gor < <ä»
E Ai jA AA M M ^äAÄ4 ^*AA
lllflnPr KOTTimil
nrr 1 ! Verantwortlich rut den redaktionellen Teil: Karl Schütte.
II«- I für Mr flnietnen: ,11|# a r »e M v r. ulda.— Rotationsdruck.
| Samstag 4» Zanuar 1919. | 05 PW. —1 Aernpr ytt.u «eievr-Adresse: -tulbacr Zen uni. 46. Zahrg.
Rückkehr der Krieg-gefangenen?
Ltuttgart, 3. Zan. Wie das württembergische Ä‘ieg#mmiitenum mitteilt, ist ju erwarten, baß die w der Gewalt der (Entente befindlichen deut chen Krieifgefait enen nun doch in abiebborer Zeit f' c < fl e q eben werden. E« handelt sich um etwa 80(1,000 Mann, von denen die eine Hälfte auf dem Xiiudivege, die andere auf dem Wasserweie in die vemtai gelangen (oll. tf« wird damit gerechnet, dai; die Heimbe öideiung >chon im lammenden Mauat beginnt. Die Schneligteü de« »erlaufe» *:r Heimle ir taub sehr we entlich von den bot- «Ml ei:«u Tran »Port Möglichkeiten abhängen.
Auch da§ ist eine schlimme Begleiterscheinung der gegenwärtig bei un« herrichenden Zustände, daß wir uns vor lauter „neuem Sein" im Innern nicht mit dem Ullernolwendigsten in der äußeren Politik be» schäftiqen können. Wir sind in aller Form daran, den Gaul am Schwanz aufzuzäumen. Man läßt bei un« vielfach außer acht, daß zwar eine gründliche Neuordnung aller Verhältnisse, eine förmliche Umwälzung auf vielen Gebieten al« AiiSwirkunq der Erfahrungen der K iegszeit notwendig war und un» bedingt ko innen mußte, daß aber eine russische Revolution mit russiichen Rtvolutionsformen im dert- tchen Volk weder notwendig war, noch irgendwie volkstümlich werden konnte und kann. Dies« ius- sische Form der Revoluiion ift dem deutschen Bolt vi-n fremden, nicht deutschen Elementen aufgediänzk und verhindert ein weilen, sich mit dem zu beschäftigen, roa» da« Vllernotwendigne wäre» mit dem Frieden und der gufünfiiaen Stellung de« 8tetd)e« umer den Bö kern. Wie ein schwerer Alp liegt da« auf dem deutschen Volk, war un» unter russi cher Beihilfe die radikalen Revolutionäre aufgedrängi haben. Selbst die Amerikaner werden un,ed«ldig darüber, daß das deut che Volk infolge dieser Zustande nicht einmal die helfende Hand ergreifen kann, die Amerika ihm ent egenzustrrcken geneigt wäre bezüglich der Kolonialfrage. Umso entschiedener müssen wir auf die Nationalversammlnng hin- aibeiten, damit da« deutsche Volk, dem durch die verfehlte, undeut'che Form der an sich notwendigen Neuordnung die Hände gebunden sind, wieder Ellen- bozenfreiheit bekommt und sich mit dem beschäfiigen kann, was da« Dringendste ift, mit der Schaffung de« Frieden« und einer Neuordnung der Verhält- niffe de« deutschen Reiche« nach außen, die un« eine Entwickelungimögltchkeit für die Zukunft gewährleistet. _______
Eichhorn will nicht Weichen.
