Marburg, Dienstag, 21. December 1875.
ffr. 2S8.
X. Jahrgang.
Änutgen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annomen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Reffei und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M-, Berlm, Leipzig Cöln rc; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. St. rc-
Anzeigen nimmt entgegen: die EÄedition d. Blatte», sowie die Annoncen-BÜreaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Sete- meijer in Berlin; Carl Schliß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Berlage „JllustrirteS SonntagSdlatt durch die Sspedrtton (Roch fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (ejl. Bestellgebühr). — JnfettivnSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Dom zu Florenz . . . ......119,0
St. PaulSkirche zu London (nach anderen An
gaben 114,2 Meter) 111,3
Kathedrale de» EScurial...... . 111,0
Pyramide I zu Dahjchur ...... 104,0 Dom zu Prag (ehrmal» angeblich 160 Mtter) 99,0 Jnvalidendom zu Pari»........97,0
Pyramide II zu Dahschur 97,0
Erlöserkirche zu Kopenhagen 90,0
Kathedrale zu Orleans 87,7
Kuppel de« Kapitols in Washington .... 87,4
Dreieinigkeitskirche in Newyork 87,1
Pantheon zu Paris 86,7
Rotunde der Wien« Weltausstellung von 1873 85,3
Notre-Dame zu Paris (projektirt gewesen ans ca. 120 Meter) 71,0
Obelisk des Schlachteu-Denkmal» auf Bunker«
Hill (Amerika) 67,3
Au« dieser Statistik erhellt, daß vor allen anderen
Staaten Deutschland weitaus am reichsten an hohen Ban» werken ist und daß innerhalb destrlben Hamburg da« specifisch größte Kontingent hierzu stellt, indem diese Stadt mit ihren Thürmen den ersten, eierten, neunten und sechs- zehnten Rang unter den Thurmriesen Deutschlands einnimmt und zugleich mit dem Nikolai-Thurm zeitweilig den Ruhm, im Besitz de- höchsten Bauwerke- des Erdballes zu fein, für sich beansprucht.
AkMllllgkN der Vberhesftsche« Zeitung mit Illustrirtem Sonntagsölatt, bitten wir vor Ablauf dieses Monats gef. bei der Post machen zu wollen, um im Stande zu sein vollständige Exemplare zu liefern.
Die Exp. d. Oberh. Zeit.
Die Gründung de- Eeutralverbaude- der deutsche» Industriellen.
ES hat lange gedauert, bis die deutsche Industrie die Vertretung ihrer Jnteresten selber in die Hand genommen hat. Eist die Zeit der Nothlage, die Folgen einer verkehrten Zoll, und Handelspolitik, der drohende Zusammen, bruch einst blühender Industriezweige haben die Industriellen aufgerüttelt, zur Selbsthülse zu greifen und einen Verband zu gründen, der sich die Ausgabe gestellt hat, die Interessen der vaterländischen Industrie nach allen Seiten hin zu ver- ttrten.
E« ist auffällig, daß während andere Zweige der nativ- nalen Arbeit, wie die Landwirthschaft in ihren Congreffen und der Großhandel in den Handelskammern, längst Centralvereinigungen zur Förderung ihrer Zwecke in's Leben strafen und ganz bedeutende Erfolge dadurch errungen haben, dir Industrie in ihrer Vereinzelung blieb und es nicht über Fächgenoffenschaften hinausbringen konnte, die auf die ge- sammte Lage der Industrie kaum einen erheblichen Einfluß zu üben im Stande waren. So anerkennenswerth die Bereinigungen der Eisenindustriellen, der Baumwollen-, Tuch- und GlaSfabrikanten auch waren, so rühmlich der Eifer, den dieselben sür ihr Fach entwickelten, auch sein mochte, so konnten sie doch bis dahin im Verhältniß zu den festen Organisationen der landwirthschaftlichen Interessen und de« Großhandels wesentliche Erfolge sür sich nicht er- ringen. Diese Erfahrungen haben endlich die Nothwendig- keit der Gründung eine- CentralverbandeS der deutschen Industriellen klar bewiesen und die bis dahin vereinzelten Kräste zusammengesügt. Vor wenigen Tagen ist dieser Bttein in Berlin in'- Leben gerufen und scheint nach Allem, wa- man darüber hört, eine allgemeine und weit verbreitete Betheiligung sowohl im Norden, al- auch im Süden des Deutschen Reiches zu finden.
Man kann sich nicht verhehlen, daß dem Verein große und schwere Aufgaben vorliegen. Die Industrie ist seit Jahren durch die Umtriebe ihrer Gegner und die Hetzereien von Theoretikern ein Stiefkind der öffentlichen Meinung geworden. E- ist mit diesem so hochwichtigen Faktor unseres wirthschaftlichen Leben« unverantwortlich umgegangen worden, die Erkenntniß für ihre Bedürfnisie ist nur sehr spärlich verbreitet; darum ist es hohe Zeit, daß man endlich zur Selbsthülfe greift, um so viel bereits verlorenes Terrain wieder zu erobern und die Grundlagen des Gedeihen- zu befestigen.
