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Hr. LS8.

jllarßurg, Donnerstag, 4. November 1875.

x. japrgang.

WtrheUlht Jätung

jeniflCn Mitglieder der Fortschrittspartei, eS sind ihrer 14 sich die Ersetzung Mahmud Paschas durch seinen Gegner

Wie eS dünge» Dor. Erkrankung wird, daß

oder 15, welche in der vorigen Session bei der Militär- Frage aus der Partei ausgeschieden, sind gestern auf An­regung des Abgeordneten Dr. Löwe zusammengetreten, und taben beschlossen, auch in dieser Session alle Vorlagen in 1 Serathung zu ziehen, und denselben gegenüber Stellung zu nehmen, jedoch ohne jeden Fraktionszwang für deren Mit­glieder.

Der Reichstag hat sich in seiner diesmaligen Session mit dem Ausbau des Palastes Radzinvill, bei Gelegenheit der Etatsberathungen zu beschäftigen. Nach amtlichem Aus­weise beschränken sich die bisherigen Umbauten wesentlich auf die Unterkellerung eines TheileS des Erdgeschosses, die Unterfahrung und Jsolirung der Umfassungsmauern, und die Ersetzung schadhafter Mauerwerke. Projektirt ist der Umbau der Wohnung deS Reichskanzlers, die Verlegung der Haupttreppe aus dem Mittelbau in den linken Flügel, und die Reumöblirung der Räume. Es sind hierzu bereits 90,000 M. bewilligt, und werden für 1876 noch 360,000

des Großvezier» gemeldet, von der behauptet sie auf eine Vergiftung zurückzuführen sei. verlautet, daß die Ernennung Huflein Avni

bestätigen sollte, so ist zu besorgen, daß die bisher durch die Großmächte zurückgehaltene Conflagration doch nicht zum Ausbruch kommt.

Tagesbericht

Zu all den vielen Gerüchten, welche in der letzten Zeit aufgetaucht sind, gehört auch jenes, daß Fürst Bismarck in der Kirchenfrage eine jWendung vorbereite, und einen »modus vivendi» mit dem CleruS herbeizuführen beabstch- tiae: eS soll damit gewiflermaßen der drohenden „Reaktion" da« Siegel aufgedrückt werden. Man muß wirklich er staunen über die Leichtfertigkeit, mit welcher solche Gerücht­aufgebracht werden. Nirgend« ist auch nur die geringste Veranlaflung zu einer solchen Wendung vorhanden, eteb mehr ist noch vor Kurzem in Mailand aus dem Munde des Kaisers die kirchliche Politik de« Reichskanzlers auf das bestimmteste sanctionirt. Es kann keinem Zweifel unterworfen sein, daß die bisher inne gehaltene Politik auch ferner beobachtet wird, bis sie zu dem Ziel, welches der Kaiser bezeichnet hat, durchgesührt ist; und dies Ziel besteht darin, daß die Geistlichkeit sich den Gesetzen und Ordnungen de« Staates fügt. Von einem anderen »modus vivendi» kann daher auch nicht die Rede sein. Wenn der CleruS auf eine Nachgiebigkeit deS Reichskanzlers hofft, so dürste er sich sehr getäuscht haben. Fürst Bismarck ist nicht danach angethan, ein Werk halbvollendet zu laflen. Grad« jetzt, wo der CleruS in seinen Angriffen erlahmt, W6 die Opposition abgeschwächt ist und die Ultramontanen in Bayern eine sa eklatante Niederlage erlitten haben, »st am wenigsten daran zu denken, daß die Regierung zu einem Einlenken geneigt sei. Der Friede ist erst dann möglich, wenn der CleruS sich, w,e der Kaiser dem Mar­quis Pepost gegenüber ausgesprochen hat, den Gesetzen

Deutsche- »eich.

