Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

x. Jahrgang

Marburg, Sonnabend, 20. November 1875.

Mr. 272

ObcchcMc Jritumi

icBlCn KTICflC UU| miiivtyiMiiyvii «*»»v 'vtr* .........../ WWO o

3eber von uns machte sich von der Zukunft ein so düsteres I Gleichgewicht in der Produktion und für viele Industrielle __________ ____ - ' ---Bt. 1 "

Mensch sei, könne unmöglich der Besuch gelten, wenn er

i!

i.

(Fortsetzung folgt.)

Gesagt hatten sich auck nicht nöthig. Bester konnte eS das Mädchen, daß

!« m

Da», Journal des DebatS," besten Aufsätze über volks- wirthfchaftliche Fragen ein gewistes Ansehen genießen, brachte jüngst eine ausführliche Besprechung der wirthschastlichen Krisis in Deutschland. Gegenüber dem Kleinmuth, welcher fich bei unS in der Beurtheilung der in Rede stehenden Berhältniste vielfach geltend macht, erscheint es angemessen, die günstigere Austastung eine« unbefangenen fremden Beob­achters hier mitzutheilen. Derselbe schreibt:

ES giebt wenig so merkwürdige Thatsachen, wie die wirthschaftliche KrisiS, von welcher Deutschland gegenwärtig heimgefucht wird. SS läßt sich für diese Erscheinung, offen gesagt, noch keine ganz genügende Erklärung finden. Man erkennt recht gut, warum gewisse Jndustrieen hart betroffen sind, aber man begreift kaum, warum daS Leiden ein so allgemeine-, so intenstöS, warum die Klage jenseits des Rheins eine so einstimmige ist. Zunächst muß uns Wunder nehmen, daß die Deutschen sich über die Last ihrer Steuern beschweren. Dieselben erscheinen unS im Vergleich mit den unserigen sehr leicht. Nehmen wir z. B. Preußen mit seinen 25 Millionen Einwohnern und einem Flächeninhalt, welcher etwa zwei Dritteln des unserigen gleichkommt. ES ist so glücklich, nur eine rein nominale Schuld, d. i. eine solche zu besitzen, deren jährliche Verzinsung durch die Netto-Ein- nahmen der StaatS-Eisenbahnen, Bergwerke und sonstigen Etablissements mehr als gedeckt ist. Eine solche Macht sollte doch zufrieden, ihre Unterthanen sollten doch glücklich sein; ihr Budget erreicht selbst mit Einbegriff de« Beitrags zu den RcichsauSgaben nicht eine Milliarde Franken und ist also im Vergleich zu dem unserigen ein ganz winzige«; dabei besteht e« nicht nur aus Steuern, sondern zu einem sehr bedeutenden Theile auch auS Domänenerträgnissen. Ein Preuße zahlt dem Staate durchschnittlich ungefähr die Hälfte von dem, wa« ein Franzose zahlt. Gleichwohl trägt dieser seine Bürde ohne allzu üble Laune und ohne allzu schwere Anstrengungen, während der Andere im Gegentheil unauf­hörlich stöhnt und jammert. Zugegeben auch, daß Frank­reich reicher ist al« Preußen, daß e8 einen ergiebigeren Boden und eine lebhaftere Industrie hat, so genügt da« doch nicht, um diesen Unterschied in der Steueikraft oder doch in der Steuergeduld der beiden Nationen zu erklären. Man muß schon aunehmen, daß uns mehr Resignation verliehen ist, als unseren Nachbarn, und daß wir die finanziellen Opfer, welche die Noth der Zeiten un« auserlegt, leichter über uns ergehen lasten. Denn hatte un« auch unser Mißgeschick im letzten Kriege auf Entbehrungen und Opfer vorbereitet, ein

Bild, daß man die Gegenwart mit allen ihren Ansprüchen noch verhältnißmäßig erträglich findet. In Deutschland hatten sich im Gegentheil die Phantasien so hoch verstiegen, daß man nur noch eine Perspektive auf gesichertes Glück und mühelosen Wohlstand zulasten wollte. Der Gegensatz zwischen diesem Traum und der Wirklichkeit ist eS, welcher unsere Nachbarn für ihre gegenwärtigen Leiden so empfind­lich macht. Die deutsche Krise bietet ebensowohl ein psycho­logisches, wie ein wirthschaftliches Phänomen.

