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»r. 287.

ZNarburg, Mittwoch, 8. December 1875.

L Jahrgang.

WtchcMc Jcitumi

Nnzeigen nimmt entgegen: die toiti»* d. Blatte«, «oroie die Annoncen-Bureaux von LH. Dietrich & &> in Staffel uub Hannover; Th- Dietrich in Franlfurt a. M ; Laasenstein & Vogler in fcantfurt a. M^Berlrn,Lerp- ftg, Löln k ; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blattes, sowie die Amwncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co:' in Srantfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

täalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS LonntagSblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Erscheint lägtiw^auyn b 8 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. lexl. Bestellgebühr). - JnsertronSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adresten werden 25 Pf«, berechnet.

Ich

an,

der

ür die Verfassung der evangelischen Kirche noch auf den Abschluß der Verhandlungen der außerordentlichen General Synode zu warten ist. Im Finanzministerium ist man mit der Aufstellung deS Staatshaushalts beschäftigt. Das Hauptmaterial für den Landtag wird das Ministerium des Innern mit weiteren Verwaltungsgesetzen und das land- wirthfchaftliche Ministerium mit dem Jagd« und Wasser; rechtsgesetz liefern.

Das werde ich nimmermehr, Herr Wilmson l" Hegen Sie so viel Mißtrauen?"

Keines, Herr Wilmson. Ich habe Ihnen ja in

Erzählung meiner Verhältnisse das größte Vertrauen be­wiesen. Können Sie mehr verlangen?"

Allerdings mehr, wenn Sie nur ein Blick in mein reines, redliches Herz gethan hätten Doch, wie Sie wollen. Ich werde schweigen und Ihren Willen chren. Vielleicht haben Sie irgend einen Freund, irgend eine Freundin ..."

Ach Gott, Niemanden."

So lassen Sie denn doch mich, bis Sie einen Wür­digem finden, den Namen Ihres Freundes tragen. Ich verdiene ihn, weil ich nichts will, als Ihr Glück, und weil ich nur in dem Ihrigen das Meinige finde."

Herr Wilmson, ich bin Ihrer Güte sehr dankbar; glauben Sie mir«. Um mich Ihrer Achtung würdig zu erhalten, erlauben Sie mir, nichts von Ihnen anzunehmen. Machen Sie, wenn ich mein Vertrauen zu Ihnen bewahren soll, keine Anträge mehr. Ich kann arbeiten, und Arbeit­samkeit und Redlichkeit werden mich emporhalteu."

Theure Clementine, Sie verkennen mich. Sie stellen mich vielleicht in Reih' und Glied zu dem elenden Kammer­diener Kiek . . ."

Pfui, daß Sie mir das sagen können I" rief sie mit einiger Heftigkeit und drückte dabei seinen Arm unwillkür­lich fester an sich, als wollte sie ihn vom Gegentheil Ver­sicherung geben.

Nun ging Wilmson schweigend neben ihr her. Sie redete ihn einige Male vergebens an. Seine Stille beun­ruhigte fie. Als er selbst auf die Frage nicht antwortete : Zürnen Sie mir, Herr Wilmson?" gerieth fie in Ver­legenheit. Lange schwieg sie, und immer verlegener und gekränkter. Endlich zog sie ihren Arm aus dem {einigen und flüsterte leise:Gute Nacht, Herr Wilmson."

Sie fühlte ihre Hand ergriffen, an feine Lippen ge«

Unglücks; aber sie vergaß bald ihres eigenen, als der junge Wilmson an die Erzählung des feinigen, an die Schilde­rung seines ehemaligen glücklichen Verhältnisse» und seiner jetzigen Niedrigkeit und Abhängigkeit gerieth.

Mein Gott!" rief sie:in Ihrer Stelle lief ich da­von. An Geld und Mitteln dazu fehlt eS Ihnen ja nicht. Die sächsische Grenze ist ja nicht so fern. Ihr Vater und fein Verwögen sind ja schon in Sicherheit. Sie stellen ihn keiner Gefahr mehr aus durch Ihre Desertion. Warum säumen Sie noch einen Augenblick?"

Warum? Unglückliche Clementine, Jhrentwillen!"

