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Sr. S67.

Marburg, Sonntag, 14. November 1875.

x. Jahrgang.

stark zuwider laufen. . .

Die orientalische Frage nimmt in Oesterreich mehr und mehr die Aufmerksamkeit in Anspruch. Dagegen be­wegt sich die innere Politik in den gewöhnlichen Bahnen. Im Abgeordnetenhause zu Wien begann am 9. Novbr. bie Debatte über Wildauers Antrag. Die Polen sind vollständig eingetroffen und wollen eine Erklärung abgeben, ohne jedoch das Haus zu verlasien. Die Annahme des Wildauerfchen Antrages über die Schulgesetzgebung erfolgte nach hartnäckigem Kampfe unter Beseitigung des auf Ga­lizien bezüglichen Paragraphen. Sr- --

mit der Zeit an's Ruder zu kommen, die sogenannten Consti­tutionellen unter Sagasta's Führung, hat am vorigen Sonn­tag eine Versammlung abgehalten, welche seitdem den Gegen- and der politischen Unterhaltung bildet.

Während England soeben China gegenüber die Leistung einer eclatanten Genugthuung für die Ermordung eines englischen Unterlhaus und Beamten durchgesetzt hat, ist schon wieder ein diplomatischer Agent Englands, Mr. Birch, meuchlings um's Leben gekommen, und zwar durch Malayen. Diesmal war die Regierung in der Lage, sofort durch Ab­sendung von Truppen sich selbst Genugthuung zu verschaffen, und es sind auch bereits die nöthigen Maßnahmen ergriffen worden. Der Anfang war freilich ungünstig, indem eine kleine Abteilung bei Perak eine Niederlage erlitt und ihr Führer, Capitän JnneS, im Kampfe fiel.

Die Königin von Holland ist an einem Fieber er­krankt, welches in einer so heftigen Form auftrat, daß der König und der Prinz von Oranien telegraphisch herbeige­rufen werden mußten. Nach den neuesten Nachrichten haben indessen die Krankheitserscheinungen eine mildere Gestalt

angenommen.

Daß Rußland an die Mächte, welche den Pariser Vertrag von 1856 unterzeichnet haben, neuerdings ein Rundschreiben Über die orientalische Frage gerichtet habe, wird von Petersburg aus in entschiedenste Abrede gestellt und dazu bemeitt, es bedürfe einer solchen Aeußerung gar nicht, da alle Mächte miteinander einverstanden und im fortwährende» Gedankenaustausch seien. Dessen ungeachtet hält Rußland außerhalb des Drei Kaiser-Bündnisses noch eine von ihm niemals preisgegebene Sonderstellung fest als bevorzugter Schutzpatron der slawischen Christen in der Türkei, eine Stellung, welche ihm der Pariser Vertrag noch keineswegs hat zugesteheu wollen. Ferner wird in Abrede gestellt, daß Rußland zu Wasser und zu Lande rüstet und sich auf ein bewaffnetes Einschreiten gegen die unfügsame Pforte gefaßt macht. Alle Truppenbewegungen im Süden werden als herbstübliche Standwechjel bezeichnet.

In Griechenland scheint man den ehemaligen Mi. nister-PrSsidenten BulgariS doch noch verfolgen, auf Ver­fassungsbruch anklagen und für den angerichteten Schaden haftbar machen zu wollen.

Der Großvezir Mahmud Pascha hat sich in Raschid Pascha, bisherigem Botschafter in Wien, einen neuen Mi­nister deS Auswärtigen besorgt, wild aber vermuihlich bald sein eigenes hohes Amt an Mehemed Ruschdi Pascha über­geben müssen. Letzterer hat als seinen Lieblingsplan im Sinne, die gesammte türkische Staatsschuld in eine drei- procentige Rente umzuwandeln.

»Die Verlobten traten mit der Familie des Majors von I Kersten die beabsichtigte Reise an, deren Zerstreuungen wohl- thätiger auf Gerhard wie auf Marie wirkten.

Inzwischen wurden die Verhandlungen deö Schwur­gerichts eröffnet, und der Prozeß Weller und Mörner kam bald an die Reihe.

