Einzelbild herunterladen
 

Leitsätze für die Politik

der deutschen Zentrumspartei.

1. Versüssung.

1. Schleunige Schaffung einer neuen Verfassung für Reich und Bundesstaaten aus demokratischer, alle politischen Bevorzugungen anschließenden Grundlage. Schutz der deutschen Nationalversammlung, die nicht in Berlin tagen kann, und Schutz der Durchführung ihrer Beschlüsse durch Truppen Freiwilliger.

2. Wahrung der Reichseinheit, Stärkung des Reichs- xedankrns, Erhaltung des bw.öesstaallichen Charak- lers des Reichs zum Schutz der Eigenart der deutschen Stämme. Dem Reich ist die ausschließlich« Regelung der webrpolitischen und außenpolitischen Fragen, den Bundesstaaten dre ausschließtiche Regelung der kirchen- und schulpolitischen Fragen Vorbehalten. Reichsernyeit und Zusammenschluß mit allen anschlußbereiten deut­schen Stämmen.

3. Gleiches Wahlrecht mit Verhältniswahl. Frauen- wahlrcchr und Wahlpflicht in Reich. Bundesstaaten und Gemeinden.

4. Dolksrcgierungen. die des Vertrauens der Volks­vertretung für ihre Amtsführung bedürfen, mit starker Vollzugsgewalt in Reich und Bundesstaaten.

5. Ausbau der Selbstverwaltung und Schulung des Volkes für die gleichberechtigte Teilnahme aller Volksschichten an den öffentlichen 81 entfern in Staat und Gemeinden ohne Kastengeist und Klassendeoor- zugung.

6. Erhaltung eines selbständigen Derufsbeamten- turne, das durch eine den Bedürfnissen der Familie Rechnung tragende, gerechte Besoldungspolitik in sei­ner Lebensstellung gesichert und durch selbstgewählte Ausschüsse und Kammern an der würdigen Ordnung seiner Dienstverhältnisse beteiligt ist.

7. Grundrechte, welche allen Staatsbürgern ohne Unterschied des politischen und religiösen Bekenntnisses auf dem Boden des gemeinen Rechts und im Geist hochsinnig erfaßter Freiheit den ungehinderten Aus­druck ihrer Ueberzeugung in Wort und Schrift, sowie deren unbeschränkte Betätigung in Versammlungen, winen und Genossenschaften aller Art gewährleisten.

2. Außenpolitik.

8. Sofortige Herbeiführung eines Präliminarfrie­dens und baldigster Abschluß des Weltfriedens der Verständigung und Versöhnung der Völker.

v. Feststellung und Durchführung eines den christ­lichen Elundsätzen entsprechenden Völkerrechts; für die Regelung der Beziehungen der Staaten zu einander soll das ewige Recht, nicht die Gewalt maßgebend lein. Vollkommene, durch völkerrechtliche Bürgschaften ge­sicherte Unabhängigkeit des Heiligen Stuhles.

10. Schaffung eines Völkerbundes glein,berechtigter großer und kleiner Staaten unter Ausbau der obli­gatorischen Schiedsgerichtsbarkeit, Ausführung weit­gehender gleichzeitiger Abrüstung und Abschaffung der Gebeimverträge.

11. Schutz der nationalen und religiösen Minder­heiten tn ollen Staaten.

12. Wirtschaftliche Entwicklungsfreiheit und Gleich­berechtigung im Weltverkehr für olle Völker. Freiheit der Meere, insbesondere durch Abschaffung des Se«- beuterechts und Gewährleistung ungehinderten Verkehrs der neutralen Handelsschiffe zwischen neutralen Staaten.

13. Internationale Regelung des Arbeiterrechts, des Arbeiterschutzes und der Arbeiterversicherung. Gleiche Maßnahmen für die Angestellten.

14. Erziehung des Volkes zu besserem Verständnis der außenpolitischen Folgen. Völlige (Erneuerung des auswärtigen Dienstes in persönlicher und sachlicher Hinsicht.

15. Herstellung eines den deutschen Bedürfnissen genügenbeu Kclonialgebictes. Förderung der Erziehung und Christianisierung der Eingeborenen; Beseitigung jeder Form der Sklaverei.

