drüben im Amerika anzulegen, beschloß ich, mir damit eine Existenz in Europa zu gründen. Ich ging nach Berlin, weil ich in dieser Millionenstadt am besten untertauchen und unbemerkt leben konnte, und studierte — die Rechte."
„Ah — dar ist eine Ueberraschung! Und mit Deinen geringen Mitteln schlugst Du Dich durch?"
„Ja, es ging schwer; ich hungerte zuweilen. Aber ich lernte das Leben in seinen Tiefen kennen; ich lernte genügsam und zufrieden sein. Nebenbei erteilte ich Nachhilfeunterricht für Gymnasiasten, kurzum, ich drückte mich durch, machte mein Staatsexamen mit ziemlich glanzendem Erfolg und trat, da im Staatsdienst die Aussichten sehr flau sind, bei einem bekannten Berliner Justizrat in dessen Büro, habe jüngst den „Doktor" gemacht und vertrete nun zuweilen meinen Prinzipal. Mein Gehalt ist nicht glanzend, aber ich komme damit aus — und vor allem: ich habe Arbeit, einen Beruf, der mein Leben ausfüllt. Und ich kann sühnen, Heinz — denn ich habe mir vorgenommen, den Armen, den Unterdrückten und den schuldlos Verfolgten ein Anwalt zu sein und, so gut es in meinen Kräften steht, der Unschuld zu ihrem Rechte zu verhelfen."
Heinz drückte ihm herzlich die Hand. „Ach, Kurt, wie mich das fteut I Und was für ein selbstbewußter Mann Du geworden bist! Weiß Dein Vater schon . .?*
Kurt schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe ihm nichts mitgeteilt, und ich kann ihm wohl nicht unter die Augen treten, solange ich nicht mit den Millionen komme, die er von mir erwartet." Er sagte das mit Bitterkeit, und um seine Lippen lag ein harter, herber Zug, den er früher nicht gehabt, dm erst das Leben «ingegraben hatte."
„Dein Vater und Gisa haben in der Zeitung, gewiß Drinnen Namen gelesen, und es wundert mich nur, daß Gisa nicht an Dich geschrieben hat", sagte Heinz.
„Gisa?" rief Kurt, und sein Gesicht hellte sich auf. „Dein schönes, blonder Schwesterlein! Ach, die wird mich längst verpesten haben!"
„Da täuschest Du Dich schwer, Kurt. Die hat Dir immer die Stange gehalten und nicht» auf Dich kommen lasten!"
„Du — da» ist wirklich nett von ihr! Lieb ist'si Sag' ihr oder schreib' ihr doch einen Gruß! Ebenso an ihren Mann, denn sie wird ja wohl längst in dm Ehehimmel eingegangen sein." „
„Nein, Kurt, sie ist unvermLhlt. Mir ist es unverständlich, daß sie alle Bewerber abgewiesen hat. Manchmal muß ich denken, sie trage eine heimliche Liebe im Herzen."
„Das ist in der Tat seltsam", sagte Sturt nachdenkliche sehr seltsam. Und Du glaubst, daß Deine Schwester an mich geschrieben haben könnte?"
„Gewiß!"
„Dann ist der Brief, da sie meine'Adreste nicht wußte, verloren gegangen oder in dm Tausenden von Einläufen, mit denen das Gericht überschwemmt wird, untergesunken. Schade! Vielleicht hatte gar Lucice, Deine Frau, eine Zeile beigefügt."
„Das glaube ich nun weniger. Gisa hat von Seefeld aus geschrieben, und Lucie kommt nur einmal in der Woche dorthin."
„Wie? Gisa wohnt nicht bei Dir auf Hohenberg?" rief Kurt überrascht.
„Nein! Sie lebt in der Billa Seefeld."
„Jo, aber — ich verstehe nicht! — Wo» tut sie dort?"
„Sie pflegt Deinen Vater und sorgt für ihn."
„Sie — »siegt? Wie? Sie hält bei meinem Vater aus? Aber sag, warum, warum?"
„Ich glaube säst — um Deinetwillen!"
Da legte Kurt die Hände vors Gesicht, und ein Schluchzen rang sich aus feiner Brust. 0So gut, fo edel! Dor ist kaum zu fasten!"
Es entstand eine Stille, als fliege ein Engel durch da» Zimmer, eine Lichtgestalt mit dem Oelzweig in der Hand.
