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Marburg, Donnerstag, 23. December 1875.
Nr. 300
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Äüiajftrtrt der Küraß, wie in Preußen auch, ganz weg; fallen soll."
Panzerfregatten, als auch von ungepanzerten schnellsegelnden Corvctten.
Es hat den Anschein, alS ob England den Sultan in einer Opposition gegen das Reform-Programm der Drei Kaiserwächte zu bestärken die Absicht hat. Es wird wenig tens aus Constantinopel berichtet, daß der englische Ge- andte in einer Audienz beim Sultan erklärt habe, England stimme der durch den Ferman inaugurirten Politik z u, aber es müsie für die Durchführung der Garantien noch auf besondere Garantien bestehen; dann werde Eng- and versuchen, die Zustimmung der Großmächte zu dem Ferman zu gewinnen. Die englische Regierung hofft auf diese Weise die rnsstsch-österreichischen Vorschläge zu beseitigen, und ihren Einfluß bei der Pforte zu verstärken.
Schon zu verschiedenen Malen wurde von der spanischen Regierung die Berufung der Cortes in Aussicht gestellt; namentlich sollte der Finanzminister Salaverria, der sich stets über leere Kassen zu beklagen hat, die Zusammenberufung dringend gefordert haben, um sich neue Einnahmequellen zu eröffnen. Er soll sogar mit der Einreichung seines Demissionsgesuches gedroht haben, wenn nicht das Zusammenberusungsdckret in den nächsten Tagen publicirt würde. Indessen scheint eö doch nicht Ernst gemeint zu sein, denn bis jetzt ist von einer Erlaffung deS Dekretes noch nichts erfolgt und Herr Salaverria hat eS vorgczogcn, sein Amt zu behaten. Die Partei der Moderados, welche in der letzten Zeit überhaupt sehr an Einfluß verloren hat, hat sich neuerdings in drei Gruppen gespalten, von denen die eine sich entschloffen hat, die Regierung zu un- stützen, die andere der doktrinären Schule treu bleiben will, und die dritte die religiöse Intoleranz auf ihre Fahne geschrieben hat. Bereits beschäftigen sich die einzelnen Parteien mit den Chancen eventueller CorteSwahlen und knüpsen das an ihre Hoffnungen.
manne« über sein Berhältniß zur Presse gedenken. Wenn die Amßerung des Fürsten, daß er für die „Nordd. Allg. Zlg." keine Verantwortlichkeit übernehme, besonders hervorgehoben wird, so verräth dieses eine Unkenntniß der that- sächlichen Verhältniffe und ist durchaus keine Norm. Die „Nordd. Allg. Ztg." hat diese Thatsache schon öfter« her. vorgrhoben und ist auch sonst an anderer zuversichtlicher Stelle auf dieses Berhältniß hingewiesen. Wenn dagegen gewisse Correspondenzen aus die „Prov. Corresp." in Bezug auf ihre Mittheilungen und namentlich auf diejenigen letzterer Zeit dieselbe auf die gleiche Linie mit der „Nordd. Allg. Ztg." stellen wollen, so liegt hierfür weder in den bekannten thatsächlichen Berhältniffen, noch in den Aeußerungen de« leitenden Staatsmannes selbst irgend ein positiver Anhalt. — Der Ankauf der Eisenbahnen durch das Reich hat im Ganzen eine günstige Ausnahme gefunden. Die Bedenken, welche dagegen erhoben worden, entspringen auS sehr un- motivirten Gründen. Die Hauptschwierigkeit soll hierbei die financielle Seite haben. Aber auch diese wird vermöge deS Rentensystems und des Vertrauens zu dem Finanzwesen des Reichs den Geldmarkt eher heben als drücken. — Die „Ostsce-Zlg." als das Organ de« systematischen Manchester- thumS hat den Kampf gegen einen solchen Plan am Heftigsten ausgenommen. Inden kritischen Einwendungen diese« Organs finden sich jedoch wesentliche Argumente nicht svor; es sind nur die Ausführungen der bekannten Grundsätze der Manchester - Doctrin, welche in wirthschastlicher Beziehung dem Staate jede« Recht und jede Pflicht absprechen. — Die Wochenschrift „Deutscher SchulgesetzsammlungS-Ka- talog" für das gesammte Schulwesen wird den Bibliotheken c-er Schullehrer-Seminare zur Anschaffung empfohlen.