3. Innenpolitik.

A. Kulturpolitik.

io. Erhaltung und Kräftigung des christlichen Kul­tur- und Erziehungsideals im Volksleben.

17. Gewissensfreiheit und Freiheit der Reügions- Übung. Freiheit der Religionsgesellfchaften, ihrer Ver­einigungen und Genossenschaften. Verständnisvolles Zusammenarbeiten von Kirche und Staat; feine ge­waltsame Aenderung der staatlich-kirchlichen Rechts­verhältnisse unter Verletzung der Ueberzeugung und der berechtigten Ansprüche der kirchlich gesinnten Bolks- kreise.

18. Gleichmäßige Berücksichtigung der Angehörigen «md Anstalten der verschiedenen Glaubensbekenntnisse aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens, insbeson­dere bei Verleihung öffenllicher Aemter und Zuwen­dung öffentlicher Mittel.

,19. Freiheit der christlichen Liebestätigkest und pa­ritätische Förderung ihrer Einrichtungen.

20. Schutz und Stärkung der Ehe und Familie. Tatkräftige Fürsorge für kinderreiche Familien. Schutz der Kindes, der heranwachjenden Jugend und der Frau gegen Ausbeutung. Kampf gegen sittliche Ver­wilderung im Volke, insbesondere auch gegen eine ent- artete Kunst und eine verkommene Literatur.

21. Wahrung des Rechts der Eltern und der Stell- gionsgesellfchaften auf die Erziehung der Kinder. Er­haltung der konfessionellen Volksschule. Sicherung eines genügenden Religionsunterrichts an allen Schu­len. Freiheit des Unterrichts und der Wissenschaft.

22. Freie Bahn zum Ausstieg der Tüchtigen aus allen Voltsschichten; Beseitigung eines überlebten Be- rechtigungswesens und des Kastengeistes im Schul- wlse'i.

23. Freie Entfaltung der Mitarbeit der Frauen bei dem Wiebciausbau und der Pflege des deutschen Volks­lebens unter voller Auswertung der weiblichen Eigenart.

2. Wirtschaft»- und Sozialpolitik.

24. Geordneter Aufbau der Bolkswirtlchasl im Dienste der sozialen Gerechtigkeit und des Gemeinwohls auf Grundlage der produktiven Arbeit. Grundfätztiche Erhaltung der auf persönlichem Eigentum beruhenden, mrch dem Solidaritatsprinzip dem Gesamtwohl der Gesellschaft untergeordneten Privatwirtschaft.

. 25. Sicherung der Bolksernahrung durch plan- inäßjge Förderung der landwirtschaftlichen Erzeugung.

26. Gemeinnützige Bodenpolitik. Durchgreifende Wohnungs- und Siedlungsreiorm. Innere Koloni­

sation. Mehrung und Erweiterung der bäuerlichen Betriebe unter Heranziehung von Staatsdomänen und unwirtschaftlich ausgedehnten Großgrundbesitzes gegen Entschädigung.

27. Schutz und ausgleichende Förderung der einzel­nen Berufsstände als notwendiger Glieder eines ge­funden Wirtschastskörpers, insbesondere Ausrichtung eines Icbenskräftigen Mittelstandes: Erhaltung -tines leistungsfähigen Bauernstandes, Hebung des durch den Krieg schwer geschädigten Handwerkerstandes mittels Zuweisung von Rohstoffen, Arbeit und Kapital, Wah­rung der berechtigten Interessen der Kaufmannschaft, Abdou der kriegswirtschaftlichen Organisation, Schutz der Erzeuger wie der Verbraucher und ihrer Organi­sationen.

28. Fortführung der Sozialpolitik für die städtische und ländliche Bevölkerung unter stärkster Betonung der Persönlichkeit und Menschenwürde.

29. Fortbildung der Rechtspflege im Sinne erhöhter sozialer Gerechtigkeit und vermehrten wirtschaftlichen Schutzes gegen Wucher, unlauteren Wettbewerb, lieber- vorteilung und Ausbeutung aller Art. Rechtsprechung durch unabhängige Derufsrichter unter Zuziehung von Lairn in erster und zweiter Instanz der Gerichte.

