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Wr. LS«.

Marburg, Sonnabend!, 18. December 1875.

X. Mgaog,

McchcMe Zeitung

eingenommen.

Mini.

über einen Paragraph der Strafgesetznovlle allgemeine Ver­wunderung erregt. Nach demselben sollten nämlich, der S orlage der Regierung gemäß, auch Ausländer, welche gegen einen Deutschen im AuSlande ein Verbrechen begangen hätten, falls sie sich in Deutschland betreten ließen, von »rutschen Richtern abgeurtheilt werden können. Fürst BiS- marck plaidirte auj'S Wärmste dafür und berief sich na­mentlich auf den Mord, der an dem deutschen Hauptmann Schmidt verübt worden, aber dieser Paragraph fand vor dem Tribunal der juristischen Wissenschaft keinen Beifall. Der Tribun der Rechtswissenschaft, der Abgeordnete LaSker, brachte ihn durch seine Beredsamkeit zu Falle, und damit wurde der Regierung die Möglichkeit genommen, für die Ehre und das Ansehen deö deutschen Volkes in die Schranken zu treten. Man sollte denken, die Zeit der Erniedrigung, wo Glieder der deutschen Nation im Auslande ungestraft mißhandelt werden konnten, sei noch zu lebhaft in Aller Gedächtniß, als daß nicht der Wunsch berechtigt wäre, ein Gesetz erlassen zu sehen, wodurch die Reichsregierung in die Lage gesetzt würde, den Schutz der Deutschen im Aus lande zu verstärken und eventuell die Freveler an deutschem Leben und Eigenthum mit der Strenge des Gesetze« zu

Reffortminister ist dieses Verbot auf die Tage, 24. und 25. December beschränkt. E» ist mehrfach die Ansicht verbreitet worden, daß Fürst Bismarck in einer Flugschrift mit dem Titel »Pro multo« auf die Broschüre »Pro nihilo« antworten werde. In Kreisen, die dem Fürsten nahe stehen, weiß man Nicht« davon, und wird solche Nachricht auf falsch verstandene Aeußerungen de« ReichSkanzer« zurück« geführt. Die heutige Sitzung de« Reichstage« wurde mit einer defficilen Materie bedacht, indem man den Militär- Etat in Angriff nahm. Die Erklärung Hasenclever«, daß die Social-Demokratie überhaupt gegen den Militär«Etat stimme, fand allgemeinen Beifall, den selbst die Ultramon» tauen theilten. Die Position der 51 StabSofficiere al« Bezirks - Commandeure wurde gestrichen. Die Reich-ver- waltung wird diese Position doch aufrecht erhalten müffen. Fürst Hohenlohe hat heute seinen Sitz im Reichstage

Die Vorschläge der Mächte werden in Form einer identischen Note der türkischen Regierung übergeben werden und ist dem diesseitigen Cabinete die Redaction dieser Note über­tragen worden. AuS Pest wird berichtet, daß die Mi­nister Pechy und Simonyi die Absicht haben, ihre Porte- fmilles niederzulegen. In Bezug auf den Letzteren war schon früher einmal die Rede davon, e« wurde jedoch da­mals dementirt, heute tritt aber die Nachricht mit so großer j Bestimmtheit aus, daß man sie nicht unerwähnt laffm

Wie«, 15. Dec. Sicherem Vernehmen hat nun auch der russische Botschafter, Herr v. Novikoff, dir zustimmende Antwort deS Petersburger Cabinet« auf da« von dem Grasen Andraffy ausgearbeitete Reformprojekt überreicht, liebet den Details dieses letzteren schwebt noch ein Gr-

TageSdericht.

Die Unzufriedenheit mit dem Verhalten de« Reichstage«, und ganz besonder« mit dem der nationalliberalen Partei, tritt In dem Theil der Preffe, welche nicht direkt in Be­ziehung zu den Mitgliedern jener Partei steht, immer enb schieden« hervor. Selbst Blätter, wie die Kölnische und Schlesische Zeitung sprechen ihre Bedenken über da« Ver­halten dieser Partei au«. Namentlich hat die Abstimmung

Commission soll darüber wachen.

