w »er >uU>.- lenbtudetetmi'ruÄa. — Preismonatl. I 4Ä löhfO.
WÜ Siro. — rirtRipi. ... s. Xeltor -«bre.se: Fuldaer Zeitlin i. I
Aufruf des Reichsausschusses
der Deutschen Zentrumspartei.
Durch gewaltsamen Umsturz ist die alte Ordnung Deutschlands zerstört, sind die bisherigen Träger der Staatsgewalt teils beseitigt, teils lahmgelegt worden. Eine n e u e O r d n u n g ist auf dem Boden der gege- denen Tatsachen zu schaffen; diese Ordnung darf nach dem Sturz der Monarchie nicht die Form der sozialistischen Republik erhalten, sondern mutz eine demokratische Republik werden.
An der großen und schweren Ausgabe miizuarbeiten ist in erster Linie die deutsche Zentrumspartei berufen und bereit. Ihre alten, sturmerprobten Grund- sötze bestimmen auch für die neuen Arbeitsziele Richtung und Maß.
Gerade in diesen furchtbaren Stürmen soll da» deutsche Lolk mehr al» je erfüllt sein von dem Geist der christlichen Wahrheit, der das öffentliche, wie bas private Leben durchdringen muh, wenn da» Glück -es Ganzen wie des Einzelnen erhofft werden will.
Es gilt, ein soziales R e ch t der Allgemeinheit vufzurichten, das jedem Staatsbürger für seine pslichi- mäßige Arbeit und sein Eigentum einen gerechten und zuverlässigen Schutz gewährt.
Es gilt in dem Rahmen der christlichen Grundsätze vnd des gemeinen Rechts derbürgerlichenFr ei« heil Raum zu geben, die allein das Leben würdig zu gestalten vermag, indem sie jede Bevormundung und Willkür von Seiten einer Bureaukratie, Klassen» oder Marteiherrschaft ausschließt.
Um diese Ziele zu erreichen, bedarf die Zentrumsportei der eifrigen Mitarbeit aller Parteiangehörigen.
Diese Zugehörigkeit zur Zentrumspartei al» einer christlichen Bo.kspartei, wird nicht begrenzt durch rin Religionsbekenntnis. Alle Staatsbürger christlicher Re» figion haben diese Grundlage polstischer Arbest gemeinsam.
Zum ersten Mal treten diesmal auch die F r a u e n auf den politischen Kampfplatz; sie sind uns im Kampf für eine heilige Sache willkommen. Möge auch sie an der Seite der Männer mit all ihrer Kraft eintreten
fürWahrheit, RechtundFreiheitl
Die Parteiarbeit wird durch Einhaltung der bei- siegenden, vom Reichsausschuß festgestellten Leitsätze erleichtert werden. Die Ausarbeitung eines Parteiprogramms und einer neuen Parteiorganisation wird Vorbehalten.
Frankfurt a. M., den 30. Dezember 1918.
Der Reichsausschuh d-r Deukschen Zeulrume ici-l: Gröber.
Der Hl. Bater
zum neuen Kulturkampf.
Der Heilige Pater hat an den Preußischen Epi skopat zu Händen des Herrn Erzbischofs von Köln, Kardinal von Hartmann, das nachstehende Schreiben gerichtet:
Aus dem Datikan, 7. Dezember 1918.
Eminenz, Hochwürdigster, verehrtester Herr!
Seine Heiligkeit der Papst ist bei der väterlichen Liebe, die ihn mit Euer Eminenz und mit den Katholiken Deutschlands verbindet, mit lebhafter und tiefempfundener Beängstigung den neuen politischen Ereignissen gefolgt, die einen so verhängnisvollen Wechsel in die Beziehungen zwischen Staat und Kirche gebracht haben und so ernstlich die freie und ungestörte Ausübung der katholischen Religion b e d r o h en, für die so viele edle und großmütige Seelen ihr Wirken und ihr Leben eingesetzt haben.