Die Thatsachen lagen ziemlich offen da. Doctor Mörner trat sehr frech auf, wurde aber dennoch zu fünfzehnjähriger Zuchthausstrafe daS hieß bei ihm lebenslänglicher verurtheilt. Frau Helene benahm sich äußerst würdevoll, blieb bei ihrem Leugnen, mußte indessen für überführt gel­ten, und die Todesstrafe wurde über sie ausgesprochen. Auch dieses Urtheii nahm sie mit größter Ruhe auf, appel- Urte dagegen und wurde zu lebenslänglichem Zuchthause begnadigt.

Mörner trat die Strafe wirklich an und verbüßt sie vielleicht heute noch; er spielte im Zuchthause den frommen Reuigen. Frau Helene sollte diese entehrenden Räume nicht sehen; am Tage vor ihrer Abführung in die Anstalt wußte sie, obgleich scharf bewacht, es möglich zu machen, daß sie sich an den Armen die Pulsadern öffnete und rettungslos verblutete.--

Da sich auf Seiten der verstorbenen Wellersschen Ehe­leute keine birecten Erben befanden, außer Gerhard, dem auch nur ein bestimmter Theil an dem Vermögen feines Vaters zukommen konnte, zog der Staat das letztere für sich ein. Gerhard verweigerte aber auch sehr entschieden, das Geringste anzunehmen und zum Lohne dafür ließ man ihm den Adelstitel seines Vaters; es durfte wohl selbst­verständlich sein, daß er denselben zmückwicS, wenn er sich seitdem auch einfach Doctor Weller nennen mußte.

Als er mit Tlarie und den Kersten's nach *** zurück­kehrte, war Alles schon entschieden. Vielleicht hätten sie Beide diese Stadt am liebsten nicht wiedergesehen, aber für den jungen Arzt lag zur weiteren Begründung seiner Existenz

Politische Wocheu-Uel> erficht. |i

Unser Kaiser, der von seiner bozener leichten Erkrankung , nunmehr vollständig wiederhergestellt ist, hat am Sonnabend Nachmittag die drei Präsidenten des Reichstags in Audienz empfangen und sich mit denselben eine halbe Stunde sehr freundlich und eingehend Über die äußere und innere Lage unterhalten. In Bezug auf die äußere Lage bekräftigte der Kaiser die starke Friedenszuverstcht der Thronrede vorn 27. Oktober, welche auch durch die noch nicht ganz gelösten Schwierigkeiten in den Balkanländern nicht erschüttert werde. Fn Bezug auf die innere Lage haben die Aeußerungen des Kaiser« gleichfalls beigetragen, durch ihren Eindruck alle Befürchtungen und düster» Gerüchte in Betreff sich vorbe reitender Conflicte, welche durch die Thronrede schon be­schwichtigt waren, vollständig zu verscheuchen. Aus.Varzin verlautet neuerdings aus parlamentarischen Kreisen, daß der Fürst - Reichskanzler, von dem es geheißen hatte, er werbe schwerlich vor Weihnachten im Reichstag erscheinen, bereit« gegen Mitte dieses MonaiS nach Berlin zu kommen, und sich an den Geschäften auch im Reichstage so weit zu beteiligen gedenke, wie seine GesundheitS-Umstände ihm das gestatten würden. Aufsehen machten in den letzten Tagen in Zürich erschienene weitere Enthüllungen über den Con- flikt zwischen dem deutschen Reichskanzler und dem deutschen Botschafter in Paris, die nur vom Grasen Arnim selber betrübten können. Dieselben belegen von Neuem, welche Übermenschliche Geduld und Mühe der Reichskanzler mit feinem unbotmäßigen Gesandten lange Zeit hindurch ge­habt hat und bis zu welchem unglaublichen Grade der letztere feine amtswidrige Indiskretion zu treiben wagt. Der Reichstag hat die Woche hindurch eine Reihe minder wichtiger Vorlagen erledigt. In Baiern gehen einst- wetten nur in der Presse die Wogen des politischen Kam- pseS noch hoch. Ultramontane Blätter verlangen, daß die durch da» königlicheSignal" beleidigte zweistimmige Ma- . foritit dne Kammerauflösung und Neuwahl erzwinge durch Fernbleiben vom Landtage bei dessen Wiederzusammen- tritt, oder durch Verwerfung deS Budgets. Der Erfolg eint« dahin zielenden Versuch« möchte leicht der Absicht

Ättftt nm Äu|t, Zahn nm Zahn. Original-Novelle von Stanislaus Graf Grabowski.

