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A't»ld.rer Zeitung

Sied »er gilbtet flcticubtacfetci ia gelbe

SamStag, LL Januar 1319.

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Aedr devllche Fra« mutz wsyle«, 2/ keine Ktlmme darf ««* fehle»!

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Ein Wahlschwindel.

Versammlung der Unabhängige« Sozial, zu Fulda am vergangenen Sonntag maß auch dem Zentrum einen Teil am Lus-

Geld 'chißt Puffen für kn Wahlkampfs

Tie Augen auf!

Worte täuschen, Tatsachen belehren.

Rußland bietet nnS ein Beispiel von den trau» riaen Folgen der Sozialisierung ter Jndustiie, wi« sie d«e Sor aldemokratie anstredt. In Rußland sind bi« jetzt 513 Indnstiieiinternehmuneen lojialified wo den. Nach der amtlichen Staiisiik sind d e Prak« tiichen E gehn sse, wie sich der BernerBund" au-« drückt, wahrhaft erschütternd:

1. Tie Produktion aller Betriebe ist außer« ordentlich zurückaegangen.

2. Tie Einnahmen sind auf der ranzen Linie weit hinter den Autzaaben zurück« aeblieben. Tobri handelt e« sich nicht um N ugründunr von Bet>ieben, bei denen ein an- sänalicke« Testet eiklärlich wäre, sondein um Untetrefcnuingen, die wei t in vollem Be'rieb mit Einrichtung und Rohstoffen unentgeltlich sozialisiert waten.

3» Ter rnssi'che Staat muhte vom 1. Jan. bi« 1. ?>pril 1918, ru einer Zeit, wo noch weniae Industrien ie;ialifie,t waren, bereit- 432,9 Millionen Rudel für die e drauf zahlen. 5Bil heute wiid diese Summe schon weit über ein» Milliarde Rubel gestiegen sein.

4. Tethalb haben die wirtschaftlichen Ber» bände auf ihren jüngsten Toorn in Kiew wieder­hol» »um Ausdruck gebracht, Westeuropa solle sich den Zuiaminenbruch der russischen Industrie zum warnenden Beispiel nehmen!

Was beweist das?

Tasi der koziali-muS trotz aller für die Arbeitet lutgemeinten Theorien ein großes Massengrab fiitz sie deutsche Arbeiteischast und für da? wirtschaft« Hebe Leben det ganzen deutschen Volke« schaufelt.

In der benwf raten der Redner

Warum bekennt sich die christl. ftttut auch am Wahltage als christlich 7

Andere Parteien begnüen sich zu faien:Wir arbeiten nicht gegen da» Th> lstentum." Aber dar Zentrum a« ch'istliche Volk-Partei sagt mehr. ES aqt:Wir arbeiten ober auch nicht ohne Christentum im öffentlichen Leben, sondern mit dem Christentum." TaS ist der Frauenwelt auS der Seele gesprochen.

Die christliche Frauenwelt weiß, welch' unerfc|. liche Kulturkraft ha« Christentum darstell». Da- Christentum hat die Frauenwürde au« dem Schmutz de« Hhbri entunt« emporgehoben, hat die Minter, würde und da« Kinde-leben durch die Heiligkeit der Ehe an« der Entartung gerettet, hat bt« Tyiannet der Männerwelt gebrochen und da« Familienglück erneuert.

viele sozialdemokratische Frauen und Männer erkennen da« danlbar an. Aber die sozialde.nokratr- scheu Geistesführer, die wi'klich maßgebenden Män­ner, Frauen, Zeitungen, Bücher uuo Gchiifren, vor allem da» am meisten gelesene Buch Bebel«Tie Frau und der SostaliSmut" sind chritte ntnm «- seindlich, re,rannt in neuheidniiche Ideen,

Am Wahltage wählen die chr stlichen Miauen die Liste der christlichen BollSpariei, der Zent rums

Laßt Euch nicht täuschen!

