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Marburg, Mittwoch, 24. November 1875.
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OimMche Mutig
Tagesbericht
Deutsches «eich.
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ndung gesetzt werden wird, da die ausübende Tonkunst dort bereits ihre Stelle gesunden hat.
Im Ssterreichischen Abgeordnetenhause steht eine Interpellation bevor, die ein direktes Interesse für uns hat, da ie die Trennung der österreichischen und preußischen An- theile der Diöcese Breslau betrifft. Die beiden Regierungen >abcn, wie es heißt, schon seit längerer Zeit Verhandlungen lber diesen Gegenstand geführt. -
Die Bestrebungen Rumäniens, selbstständig mit den ver» chiedenen Mächten Handelsverträge abzuschließen, haben, nach einer Seite hin, günstigen Erfolg gehabt; da die Handelsconvention mit Rußland weit genug vorgeschritten, um ihre Vorlage an die rumänischen Kammern bereits zum Ende des Winters erwarten zu können. Die Handelscon- vention mit Oesterreich Ungarn hat bis jetzt jedoch nicht zu vollständigem Abschluß gelangen können, da die gesetzgebenden Körper in Wien und Pest noch ihre Zustimmung nicht ertheilt haben. ,
In Spanien ist noch immer Alles beim Alten, und scheint es wohl noch bleiben zu sollen, denn di- Madrider Blätter fahren fort, große Thaten für die Zukunft zu versprechen, da, wie sie sagen, mau den entscheidenden Schlag gegen die Carlisteu mit der äußersten Sorgfalt vorbereiten will. Martinez-CampoS, der Catalonien von den Carlisten gesäubert hat, soll mit feinen Truppen die Nordarmee ver- tärken. ____
** Berlin 22. Nov. Nachdem bereits dir Rede des Herrn Camphausen jede Besorgniß verscheuchte, al, könne es wegen der Steuervorlagen zu einem Confiikte zwischen der Regierung und Majorität kommen, haben die heutigen Erklärungen des Fürsten Bismarck auch die leisesten Schatten etwaiger Befürchtungen beseitigen muffen. Denen, die auf solchen Conflikt fpeculirt, dürfte nunmehr auch die letzte Hoffnung Ienommcu sein. Im -Oe« Jnnem
ist ein G/setzentrours über die Zuständigkeit der BehörM in allgemeinen Landesangelegenheiten und streitigen Verwaltungssachen ausgestellt und dem Staat-ministerium über- geben. Wenn dasselbe sich mit den darin niedergelegten Grundsätzen einverstanden erklärt hat, geht der Entwur an das Ministerium zurück und finden alsdann commif- sarifche Verhandlungen zwischen den einzelnen Reffortministerien statt. Die erste Ausstellung deS Entwurfs hat eine dreimonatliche Arbeit gekostet und ist an derselben Geh. Rath Persius in hervorragender Weise bctheiligt gewesen. — Nach seiner Rückkehr am Sonnabend Nachmittag begab a* ctArft flusmnrr? ui hinein künstiaen Scbwieaer-
Der Feldwebel. Novelle v. H Zschocke. (Fortsetzung.)
Ohne sich um den Gezüchtigten ferner zu bekümmern, eilte der Sieger mit seiner Beute wieder aus der Neben- gaffe zum breiten Wege zurück, wo die Schwärme der neugierigen Gaffer und Lustwandler sich schon in die Ferne, an der St. Katharinenkirche vorüber, gezogen hatten. Bald erreichte er sie, und durchkreuzte sie nach allen Richtungen, um die schöne Eigenthümerin des wiedereroberten Tuches zu erspähen. Während seiner Kreuzzüge war er auch gegen den alten Krabb angerannt, der ihm von der verschwundenen Tremrigen keine Kunde zu geben wußte. Er setzte seinen Lauf rastlos fort, musterte bald von der einen, bald von der andern Seite die sich vorbewezenden Haufen, bald durchschnitt er sie in die Quer. Ueberall, wo er einen Bekannten fand, fragte er nach dem Mädchen in Trauer, ohne Kunde zu erhalten. So gelangte er, durch die ganze Länge der Stadt, bis zum Domplatze, wo der König mit seinem Gefolge vor dem Prinzenhause abstieg. Seine Angst und Ungeduld wuchs mit jeder verlorenen Sekunde. Und Hütten alle Majestäten des Erdballs einen Kongreß auf dem Magdeburger Domplatze gehalten, er hätte sie so wenig, als einen Kongreß tanzender Mücken am Sommerabende, beachtet. Er durchlies den weiten Raum vor der großen Domkirche, und noch irrer liefen feine Blicke durch die Tausende der unter einander wandelnden Gestallen. Wie den nächtlichen Wanderer das Irrlicht im Walde, lockt ihn jeder schwarze Punkt zu einem andern Wege. Aber der Punkt verwandelte sich zuletzt immer bald in einen RathSherrn, bald in ein Bauernweib, bald in einen ehrwürdigen Pastor, bald in die schwarze Schürze einer Dienstmagd.