30. Gewisienhafte und weitherzige Fürsorge für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene; öerbeffe- runfl des Rentenfeststellunasverfahrens durch Schaifung von Rechtsgarantien. Einführung eines Heimstätte- rechts unter besonderer Berücksichtigung der Kriegsteil­nehmer.

C. Finanzpolitik.

31. Verteilung der Steuerlasten nach der Leistungs­fähigkeit. unter Berücksichtigung des Familienstandes und ber Famiiienpröße. Schärfste steuerliche Erfassung der hohen Einkommen, der großen Vermögen, des unverdtenten Wertzuwachses und der durch den Krieg gemachten Gewinne. Glelchmäßlne Durchführung der Reichssteueroesetze in ganz Deutschland.

32. Verhütung der Steuerflucht und der Abwande­rung v-s Kapitols ins Ausland.

33. Al-lehnung jeder Entwertung der Kriegsanleihen.

Eine Nenjahrsrnndaebnnq der Berliner Zentrumspartei.

Berlin, 1. Jan. Die Berliner Z-ntrumsPartei hat am Neujahrstaq eine gewaltige öffentliche Kund­gebung ve'anstaltet. Sie wog so lehr inS Große, wie sich auch die kühnste Phantasie vorher nicht außaemalt hatte. Sie bot dem bolschewistisch ver­seuchten Derl'n ein Schauspiel katholischer Glau- bendtreue, wie es wohl noch nicht daeewe'en ist.

Schon um 10 Nhr vormittags waren die weiten Räume des Zlrkus Busch, die etwa 30000 Personen lassen, besetzt und in beängstigender Fülle drän ten sich die Menschen. Dort sprachen unter jubelndem Beifall der Masten der Kandidat des Zentrums für Berlin, Dr. Pfeiffer, ferner Dr. Sonne n- schein ans M.»Gladbach, dann eine Dame und je ein aeiftlicber Vertreter der katholischen und evan­gelischen Konfession.

Doch von draußen marschierten immer neue Mas- fet gegen den Versammlungsraum an. Cie mußten umkehren und vereinigten sich schließlich im Lust­garten vor dem Schloß neben dem evangelischen Dom, wo unter freiem Himmel noch drei Rie sen- versammlungen abgehalten wurden. Vordem Alten Muienm sprach der protestantische Professor der Universität Dunkmann begeistert für den An- schluß an das Zentrum, bann der Unterstaatssekretär GiesbertS, der Kandidat Dr. Pfeiffer und der evangeltsche Pfarrer Häcker von der Luthe.kirche, der einen Zentrumsveiein mit ebamehfeben Mit­gliedern in Berlin gegründet bat. Für die zweite Bersammlungseruppe diente eine Auiomobldio ckke al« Rednertribüne. H er Heiterte der Redakteur Dr. Steiger auf den Führersitz und wandte sich an das Volk. Immer hoher schwollen die Wogen der Begeisterung an. Dann schwang sich der Schrifisteller Dr. Paul Lerch auf da« Auto­mobil und fesselte in hinreißender Rede die vie­len Tau enden der Umstehenden, die ihm unauf­hörlich zujubelten. Nach ihm kam der Unterstaats­sekretär GiesbertS, dann der Mftsionkpaier Theodor von St. Ottilien, dann der Kandidat Dr. Pfeiffer, der nach zwei gewaltigen Reden schon ganz erschöpft ist. Inzwischen haben von den hohen Türmen des Domes die Glocken gelautet. Die dritte große Versammlung, die sich unmittelbar vor dem Dome neben dem zerjchossenen Portal des ScklosseS gebildet har, findet keinen Redner. Ganz spontan stimmt die Menge den Gesang an:Großer Gott, wir loben Dich!" Brausend schlang der Ge­sang sich fort. Herr Dr. Pfeiffer hält inne.Mit- singen!" ru't er. Tie Männer lüften die Hute und aus vielen taurenb K hlen tönt das kath. Kirchen­lied über den wetten Pl tz. Die Helle Mittags onne bescheint die Riesendemonstration; ein klares trockene» Winter weiter ist thr günstig. Schließlich ruft Dr. Pfeiffer:Zurück zum Znkus Busch, um die anderen abzuholen.'Dann wollen wir vor dasKuliusmintsterium ziehen und dem Minister Adolf Hoffmann guten Tag sagen!"