•# Berlin, 2. Nov. Der BundeSrath hat in der Sonnabends-Sitzung die Gesetzentwürfe über das Urheber­recht an Kunstwerken, Mustern und Photographien und über den Jnvalidenfono, ebenso den Etat des Auswärtigen Amtes behufs Vorlegung desselben an den Reichstag ge­nehmigt. In gleicher Weise hat der BundeSrath die Er- richtung von Haupt Bankstellen in den vom Reichskanzler vorgeschlagenen Städten beschlossen mit der Abänderung jedoch, daß auch Bremen der Sitz einer Haupt-Lankstelle ein soll. Die bisher fehlenden Etats der Marine-Verwal- ung und des Reichskanzleramts sind nun erschienen und dürfte nun nicht daran zu zweifeln sein, daß der ganze Etat binnen 8 Tagen dem Reichstage zugegangen sein wird. In dem Marine - Etat erscheint als eine neue Formation ein besonderes Torpedopersonal. — Nach Nachrichten au« Varzin wird auch heule noch kein Termin zu bestimmen sein, wann der Reichskanzler nach Berlin zurückkehrt. Es ist anzunehmen, daß in der nächsten Zeit die Rückkehr nicht erfolgt. — Schon früher ist darauf hingewiesen worden, daß ein Urtheil über die Wahlen zum Provinziallandtage noch nicht angebracht sei, da das Gesammtergebniß derselben abzuwarten sein wird. Am meisten ist die Keantniß deS Resultats in der Provinz Sachsen vorgeschritten. Bon 103 liegen 89 bekannt vor. Von letzteren find 39 für die Städte, 50 aus den Groß- und Kleingrundbesttz gefallen, wobei zu letzterer Kategorie auch die Landrälhe gerechnet werden müssen. — Die vielfach ventilirte Frage der Pen­sionsangelegenheit des Feuerwehr - DirectorS Saebell liegt, da durch die städtische Behörde kein Resultat erzielt ist, augenblicklich der Königlichen Regierung zu Potsdam vor. — Es scheint nun, als solle an die ernstliche Absicht, dem ReichSlagsgebäude einen geeigneten Platz anzuweiscn, ge­gangen werden. Sowohl in Kreisen de« Reichskanzleramts als in btn der Reichstagsabgeordneten spricht man von einer desfallsigen Vorlage. — Der heutige Tag, für welchen Se. Majestät die Abhaltung der Hubertusjagd angesetzt hat, ist von dem schönsten Wetter begünstigt, so daß die« Ver­gnügen der Berliner recht zahlreich besucht werden konnte.

Wie«, 2. Nov. Die heutige amtliche „Wiener Zei­tung" reproducirt den Wortlaut der Kundgebung de« „Petersburger RegierungS Anzeigers" und begleitet dieselbe mit Ausdrücken der Befriedigung und Anerkennung.

Pari-, 1. Nov. Der Schluß der Ferien bringt uns noch ein vielstimmiges Concert von radikalen Rednern:

Gleichzeitig _ _ _

Paschas zum Großvezier bevorstehe. Damit würde also der Fall Mahmud Paschas entschieden sein. Huflein Avni Pascha huldigt einer aggressiven Politik. Er soll namentlich den Einmarsch in Serbien unb Montenegro befürworten; wenn

M. im Etat gefordert.

In der orientalischen Frage hat die österreichische Re- gierung eine besondere Wichtigkeit darauf gelegt, ihre voll« tändige Uebereinstimmung mit der russischen Regierung so viel wie möglich hervorzuheben; in diesem Sinne faßt sie auch den neuesten Artikel im „Petersburger Regierungs- Anzeiger" über die Verhältnifle an der unteren Donau auf. Er erscheint ihr nicht nur als Kundgebung zu Gunsten des Drei-Kaiser BündnifleS, sondern auch als Demonstra­tion für Erhaltung de« europäischen Friedens. Auch mit dem Hinweise, daß Rußland ■ seine Sympathieen für die slavischen Christen nicht verleugnet habe, und daß es auf Durchführung der von den Türken zugesagten Reformen bestehen müsse, konstatire der „Regierungs-Anzeiger" die Uebereinstimmung des russischen Programms mit den An­sichten der deutschen und österreich ungarischen Regierungen. Allgemeine HumanitälS - Interessen geben Deutschland und Oesterreich-Ungarn das Recht, sich auf gleiche Basis mit Rußland zu stellen, um seinerseits das Vertrauen der tür­kischen Christen auf die zugesicherten Reformen zu erhöhen, und andererseits auf gründliche Beseitigung von Verwicke­lungen zu dringen, deren Folgen sich vorzugsweise auf die Nachbarprovinzen Oesterreichs erstreckten.

scheint, bereiten sich in der Türkei neue Wen- ES wird von Konstantinopel eine plötzliche

unterwirft.