Immerhin ist eS gewiß, daß mehrere Zweige der deut­schen Industrie härter mitgenommen worden sind, al« bei unS. Sie erfuhren nicht bloS die störenden Einflüsse, denen gegenwärtig der ganze Welthandel unterliegt, sondern hatten noch mit besonderen schädlichen und selbst verderblichen Um­ständen zu kämpfen. Die Verminderung des Gewinnes in den meisten großen Industrien ist eine allgemeine Thatsache. In England, in Amerika, in Deutschland, in Oesterreich, in Frankreich selbst hat man diese Erscheinung konstatiren und auch leicht erklären können. In der ersten Periode des großen Gewerbes war die Concurrenz zwischen den In­dustriellen noch eine beschränkte, die ersten konnten sich mit Intelligenz und Ordnungssinn rasch ein Vermögen machen. Ihr Erfolg lockte bald eine Menge unternehmender Köpfe auf dieselbe Lahn und diese bildeten sich ein, eben so rasch zum Ziele kommen zu können, wie ihre Vorgänger. Aber gerade dieser Ausschwung dieser Industrien trug dazu bei, ihr Erträglich herabzusetzen, und nun klagt man, daß das Gewerbe nicht mehr gehe, weil man die in wenigen Jahren erworbenen großen Vermögen mit dem nunmehr verhält- nißmäßig bescheidenen Gewinne verglich. Ein noch wirk­samerer Grund für daS geringere Erträglich vieler Industrien ist der ungeheure Fortschritt und die stetige Vervollkommn nung der Produktionsmittel. Seit einem halben Jahrhun dert haben die Erfindungen nicht geruht. ES verging kaum ein Jahr, in oem nicht sinnreicher Geist unserer Fabrikanten und Werksührcr eine Maschine verbesterte oder ein schnelleres Verfahren ausfindig machte. In Folge besten stieg die Er­zeugung gewistcr Industrien in ungeheuren, in solchen Ver hältnisten, daß die Nachfrage ost mit ihnen nicht gleichen Schritt hielt. Im Allgemeinen giebt eS gewiß niemals zuviel Produktion. Der Mensch wird nie zuviel arbeiten, zuviel hervorbringen; aber er kann wohl zuviel von dieser und nicht genug von jener anderen Staate hervorbringen. Dies glauben wir, ist seit einigen Jahren der Fall: gewiste große Jndustrieen, bei denen die Mechanik die Hauptrolle spielt, sind viel rascher fortgeschritten, als die kleinen Industrien und der Ackerbau, daraus ergab sich ein Mangel an

die Beiden noch Nichts, da« war aber Aechte Liebe bedarf der Worte nicht, ohnedies nicht werden, denn das ahnte der Vater mit dem armen Müllerknechte nicht sonderlich zufrieden sein werde,

Ein französisches Urtheil über die wtrthfchaft ttche SrifiS in Deutschland

auch den Herrn PistoriuS mit besonderer Ehrfurcht behan­delte und sich ob dieser Freundschaft sehr geschmeichelt fühle. Gewiß aber sei die schöne Margarethe, des Müllers einziges Töchterlein, ein weit stärkererAnzirhungSpunkt für den verliebten alten Junggesellen. Und daS bestätigte sich denn auch immer mehr.

Anfangs hatte er nur freundlicher gelächelt und zier­licher sich ausgedrückt, wenn die Jungfrau in« Zimmer trat. Bald aber wußte er sich ihr mehr zu nähern, sie in ein Gespräch zu verflechten, oder selbst ihr seine Auf­merksamkeit zu beweisen, zuletzt brachte er sogar kleine Ge­schenke. Das Gewählte, Jugendliche nun, womit er sich feit Kurzem kleidete, gab der ganzen Stadt die Gewißheit, daß auch für den Stadtkämmerer endlich die Stunde ge­schlagen habe.

Margarethe aber in ihrem schuldlosen, unbefangenen Sinn merkte Nicht«. Herr Christoph PistoriuS war ihrem Vater ein geschätzter Gast, dem sie al« solchem schon nicht unhöflich begegnen konnte und dem sie die seinem Amte, seinen Jahren und Kenntnissen schuldige Achtung mit Freu den dargebracht hätte, wäre er ihr nicht durch sein zu­dringliches, süßliche« Wesen widerlich geworden. Hierzu kam aber noch, daß der Müllerbursche Kurth ihr ganze« Herz besaß. Die Liebe spielt oft sonderbar. Kurth war der ärmste unter ihre« Vater« Knechten und nicht einmal

Ä*8 alter Seit.