Bald war die Versammlung im Zirkus Busch beendet. Der große Zug setzt sich in Bewegung; mehr a!S 100000 Menschen nahmen daian teil. Auf das Teck des Automobils, in welchem Dr. Pfeiffer sitzt, klettert ein Matrose und schwenkt eine schwarz-weiß-rote ^abne, auf den Schutzb.echen ste­hen recht« und lrnks je drei Feldgrrue, Fahnen schwenlend. In unabsehbarer L.inge bewegt der Zug sich vorwärts vom Tom nach der katholischen Hedwigskirche, von dort nach den Linden vor da» Kultusministerium. Man taug da»Gro er (Mott, wir loben Dich",Teilt ch!and, Deutschland über alles" undEine feite Burg t|t unser Gon!" Fahnen in tchmar -:veiß»rot und ichwaiz-rot-gold werden vorangetra< en; man weiß nicht, wozer sie plötzlich ge olt wo den sind. Tenn man war ja gar nicht voi bereitet. Temoniirahonetafeln fehl n daher ganz und man kann den Charakter de» Te» moniirationszuges nut dadurch verdeutlichen, daß man unaufyöilich ruft:Nieder mir Hoff­mann !", Stiebet mit Lieb knecht!", ,E» lebe das C h ristentum!" Dazw scheu erschallt immer wieder in brausendem Klange das Lied:Großer Gott, rotr loben Dich!« Vor dem Kultuemintsiertum hielt $feifiet ei« argen Adolf Hoffmann,

dessen Bosheit gegen die Kirche noch übertrumpft werde durch die Dummheit seines Vorgehens. Ta» Zent­rum sei schon mit Bisma'ck fertig gewoiden und werde auch mit Abolf Hoffmann fertig werden, Pfeiffer schloß: Nieder mit der sozialistischen Repa- blik, e» lebe die demokratische Republik! Slartt itim sprach der evingelifche Placier Hecker, der erklärte, daß die d"nt ck« SeeT kein Porzellanladen sei, in d m A'olf Hoffmann herumkrampeln tonne1 Tie* Kirche beider Konfessionen fei rin Sei», an dem sich Adolf Hoffmann seinen dummen Schädel einrennen w«,de. Die Menge matte den Versuch, Hoffmann im Hau'e zu finden. Als sich das als vergeblich er« wieS,'zte sich der Zug die Wilhelmstraße entlang vor das ReichSkanzlerpalaiS. wo abermals Dr. Pstiffer und der evangel. Pfarrer Hecker Reden hal'en. Kein Mann der Regierung läßt sich blicken. Der Zug ping kann weiter nach dem Tiergarten durch^da» Brandenburger Tor nochmals beim Kul­tusministerium fron b r, um sich dann aufzulösen. W it und breit läßt sich fein Soldaienaufgebot und kein Mann der Polizei blicken. Tiotzdem oder viel­leicht aera'e de» -alb verläuft die Demonstration in tade'loser Ordnung ohne jegliche Störung.

Wenn man den Zug at b die, Io konnte man feststellen, dal alle Stände und Klassen beme-en waren: Exzellenzen neben Arbeitern und Arbeite­rinnen, reite Toiletten nnd kostbare Pelze neben schlichten einfachen Anzügen. In der Mitte mar- schieren ein Franziskaner pa-er und mehrere Tomi- nikanerpatres im OrdenShabit mit. ES war wohl da» machtvollste öffentliche Bekenntnis zum Christen­tum, welche» Berlin je erlebte. Mit verblüff em Staunen iahen es die Unbeteiligten. Den Sozial- bewohnten aber mochte wohl eine Ahnung auf äm- mein, daß das katholische Volk eine Macht ist, mit der sie zu rechnen haben werden, eine RI acht, die sich in der Freiheit ihrer, ©laubensbetätigung so leicht nicht vergewaltigen läßt.

Die Friedenskonferenz.