Und während die Befürchtungen und Sorgen Euer Eminenz und de» gläubigen deutschen Volke» im Herzen des heiligen Vaters widerhallen und sich verstör- ken, kann er nicht umhin, die Unerschrockenheit und die der Bischöfe wahrhaft würdige Festig- keit zu rühmen, mit der sie die Stimme erhoben haben zur Verteidigung der Rechte, welche die katholische Kirche in Preußen unter den wechselvollen Er» eignifje der vergangenen Jahrhunderte mit vieler Mühe bewahren verstanden hat und welche man jetzt mit einem Schlage unterdrücken möchte. Zu besonderer Freude gereicht ihm die Kunde, daß die deutschen Katholiken, die zu anderen Zeiten, wie allbekannt, »nitunbeugsamem MuteschwerePrüfun- tzen ertragen und überwunden haben, sich kraftvoll zum Schutze der bedrohten Rechte erheben und für die Aufrechterhaltung einer Volksschule eintreten, die zum Grundpfeiler den Religionsun- "rricht hat, der ja das wirksamste Mittel zur Heranbildung de» echten Ehristen und de» rechtschaffenen Staatsbürger» ist.
Daher sendet der Heisige Vater, der mit Herz und Sinn bei seinen Kindern weilt, in diesen harten Prü- Mgen und diesen heiligen Kämpfen, ein warme» WortderAnerkennungundderErmun» terung. Jesu», der höchste und ewige Hirt der Seelen, der für bas ewige Heil dieser Seelen Blut und Leben dahingegeben hat, wird diese edlen und großmütigen Bestrebungen vom Himmel herab segnen und mit ganz bestmderer Fürsorge alles begleiten, was seine Söhne tun und leiden in seinem hellmen Namen.
Mag es auch gegenwärtig den Anschein haben, als schwebe die deutsche Kirche in Gefahr, von dem Sturme verschlungen zu werden, das hhl. Herz Jesu wacht und wird bald über den dortigen auserlesenen Teil seiner Herde die Fülle und Straft seines göttlichen Schutzes leuchten lasten.
Als Untervfand dieser oroßen Gnadenhilse gewährt der Heilige Vater Euer Eminenz und Ihren eifrigen Mitbrüdern und dem ganzen gläubigen Volke seinen besonderen Segen.
Andern ich vorstehende» mitteile, usw.
Eurer Eminenz ergebenster
P. Card. Gasparri.
DaS Vorgehen Süddeutschlands.
Die „Bost. Ztg." schreibt: Tie süddeutschen Reg'erungen haben sich zu ihrer Aktion entschlosten, ^eil sie auf G>und ihrer genauen Kennini« der boNtischen Vorgänge int gegnerischen Lager wissen, das; es die letzte Stunde ist, in der noch gehan» Pest werden kann. Tie süddeutschen Regierungen
sehen mit voller Klarheit, daß wir en «weder schnell Frieden mit dec Entente bekommen müssen, oder in einen neuen Krieg an der Seite Nußland 8 gezerrt we-den. Die'en neuen K.ieg macht Süddeutschland unter keinen Umständen mit. Wenn Berlin unter bolschewistische und damit ruffi che Herrschaft gelangt, so lösen sich Süd» und Westdeutschland io; und i eilen sich ans dem unvermeid» lichen Zusammenbruch. Deshalb hängt aller davoi ab, bog die Berliner Regierung alsbald einen Rachweit liefert, daß sie den Kampf gegen den Bolschewismus aiifzumhmen in der Lage ist und daß sie die Macht und den Willen ha', der E e walt mit Gewalt zu Begegnen.
Süddeutschland und die Neichseinheit.
Tie Regieruncen von Bayern, Württemberg, Baden und Hessen haben sicv, tote gentlDet, in Stuttgart geeinigt auf drei Foidentngen, die auch in Noiddeu''ch'and lebhaft Zustimmung finden werden. Ihr Z el ist die E> Haltung der ReichSe.nheit, der Ordnung und des Frieden«. Bon einem lütt« matum kann man insofern sprechen, al« die süddeutschen Regierungen feinen Zweifel daran lasten, daß Süddeutschlaud seine eigenen Wege gehen muß und gehen wird, " enn die Reichsremei ung sich nicht zu einer vernünftigen Poli ik ausschwingt.