Die Strafgesetznovelle ist im Justizausschuß des Bun- desratheS fast vollständig durchberathen; hat aber in seinem Entwurf, wie man meldet, noch manche Abänderungen er­fahren; die Verhandlungen sind geheim gehalten worden, so daß noch nichts Näheres darüber bekannt ist. Sämmt- liche Gruppen des Etats liegen jetzt dem BundeSrath vor, und es wird deren Berathung dort so beschleunigt, daß der aesammte Etat bereits in nächster Zeit dem Reichstag vor- gelegt werden kann. Man will, wie e« heißt, alle An­strengungen machen, um die dringensten Reichstagsarbeiten bi« Weihnachten zu beenden.

Die einzelnen Fraktionende« Reichstages sind am Montag »usammengetreten, um sich über ihre Constituirung schlüssig zu machen. In keiner Fraktion sind aber bisher irgend welche Vereinbarungen über ihre Stellung zu den bisherigen Vorlagen oder über die Taktik der Parteien getroffen wor- den UebrigenS hat eS nicht den Anschein, als ob die Parleiverhältnifle in dieser Session irgend wie alterirt wer­den würden. Namentlich sind alle Gerüchte von Spaltung der nationalliberalen Fraktion durchaus unbegründet. D»e-

Anzeigen nimmt entgegen: bieje^tbitton b. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägerflche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- ♦ meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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Auge um Auge, Zahn «« Zahn.

Original-Novelle von Stanislaus Graf Grabowski.

(Fortsetzung.)

‘ Und zwar den eines alten Freundes," meinte derOber- lirutenant spöttisch, — „der sich gern die Ehre geben würde, Ihre Hand zu küflen, gnädige Frau, wenn ihm die leidige Gicht nicht so viel zu schaffen machte."

„Unsere Freundschaft ist ein wenig alt geworden, mein Herr" entgegnete die Dame mit offenbar verächtlichem $one, — „und ich würde nicht recht begreifen, warum Eie sie wieder erntum» wollen, wenn ich nicht zufällig Ihr Anliegen im Nebenzimmer vernommen hätte."

Desto befler, Madame!" meinte der Oberlieutenant kaltblütig; — „dann brauche ich Ihnen meine Geschichte nicht zu wiederholen, und Sie werden Ihrem Herrn Ge­mahl jedenfalls den guttn Rath geben, meinen von der Noth gebotenen Ansprüchen zu genügen."

Frau Helene schien einige Sekunden lang wirklich ver­dutzt über die Frechheit deS alten Menschen; sie wiederholte nur:

„Ansprüche?"

„Nennen Sie eS so oder anders, eS kommt mcht darauf an, mir liegt nut an dem Geld«, daS ich aber unter allen Umständen au« diesem Hause mit mir fottnehmen muß!"

„Anton," sagte die Dame, als sie bemerkte, daß ihr stolzer Blick gar keinen Eindruck auf den alten Stürmer zu machen schien, und ging zu ihrem Manne hin, dem sie die Hand fest aus die Schuller legte, — „Du hast diesem Herrn bereit- schriftlich unsere Entschließung erklärt, unb jede« weitere Wort deshalb ist überflüssig. ES wäre mir lieb, wenn ich Dich ungestört sprechm könnte; Herr von Stürmer wird un« jedenfalls daran mit Gewalt nicht hindern wollen."

„Gewiß nicht! ich werde Ihnen je eher, desto lieber das Feld räumen, sobald ich das Verlangte erhalten habe."