»b Berlin, 2. Ian. Die .Deutsche «llg. Ztg.' schreibt über die Vorarbeiten für die Friedenskonferenz: .Wie wir von zuständiger Seite erfahren, nehmen die von der Reichsregierung an «ordneten Vorarbeiten für die Friedenskonferenz einen guten Fortgang und dürften demnächst zum Abschluß pelanren. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt naturgemäß beim «u toärhren Amt, wo das außerordentlich umfangreiche Material von der politischen, handelspolitischen und Rechtsabteilung bearbeitet wird. Außerdem nehmen aber auch gablreid-e Reichsämter und sonstige Lebörden, namentlich das 9leif«amt e» Innern, das Reick S- wirt>cha,tSamt. da» Reichsschatzamt, das Reichte,und- heitsamt, das ReichSmarineamt und da» KriegSm'ni- fterium an diesen Arbeiten teil. Kür besondere Kra­gen technischer Natur sind sehr zahtreickie namhafte Sachderständtge zur Mitarbeit heran «zogen worden- wtb London, 2. Jan. Wie die .Svenin -New» mei- bet, wird ein großer Teil der britischen Delegation zur Friedenskonferenz am näcksten Samstag nach Pari» abreifen. Man nimmt an, daß die Konferenz am 13. Januar beginnt

wtb Pari», 2. Jan. (Havas.) Wilson wird am 6. ober 7. Januar wieder stach Pari» zurückkehren. Die ersten Besprechungen zwischen den bevollmächtigten Per- tretern der Alliierten werden dann beginnen.

VolschewiSrnu» und Lebensmittelversorgung.

Nu» Neußerungen de» französischen Minister» Pi- chon in der Kammer folgert der .Vorwärt»", daß die Latente die Absicht aufgegeben habe, mit den Waffen den BoftchewiSmus an feinem Herde aufzusuchen, daß sie aber ein weit fruchtbarere« Kampsmittel androht: die völlige Einkreisung, lückenlose Btockieruni und «u». hungeruna de» Sowjet-Rußland. Der Bolschewis­mus soll auSgevungert werden. Die Absper- ruug im Norden. Osten und Süden sei bereit» voll­zogen. Und dann fährt das genannte Btatt fort:

Darum der starke Drang de» Bo.schewlSmu» nach dem Westen, wo er sich cm Loch offen lassen will, da­rum die intensive Propaganda mit, roßte» Geldmitteln in Deutschland, um Anlehnung an Dcut,chlano zu fin. den und unser Volk in einen neuen Krieg ge en die SBcftilaaten zu stürzen. Er will mit Hilfe des deut- scheu Volke« den militärischen Schutz seiner bankerotten Tollkäuslerei stützen. Der Propagandachef de» Bolsche» wismus, Radek, ist bereit» in Berlin, um die An- archie in Deutschland zu schüren und unser Volk in da» gleiche Elend zu stürzen, unter dem da« russische Volk langsam verhungert. Die Entente will den Bot- schewitmuS aushungern. Dar bedeutet, daß auch un- sere Hoffnung auf LebenSmitteliieferung der Alliierten zerstört wird, wenn der Bolschewismus in Deutschland zu einer starken Erscheinung sich ent­wickeln sollte. Wenn die Entente den Arowohn faßt, daß Deutschland unter russischen Einfluß kommt und daß die Hetze, Deutschland an der Seite de» Bolsche­wismus in einen neuen Krieg gegen die Westmächt« zu zerren, nicht ohne Erfolg ist, dann hat sie kern In­teresse daran, überhaupt nur ein Kilogramm Brot an Deutschland zu liefern und Deutschland» Ernährungs­schwierigkeiten zu mildern. Dann ist alle AuSsiüt auf gruben vernichtet, dann droht uns der völlige Unter- gang.

* Haag, 2. Inn. Der Aufenthalt Radeks in Berlin hat nach Meldungen von Ententeblätiein bei der Entente großes Befremden erregt und eS wird die Frage aufgeworfen, welche Mittel der beurdjen Regierung zur Abwehr des Volschewisw S zur Ver­fügung stehen. Fall» eS Deut chland nicht gelinge, den BolfchewlSmu» fernzuhalten und falls es nicht binnen kurzer Zett mit der Sowielregierung brache, so würden die Einen!« und be anders Amerika bte Blockade verschärfen und Teulschland ebenso unter Quarantäne stellen, wie sie eS beteil» mit Rußland tun.

Berlin, 2. Jan. Anläßlich de» unbefugten Ein­dringens von Radek und Genossen nach Teuisch- land hat die deutsche Regierung durch Fuiik piuch einen energischen Protest nach Moskau gerichtet.