Berlin, 2. Jan. Einen Berichterstatter be« „Lokalanzeiger»" hat der Polizeipräsident Eichhorn, der F eund und Gönner der SpartakuSleute, davon in Kenntnis gesetzt, daß er feinerfeit« seinen Rücktritt nicht bewirken wiid. Allerdings feien feine engen F'aktionSgenoffen an» der Reiterung auSgeschleden, aber er fei ja nicht Regierung«- ’onbern Berwal- >unq»beamter und a ich nicht Politiker. Er weide auch dann nicht zuiückireten, wenn die unabhängigen Lozialdemoktaten, die noch in der preußischen Regierung fitzen, ebenfal« zu ücktre en wütben:
Dazu bemerkt der .vorwärt»-: .Tränen derRüh. rum fteigen dem Leier bei soviel Biedersinn und Tr u- lern keit auf. Wer wird in diesem .unpolitischen' Politeipräsidenten denMann vermuten, der am 24 De, zcmber die Arbeiter der spartakistiich or anisierten Betriebe, wie Schwartzkrpff ic telep wnitch auffordern ließ, sofort die Arbeit e,nzu tellen und sich bei n Polizeipräsi. 6mm Waffen zu holen, der dort die Waffen und Muni, tion an Zivilisten autteilte. die fit) durch Mitglieder» Au we fe be« Spgrtakus-Bunde» al» .zuverlässig' le is, liniierten? Dergleichen Dinge gehören anscheinend auch zur unpolitischen Aufführung eine» gänzlich unpoliti» schen Beamten.'
Berlin, 8. Kan. Im Ministerium be« Innern ist heute mit dem Polizeipräsidenten Eichhorn verhan- delt worben daß |et trotz wiederholter schriftlicher Stuf» sorderung noch niemals einen Bericht über die Vorgänge in Berlin, auch nicht über die Sicherheit»-
'Wilfrn.
• Ehiasso, 8. Jan. Liesani meldet au« Rom: ” ljon mit Gemahlin und Tochter find um 2 30 Uhr niit einem Sondetzug, in dem sich auch Fürst Fkrandino von Un tne befand, an der ii-rlienischeu Grenze auf der Reise nach Rom eingelroffen.
Die versorgunz Deuts hland» wirb geprüft.
Die deutsche Waffennillstandktommission gibt bekannt: Die Frage der versorgunz Deutschland« mit Leden-mitteln wird gegenwärtig durch eine Kommission der Alliier en aepritft, welche ihren T tz in London hat. Da» Oberkommando brr Alliierten hat der deutschen Waffenstillstandskommission mitgeteilt, die SBef tlüffe der Leben-mittelkonferenz würden der deutschen Waffen- stillstandtkommission übermittelt, fall» diese für die LedenSmittelversor.un i für zuständi z erklärt werde.
Daraufhin hat Staatssekretär Erzbetttt in Spaa die Er lärun z ab eben lassen, daß d e deutsche Waffen» stillstandSkommission auch für die Inangriffnahme der LebenSmittelversorgun, zuständig ist Die witeren Mitteilungen übet die Lebensmittelversorgung Deutschland» werden also nunmehr an die Waffenstillstand»- kommission erfolgen.
Amerika» Dirtschaft?pläne.
Serfin, 30. Dez. In Berlin ift eine amerikanische Kommission elugetroffen. Er fanden bereit« eine Anza ü Ziisamm nkünste mit führenden Persönlichkeiten her Wissenschaft statt, in denen seilen« der Amerikaner die Bereitwilligkeit ausgesprochen wurde, die deutsche Industrie durch amerikanischen Kredit zu unterstützen Der Wunsch der Amerikaner scheint dahin zu gehen, den Zusammenschluß der deutschen Wirtschaft in kreditfähigen Kartellen zu befürworten.
Die Entente und die brutschen Kolonien.