3n der Versammlung der Fuldaer Mehrheitrsozia- listen am Donnerstag abend glaubte der Redner die Besorgnis der Katholiken vor den Kulturkampssg«- lüsten der sozialistischen Republik mit dem Hinweis darauf ofetun zu können, daß der Hofsmamische Erlaß betr. den Religionsunterricht ja zurückgezogen und daß Adolf Hoffmann zu« rücfgetreten sei. Professor Thielemann Hot schon sofort den sozialdemokratischen Redner dahin berichtigt, daß der Religionserloß keineswegs zurückge« zogen sei, sondern daß Hoffmanns Ministerkollege Haenisch lediglich verfügt habe, der Erlaß solle nur dort nicht durchgeführt werken, wo dies auf Schwierigkeiten stoße.Cft er damit zurück- genommen?" fragte Professor Thielemann.Rein! Rein!" scholl es ihm vielhunderlstimmig entgegen.

Rein, nein, das christliche Volk alaubt es nicht, daß nun mehr alle Gefahren beseitigt seien, wenn ihm ein kleines Zugeständnis gemacht wurde, da» un­bedingt gemacht werden mußte, weil es gar nicht an­der» ging, und weil nun Adolf Hoffmann verschwun­den ifi, der das Kultusministerium zu einem Narren­hause umgestaltet hatte. Wer kann uns in diesen auf­geregten Zeiten, in denen man nicht einmal von einem zum andern Tage sagen kann, wie die Dinge werden, wer kann uns in einer solchen wirren Zeit dafür garantieren, daß ein Mann vom Geiste Hoffmann» oder Adolf Hoffmann selbst nicht wiederkehrt? Aber auch abgesehen davon: wenn auch Adolf Hoffmann nicht mehr Religions-Erlasse unterzeichnet, fein Geist herrscht jetzt auch noch im Kultusministerium und wird weiter herrschen, solange sozialdemokratifche Einflüffe überhaupt geltend sind.

E» darf nicht übersehen werden, daß Haenisch In diesen Fragen genau so denkt wie Hoffmann. Ihm war es nut nicht recht, daß die Religion«- und son- tigen Erlaffe mit dieser brutalen Forschheit und jetzt chon rausgehen. Er ist vielmehr der Ansicht, daß olche heiklen Dinge nur allmählich durchgesiihrt werden sollen. Adolf Hoffmann konnte ja auch offen!» lich feststellen, daß über die prinzipiellen Grundlagen des Vorgehens im Kultusministerium völlig« Sin* mütigkeit herrschte.

Laßt Tuch also nickt täuschen. E« sind sehr ernste Dinge im Werden! Die von Adolf Hoffmann ange« strebte Entwicklung wird kommen, wenn bei den Wah­len zur Nationalversammlung die Sozialdemokratie stimmenmäßiges Uebergewicht erhält! Das gilt es zu verhindern, das muß verhindert werden und das kann verhindert werden, wenn sich alle gläubigen Elemente, Katholiken und Protestanten, ohne Unterschied am Wahltag« zusammen finden Im Zentrum.

Unpolitische Seiflaufe.

N. v«r lin, 7. Januar 1919.

Eluf einem Pu 1 versaß, wie sitzt sich denn da?

Nun, kommen Sie nur nach Berlin. Dort sitzen seil zwei Monaten auf dem Pulverfaß und warten Id, wann die ganze Geschichte in die Lust fliegt. Seit l®ei Tagen wirb neben diesem Pulverfaß eine Lunt« kttchwenkt, daß die Funken nur so stieben. Was kann Man dabei tun? Der Durchschnittsmensch bleibt auf Glück oder schlecht Unglück auf dem angestammten xulverfaß sitzen. Man gewöhnt sich allmählich an auch an Straßenaufläufe, Gewehrgeknatter, Ra« «wnenschüsse und wo» sonst zurglorreichen Revolu- °n gehört.