Ob diese Reform in ihrer Allgemeinheit genügen w rd, ist. sehr zu bezweifeln. Zn dm Vorschlägen der drei Kaiser« Mächte ist noch ein größere« Gewicht auf die Admmistra. tiou gelegt al« in dem Ferman de« Sultan« geschieht. E« find auch, wa« Bosnien und die Herzegowina betrifft, für die Christen noch weitere Concession in Aussicht genommen, indem nämlich gefordert wurde, daß der Statthalter dieser Länder immer ein Christ sein müffe. Die Bedeutung die- se« Ferman liegt aus einer ganz anderen Seite, als m den einzelnen Reformbestimmungen. E« »st. hauptsächlich da­rauf Gewicht zu legen, daß die drei Kaljermachte stch ge­rade jetzt, nach längeren Verhandlungen über das Minimum von Reformen geeinigt hatten, welche« von der Pforte zu- gestanden werden müffe, al« nun plötzlich d»e Pforte selbst­ständig vorgeht, und eS nicht mehr der Muhe für werth hält, über diese Vorschläge in Verhandlung ju treten, und damit jedenfalls die Rücksicht au« den Augen setzt, welche fie den mropäischea Vormächten schuldig ist. Wir wollen den Folgen diese« Schritte« nicht vorgreifen, aber wir fürchten, daß die friedliche Lösung der orientalischen Frage dadurch nicht gefördert wird, und daran« nur weitere Enl- «ickeluugm entstehen können.

verlänaert werden. I «eitimmiyeii aus, vag man irr

Nach der Vertagung deS Reichstage» wird demselben! kann. Im Reichskriegsministerium ist man mit der «»»- eine Vorlage über den definitiven Parlamentsbau, und zwar arbetiung einer neuen Ordre de Bataille für dm Gmeral- auf dem Terrain, welches gegenwärtig daS Kroll'fche Etabliffe-1 stab beschäftigt. - Das neue ungarische Handelsgesetz, ment inne hat, zugehen. Für die Lösung dieser so lange! welche« mit 1. Januar 1876 in Aast tritt, wird in ju- schwebenden Frage interessirt sich der Kaiser in ganz be-I ristischen Kreisen sehr gelobt. Daffelbe ist eine in gering- onderem Maße, und soll auf seinen Befehl die Vorlage fügigen Punkten geänderte, in mancher Beziehung wohl beeilt worden sein. E« ist daher zu erwarten, daß diese! auch verbesserte Auflage des deutschen Handelsgesetze» und Angelegenheit endlich entschieden und nicht wieder auf un-Iein schlagender Beweis dafür, daß gute Gesetze, wie die bestimmte Zeit hinauSgeschobcn werden wird. ! Errungenschaften anderer Wiffenschasten, unbekümmert um

der Taris-Enquote Commission haben sich die Mit-»politische und geographische Grenzen ihren Weg durch die glieder derselben, welche die Jntereffen deS Handels, der Welt machen und daß die wünschenSwerthe Gleichheit der Industrie und der Landwirthschaft vertreten, dahin auSge-l Gesetzgebung auch unter selbstständigen Staaten und Nationen [»rochen daß die so überaus verworrene und schwer zu! durch da» natürliche Mittel der freiwilligen Reception er­lösende Tariffrage nur dadurch geordnet werden könne, daß! reichbar sei. Die Budget-Debatte, welche nach einigen das Reick sick aur Erwerbung t sämmtlicher Privatbahnen erregten Scenen wieder in die gewohnte Geschästsmißigkeit entschlöße. ° ! gelenkt worden ist, soll bi« Sonnabend beendet sein. Im

Dem BundeSrathe ist der Entwurf einer Verordnung, I Herrenhause, in dem am Montag der Staatsvoranschlag betreffend die Pensionen und jCautionen der Reichsbank-! vor das Plmum gelangen wird, dürfte die en bloc» An- Beamten vorgelegt worden. nähme erfolgen, so daß der Vertagung de« ReichSrath« bis