Die Newyotk World brachte kürzlich eine Meldung au» Pari», nach der in London zwischen En üanb, Italien und Frankreich ein Abkommen geschloffen worden fei, in welchem die drei genannten Staaten sich u. a. übet eine Aufteilung der deutschen Kolonien geeinigt hätten' ES ist allerdings mit Sicherheit anzunehmen, daß England, Frankreich und Italien versuchen werden, auf der Friedenskonferenz ihren Einfluß im Sinne be» Sonboner .Abkommen»» ßeitenb zu machen. In führenden amerikanischen Steilen scheint jedoch da» Bestreben bet Verbündeten, sich übet die endgültigen Bedingun en ohne Mitwirkung bet Vereinigten Staaten zu einigen, große« Mißfallen erregt zu haben, zumal diese Einigung auf einer Grundlage erfolgt, die mit den 14 Wilsonschen Punk, teil nicht zu vereinbaren ist. Wa» in besondere die Äolonialfrage anbelangt, so hält Wilson an seinem Standpunkt fest, dah sie durch eine Aufteilung be» beutichen Kolonialbesitzes unter die Entente nicht gelost werden könne. Dem .Bad. Beobachter" teilt ein hol- ländischer Gewährsmann mit, bah man es in amerikanischen Rreiien nicht verstehe, wie ba» amerikanische Volk sich zur Zeit anscheinend nur mit innerpolitischen Fragen beschäftige, so wichtig die Amrechtt'da tung von Ruhe und Ordnun t und die baldige Bildung einer aktionSsähigen Regierung an und für sich auch sei Trete hierin nicht bald eine Aenderung ein, so werde e» Wilson kaum möglich fein, bei bet Regelung der Äolonialfrage seine Grundsätze, die ja auch Deutschland zugute kämen, zur Geltung zu drin ien. Der Gewähr», mann selbst ist der Ansicht, bah da» derzeitige passive Verhalten bet deutschen Re zier uni zum Schaden Deutschland» nut den Eindruck erwecken könne, al» ob man deutscher eit# auf den künftigen Besitz von Kilo- men überhaupt feinen Mert mehr lege.
6« hak lange gedauert, bi» die preußischen Minister an» der Partei dr Unabhängigen sich ent- fchlossen haben, e» ihren Kollegen im RcichSmini- ter'um nachzumachen und zu verschwinden. Da« me ne Jnieresse erregt, daß Adolf Hoffmann, der Elefant im KultuSministrrium, zu, uck getreten ist, fein Beichwichtigung-tollege von der Mehrheit« ozial- demokratie Haeni ch hat nun vorläufig allein da« Regiment. Da« christliche Volk wirb sich durch einen Rückritt Hoffmann» nicht stören lasten in feiner Wahlarbeit; denn die einzelne Persönlichkeit gbt nicht den Ausschlag. Tie verhängnisvolle Kirchen- und Schnlpolitik wird auch nach dem Ausscheiden der Unabhängigen weiter geführt weiden, weil sie dem alten sozialdemokratischen Programm ent pilcht. Wenn man gegen da» Christen- tum mit eiwa« feineren Mitteln voraeht, jg wird iie Christenverfolgung dadurch nicht weniger gefähr- ltch. Im Gegenteil.
•
Auch in Preußen dürfte sich oller Wahrschein- lichkert nach da» Kabinett au» den Reihen der Mehrheits ozialisten ergänzen. Damit dürfte auch hier da« Gegeneinanderregieren, wie e« bei» lpielswe sr in den mehrfachen Konflikten Häniich» mit Hoffmann ziim Ausdruck kam, ein Ende haben. Für die Preußische Regierung toiro die der Reich«» tegierung gegenüber erhobene Forderung in gleicher Weilt tu stellen sein, daß auch sie sich, ent prechend ifirem Charakier al« voiläufiie Regierung bi« zum Z" am nenrritt der preußischen Ngtionawet ammlung jeae« einschneidenden «in triff« in nie Geitaltung bet Preußischen Angelegenheiten enthält.