(Schluß.)

Du kommst doch noch zu mir, mein liebe«, liebe« Kind? Du verabscheust mich nicht, wie sie Alle eS thun? O Du weißt nun wohl schon längst, daß ich weder Deine Tante, noch Deine Mutter bin, und Du darfst ja stolz und glücklich darüber fein, aber die Siebe hat un« doch fo lange verbunden, daß sie uns nicht gänzlich schwinden kann, und für keinen Prei« der Welt gäbe ich sie hin, die da« einzige edle und wahrhaft befriedigende Gefühl in meinem 8eben gewesen st! Arme«, armes Kind, warum mußte ich Dir diesen Schmerz bereiten?"

Marie war überrascht von diesen leidenschaftlichen Ge sühlSauSbrüchen; sie weinte bitterlich an der Brust der Frau, die so nahe daran gewesen war, ihr ganzes Lebens- glück zu zerstören.

Die Unterredung zwischen Beiden währte wohl an zwei Stunden; Marie mußte Alles erzählen, was sie in letzter Zeit erduldet hatte, und Frau Helene suchte ihr gegenüber nicht die Schuld daran von sich abzuwendm, klagte sich selbst sogar auf daS Schwerste an. AIS sie hörte, in welchem Verhältnisse Marie jetzt, wie ja auch schon vorher,^zu Ger­hard stand, bat sie das junge Mädchen, ihre eigene Schwäche gestehend, tausendmal um Verzeihung und wünschte dieser HerzenSvereinigung mit unbezweifelbarer Aufrichtigkeit Glück.

ES war fehl traurig, als Beide wieder voneinander scheiden mußten wahrscheinlich auf Nimmerwiedersehen. E« würde unmöglich sein, ihre Empfindungen zu beschreiben. Marie fand nur bei Gerhard wieder Trost, und Frau Helene schien mit diesem Augenblicke für das Leben wirklich abgeschlossen zu haben; sie versank in eine düstere Melancholie, um so mehr trat nun aber ihr Trotz hervor und sie blieb hartnäckig vor Gericht bei dem Ableugnen des ihr zur Last gelegten Verbreche«.

männern des Verfassungsclubs ward am 4. November eines Diejenige Partei in Spanien, welche am lautesten Interpellation wegen der handelspolitischen Frage beschlossen,^den Anspruch erhebt, aus dem jetzigen monarchischen Boden die einen leichten Tadel gegen die bisherige Handelspolitik -* k" 3e,t "" Ä $Rnh,r ,nmmen- die ioaenannten Conlli- des CabinetS enthalten soll. Der Budgetausschuß hat auf Grund bet Darlegungen von Herbst zu dem mit 19 Mil- onen angesetzten Veranschlage der Eisenbahn-Subventionen och weitere 4 Millionen flchergestellt. DaS Deficit erhebt ich dadurch auf 29 Millionen.

Der Nationalrath Dr. DvbS, welcher, nachdem das Volk daS von der Bundesversammlung im Jahre 1874 beratene Gesetz über das Stimmrecht der schweizer Bürger verworfen, von dem eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement mit der Ausarbeitung eines neuen Ge­setzentwurfs betreffend die gleiche Materie beauftragt wer den war, der einer Special-Commission zur Berathung vor­gelegt werden wird, hat diese Arbeit soeben beendigt.

Die Erhebung der beiderseitigen italienisch- deutschen Gesandtschaftsposten in; Rom und Berlin zu Botschaster- stellen wird, wie eS fcheint, auch von einer Rangerhöhung einiger anderen italienischen Gesandten begleitet sein. Der ehemalige Bischof von Paderborn soll vom Cardinal Anto­nelli beauftragt worden sein, die Gutachten der deutschen Bischöfe über einen mit der Regierung zu vereinbarenden modus vivendi zu sammeln und darüber persönlich im Rom

zu berichten.