Die Aufgaben, die sich der Centralverband gestellt hat, find umfangreich und in hohem Grade wichtig. Es ist
nicht, wie die Gegner behauptet haben, eine Vereinigung zur Herbeiführung deS Schutzzolls; denn diese Frage ist, wegen der zum Theil abweichenden Stellung der verschiedenen Industriezweige zu derselben, offen gelassen. Dagegen hat der Verband eine ganze Reihe anderer wichtiger Fragen in sein Programm ausgenommen, nämlich zunächst eigene statistische Erhebungen über Export und Import, weil die osficiellen Berichte sich als durchaus ungenügend erwiesen haben, ferner die Hebung deS dieffeitigen Exportes, dir Anbahnung eineS direkten Verkehres mit den Consuln,gvir Gründung und Förderung von Industrieschulen, die Ablösung von Patenten, die Prüfung neuer Erfindungen, die Aussetzung von Prämien für die Erfindung neuer industriellen Verfahren und für Preisschriften, daS Aufsuchen neuer Märkte in Fällen der Ueberproduktion, die Einwirkung aus die Jn-Angriffaahme der Anlage eines deutschen Canal- systemS, die Regelung der Eisenbahntariffrage, sowie endlich eine Einwirkung auf die Wahlen zu den Vertretungskörpern, damit in Zukunft in denselben eine größere Anzahl von Mitgliedern vorhanden sei, die ein Verständniß sür die Jnteresien der Industrie haben und dieselben zu fördern bereit find.
DieS Programm weist die Wege zur Hebung und Förderung der vaterländischen Industrie und kann in allen industriellen Kreisen auf Zustimmung rechnen; es läßt auch die Erwartung als berechtigt erscheinen, daß nun nach Gründung deS Verbandes die Industriellen, welche längst die Nothwendigkeit eines solchen erkannt haben, durch zahl reichen Beitritt die Lösung dieser Aufgabe zu fördern bereit sein werden.
Deutsches «eich.
= Berlin, 18. Decbr. Man tritt in maßgebenden Kreisen dem Projekte deS Ankaufs fämmtlicher Eisenbahnen durch daS Reich bereits näher, und beschäftigt stch sehr eingehend mit dieser Frage. Der Aasang soll zunächst mit den Staatsbahnen, und zwar mit den preußischen, gemacht werden. DaS Reich würde demnach sämmtliche Staats, bahnen übernehmen, und an die betreffenden Staaten eine Rente nach dem DurchschnittSerttage jährlich zahlen. Gleichzeitig ist auch die theilweise Uebernahme der wichtigsten Privatbahnen in Aussicht genommen, deren Aktien gleichfalls in eine feste Rente verwandelt werden sollen. Ein vorbereitendes Gesetz dürfte bereits nach Neujahr dem Reichstag vorgelegt werden. — Mit dem heutigen Tage wird die dritte Sefung des Etats vorgenommen, und damit die Debatte über daS Budget überhaupt geschloffen. ES hat sich bei der Berathung herauSgestellt, daß die Finanzverhältniffe des Reiches sich in sehr guter Ordnung befinden, und daß die Besorgniß vor einem Deficit unbegründet ist. Unter solchen Umständen konnten die Mehrforderungen, welche durch die Brau- und Börsensteuer aufgebracht werden sollten, ohne Gefahr für die Finanzen vom Reichstage abgelehnt werden. DaS Gleichgewicht wurde dadurch hergestellt, daß einzelne Mehrforderungen der Militär-Verwaltung in Abstrich gebracht wurden, ohne daß dadurch eine wesentliche
Beeinträchtigung der militärischen Organisation und der Sicherheit deS Landes entstand. Die Schlußabstimmung fand in der heutigen Sitzung statt, und alsdann ward der Reichstag bis zum 19. Januar vertagt. — Die General- Synode hat in ihren letzten Sitzungen dir Berathung de» BerfaffungSentwurfeS soweit gefördert, daß derselbe nun vollständig abgeschlossen ist, und die General-Synode dadurch ihre Ausgabe gelöst hat. Die Regierung kann mit dem Resultat der Debatten durchaus zufrieden sein, die Bera- thung hat sich in den Grenzen der Mäßigung erhalten, der Verfaffungsentwurf ist ohne hervorragende Veränderungen angenommen, und hat stch von dem Einfluß extremer Richtungen entschieden fern gehalten. Die General Synode hat nur noch eine Resolution zu berathen, in welcher dir Grund- ätze festgesetzt werden, nach denen die Grenzen zwischen den Competenzen der staatlichen und kirchlichen Behörden gezogen werden sollen. Nach Berathung derselben erfolgte heute der Schluß der General Synode.
Breslau, 18. Dec. Das „Schlesische Kirchenblalt" erfährt, daß Oesterreich stch entschloffen habe, die LoStren- nung des österreichischen Theils der bischöflichen Diöcese BreSlau zu vollziehen, und der Papst sowie Fürstbischof Dr. Förster ihr Einverständniß bereit» erklärt hätten. Gegenwärtig werde mit dem Nuntius über die Angelegenheit verhandelt. Wie verlautet, geoenkt die österreichische Regierung auS Oesterreichisch - Schlesien und einem Theil des Olmützer ErzbisthumS ein BiSthum Teschen zu bilden.
