigkeit R o h st o f f e zugewiesrn werden und daß insbesondere auch die jetzt noch im Besitz der Heeresverwaltung befindlichen Roh­stoffe, Arbeltsmaschinen, Werkzeuge usw. an Handwerkerkorporationen abgegeben werden. 3n erster Linie sollen dabei die durch den Krieg geschä­digten Betriebe berücksichtigt werden. Das Zentrum wird auch dafür «einireten, daß bei der Vergebung von öffentlichen Arbeiten und Lieferungen die von den Handwerkskammern aufgestellten Grund­sätze Beachtung finden. Es empfiehlt dem Handwerk die wirtschaftliche Organisation, verlangt aber auch, daß die öffentlichen Behörden den Genossenschaften des Handwerks Entgegenkommen erweisen. Das Zentrum wird auch dafür eintreten, daß bei einer tknoerung der Gewerbeordnung die Wünsche und Vorschläge des organisierten Handwerks entsprechend berücksichrigt werden. Der Ausbildung des Nachwuchses tm Handwerk wird das Zentrum nach wie vor ernste Sorgfalt widmen. Nicht minder Bedacht wird das Zentrum auf die Wahrung der berechtigten Lnter- effen der

twufmmmschafl nehmen. E» wird, soweit nut Irgend angängig, den schnellen Abbau der kriegswirt­schaftlichen Organisationen verlangen, damit der freie Handel bald wieder hergestellt werde. Nicht zuletzt aber gerade im Interesse des redlichen und ehrlichen Kaufmannsstandes wird es mit aller Entschiedenheit jeglichen Wucher, jeden unlauteren Wettbe­werb, jede llebervorteilung und Ausbeutung aller Art bekämpfen. Erzeuger und Verbraucher wer­den in der Vertretung ihrer berechtigten Ansprüche im Zentrum stets einen warmen Fürsprecher finden. Daß auch die öffentlichen

Beamten und Prlvalangestelllen beim Zentrum nachdrücklichste Vertretung ihrer Forderungen und In- teressen sinden werden, ist eine Selbstverständlichkeit, denn die mit festem Gehalt angestelllen mittleren und kleinen Beamten in öffentlichen und privaten Betrieben haben Im Kriege mit der größten Rot kämpfen müssen und es liegt im dringendsten Interesse des Staates selbst, daß für diese breiten Schickten der Bevölkerung getan wird, was getan werden kann, damit sie nicht dem Radikalismus verfallen.

Dis oom Zentrum in der Vergangenheit betriebene Mittelstandspolitik, die stets ein Ruhmesblatt in feiner Geschichte fein wird, bürgt dafür, daß auch in Zukunft die Interessen de» gesamten Mittel- standes beim Zentrum gut ausgehoben

Staatlicher Derkaufsrecht

für lanvwlrtschastlichen BodaW»

Berlin, 13. Ian. DerStaatsanzeiaer" veröff«^ licht eine Verordnung der preußischen Regierung, mm nach die Veräußerung von land- und forst wirt-' s ch a f tl i ch en Besitzungen im Interesse der inneren Kolo^sation beschränkt wird. Für jede Be» sitzung über 20 Hektor steht dem StaatedasDor- k a u s s r e ch t zn, das gemeinnützigen Gesellschaften übertragen werden kann. Das Vorkaufsrecht kann auch auf fleine-e Besitzunoen ausgedehnt werden. Das Vorkauf-reckt ist ausgeschlossen bei Verkäufen an eine Körperschaft des öffentlichen Rechts oder an eine Per­son, die mit dem Verpflichteten in gerader Linie oder bis zum zweiten Grade in der Seitenlinie verwand» oder verschwägert ist.