Dresden, 18. Dec. Die „Dr. N." berichten: „In diesen Tagen haben vor Sr. Majestät dem Könige mehrere Soldaten des Garbereiter Regiments und de« leichten Reiter- Regiments in probeweise angesrrtiglen Unisormen, wie solche dir demnächst in der sächsischen Armee neu zu schaffender Kürassire und Husaren tragen sollen, Probe gestanden. ES sollen von den sechs sächsischen Cavallerie-Regimentern die zwei leichten und zwei schweren Reiterregimenter in zwei Husaren- und zwei Kürassterregimenter umgewandelt werden. Da« erste Reiterregiment (Großenhain) erhält blaue Husarenunisorm mit gelben, beziehentlich goldenen Schnüren, da« 2. (Grimma) dergleichen Uniform mit weißen Abzeichen, während daS Garderciterregiment und das 3. in Borna garnisonircnde Regiment Stahlhelme mit Roßschweifen bei der früheren Uniform, mit Wegfall der langen Hose, wofür eine kurze Reithose mit Stulpenstieseln eingesührt ist, erhalten. Ob die Unijormmodrlle durchweg Beifall gefunden haben, erfuhren wir noch nicht, nur so viel darf als sicher angenommen werden, daß bei den
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie tue Annoncen-Bureaux von © L. Daube & To. in
in sich zusammenschauernd, den Stimmen in seinem Innern is lauschte, die von so manchem Schmerz, so manchem Verlust erzählten und dir in de« Jahre« letzten Stunden lauter |lf und dringender ertönten, als zu jeder andern Zeit. t (Fortsetzung folgt.)
Gestalt glitt mit geräuschloser Thätigkeit hin und wieder im Zimmer, bi« sie sich zur Thür wandte und ihre Win- ter kappe und den Mantel von dem Nagel nahm.
Es lag ein gewiffer Reiz darin, ihrem freundlichen Walten zuzuschauen, und sogar die umwölkte Stirn des ManneS hatte sich dabei aufgeheitert, während die Frau mit traurigem, aber dankbarem Lächeln ihr die Hand ent» gegenstreckte, al« sie jetzt kam, um Abschied zu nehmen.
„Leb' wohl, liebe Pathel" sagte sie mit ihrer klaren und sanften Stimme. „Gräme dich nidjt^ Das neue Jahr wird auch wieder Frohsinn und Glück für Euch bringen. Ihr werdet sehen, daß ich Recht bekomme, und der alte, liebe Gott lebt ja noch!"
Sie drückte die dargereichten Hände und sreundlich nickend und heiter sich umschauend ging sie aus der Stu« benthür.
Der alte Feldmann hatte sie über den Flur geleitet.
„Nimm dich in Acht, Kind," sagte er, „daß du nicht fällst 1 E« ist glatt zu gehen und du hast einen ziemlich
Deutsches Reich.
— »erli«, 21. Decbr. Der Staatsanzeiger bringt heute Abend die amtliche Bekanntmachung über die Berufung der Provinziallandtage. Für 4 Provinzen erfolgt der Zusammentritt dieser neuen Provinzial-Verbände auf den 3. Januar; nur für die Provinz Preußen ist der Termin der 4. Januar. Diese« geschieht aus rein äußerlichen Gründen, die sich aus die Fertigstellung de« sür die Versammlung bestimmten Lokal« beziehen. Mit Rücksicht auf den Zu sammentritt des preußischen Landtages wird die Dauer der Provinziallandtags Verhandlungen circa 14 Tage berechnet. Es wird denselben also nur möglich sein, Ausgaben formeller Art zu erledigen, anderweitige Vorlagen werden zunächst den Provinzial AnSschüffen zugewiesen werden müffen. __ Hebet die Soiree beim Fürsten Bismarck werden wieder verschiedenen Correspondenlen ausführliche Mittheilungen gebracht, welche auch der Aeußerungen de« leitenden Staats-
Doch ich will weiter nichts sagen, sei nur still I Ich will meine Brille holen und dir etwa« vorlesen."
