Mr. 293»
Marburg, Mittwoch, 15. December 1875.
x. Jahrgang.
Anzeigen nimmt entgegen: die «xprdttton b. Blattei, sowie die Anrwncen-Bureaux von Th. Dietrich & So. in Kassel und Hannover; Td Dietrich in Frankfurt a- M ; Haasenstein L Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Söln rc; Rudolf Masse in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
(OlifrljclW Icilung.
Anzeigen nimmt entgegen: die @rpebitiott d. Mattel, sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rekern eyer in Berlin; Sari Schütz- ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
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Tagesbericht
Im Staatsministerium finden jetzt neben den vorläufigen Erörterungen über die vorbereiteten Gesetzvorlagen die ent- scheidenden Erörterungen über die Ausstellung deS Budgets statt, welche! dem Landtage unmittelbar beim Zusammentritt vorgelegt werden wird. Die Vereinbarung zwischen den vermiedenen Ressorts und dem Finanzministerium ist in vorgängiger commifiarischer Berathung im Wesentlichen er folgt.
Au! dem Ausschuß de! Congresses deutscher Landwirthe wird un! Folgendes mitgetheilt: „Sonnabend Vormittag 10 Uhr ist sder Ausschuß des Congresses deutscher Landwirthe zur Erledigung einer Anzahl laufender Geschäfte «nd zur Wahl eint! Präsidenten zusammengetreten. Wie bekannt, waren dieses Frühjahr der bisherige Vorsitzende, Herr v. Rath Lauersfon, und mehrere Mitglieder in Folge erheblicher Meinungsverschiedenheiten aus dem Collegium auSgeschiedea. In der heutigen Sitzung trat die Frage in den Vordergrund, ob diese Meinungsdifferenzen in ihrer Schroffheit von der Mehrzahl aufrecht erhalten und damit die Theilnahme der liberaleren Richtung auSgeschlosfen oder da! nothwendige Entgegenkommen hervortreten würde. Durch die versöhnliche Haltung deS zweiten Vorsitzenden Herrn v. Wedell-VehlingSdorf und durch die erfolgte einstimmige Wahl deS Fürsten v. Hohenlohe-Langenburg zum Vorsitzenden haben alle Mitglieder ihren Willen, den letzteren Weg zu beschreiten, kundgegrben. Wir nehmen mit Befriedigung von dieser Thatsache Kenntniß und wünschen im Interesse der Förderung der Landwirthschaft, sowohl in Nord- wie tu Süddeutschland, daß diese versöhnliche Stimmung auch in Zukunft vorwaltcn wird, indem nach der Ueberzeugung aller Derjenigen, welche den Tendenzen des Congresies eine freiere Richtung zu geben bestrebt sind, Fürst v. Hohenlohe, sowie diele Mitglieder nut unter dieser Voraussetzung in der Lage sein werden, auch ferner an den Arbeiten des Congresies Theil zu nehmen."
Der Lauenburgische Landtag, der in diesem Jahre wahrscheinlich zum letzten Male versammelt war, hat am 9. den von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf, betreffend die Aushebung der Stollgebühren in seinem Prinzip, letztere durch eine Kirchensteuer zu ersetzen, mit 12 gegen 2 Stimmen abgelehnt.
Während die Kundgebung deS Kaisers von Rußland beim Georgssest in Deutschland aus daS Freudigste begrüßt ist, hat auffallender Weise.die österreichische Presse eine beinahe feindselige Kritik an den Worten des Kaisers geübt. Man nimmt daran einen Anstoß, daß Kaiser Allcxander auf die heilige Allianz angespielt hat, und von der Aufrechterhaltung von Ordnung und Frieden spricht. Man will darin reaktionäre Gelüste wittern, und die Erinnerung an eine Zeit, wo Rußland einen freiheitsseindlichen Einfluß in Europa geltend gemacht habe. Die österreichischen Blätter sehen sogar in der Hervorhebung der Armee eine kriegerische Demonstration und eine Drohung gegen die
Türkei. ES gehört ein starker Pesiimismus und ein besonderer Hang zu poltttscher Kaiinegießerei dazu, um den einfachen War ten des Kaisers Alexander solche Hintergedanken zu geben. Diese Interpretation ist nicht! al! ein Phantasiestück der Wiener Presie und kann höchstens als ein Ausdruck der Unzufriedenheit darin angesehen werden, daß Oesterreich durch seine Valleitäten und Unentschlossenheit die Führung in der orientalischen Frage verloren hat. Für die Auf- faffung der österreichischen Regierung dürfte übrigens die Auslegung der Rede des russischen Kaiser! in der österreichischen Presie keineswegs maßgebend sein.