Das Feuer, da« seit dem Weihnachtsabend unter «n Asche geschwelt hatte, würbe am letzten Sonntag ">eder zu hellen Flammen angeblafen. DieRegie- «hfl wollte vernünftigerweise den Berliner Polizei­präsidenten absetzen, weil er nicht für Ordnung und Sicherheit sorgte, sondern vielmehr die tollen Umstürz- «1» begünstigte und bewaffnete. Der ..revolutionäre" Präsident aber, Eichhorn mit Nomen, stand wie eine st' ins Horn: Hier bin ich und hier bleibe

Der Spartakusbund machte zu feiner Verteidigung Don diesen Banden wurden am Sonntag m«h- * nitfereien bet größten Zeitungen durch Hand- p.cich genommen und für Montag der Straßenkampf .^.v'ndet. Darauf machte auch die alte fozialdemo» mische Partei zur Derteidigung der Regierung mobil. pe sogenannten Unabhängigen waren auch nicht faul ° ^orschierten die Heere in den Straßen von Berlin

,"n Zahl waren die Regierungsleitte, die sog«, it» e n Scheidemänner, zweifellos überlegen, aber " Kampfwut war am größten bei den Sparta« banden, und diese Gesmnungsgrnoslen der russischeu

Nicht morgen sch-.t heute!

xie Wobluhr ist voroerück» Worben. Da« seck^ Wochen geschehen sollte, mußte jetz» in drei Wochen abgemacht weiden. Davon steht nur noch eme z ir Verfügung.

811'0 eile ohne Weile! Mit doppelter und drei lachet Au«nutzung der Zeit ano bet Gele« genbeien!

Do Du morgen vot'prechen wolltest, da tue e« lieber beute schon. Schmiede da« Eisen, trcil es noch warm ist.

Sn den letzten Tagen vor bet Wa'l wird immer noch genug zu tun bleiben. Unb am Dadi onntag selbst bleiben noch viele Lücken zu füllen.

Di'ke und wirb rechtzeitig, «he di« Segnet da» Feld abgegralt haben.

Wer zuerst mäht, heimst da« meiste Heu ein.

genheit ganz und gar unmöglich. Feder unbefangen Lenkende mußte da» a's ttnsinn bezeichnen, so lange richt eine allgemeine Abrüstung aller Staaten zu gl«i. ckier Zeit erfolgte. So lange Frankreich u.ib Rußland fortwährend ihre Heere vermehrten, mußten auch wir rüsten, um nickt unser Land zum Tummelvlah feind« l'rfet Heere werden zu lassen. Tie Sozialdemokraten haben Nt ArSgabn für da« Heer allerdinaS mciite'«i ahgelehnt. So lange sie nut eine Minderheit 'm Reichstag Waran, so lange sie keine Verantwortung hatten und die andern Parteien für den Schutz des Va- terlamdr« sorgten .konnten sie sich da« billige Pergnu­gen leisten, alles abzrtletznen; jetzt wo sie ernt Ruder sind, setzen sie schon, daß man otzne ein schlagfertiges Heer nicht auSkommen kann ud sie erlaßen einen Aufruf nach dem andern zur Bildung einer Freiw'!« ligenarmee für den Osten. Ob e« Erfolg hat, ist frei, lich eine andere Frage, wenn man erst den MilitariS. imi« (an dem ja auch wir sehr viel auSzusetzen Hattens in Grund unb Boden hinein verdammt und kein flute« Haar rrt ihm läßt, braucht man sich nickt zu wundecn« wenn da« Volk auch den Sinn für da« Allernotweu« digste verliert.

Uebermäßige Militärsordernngen hat daS Zentrum immer bekämpft und eS hat sich stets a!l Gegner de« diktatorischen Militarismus bekannt. Dafür liegen eine Menge Zeugnisse aus der Vergangenheit vor. An einige besonders bezeichnende sei kurz erinnert.