Zwei Wanderer schritten über da« Feld auf der Landstraße, die nach der Stadt führte: die Kopfbedeckung in die Stirn, den Kragen ihrer Ueberröckc hoch hinaus gezogen. Die scharfe Winterluft strich flüsternd über den gefrorenen Weg, welchen zu beiden Seiten in größer» oder kleinern Entfernungen Bäume begrenzten; schattenhafte Gestaltungen in dem ungewiffen Dämmerschein, die in ihrer starren Leblosigkeit, in den schroffen Formen der kahlen Aefte, die sich wie nackte, hülfeflehenbe Arme gen Himmel zu strecken schienen, wenig an di« Hoffnungen de» Frühling«, wenig an die Zeit erinnerten, wo sie in'« weiche Gewand frisch- grünen Laubes gekleidet, sreudig in der lauen Sommerluft sich wiegten. Tiefer Schnee, aus dem mitunter die schwärz- ' ltchen Spitzen von Buschwerk und Gestrüpp hervorblickten, , ' war ringsum gebreitet, füllte den Graben zur Rechten und i; thürmte sich zuweilen aus den Flächen zur Seite in hohen , Windwehen empor, während an andern Stellen der harte, I trockene Boden hervorschien.
Sie hatten jetzt die ersten Häuser der Vorstadt erreicht, y Vereinzelt stehend,.im Bann de« Winter«, mit verschneiten ’t Gärtchen und dicht verschloffenen Fensterladen, schienen sie n keinen Laut, keine freudige Regsamkeit, kein warme« Leben ! i zu beherbergen. Die ernste Natur in der Runde griff mit - tiefer geheimer Traurigkeit, mit Mahnungen an Vergäug- lichkeit und Scheiden an da« einsame Menschenherz, da«, l
Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, 81. Rete- ♦ nieset in Berlin; Carl Schüß- lerrn Hannover; E. Schlotte in Bremen.
weiten Weg!"
„Hat keine Roth damit!" sagte sie getrost zurück und schon im eiligen Weiterschreiten begriffen. „Gute Nacht, Vater Feldmann! Morgen komme ich wieder her und sehe mich nach Euch um!"
Er stand eine Weile und sah ihr nach aus die wettz- schimmernv« Straße hinan«, bi« sie nicht mehr zu sehen war: langsam kehrte er dann zurück in die Stube.
Arme« Weib!" sagte er mit innigem Tone, indem er mitleidsvoll die Blicke auf sie heftete und vor ihr stehen blieb. „Gräme dich nicht; Christine hat Recht: e« kann noch Alle« wieder gut werden! Nur daß der Junge selbst am heutigen Abend stch irgendwo herumtreibt und seine alte, treue Mutter allein läßt — da«, da« ist schlecht von ihm l
Zn der NeujahrSnacht.
Original-Erzählung von Ernst Streben.
(Fortsetzung.)
Er trat heftig mit dem Fuße auf, schob da« Sammet- käppchrn hin und her über der erhitzten Stirn, dem von innerer Ausregung gerötheten Gesicht, und drehte stch kurz um, seine hastige und ruhelose Wanderung in der Stube f°rt$)ie^alte Frau seufzte und ließ den Kopf auf die Brust finken; Christine hatte sich abgewendet und verharrte einige Minuten, ohne sich zu rühren, in der bangen Pause, die im Zimmer herrschte. Dann aber kam sie leise hinter dem Auf- und Abschreitenden hergewandelt und legte ihre Hand leicht auf seinen Arm. , _ .
