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X. ZhkMg.

Marburg, Sonnabend, 27. November 1875-

Sr. 278

ObtchrDliic Jritimg

Rechtfertigung seines Verhaltens und eine Darlegung seiner Beziehungen zu der genannten Bank.

Der päpstliche Nuntius am spanischen Hofe hat der Curie angezeigt, daß der Justizminister und interimistische Minister des Auswärtigen, Calderon Coblautes, beauftragt sei, in der Concordatsangelegenheit mit ihm zu verhandeln. Die spanische Regierung wünscht den Abschluß eines neuen Concordats, wogegen die Curie nur auf eine theilweise Modification des früheren Concordats cingehen will.

Blick, so daß ich die Särge nicht sah, sondern es floß ein milchweißer Schaum darüber. Und Alles lösete sich in den Schimmer aus, der von oben her aus unendlichen Fernen strahlte; und ich fühlte mich in einer wunderbaren Lust selbst nicht mehr, denn ich ruhte und schwebte selber wie ein Glanz im Glanze. Das kommt daher, sagte, doch nicht mit menschlicher Stimme, ein Heller Strahl der mich durchdrang — aber eö war daö Wesen meines Gatten, — das kommt daher, weil du bei mir bist. Und dein gewe­sener Bruder Anton und sein gewesener Sohn Fritz sind auch da. — Wie, ries ich, Alles gestorben? — Darüber erwachte ich; aber ich hörte mich wachend noch das Wort gestorben rufen, und es war finster um mich, und cS hallte meine Stimme von den Wänden zurück, daß es mich mit Entsetzen durchschauerte. Indem schlug die Thurmuhr der St. Johanniskirche Mitternacht. Ich lag in kaltem Angstschweiße. Erst gegen Morgen entschlummerte ich."

Herr Wilmson sagte: „So gehl's, wenn man wohlge­meinten Rath verachtet. Warnte ich dich nicht gestern Abend, nichts von den Neunaugen zu esien? Sie machen mir jedes - mal Unverdaulichkeit und unruhigen Schlaf. Und dergleichen Träume können einem ganzen Tage die widerlichste Farbe geben."

Da brachte Fritz einen Brief, den eine fremde Dienst­magd ihm für seinen Vater gegeben. Herr Wilmson öffnete und sand keine Unterschrift, sondern nur die wenigen Zeilen: „Ein guter Freund ermahnt Herrn Wilmson, nach Empfang dieses ins Bett zu gehen, und für einige Tage todtkrank zu werden oder zu scheinen. Erwähnter guter Freund weiß aus sicherm Munde, daß Herr Wilmson dem Könige all- zugut gefallen hat. Sapienti aat.«

Deutsches Reich.

** Berlin, 25. Nov. Es verdient rezistirt zu wer­den, daß gewisse Organe noch immer nicht von ihren Hoff' nun gen lassen mögen und von der großen Rede deö Reichs­kanzlers behaupten, daß dieselbe einen tiefen Zwiespalt zwischen ihm unv seinen College« Delbrück und Camphaufen constatire. Man darf daher nicht alles verloren geben. Daö große Publikum hat aus jener Rede zum Glück nur die Gewißheit gewonnen, daß unsere Finanzpolitik fest und unverrückt ihre Ziele verfolgen wird. Auch das dürfte zur Beruhigung der Geschäftswelt beitragen, ebenso die Ueber- zeugung, daß von parlamentarischen Confliklen keine Rede ist. Ueberhaupt giebt man sich der Hoffnung hin, daß für jene das Schlimmste überwunden ist, welche Hoffnung durch die Nachricht, daß die Waarenfabrikalion bereits vielfach wieder einen gewissen Aufschwung nimmt, eine gewisie Be stätiguug erhält. — Die Anfrage des Herrn Eugen Richter nach den Restbeständen der Kriegsentschädigung hat an manchen Orten große Sensation hervorgerusen. Rian dürfte dieselben in parlamentarischen Kreisen kaum theilen, da man weiß, daß es der Regierung nicht schwer wird, diese An­frage zu beantworten. Alljährlich ist bekanntlich dem Reichs­tage seitens des Reichskanzleramtes ein genauer Rechen­schaftsbericht über die Kriegsentschädigung abgestattet, über ihre Bestände aber durch legislative Akte bereits verfügt, theils eine solche Verfügung in Aussicht genommen. Die Richter'sche Anfrage kann daher im Grunde nur den Sinn einer Kritik über diese Verfügung sein sollen, nicht aber eine Enthüllung über bishergeheim gehaltene Fonds. Auch die Anfrage des Centrums wegen des Reichsinvalidenfonds dürften ihre Beantwortung durch die Finanzverwaltung ent­weder schon gefunden haben oder noch im Lause der Session zur vollen Befriedigung der Frager erhalten. Interessant ist übrigens, daß das Material zu d esen Anfragen durch­aus den Ausführungen der deutschen Eijenbahnzeitung ent­nommen ist, so daß es scheint, als die von jenem abenteuer­lichen Blatte dem Centrum ongcbotene Allianz von diesem keineswegs zurückgewiesen ist.