Seit Bestehen deS Reichstags wurde er viermal aufgelöst, darunter dreimal, weil da« Zen­trum Forderungen de« Militarismus nicht b e w i l li g t e und dadurch Mil'iärvorlagen zum Scheitern brachte. (Auch die erste Auflösung ge. schah gegen ba« Zentrum, sie erfolgte im Jahre 1378 wegen Nichtbewilligung deS Ausnahmegesetze« gegen die Sozialisten, wobei ba« Zentrum gegen da« AuSuahme- gesetz stimmte.) Die zweit« Auflösung war 1887 an­läßlich de« Septennat«, als da« Zentrum die For. derung de« Militarismus, 468 419 Man, auf weitere sieben fttfire zu bewilligen, zu Fall brachte, weil e« dem Reichstag, d. h. die Volksvertretung, dem Milira. riSirat« gegenüber nickst auf sieben Jahre binden wollte. In den darauf folgenden Watzlen blieb bann da« Z-n- trum in der Minderheit und da« Septennat wurde be­willigt. Tie Hebe, die damal« gegen baS Zentrinn tn- szeniert würbe, übertrifft fast alle«, wa« di« politische Leschichte im neuen Reich aufzuweisen Hal.

Trotzdem hat ba« Zentrum auch im Jahre 1892 dieselbe Haltung eingenommen, al« die Regierring eine Vermehrung der Rekruteneinstellung um 60 lX-u Mann verlangte und er.:e Präsenzstärke de« Heere« von 670 877 Mann gegen seither 486 000 Mann. Tie bat. aufhin erfolgte ReichStagSauflösmvg brachte wiederum der Regierung eint Mehrheit. Ta« Zentrum ftünmte zwar auch jetzt wieder gegen die Militärvorlage, blieb aber in der Minderheit. Die Mehrheit bc« deutschen Polle« wollte eben jene HeereSvermehrung.

ritte Auflösung de« Reichstag« fällt in da« 1907. E« handelte sich um Forderung von meh. reren Millionen für die Weiterertzalwnq der Schub­truppen ht Deutfchsüdwestafrika in biSheri- aer Höhe. DaS Zentrum konnte sich von der Berech- tigung der Forderung de« Militarismus nicht über, zeugen und wandte sich nachdrücklich gegen den von ander-- P'ite v-rtrstenen Standpu» kt, daß der Reick»«. a einfach zu bewilligen habe, tva« die HeereS'eitu, g ihr oberster KriegSheer fordere. Tie Forderung wurde deshalb abgelehnt und der Reichstag aufgelöst. Aber wiederum bekamen in den Wahlen jane Parteien die Mehrheit, die für die Forderung stimmten. Auch damals entbrannte « «besondere g'gen das Zentrum eine wüste Hetze, weil e« nicht einfach bewilligte, toa« ba« HeereSkommando wollte. Ta» Zentrum ließ sich jedock, dadurch nicht irre machen und führte den Kampf durch.

ffian sieht daran«, daß die Bemühungen deS Zen­trums, di« Forderungen be« Militarismus kritisch zu betrachten unt feine Ansprüche zu mäßig-n, zwar im­mer wieder.setzten, von bet Mehrheit de« deutschen Vclkts ab*c ittt* durchkreuzt wurden. Tageg-n kennte das Zentrum nicht aufkommen.

Es ist daher auch eine durch unb durch ungerecht­fertigte Behauptung, ba« Zentrum habe nicht« gegen beu IMitailSmu» getan und daher de« Krieg uulbcc. schuld.':.

es ist ein Wahlschwindel.

Die verzweifelte Lage

der deutschen Industrie.

Die Lage ber deuiichen Industrie ist so ver­zweifelt, daß Oberbürgermeister Keßler von Rürn- berg in einem Vorträge in Re ensbnrg ei Hätte, nenn eS so weiter gehe, würden bi« Fabri kde fitzer bald selbst um Sozialisierung bitten, nur um bte Betriebe loSz uwer den. Dien llnschatiuno versteht man, wenn man au« eine Rundfrage de« sächsischen Zndustriellenverl ande« er 'ährt, daß infolge be« Bchtstttuden age«, her hoben Lohnforderungen, bei Kohlen- und Rohuoffmangelk Heu e deutsch« Maschinen, bi« früher einen Haupt- aurfnhrat ikel bildeten, um 1 00 P r ozen t teu - rer stehen a!« englische, ebensolche Stoffe. Unter diesen Umständen ist selbstredend jeder Wettkampi mit dem Ausiastd unmöglich und damit auch die Befferung unsere« Geldwerte« im Ausland, die ja nur durch hie Wiederaufnahme der Warenausfuhr gehoben werden kann.