Endlich zerfloß die vom geendeten Schauspiel gesättigt' Menschenmenge, und der Dvmplatz ward in kurzer Z»
allein gefaßt, sondern auch alle stundenweit von Frankenberg wohnenden hatten zugestimmt. Kurth hatte die Idee dazu angeben, und der Erfolg zeigte, daß er richtig gerechnet hatte. .
Schon nach wenigen Tagen begann der Mangel ,n der < Stadt fühlbar zu werden. Mit ihren geringen Vorräthen hielten die Bäcker zurück. Die Metzger wollten nicht mehr schlachten, weil die Becker nicht backten. Und so war der Stadt auch das zweite nothwendige LebenSbedürfniß ent? zogen. Die übrigen Handwerker mußten ihre Geselle» und Lehrjungen entlasten, und sehen, wie sie ihren Familien durchhülfen. Die entlassenen Arbeiter durchzogen lärmend und tobend Haufenweife die Stadt. Selbst die, welche noch keinen Mangel litten, entbehrten doch eine ihnen zur ®e* wohnheit gewordene Lieblingsspeise. ES waren nämlich damals und sind auch noch jetzt die Frankenberger Afterkuchen sehr berühmt wegen ihres angenehmen, süßen Geschmack« Kamen Fremde in die Stadt, so war es da« Erste, da« man ihnen vorsetzte, ein frischer Asterkuchen mit Butter; ja es ist unwahrscheinlich, daß Viele au« keiner anderen Absicht Frankenberg besuchten, als um diese Götterspeise an Ort und Stelle ächt und frisch zu esten. Und dieses mußte jetzt von Hoch und Niedrig entbehrt werden.
Die Gährung hatte in der Stadt den höchsten Grad erreicht und die Müller waren so einig, wie nie zuvor; da faßte man auf dem Rathhause den zu keiner Zeit ungeschickteren Beschluß, durch eine Gesandtschaft die Müller in Kenntniß zu setzen, sie seien ihrer Vorrechte verlustig.
Ein feierlicher Zug, zwei Stadträthe, der Stadtdtener und ein Trompeter an der Spitze, setzte sich vom Rath- : Hause aus in Bewegung, und da er zum Thore hinaus t nach den Mühlen hin ging, glaubte das versammelte Volk, t e« handle sich um Abhülse der allgemeinen Drangsale, doch i sollte er bald anderer Meinung werd«,. (Forts, folgt.)
Wir nicht ander« zu erwarten war, hat die Budget- Debatte sofort die wichtigste Frage der Gegenwart, die witth- schastliche, in den Vordergrund gerückt. Der Ftaanzmmister i bat sich darüber sehr eingehend ausgelassen, und seine An- 1 achten darüber dargelegt.: Er ist voll der besten Hoffnungen, und sieht sehr ruhig in die Zukunft; nach ihm ist bereits i bie Krisis überwunden, und die Besserung unserer wirth schastlichen Lage in nächster Nähe. Ganz ähnlich sprach sich der Abgeordnete LaSker au«; er ging sogar noch einen Schritt weiter, und behauptete, die Krisis würde noch einen viel größeren Umfang gewonnen haben, wenn mcht ,n der völligen Befreiung des Verkehr« ein Gegengewicht geschaffen worden fei. Er sieht in der Krisi» nichts anderes al« die Folge der Gründungen, und zwar ganz besonders auf dem Gebiet der Eisenbahnen. Solchen Darlegungen gegenüber wie« der Abgeordnete von Kardorff daraus hm, daß die Hauptschuld an der gegenwärtigen Krisis die von uns befolgt HandelSpolillk trage, insosern diese gerade dazu bei- getragen habe, die Ueberproduktion zu fördern, sowie über bauvt die Herrschaft de« FreihandelSsystemS. Deshalb dürfe d e Regierung auf dieser Bahn nicht weitergehen und durch die Aushebung der Ersenzölle die Industrie noch mehr ge- iäbrden al« e« bisher schon der Fall sei.