Wie, meinetwillen? Was sagen Sie? Wie könnte ich ein Hinderniß an Ihrem Glück sein? Wir stehen ja doch nur in sehr entfernter Berührung mit einander."

Eben darum. Sie dürfen mir nicht fern bleiben, wenn ich glücklich leben soll. Ich kann Potsdam nicht eerlafien, so lange Sie hier athmen. Ich werde hier bleiben. Ich will, daß Sie mich näher kennen lernen, daß ich Ihr Vertrauen gewinne, daß Sie mir, wie eine Schwester ihrem Bruder, glauben; und nur erst, wenn Sie diese Stadt, diese Gegenden verlafien wollen, wo Sie an keine Seele gebunden sind, wenn Sie zu meinem Vater und zu meiner Muhme Zuflucht nehmen wollen, erst dann fliehe ich."

Ach, Herr Wilmson, was sagen Sie . . ." lispelte sie erschrocken und ungewiß, was sie antworten sollte.

Deutsche» «eich.

** Berlin, 5. Decbr. Die hier angeknüpften diplo­matischen Verhandlungen haben einen durchaus günstigen Verlauf genommen. Allseitig ist eine Ausgleichung und ein Entgegenkommen erzielt. Man glaubt nicht, daß die Angelegenheit des Suezkanals zu irgend welchen Weite­rungen Veranlassung geben wird, da auch zwischen England und Rußland nicht die mindeste Spannung mehr herrscht. Herr Conrad Martin bedankt sich heute in der Ger­mania für die ihm von allen Seiten zugegangenen Grat»' (ationen. Man kann wohl kaum die offene Verhöhnung der Gesetze weiter treiben, freilich liegt nebenbei, waS der Bischof nicht zu merken scheint, eine ebenso starke Ver­höhnung des eigenen vermeintlichen Martyriums in diesem Verfahren. Von der Telegraphenverwaltung wird vier­teljährlich eine statistische Zusammenstellung deS deutschen telegraphischen Verkehrs veranstaltet, um die Höhe der Nebenvergütung, welche den Telegraphisten jfür die beför­derten Depeschen gewährt wird, zu ermitteln. Dabei wird stets der erste Monat eine» Quartals als maßgebend für das ganze Quartal betrachtet und so ist jetzt die bezeich­nete Ermittelung bereit» für das vierte Quartal d. I. be­werkstelligt. Der Depeschenverkehr betrug nun im Monat Oktober 820,192 ausgegebene Depeschen und zwar 663,341 bei den selbstständigen, 216,851 bei den nichtselbstständigen Stationen; 843,611 angekommene Depeschen und zwar 619,571 bei den Stationen der erstgenannten, 224,041 bei denen zweitgenannter Kategorie; 707,061 aufgenommene DurchgangSdepeschen, 705,352 weiter beförderte, 57,102 übertragene und 23,543 Transitdepeschen. Vereinnahmt ward im internen Verkehr einschließlich 17,947 Mark. Bahnantheilen 147,089 Mark; endlich 40,023 Gebühren- antheile am Transitverkehr. Nach transatlantischen Län­dern gehen von europäischen Häsen im Laufe des Monats November 120 Postdampsfchiffe ab, von denen 34 für die vereinigten Staaten und Kanada bestimmt sind.

Stuttgart, 6. .Dee. DerSchmäh. Merk." bestä­tigt, daß der in Stuttgart lebende Afrikareisende Heuglin vom Vicekönig von Aegypten berufen ist und diese Woche nach Aegypten abreifen wird.

Lage-d-richt

Der Reichskanzler hat bei dem BundeSrathe die vor läufige Ermächtigung zum Abschlüsse einer Literar-Convention mit Belgien, d. h. zur Einleitung der bezüglichen Verhand. langen aus Grund deS Gesetzes wegen des Schutzes des geistigen Eigenthum« beantragt.

Gutem Vernehmen nach hat der BundeSrath beschlossen, vor Einziehung der Silberthaler zunächst deren Cours- sähigkeit einzuschränken und dieselben wie ReichSsilbermün- zm als gesetzliches Zahlungsmittel für Zahlungen bis 20 Mark vorläufig sortbestehen zu lassen.