Dann brach Heinz das Schweigen: „Und nun sage mir, wie steht er mit dem Mörder unserer Tante? Ist man ihm auf der Spur?"
„Man meint er zu sein, aber ich weiß nicht, ob es die rechte Spur ist. Ich zweifle sogar sehr daran; aber nachdem sich einmal die Polizei an dieser Fährte festgebissen hat, läßt sie nicht mehr von ihr los und ist stolz auf ihre Findigkeit." (Fortsetzung folgt.)
M 4.
Dienstag, 7. Januar 1919,
Graf Hertling f,
wtb Ruhyolding (Oberbayern), 8. Jan. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling ist gestern abend 9s/< Uhr nach sechSiägigem Krankenlager hier verschieden. Die Beisetzung findet in München statt.
Graf Hertling hat seinen Rücktritt al» Reichskanzler, >er am 30 September v. I. erfolgte, nur kurze Zeit überlebt. Auf die reichen Verdienste des Heimgegangenen, -er hochbetacch, schon in seiner Kraft gebrochen, in einer «utze> ordentlich schweren Zeit sein Reichskanzleramt an. getreten und der damaligen deutschen KriegSzielpolitik Nack den vorhergegangenen Irr» und Wirrnissen ein klares Ziel gegeben hat, wird noch zurückzukommen sein. DaS katholische deutsche Volk betrauert in dem Ber- ftorbenen einen seiner hervorragendsten und bedeutendsten »ührer, dem es zu allen Zeiten Liebe, Vertrauen und Dankbarkeit entgegengebracht hat.
Das Ergebnis der
badischen Landtagswahlen.
Zentrumssieg.
Karlsruhe, 5. Jan. Bei den beute stattgefnn. benrn Wahlen zur badischen Nationalversammlung wurden gewählt: 24 Demokraten, 35 Sozialisten, 41 Mitglieder des Jentru m S und 7 Deutsch- Nationale. Unabhängige wurden keine gewählt. Sie halten von rund 1 Million abgegebenen Stimmen nur wenige 14600 auf sich vereinigen können, d. i. etwas mehr als V« Prozent. Die Zahl der Zen- trumsmandate ist von zuletzt 30 auf 41 erhöht worden. Tie Linksmehrheit bleibt jedoch bestehen.
Fuldaer Heilung
Staatsgrundgesetz für Bayern heißt e» u. a. Das bayerische Volk ist entichlosten, als ein kraftvolles selbsttätiges Glied im Vereine deutscher Staaten und im Geiste des kommenden Völkerbünde» zu wirken, der die Menschheit zu friedlicher, geschäftiger Arbeii für alle Zeiten zusammenschließt. Auf neuen Wegen ringt da» Doll um die Gestaltung seiner Schicksals. Daß dieses Volk tn seiner Gestaltung frei über die Bedingungen und die Form seines Lebens entscheidet, ist da» unantastbare, ewige Grundgesetz der bayerischen Republik. Seine Herrschaft soll in der unmittelbaren und unablässigen Mitarbeit an den Angelegenheiten de» Staate» in der gesetzlich verbürgten Macht, den Volk-willen jeder Zeit durchzusetzen bestehen. Diese lebendige Demokratie vollzieht sich und vollendet sich in den freien Organisationen de» Volkes, im Landtag und ganz bewn- der» in der Volksabstimmung, die den Zweck und die Wirkung hat, d,e Ueberemftimmunq zwischen dem Willen des Volke» und seinen Vertretungen in Regierung und Landtag zu sickern. Die neue De- mokratie kann ihre Lebensfähigkeit und ihr Dasein»- recht nur in dem Grade beweisen, al» e» ihr gelingt, in ruhiger, organisatorischer Arbeit dem sozialen Neuaufbau der Gesell chaft von Grund aus zu der- wirklichen.
An alle christlichen Eltern!
Schreibt sofort an Eure Söhne in Heer und Marine:
Wählt nur Zentrum!