' " Der Leibarzt de« Fürsten BiSmarck, Oberstabsarzt und e-M««» ®'. S-L- ift «um W«U» M Gesundheitsamtes in Aussicht genommen. Derielbestammt au» Frankfurt a. M., wo er b.S zum Jahre 1866 Prak- tticker Attt war. Seine preußenfreundliche Gesinnung Mchte seinen Aufenthalt dort unmöglich, so daß er zu ftner Q.b «ach Berlin übersiedelte.
S Bei Berachung der Reichsjustizgesctze ist die Frage wegen Kreiaabe der Advokatur wieder in Anregung gebracht wor- VL deren Realisation eine etwa« größere
ku der Är^ung gelangt ist, daß -in gleichheitlicher Eivilprozeß auch die gleichmäßige Ordnung der Advokatur
Anzeigen nimmt entgegen: die (SmeMtion d. Blatte», sowie d,e Annoncen-Bureaur von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
*16 alter Zeit. <
Sine Geschichte, so sich in der Stadt Frankcnberg zugetragen. | (Fortsetzung.) 1
Die Müller hatten seither ihrerseits ihre Vorrechte - vnrck einen freiwilligen Tribut sich «halten, dieser kam 2? nickt der Stadtkaffr, sondern den Stadtrathen zu flUt Wie denn nun überhaupt große Z^en große Ent- Lrön, bervorbringen, so mußte auch der Rath der, Stadt krankender« dem allgemeinen Wohl rin persönliche« Opfer
” Wlu6 8*1, di- D°-«ch" d-- Müller' aufzuheben. ES handelte sich nur noch darum, ^n Müllern diesen wichtigen Beschluß zur Kenntniß zu ^Inzwischen waren aber die Müller auch nicht müßig aeweien' der alte Gebhard konnte al» das Haupt der Der Sammlung angesehen werden. Wenn er sich zwar die Vev binduna mit dem reichen Stadtkämmercr gern gewünscht hätte io hielt er doch zu streng auf Ordnung und Sitte und Margaretha hatte ihrem Vater alleSsoerzShlt.datz sein Zorn gegen den Stodtkämmerrr emen sehr hohen Grad erreichte. Versammlungen wurden alSbald unter den Mul- lern angesagt und lange Reden gehalten, und sie, die sonst n"e »einig waren, waren jetzt ein Her; und eine Seele. Die dem alten Gebhard zugefügte Beleidigung machte leder »u der seinen, und da« Wort de« sonst me beachteten ,räa«tu.toenftun» 8-U W M„.