Äus vem besetzte» Gebiet.

Die deutsche Waffenstillitandskommission hat gegen die Bel tzuna von Weiß kirchen und Stier­stadt bei Oberursel Einspruch erhoben. Der kommandierende Geturnt m Wiesbaden bat ver­fügt, daß all« Einwohner, mit Ausnahme der Flauen, auf den Bürgerst igen den fianzösiichen Offizieten aiilweichen müssen. Ehrenbezeugungen werden nicht von der Bürger ckaft verlangt. Auf Anordnung des französifchen Oberkommandos müssen die Bürger von Naffau a. d. L., wenn sie französischen Lffi- iieten begegnen, den Bürgersteig verlassen und sie

durch Abnehmen der Kopfbedeckung achtungsvoll grüßen. Jnwlnedessen sieht man seit einigen Zagen die meisten Nassauer barhäupiig einherroonbeln.- In Biebrich wurden auS dem sranzou'chen Sehen S- mittellaeer in der Unteroffizier-Vorschule einige Kisten mit Sebensm ttel gestohlen. Der S'adt- kommaniwm stellt der St bt, falls die Ermittelung der Einbrecher nicht gelingt, eine sehr höbe Strafe in Aussicht und verfugte zunächst d e sofo,ttge Aus. stoßung oller Z.vilb wohner au« der Saierne. Kit dem 2>tz in Königstein haben die fran$o]i|tren Be örden für 16 Orte der flieife ObertaunuS und Ufingen, die von fronzösi cken T, uppen besetzt g^ Hüften werden, einen Ve'waltungsbeztrk gebildet und mm Landrat bitte« Gebietes den Bürgermeister Jacobs in Königstein gestellt.

Anläßlich der Ueberfall.s auf den Bürgermeister dtS Ortes Schlebusch bei Köln sind von der britischen Besatzungsbehörde auner den Tatern 28 Mitglieder des A.° und S.-Raie» fotoit einige 1 er­tönen, die mit den letzteren in näheren Beziehungen standen, verhaftet und nach Köm ab trans­portiert worden. Ti« Verhaftungen sind erfolgt, ohne kaß von den deittschen Bebö.den irgend Weicker Einfluß auSieübt touret. Be, dem Sireik m den Jndustiiewerken in Oberkassel bei Dusieldorf, woran sich etwa bnn eit Arbeiter beledigten, hat die belgische BejatzuneSbebörde dnaegiiffen und den Führer, der mit der Helgi eben Behörden verhandeln loüte, verhaftet und nach Belgien abtranSporitetL

Vollständige «bspeeri ng der Rheinlonde.

Berlin, 2. Han. Der ,B. Lok.-Anz/ meldet: Mit dem 1. Januar hat die Enten'e ihren zahl­reichen Verletzungen deS Waffenstillstandsvertrages mit dem biumlften Rechtsbruch die Krone aufge­setzt. In dem Vertrag ist ausdrücklich 'estgelegt, daß zwischen dem besten Gebiet und dem übrigen Deutschen Reick« der Verkehr, besondeiS Handel und Industrie, keinerlei Beschränkungen unterworfen lein soll. Seit gestern j'doch hat die En,en,e bte gesamten Rheinlands hermetisch gegen Deutsch­land abpefdtloffen. Kem Eisenbahnzug darf in daS be'etzie Gebiet hinein oder heraus, zum Teil wer­den die Sckienenstränge zerstört, kein Fuhrwerk darf mehr den Rhein passieren, auch der Personeuverkchr ist grundsätzlich verboten und beschränkt sich auf einige wenige be andere Ausnahmen. Rian will eben bte Rheinlande politi ck, toirtfdiaftli* und kulturell, bevor eS zum Frudensfrhluß kommt, von Osten nach Westen umdrehen, indem man die getarnte In­dustrie, die ja auf den Bezug der rechtsrheiniscken Kohle angewiesen ist, in kürzester Zeit zum völlige» Zusammenbiuch bringt und den Hundert- tausenden von Arbefts'o'en Slrbei 8Gelegenheit in Belgien und Frankreich verschafft. So soll nach dem englischen System von Zuckerbrot und Peitsche in der Bevölkerung d-s RieinlaneeS dos Bewutzisein aetoedt werden, daß Heine Interessen in Zukunft im Westen"Kckkn rrnd eine Abkehr vom Deutfcheft Reiche für sie geboten fei.