ES bandelt sich um fol ende Punkte:
1. Neueinrichtung deS Reiches auf bundesstaatlicher Grnndlacie. Ter Ton liegt auf den letzten Worten. Die Süddeutschen erheben Einspruch dagegen, d ß die Reichsleitung ausschließlich von den Berlinern in Be chlag genommen und die Beteiligung der anderen R ichS'etle vollständig ausgeschaltet worden ist. In der Tat bildet die Berliner Wirtschaft, die ebenso rechttividiig als sachlich verfehlt ist, die größte Gefahr für die nationale Etnheit. Bei der jüngsten Umgestaltung der so en. ReichSiegietung hätte man sehr wohl den Bundes» floaten entgegenfommen können, wenn man auf die drei leer gewordenen Ministetstühle zwei oder wenigstens rinen Süddeutschen berufen hätte. Statt dessen ist nur Kiel berücksichtigt worden; die Berufung eines Schlesiers hat man nach der Ablehnung Soeben wieder fo'len lassen; Westdeutschland ist unberücksichtigt geblieben und das ganze Süddenttchland ebenfalls vollständig vergessen worden. Auch die Umgestaltung der Regierung war wieder allzu berlinerisch.
Tie süddeutschen Regierungen fordern aber mit Recht noch etwas mehr, als den einen orer anderen Sitz im „Rat der Volksbeauftragten". Sie wollen einen Eriatz für den ehemaligen BundeSrat, ein bundesstaatliches Organ, doS zur Mitbestimmung in Ge etzgebung und Verwaltung beiufen ist. Tie Nationalversammlung wird zweifellos ein solches Slaa- tenhauS, gebildet aus den Bevollmächtigten der einzelnen Bundesstaaten, neben den knnjtigen Reichstag stellen. ES fragt sich nur, ob nicht schon jetzt ein piovisoiischer BundeSrat dieser Art zur Mitwirkung an der Reichsleitung berufen werden könnte. Tie geetzliche Grundlage würde freilich noch fehlen; aber man würde doch den guten Willen der neuen Regierung gegenüber den Bundestenossen im Reich erkennen, und die fragliche Körp rschaft wäre auch ein Hilfsmittel im Kampf gegen die zersetzenden Kräfte. Ader hat man in Berlin den Mut zu einem solchen Schritte? — Die Süddeutschen fordern ferner:
„2. Schaffung einer aktionsfähigen Reichsregierung und Nationalvertamm- lung". Darin liegt die leider nur zu berechtigte Anklave, daß die bisherige ReichSleituna nicht aktionsfähig sei und für die gesicherte Tätigkeit der Nationalversammlung noch keine Sicherhe t geschaffen ist. Eine ernste Mahnung in letzter Stunde an Ebert und Genossen, daß sie endlich von der Macht, die ihnen zugefallen ist, den zweckmäßigen Gebrauch machen. Die Erweiterung der Regierung tut es allein noch nicht; eS muß auch für die Zusammenfassung der Macht in einer tatkräftigen Hand und dir Bereithaltung einer genügenden Sicherheits- und Ordnungitruppe für die Abwehr aller Empörer und Verbrecher gesorgt werden. — Sehr wichtig ist die weitere Forderung:
„3. Schleunige Herbeiführung deS Friedens für da- deutsche Reich." DaS klingt toie eine selbstverständliche Aufgabe, ober die Sache ist jetzt besonders aktuell. Zum FriedenSschluß brauchen wir einerseits eine gesetzliche von den Feinden anerkannte Regierung, di« unS nur die Nationalversammlung schaffen kann, und andeierseilS die Niederhaltung der Spartakusleute und ihre» tollen Anhanges, die uns eiklärtermaßen in einen neuen Krieg an bet Seite der ru siichen Bolschewisten stürzen wollen. Auf dem jüngsten SparlakuSkongreß tn Berlin ist diese Absicht, den Friedens chluß zu verhindern und daS deutsche Volk neuerdings an die Schlachtbank der „Wsitrevoluiion" zu führen, ungescheut zu Tage getreten. Tie Süddeutschen wollen bieien Ritt ins Verderben natürlich nicht mitmachen; die Westdeutschen bedanken sich ebenfalls. Wenn die Spartakusbanden in Berlin die Oberhand gewinnen, io ist bet Zerfall bei Reiches unvermeidlich und ein erlösender Friedeusschluß für da» Gesamtdeutschland unmöglich.