Die Zustände in Berlin.

nf Berlin, 14. Jan. Die Berliner Spartakist««. Fabelt sich auf di« Dächer begeben. Trotz aller Erfolge der Reaierungs ruppen zur SBocfcentoenbe wird in Berlin toeiiet geschaffen. Bald hier, bald Pa, auch mitten in der angeblich erlöften Stabt tour*: d n die Bürger wieder dinch das Knallen der Flin­ten nnd daS Ranein der Maschinengewehie «rickieckt. Allzu v eie Opfer an Leib nnd Gut toird die Scki«* ß-rei von den Tächem wohl nicht der chlingen, aberf dos lähmende Gefühl der Unsicherheit bleibt doch bestehen, Verkehr und thbeit werden behindert.; Man sieht, daß die Banden doch noch nicht bese tigfc sind. Tie Jagd auf dieDachhasen" erfordert viel; Anstrengung und Zeit. Wenn man schließlich btt: Schützen verjagt hat, so sind noch keineswegs btei zahlloirn Verstecke für die Waffen entdeckt und au«< geräumt. Es ist also immer noch mit der Gefahr- zu rechnen, daß bei irgend einem paffenden Anlaßl die tollen Terroristen von neuem losschlagen.

Berlin, 14. Jan. In der vergangenen Nacht? veriuchten sie die F r a n z e r k a s e x n e mit GaSborn4 den auS,»räuchern. Sie hatten erst tn dem Glaus den, daß die Kasern« schwach besetzt fei, einen direkte«) Angriff gemacht, erlitten aber blutige Verluste. Ctuigej Stunden später warfen sie von den Dächern de» umliegenden Häuser Gasbomben auf den Hof der Kaserne. Die Soldaten beschossen di« Angreifer mit Gasbomben, die sich schließlich verzogen. Auch beim) Hal leschen Tor gab e» in der Nacht Gefechte, di« erst ein Ende nabnirn, als die Regie,unartruppe»; durch Leuchtraketen di« Möglichkeit erhielten, den Standort der Dachschützen ausfindig zu machen und sie zu beschießen. Am Wittenbergplatz wurde« gestern unter «'nem Zug der Untergrundbahn Hand­granaten geworfen, Die zum Glück nut gelinge« Schaden anrichteten.

»Berlin 14.Jan. Die Familie Liebknecht« ist gestern nacht in ihrer Wohnung verhaftet worden^ Tie Wohnung wurde überwacht und man bett« sestgestellt, daß Liebknecht selbst nachiS von seine» Wohnung foitiufahren und sie durch einen zweite« AuSgang nach kurzem Aufenthalt zu herloffen pflegte. Als er gestern abend wieder erschien, wurden beiD« Straßen durch Truppen abqelpertt unddie Wohnunz durchsucht. Man fai d aber Li-bknecht nickt. In der Wohnung ist eine Menge ruisischeS bolschetoistiiche« Material befdilagnalmt worden. Die grau und der jüngere Sohn truifcen verhafte^, der ältere Eoh« ist mit der Besatzung de» .Vorwärts' gefangen g«-i nomtren wo den.

wtb Berlin, 15.Jan. (Tel.) Der Ci le «bahn er^ streik ist flögeroen bet tvoiben. Die Rabilalenj haben, wie dieVollszig." lag-, wieder eine schwere- Sluberlage erlitten. Dte Ardener haben sich bie»moF nicht einschüchtein lassen; sie haben die ttjtbti# fast überall wieder aujgenomme«.

.* | Verantwortlich ftit den redaktionellen Teil: Karl Schütte.

I für die Anzeigen: I. P a r zelt er, Fulda. Rotationsdruck.

j lltMk, Krill »acht «nf! 8s zrtzt nm | | Mk Zrdnnft. Am 19. n. 28. Jan. hast Kn | hu ratslhridlss, fortan das Shristkatam | I ojtr Irr Kuf herrschen f»L Wahle! |

der neuen Gewalttat gegen die Kirche, Ä von der Regierung selbstherrlich dekretierten - fiter den Austritt aus der Kirche wird m.« noch geschrieben:

