1fr. LS2.
Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition d. Blatte«, sowie die Annoneen-Bnreanx von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Laasenstein & Vogler in Frankfurt o. M, Berlin, Leipzig, Köln ic; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
Marburg, Mittwoch, 27. Ocwber 1875.
x Zhrgmg.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie bie Annoncen-Bureaur von G L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.-Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
»rs-beint tSalich nutzer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirteö SonntagSblatt" durch die Expedition («och'sche ^Buchdruckerei) bciogen ^ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pf«, (exl. Bestellgebühr). - Jnsertionsg-bühr für Die gespaltene Zette 10 Pf,.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
auf die „Vberhesfische
! v ZeilttvG" für die Monate November und December werden von allen Post- anstaltm entgegenommen.
Auf Verlangen werden neu zugehenden Abonnen- tm die Nrn. 43 und 44 des „I l l u st r i r t e n S on nta g s b l at t es," in denen eine höchst interessante Erzählung von Karl Neumann- Strela
Die Huelke von Wolkenstein begonnen hat, gratis nachgeliefert.
Die Exped. d. Oberh. Zeitung.
Lage-bertcht.
Der Kaiser ist gestern Mittag um 3 Uhr 10 Min. wohlbehalten in Berlin eingetroffen und von dem Kronprinzen, den Prinzen Karl und Friedrich Karl und dem Bürgermeister Dunker am Bahnhofe empfangen worden. — Rach der „Nordd. Allg. Ztg." ist der Kaiser in Folge der unvermeidlichen Reise-Anstrengungen verhindert, den Reichstag persönlich zu eröffnen. Die Reise nach Sagan und Ohlau ist demgemäß acht Tage verschoben worden.
Die sofort nach Rückkehr des Kaisers bestimmt erwartete Wiederbesctzung der erledigten diplomatischen Posten wird wohl nicht vor Ende de» Jahre» stattfinden, da die Festsetzungen darüber zwischen dem Monarchen und dem Reichskanzler, dm sein Gesundheitszustand gezwungen hatte, einen Urlaub auf unbestimmte Zeit zu nehmen, noch nicht stattgefunden; e» ist wenig wahrscheinlich, daß Fürst Bis marck seine volle Thätigkeit vor Ende November aufnehmen werde. Aus militärischen Kreisen verlautet, daß der Fürst gegmwärtig Generallieutenant bei der Cavallerie bei dem bevorstehenden Avancement zum General der Cavallerie den höchsten von ihm zu erreichenden Grade festgesetzt werden solle.
Ein bei dem BundeSrath eingereichter Antrag Baden« auf Abänderung der Posttaxe für Ortsbriefe geht dahin, statt der jetzigen Fünspsrnnig-Taxe für Ortsbriefe die Drei- Pfennig-Taxe einznsührm.
Der i« Berlin tagende bleibende Ausschuß des beut» fchen HandelStages > hat sich mit der Frage beschäftigt, ob da» deutsche HandelSintereffe ein deutsches Eisenbahngesetz erfordere. Diese Frage wurde bejaht, aber das Amende- ment angenommen, daß der Uebergang der deutschen Bahnen an da» Reich eine Forderung der Zeit, und als die noth-
wendige Voraussetzung zu einer rationellen Gesetzgebung auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens anzusehen sei.
ES steht jetzt fest, daß dem nächsten Landtage, die chon dem vorigen bestimmt gewesene Vorlage eines Gesetzes 16er die Rechtsverhältnisse der Juden zugehen wird, man »etreibt gegenwärtig sehr lebhaft die statistischen Erhebungen iber die Verhältnisse der Synagogengemeinden in der ge- ammten Monarchie. ES wird von allen Seiten zugegeben, daß die vom Jahre 1867 stammende und noch gegenwärtige Gesetzgebung für die jetzigen Verhältniffe nicht mehr paffend ist, doch sind über die Zwangspflicht zu den Ge- meindebeiträgen die Ansichten so verschieden, das es der Negierung sehr schwer werden dürfte, allen Jntereffen und nach allen Seiten hin gerecht zu werden. Die Provinzial- Behörden sollen daher Vorberathungen halten und dazu Sachverständige zur Vertretung der verschiedenen Richtungen heranziehen. Erst in Folge dieser Vorberathungen sollen die Entwürfe zur weiteren Berathung an da» Ministerium gelangen, weil eS unzweifelhaft ist das sie sehr maßgebend dabei sein werden.