E« ist gut, daß auch die bayerische Regierung, die sonst so wilde Seitenipiünge mach', sich dem Stuttgarter Ulnma'um angeschlossen hat. Möchte dieser Rippenstoß die sogn. Regierung in Berlin auS ihrer Mut- und Ratlosigkeit aufscheuchen! Auf jeden Fall weiden tye Wähler auS dem iflDbeut- scheu Notschrei einen neuen Antrieb nehmen, ihre ganze Kiast einzu etzen iür die Schaffung einer Nationalversammlung, die tüchtig genug ist, um unS sowohl den Frieden nach außen, als auch die Einheit und Ordnung im 3intern zu retten
ES handelt sich darum, ob da» dent'che Volk als solches fortbestehen oder als Kanonenfutter für den Bolschewismus untergeben soll.
Russische Gelder für die deutsche Revolution.
Die bolschewistische Propaganda in Deutschland.
Berlin, 31. Dez. In der „D. Allg. Ztg." wird au» zuverlässiger Quelle berichtet, daß für bolschewistische
Propaganda in Deutschland gegenwärtig noch Depot» in Höhe von insgesamt 12'/» Millionen Mark zur Verfügung stehen, die sich zum überwiegenden Teil aus Mitteln der großrussischen Regierung zusammen- setzen. Diese Beträge sollen in erster Linie zur Einleitung einer kräftigen bolschewistischen Propaganda unter den deutschen Industrie- und Transportarbeitern dienen.
Ter Spartakusbund will den Bürgerkrieg.
In der ReickS'onferenz des Spartakusbünde? in Berlin, über die wir schon berichtet haben, delchloß die Beteiligung an den Wahlen adzu- lehnen. Dr. Levy sagte u. a.: Ter Sieg deS Proletariat» gebt nut übet die Leichen der Nationalversammluna. Trotzdem trete ich dafür ein, sich an den Wahlen für bte Nationalversammlung z» beteiligen. iZuriile: Niemals l) Wir müssen dem Bürgertum die Möglichkeit zur Ratio- nalversarnmkuug geben. Dadurch fönnrn wir mit Waffengewalt e> cheinen und die Versammlung lp trugen. Wir müssen die Gewalt an dem Ort habe , wo die Naiionalversammlung tagt. — Gelwitz k t (Berlin) v rlos zwei Re olutionen der De- Sirt:bfreine 14 und 15, deren Mitglieder sich gegen eine Beteilwuni an der Nationalvetsammlung erklären. Sie belangen vielmehr, daß man alle Machtmittel gegen sie auwende. — Rite Dunker metn'e, man dürfe sich nicht von den kommenden Wahlen ausschließen, denn e« ei sicher, daß die Partei dann die Flauen verlieren weide. Eine Rednerin aus Düsse darf fordert die Entflammung des wirtichaitlichen Kriege». Die Bergleu e müßten zum Massenstreik aufgerufen werden. TaS Ziel sei die Aufhetzung der Bergleute, die Stillegung sämtlicher Giuben. Damit w.-rde die Bourgeoisie in die Kandare gezwungen, die Regierung gestürzt und die Na'ionalvtr ammlung verhindert.
Lied knech t ip.ach nochmals in eindringlichster Weise für die Beteiligung der Partei an den Wahlen, um die Arbeit der Nationalversammlung stören zu können, lediglich das sei bitte Absicht, wenn er für eine Beteiligung bet den Wahlen eintteie. Bei der Abstimmung wurden 23 Stimmen für und 63 Stimmen gegen eine Beteiligung an den Wahlen abgegeben, ein Resultat, das die Versammlung mit pürmi.chem Beifall begrüßte.