Wer bringt un« in diese verzweifelte Laue? Denkt darüber nach und am Wahltag rechnet ob!

nen. Unterdessen verbessern unb vermehren die Um­stürzler ihre Stellungen, zum Ueberfluß hat sich die Regierung auch noch auf Derhondlungen eingeioffen. Die sind von den hinterlistigen Unabhängigen angeregt worben. Die Gegner der Regierung benutzen jede Kampfpause, um weitere Vorteile zu erringen, wobei sie sich an den versprochenen Waffenstillstand nicht halten. Die Epartakuoführer haben übrigen» offen erklärt, daß sie gor nicht verhandeln, sondern nur siegen wollen. Also ist es eigentsich nicht zu verstehen, warum überhaupt verhandelt werden soll.

Was wir da erleben, ist der Selbstmord von Berlin. Die sogenannte Reichrhauptstadt macht sich eigenhändig kaput, langsam, aber sicher.Wasserkopf der Monarchie" hat Julius Bachem vor einem Men- schenatter Berlin genannt. In diesem Wafferkopf ist jetzt die heillose Gehirnentzündung ausgebrochen. Ber­lin hatte niemals viel Liede, aber desto rnehr Haß und Reid gefunden. Einen geteiffen Respekt verdankt es feiner Größe, seiner Anhäufung von Handel, Industrie und Kapital, dem Aufenthalt der Regierung und des Reichstages. Alle diese Stützen der Berliner Herrlich­keit brachen nun unter der Revolution zusammen. Das Leschäst-leben rrird ruiniert durch die ewigen Un­ruhen und Streik»; da» politische Ansehen Berlin» gcV in die Brüche durch die Schwächen und Fehler der Regierung. Und wenn ein Lokalpatriot an der Spree noch gedacht hat, die Nationalversammlung könnte vielleicht doch noch in die alteReichrhaupt­stadt- einziehen, so ist auch der letzte Faden 6iefer Hoffnung durch die jüngsten Unruhen zerrißen worden. Sn diesem Hexenkessel kann man keine parlamenta­rische Suppe kocken.

Berlin wird Provinzstadt. Durch die Schuld der Radikalen und durch die Schwäche der gemäßig. ten Sozialisten. Da haben die russischen Ränke- fpinnet doch etwa» von dem Geld und den Waffen.

ße gespendet haben. Wenn {ic auch nicht «an»

bruch be« Weltkriege«" bet, weil e« die Militär- ferberungen immer bewilligt habe.

E« ist leine Behauptung zu kindisch, al« daß sie nickt gu Wahlzwecken Verwendung fände. SelbsMerständlick hat das Zentrum auch Militärforberungen für das Reich bewilligt; e« wäre gewissenlos gewesen, toenn e« ba» angesichts bei Weltlage nicht getan hätte. Ab.r es hat auch nur da« unbedingt Nötige bewilligt. Eine Abschaffung de« stehenden Heere» war in der Berga»»

Deutschland auf den Kopf stellen können, so hoben st« doch wenigsten» Berlin ruiniert