Das englische Parlament ist durch königliche Verordnung auf den 8. Februar kommenden Jahre! einberufen worden. Allem Anschein nach werden außer sden politischen, auch militärische Fragen daffelbe beschäftigen. Wenigstens sprach sich der Feldmarschall, Herzog von Cambridge, auf einem Banquet für die Nothwendigkeit militärischer Reformen mit der größten Entschiedenheit aus; indem er dabei auf die noch herrschende Gespanntheit der Beziehungen zwischen England und China aus, sowie auf das von den großen Continentalmächten gegebene Beispiel hinwieS. Auch könne die Liebe zum Frieden allein nicht ausreichen, um kriegerische Eventualitäten für die Zukunft auszuschließen; die Einführung des ConscriptionSwesens in England bezeichnete der Redner jedoch als unthunlich.
Ueber die Lösung der orientalischen Frage sind noch immer die abenteuerlichsten Auffasinngen im Schwünge; die Gemüther wollen noch immer nicht daran glauben, daß eS sich diesmal nicht um eine Aenderung in territorialer Beziehung handelt, und daß selbst eine kleine Um» ggstaltung der Landkarte von Europa nicht vorgenommen werden soll, geschweige denn eine solche, von welcher der französische Chauvinismus redet. Selbst in osficiösen italienischen Blättern tauchen solche Gerüchte ernsthaft auf, dennoch kann als ganz bestimmt angenommen werden, daß jede territoriale Veränderung ausgeschlossen ist, und selbst für Bosnien und die Herzegowina kaum eine Stellung verlangt werden dürfen, wie sie gegenwärtig Serbien und Rumänien einnehmen. Auch eine vorübergehende Occupation der insurgirten Länder liegt außerhalb der Wahrscheinlichkeit. Der Schwerpunkt der Concessionen, welche von der Pforte verlangt werden sollen, und die bereits im Prinzipe zugestanden sein dürften, liegt auf der Emancipation der Christen, und ihre Gleichstellung mit den Muhamedanern. Diese würde sich indesien nicht blos auf die Übertragung der Statthalterschaft und anderer wichtiger Aemter in Bosnien und der Herzegowina an Christen beschränken, sondern auch die Möglichkeit gewähren, daß selbst in Constanli- nopel einflußreiche Aemter von Christen verwaltet werden könnten.
Die griechische Kammer hat den in Anklagezustand befindlichen Minister Bulgari! für den Betrag von 140,000 Drachmen, welche derselbe für Wiederherstellung der Ge sandtschaften ausgegeben hatte, haftbar gemacht.
Sie lex Hix (Rhiin).
(Schluß.)
Bei dieser Rede seufzte die Frau tief auf; doch die unermeßlichen Reichthümcr, die sie hier vor Augen hatte, benahmen ihr bald jedes Bedenken. Sie eilte schnell nach Hause, holte ihr Kind und da! weige Tüchleiu und that dann oben auf dem Schloßberg, wie ihr geheißen. Kaum hatte fle das Kind auf das Tuch gesetzt und sich einige Schritte davon zurückgezogen, als auch schon eine Menge Ungeziefer um das TuL herumzukriechen begann, ohne je doch das Kind zu belästigen. Doch klopfte schon der Frau das Herz in banget Erwartung und Angst; als nun aber gar noch eine mächtige wohl an zwanzig Fuß lange Schlange mit dem Gesichte der Jungfrau herangekrochen kam und sich dem Kinde näherte, — da entsetzte sich die Mutter und die Angst preßte ihr Herz zusammen, mit einem lauten Schrei kam sie der Schlange zuvor, raffte Kind und Tüch lein auf und stürzte, während die Schlange ihr nachsenszte, den Berg hinunter ihrem Hause zu."
