Nr. 282.
Marburg, Donnerstag, 2. December 1875.
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Anzeigen nimmt entgegen: hie Expedition d. Blatte«, sowie die Annoneen-Bureank von Th. Dietrich & Co. in «taffe! und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a- M-; Haafenstein & Bögler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, 66ln ic; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. Ri. rc.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaur von @ L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.-Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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Deutsches Strich.
•• Berlin, 29. Nov. Heute Mittag um 2 Uhr fand eine Sitzung de« Staatsministeriums statt. — Die Besserung de» Grafen Wend zu Eulenburg schreitet zwar glücklich vorwärts, doch dürfte bis zur völligen Wiederherstellung des Kranken wohl noch einige Zeit vergehen. Es ist daher die ursprünglich bereits für Dezember in Aussicht genommene Vermählung des Grafen mit der Tochter deS Reichskanzlers aufgeschoben worden. — Zwischen Preußen, Oldenburg und Bremen schweben bereits seit dem Jahre 1868 Verhandlungen wegen gemeinschaftlicher Unterhaltung von Schifsfahrtszeichen auf der Unterweser und Erhebung einer diese Kosten deckenden Abgabe von den in die Weser einlaufenden Schissen. ES kommt dabei auch die Erhaltung eine« alten Kirchthurmes, deS LeuchtthurmeS und Leucht- feuerS auf der Insel W-ngeroge, sowie deS Bestandes dieser Insel selbst in Betracht, deren Weststrand durch wiederholte Sturmfluthen sehr gelitten hat. Am 20 Oktober sind diese Verhandlungen endlich zum glücklichen Abschluß gekommen und der Entwurf deS diesbezüglichen Vertrages dem Bun- drSrathe vom Reichskanzler vorgelegt. Der Reichskanzler beantragt, daß das Reich die in dem Vertrage ihm zugewiesene« Leistungen übernehmen und mit zwei von Oldenburg bezeichneten Vorbehalteu sich einverstanden erkläre, daß nämlich fürder vom Reiche keine Forderungen wegen Strandbefeftigungen aus Wangeroge au Oldenburg erhoben werden und da« Reich die Erhaltung eine« zweiten Leucht- churme« auf dieser Insel bestreite. — Wenn man vielfach glaubte, daß die ReichSregierunz die Sttafgesetznovelle fallen oder sich derselben doch nur la« annehmen werde, so be- weise« die beiden letzten, sehr, warm geschriebenen Artikel der „Norddeutschen «llg. Ztg.", welche diesen Gegenstand behandelten, daS Gegentheil. Es ist hiervon niemals die Rede gewesen, man weiß vielmehr, daß man entscheidenden Orte« nach wie vor gerade den höchsten Werth auf diese Revision legt. --- Auf den Verlauf der Generaljynode blickt man bi« jetzt mit großer Befriedigung zurück. ES scheint in der That, tri« wenn der Einfluß der Mittelpartei täglich wächst und auch nach link« hi« feine Wirkung ausübt. Besonder« freudig begrüßt man dir Erklärungen de« Abgeordneten Miquel, die geeignet sein dürsten, da« Werk der Versöhnung in nachdrücklichster Weise zu fördern. — Die „Eisenbahn-Zeitung", bekanntlich daS Hauptorgan aller der Gerüchte, die von einem Zwiespalt zwischen dem Fürsten BiSmarck und de« Herren Camphausen und Delbrück wissen wollten, ist durch die letzte Rede deS Reichskanzlers sehr enttäuscht und gibt dieser Enttäuschung auch nach allen Seite«, und zwar mit den heftigsten Worten, Ausdruck. Sie räch dem Fürsten Bismarck, nach einem Colbert zu suchen. Jedenfalls aber dürfte die Wichtigkeit, welche das genannte Blatt eine Zeit lang in Anspruch nahm, damit demselben wieder genommen und seine Bedeutung auf ihr richtige« Maß zurückgeführtsein.__
Schleswig Die schleSwig'sche Regierung hat einen neuen Schritt zur Verdeutschung deS dänischen Nordschleswigs geihan, indem sie in einem Rundschreiben an die Kirchenvisitatorien aller nordschleSwigschen Probsteien den selben besonder« auferlegt hat dahin zu wirken, daß alle Zehrer sich so in der deutschen Sprache befähigen, daß sie ich derselben mit Sicherheit als Unterrichtssprache bedienen innen. Zu diesem Ende wird der Kursus im Deutschen, der bisher einmal jährlich dänischredenden Lehrern am Seminar zu Tondern ertheilt wurde, forthin zweimal jährlich stattfinden; die Prediger sollen dafür sorgen, daß )ie Lehrerbibliotheken mit passenden deutschen Werken ver- ehen werden; sie sollen ferner Konferenzen mit den Lehrern abhalten und sich im Verkehr mit ihnen nur der deutschen Sprache bedienen. Selbstredend find dies nur Vorbereitungen zu der Einführung deutscher Schulsprache auch in den rein dänischen Distrikten.