Gegenwärtig finden schon wegen AbschluffeS eines neuen! nach Mitte Januar kein Hinderniß mehr im Wege steht. Handelsvertrages zwischen Deutschland und Oesterreich, der! Pari», 15. Dec. Seit gestern Abend halten die bis zum 31. December 1877 in Gültigkeit bleibt, aber I Delegirten der Intransigenten und der äußersten Linken eine zwSlfmonatliche Kündigungsfrist hat, Verhandlungen! Versammlungen ab, um die Einheit in der Majorität für statt. Es sollen ausgedehntere Zollbefreiungen und Zoll ! die Wahlen der Senatoren wieder herzustellen. Acht Mit« ermäßigungen, fowie einfachere und gleichförmigere Zollbe-1 glieder der äußersten Linken, einige Mitglieder de» linken Handlungen in Aussicht genommen sein; dagegen ist da«!CentrumS und mehrere der Lavergnisten, die mit der Linken Projekt einer Zolleinigung, welches bereits im Jahre 1849! gehen, haben nämlich ihr Wort nicht gehalten, keine Namen von Oesterreich angeregt wurde, auch gegenwärtig als un-Ivon den Listen zu streichen. Aus Antrag Gambetta'S be- durchführbar erkannt, weil noch dieselben Gründe, wie da-»schloß man deßhalb, die Listen an dem Fuß der Tribüne mals eine solche Einigung verhindern. |in offenen BriescouvertS zu veriheilea. Die äußerste Rechte

-------------------- »hielt fest zu der Linken. Die Kundgebung, welche gestern

Deutsches Reich. |bie Transtgenten ihrer Partei machten, hat fie sehr er«

* Berlin, 16. Dec. Die Verhandlungen der Ge« I bittert, und sie ist entschlossener als je, die von ihr betre« neralsvnode haben im Allgemeinen die Ueberzeugung ver-itene Bahn zu versolgen. Die Lonapartisten verfolgen ihr schafft daß daS beabsichtigte Ziel erreicht werden wird.»altes Spiel und laffm nur die Deputirten durch, welche Wenn auch im preußischen Landtage lebhafte Kämpfe über! ihnen bei den Departementswahlen gefährlich werden kön- die gesetzliche Annahme der Beschlüffe der Synode kommen »nen, außerdem streichen sie Alle, die im geringsten Ver­merke, so erwartet man doch auch in Regierungskreisen die Er-1 dacht stehen, zu den Orleanisten zu halten. So strichen lediguvg dieser Angelegenheit, da auch Abgeordnete wie Mit-1 sie heute von ihrm Listm Donorrnandie, Gouia und den glieder rc. sich für die Tendenz der auf der Geueralsynodc der »Obersten Denfert, da fie diese de» OrleaniSmu» verdächtig einbarten Maßnahmen ausgesprochen haben. ES ist in der-1 halten. Denfert ist der Verteidiger von Belfort und ge­schiedenen Meilen deS Landes zu Meinungsverschiedenheiten! hört zur äußersten Linken. Einige Bonapartisten, mehrere darüber gekommen, ob die Geistlichen nun auch nach dem Ehege-I Mitglieder der gemäßigten Rechten und ein Theil der Or- setz vom Mai 1874 Sühneversuche bei Ehescheidungen abhalten I leanisten haben stch geeinigt, um Alle» aufzubieten, daß können. Der evangelische Ober-Kirchenrath hat stch dahin! keine absolute Majorität zu Stande kommen könne, und erklärt, daß die Verpflichtung der Geistlichen nach der Vor lauf diese Weise die Linke zu einem Abkommen mit ihnen schuft vom Jahre 1844 nicht aufgehoben sei, scuvein bi»!zu zwingen. Der Wirrwarr in Versailles ist natürlich aus Weitere« ihre vorläufige Kraft habe. In Hannover »furchtbar; noch mehr aber in dm Regierungskreisen und bestand die Einrichtung, daß das Verbot wegen Sistirunglim Cabinet. Mac Mahon selbst ist in einem sehr merk- aller öffentlichen Lustbarkeiten, Theater rc. nicht in der Weih Iwürdigen Zustand und ruft ohne Aufhören au«: »Uta nachtSwoche fortbestehe. Durch Verfügung der betreffenbenlallait n bien cee jourycu Pourquot oeta ne v&4*u