Dl» Relch-regierunff und die süddeutschen Forderungen.
r-^wtb, ?ezli"' 3‘ Jo»- «uf die Kundgebung der fiiddeut chen Staaten an dir Reich«regierung richtete der Vorsitzende der Reichsregierung, Eben, an den Ministerpräsidenten Blo» in Stuttgart folgendes Telegramm:
.vor enbniltiger Erklärung zu ben Beschlüssen bet Stuttgarter Konferenz bet sübbeutschen Regierungen bom 27. und 28. Dezember sind verhanblungen mit mehreren ReichSämtetn errorberlid), die sofort einge- leitet worden finb. Eine enbgiitige Antwort erfolgt baldigst. Wir werden alle» tun, um bie Mitwirkung deutschen ffr eistaate n an den Reichsqeichäften sicher,ustellen unb bi» zur enbgilti len Regelung bürt, Ui'ten'10nalee^aminlUn8 nac^ Möglichkeit zu gewähr.
Die neuen BerfassungsplSne.
Der Eiaa>« ekretär de, Innern Dr. Preuß hat Mtt hervorruiendm Staat-rechtslehrern bte Frage bet beitticben Verfassung theoreti ch erörtert. Heber Vie Gestchtzpunkte, bie dabei im Vordergrund standen. Machen die, Lusseldorfer Nachrtchten' nähere Angaben' 4„ •’n Spitze der Relch»regieiun, tritt ein gewähl.
-V a f.1 de n t, dessen amtliche Befugnisse nach der »erfassung»re htlichen Seite hin ungefähr in der Mitte »egen sollen zwischen dem Präsidenten ber Vereinigten Staaten einerfeit» unb bem König bon England an. r.,nCöÜ?- öustehen. Dieser Präsident wird sich bann letn Kabinett nach stren i parlamentarischen Grund» satzen selbst zusammenstellen, in bewußter Abweichung „J® don amerikanischen Verhältnissen. Daneben wird «ach dein Muster be» deutschen Bunde»rate» ein „,,.a tcnha uS au» Bevollmächtigten bet verschiedenen Bunde»republiken gebildet werden, ba» ungefähr bem amentanif t.en Senate entsprechen bürste unb ba», ent» «egen ben Befugnissen be» Bunde»rate», weniger ein wiVerwaltung, al» bet Gesetzgebung bilden S „ • xie ,!),r,4<reaterung wird scharf einheu»staallich
iebenfaM in weit höherem Maße, al» unter bem iten Regime. Dabei soll bie Zentralisation nicht so» wen getrieben weiden, boß etwa bie Selbjtänbigteit bet ttnze,.,rn BunbeStepubliken auf ehoben wirb, «eivisse kulturelle, wirtschaftliche unb soziale Gebiete eröen bereu Betioaltung überlassen, anbere bagegen, 5*‘e «'senbahnen, Hee.e»wesen, Zollwesen, Postwesen, ^tcueriveien usw., sollen bet Reichrverwaltun > zustehen, »sieöiel Bunde-republiken gebildet werden sollen, steht
Aian glaubt aber, bag man ungefähr oui di» 15 deutsche Bunbe»republiken zählen kann.
Negierttngswechsel in Preutzen.
Ausscheiden der Unabhllngigen.