Die Taris - Enquote > Commission wird am 8. d. M. wieder zusammentreten, um ihren Bericht festzustellen. Dann wird daS Eiseubahnamt in der Tariffrage wieder in Tätig­keit treten. _

Der Präsident von Forckenbeck hat als Schlußtermin dieser Session den 22. Dezember a c. in Aussicht genom­men und eine dahin gehende Benachrichtigung an die Vor­stände und Fractionen des Hauses gelangen lassen. Selbst- verständlich bleiben bei Innehaltung dieses Termins alle nicht dringenden Vorlagen, insbesondere Anträge der Mit glieber, unerledigt.

Die Budgttkommission gedenkt für den Mrlrtäretat nur noch einer kurzen Sitzung zu bedürfen. Nach Beendigung dieser Berathung kann da» Plenum zur zweiten Lesung des Budget», nach den CommisstonSberichten, schreiten. Jeden­falls soll da» Reichsbudget noch vor Weihnachten abge­schlossen werden; wahrscheinlich werden aber dann Abend fitzungen dazu erforderlich sein.

Der Abgeordnete von Ludwig hat folgenden Antrag gestellt: Der Reichstag wolle den Reichskanzler dringend ersuchen, in Zukunft dafür Sorge tragen zu wollen: 1) daß zwischen der alljährlichen Einberufung des Reichstage» und dem Tage der Eröffnung ein Zeitraum von vier Wochen liege, 2) daß die Vorlagen deS BundeSrathe«, insbesondere alle Etatsvorlagen, fich vier Wochen vor dem Zusammen tritt de« Reichstages gedruckt in den Händen der Mit­glieder befinden. Rur Vorlagen, deren Dringlichkeit später hervortritt, wären ausgenommen. Das Centrum unterstützt den Antrag.

Der Verlobte der Tochter deS Fürsten Bismarck, Graf Wendt zu Eulenburg ist am Sonntag früh 7 Uhr am Typhus gestorben.

Man meldet, der preußische Landtag werde nicht vor dem 15. Januar berufen werden. Die Dauer der ReichS- tagSfesfion hängt mit diesem verfassungsmäßig spätesten Termin nicht zusammen. Es herrscht zwar in allen preu ßischen Ministerien eine lebhafte Thätigkeit bezüglich deS Abschlufie» der Vorlagen für den Landtag, doch sind die Arbeiten noch ziemlich im Rückstand. Hierzu kommt, daß

Machen Sie sich vorläufig von Ihrer Herrschaft frei, theure Clementine. Sie dürfen keine Magd Jein. Sie sollen sich selbst ein Mädchen zu Ihrer Bedienung halten, habe Geld zu meiner Verfügung. »Nehmen Sie davon soviel Sie zu bedürfen glauben."

Der Feldwebel.

Novelle v. H. Zschocke. . / > ; .

(Fortsetzung.)

Natürlich, nach einer solchen Erklärung konnte man nicht scheiden. Der Feldwebel erachtete der Gerechtigkeit gemäß, Niemanden ungehört zu verdammen. Er blieb stehen. Clementine, die vielleicht auch gern stehen blieb, hielt es der klugen Vorsicht angemeflen, sich für allfällig Vorüber­gehende in die Dunkelheit der Nacht einzuschleiern, und blies die Laterne ans. Der junge Wilmson hatte in diesem Augenblick Besonnenheit genug, sich zu erinnern, daß Cle­mentinen» an Licht gewohnte Augen, nun plötzlicher Finsterniß hingegeben, weder Weg noch Steg erkennen würden. Er bot ihr daher, wie in Magdeburg, al» Führer den Arm, und führte fie, ohne zu fragen und zu wissen, wohin?