„Latzl'S gut sein, Vater Feldmann!" seufzte sie mtt Herzlichkeit, obgleich mit etwa« umflorter Stimme. „Ihr wrrdet schon einmal wieder Freude erleben an Eurem Heinrich! Sein Herz ist gut und voll Liebe «egen die Eltern; aber efl geht nicht so schnell mit dem Vergessen, wenn man einmal etwas so recht warm und treu darin getragen hat und soll e« dann herausreißen und begraben für immer I O, da« ist schwer, sehr schwer! Ich werde jetzt Licht anzünden, nicht wahr?" fügte sie schnell hinzu, in einen heiteren Ton übergehend, „da« macht auch die Seele wieder heiterer und Heller, und bann muß ich gehen, denn die Mutter wartet auf mich, da der Onkel so dringend un« eingeladen hat, den letzten Abend im Jahre mit ihm zu feiern." , „ ,
Sie hatte bei diesen Worten etn Schwefelhölzchen an- gestrichen, rückte den Tisch herzu, auf welchen ste die weiße Decke breitete, und setzte da« brennenbe Licht in die Mitte «tschüftig ordnete fie bann noch Allerlei, und ihre behende
Anzeigen nimmt entgegen: di« Expedition b. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Hänfenstem & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Cöln k ; Rudolf Mosse in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
6dd>eint t-ali» außer den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS e°U«t"«dla" durch de ^MÜ-n(K o ch sche Srschemt täglich auueroen 8 Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«. <-kl Bestellgebühr). - Jnsert.onsgebühr sür du gespaltene Zeile 10 Vf*.
^Uchdrnaer«,- oejagen »» ' •* Z^tntion zu erteilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf«, berechnet.
'**' “ auf das 1. Quartal 1876
---—z, der vberhesstsche« Zei tttua mit Ittustrirlem Sonntagsölatt, bitten wir vor Ablauf dieses Monats gef. bei der Post machen zu wollen, um im Stande zu sein vollständige Exemplare zu liefern.
Die Exp. d. Oberh. Zett.
Lagesberichl.
Im kaiserlichen Palai« fand Dienstag ein diplomatisches Diner statt, zu welchem die berliner diplomatische Welt sich beinahe vollzählig versammelt hatte. Die WeihnachtSbe- scheerung der königlichen Familie findet wie alljährlich im Palai« de« Kaiser« statt, nachdem die Prinzen die Be- scheerung in ihrem Palais für ihren Hofstaat vorgenommen haben.
Der BundeSrath wird in dieser Woche noch zwei Sitzungen halten, und bann gleichfalls eine längere Vertagung bi« zum Wiederbeginn de« Reichstage« eintreten [affen. ES liegen demselben noch mehrere besonder« wich- tige Arbeiten zur Erledigung vor, die wahrscheinlich auch noch den Reichstag beschäftigen »erben.
Der neue Telegraphentarif tritt mit dem 1. Januar 1876 in «rast. Derselbe ist von dem Generalpostmeister im Einverständniß mit dem BundeSrath festgesetzt worden. E« kommen danach in Wegfall die bisherigen drei Zonen, deren erste da« einfache Telegramm mit 50 Pfennigen be [astete, deren zweite für 20 Worte ein Mark forderte und deren dritte da« einfache Telegramm mit 1 Mark 50 Pf. belegte. Fortan kostet jede in Deutschland für einen deutschen Ort aufgegebeile Depesche von vornherein 20 Pfennige Gebühren, und so viele 5 Pfennige treten den 20 Pfennigen hinzu, al« die Depesche Worte zählt. Wichtig ist, daß da« ganze Deutsche Reich nur eine einzige Zone bildet; der Satz von 20 Psennigen soll die B-stS zur Einführung de« Welttelegraphensatze« bilden, und der letztere bleibt Dr. Stephan'« idealer Zielpunkt. Der telegraphische Verkehr zwischen Deutschland und dem AuSlande erleidet vom 1. Januar 1876 ab vorläufig noch keine Aendemng in den
Papst hat auf den Rath der Cardinäle Antonell, und Franchi ein eigenhändiges Schreiben an den König von Griechenland gerichtet, worin er dafür dankt, daß es ihm wieder gestattet ist, einen römisch-katholischen Erzbischof für Athen zu ernennen und Angesicht« der Drohung, daß die griechisch katholische Bevölkerung da« ErzbiSthum in Athen nicht lange bestehen lassen würde, die Hoffnung ausspricht, daß ihm seine Freude über den Triumph der Kirche nicht wieder verkümmert werden möge.
Die englische Regierung beabsichtigt ihre Flotte noch bedeutend zu vergrößern, sowohl durch den Bau von neuen