Wo» machen denn wir, die unglückseligen Einwoh­ner van dem verkrachenden Groß-Berlin? Wir glei­chen dem bekanntenGreis, der sich nicht zu helfen weiß". Aus dem Dach« sitzen wir freilich nicht, aber unter dem Dache müssen wir das weiter üben, was uns In den Kriegsjahren gelehrt wurde: durch- halten In zäher Geduld. Dor Gewehr- und Kanonen» kugeln, vor Meuterern und Plünderern ist schließlich keine Wohnung sicher. Wir haben uns das Kriegsende etwas ander» gedacht. Kein Aufatmen, sondern neue Beklemmung. Es sollte doch besser werden und wird immer schlimmer. Kein Wunder, daß viele seufzen: Ach, hätten wir doch das ölte Regiment wieder! Kein Wunder, daß mancher sogar etwas Neid spürt, wenn er an die Landesteil« denkt, dl« vom Feinde besetzt sind. Die leben unter der Knechtschaft, aber sie haben doch wenigstens Ordnung und Sicherheit. Was hilft uns die revolutionäreFreiheit, Gleichheit und Brü­derlichkeit, wenn wir der spartokistifchen Räuberbunde ausgeliefert sind und bei jedem Ausgang riskieren, von einer brüderlichen Kugel getroffen zu werden!

Ausgegangen wird freilich doch und die Straßen sind sogar überall von Menschen. Der eine muß her­aus aus geschäftlichen Gründen, der zweite will sich bttcHlgen auf der einen ober anderen Kampsseite, der dritte ist neugierig und will Sensation haben. Der Straßenhandel und auch der Straßenbettel blühen wie nie zuvor. Tanzen kann man bekanntlich auch auf einem Vulkan.

Der alte Onkel lebt noch, trotz alledem noch und freut sich, wenn er dl« Untergrundbahn benutzen kann, die da» einzige Derkehrsmittel bildet, mit dessen Hilf» man die örtlichen Kampfplätze Überwinden (ober ge­nauer unterwinden) kann.

Durchhallen unb wählen!

Zentrum und Soldatenwünsche. n.

Eine große Rolle spielte vornehrnlich mit dem An- rieben ber ßcbenSmittelpreife auch an der Front im tzeben be« Soldaten die

Löhnung,

ST vielfach die Neberzeugung vorherrscht«, daß die ung der Mannschaften im Verhältnis zu den Gr- hällern der Offiziere m niedrig fei. Auch hier hat da« Zentrum immer »nieder die berechtigte Forderung be: Soldaten aufgegriffen und nicht geruht, bi» ihr Tr. füHimg zuteil wurde. Schon am 15. Januar 1910 sprech fick der Alp. Svabn al« A^ortsührer seiner Fraktion für eine Erhöhung der Maw.sckaftrlöhnung um 50 Proz. au». Diese Forderung griffen wieder cirf am 5. Mai 1917 bet Abg. Sir, am 7. Mai 1917 der Abg. Schirmer. Neben dem letzteren war eS der Abg. Erzberger, der wiederholt im ReichstagShauptau«. schiß energisch sich für eine angemessene Erhöhung der Mannschakrslöbnung in» Zeug legte und auf dessen scharfen Vorstoß kurz vor Weihnachten 1017 der Ver­treter be« Kriegsministeriums nach längerem Sträu­ben dessen Bereitwilligkeit jju einer Erhöhung bet Löhmmg um 83% Ptoz., berjenigen ber Unteroffiziere um 20 Proz. erklärte. Der Abg. Schirmet vertrat am 13. Juni 1918 die al« Punkt 1 einer besonderen Zen- trumirefohition (Nr. 1651) formulierte Forderung, -daß die Fn Aussicht genommenen LöhmingSzulagen für Mannschaften und Unteroffiziere aller Dienstgrade mit Hanger Dienstzeit baldigst in Kraft treten".