Barme«, 27. Novbr. Dieser Tage hat der Reichstags-Abgeordnete Hasielmann, wie aus der „Elberf. Ztg." zu ersehen, vor seinen Wählern eine einstündige Rede über den deutschen Reichstag gehalten. Er erklärte, die freie Meinung« Aeußerung sei im Reichstage thalsächlich vernichtet und unterdrückt, den socialistischen Abgeordneten würde gegenwärtig in einer „geradezu infamen Weise" von der Majo- rität da« Wort abgeschnitten. Geschähe da« noch weiter, so würden sie am Schlüsse der Session einen Scandal provociren und erklären, daß im Reichstage die Meinung des Volke« gefälscht würde, und dann wollten die socialistischen Abgeordneten ihr Mandat niederlegen.
Weimar, 28. Nov. In Eisenach wurde eine vorgestern Abend gehaltene social-demokratische Versammlung wiederum polizeilich aufgelöst. — Im Geraer Landtag ist eine Interpellation, die Weimar Geraer Bahn betteffend, eingebracht worden, auf deren Beantwortung man wohl ge spannt sein darf. Gedachte Bahn ist nämlich nicht zur festgesetzten Frist fertig gestellt worden, und die beteiligten Staaten hatten das Recht, die Concession für erloschen, die Cautton als verfallen zu erklären und die ZinS-Garantie zurückzuziehen. ES ist daS nicht geschehen, vielmehr die Frist bis zum 1. December verlängert worden. Nun kann auch dieser Termin nicht eingehalten werden, und deshalb wird die Geraer Regierung interpellirt : ob sie von ihrem Rechte, die Concession für erloschen, die Caution al« verfallen und die Zins-Garantie für wegfallend zu erklären, keinen Gebrauch machen wolle? Für Gera beziffert sich der Antheil an der Caution auf 60,000 und die jährliche ZinS-Garantie auf 26,000 Thaler.
Mainz, 29. Nov. Gutem Vernehmen nach hat die Regierung die zwischen der „Bank für Handel und Industrie" und der Verwaltung der Hessischen LudwigSbahn verabredeten Modalitäten zur Begebung des Prioritäts- Anlehens von 20 Millionen Mark für die neuen Linien genehmigt. Die Begebung dürfte im Februar oder März
n. I. erfolgen. Weiter hat die Regierung in Erledigung der an sie gelangten Eingaben einiger Gemeinde Vorstände die Ludwigs-Bahn Verwaltung veranlaßt, eine letzte Verlängerung der Frist zum Beitritt zu dem die Entschädigung für das Bahn-Gelände regelnden sog. Goldmann'schen Ver- rag bis zum 30. December l. I. zu gewähren. — Die ürzlich aufgetauchte Nachricht, eS beabsichtige die Regierung mit der Vorlage des den Ankauf der Oberhessischen Bahnen betreffenden Vertrags auch eine solche bezüglich des Baues einer Linie Gelnhausen Partenstein an die Stände gelangen zu laffen, ist ohne Grund, wenigstens so weit dieses Projekt der Mitwirkung der hessischen Regierung unterstellt wird, da eine solche Strecke das hessische Staatsgebiet gar nicht berührt.
lullaxi.