Zur orientalischen Frage , i

Während die drei Kaisermichte sich über die Grundzüge i der Reformen geeinigt haben, welche sie für dringend noth- ! «endig halten, um Ruhe und Frieden in der Türkei her- ,»stellen, und die Ursachen zu weiteren Insurrektionen zu beseitigen, ist der Sultan selbst einseitig vorgegangen und 1 hat einen Ferman erlaffen, in welchem er die von ihm ge­nehmigten Reformen verordnet. Die Gmndzüge der Re­formen find soigende:Alle Unterthaaen der Pforte ohne Unterschied wählen selbst die Richter, sowie die muftl- männischen und nichtmuselmännischen Mitglieder der Ge« richte und der ProvinzialverwaltungSräthe. Die Prozcffe »wischm Muselmänner und Richtmuselmänner werden den Civilgertchtea übergeben. Niemand wird, ohne verurtheilt »u sein, in Hast gehalten, eine schlechte Behandlung der Verhafteten wird nicht geduldet. Weiter verheißt der Ferman" gerechte Vertheilung der Steuern, Erleichterung von den drückenden Steuern, eine einheitliche Gestaltung derselben, unabhängig von der Aushebung des Zuschlages von 1/1 zum Zehent. Als Maßregeln zur Verhinderung willkührlicher Erhebung von Steuern werden bestimmt: Wahl der Steuereinnehmer von der muselmännischen und nichtmuselmännischen Bevölkerung selbst und Resormirung der PitreS de« unbeweglichen EigeathumS. Das Eigen- thnm»recht aller Untertanen soll sichergestellt werden. Die SmSdarmen werden au» den besten Einwohnern lebet Ortschaft gewählt. Die Frohnarbeit wird ausgehoben. Die Leistungen für öffentliche arbeiten werden bestimmt be­grenzt. Zur Hebung de« Ackerbaus, deS Hanbcls und der Jnbustrie wirb bie Einholung von Ratschlägen seitens anerkannter Fachmänner angeorbnet. Der Ferman bestä­tigt die Gewalten der Patriarchen, und ermächtigt alle anderen geistlichen Oberen zur freien Ausübung ihrer Re- Ugion. Gleichzeitig werden alle zur Gründung von Kirchen und Schulen bestehenden Erleichterungen gewährleistet. Allen nichtmuselmännischen Untertanen werden die öffent­lichen »erntet aller Grabe zugänglich gemacht. Die Taxe für die Befreiung vom Militärdienste wird nach dm mdi- viduellm Vermögens - Verhältniffen herabgemindert. Für Richtmuselmänner beträgt dieselbe nur die Hälfte der Taxe für Mittelmänner. Dienstuntaugliche werden von der Taxe befreit DaS Recht der Grunderwerbung wird allen nicht- muselmännischen Untertanen bet Provinzen zugestcheri. Die testamentarischen Bestimmungen sollen respektirt werben. DerFerman" gestattet ferner ungehinberte Dorbringung aller berechtigten Wünsche unb Beschwerden bei der Pforte, indem er strenge Bestrafung jeder Ueberttelung dieser Vor­schrift androht. Die Besugniffe der Gouverneure und der anderen oberen Beamten werden begränzt. Alle tmtfer man" erwähnten Begünstigungen werden nur diejenigen teilhaftig, welche die Pflichten getreuer Untertanen er- füllen. Alle anderen werden derselben verlustig. Der Großveziet wird die zur Durchführung diese« Resormm- wetke« etsordetlichen Maßregeln treffen. Eine besondere

Anzeigen nimmt entgegen: die EÄedittox d. Blatte«, sowie bte Htmoncen-yureaui von 6. L. Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jägefsche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvolidendank, 81. Siete- meyer in Berlin; Sari Schuß­

ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

bedrohen. uever oen »uetau» vir,rv «eicitu 7?'

Der Schluß de« Reichstages vor dm Ferien wird wahr- heimniß, wenn e« auch gewiß ist, daß hierbei die Gleich« fcheinlich am 18. erfolgen, wenn nicht die Beratung über berechtigung der Rat,on°litätm und Confessiones bte Auto, das Budget noch eine Verlängerung der Sitzungen bis zum nomie der Communttäten eine hervorragende Rolle spielt. 21. verlangt. Zusammentreten wird der Reichstag wahr- «"'>>--» l» «arm rin» identiickm

cheinlich am 10. ober 15. Januar unb wird bis Anfang! Februar bauern. Der preußische Lanbtag wirb, wie auch! im vorigen Jahre, eine Zeitlang mit bem Reichstage zu sammmfallm. Der BunbeSrath hat beschloffen, bem Reichs­tage ein Gesetz vorzulegen, burch welches die Befugniffe unb Bezüge bet Reichs - Justizkommisflon auch nach bem Schluffe bet Session bis zur Fertigstellung ber Justizgesetze

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & So in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Franlfurt a- M ; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Söln it; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.____ __

Für in der Expedition zu ertheilmde Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf». berechnet^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^