Wie heiß begehrt wurde nicht von jedem Soldaten b«r

Urlaub, unb wie schwer hielt e» oft, ihn zu erlangen! Wie mancher glaubte sich hier benachteiligt und gegen, über andern Kameraden zurückgesetzt. Und in der Tat wurden die Tinge hier urck't immer so gehandhabt, wie t9 ausschließlich Recht und Gerechtigkeit entsprochen hätte. So war e« selbstverständlich, daß die Urlaub«, frage in den Reben ber Abgeordneten einen besonder« breiten Roum einnahm. Rückhaltlos tadelten sie die vielfach bekla-^ten Versuche, die Erteilung von Urlaub etwa von Gegenleistungen kLebrnSmittellieferungen, KrieaGonleihezeickmingen) abhängig zu macken, und entschieden traten sie für eine gerechte weitgehende ttr- laubSrrqel't g für jedermann ein. So ber Abg. Ra­cken am 17. Januar 1916, ber Abg. Sir am 5. Mai 1917 dieser unter scharfem Tadel der Unsitte, den MannkchaftSurlaub mit der Heimbeförberung sogenann­ter Offizierspakete zu verquicken ber Abg. Schirmer em 7. Mai 1917 und am 13. Juni 1918 der Abg. Wirth am 23. Februar und am 11. Jfini 1918. Um den Urlaubern den Aufenthalt in der Heimat angeneh. mer zu gestalten, befürwortete bereit« am 17. Januar 1916 ber Abg. Racken die Zahlung eine« angemessenen Verpflegungsgelbes bei Urlaubsantritt.

Ebenfalls der Abg. Racken beantragte schon frühzei­tig am 17. Januar 1916, eine möglichste

Entlassung

solcher eingezogener a. d. unb g. v. Mannschaften, die für die Verwendung an ber Front nicht in Betracht kamen, und deren Bereitstellung für die Heimatarbeit in Gewerbe und Landwirtschaft so dringend nottoenb'fl war. Im aleichen Si 'ne sprach sich am 5. Mai 1917 der ?kbg. Sir auS und war Punkt 6 der bereit« er­wähnten Zentrumsresolution (Rr. 1651) gehalten: -daß die militärischen Untersuchrmgen zur Feststellung der Kriegs- und Arbeitsverwendungsfähigkeit mit größ­ter Genauigkeit auSgeführt werden sowie, daß die bi-^n'-mtauglich befundenen HeereSvflicktigen baldigst entlasseu werden." Für eine Entlassung der ölte, st e n Landsturmiahrgänge au» dem Heeresdienst setzte sich ferner bet Abg. Schirmer am 13. Juni 1918 ein. Er wie auch der Abg. Wirth am 23. Februar 1918 forderten be« weitern eine dauernde Versetzung ber Bonbfturmltute, die seit Kriegsbeginn im Feld und seit mindesten» einem Jahr an der Front tilge, sitzt seien, zu den Ersatztruppenteilen, die Zurückzieh- »wg ber letzten Söhne solcher Familien, die bereit» »roße Blutopfer gebracht hätten, au» der Feuerlinie so« dne die Ausmusterung solcher junger Leute, deren Ge­sundheit durch ,hr« Verwendung in bet Front erheblich gelitten habe.

Bolschewikt waren auch mit viel Waffen versehen. Außerdem wurden die Ruhestörer gestützt durch die Unabhängigen, die ebenfalls die Regierung zu stürzen luchten und größtenteil» gemeinsame Sache mit den Bvlschewiki machten.

Am Montag, dem Dreikönigsfest, ging der Tanz los. Di« Regierung war wieder in der Defensiv«, wie wir da» bei ihrer Schwäche schon gewohnt sind. E» gelang ihr nur, die Reichskanzlei und tien anliegenden Wilhelmsplatz in eine feste Burg zu verwandeln, wo­bei die spärlichen Truppenteile durch die unbewaff­neten Freiwilligen, nämlich di« masienhast herbeige­strömten Scheidemänner, wirksam unterstützt wurden. In den anderen Stadtteilen errangen aber die Auf. ständischen einen Erfolg nach dem andern, weil sie rücksichtslos zugriffen und auch vor Blutvergießen nicht zurückfchreckten.

Arn späten Abend hörte man Kanonenschüsse. Ich dachte: Nun mackt endlich die Regierung von ihren Machtmitteln Gebrauch I Aber am andern Morgen er­fuhr man, daß die Kanonen von Meuterern abgeschos- sen worden waren, und daß man tatsächlich die orb* nunpstreuen Pioniere in ihrer Kuserne im Osten von Berlin überwältigt, auch das benachbarte Proviantamt erobert hatte. Sv soll ein ganze» Regiment zu den Aufrührern übergegangen fein.