(Bhk Geschichte, so sich in der Stadt Franlenberg zugetragen.

.5, (Fortsetzung.)

Unter den einflußreichen Bewohnern der Stadt war nach dem regierenden Bürgermeister keiner, der mehr ge- gölten hätte, al« der Stadtkämmerer Christoph Becker oder PistoriuS, wie er sich nach damaliger Sitte und als Ge lehrter auf gut lateinisch nannte. Er war ein langer, ha­gerer Mann, wohl ersahrm in den Rechten und Verord­nungen der Stadt, geschickt und eifrig in seinem Amte. Und da ihm auch der Segen an weltlichen Gütern nicht fehlte, so waren wenig Mütter erwachsener Töchter in der Stadt, die sich den Herrn Pistoriu« nicht zum Schwieger- sohn gewünscht hätten. Dennoch verstrich so ein Jahr­zehnt nach dem andern, feine Gestalt wurde immer hagerer, feine Wangen runzelicher, feine Haare dünner, und nach wie vor führte er mit feiner alten Haushälterin dasselbe einförmige, freudlofe Dasein. Viele konnten nicht begreifen, warum der angesehene Herr Becker sich zu solchem Opfer verdamme. Andere behaupteten, er sei zu geizig, durch Frau und Kinder feine Ausgaben zu vergrößern, auch litte das feine Haushälterin nicht, die ihn gewaltig unter dem Pantpffel habe. Wiederum hielten ihn Andere für keinen fo standhaften Verächter des schönen Geschlechts, da fie ihn zu später Nachtzeit öfters am Leckerberge gesehen haben wellten. Von diesem Berge erzählt aber Franken- berg» Chronikenschreiber:ES saßen hier die Spinnerin­nen, Wollkämmerinnen, Nähterinnen und Andere, und gin­gen dahin die leichtsinnigen Gesellen und trieften viel Kurz­weil allda." .

Ohne nun festfiellen zu wollen, wieviel an dtesem Ge­rede wahr oder unwahr fei, so ließ sich doch nicht leugnen, daß der Herr Stadtkämmerer feit einiger Zeit, öfter wie sonst, einen Nachmittag oder wohl auch einen ganzen Abend bei dem Müller Gebhard zudrachte. Da sagt nun ein Jeder; dem alten Gedurft, der ein aufgeblasener, dummer

schön; aber ein offene«, ehrliche« Gesicht hatte er, und die blauen Augen blickten so treu und so wahr, daß Marga­retha meinte, fo ein Blick ließe sich gar nicht vergessen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & 60, in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Stete- meyer in Berlin; Earl Schuß­ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

rr

7

r

Der Feldwebel.

Novelle v. H. Zschocke.

(Fortsetzung.) i

Daß euch alle Donnerwetter, Wetter und Hagel in die Schelmenrachen fahren!" brüllte plötzlich der Invalide, schnell umgeschwenkt mit emporfliegendem Knotenstabe. Und jählings stob die Schaar der Buben von Steinen, Gestellen und Brettern weit aus einander nach allen Weltgegenden, wie ein Schwarm Spatzen im Herbst,, wenn ein Schuß unter sie fällt. Der Invalide fühlte aber einen leisen Druck auf feine Pelzkappe von hinten her. E« war der alte- reiche Herr, der wegen feiner außerordentlichen Länge, wie die Tanne über dem Unterholze, zwischen allen zufälligen Nach­barn und Nachbarinnen hervorragte, und feinen Arm über die Köpfe der Umgebung zum Invaliden gestreckt hielt.

Was machst du für Händel, Krabb?" sagte der lange, reiche Herr:Laß den Kindern ihre Lust; sie treiben'« dir nur ärger."

Mordiol" brummte der Invalide, und zog ehrerbietig grüßend die alte Pelzkappe:Wenn man da« Satansge­schmeiß nicht in Ordnung hält, könnte e« sogar in Gegen­wart von königlicher Majestät Unfug begehen und Schimpf und Schande über die gute Stadl Magdeburg bringen. Da« ist kein Spaß, wenn man eS mit großen Monarchen zu thun hat. Bleiben Sie nur da stehen, Herr Wilmson; Sie haben einen guten Platz da, den König zu sehen. Alle Wetter, die Ehre hat man nicht alle Tage."