Am 20. d. Mts. wurden 160 Waggon« verschiedener ungarischer Bahnen, bei ihrem Uebertritt in Oderberg auf das deutsche Gebiet, durch deutsche BanquierS mit Beschlag belegt, weil die Coupons-Einlösung nicht in G ld, sondern in Papier erfolgt war.
Man schreibt auS Athen: Zwei Mitglieder des alten CabinetS Bolgaris sind in Anklagestand versetzt, wegen erwiesener Bestechungsannahme bei der Bischofswahl.
Der carlistische General Dorregaray ist verhaftet worden, und befindet sich ohne jeden Verkehr nach Außen, in Durango eingeschloffen. In Catalonien macht der General Martinez Campos Fortschritte, er ist bereits vor Calas angelangt. ____________________________________
Deutsches Reich.
»» Berlin, 25. Okt. Mit großer Aufmerksamkeit hat man den Verlauf der Tage in Mailand in allen Kreisen verfolgt. Es wird Niemand, nachdem diese Festtage ihren Abschluß erreicht haben, bedauern, daß sie einen großen Abschnitt in dem ruhmreichen Leben unseres Monarchen bilden. Es ist wohl selten einem Fürsten beschieden gewesen, der Träger einer so großen Epoche, als die letzten 10 Jahre sie repräsentiren, sein zu können. Der Kaiser hat auch in Italien die Zahl feiner Verehrer auf’» Neue begeistert. Aus der Rückreise des Kaisers nach Berlin fand derselbe überall einen begeisterten Empfang, der in Berlin au Wunsch deS hohen Herrn, wegen der Anstrengungen der letzten Tage auf daS unumgänglichste Maaß beschränkt root-
den ist. Wenn man die Strapazen in Mailand, die Un- icqnemlichkeit der Ruhe und die Thätigkeit deS Monarchen n Bezug auf die Erledigung von Staatsgeschäftcn in Rück icht nimmt, so kann eS nicht Wunder nehmen, daß der dönig da» Bedürfniß nach Ruhe empfindet. Während der estlichen Tage in Mailand, hat der Monarch nicht unter» affen, den Regierungspflichten vollauf zu genügen, wie dies die Erlaffe an die Minister, batirt auS Mailanb, be- weisen. Wenn nun ber Kaiser sein Erscheinen bei der Enthüllung deS Steindenkmals, bei der Eröffnung des Reichs- ageS und der Theilnahme an den Jagden in Schlesien in ctzter Stunde versagt, so ist dieses jedenfalls nur eine Nothwendigkeit, deren Vorhandensein aber durchaus nicht Anlaß zu Gerüchten über eine Krankheit des Königs gibt. ES ist nut die Vorsicht, welche das Fernbleiben von dm nächsten officiellen Akten verlangt. — Fürst Bismarcks Er- cheinen zur Eröffnung deS Reichstages ist nicht in Ansicht zu nehmen, wie überhaupt des Reichskanzlers Rückkunft nach Berlin noch nicht einen bestimmten Termin gestattet. Das Unwohlsein deffelben macht dieses eben unmöglich. Es bleibt jedoch nicht ausgeschlossm, daß während der Sitzungen des Reichstages der Reichskanzler nach Berlin kommt, um an den Verhandlungen Theil zu nehmen. — Wenn in einigen Blättern die Mittheilung gemacht wird, daß der Justizminister das Gnadengesuch für Graf Arnim vorbereite, so ist dieses eine irrige Auffassung. Der Justizminister hat keine Veranlassung ex officio in dieser Sache vorzugehen. Es bleibt dem Grafen Arnim Vorbehalten, nachdem ihm das Erkenntniß des Obertribunals zugestellt ist, die nöthigen Schritte zu thun, eine Begnadigung her- beizusührcn. Selbstverständlich ist dadurch noch nicht die Begnadigung als gewiß zu erachten. — ES ist ausgefallen, daß Gras Stolberg Wernigerode nicht in seinem Kreise al» Mitglied des preußischen Provinziallandtages gewählt worden ist. Es ist daher dcffen Wahl in Halle besonders gern ausgenommen worden. — Als Verwalter des Bisthums Breslau wird RegierungS-Rath von Schuckmann genannt — Nach einer Tabelle deS Centralblattes für die gefammte Unterrichtsverwaltung haben von 85,779 ausgehobenen Leuten im Jahre 1874/75 82,607 Schulbildung genossen; mithin waren 3172 Mann ohne Schulbildung. Hiervon fallen im Procentsatz berechnet auf Brandenburg 1,04, Pommern 1,08, Sachsen 0,54, Schleswig-Holstein 0,38, Hannover 1,01, Westfalen 1,01, Rheinprovinz 0,88, Hessen-Nassau 1,60, Lauenburg 0,62, Posen 16,05, Preußen 10,11, Schlesien 3,34, Hohenzollern 0.