Auch die alle Gänsehirtin und noch viele andere sahen die weiße Frau, wie sie dreimal um eine Buche herum- »anbelte und sehnsüchtig nach ihnen hinwinkte. Sie wollte erlöst sein. Das aber verstanden die Weibsleute nicht und machten jedeSmal, daß sie davonkamen. Im Gehen aber hörten sie, daß die weiße Jungfrau noch dreimal gar arg seufzte.
Von Dermbach auS umgeht man nun den Baier süd lich, indem man recht! da! Horn sich erheben sieht, fogc- nennt wegen feiner zwei Spitzen, 593 Meter hoch. Da- het füllt mir auf, daß der eine halbe Stunde lange Rücken
de! Berges „Der lange Rain" heißt. Sollte die sogenannte „Lange (ober Hohe) Rin" wirklich dieselbe Bedeutung haben, und wäre vielleicht das Fehlen des Umlauts nur ein Schreibfehler? ober läge nur bialektische Verschiebenheit zu Grunde?
Balb steigen mancherlei Höhen vor suns auf unb beleben bte Landschaft; dann kommen wir zurück in'! Thal der Felda nach„Weilar, wo uns jenseits des Flüßchen! die Stoffelkuppe winkt. An ihrem Fuße liegt malerisch daS Dorf Urnshausen, da! mit seinem Kirchthurme und seiner Landschaft an manche Ortschafte Savoyens und der Schweiz erinnert. Weiter hinauf in ursprünglicher Wald einsamkeit liegt der dunkelgrüne liefe S önsee; zahreiche Sagen erzählt von Koppe und See Wuckes Sammlung Auf der Rückkehr nach Lengsfeld genießt man den erwähnten herrlichen Anblick des Baier.
Ja, er ist die Krone des Landes, erhaben in der Ferne, schön in nächster Nähe; was Wunder, daß ihn das Volk mit Sagen geschmückt hat, wie keinen anderen der Rön.
Die meisten dieser Sagen finden wir in den Samm lungen des blinden Dichters Wucke, der in Salzungen ein friedliche! Heim hat, eine der interessantesten Gestalten des deutschen MittelgebirgS: von einem Knaben geleitet, durchwandert der blinde Mann, desien Blick in den Zaubergarten der Dichtung und Sage geöffnet ist, noch immer da! Gebirge und ist überall ein willkommener Gast.
Ich übergehe eine Menge Sagen, die den Baier umschweben. Da ist der Feuerriese, der auf den Höhen irre führt; bann bte prächtige Blume, an beren Wurzel man, wenn man sie ausrupft, einen Schlüssel hangen steht,
Deutsche- Reich.
— Berlin, 13. Dee. Schon in ber vorigen Session zeigte fich ein Zwiespalt in ber nationalliberalen Partei. Da! Gros berselben, wenn auch zuweilen hin- und herschwankend, hielt doch als seine Hauptaufgabe die Unterstützung der Regierung fest und votirte in allen wichtigen Fragen in diesem Sinne. Eine kleine Abtheilung indessen löste fich schon im vorigen Jahre von dem Gro! lo! unb ging häufig feine eigenen Wege. Der Führer berfelben, der Abgeordnete Lasker, stellte sich hin und wieder geradezu in Opposition mit dem Reichskanzler unb neigte sich unbedingt zur Fortschrittspartei hinüber. Obwohl derselbe nun allgemein für den Führer der ganzen nationalliberalen Partei gilt, so trat doch die auffallende Erscheinung zu Tage, daß saft bei allen wichtigen Fragen die Mehrzahl seiner Partei sich von ihm emancipirte und, ihrer ursprünglichen Aufgabe bewußt bleibend, im Sinne ber Regierung votirte. Auch bieSmal haben wir wieder da! eigenthüm- liche Schauspiel gehabt, daß Lasker mit einer kleinen Anzahl bei ber Abstimmung sich von dem Gros trennte. Es ist nicht zu leugnen, baß eS eine unerquickliche Erscheinung ist, wenn im entscheidenben Moment ber Führer und die Partei auseinanderfallen, unb