Still, still I" riefen andere Stimmen:Der König ist gewiß schon beim Krökenthor. Seht, schon ein Husar I Das Volk entblößt schon dahinten die Köpfe. Hut ab! Hut ab!"

Der Invalide Krabb, der sich in die vorderste Reihe gedrängt hatte, zog die Pelzkappe ab, und Herr Wilmson neben ihm den feinen dreieckigen Hut, dessen Borderspitze einen langen vorstehenden Schnabel bildete. Link- und rechts entstand Tvdtenstille im Volke.

Sehen Sie, Herr Wilmson," sagte der Invalide mit

als Schwiegersohn

und so ließen sie die Sache gehen, wie sie ging.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJNuftrtrteS Sonntag«»latt" durch die Srpedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2h Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf», (exl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf». Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf», berechnet.

sowie die Annon»en-Bureanx mm Th. Dietrich & Eo. in Staffel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a. M -; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a- M, Berlm, Leip­zig, Söln ic; Rudolf Masse in Berlin, Frankfurt a. M. rr.

die Schwierigkeit, ihre Erzeugnisse mit einem angemessenen Nutzen abzusetzen. Eine allgemeine Ursache der herrschen­den Handelskrists liegt endlich in dem Mißbrauch, welcher n den letzten Jahren mit dem Credit getrieben wurde. In Oesterreich, in Deutschland, in England, in den Bereinigten Staaten wurden die Vorschüsse auf Bauten, auf Staaten, auf Werthpapiere, wurde der Gebrauch der Cirkulation«- oder Gefälligkeitspapiere aus den Gipfel getrieben. Frank­reich hat sich vor dieser Ansteckung bewahrt, theil« wegen der gewohnten Vorsicht seiner GewerbS- und Handelsleute, denn das Volk, welches in politischen Dingen das leichtfertigste und unbesonnenste der Welt ist, ist, vermöge eines fellfamen Kontrastes, daS vorsichtigste und ängst­lichste in Handelsunternchmungen, theilS gerade wegen der Unsicherheit der Zukunft und weil wir unsere Kräfte auf daS eine große Ziel der Befreiung des Landesgebietes zu konzentriren hatten. (Schluß folgt.)

Tage-dericht

Das ReichSkanzlcramt hat sich mit Aufstellung eines Gesetzentwurf« über die Pensionen für Witwen und Waisen für Reichs Civilbeamte beschäftigt und zunächst durch die Direction der Lebensversicherungsbank für Deutschland in Gotha nach den Grundsätzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung ermitteln lassen, wie hoch sich die Ausgaben der Reichskasse für diese Zwecke gestalten möchten. Die gedachte Direction hat diese Aufgabe in zwei Denkschriften gelöst, von welchen die erste die statistischen Grundlagen, die zweite die mathe- matische Analyse der Berechnung entwickelt. DaS finanzielle Ergebniß ist für den BeharrungSzustand einer JahreSauS- gabe an Witwenpenstonen von 9,660,000 Mark, an Stai« senpenflonen von 2,303,000 Mark, zusammen von 11,963,000 Mark. DaS Reichskanzleramt hat dem BundeSrath die beiden Denkschriften als Material für seine Entschließung über da« Civilbeamten-PensiouSgefetz zugehen lassen.

DaS ReichSmünzgesetz hat Bestimmungen über die Um- wechselung von Reichsgoldmünzen gegen Reichs - Silber, Nickel- und Kupsermünzen in Aussicht genommen, und wird der BundeSrath die darauf bezüglichen Verordnungen dem­nächst erlassen. Danach sollen vom 1. Januar 1876 bei der Reichhauptbankkasse in Berlin und den Reich-Haupt- bankstellen in Frankfurt a. M, Königsberg in Preußen und München Reichsgoldmünzen gegen die vorgenannten anderen Reichsmünzen eingewechselt werden, und zwar bei Silbermünzen im Betrage von mindestens 200 Mark und bei den übrigen Münzen von mindestens 50 Mark.

Vor einiger Zeit hat in Breslau ein Standesbeamter den Zeugeneid verweigert, weil er die Formelso wahr