Darmstadt, 22 Nov. Die an die zweite Kammer i gerichtete Vorlage der Regierung wegen Erhöhung der Apa­nage des Prinzen Ludwig besagt: Die anfänglich auf 18,1)00 : Gulden festgesetzte Apanage des Prinzen Ludwig sei im Jahre 1861 aus Anlaß von dessen damals bevorstehender ! Vermählung auf 40,000 Gulden erhöht worden. Wenn

licht Dr. Strvußbcrg in der „Moskauer Zeitung" eine

Der Frldwetrl.

Novelle b. H. Zschockr. (Fortsetzung.)

4.

Als er das hörte, rief er aus Mit bitterlichen Zähren: Mein Beispiel soll die ganze Welt "

Bedacht und Klugheit lehren.

Alte Ballade von Eschenburg.

Des andern Morgen- war Alles im Wilmjoufchen Haufe früh iu Bewegung, um die Vorbereitungen zum Abschiedsfeste zu machen, welches Herr Wilmson feiner Schwester gab. Dieser Ehrenmann, sonst schlichtend recht in allen Dingen, pflegte in seiner Haushaltung sparsam feit zu üben, welche fast an Knauserei grenzte. Aber bei außerordentlichen Anlässen wußte er seines Aufwandes fast kein Maß und Ziel. Da wurden die köstlichsten Lccker- bissen um jeden Preis herbcigeschafft; die thcuerftcn Weme sollten in Strömen fließen; die stets geschlossenen Pracht­zimmer seines Hause« wurden geöffnet, und statt des blm- den Zinns auf den Tischen glänzten silberne Teller und Schüsseln, und den Boden bedeckten morgenländijche Tep­piche. Bei fünfzig Personen seiner Bekanntschaft waren heute zum AbschiedSschmause eingeladen. Zwei Wusikchöre sollten abwechselnd in entferntesten Nebenzimmern, wahrend des GastmahlS, das Ohr der Gäste ergötzen. Ringsum an den Wänden prangten und dufteten in geschmackvollen Porzrllanvasen malerisch geordnete Blumen. Er selbst gmg von Zimmer zu Zimmer umher,, nachzuschauen, ob fern Wille gehörig vollzogen werde. ES war ihm nichts zu prächtig, nicht« zu theuer. Während de« Esten« sollten sich

Generalsynade.