ein nichfmehr zu verbergender DissensuS. Es ist das jedenfalls ein Zeugniß dafür, daß die nationalliberale Partei au! heterogenen Elemente» zusammengesetzt ist unb rninbestens ber straffe» DiScipli» entbehrt. Es ist schon oft davon die Rede gewesen, daß die sich der Fortschrittspartei zuneigenden Mitglieder der natio» naüibcralen Partei, der sogenannte linke Flügel, eine eigene Fraction für sich bilden wolle; einen allzugroßen Schaden würden wir darin nicht erblicken, denn an dem Resultat der Abstimmungen würde dadurch schwerlich etwas geändert werden, dagegen wurde eine größere Homogeneilät der Partei dadurch hergestellt werden. Dann erst würde sich eine gouvernementale Partei bilden können, die ein weit stärkeres Gewicht für die Regierung ftr die Waagschale legen könnte, als die nationalliberale Partei eS gegenwärtig vermag, wo ein offener Zwiespalt innerhalb der Partei besteht, und bei allen wichtigen Fragen sich regelmäßig eine Unklarheit und ein Schwanken geltend macht, die jedenfalls ihre großen Bedenken haben. — Die Aeußerungen der öffentlichen Meinung über das Verhalten des Reichstag! zu der Strafgesetznovelle scheinen bereit! Früchte tragen zu wollen. Innerhalb der nationalliberalen Partei sind ernste Bedenken darüber aufgetreten, sich in schroffe Opposition zum Reichskanzler zu setzen; man hat sich daher entschlossen, den Arnim-Paragraph und die Bestimmungen zum besseren Schutz der Exccutiv-Beamten nicht aufzugeben. Da außerdem die Majorität sich von vornherein für die Aenderung der Bestimmungen über die Antragsdelikte ausgesprochen hat, so dürfen diesmal nur die Forderungen der Regierungen in Betreff der Schärfung der Strafen für politische Vergehen abgewiesen werden; demnach kommt jedenfalls ein Compromiß zu Stande, der jeden Conflikt ausschließt.
womit man den Zugang zu den größten Schätze» findet; der Otternkönig, ber, bevor er in einer Quelle badet, fein prächtige« Krönlein ablegt; die gespenstigen schwarzen Hunde; die vier Schimmel ohne Reiter, die in dey Berg hineintraben, während eine große Zahl Raben aus dem Berge herausfliegen, (ohne Zweifel Erinnerungen an Wodan).
Eine ganz eigenthümliche wunderbare Sage ist die von der nächtliche» Holzabzählung am Baier, die dem Dichter Wucke von einer alten Bäuerin also erzählt wurde: „E- war vor zwei Jahren, gerade um die jetzige Zeit, wo ber Waldmeister blüht, als ich mit meinem Manne nach dem Baier hinauf ging, um Einbeerblätter, die so gut für die schwarzen Blattern find, einzusammeln, unt um unS nebenbei auch einmal nach der tausendfarbigen Glücksblume, die einzig und allein dort droben blühen soll, umzusehen. Aber der Baier ist gar hoch und daS viele Umherklettern macht müde Seine, daher fitzten wir uns ein wenig nieder und sprachen von dem und jenem. Da erzählte mir denn auch mein Mann, daß er von dem verstorbenen Kreiser unb einigen alten Holzhauern mehrmals die seltsame Geschichte von der nächtlichen Holzabzählung am Baier, welche fich alle sieben Jahre wiederholen soll, gehört habe.
Die Exßlistix ix Btemrr|ifei am 11. Dezember 1875.
Der Lloyddampfer „Mosel" ging heute Morgen gegen 11 Uhr au8 dem neuen Hafen in den Vorhafen, um dort die noch fehlenden Paflagiere und Paffagiergüter an Bord zu nehmen. Vor dem Buge ber „Mosel" lag der Schlepp, dampser „Simson", der den Vorhafen auseisen und die