Schsießt Euch dem Zentrum, der christlichen Volks- Partei in Eurem Standort an!
samt 13 Jahren Zuchthaus verurteilte. Während der Revolutionswirren vor einem Monat ließ der Kölner A.» und S.-Rat den Förtsch, nachdem er 5 Jahre verbüßt hatte, aus der Strafanstalt ftei. Einer unglückseligen Eingebung folgend wandte der Mann feine Schritte jetzt wieder nach Frankfutt. Schon nach einigen Tagen siel er der hiesigen Polizei, der er wohlbekannt noch war, in die Hände. Hier hatte man wenig Verständnis für die Kölner „Humanität" und überwies Förtsch abermals einer Strafanstalt zur Nachverbüßung der noch fehlenden 8 Jahre Zuchthaus. — Eine den besseren Ständen angehörende Dame stürzte sich am 23. Dezember bei Oberrad in den Main, in dessen Fluten sie trotz rascher Rettungsversuche verschwand. Die Leiche wurde am letzten Samstag am Niederrader Wehr geborgen. — Hier wurde ein Mann verhaftet, der sich als Leutnant Sperber und Bahnhofskommandant ausgab und an der Haich gefälschter Stempel einen schwunghaften Handel mit falschen Ausweisen, Militärfahrscheinen, die er sich eigens hatte drucken lassen, trieb.
:*: Oberuifel. Ge en die Besetzung der in der neutralen Zone belegenen Orte Weißkirchen und Stierstadt durch Franzosen hat die Waffensttll- standrkommission Einspruch erhoben.
[] Eltville. Tie Stadt hat nach Mitteilunaen de» Bürgermeisters nur nock Lebensmittel für wenige Tage. Zur Mehlbereitung mußte bereit» das Saatgetreide verwendet werden. Das französische Oberkommando soll um Hilfe angegangen werden.
[*] Aschaffenburg. Ter Maschinenputzer Bauer aus Stockstadt wurde im Bahnhof von einer ou?» fahreuden Lokomotive gegen eine Mauer gedrückt und getötet. ______________
Exprästdent Roosevelt
wtb Reuyork, 5. Jan. (Reuter.) Der frühere st äsident R o o s e v e l t ist infolge einer rheumatischen lrkrankung Samstag früh gestorben'
Deutsch er Reich.
* Set deutsche Gesandte in Luxemburg, Herr 6. Buch, ist aus dem Großherzogtum au» gewiesen worden.
• Der Reichsaurschuß der Deutsche« ZentrumSpartei tagte am iDiontag den 30. Dezember, unter dem Vorsitz des Herrn Äbg. Groeber in Frankfurt a.M. Trotz der überaus fchw-erigen VerkehrSverhältniffe waren 36 Mitglieder des :eichsau»,chusseS erschienen, nur die Bayern fehlten sämtlich, da sich in Bayern — leider — uul dem bisherigen Zentrum eine besondere Reichstagsfraktion bilden will. Von bekannten Zen- trumSführern waren u. a. Staatssekretär Erzberger, Graf Praschina, Abgg Herold und Müller-Fulda an- wesend. Der Vorstand de» Augustinusveretn war durch fünf Mitglieder vertreten. Die Verhandlungen drehten sich um folgenoe vier Punkte:
1. Verhältnis zu den anderen Parteien.
2. Die gegenwärtige Sitation und Wiederaufbau des Reiches.
8. Besprechung der neuen Leitsätze für die Partei und Wadlaufruf,
4. Organisationsfragen.
Was da» Verhältnis zu den übrigen bürgerlichen Parteien angeht, so wurde al» Richtschnur aufgestellt: getrennt marschieren, vereint schlagen, daS heißt, e» soll den einzelnen Provinzialleitungen anheim gegeben werden, ob und inwieweit sie bei den Wahlen für die Skaiionalversammlung mit verbundenen Listen arbeiten wollen. Wünschenswert sei e» indes, mit aller Kraft anzustreben, daß alle bürgerlichen Parteien mit „»erbunöenen Listen" in den Wahlkampf eintreten. Leber die gegenwärtige Situation im Vaterlande wurde von berufener Seite ein wenig erfreuliche» Bild gegeben. Die Schlappheit und Kopflojigkett der höchsten Stellen im Reich, namentlich auch im Offizierkorps, seien vornehmlich Schuld an den gegen- bärtigen furchtbaren Zuständen. Er müsse von neuem eufgebaut werden. Mit der gegenwärtigen Regierung, welche durch die Entente nicht anerkannt werde, gebe e» keinen Frieden und auch keine LebenSmittelzufuhr. Die Entente verhandle nur noch mit der deutschen DaffenstillstandSkommission, weil diese vor der Revo- lution eingesetzt worden sei.