Run erfuhr er von der Flüsternden, die ihm ihr Leid klagte, die Ursache ihre» bisherigen räthselhasten Betragen». Nämlich der vielbekannte Kiek, welcher sich eben jetzt mit bem Geheimenrath Gundling zu Potsdam befand, war auch im Hause von Clementinen» Herrschaft wohlbekannt; hatte auch hier da» arme Mädchen mit Zudringlichkeiten verfolgt und dann verleumdet, e» habe sich mit einem schlechten Kerl unter de« Soldaten der Garde eingclaffen. Man müsse b«» Mädchen wohl unter den Augen behalten. Folge davon war gewesen, daß Clementinens gegenwärtige Gebieterin, eine äußerst gottesfürchtige, andächtige Frau, dem armen Mädchen erst die Sünde de» Schielen» nach Soldaten ernst­lich vorhielt, Clementinen« Selbstvettheidigung gar nicht anhötte, sondern kurz und bündig erklärte,sie werde die Mamsell ohne Barmherzigkeit auf die Straße hiuauSwersen lasten, sobald man das leiseste Einverständniß mit einem Soldaten auSspüren könne."

Clementine weinte bitterlich bd der Erzählung ihres

»«»!«».

$8ten, 4. Dec. Die Suezkanalfrage läßt die hiesigen politischen Kreise ziemlich kühl und begegnet einer sehr ruhigen Austastung. Die Auffassung, daß England sich durch diesen Schritt von der orientalischen Politik der Nord­mächte direkt loSgesagt habe und nun Politik auf eigene Faust machen werde, wird in dem hiesigen auswärtigen Amte nicht getheilt und ist von einer Verstimmung ernst- ich nichr die Rede. Man glaubt Übrigens und, wie eS cheint, nicht mit Unrecht, daß allerdings die Idee vom Jahre 1869, den Suezkanal zu neutralifiren, demnächst den Gegenstand diplomatischer Verhandlungen bilden werde und von englischer Seite dagegen keine Schwierigkeiten er­hoben werden dürften. Der zum serbischen Minister- Präsidenten auSersehene Senator Philipp Christic wird in den Blättern häufig mit Nicola Christic verwechselt, welch Letzterer allerdings Panslavist ist, Philipp Christic ist ein Konservativer und hat im Jahre 1863 als serbischer Mi­nisterpräsident zur Zeit deS Aufstandes deS Luca Vukalovic, und des Feldzuges Omer Paschas gegen Montenegro die Neutralität Serbiens strenge aufrecht gehalten. Serbien hat allerdings sehr bedeutende Waffenlieferungen abgeschloffen, dieselben werben aber nicht vor dem Frühjahre effeauirt werden können. Den vom hiesigen Handelsministerium herauSgegebenenNachrichten für Industrie, Handel und Verkehr" ist zu entnehmen, daß der Triester Verkehr durch den Suezkanal, welcher 1870 nicht mehr als 91/2 Millionen Gulden betrug, im Jahre 1873 bereit« das Doppelte, näm lich 161/2 Millionen Gulden erreichte. Der Canalbau und deffen Instandhaltung hat bis Ende 1873 einen Betrag von 437 Millionen Franc« gefordert, in welcher Summe jene 124 Millionen Francs nicht inbegriffen sind, welche der Vicekönig bei verschiedenen Gelegenhttten für Terrain­abtretungen, Entschädigungen u. s. w. bezahlt hat.

Pari-, 4. Dec. Der Wirrwarr in Versailles dauert fort. Obgleich heute beschlossen wurde, daß die Wahl der 75 Senatoren nächsten Donnerstag ihren Anfang nehmen soll, so haben fich die verschiedenen Parteien bis jetzt kei­neswegs geeinigt. Zwar versichert derFran^aiS", die von Buffet begünstigte Liste könne auf eine Majorität von 12 Stimmen rechnen; dies ist aber keineswegs begründet, da er bis jetzt weder die dreißig Bonapartisten noch die JntransigeantS" der äußersten Rechten (ungefähr 25 bi« 30 Deputirle) gewonnen hat. Diese 55 60 Stimmen könnten ihm sogar sehr leicht endgültig entgehen, da Raoul Duval im Namen der Bonapartisten, die vor Allem die Orleanisten beseitigt haben wollen, mit der Linken und der äußersten Rechten Unterhandlungen angeknüpft habe, um eine gemeinschaftliche Senatorenliste aufzustellen. Die An­erbietungen deffelben bestehen darin, für eine Liste zu stim­men, auf welcher 30 Mitglieder der äußersten Rechten und