wtb Berlin, 3. $an. In einem Schreiben an »en Berliner Zentralrat oaden bie unabhängi» gen foralifti chen Mitglieder der preußischen Regie« runa, Ströbel, Adolf Hoffm ann, Dr. Rosenfeld, Tr. Graf Arco, Dr. Breirschetd, P a »l H o f f m a n n, Hofer und Simon, bekannt, daß sie aus ihren Klein ent zurücktreien. Sir begründen ihren Ew'chiutz damit:
In ihrer Aussprache mit dem Zentralrat bade sich ergeben, daß eine erfolgreiche Vertretung ihrer Ideen in d> r Regierung infolge der mehthe>i«fozia- li nicken Zusammen etzuni des Zentralra eS unmöi» lich oewo den und ihnen durch das Ausscheiden der Unabhängigen an« dem Rate bet BollSbeaustragten der notwendige Rückhalt bei der Reichsregierung geraubt worden sei. Der unmittelbare Grund zu ihrem Rücktritt sei die Tätig te, daß von ihnen verlangt idoiö n fei, ohne weitere Prüfung der E'nen- »nng de» Obersteir Reinhardt zum preußischen Kiiegsminister zuzustimmem
und Ordnungspolizei» erstattet hat, worauf Eichhorn erwiderte, e» fehle ihm an Geschäftserfahrung und an Zeit. Er hat auch ü"er bie Verhaftung beS Leiter» bet Sichetdeit-polizei, Prinz, über die Erschießung eine» SicherheitSveamten bureb einen Matrosen, übet bie Vor. nänae bei dem Matrosenputsch ne en bie Reichskanzlei, übet ben Uebertritt eine» Teiles bet SichetveitSmann- schäften zu ben Matrosen am 24. Dezember keinerlei Bericht erstattet, auch nicht übet bie Verhaftung und Abführung von Offizieren unter rohen Mißhandlungen Aub über bie finanzielle Verwaltung hat Eichhorn noch niema t berichtet und eine M i Ilion Mark ohne Kontrolle verausgabt; er hat auch am 5 Dezember beim Vollzu >»av»schutz beS A.» u. S.°RateS um Er- mächtiguni zur Auszahlung bei ebiger Summen im In» teresse beS SicherhettSdiensteS nach-esuht. ES ist ihm weiter vor iehalten worben, da# et am 24 und 30. Dezember Waffen an Arbeiter auf leibt zu beschaffende Au?weise hin au8 gegeben hat. Eichhorn leuinete, dah et dazu einen Auftrag gegeben habe, und al# ihm -teuren gegenüber,leiteDt wurden, wollte et von ben Vorgängen nicht» gewußt Haven.
Die Bezüge Leichenmüller».
Die „Tägliche Rundschau* v°röffentlichte kürzlich die Nachricht, pj, Arbeitenäte hätten nicht 800 Millionen audgegeben, sondern 1800 Millionen. Der „Vorwärts" gibt bte e und auch die Nachticht wieder, nach der der Voi sitzende des nunmehr «»«geschalteten Vollzugsrat« R. Müller (be« sog. Leichen- müder, weil nach feiner Erklärung bet Weg zur Nationalversammlung über feine Leiche geben solle) für sich, seine Fmu und seine Kinder mehrere zehntausend Mark vorsckußweise sich habe ausbezahlen lasten. Diese Gerüchte sind von R. Müllet im Kongreß zwar in Abrede gestellt worden, dock empfiehlt der „Vorwärts" dem Vo> sitzenden dr« Voll- zugSrate«, gegen die Verbreitung solcher Nachrichten gerichtlich bomtgeben — eine Empfehlung, die man nur unterstreichen kann, wenn die ganze Angelegenheit dadurch aufgeklärt wird.
Abwehr der Polen.
Berlin, 8. Jan. Gestern vormittag trat da« prenßi che €taat4mintfteriiim zu Beratungen ü er die Vorgänge in der Provinz Po en zusammen. Am Nachmittag schloß sich daran eine gemeinsame Sitzung im ReichSkablnetk. Man war sich aber klar darüber, daß nut noch ein entschlossene« mili. tärifebe« (EingreifendenpolnischeuEroberungS- gelüsten Halt gebieten könne.
Fortdauer be« Kampfe«.