SDir verlangen mit aller Entschirdeuheit, baß - ^rartine Neuregelungen, d-e in keiner Weise als f r-nfliirh anaesehen werden können, nicht durch einen «»walrakt der provlsoriichem Regierung herbei- werden, sondern Saß die Prüfung solcher L* rn uni eine eventuelle Aenderung deS Gesetze» Ruiammentritt der Nationalversammlung den Entliche» Organen und der verfassungsmäßigen ^-chlichnahme der gesetzgebenden Körper- Mafien vo>behalten bleibe«. Andernfalls über- frbreiiet die provisorische Regnrung den Rahmen M« Zuständigkeit. Aus diesen Gedanken heraus ja übrigens das Gesetz als ungiltig ange- Lten werden müssen. Wie der Hoffmannsche Schul- »rloL so ist auch diesesGesetz" ein neuer Akt -rui'aler Willkür der herrschenden Sozialde- Mvbatie. Wer gibt der ungesetzlichen preußischen Keaierring daS Recht, solche Verordnungen und solche ^Oe-ktz' zu eilassen? Niemans! Solche Willkürakte leDeuten eine Vergewaltigung der BolkS- ktchte. Sie zeigen ober auch erneut, deßder Kampf i Kirche und Relig on mit in vorderster Linie 1 jei rtn hcuiigen sozrairstischen Gewalthabern steht.

Ans zum Protest om Wahltage gegen |ie Willkür der sozialdemokratischen Rdtatore n!

Die Karten aufgedeckt

; Id der Abg. ft ü 11 m a n n, einer der Kandidaten der llnabhängigen Sozialdemokraten für unfern Wahlkreis.

Sei uns in Fulda halte er sich wohlweislich gehütet, etwas davon zu erzählen, was er bekanntlich in Span- jenbero offenherzig ausplauderte, daß nämlich das Volk, d. h. die Unabhängigen Sozialdemokraten, eine Nationalversammlung mit bürgrrll- | Her Mehrheit nicht dulden, sondern sie mit G e - walt auseinandertreiben würden.

Das ist ganz die alte Takltk: Und willst du nicht rein Bruder sein» dann schlag ich dir den Schädel ein. Tie Unabhängigen sind aber auf diese Taktik ange­wiesen, denn auf normalem Wege kommen sie nicht F durch. $cl allen bisherigen Wahlen sind sie In eine i beschämende Minderheit geraten. In Baden erhielten [it nicht ein einziges Mandat, in Würtiem- | berg ganze rier von 150, in Bayern ebenfalls nur vier. ?!|o überall eine jämmerliche Niederlage, ein vernichtendes Dolksgerlcht gegen bi« llnadliatigigen. Sie können sich an ihren fünf Fingern ; chöhlen, daß sie in der Nationalversammlung eine eanz klägliche Rolle spielen wurden. Sogar in dem Falle, daß sich eine sozialistische Mehrheit ergeben würde. Denn auch dann würde die Scheidemann- Parlei em so starkes Übergewicht haben, daß dieUn- elbänr'ien" keinen Anspntch auf Mitregierung er­heben Läiften. Sie sehen voraus, daß nach der Wahl für dir Diktatur des Prclstariats kein Raum mehr bleibt.

Darum soll die Nationalversammlung verhindert verden, nötigenfalls mit dem Schießgewehr. Seit «bei dir Dundesgeirossen der Unabhängigen, die Spar« loti|t% In Berlin arrsgefpMt haben, dürfte da» Spiel int Mafchinengemehr nnb Handgranate den Unab* Wchoen nicht mehr so leicht gemacht werden.

Die Drohun"en der Barrlkadenmänner sollen uns nicht hindern, die Wahlarbellen rüstig und r a st i o 5 sortznsetzen, damit auf jeden Fall am M. tace das Vaterland gerettet werden kann.

Letzt erst reckt werben und wirken und wäh- Wir sehen uud fühlen ja allzurnol, daß nur die Natwnalverfammlung uns retten kann vor der fron« 3°0i*en Sklaverei und rot dem bolfchetristiscken Elend.

Die Berliner Regierung hat wiederholt den festen Matz kundqetan, daß sie bas Zustandekommen der Aationalwohlen unter allen Umständen und mit allen W W Gebote stehenden Mitteln sichern wird. Run B*! So wird am 19. Januar da» ganze deutsche 7® den Terroristen antworten, daß Gewalttätlgkel- M und Handfeuerwaffen bei kultivierten Völkern kein «Ml zum Stimmenfang find.

Nieder mit der Unabhängigen So« ualdemokratle!