Mit steigender Unruhe erwartet man in Frankreich den Ausgang deS Kampfes über das Wahlgesetz, der in der Kammer begonnen hat. Die zweite Berathung, in welche am Montag eingetreten wurde, ist biö zu dem Art. 14 gediehen; und dieser ist eS, welcher die hochwichtige Frage über das Wahlverfahren, ob Abstimmung in De­partements oder in Arrondissements, zu lösen gibt. Die Wiederwahl deS Herzogs Audiffret-PaSquier zum Präsi­denten der National-Versammlung erfolgte am 5. Rovbr. mit 396 Stimmen; von den abgegebenen Stimmzetteln waren 104 unbeschrieben. Der Herzog Audiffret-Pasquier hat sich in dieser wichtigen Stellung über alle Erwartung tüchtig und gerade durchgehend erwiesen und seine Wieder­wahl war ein Segen für die so schwer zu leitende fran­zösische Nationalversammlung. Am 9. November fand in Versailles ein Ministerrath Statt, in welchem der Belage­rungszustand und das Preßgesetz zur Sprache kam; der Entwurf dieses Gesetzes ist fertig und in diesen Tagen wird die Vorlage desselben erwartet, da Buffet sehr wohl weiß, daß die allgemeinen Wahlen nur unter einem starken ober vielmehr brakvnischen Preßgesetz nach seinem Willen geleitet werden können; aber eben darum werden die Libe- Iralen, selbst wenn sie in dem Streit um den Wahlmvdus unterliegen sollten, auf diesem Boden der Regierung der moralischen Ordnung eine zweite Schlacht liefern.

Anzeigen nimmt entgegen: Anzeigen nimmt entgegen: jA A die Crötbition d. Blattes,

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sowie die Amum^n-Bureaux Ä J ij-W von ®. L. Daube & Co. m

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in Berlin, Frankfurt a. M. re.___ '___-------------------------------

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die Nothwendigkeit dafür vor. In aller Stille fand die Trauung des Paares statt, zugleich mit der Doctor Wie- sener's und Bertha's von Kersten, und wenn die allgemeine Neugierde deshalb auch nicht befriedigt wurde, so blieb eine weite Theilnahme doch nicht aus.

Doctor Weller wurde in *** ein gesuchter und in jeder Beziehung geachteter Arzt; dieselbe Achtung verblieb seiner Gattin, obgleich sich dieselbe von der Oeffentlichkeit möglichst zurückgezogen hielt. Da« Paar sand volle Genugthuung in dem glücklichsten Familienleben, da«, so Gott will, nicht durch den harten Spruch beeinträchtigt werden wird:

Die Sünden der Eltern sollen heimgesucht werden an den Kindern!" und noch weniger dürfte der andere sich auf sie, die Unschuldigen, anwenden lassen:

Auge um Auge, Zahn um Zahn!"___________

Schutz de» Segeln!

(Schluß.)

Die große Trappe kommt mehrfach in unseren Getreide- Ebenen noch vor, ist aber im Ganzen doch selten und wird ihrer geringen Fruchtbarkeit wegen (sie legt nur 12 Eier) stets selten bleiben. Die kleine Zwergtrappe, ein sehr schöner Bogel, hat sich erst seit Kurzem als Brutvogel in Mittel­deutschland angesiedelt uns wird es vielleicht bei vorläufiger vollständiger Schonung dieses Vogels möglich werden, in ihm einen für unsere Gegenden ganz neuen Jagdvogel her­anzuziehen, der gleichzeitig ein für die Landwirthschast nütz­licher Vogel ist,wenn einem Schützen, bei Absuchung eines Kartoffel-, Rüben- ober Brachfeldes, möglichst fern vom Wasser, ein Vogel von der Größe einer gemeinen wilden Ente vor den Füßen auffliegt, welcher durch seinen Flügel­schlag ein pfeifendes, fernem Schellengeklingel ähnliche« Ge­räusch verursacht und im Gefieder der Großtrappe ähnelt, so mag er seinen Jagdeifer bezähmen und dem Vogel das Leben schenken, denn er hat den jungen Einwanderer Deutsch-