München, 23. Okt. Die an das Gesammt-Ministe- rium ergangene Entschließung deS Königs vom 19. d. wird
Auge um Auge, Zahn um Zahn. Original-Novelle von Stanislaus Gras Grabowski.
(Fortsetzung.)
ES war in jenem Frühjahre ein schöner, milder Abend, den der Major und Alfred, hoffentlich bald sein Schwieger- sohn, in dem kleinen, zum Hause deS Ersteren gehörigen Garten vertraulich zubrachten; die Damen, Mutter und Töchter, machten gerade einen unvermeidlichen Besuch.
Die beiden Herren saßen in einem kleinen, von Brettern aufgeführten Gartenhause, rauchten, der Major feine lange Pfeife mit dem Meerschaumkopfe, der Doctor seine Cigarre, schenkten sich zuweilen ein Glas guten Rheinweins ein und plauderten von allerlei Dingen. Gewöhnlich spielten sie, wenn sie allein waren, SechSundsechSzig ober Piquet, aber ber Major war heute stet« im Verluste geblieben unb hatte endlich die Karten mit einem heftigen „Donnerwetter" aus den Tisch geworfen.
Die Rede kam nun auch zufällig wieder auf die Wellers und Dr. Stürmer, welchen Letzteren Alfred immer sehr angelegentlich seinem zukünftigen Schwiegervater gegenüber vertheidigte, ber Major blieb bann gewöhnlich sehr zurückhaltend. Heute brauste er wieder einmal zornig auf, unb bann ließ sich ihm nicht gut wibersprechen.
. „ES ist ein Scanbal", schrie er, mit ber Faust auf ben Tisch schlagend, — „daß man diesen erbärmlichen Menschen noch daS Wörtchen „von" vor ihren wenig ehrenvollen Namen gehängt hat! — Freilich, eine Bedeutung hat der Abel ja nicht mehr für unsere Fürsten, bie mehr Geld wie guten Charakter und treuergebene Herzen gebrauchen; alle durch Jahrhunderte verdiente Privilegien haben sie un» genommen, und mögen sie seiner Zeit einmal zusehen, ob ste selbst dabei am besten fahren werden! — Viel ist der Adel freilich auch nicht mehr wetth, aber man hat ihn von obenher demoralifirt; nicht mehr bie Hingebung unb Treue lohnt man, sondern behängt die Gelbsäcke mit Orden und Auszeichnungen; — wir leben tu einer kostbaren Zeit! —
Und nun gar diese Weller's, die von jeher in so üblem Ruse gestanden habe!"
Der Alte schwieg und biß ingrimmig auf seine Pfeifenspitze.
„Mein lieber Herr Papa," begann Alfred, der über diesen heftigen Ausbruch doch ein wenig betroffen war. — „Sie müssen wohl Grund haben, die Wellerschen Eheleute so hart zu beurtheilm, denn ich vernahm dies schon öfter von Ihnen, der Sie doch sonst keine» Menschen Feind sind. Man trägt sich in der Stadt allerdings mit vagen Gerüchten über sie, aber keiner scheint eigentlich zu wiffen, woher und wohinaus damit."
