$r. 2S3.
Marburg, Donnerstag, 28. October 1875.
ayraa
WcrhcWt Zcilung
holt werden, daß im Staatsministerium selbst weder Anlaß noch Symptome zu einer «rists vorlicgen. Bon Krisis, wirthschaitlicher oder anderer ist gar nicht die Rebe, ebensowenig von dem Rücktritt eine- Ministers, auch nicht deS fälschlich als Reichs- Kriegs-Minister bezeichneten Generals von Kamele. — Durch Circular-Ertaß von 15. d.
M. an die Konsistorien, hat der CultuSminister seine Entscheidungen über die von den Provinzial-Synoden gestellten Anträgen a) wegen Trauungen und b) wegen der Wieder- Trauungen Geschiedener kundgegeben. Die Anträge ad 1 sind zurückgewiejen und zwar weil die Entscheidung da-
öttCla;ptt Huelke von Wolkenstein ,6 begonnen hat, gratis nachgeliefert. *'• Die Exped. d. Oberh. Zeitung.
Lanquier zu machen; eS konnte ihm nicht in dm Sinn kommen, diesen Wunsch zu erfüllen, denn auf welche Stufe würde er sich damit in der Achtung der Weller'schen Familie gestellt haben? — Was aber dem Bat.r antworten, ohne die kindliche Ehrerbietung zu verletzen und vermuth- lich einen vollständigen Bruch herbeizusühren? — Wie hing dies Alles zusammen? — in welchen früheren Beziehungen stand .sein Vater zu dem Banquier? — und welche Aussichten für ihn selbst, wenn der alle Mann seine Drohungen wahr machte? —
Während Gerhard sich mit solchm Gedanken abguälte, spielte sich in der Villa Frau Hrlene'S auch noch eine ausregende Scene ab, die mit seiner eigenen Persönlichkeit in naher Verbindung stand; glücklicherweise hatte er davon ebenso wenig eine Ahnung, wir von den Eröffnungen, die
Deutsche» «eich.
.* Berlin, 26. Oft. Heute Mittag fand dir Enthüllung des Stein-Denkmals in erhebender Weise statt. Der Kaiser war leider durch ein Unwohlsein verhindert,
einem Freunde Alfred geworden warm.
Frau Helene, die sich nun schon wieder vollständig zu erholen begann, war allein, als ihr der Besuch Dr. Mör- nerS angemeldct wurde. Zu dieser späten Stunde war sie darüber doch rin wmig verwundert.
Der alte Doctor kam mit seiner gewöhnlichm freundschaftlichen Vertraulichkeit, erkundigte sich nach ihrem Be- findm und ließ sich seinen Bordeaux vorsetzen, aber man merkte ihm doch bald an, daß er etwa» Besondere- auf dem Herzen trug. Die Dame sagte ihm die« auch bald gerade heraus und forderte ihn auf, mit seinem Anliegen ohne Umstände herauszukommen.
„Was bedrückt Sie, lieber Doctor? — sprechen Sie es rückhallslos au», — Sie wissen ja, daß ich Ihre Freundin bin I"
„Was mich drückt?" fragte Dr. Mörner eigenthüm- lich ernst, während er sein Gla» von sich schob. „Sie werden darüber lachm, aber e» ist dennoch so: mein Gewissen."
Im ersten Momente war die Dame allerdings versucht, zu lachen, wenigsten» zu lächeln, aber der Blick des Doc- torS ruhte so starr und unheimlich aus ihr, daß sie sehr betroffen wurde und ihn nur zweifelnd anfah. ' ......
Derselbe Abend brachte auch für Gerhard eine höchst unangenehme Überraschung durch einen Brief seines Vater». E» war der erste, den er seit seiner Niederlassung ttt von ihm erhielt, obgleich er selbst schon mehrere Male geschrieben hatte, ohne sich indessen gar zu offen auszusprechen und besonder- der Weller'schen Familie zu erwähnen.