wtt Posen, 3. Jan. Heute Nacht kam es wie- der zu Schießereien am Bahnhof, über deren Ursache und Umfang Genaue« noch nicht borfieit Nach Mitteilungen be« hiesigen Solbatenrate« fanden gestern in Steelno heftige Strafenkörnpse zwischen Polen und Heimat'chutztruppen statt. Auch in Gn < sen sollen Kämpfe mit ben Heimatschutz- truppen begonnen haben; bet Zu'verkehr nach ©tiefen ist seit gestern eingestellt. Verschiedene kleine Städte tote Krotoschin und Kost en sind in polnischem Besitz,
Berlin, 3. Jan. Privatmekdungen verschiedener Blätter au» der Provinz Posen, bie sich im einzelnen auf ihre Richtiikeit nicht nachprüfen lasten, stimmen barin überein, baß die Polen an verschiedenen Orten ihten Vormarsch trotz de« Versprechens, daß nun Ruhe fein solle, fo, Hetzen und neue Ort ckaften rote Slate! und Ostrotoo besetzt haben An« Meseritz wird gemeldet, daß bte brutschen Bolkträte dieses Krei'eS und einiger Nachbat kreise Westposen» an die deutschen Colöaten einen Aufruf erlassen haben zur Gründung einer Bol ks- toebr im An ckluß an das Landweht-In^anteiie- Regimenr Nr. 37 zum Schutze ber He mat. Die Deutschen Weltposen» wollen sich vo» jeder Regierung in der Stadt Pv'en lo-fanen und venk n an einen Anschluß an Brandenburg unb Schlesien.
Polnisch« Vertragstreue.
wtb Hohrnsalza, 2. Ian. Der Bromber-er Vollzug», tat hat mitgcteilt: Die Vertretet der Städte Posen, Brombetr, Hohensalza und Wnefen haben sich dahin »erständi t, daß alle gseindseliakeiten fofmt ein« ju ft eilen sind Weitere Beteinbatungen sind abzu. warten. Verstärkungen für den Grenzschutz bezw für den Heimatschutz werden, folan -e dieser Waffenstillstand bauert, nicht heran lefuhrt. Der gesamte Personen«, Güter- und Militärverkehr erfol t tote oewöhnlich. Eine Durchsuchung der Güter sowie jeder Eingriff in die Betriebe hat unbedingt zu unterbleiben.
Nach einer späteren Mitteilung de» VollzuiSrate» sind die in Hohensalza nett offenen Vereinbarungen von ben Polen nicht gehalten worden. Sofort nach S-bluß der Verhandlungen, al» bie Vertreter die Züge bestiegen hatten, sind Unruhen in Hohen« salza ou»gebrochen. Post, Magistrat und Polizei wurden durch Polen beietzt, sind ober von den Deutschen wieder frei oemavt worden. In Steeln» wird gekämpft Kraschwitz ist durch bie Polen erobert unb besetzt.
Die Hinte,höltiakeit, mit bei die Polen in Hohensalza vor enanien sind, muß auch dem schärfsten Ger» nee ernt» militäeischen Einscheeiten» ne en Polen all. mählich klar werben lassen, dah auf dem Wea der Verhandlungen den Pv'en gegenüber nicht» zu erreichen ist. von der Regieruni muh pefo bert werden, dah sie die geplante Entsendung von Truppen nach dem Osten raschesten« durchführt und die auf. tellung de» Areiwilligenheere» beschleunigt.
Riga in bolschewistischer Gewalt.
Berlin, 3. Jan. lieber bie Besetzung Riga« ist n W en solgender Funkspruch eingeboren: Die Haupistabt L vland», das große Riga, definvet sich m den Händen be« lettischen Soivjei», der Aboid. nungen der Arbeiter. Der Bürgerlichen bernächti te sich eine Panik. Deutsche Truppen unienvaifen fick Sem lettischen Sowjet.
Ke n Ultimatum der Engländer.
von einem Ultimatum, ba» bie im Baltikum pelan. beten En gländer an ba» deutsche Overlom nando uns ba,nit an die deutsche Regierung gerichtet haben sollen: nickt nur bie Bolschewisten auf ber bisherigen Linie aufzuhalten, sondern auch Waik und Wenden wieder zu nehmen, andernfall» würde die Entente m Deutschland einrücken, — ist weder an Berliner zuständiger Stelle, noch bei Oberost etwa» bekannt.