■ ES wurde dann einstimmig der bereits veröffentlichte Aufruf an die Zentrumswähler beschlossen, und ferner wurden einstimmig nach eingehender Debatte — an der sich auch Fräulein DranSseld beteiligte die ebenf all» bereits mitgeteilten neuen Richtlini en für die Partei festgesetzt. Sie weichen nur in formeller Hinsicht etwa» ab von den neulich in jBetlin angenommenen. Aus allen Provinzen wurde Über eine lebhafte und erfolgreiche Agitation berichtet, io daß das Zentrum mit vollem Vertrauen der Entscheidungsschlacht für die Nationalversammlung entgegensieht.
k * vorläufiges StaatSgrunogesetz in Bayern. In seiner amtlichen Veiöffemlichung über ein vorläufige»
aus dem Nachbargediei.
0 Schlüchtern. Landrat von Trott zu Solz gibt bekannt: Da ich durch Maßnahme de» Voll- zugSrate» de» Soldaten- Arbeiter- und Banernrates an der Ausübung meine» Amte» verhindert werde, führen vorläufig meine gesetzlichen Vertreter, KreiS- deput erter Berta in Soden und Kreissekretär Schultheis die AmtSgefckäfte.
0 Hanau Die elektrische Straßenbahn in Hanau wird vom Montag ab ihren Betrieb vollständig einstellen, da der Kohlenmangel immer fühlbarer wird.
xAlSfeld. In Flensungen fand in der Neu- jahrSnacht ein dort einquartierter Soldat durch die vorzeitige Entladung seine» Gewehr» den Tod.
* Friedberg. Unmögliche» fordert der Minister Ulrich de» DolkSstaates Hessen und mit ihm die Bürgermeisterei Friedberg. Im Anschluß an die öffentliche Bekanntmachung der Der'chiebung der Wahlen für die verfassunggebende Volkskammer der Republik Hessen auf 26. Januar 1919 durch dir Presse heißt es: „Ich fordere daher alle in der Zett vom 20. Januar biS einschließlich 26. Januar 1919 geborenen Deut chen männlichen und weiblichen Geschlechte» . . auf, sich sofort zwecks nachträglicher Aufnahme in die Wählerlisten zu melden." — Der Humor ist auch in diesen traurigen Zeiten noch nicht auSgestorb n.
h Frank'urt a. M. Unter dem Namen „Baron von Sicken" trat hier feit längerer Zeit ein junget Mann in nobelster Weise auf.- Er wohnte in ersten Gasthöfen, speiste in den vornehmsten Lokalen, verkehrte in den teuersten Bar» und überschüttete hier die Bardamen mit kostbaren Geschenken, besonder» Pelzmänteln. Da er überall mit Krügsanleihepi- pieren bezahlte, erregte er schließlich Verdacht. Die Polizei nahm den „Baron" fest und ermittelte, daß sie in Wirklichkeit den Kaufmann Köhler aus Leipzig-Gohli» vor sich hatte, der tn Leipzig nach dem Diebstahl von 100 000 Mark Kr regSan- leihepapieren, wahrscheinlich au» einer Militär- kaffe, durchgebrannt war. Die Batdamen mußten ihre „Geschenke" wieder herausgeben. — AuS dem Kassenschrank eine» Geschäft» im Hause Taunu»str. 40 wurden für 50 000 Mark KriegSan leihe gestohlen. Al» Tater verhaftete die Kriminalpolizei den 19jährigen Hausdiener Mechold. Dem Burschen fällt auch noch ein großer Einbruch in Mar- bürg a. L. zur Last. — Der durchgehende Schiffsverkehr auf dem Main ist eingestellt. I folge« dessen liegen zahlreiche Lastschiffe und Schlepper bei Höchst vor Anker. Die Boote kamen vom Rhein und wollten nach Fiankfurt und weiter zu Berg fahren.
st. Aranksurk <t 21t. Sm Sommer 1913 wurde hier der von zahlreichen Staatsanwaltschaften wegen vieler Einbrüche gesuchte Arbeiter Förtsch festgenommen mtd nach Köln geschafft, wo man ihn zu insge-
ÄuzOberheffen u.üenheff.gemlern.