Verbot einer Zeitung bis zum Wahltag.
Gelsenkirchen, 31. Tez. Der Spartakusbund, der im Ruhrrevier nichts unversucht lägt, die öffent- liehe Ordnung zu stören, hat tn der verflossenen Nacht daS hiesige Zentrumsorgan, die Ge 11 e nkir- cheuer Zeirung, besetzt. ES waren Mülhermer Mitglieder des Bunde», die in die Drucke,ei eindrangen; dem Personal gaben sie zehn Minuten Zeit, vaS Geschäft zu räumen. Widrigenfalls würden sie die Druckerei zerstören. Ter Druck det-Zei- tung, der nachts zn erfolgen pflegt, wurde verhin- Bett. Das Erscheinen deS Blatte» wurde bi« zum Wahltag verboten. — Man sieht, daß die Sparta» kusleute mit der von ihnen beschlossenen Berhinde- rung der Wahlen zur Nationalversammlung bitter ernst machen. Wa» wird die Regierung dagegen unternehmen?
— Weimar. Der einen Massenbesuch aufweisende, außerordentliche deutsche JnnungS- und Hand- toeifeitag in Weimar beschloß, bei den Nauonalwah- len sowie Den bundesstaatlichen Wahlen die unbe» Dingte Unterstützung der bürgerlichen Parteien und eneigische Bekämpfung der Sozialdemokraten.
Da» Schloß von den Matrosen geräumt.
Berlin, 31. Dez. Wie von zuständiger Seite mit« geteilt wird, haben die Matrosen heute mittag da» Schloß cerlafien. Damit ist bas Verlangen Der Regierung erfüllt.
Frankreich gegen den Wilson-Frieden.
Frankreichs Gelüste nach weiteren Gebieten toadjien Minister P ichon erklärte in der f-anzö- si chen Kammer, Frankreich habe unbestreitbare Rechte im Libanon, Syrien und Palästina. Bei Etsaß- Lothringen, dessen Grenzen noch nicht festgestellt seien, handele e8 sich nicht um Annexion, sondern um Recht und Gerechtigkeit. Deutschland müsse so niedergezwrtngen werden, daß Frankreich in aller Zukunft vor Angriffen gesichert sei.
Gegenüber der französischen Unersättlichkeit ist eS gut, daß Präsident Wilion in England erklärt hat, daß eS Ibei den Friedensverhandlungen nach „Recht und Gerechtigkeit- gehen mnß. Tie Pariser Chauvinisten haben wenigstens den Hinweis erhalten, daß Wilson nicht aller mitmachen wird, was sie verlangen.
Taß zwilchen Wilson u. d Frankreich noch manche Meinungsver chiedenheit herricht, zeigt auch eine Rede de» Ministerpräsidenten Giemen ceau in Dec Kammer, in der er sagte» daß er an dem alten System des „Gleichgewichts der Kräfte" festhalte und auf Das Bündnis ystem nicht verzichten werde. Gknienceau trat unverkennbar für England gegen Amerika ein, wobei er sagte: »Frankreich befindet sich in einer be ondeis schwierigen Lage. ES ist daS Land, daS Truischland am nächsten-liegt. Amerika bat sich für seine Hilfeleistung Zen genommen, Eng- land ist auf den ersten Ruf gekommen. Ich halte e» für wertvoll, die» festzustellen". Weiter trat Clemenceau für bas alte System der Landesverteidigung, gesicherte Grenzen und für die Rüstungen entsprechend Dem Gleichgewicht der Kräfte ein.
Der Rttf nach Menschlichkeit.