Wie«, 30. Nov. Nach einem Telegramm aus Konstantinopel ist der Lloyd-Dampfer „Trebizonda" in der vorgestrigen Nacht bei Varna gescheitert. Die Abend-Blätter berichten, daß Passagiere und Mannschaften gerettet seien, das Schiff dagegen verloren scheine.
Bern, 30. Nov. Die Regierung Ostindiens hat ihren Beitritt zum Weltpostvertrag angemeldet. In Folge deffen findet hier am 17. Januar eine Konferenz der Vertreter der betheiligten Postverwaltungen statt.
Pari-, 29. Nov. Die Rspublique Fran^aise benutzt da« Tagesereigniß, den Ankauf der Suezcanalaktien, um auf« Neue gegen die ägyptische Politik de« Herzog« De- caze« Sturm zu laufen; die Officiösen machen der Rspublique umgekehrt den Vorwurf, daß sie durch ihr Widerstreben gegen die Reform der ägyptischen Gerichtsbarkeit dem diplomatischen Einfluß Frankreichs in Aegypten die Mittel genommen habe, sich rechtzeitig geltend zu mache». Beide Theile sind in ihren Ausführungen nicht sehr überzeugend. In der France und in der Debats tritt heute zuerst ein Vorschlag offen hervor, der in der Stille schon länger geplant sein mag: der Suezcanal, meinen beide Blätter, soll für neutral erklärt werden. Dieser Vorschlag würde Frankreich sckon gefallen; die Schwierigkeiten, die er barbtetet, liegen aber auf der Hand. Aegypten ist keineswegs in der Sage, die Neutralität des Canals schützen zu können. Entsteht aber ein Seekrieg, so wird jede der feindlichen Mächte vor allen Dingen den Canal für den Gegner zu sperren versuchen, und England kann es nicht darauf ankommen laffen, daß eine solche Eventualität zu seinem Nachtheil cintrete. Es wird also durch die Sachlage selbst dahin gedrängt, sich nicht mit einer platonischen Neutralität deS Canals zu begnügen, sondern dahin zu streben, daß diese ihm über Alles wichtige Verkehrsstraße direct unter seinem Einfluß und Schutz stehe. Lord Palmerston ist bekanntlich gerade deßhalb ein Gegner deS Durchstrichprojektes gewesen, weil er vorauSsah, daß England feinctroegen zu Kämpfen kommen könnte; jetzt, wa sich den Engländern der Anfang einer Gelegenheit bietet, ohne
Der Feldwebel.
Novelle v. H. Zschocke.
(Fortsetzung.)
„Kreuzbataillon!" schrie Krabb, und wollte mannhaft scheinen, den Schmerz verbeißen, der ihm die Brust zusammenzog, und die Thränen wegschütteln, die ihm in den grauen Schnurrbart fielen: „Was ist denn das? Ich glaube gar, Sie flennen wie ein alte« Weib, Fritz Schämen Sie sich, Herr. Hol'« der Teufel, ich habe nicht« mehr mit Ihnen zu thu«. Ein Soldat muß nicht heulen.
Krabb wollte «och mehr zu Fritzen« Ermuthigung sagen, ober seine Stimme brach. Er brachte kein Wort mehr über di« bebenden Lippen, drückte dem jungen Wilmson die Hand und ging «einend und fluchend über die Brücke zurück in di« Stadt, indem er zwifchenein für sich fang:
Ade, ade, ade!
Ja, Scheiden und Meiden thut weh'!
Sobald der junge Wilmson die Thürme von Magdeburg hinter sich aus den Augen verloren hatte, beruhigte sich fein Innere«. Er sah in die Zukunft hinaus, sah im fernen Hintergründe feine Erlösung, seine Flucht, die freien, schönen Ufer de« Bodenfee's und das Landgut der Schwester seine« Vater«. Zwar da« rechtlose, gewaltthätige Verfahren, durch welche« er binnen vierundzwanzig Stunden aus der Mitte aller seiner Freuden und seiner Freunde hinweg in einen Hausen roher oder lüderücher ober unglücklicher Menschen geworfen war, empörte von Zeit zu Zeit seine Galle; aber er zerstreute sich, wie er konnte, und zum ersten Mal sühlte et die Weisheit und ihr Glück in Ausübung der LcbenSregeln feine« Vater«: Sei dein eigener Meister, und bu bist Meister in der Welt.