# Niedenstein. Unser S-ädtchen erfreut sich jetzt de» io lang ersehnten elektrischen Lichts.
£ Marburg. Von zwei Flugzeugen, die hier aufstiegen, überschlug sich das eine bei der Landung. Ein hiesiger junger Mann, der al» Passauer mit auf estieaen war, erlitt dabei schwere Verletzungen. — Bet dem Trupp ndnrckmarich gingen eine Menge Pferde ein. -In Goßfelden wurden etwa 100, in N ederwalgern etwa 50 begraben , w i> der Abdecker mit Arbeit überhä"l> mar.
Lokales.
Fulda, 6. Janua
> . irär - Meldeamt. Infolge notwendiger
Einichränkung de» Kohlen- und Lichtverbrauch» _ift beim Bezrrkskommando in Hanau und dem Milttär- Meldeamt in Fulda die durchgehende Arbeitszeit eingeführt. Die Dtenststuuden sind daher bi» auf weitere» an Wochentagen in die Zeit von 8” Uhr vorm. 3“ Uhr nachm. und an Sonn- und Feiet- tagen in die Zeit von 9—12 Uhr vorm. gelegt.
' a Cefen, Hcrdfeuerungen und Zentralheizungen in Stand setzen - Sohlen sparen! Ewer der Hauptan. lasse zur Kohlenverschwendun r ist der schlechte Zustand, indem sich in fast allen Haushaltungen die Cefen, Küchenherde und Zentralheizungen infolge^ der Ad. Nutzungen in vier Strie.-Sjahren befinden, während de- r-n fast keine Reparaturmöglichkeit vorhanden war. Diese Verichwendung muß arnesicht» unserer trostlosen »ohienlage jetzt aufhören; Cefen, Herde und Zentral- Heizungen müssen jetzt so schnell wie möglich reva« riert werden. Personal und Material ist vorhanden, e» sind schon genügend Töpfer, ZentralheizungSrnon- teure und Cfenfe?er au# dem Felde zurückgekehrt; die Beschlagnahme der erforderlichen Werkstoffe ist aufgehoben ; solange noch die milde Witterung de» Vorwin- ter» anhökt, ist jede Reparatur leichter ausführbar. An alle Hausbesitzer und Mieter ergeht die dringende Auf- forberum, sofort alle Heizeinrichtungen ihrer Woh- nuncten gründlich nachsehen und in Stand setzen zu lassen. Die unS am Ende de» Winter» voraussichtlich fehlende Menge unserer HauSbrandkohlen kann nur durch Ersparnis im Betriebe in den nächsten Wochen zum Teil hei eingeholt werden und diese Ersparnis ist nur nm lieft, wenn alle Feuerungen in gutem Znstrnde sind. _______________
Vermischtes.
♦ 23 Millionen Mark Getreide v uinf
fin" ui L ondon; der Gebäude - Schaden oeuäch lO Millionen Mark Die amtlichen Aerrchte b-zeich- nen den Brand als nmionale Ka a'trophe.
* Einbruch in einer Kirche. In der St. Lamber- luS-Piarrkrrche in Düsseldorf ist ein schwerer Ern- brilchSoievstahl auSgeführt. Geraubt wurde ein historische« silberne» Kreuz, da» nur an hohen tfefttaacn auf dem Hochaltar ausgestellt wird und einen hohen Wert hat. Die am Hoümitar aufeestellt wird und einen
Stua o« .yuioaer Äktiensrackerei m a4.oa.
hohen Wert hat. Dre am Hochaltar befindlichen Re. liguien-Schreine waren zerschlagen und ihre» Inhalte», der auS silbernen Herzen usw. bestand, beraubt
Literarisches.
DaS große Lrnchten, Roman aus dem schwäbischen Bauernkrieg von Juliana v. Stockhausen geh Mk. 6.—, gebd. Mk 6.50. Jos Köselsche Buchhandlung, Kempten. Den Namen der Verfasserin wird man vergeblich im „Kürschner" und „Keiler", und wer weiß sonstwo noch suchen. Aber uns dunkt nicht mehr lange, denn man möchte eS nicht glauben, daß es das Erstlingswerk einer Dame ist, das uns hier geboten wird. Voa einer Kraft und Herbheit der Darstellung, von einer Dicherdeit der Stnie und einer Tiefe des rünsi- lerischen Erfassen» aller stofflichen und seelischen Elemente, zeigt dieser Erstling einer geborenen Künstlerin, daß man staunend an die Großen unserer Literatur gemahnt wird. Die zwei Hauptfiguren de» Romane», die stolze, kraftvolle Gräfin Geivasia von Dretdurg und ihr Widerspiel, der treue, ehrliche, aufrechte Lehnshof- bauer Hemperger, sind wirklich in ihrer Art Volleistungen künstlerischer DarstellungSkrast. Der Roman spielt am Bodensee. Zeitlicher und landwirtschaftlicher Hintergrund sind mit feiner Sicherheit getroffen. Mag man auch da und dort kompositori,che oder technis-be Fehler finden, hier haben wir e» mit einem Kunstwerk z« tun.