Die außerordentliche Generalsynode der älteren Pro- i vinzen hielt gestern im Herrenhaus- ihre erste Sitzung. Die > in dieselbe gewählten Protestantenvereinler hatten unter Führung de« Herrn Techow und Miquel aus der linken Seite Platz genommen, die Vermittlungsmänner unter Führung de« Herrn Beyschlag u. A. saßen in der Mitte, und recht« die Streng - Confessionellen, Herrn von Kleist ! Retzow an der Spitze. Am Ministertische befand sich der i CuttuSminister mit einer Anzahl seiner Räthe. Nach dem l Gebet hielt Prosestor Herrmann, Präsident des Oberkirchen rath«, die Eröffnungsrede, in welcher er sehr geschickt die Parteifragen zu vermeiden, und nur die Verfassungsfrage zu betonen wußte. Der Redner warnte vor einer Nach ahmung deS Beispiels, welches die Generaljynode von 1846 gegeben, deren Erfolge durch den Versuch, Bestimmungen über Gegenstände von unmittelbar dogmatischer Bedeutung her- beizusührrn, für welche die Verfaffung der Landeskirche kein geeignetes Organ besaß, vereitelt worden seien. Deß- halb sei jetzt lediglich das Synodalinstitut durch eine Ge- nrralsynodalordnung zu vervollständigen, um so den Zu­stand wirklicher Handlungsfähigkeit für die Landeskirche herbeizuführen. Hinter dieser unenthehrlichen Eränzung ihrer Verfaffung müssen alle anderen noch so wichtigen organisatorischen Aufgaben zurücklreten. Diese sollen erst dann an die Reihe kommen, wenn als Vorbedingung der vervollständigte Bersaffungsapparat dastände. Der König lege hohen Werth darauf, daß sich die Versammlung in den Grenzen dieses ihres Mandats halte; darin liege eine Bedingung deS Gelingens ihrer Arbeit. Da die evange­lische Kirche ihren VerfassungSeinrichtungen keinen Heits- werth beilege und nicht an eine Kirchenverfaffung glaube, so könnte die Aufgabe der Versammlung sehr bescheiden erscheinen; da aber die inneren Verhältnisse des Lebens der Kirche ebenso wie die äußeren geschichtlichen Bedingungen, unter denen sie ihre Mission auszurichten hat, auf einen baldigsten Abschluß der Synodalversaffung hindrängen, so fei dies« Aufgabe doch von hoher Bedeutung. Was das innere Leben tatrifft, so habe Niemand mehr als das Kirchenregiment Ursache, nach Th-ilung seiner Arbeit mit der Synode zu verlangen, und was die äußere Lage der Kirche betreffe, so sei von einer Verwirklichung der nicht bloß auS kirchlichem, sondern auch aus staatlichem Grunde nothwendigen Selbstständigkeit der Kirche so lange nicht die Rede als eine abgeschlossene Synodalversaffung nicht vorliege Er bittet den Entwurf wohlwollend aufzunehmen. Di« Wahl deS Grasen Otto zu Stolberg-Wernigerode zum ersten Präsidenten, ist vornehmlich dem Grunde zuzuschrei- den daß derselbe keiner kirchlichen Partei angehört, wäh­rend durch die Wahl des Pastor Rieden zum zweiten Präsidenten den Rheinifch-Westfälischen Synoden die Hand geboten werden sollte. Nach Constituirung des Bureaus verlas der Präsident einen von den Herren: Oberprastdcnt v. Horn (Königsberg), Schulrath Dr. Schrader (KömgS-

seine Schwester und sein Fritz still entfernen und ver­schwinden, ohne Lebewohl. So wollte er'ö. „Denn gro­ßem Schmerz," sagte er, „hilft große Zerstreuung am besten ab Das Gemüth wird im Gleichgewicht erhalten. Ich kenne mich, ich bin zu weich; darum thu' ich Fürsorge, ich halte es mit Till Eulenspiegel: ernsten Sinn, wenn Alles glückt, leichten Sinn, wenn's übel geht."

Als Frau von Moos bei ihm erschien zum Frühstück, konnte sie sich nicht erwehren, ihm weinend um den Hals zu fallen. „Bruder, ich jammere nicht wegen unserer Trenn- nung," sagte sie, „aber «die Einladung zum Komman­danten, — glaube mir's, es steht dir und uns Allen Un­heil, bevor."

Er lachte.

' „Ich hatte einen fürchterlichen Traum diese Nacht. Ich sah meinen verstorbenen Mann. Ich wunderte mich, ihn noch lebend zu sehen. Man stirbt nicht, sagte er, wenn man von der Erde geht. Bis du zu mir kommst, besuch' ich dich zuweilen, wie ich schon oft gethan habe. Jetzt begleite mich in meine Wohnung. — Wo wohnst du ? fragte ich. Er zeigte auf eine uralte Kirche. Wir traten hinein. Wir gingen mit schallenden Schritten durch ein Todtengewölbe. Links und rechts Reihen von Särgen. Er legte sich in einen leeren Sarg. Der dort, sagte er, und zeigte auf einen andern leeren, ist für dich, wenn du kommst. Die dort schlafen gut, fuhr er fort und zeigte >zu seiner Rechten. Ich blicke hin und erblickte dich, An­ton, in dem einen und Fritz in dem andern Sarg. Mich überfiel ein Schauer. — Hättest du sie nur gewarnt, sie wären noch nicht hier! sagte mein Mann. — Ich Habeste ja gewarnt! sagte ich, und Thränen verdunkelten meinen