Der alte Brummbär schrieb in abgebrochenen Sätzen, so barsch, wie er sprach; er hatte aber, ganz gegen je.ne Gewohnheit, ein paar Seiten vollgekritzelt. Der Inhalt de» Schreibens war <1»a Weichet:
Zu seinem Erstaunen und großen Mißfallen ha^ er • vernommen, daß Gerhard sich mit der Familie de- Baw auiers Weller bekannt gemacht und sogar von ihr protegirt i werde, — es folgten einige sehr heftige Ausfälle auf Herrn i und Frau von Weller; er begreife nicht, weshalb sich diese । Leute für Gerhard interesstrten, aber wenn die» einmal der Fall sei, so müsse man daraus den möglichsten Nutzen ziehen. Der alte Weller sei ein guter Bekannter von ihm, den er seit langen Jahren nicht mehr gesehen, der sich seiner aber wohl noch erinnern würde. Nun begann in Dem -Briefe eine Litanei über die ihn immer mehr drückenden Schulden; er stehe auf dem Punkte, auSgepsändet zu werden und sein kleines Haus verlassen zu müssen, lieber schösse er aber den mit der Vollstreckung beauftragenden Exekutor vor den Kops; sollte indessen ein solcher Scandal vermieden werden, so müsse Gerhard sich an Herrn von Weller wenden und ihm, mit Güte oder Gewalt, ein Darlehn von zweitausend Thalern verschaffen; dies erwarte er ganz bestimmt.
„Weller," lautete der Schluß, — »ist ein Schuft, vor dem Du Dich nicht zu geniren brauchst; nenne ihm meinen Namm und zeige ihm meinetwegen diesen Brief, und er wird Dir da« Geld geben; sollte er sich weigern, so bringe ich ihn an den Galgen oder wenigstens in das Zuchthaus. Biete Alles auf, mir das Geld von ihm zu verschaffen, sonst mache ich selbst Anstalten dazu, denn ich bin jetzt mit allen Hunden gehetzt und in wahrer Verzweiflung; es ist Deine Pflicht als Sohn, mir altem Kerle wenigstens ein anständiges uub ruhiges Sterbelager zu verschaffen. Komme aber nicht etwa auf die alberne Idee, um dieses Ziel z» erreichen, Dich mit der Nichte der Wellers emzulaffen, denn von einer solchen Verbindung kann keine Rede sein und ich würde sie mit meinem Fluche belegen. Sonst bin ich, wenn Du mir da» Geld, verschaffst, Dein wohlgewo- gener Vater. HanS von Stürmer."
Gerhard war anfänglich ganz außer sich über diesen Bries; dm letzten Paffu- verstand er noch weniger wie das sonderbare Ansinnen seines Vater», sich selbst zum Vermittler von Geldgeschäften zwischen diesem und bem
«•ÖMTÄ» ,.-,c die Amwu<en«Bureaur Ln Tb- Dietrich & Co. in Safftl und Hannover; Dh- Wch in Frankfurt °.M,; L,ienstein & Bögler in Symtfurt a. M^BerliN, Leip. Wsln k; Äudolf Moste wderlin, Frankfutt a. M. rc.
Auge um A»»e, Zahn x* 3»h«. vriainal-Novelle von Stanislaus Graf Grabowski.
(Fottsetzung.)
” Alfred konnte auch übet de» Mangel jeden Vertrauens rwtichen Vater und Sohn berichten und überzeugte den Major, daß der ehemalige Lieutenant von Sturmer wohl noA «ar nichts von dem Leben Gerhard S in wisse; an» dieser Liebeleere und Theilnahmlosigkeit eme» Vater» Wen auch schon eine Bestätigung der sehiuptung hervor- z?gehen, daß Gerhard gar nicht der leidliche Sohn de» alten (Stürmer sein konnte.
Wa» nun aber beginnen? — durste der Freund dem Freunde eine offene Erklärung geben ober ihm wenigstens Winke darüber zukommen lassen, waS für sein ganze« Leben Io enffcheidem, werden konnte,-oder sollte er schweigen, w.e bet Major mit den mürrischen Motten rteth. „WaS geht un» die ganze Geschichte an?"