Heute (Dienstag) geht nun der Kampf um die Macht weiter in ber Art des Stellungskrieges. Ich dachte erst, mit meinem Dochenartikel noch zu war> ten, bi» der Ausgang zu erkennen ist. Aber e» kann lange dauern. Die Regierung verkündet, sie sei ent» schloffen bi» zum äußersten. Lhr Mund ist sehr tüch- flg; doch wo bleibt di« Hand? Das neue Regie- rungsmitglied Roske Ist zum Generalissimus der Ordnungstruppen ernannt worden. Aber er muß erst di« zuverlässigen Truppen mühsam sammeln, und di« freiwillig« Helfer kann er erst nach und nach bewajj-

Wer ist schuld?

Parteipv'iiische Wählerversammlungen haben sich mit der Such« nack den Sckuldigen befaßt, die bi« Welt in da« furchtbare Abenteuer do« Weltkiiege« getrieben haben. Die Klärung der Schuldfrag« ist auSsichtSlo«, solang« sich nicht di« Geheimarchive» auch die der feinblicken Staaten geöffnet haben, Has werden wir jedoch nickt mehr erleben.

Man darf aber nicht vergessen, daß sich un« manch« Geheimschränke schon ericklossen haben. Deutschland hat veischiedentlich auf Tofumente bet« weise» können, die gerade;» verblüffend zu seinen (Munhen iprechen. Ta sind zunächst oie Berichte be« belgischen Ke anbten in Berlin, Pari« und London, in denen mit ruhiger Offenherzigken geschil ert tohb, wie König Edua'd durch eine raffinier e BundniS- poli'ik die Funken schiirie, die seit langem in Frank eich« Revanchepolitik unter der Asche glommen- "a sind Wei er di« Aussagen im Suchomlmow« Pro; mit dem Geständnis der Generalmobllisation, be Tentschland zur Gegenmobilisation zwang, und ba sind schließlich die unter dem bolschewistischen Regiment veröffentlichten zahlreichen Geheimverträg« unserer Feinde. i

Bon unseren Feinden hat namentlich England immer wieder versichert, daß nicht die Absicht be4 stände, fremdes Gebiet sich anzueianen, daß man allein zum Schutze der Unabhängigkeit der Völker kämpfen wolle. Aber schon im Marz 1915, so W zeugrn die Geheimveriräqe, hatte die Regierung von Rußland den Verbündeten ihre Wunsche bezüglich der Einverleibung von Konstantinopel, der Westküst» be« Bo-poruS, be« Marmarameeres, der Dardanel­len und von bestimmten Teilen Kleinasien« überge­ben, al'» von St idien und Landin ecken, b-.e niemals 'Ussi'ch waren. Und England und Frankreich stimm­ten oh e weiteres zu, naiinlich nitttt, ohne auch an ich selbst zu denken. England sotderte zunächst ie io genannte neutrale Zone Persien« als feine Einflutzipbä'e" unb später (laut Tentschrift vom 6. März 1917) den südlichen Seil Mesopotamiens mit Bagdad, sowie in Syrien die Häsen Haifa und 'tkka, ferner die Unabhängigkeit Vltab enS (dessen Einfluß phären noch tätet b»stimmt werden sollten) und bi« Ablösung Palästinas vom türkischen Reich (wiederum gemäß etnel noch näher zu begründenden Abkommen«). Frankreich wurden zur gleichen Zeit die Küste Syrien«, da« Wilajet Adana und In Sandtet! nördlich der Bagdadbabn zuge prochen, Rußland außer dem schon bewilligten nock die Bezirk« vvn Erzerum, Trapezunt, Wan und Bitli« und ba« »übliche Kurdistan. Aegypten hatte Eng­land bereit« mit Beschlag belegt unb nun auch Wei»