Harnisch argen Adolf Hoffmann.

In der fozialistifchen WochenschriftDie Glocke" wendet sich der preußische Kultusminister Konrad Haenlfch gegen feinen engeren Kollegen Adolf Hoffmann. Wir geben aus den Darlegungen Har­nischs die Schlußfolgerungen wieder:

»Runs heraus gejagt: es war ein schwerer und verhängnisvoller Fehler, gerade in diesem Augenblick, da Tausend« der schwierigsten Probleme vor der jungen Republik aufgestanden find und unmittel­bare Lüsuni erheischen, die La e der Revolution da­durch zu erschweren, day man zu allem Ueberflutz auch noch die heißumiir.ttenc Frage der SErennuna von Staat und Kirche au,rollte. Rechthaberischer Eigen- sinn, der stet» ganz gewiß daS Gute will, aber ebenso gewiß stet« da» Löse schafft, kleinbürgerliche Be- s chrün kti-eit» die sich wunder» wie revolutionär düntt, in Wirklichkeit aber dizred und durch reaftienär wirkt, die gern von Weitrevolution tafelt, tot,ächUch aber nicht über die Grenzen von Berlin O und Beilrn R hinauezusehen bei mag; solche Beschränktheit mußte auSperecknet in diesem kritifchen Augenblick auch noch' die Kirchensra, e al« neues Scheit in den lichterloh brennenden Holzstoß der deutschen Politik werfen. Man könnte berzweiseln, ob fo diel ahnungt-lofer Ktein- dürgerei, die un« anbei en um viele Pferdelängen vor­aus zu fein glaubt, in Wahrheit aber um etliche Jahrzehnte tn der Weltgeschichte zurück tft."'

Co eifert Herr Haemsch gegen feinen Kollegen Adolf Hoffmann. Warum? Richt weil un» gläubigen Chri­sten Unrecht geschieht, sondern, weil man uns vor­zeitig die Augen geöffnet hat. Daß diefer Kulturkampf in der Tat gar keinPopanz", sondern bitterste Wirk. Weit Ist, daß auch Haenifch selbst die Kirche aller Ihrer Rechlstitel berauben will, darüber Ist gar kein Zweifel. Das einmal aufgefchreckte katholische^ Volk wird sich von Haem ch ober nicht wieder in Sicher­heit «inwiegen lassen. E» hat die grundsätzlich« R e- liflonSf«inblidifeit der Sozialdem okratie immer gekannt, «5 hat in dieser Zeit der sozialisti­schen R-volution eisah'en müssen, daß die Verwirk- lickung dieser ReligionSfeiudlichkeit den Sozialdemo­kraten bnnglidnr erschien als die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung, als der Abschluß des Frie­dens, als die Schaffung von Brot und Aibkit. In diesem Sinn allein ist die Berufung eines Adolf Hoffmann an die Spitz« der preußi cken Kultusver» WaOung erfolgt. Auf diese Herausforderung fonder- gleichen kann «S nur eine Antwort geben, und die mit dem Stimmzettel am 19. Januar der Sozialdemokratie zu erteilen, muß sich teöer gläubige Christ, in?be andere jeder Katholik vor seinem Ge- winen un» vor feinem Gott auf daS bindendste ver­pflichtet fühlen!

Pottzesgräfident Eichhorn.

Der beste Heiser der Berliner SpartakuSlcu t't her VeUiner Polizeip äsident Eichdorn. Tie ec hat für die Spariokusleme tn Berlin in den letzten Mo.hen für genügend Waffen jeder Art und Muni­tion g« orgt. Ein gioßer Auurag den er an die Berliner Muniiions- und Waffensabriken zur Liefe­rung von Gewehren, Pistolen un» Maschinengewehren v rgeben hatte, touroe in letzter Stunde von der Reichsregierung verhindert. Doch ist es Eichhorn gelungen, jetzt auf anorrem Wege Die SpariatuSleui» mit Waffen zu versorgen.

Den .Pol pari. Nachr.' wird geschrieben: vor der Revolution wat Eichhorn gegen ein MonalSacha.t bog