Alfred befand sich in einem bösen Zwiespalte, der seine ganze Stimmung nieberbtfliie, und al» er an bem? Iben Abende noch seine Braut wiedersah, vermochte deren jonf so beglückende Rühe ihn nicht einmal zu beruhigen. Das Resultat seine» eifrigen Nachdenkens blieb, daß er vor der Hand wenigsten» noch schweigen wollte; möglich, daß die Wcller'S Gerhard wieder dadurch in seine väterlichen Rechte einzusetzen versuchten, daß sie ihre Nichte, ihr Adoptivkind uub die Erbin ihre» großen Vermögens, mit ihm verhei-
Da» d^besptochene „Brodkorbgefetz^^^thut^meh^r und mar [eiber »iirch ein unwoytfein verginvcn,
mehr seine Wirkung. S & lt an Pfarrer!der Feier durch seine Gegenwart die volle Weihe zu geben.
d°rt SM.Dtöcese - «gSt« des Fe'st ComitöS hatten indeffen Folge
auSgezahtt wird, weil diefe ver ureg » bet Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinzelstn
Überla« Pechttten de» König» in der Adreßangelegenheit lWrangel, die sammtlichen h'er anwesenden Minister,^Präs
Anzeigen nimmt entgegen: die (rawbitton d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt e. M.; Jnvalidendank, Ä. Äete« ♦ meyer in Berlin; Carl Schütz' ter in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Sonntagsblattes," in denen eine höchstEchten Unterstützung dabei beantragt; die Pforte scheint Dr Gneist die 8-stt-dr, «eiche .knapp und gedrängt un^ KZMMkr: rM-MWZZ
ist 5.877,000 Rmk. und für das a otbtn ar iura 1 ,o78,000 mtz »» Payf-nda (U q J) J fo(Qe®be Nach,ein:! und dem Gordischen, gerade jetzt besonders unfreundlichen Rmk.; e» befinden sich unter den Mehrforderungen aus Buenoy-Uyreo geht darüber^! 8 Ermordeten, Wetter, hat dcM Monarchen die von jeher von den Aerzten für zwei neu zu formirenbe Eijendahnbatalllone, und fürI Die °^^a g g p eor Verwesung, das!befürchtete Erkältung zugezogen, so daß tn den nächsten
46 zu ereirenbe Stabsoffizierstellen. Man hatte zuerst be i bereits l Z s J h . getrennt der Körper mit! Tagen äußerste Schonung und Zurückhaltung ärztlich an- absichtigt, sämmtliche 275 Bezirkscommandeurstellen mit Haupt fast ganz vom Rumpfe I jn einem gerathen werden mußte. Die Minister haben deßhalb auch
©taMoffÜl ren zu besetzen; diese Reorganisation erschien Messerstichen bedeckt, ist am 21. «ußun. j Personen weder gestern noch heute die sonst Übliche Begrüßung des
,u -mfaff-ud. u»d »au Hal G'-d-n “ifiÄ X ÄX Sw W »aum uto fiud aU. uudnmiflo
f’ Wad--vl «itWcfli«. her SJal °->dlch»g wai-u, |o lalle man -°, mne einjigeiw . Meldunae» au»,.f,hl wo-d-a. - Die R.ich«la,«-
eeiural S<l»»arf4att von Molike feierte am 26. Dk-IVeehaslung vargenommen. , Denlkcker aerlseffiou wird morgen durch den Slaaisminister Delbrück
lober^feinen fünfundstebenzlgsten Gebnrlslag. Während der! Da auch vor Kurzem m zwa? von' Be^ eröffnet werden. —9 Die Börsenblätter beschäftigen sich mit
italienischen Reise sah sich unser 6ro6er ®trateae c,ncn ®atcn -^stermor'det worden und dergleichen Verbrechen einer angeblichen Krisis in Bezug auf die wirthschaftliche «uaenblid lang einer gewissen Gesahr ausgesetzt. In der «amten selbst, alle Sühne bleiben, so! Politik unserer Regierung und mit der dadurch angeblich
Mttnung nämlich, btr Zug von Monza sei m Mailand m lenen Landern( fast »m » Reichsre^ierung energische herbeigeführten Erschütterung in der Stellung einiger Mi- anoelanat schickte st» Graf Moltke au auSzustngen; der«,st zu erwarten, daß Die deutfche ^iqsregwruu.8 verschiedenen Farbe dieser Blätter
Zugführer hatte unterdeffen bemerkt, daß der ^g "'cht Schtttte dafni: hunsondern auch für künftig wird diesem ober jenem Minister eine besonbere Erregung »rit genug unter dem Dache sei, setzte er dttsen(Nochmal brechen zur Siche- in dieser Hinsicht zugeschoben. E- muß auch jetzt «ied«-
wollte, schwankte ebenfalls. Der Unfall wurde durch die! - -
schnelle Dazwischenkunft bet nächst befindlichen Personen