Auzngen nimmt entgegen: die «xptbition d. Blatte«, sowie die Amumeen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M ; Haasenstein & Boaler in Frankfurt a- M, Berlin, Leip­zig, Cöln ic; Rudolf Mofse in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie bie Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jägerische Buchbandlung in Frankfurt a M.; Jnvalidendank, A- Rete- meper in Berlin; Carl Schuß­ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen. "

ßrfAnnt täalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die ExpedrNon (Koch'sche Erscheint lägt.ch mrßer Mrnagen^naa, vonn ^ulle? des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf». <exl. Bestellgebühr). - Jnserttonsgebuhr für bie gespaltene Zelle 10 Pf».

* Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg.^berechnet. ______________

berg) und Oberbürgermeister v. Voß (Halle) gestelllm ! Antrag auf Erlaß einer Adrcffe an den Kaiser, welche auf ' die nächste Tagesordnung gestellt wurde.

Tagesbericht. 1

Ter „Reichs- und Staats-Anzeiger" enthält einen Aller- 1 Ochsten Erlaß zur Einberufung einer außerordentlichen ! Sezirkssynode für den Regierungsbezirk Wiesbaden, sowie 1 eine Verordnung über die Zusammensetzung und Zuständig- ' "eit dieser Synode.

Bei der Berathung über das Budget des ReichSeisen- bahnamteS kam auch die in der letzten Zeit so vielfach ven- tilirte Frage über den Ankauf der Eisenbahnen durch das 1 Reich zur Sprache; wenn auch nicht alle Redner sich dasür erklärt haben, so ist doch nicht zu läugnen, daß das Be wußtsein der Nothwendigkeit des StaatSeisenbahnsystems immer mehr zum Durchbruch kommt, und eigentlich keinen namhaften Gegner mehr aufzuweisen hat. — Freilich ist von der Anerkennung dieses Prinzips bis zur Durchführung desselben noch ein ziemlich weiter Weg. Indessen sind die Uebelstände unseres Eisenbahnsystems so mannichfaltig, daß auch die Frage, ob überhaupt denselben mit einem Reichs­eisenbahngesetz abgeholfen werden kann, sich immer mehr aufdrängt. Die Erhöhung der Tarife, die Willkür und Mannichfaltigkeit derselben, die verschiedenartige Berechnung machen sich als ein so großer Krebsschaden, gellend, daß die schleunige Beseitigung dieser Uebelstände mehr und mehr eine Lebensfrage für die Industrie wird und eher kein Auf­schwung derselben zu erwarten ist, als bis diese Frage ge­löst ist.

Wir vemehmen, daß die Versetzung des General-Lieute­nants v. Schweinitz, deutscher Botschafter am österreichischen Hose, auf den Botschasterposten in St. Petersburg aufge­geben ist, und daß derselbe definitiv in Wien verbleiben wird.

Eine grundsätzlich wichtige Entscheidung ist neuerdings dahin getroffen worden, daß nach §. 3 Nr. 3 des Gesetzes vom 20. Juni d. I. zum kirchlichen Vermögen insbesondere auch die Erträge der in neuerer Zeit unter verschiedenen Benennungen eingeführten, innerhalb der katholischen Kirche mittelst Rundgängen, Opfergänge, unb in anderer Weise abgehaltenen Sammlungen gehören. Demgemäß sollen die Kirchenvorstände daraus aujmerksam gemacht werden, daß die Erträge nicht nur zur Kirchenkasse abgeführt, sondern auch vollständig, wenn auch eventuell nur als durchlaufende Posten, in den Jahresrcchnungen über das Kirchcnvermögen in Einnahme und Ausgabe gestellt werden müssen.

■ AuS Moskau wird gemeldet, daß gegen Dr. Strouß berg nunmehr die Criminal - Anklage erhoben worden ist.

i Zugleich verlangt das Gericht für die von ihm erbetene । provisorische Entlassung aus der Hast, außer der Bezahlung i der fälligen und protestitten Wechsel der Commerz Leihbank t eine Caution von 500,000 Rubel. Gleichzeitig veröffent-