„Ja, man will sich freilich nicht den Mund verbrennen, wenn man keine positiven vor Gericht gültigen Beweise hat!" brummte der Major.
„Bor Gericht?" fragte Alfred, sich ein wenig mehr erstaunt stellend, al« er wirklich war, denn man wird sich erinnern, daß er seinem Freunde Gerhard auch schon eigen-. thümliche Mittheilungen über die Vergangenheit ber Wellers gemacht hatte, ohne dieselben verbürgen zu können.
„Ja, vor Gericht! Dem Manne wenigstens gebührte eher bas Zuchthaus wie ber Adelstitel!"
„Verzeihen Sie, bester Papa, Sie machen mich sehr neugierig,2— nicht um meinetwillen, denn ich habe ja — Gott sei Dank! — Nichts mit diesen Leuten zu schaffen, aber ich fange an, besorgt für meinen Freund Gerhard von Stürmer zu werden."
„O, der ist ben Weller's schon mit Leib und Seele verfallen," fraifonirte der alte Herr. „Aber da» schadet Nicht«, — Art läßt nicht von Art, — es ist Alle« nur ein abgekartetes Spiel, unb et wird recht gut wiffen, wie er zu den Leuten steht. ES thut mir leid, daß Du diesen Umgang hast, Alfred, und ich zweifle kaum, daß Du von Deinem sogenannten Freunde arg hintergangen wirst."
So offenbar unb bitter hatte sich ber Major noch niemals über ben ihm persönlich ganz unbekannten Gerhard von Stürmer ausgesprochen, und Alfred, »der wahr
hafte Freundschaft für Letzteren besaß, konnte nicht umhin, dies empfindlich aufzunehmen und ihn mit sehr warmen Wotten zu vertheidigen.
„Nun, bann wäre e» um so schlimmer für ihn!" murmelte ber Major unb fuhr nach kurzem Besinnen laut fort:
„Einen guten Freund habe ich mein Lebtag lang auch nicht im Stiche lassen können, unb et ist brav von Dir, Alfred, daß Du für ben ba eintrittst, aber Du bist in biefen Verhältnissen ganz fremb unb kannst sie deßhalb gar nicht beurteilen. Nur um Deinetwillen will ich davon sprechen, denn wir werben uns ja halb am allernächsten stehen; ich berühre sonst nicht gern solche Dinge, bie mich eigentlich Nichts angehen, unb bin, wie Du weißt, ein abgesagter Feinb aller Klatschereien; aber von einer solchen dürfte hier schwerlich bie Rebe {ein, und ich wundere mich nur, baß bie Erinnerung an alte Geschichten, bie damals in Aller Munde waren, noch nicht wieder laut aufgefrischt worden sind, seitdem dieser Doctor von Stürmer in dem Wellerschen Hause verkehrt."
Alfred Wiesen« horchte gespannt auf. Zum Theil wußte er schon im Voraus, was er über die Weller» hören sollte, aber wie Gerhard damit in Verbindung gebracht werden könnte, blieb ihm unbegreiflich.
Man «innere sich jener früheren Mittheilungen Alfreds an Gerhard. — D« Anfang von ber Erzählung be« Majors stimmte vollkommen damit überein. Er sprach zuerst von dem kleinen, nicht sehr wohlhabenden Kaufmann Anton Weller, von deffeu Leichtfertigkeit unb Lächerlichkeit unb seiner schönen, sanften unb allgemein geachteten Gattin, die, früh Waise geworden, Jener unter ärmlichen Verhältnissen in einer ziemlich entlegenen kleinen Stadt auf seinen geschäftlichen Reisen tennen gelernt hatte.
„Einer d« würdigsten Cumpane diese« Weller in ben Weinstuben unb an ben Spieltischen," erzählte er bann weit«, — „war einer unserer jüngeren Offiziere, ber mit mir hier in *•* in Garnison stank; ich kannte ihn ganz । genau, denn aU Hauptmann hatte ich ihn längne Zett