Der vielstimmige Wähler.
Es heißt da: Jeder Wähler hat eine H Stimme.
Das stimmt nicht.
Jeder wackere Wähler bringt so viel Stimmen in die Urne, als er ergattern kann.
Wenn Du mit der Zunge und den Händen, Mit der Feder und den Beinen gut auf dem Posten bi ft, jo wirfst Du in die Wagschale
1. auf Deinen Namen 1 Stimme,
2. von den Dummen, die Du belehrt hast, weniistens 3 Stimmen,
3. von den Verirrten, die Du bekehrt haft, Wenigstens 2 Stimmen,
4. von den Schlafmühen, die Du geweckt hast, wenigstens 3 Stimmen,
6. von den Uebetiebenen, die Du nachträglich in die Liste gebracht hast, wenigsten» 1 Stimme,
6. von den Vergeßlichen, die Du am Wahltage abholst, wenigstens 2 Stimmen,
in Summa wenigstens 12 Stimmen.
Aho bist Du schon ein Du tzMNdw ähler, knapp gerechnet! Bei etwas Fleiß und Glück kannst Du bei Punkt 2 bi» 6 die Beute verdoppeln ober verdreifachen, ko daß Tu mehrere Dutzend Stimmen in die Urne beförderst.
Es lohnt sich!
Eingesandt.
Für Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt btt- Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung
Der Gewährsmann des Verfasser» des Eingesandt in Nr. 299 ist falsch unterrichtet. Zur Klärung der, Sachlage sei bemerkt: E» ist zu unteischeiden zwischen. Setbstversor ter und Bersorqung»berechtigte.^
1) Selbstversorger erhalten für den ,trischverbrauch je Kopf und Tag em Zehntel Liter Vollmilch und Speisefett je Kopf und Woche 100 Gramm. Da die siettknappheit gegenwärtig so außerordentlich groß ist, ist letztere Men,e auf Vorschlag de» Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrate» auf die an die Versorgungsberechtigten zu verabfolgenden Menge vorläufig bis zum 15; Mai 1919 herabgesetzt worden.
2) Versorgung»berechtigte erhalten keine Vollmilch, Magermilch nur soweit solche vorhanden ist. Ar» Fett erhalten die Vertorgung»berechtioten je Kopf und Woche höchsten» 50 Gramm. ES erhalten dann einerlei, ob Selbstversorger oder Bersorgung»berechtigter Kinder im 1. und 2. Lebensjahre *U Liter Vollmilch, Kindetz im 8. und 4. Lebensjahre Liter Vollmilch, Kinde» tm 6. und 6. Lebensjahre 7« Liter Vollmilch. Schwangere Frauen tn den letzten drei Monaten */» Liter Vollmilch, Stillende grauen für jeden Sämling */* L» Vollmilch, Kranke auf Grund ärztlichen Atteste» höchsten» •/« Liter Vollmilch. Selbstversorgern wird aus diese Mengen der ein Zehntel Liter zum Frijchder» brauch angerechnet.
Die Anregung de» Rrt ki lschreiberk, eine lieber fick» zu veröffentlichen, au» welcher hervorgeht, wie die einzelnen Dörfer liefern, ist m begrüßen. Voraussichtlich wird die» in tgurze geschehen. Bon gut liefernden Doch fern bezw. Gui»vezirken seien einstweilen genannt. AdoliSeck, Böcken», Edelzell. Reute», WeiherShof und Zieher», die jetzt noch über 2 Liter je Kuh abliefern
Fulda, den 81. Dezember 1918.
Die versunkene Krone.
w] Roman von Felix N abor.
_ Dis Zeitungen brachten jetzt fpaüenlange Bericht« »ü zahlreichen Einzelheiten über den geheimnisvollen Mord und das Vorleben der Ermordeten, ergingen fich in Vermutungen und höhnten die Polizei, die noch immer keine Fährte gefunden hatte. Dann meldete Ibie Presse eine Verhaftung, und dicht daneben tauchte plötzlich der Name Sturt v. Seefeld auf und leuchtete wie ein Meteor in das Dasein Gisa v. Malsens hinein.