Regierung und Lohnbewegung.
wtb Berlin, 3. Jan. Da bie Löhne ber Ar« beiter in neuester Zeit auf Drängen der Arbeiter
an vielen Orten eine Höhe erreicht haben, bereit weitere Steigerung nicht mehr mit ber herrschenden Teuerung geredjtferliat werden kann unb unter denen das ge amte Wirtschaftsleben zürn Erliegen kommen muß, ,o bat sich die preußische Regierung veranlaßt gesehen, eine Verordnung zu erlösten, in der e» u. a. heißt, daß die Lohnbewegung eine Entwicklung genommen hat, die weite Gebiete der Gütererzeugung zum Erliegen bi in en muß. Weder be: Bergdaw und Eisenbahnen, noch die übrigen Staatsbetriebe köarten längere Zeit befragen, daß ihre AuSgaaen die Einnahmen überschreiten. Diese Gefahr ot aber- in bedrohlichem Maße eingetreten. Es wird deshalb zur gebieteri chen Pflicht der Staatsregiernng, bem Anwachsen der LohnauSgaben über da« Maß des Ertiäglichen hinaus mit Festigkeit entgegenzutreten.
Ta» verbotene Lieb.
Bremen, 2. Jan. Wie ber Soldatenrat mitteilt, stimmten beim Einzug des Jnf.-Regt. Nr. 75 gestern entgegen den getroffenen Abmachungen ein Teil bet; Truppen sowie daS bürgerliche Publikum das Sieb „Deutschland, Deutschland über alles" an.; E« fanden darauf, um einer gewaltsamen Eniwaff-! nung be« Regiment« vorzubeugen, zwischen Dem, ©olbatentat Bremen und bem Soldatenrat de« Res gimem« Verhandlungen statt, die zur Niederlegung, der Waffen fühlten. . , .. V
DaS französische RevolutionSlied, die Marsatlletse^ darf man in Biremen singen, aber wenn Eolbatew anstimmen: „Deutschland, Deutschland über alles ,. dann ist das ein Staaisverbrechen! Kanu es chrrk- ich noch toller kommen?
Der Prstverkehr mit bem besetzten Gebiet.
Berlin, 2. Jan. Auf Anoidnung de« Befehlshaber« ber fremden Be atzungStruppen sind von jetzt ab zur Postbesörderung nach den vom Verbands besetzten deutschen G bieien (einschließlich der Brücken- köpfe von Köln, Koblenz und Mainz) au« den übrigen Teilen Deutschland« nur noch zugelastenk
Briefe an Krieg »gefangeneundMittellungen in wichtigen geschäftlichen und in dringenden, persönlichen An Gelegenheiten. Die Mittcilungei» dürfen nur in hochdeutscher, englischer, sianzösischer, itanenischer oder spanischer Sprache abgefafet sein. Die Briese müssen offen fein und äußerlich die Angabe oe» Namen#, der näheren Bezeichnung und der Wohnung de#AbsenderS tragen. Zeitungen, Drucksachen^ Pakete, Einschreibe- und Wertsendungen sind nicht zuaelassen, ausgenommen verschlossen auf- gelieferte Wertdiiese nach Orten im Ober-PostdirektionS- bezirk Trier und nack den an der streife >koöienz-Trier gelegenen Orten im Oher-Postdirekiionsbezirk Mobleng. Alle in den besetzten Gebieten ankommenden Briefe werden der Zensur vorgelegt.