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6.
■ ’■ Der Mensch denkt, Gott lenkt.
Die Rekrutm machten nur kleine Tagreisen. Nachdem sie in Potsdam eingezogen und gemustert waren, wurden sie verschiedenen Regimentern einverleibt. Wilmson tarn unter die Garde zu Fuß. Er fügte sich geduldig in Alle«; erlernte die puppenhafte Stellung, die Handgriffe mit dem Gewehr, Link»- und Rechtsschwenken schnell; ward in die blanke Uniform eingekleidet und versah bald den Dienst gleich Ander«. Wie wenig er sich auch Mühe darum gab, gewann er in kurzer Zeit die Aufmerksamkett und Gunst der Hauptleute. Er war ohne Widerrede der schönste Mann im ganzen Regimente, Wenn auch nicht der längste. Sein To«, sein Anstand, seine feinen Sitten verriethen bald, daß er aus gutem Hause fei. Man unterschied ihn von den Andern. Seine mannigfachen Kenntniffe blieben nicht unbemerkt. Die Hauptleute benutzten ihn. Er mußte bei vielen Schreibereien und Rechnungen helfen. Er trug unter der groben Soldatenuniform da« feinste Linnen. Er machte große Ausgaben, bald feinen Kameraden einen frohen Tag zu schaffen, bald Nothleidenden Trost zu bringen, denen mit Geld zu helfen war. Dies Alle« erwarb ihm eine Achtung unter den Obern, wie sie sonst dem Soldaten nicht zu Theil wirb. Er empfing sogar Erlaubniß, ein eigenes Zimmer zu bewohnen; und damit war unter diesen Verhältnissen sein höchster Wunsch gewährt. Er richtete sich niedlich, aber einfach ein. Man wußte wohl, er fei wider feinen Willen und auf des Königs unmittelbaren Befehl unter die Soldaten gebracht. Biele Andere beim Regiment waren auf ähnliche Weise dahin gerathen. Aber Keiner schien mit seinem neuen Stande schneller versöhnt zu sein.
Er selbst äußerte bei jedem Anlaß Zufriedenheit, und erklärte, daß er entschlossen wäre, lebenslänglich Soldat zu bleiben, und wenn fein Vater für den Loskauf Tonnen Goldes böte.
lFortsetzung folgt.)
— Allen Verehrern des verstorbenen Hoffmann von Fallersleben sei ein kleines, eben in der E. Arnold'schen Kunsthandlung in Dresden erschienenes Büchlein empfohlen, da« eine Menge bisher noch nicht pnblicirte Weinlieder und Sprüche de« Dichter« unter dem Titel „Unser Wein- Ha»«" enthält. Die Entstehungsgeschichte dieser letzten Poefieblüthen ist eigenthümlich. Hoffmann verweilte vom 12. bi« 22. September 1872, also ungefähr fünf Vierteljahre vor feinem Tode, zum Besuche von Bekannten in Dresden und besuchte hier täglich die Weinstube von Seu- len, Wallstraße, wo er sich besonders in einem kleinen, nur mit Holz getäfelte» Zimmerche» gefiel und, von edlem Rheingauwein begeistert, den Entschluß faßte, die Wände diese« KabinttS mit Sinnsprüchen zu schmücke». Jeden neuen Morgen brachte er dem Besitzer der Weinhandlung ein oder ein paar am Tage vorher entstandene oder während der Nacht zurechtgefeiltc Gedichte mit, die letzten schickte er noch von Corvey aus seinen Dresdener Freunden zu. Das Zimmer ist längst fertig und ringsum an den Wänden prangen in zierlicher arabeskenumrankter Goldschrift die sinnigen, letzten Weingedanken Hoffmann«; — sie auch fernen Freunden des Wein«, der Dichtkunst und Hoffmann«, die nicht alle Tage zu Seulen pilgern können, zugänglich zu machen, ist die Bestimmung de« von dem nur mit Anfangsbuchstaben H. bezeichneten Verehrer herauSge- gebenen, oben verzeichneten Büchleins.