„Er ist's", jubelte sie. „Er lebt, er hat sich tapfer durchs Leben gekämpft und fft Sieger geblieben!"
Sie teilte ihre Entdeckung ihrem Onkel mit, der sie aber mit wenig Freude aufnahm. Er war im ©epenteil auf» höchste erzürnt und rief: „Der Dummkopf! Warum ist er nicht nach Amerika gegangen und hat eine Millionärin, geheiratet? — Was ist er jetzt?
Bestenfalls Schreiber bei einem Advokaten — oder Geheimpolizist. Solch ein Esel!"
Gisa ließ den Onkel schelten. In ihrer Herzensfreude ging sie in ihr Zimmer und schrieb ein paar «eilen an Kurt:
„Bist Du er wirklich — oder bist Du es nicht? Dir Klaubten, Du wärest in Amerika — und nun tauchst Du plötzlich in Berlin auf! Aber wo Du auch weilen magst: ich grüße Dich. Meine Freude, daß Du weder verschollen noch tot bist, ist grenzenlos. Ach. gib mir nur mit ein paar Zeilen Nachricht, ob Du wirklich der rechte „Seefeld" bist. Mit tausend Grüßen
Gisa v. Massen."
Nun wartete sie auf Antwort — aber es kam keine. D» sie die genaue Adresse Kurts nicht gewußt hatte, Smg der Dries ohne Zweifel verloren.
. Es war aber doch der „richtige" Seefeld. Davon überzeugte sich Heinz v. Malsen, als er in Bersin ein« *tof- Bei dem Gerichte erfuhr er Kurts genaue Adresse mid suchte diesen in seiner Wohnung auf. Die Lettern ^grüßten sich herzlich. Nachdem sie den an Tante Auguste nerübten M->»b in feinen
chen hatten, erkundigte sich Kurt nach den Verhältnis- sen in der Heimat, und als er davon unterrichtet war, fragte Heinz: „Aber nun sag mir, wie geht es denn Dir? Die kommst Du nach Berlin? Wir glaubten, Du wärest in Amerika."
Kurt v. Seefeld fuhr sich mit der Hand über die Stirn, unbjein ernstes, männliches Gesicht wurde noch um einen Schatten düsterer, als er erwiderte: „Mein Later wollte, daß ich drüben in Amerika Jagd mache auf eine Millionärstochter und Adel und Wappen al» Köder cmrwerfe; mir aber war das in der Seele zuwider. Nachdem mir Lucie — Deine Frau! — den rechten Weg gezeigt hatte, wollte ich ihn auch gehen und so die Schuld tilgen, die ich auf mich geladen habe. Du weißt doch —"
„Schweig davon! Das ist vergessen und begraben. Die Leidenschaft hat Dich verführt."
„Ja, das ist wahr. Und denke Dir, sie ist hier — in Bersin."
„Wer? Ada Margella?" z
„Ja — eben diese! Jahrelang war sie in Amerika und Australien, jetzt tritt sie im Wintergarten auf, und halb Berlin liegt ihr zu Füßen. Sie feiert unerhörte Triumphe; allerdings erzählt man sich auch die unglaublichsten Dinge von ihrem Luxus und ihrer Verschwendungssucht. Sie trägt nur Seide, trinkt nur Champagner und leistet sich Abendgesellschaft zu tau» send Mark."
verrücktes Weibsbild!— Und Du?"
„Ich? — O, ich habe mH jener Welt, in der sie lebt, nichts zu schaffen. In jener Welt des Genusses und de, Glanzes, in der der ewige Reigen um das goldene Kalb getanzt wirb, habe ich nichts zu suchen. Ich gehöre dem ehrlichen Leben, der Arbeit — der Pflicht. Ada Margella ist ein bloßer Name für mich — Schall und Rauch."
„Bravo! Aber nun erzähle mir endlich, wie Du nach Berlin kamst?"
„O, da» ist ganz einfach. Al» ich die Heimat ver- sieß, gab mit mein Later etwas über zweitausend Mark mit auf den Lebensweg. Da« war mein ganzes Erbe, darauf sollte ich meine Zukunft aufbauen. Statt kw» •* «in«r gewagten Soekulation