• Der Sein» lernt Deutschland kennen. Manche Tatsachen werden au» dem linksrheinischen Gebiet gemeldet, die bitter für die deutsche Seele klingen, abee wir hören auch, wie die Tausende von fremden «oldaten neugierig in das deutsche Bürgerleben Hineins bauen, da» ihnen während öeS Kriege» in so gieilen Warben durch die feindlichen Zeitungen geschildert worden ist. Die Deutschen — „Die BocheS', die .Hunnen", waren! eine Nation von Barbaren-Rang, dessen Ausrottung ein Verdienst war. Und jetzt sehen die friedlichen Sol^ baten saubere und ordentliche Städte, viel sauber al» in Frank, eich, tüchtiges Arbeiten der Bevölkerung, Redlichkeit und Gewissenhaftigkeit. Das ist etwas ganz andere», als den feindlichen Soldaten gesagt ist. Sq lernt der Feind erst jetzt die Deutschen recht kennen. Vielleicht haben wir doch später Nutzen davon, wenn da» ge-, en unS so lange künstlich groß n zo ',ene Vorurteil endlich verschwunden und einer gerechten iöeurtetlun i Platz gemaßt haben wird. Dann wird man im Auslan» fragen: „Warum ist der Krieg geführt?' $a, warum?
• .Freistaat Oberlansitz'I Der „DrcSd Anzeiger meldet au» an ebliu zuverlässi er Quelle, daß di« Wenden einen ei reuen Odvrlausitzer Frerstuat gründen wollen. Sie verhandeln darüber mit dem Ve,band^ An Den deutschen Nationalwahlen wollen die Wenden sich nickt beteiligen. — Ein eigener Overlausitzer Freistaat Hingt rote ein Witz, denn e» handelt sich nut um höchsten» 70000 Wenden. •
♦ Im Offiziersgesaiwcnenlager Reitze versuckten bie Offiziere einen bewvffneien Aufstand, zu dessen Niederzwingung Militär anfgrbo en werd n mußte. Auf beiden Seiten gab e« To:e und Verwundete.
• England wirbt österreichische Offiziere an. Ditz österreichische Preste gibt Mitteilungen wieder, daß England deutsch'österreichische Offiziere für sein« Kolonien anwerbe. Bei der jozialtstiscken Herr chafl in Wien ist die Gefahr groß, daß die jüngeren Df« fiziere der Verlockung erliegen uni so wiederum deutsches Blut KuUurdünger für bas englische Well» reich wird. _ _
• Präsibent Wilson in ber City zu London. Der, norbornerikanische Piäsieent ist an'ählich seine« Be- suche» auch in der „Et h" von London von Loid« major iu dessen Residenz Mansion-Houie begrüßt worden. Dabei ist der „große Sieg nber Deutschland" gebührend gefeiert worden. Es ist gut, daran zu reuten, daß erst vor 16 Jahren in eben diesen Riurnen der damalige de u t scke Ka iser mit einer besonder- schwungvollen Adresse bewillkommnet worden ist, in der er Englands bester Freund genannt wni de. Wer weiß, wie man in anderhalb Jahr-! z hn'en in London von den Peretmaten Staaten von Nord-Amerika uns ihren künftigen Präsioenten spre-' chen wird. _
* Wie Spartakn« arbeitet unb zahlt. Die Spar» takusziuppe scheint übet gio're Geldmittel zu ber» fügen. Wie von zuver äiucier Sei'e mttgeteitt wird,' zahlt SpartakiiS an jed,» neue Dlit^licb 50 Mark Handgels und zum Teil 20 'Mart Tagegeld. Die Anweibet erb-ilten für jeden von ihnen gewonnenen neuen Mi arbetter 50 Mt. Belohnung und an-jec» dem em Tag geid von 25 Mart.
* Epaitakuehctz« reren die Hausbesitzer. Der unb S.-Rai der nördlichen Bototie von Berlin faßte folgenden Beschluß:
.Die Mieter der nördlichen Vororte werden aufge- rufen, ollen Wider st and regen die MietS- fteigeru ngen zu bieten Zur Verhinderung der groanaftoeifen Entfernung sind Miets-Verteidigung»» trupp» zu organisieren.'
Tie Hausbefitzer in den nördlichen Berliner Vor-, orten untei stehen bei der Vornahme der Miet»-, steigerungen genau fo den sgesetzlichen Vocschrtsiem