Amsterdam, 3t Dezember 1918 Anläßlich seine» Besuches in Manchester, wo ihm Da» Edrenbar errectit verliehen wurde, hielt Wilion eine Diebe, in der er au», fühlte:
BiSher wurde die Welt von Jntetessengemeinschaf- len regiert ober hat man versucht, sie auf biefe Weise zu regieren, aber Die Interessen trennen bie Men>cken. ES gibt nur eines, was bie Volker etnanber feifein kann, daS ist die gemein-'ame Hin >abe an baS Recht. Wenn bte Zukunft un8 nicht snbere» brächte al» einen neuen Versuch, die Wett durch Machwerke,lung im Gleichgewicht zu halten, so würden die Bereinigten Staaten daran kein Interesse nehmen, denn sie wollen keiner Machtkomdinaiion beitrcien, die nicht eine Ver- etnigun ,aller ist. ES erhebt sich gerade jetzt in bet Welt ein lauter Ruf nach Menschlichkeit unb wer ihn nicht zu hören vermag, ist taub. ES besteht jetzt «in
großer Zusammenhang eine» gemeinsamen Gewissen» unb ein Staatsmann, bet ihm toibetjirebt, tourbe eine lebt toentg deneiben»wette Stellung in bet -Weltgeschichte einnehmen. Wenn wir befriebigenbe Regelungen jetzt noch nicht treffen können, so müßen wir wenignen» darauf achten, baß sie bunt) die > päteren Korrekturen immer befrießigenber werben. Wir m ff en deshalb lüt einen Mechan,»mu» bet Wiederherstellung farmen, um einen Mechanismus de» guten Willen» und bet Ftcunbjchast zu Haden. Wenn bie Welt eine Gemeinde von »fteunben bleiben soll, so mutz über eine einsache unb bauernde Methode von Konferenzen, bie es ermöglichen, bit Schwierigkeiten dann tn Angriff zu nehmen, wenn fit noch klein sind, und die nicht ge» Hattet, daß sie wachsen unb groß werden, „ja? wünsche, daß nut Groß-Britannien und nickt Die -litt» einigten Staaten, sondern auch Frankreich, Italien unb bie ganze Welt tn bie große Liga eintreten, baß wir un» zu allererst al« Frennbe der Menschheit erklären unb un» vereinigen zur Auftechterhcutima unb zum Triumph be» Recht».
Aus dem besetzten Gebiet.
„Großzügige" Genehmigung ver Paffi-rgesuche." Tie veusche WaffenüillstanDskommlsiion teilt mit: Zn der Frage der Erleichterung deS Personenverkehr» zwischen dem links- unb rechisiheinuchen Ge- biet während der Vorbereitung und Durchführung Der Wahlen zur 9Zationalber ammlung bat DaS ObetiomuianDo der Alliierten solgeude Ergänzung»- bejnn.mutigen grt> offen: 1. 5 ie „CrtuungS- maßige" Deut che Verwaltungsbehörde welche be- techngt ist, Paffierge uche auszu tellen, ist DaS Reichs- amt M Innern, Bei Im W. 9, es wird Den alliierten Armeen empfohlen, sich in der Genehmigung Dieser Passierge uche grogzügig zu zewen. 2. Tie Pafsiericheme können di» zum 22, Januar pulitg lein, wenn Die alliierten Armeen keine beionteien üuzuliäglichkeiten bann erblicken. 8. Um Zetiver» iusie zu vermeiden, ist eS angebracht, Oie Passierscheine mit einem Büum von den Jlommaiiöanten Der Oite berieten zu lassen, an Denen die Inhaber der Passiersche ne den Zug verlass n.