Bremerhaven, 17. Decbr. Nach Mittheilung der hier erscheinenden „Prov. Ztg." gab der Urheber der neulichen Exploston, Passagier Thomas (richtiger Thomson), bei seiner Vernehmung im Hospital zunächst an, daß er sich in zerrütteten BermögenS-Verhältnisien befinde und wegen Bankerott« von Dresden au« verfolgt werde; deshalb habe er bett Selbstmordversuch gemacht. Er blieb zunächst bei dieser Aussage, selbst als ihm ärztlicherseits eindringlich Vorbehalten wurde, daß er vielleicht in kurzer Zeit vor seinem ewigen Richter stehe und 'doch Nicht MU einer Lüge ander Welt scheiden möge. K-iufmann Elmenhorst, Vertreter der Firma Karesch und Sloßky in Bremen, sagte jedoch auf's Bestimmteste au«, daß Thomas bereit« gegen 30 Reisen nach Amerika gemacht habe und vor wenigen Tagen erst bei ihm gewesen sei, um die Spedition einer Anzahl Kisten, 27 an der Zahl, abzuschließen. Die Kosten seien jedoch Thoma« zu tbcuer gewesen, und so sei er fortgegangen, ohne das Geschäft abzuschließen. Thoma« leugnete zwar, den Kaufmann Elmenhorst zu kennen, doch konnte er schließlich den Thatsachen gegenüber seine Behauptung nicht aufrecht erhalten und machte auf ein erneuerte« Verhör de« Polizei- Inspektors Schnepel in Bremen das bereit« erwähnte Ge- ständniß. DaS Schiff sollte durch die Dynamit-Ladung, welche durch ein Uhrwerk auf offener See zur Explosion gebracht worden wäre, in die Lust gesprengt werden. Thoma« und seine Mordgesellen zogen dann sür die verladenen werth- losen Güter die hohen Versicherungs-Summen ein. Schon in Bremerhaven waren hoch versicherte Maaren an Bord gebracht, z. B. ein Faß Caviar mit 3000 Mark versichert,
Hert>»rruge»d hshe Monnmentalbanten.
Die nachstehende Zusammenstellung hoher Thürme, Kuppeln und sonstiger Bauwerke entnehmen wieder „Deutschen Bauzeitung*. Die Mcffungen erstrecken sich vom Fußboden bi« zur äußersten Spitze. Die mit einem * bezeichneten Bauwerke haben zwei Thürme von gleicher Höhe.
a) Innerhalb de» Deutschen Reiche».
Meter
Nikolai-Kirche zu Hamburg Münster zu Straßburg ........ St. Martiusthurm zu Landshut.....
MichaelSkirche zu Hamburg Dom zu Freiburg in Baden Marienkirche zu Lübeck* Dom zu Lübeck * Kathedrale zu Metz Katharinenkirche zu Hamburg Vierungsthurm vorn Dom zu Köln . . . . Frauenkirche zu München*.......
Dom zu Magdeburg* .......
Pfarrkirche zu Schweidnitz Elisabethkirche zu BreSlau Dom zu AugSdurg.........
Jakobikirche zu Hamburg ...... Dom zu Regensburg*........
Schioßthurm zu Dresden ...... Frauenkirche zu Dresden Johanniskirche zu München
144,2 142,1
132,5 130,7 125,0
124,0 120,0 118,0
111,8 109,8 109,0 103,6
103,0 102,0
102,0 101,7
101,1 101,0
99,6 97,5
Meter
Jetzige Höhe der HauptthürmedeSDome-zu Köln* 96,0
(projectirt auf 156 Meter)
Petrikirche zu Berlin.........96,0
Elisabethkirche zu Marburg* 95,0
Katholische Hoskirche zu Dresden 91,0 Marienkirche zu Berlin........90,0
Marktkirche zu Hannover 90,0 Rathhausthurm zu Berlin 88,0 Garnisonkirche zu Potsdam 87,9 Heilige Geistkirche zu Potsdam 86,0 Rother Thurm in Halle.......84,0
Pfarrthurm des DomeS zu Frankfurt a. M. . 82,0
Mariahilskirche zu München 81,7 Münster zu Ulm (projektirt auf 143,25 Meter) 80,0
Dom in Meißen..........78,0
Sieges-Denkmal in Berlin 61,5
b) Außerhalb deS Deutschen Reiche».
Meter
PeterSkirche zu Rom 143,5
Schornstein einer chemischen Fabrik zu Port
DuvadaS bei Glasgow 138,4 Pyramide deS Cheops zu Gizeh (ursprünglich
151 Meter)..........137,0
0t. Stefan zu Wien, neueste Meffung von
Profeffor Dr. Tintcr 136,7 Pyramide de» Chephren zu Gizeh (ursprünglich
142,5 Meter)..........136,0
Kathedrale zu Antwerpen ...... 123,0