Frau Helenen'« Geduld war jetzt vollständig erschöpft; da sie sich überzeugen mußte, daß sie von ihrem geängstigten Gatten durchaus keine Unterstützung zu erwarten hatte, wandte sie sich selbst wieder zu dem Oberlieutenant und sagte mit vor Zorn funkelnden Augen:

„Sie haben mein letztes Wort in jenem Briefe gehört! — Wir sind cö müde, Ihre Erpreflungen noch länger zu dulden, die Sie wie eine Schraube ohne Ende handhaben! Sie werden keinen Pfennig mehr von uns erhalten, möge daraus auch entstehen, was da wolle!"

„O Madame, Sie haben sich die Sache nur noch nicht recht überlegt!" meinte der Alte lächelnd und dabei doch mit einem so drohenden Blicke. „WaS daraus entstehen kann unb wird, will ich Ihnen sagen. Ich habe Nicht» mehr zu verlieren, nicht einmal mehr die Ehre, wenn Sie es geschehen laflen, daß meine Gläubiger mich aus meinem kleinen Eigenthum jagen; ich könnte mein graues Haupt und meine schmerzenden Glieder dann auf die kalte Erde betten, um zu sterben, denn daß ich nicht in ein Armen­haus gehen will, ist selbstverständlich."

„Warum habet» Sie so schlecht gewirthschaftet?" fuhr ^ihn die Dame an. „Reichte die Summe, die wir Ihnen damals vertragsmäßig zahlten, nicht aus, sich für alle Zeiten eine anständige Existenz zn gründen?"

„Erbärmliche dreißigtausend Thaler! — Beinahe die ! Hälfte davon brauchte ich sofort zur Tilgung meiner alten Schulden; bin ich mit dem Reste nicht lange genug aus­gekommen? und dabei hatte ich noch Weib und Kind zu ernähren, die Ihr Gatte mir gütigst zugeschoben l"

„Sie haben inzwischen von Anton, ohne mein Wissen unb ganz wider meinen Willen, noch bedeutende Poften

erpreßt, dieselben werden sich auch gegen zehntausend Thaler belaufen."

„Nun, dann machen Sie jetzt das Dutzend voll! — — Ich verspreche Ihnen dafür, Sie nie wieder zu be­lästigen."

„Wer kann an Ihre Versprechungen glauben?" rief Frau Helene verächtlich.

„Sie werden bald an das Eine glauben," entgegnete der alte Stürmer, sich immer mehr erbitternd, — „das ich Ihne»» hiermit gebe, wenn ich daS Haus, ohne daS mir so nothwendige Geld verlafle, so ist mein nächster Gang zum StaatSanwalte, um ihm eine Geschichte zu erzählen, wie man falsche Zeugen erkauft, um eine gehaßte Neben­buhlerin und ein unschuldiges Kind aus dem Wege zu bringen. Sehen Sie, Madame, ich riSkire dabei nicht viel; die Affaire, die ich mit dem Advokaten gehabt habe, kann mich ohnehin in das Zuchthaus bringen, und auf die Dauer der Strafe kommt mit Nichts an, denn ich würde diese Schmach doch nicht lange überleben."

Die Dame stutzte sichtlich bet dem entschiedenen Aus­drucke des Oberlieutenants, unb vielleicht hätte sie doch noch mildere Saiten aufgezogen, aber unglücklicherweise kam der Banquier nun mit einer Fürbitte dazwischen.

„Helene, lafle eS nicht zum Aeußersten kommen!" stöhnte er. „Wenn eine gütliche Einigung mit Herrn von Stürmer möglich ist —*

„Schweige Anton!" herrschte sie ihn bitterböse an; „Du bist ein erbärmlicher Mann, wenn Du Dich vor solchen Faseleien fürchtest!" unb sich wieder an Stürmer wendend, fuhr sie höhnisch fort:

„Gehen Sie zum StaatSanwalte, bestellen Sie sich Quarter im Zuchthause, vergeflen Sie aber nicht, daß Sie gar keine faktische Beweise gegen un« in Händen haben. Ihr Charakter ist in jenem schmutzigen Ehescheidungspro-