Eine Fahrt ins besetzte (Mief wird den »Fr. Rachr." von einem Leser wie folgt geschildert: Nachdem es mir möglich war, am Heiligenabend eine kleine Hamsterreife, natürlich ohne Erfolg, zu Unternehmen, führte mich die Bahn in „Feindesland nach Mörfelden. Da der wachhabende Franzmann es nut der Kontrolle nicht scharf nahm, gelangte ich glücklich durch die Bahnfperre. Während der Feiertage, welche ich dort verbrachte, hörte ich, daß sich 700 Mann au» Welschland nebst einem Kommandanten vor acht Tagen hier häuslich niedergelassen haben und sich wie „bei Muttern" fühlen. Sn den ersten Tagen ihres Hierseins wurde bei der Einwohnerschaft, die zum größten Teil aus Arbeitern besteht, requiriert, d. h. e» wurden die Hühner- und Gänseställe geöffnet und bte Tiere zu Preisen von 1,50, 2,— und 2,50 «M pro Huhn und 3 <K für eine Gans einfach mitgenommen. Aus Beschwerde bei der Bürgermeisterei und dem Ortskommandanten mußten die Tiere wieder zurückgegeben werden und dürfen nur gegen eine von dem Bürgermeister und Ortskommandanten ausgefertigte und abgkstempelle Bescheinigung gekauft werden. Die Franzosen leben nicht wie unsere Feldgrauen von Kohlrüben und Döngemüfe, sondern von Gans, Ha» und Huhn und bei keiner Mahlzeit darf der Rotwein fehlen; statt Kriegsbrot echtes Weißbrot und Oelfar- blnen Statt der „geheizten" Schützengräben fühlen sie sich wenig in put möblierten Zimmern und hon- Heren fdbftnnbia mit dem Küchengefchirr. während di« Familien sich mit den Nebenräumen beommen muffen. Die Zeit ist die französische feine Stunde spater). Schluß der Wirtschaften um 6, des Straßenverkehr» um r ffhr. Ohne darf niemand auf da»
Feld oder in die Nachbarorte.
Frauen und Männer.
Dählen darf nur jede deutsche Frau and feder deutsch« Mann, der am Wahltag das 20. Lebensjahr vollendet hat «nd in der Wählerliste stehl. Darum Wählerliste nackifehen oder durch eine vertrau, enspetfon nachsehen lassen!
Mackensen Gefangener der Franzo'e».
• Budapest 31. Dez. Im Laufe De» beutrnen Dor. mittags (in3 zirka 20'0 Mann französische Truppe» hier ein getroffen, welche in Rakokpalota einquarhrrt mürben. Ge en 8 Uhr früh zoa ein Detachement von ungefähr 800 Franzosen na» Zpanzib uns umstellt« da» Schloß des Grafen Labi»laus «karalyi, wo Feld, marschall v. Mackensen einqunrhert ist Ais Mackensen, von bem Vorhaben bet französischen Truppen erfuhr, protestierte er bagenen, da et sich bet ungarischen Re^ Nietung zur Verfügung gestellt bade. Der Kommanban„ bc: französischen Truppen nahm jeboch den Protei nicht gut Renntni», begab sich »u Mackensen und teilt ihm mit, baß er auf höheren Befehl daS Schloß be- setzen unb ben Felbmarschall internieren muffe. Mackensen protestierte neuerdings. Diesen Protest bat aber bet französische Offizier abgelehnt unb fernen Leuten entsprechende Befehle erteilt, rvtackensen wandte sich unverzüatich an ben Ministerpräsidenten Karoty um Schutz unb Genu tuung. Karoly hat sofort den Kriegsminister Festelie» aufgesucht, um mit ihm über ba» Borgehen der Re ierung zu beraten
Tie un ari cbe Regierung hatte sich verpflichtet, die auf ihrem Boden (lebendeutsche Armee, soweit sie nicht inneihalb 14 Tagen Ungarn Erlassen hälfe, zu internieren. Das ist geschehen, und Feld- marschall v. Mackensen bat sich friedlich dem Zwang« ge.üflt. Taß jetzt die Franzosen noch den loyale» General und bewährten Heerführer besonders ge» fangennehmen, ist nur eine sehr klägliche und billige Befriedigung der Eitelkeit, nebenbei aber ein Bruch bet vereinbarten Bedingungen. Bel der vollständigen Machilosigkeit der ungarischen Regierung ,st allerd ng8 kaum zu erwarten, daß dem Riarfchall die gebührende Genugtuung zuteil weiden wird. TaS Urteil der Welt wird inDeffen bteien Sireich des französischen Uebermut« gegen einen unbesiegte» Gegner zu würdigen wissen.
England fordert daS Bleiben
unserer Truppen in Riga.
wtb. Mitau, 31. Dez. Laut Mitteilung de» hi«, sigtn Soldatenrale» fordern die Engländer im Hasen von Riga plötzlich, daß die deutf chen Truppen zum Schutz der Bevölkerung hier blei-