d>(« bei solchen Gelegenheiten nie müßig ist, ha"e die Müller schön früher von den Rathsfchluffen in Kenntniß aesedt bevor sie gefaßt waren, sie wußten also, welch- Gefahr ihnen drohte. Darum siumtm sie denn nicht, Gegnimaßregeln zu tr.ffen und beschloffen 'hr Gewerbe vorerst rinzustellm, wenigstens keinem grankenberger Bur. „er Frucht zu mahlen, und dieser Beschluß ward nicht üwa vo« de« auf dem Stadtgebiet wohnenden Mullern
abend die Mitglieder deS Oberverwaltungsgerichts mit einer längeren Ansprache in ihr Amt eiugesührt hatte, vereinigte er dieselben später bei sich zn einem Diner. — Die Freunde deS Herrn Richter sind sehr ungehalten, daß das Gericht ihn in der bekannten Sache der Frankfurter Zeitung, den Hört'schen Artikel über den Welsenfonds betreffend, in Person vorgeladen hat. Herr Hörth hat indessen Herrn Richter ausdrücklch als Zeugen namhaft gemacht, ebenso den Fürsten Bismarck, den Feldmarschall Manteuffel und andere hohe Persönlichkeiten. Herr Richter wird sich daher wohl eben so gut in fein Schicksal finden müssen, wie seine anderen Leidensgenosfen. — Auch Berlin wird voraussichtlich im nächsten Jahre eine Ausstellung von größerer Bedeutung haben. Es handelt sich um eine LandeSpferdeschau mit Verloosung. Der Unionsclub hat die Angelegenheit in die Hand genommen und die staatliche Genehmigung bereits erhalten. Für die Abhaltung der Ausstellung ist der Monat Mai in Aussicht genommen und soll die Absicht bestehen, dieselbe in Zukunft alle Jahre zu veranstalten. Man wird sich die englische» Principien zum Muster nehmen und die Ausstellung mit einer. Prüfung der ausgestellten Thiere auf ihre Tüchtigkeit und einer Primiirunz verbunden werden. — Die Generalpost-Direktion hat angeordnet, daß offene GefchäfiSkarten, welche auf der einen Seite die Adresse auf der Rückseite gedruckte Mittheilungen enthalten, gegen die Taxe für Drucksachen versandt werden können, wenn sie in Form und Größe den Postkarten gleichen. Die Ueberfchrift „Postkarte" kann dabei fehlen.
Gießen, 20. Nov. Seit Mittwoch «eilt der Mini- sterialpräsident von Starck aus Darmstadt in unserer Stadt. Er hat nicht nur die Institute der Universität in Augenschein genommen, sondern auch bei den jüngeren von ihm
: berufenen Professoren in den Vorlesungen hospitirt. Da er sich da« Reserat Über di« Universität für das Gesammt-
: Ministerium.Vorbehalten. hat. votUihK-bie Vorlagen für die Universität m 5et zweiten Karniner reffortiren, so
- hofft man von seiner persönlichen Einsichtnahme eine Förderung der im Jntereffe be< Universität gewünschten Bauten, weil nicht nur die Unterbringung der Sammlungen an sich schwierig, sondern auch deren Gebrauch begreiflich erschwert ist. Man fürchtet übrigen« nicht, daß in der zweiten Kammer die Stellung der Aeußcrung eine« früheren ländlichen Abgeordneten bei den Verhandlungen über daß hiesige Gym nastum, eS sei früher in weniger prächtigen Gebäuden genug gelernt worden, bei den Nachbewilligungen für, die Universität eine neue Auflage erleben werde.
Karlsruhe, 22 Nov. Der badifche Landtag ist heute durch den Grvßherzog in Perfon eröffnet worden. Die Thronrede spricht die Befriedigung des Großherzogs über das erstmalige Erscheinen des volljährig gewordenen
Der ^Mnister für die landwirthschastlichen Angelegenheiten hat sich mit dem Projekt eine internationale Molken. Ausstellung in Frankfurt abzuhalten, einverstanden erklärt, und die Übersendung derjenigen Gegenstände des andwirth & smul-uml, E- M> «uf »«« ®dtan«l<n SKT zugefagt. Die Ausstellung wird am 4, 5 und 6. k. M. stattfinden. , .
uXLÄu't ^ie'"Errichtung ^inT^X fiUürst Bismarck sofort zu feinem künftigen Schwiege^ ßtschrn 5 9 _ Berücksichtigung gelangen, söhne. Die Befferung deffelben schrettet vor, wenn auch
^5 1% möchte anzunehmen sei«, daß das neuzu. nur sehr langsam. Gestern empfing Fürst Bismarck das
^icht d "Institut mit der Akademie der Künste in Ver- Staatsministerium.--Nachdem Graf Eulenburg am Sonn-
Anzergen nimmt entgegen: bi« Expedition d. Blatte», fowie bie Annon»en-Bureaur von LH- Dietrich & Co. m Jtaffel und Hannover; Th- Diettich in Frankfurt a. M ; haafenftein & Bögler in -krankfuttaM, Berlin, Le«. riZ Eüln k ; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. ic. --«
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