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JRarßucg, Freitag, 22. Oktober 1875.
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dafür fein, daß der Sinn und die Kaiserlichen Reife von vorn herein vollem Maße zur Geltung gelangen, ferner mittheilt, wird der Kaiser am lich, die Eröffnung des Reichstages
wo das politische Leben der Gegenwart eine Stätte hat, — aus allen Betrachtungen klingt, ob willig oder widerwillig, das Anerkenntniß der großen Bedeutung dieser Kaiserreise hervor. AlS ein „weltgeschichtliches" Ereigniß wird die Erscheinung des deutschen Kaisers in Mailand als Freund des Königs von Italien und als Genosse einer ernsten Friedenspolitik bezeichnet, — nicht zwar um neuer politischer Entscheidungen willen, welche dort getroffen oder vorbereitet werden sollen, wohl aber als der feierliche Ausdruck und die Besiegelung der großen weltgeschichtlichen Thalsachen, die sich im letzten Jahrzehnt für ganz Europa und vornehmlich für Deutschland und Italien vollzogen haben, und auf welchen eine neue Gestaltung der gejammten europäischen Verhältnisse beruht. Der bewußte Anschluß an diese neue Ordnung der Dinge und der entschiedene Wille, für die Erhaltung derselben mit einzustehen, war es, was den König Victor Emanuel vor zwei Jahren nach Berlin führte, — und der Wunsch des deutschen Kaisers, dem König von Italien und dem italienischen Volke die Genugthuung Deutschland- über diese Gemeinschaft des politischen Streben- unmittelbar zu bekunden, war es, was unfern Monarchen alle Bedenken und Schwierigkeiten überwinden ließ, um den Besuch des Königs Victor Emanuel persönlich zu erwidern und da- Freundschaftsband mit Italiens Fürst und Volk noch fester zu knüpfen. Wenn des Kaisers Absicht, diese hohe Bedeutung seines Besuches auch durch die Theilnahme des Fürsten Bismarck zu bezeichnen, schließlich mit Rücksicht auf das Befinden des Kanzlers nicht zur Ausführung gelangen konnte, so ist gewiß das allseitige Bedauern ge- rechtfertigt, daß bei der Begegnung in Mailand neben dem Kaiser der bedeutendste Träger jener große» weltgeschichtlichen Wendung nicht anwesend ist; doch wird dadurch die Bedeutung der fürstlichen Zusammenkunft a» und für sich, welche eben den bereits geschaffenen und in Kraft stehenden politischen Beziehungen der beioen Länder gilt, nicht beein- trächtigt. Niemand wird mehr als der Kaiser beklagen, daß Fürst BiSmarck nicht Zeuge der begeisterten Kundge- düngen sein kann, mit welchen das italienische Volk daneugeschloffene FreundschaftSbündniß feiert, aber der Wieder-
denen er zu Hause anlangte; er sah, nachdem er die Sb sicht, welche ihm glänzende Lebensaussichten eröffnete, klar erkannt zu haben glaubte, dem Sturme entgegen, der dieselben rasch wieder verwischen sollte, aber eS lebte doch auch zu viel wahres Ehrgefühl in ihm, um dies wirklich tief zu bedauern; nur die vermuthliche Trennung von Selma drückte ihn tief nieder.
Es sollte indeffen nicht so schlimm kommen, wie er fürchtete. Am anderen Morgen erhielt er ein kurzes Billet Doctor Mörner's, in dem ihn derselbe aufforderte, da er sich selbst sehr unwohl befinde, sich alsbald zu Frau von Weller in deren Villa zu begeben, denn die Dame hübe sich bei dem gestrigen Feste wohl eine Erkältung zugezogen.
Gerhard überlegte, ob er diesem ohne Zweifel wieder nicht absichtslosen Ruse folgen sollte. Sein Contract mit Doctor Mörner verpflichtete ihn aber unbedingt dazu, und diese Rücksicht blieb maßgebend. Er fuhr hinaus und fand, zu seiner Ueberraschung, daß Frau Helene wirklich nicht unbedenklich krank war. Sie lag zu Lett, und ihr Leiden schien sie auch für seine Person bedeutend abgekühlt zu haben; die Sorge für ihr körperliche- Befinden nahm sie vorzugsweise in Anspruch, und mit vollem Vertrauen erwartete sie Hülfe von seiner Wiffenschaft.
Auch der Banquier und Selma waren, augenscheinlich in großer Besorgniß, anwesend. Ersterer jammerte laut um seine Frau, aber Gerhard gewann bald Die Ueberzeugung, daß es in der innersten Tiefe seines Herzens damit nicht Ernst war und daß er sich durch die beruhigenden Versicherungen des Arztes eher enttäuscht als erfreut fühlte; — eS mußten hier wahrhaft traurige eheliche Verhältnisse vorliegen. Was Selma anbetraf, so widmete sie ihrer Tante eine viel aufrichtigere Theilnahme und betätigte dieselbe an dem Krankenbette mit aller persönlichen Hingebung. Gerhard verordnete, selbst nicht ohne Besorgniß, die er indeffen nicht merken lassen wollte, das Nöthige und begab sich dann zu Doctor Mörner, um mit ihm ernstliche Rücksprache
Königlichen SchloffeS Allerhöchstseibst vollziehen.
Bre-la«, 16. Okt. Dem ultramontanen Pöbel Ober- jchlesienS ist die Anwesenheit Ronge'S in Oberschlesien ein
Beamten größerer deutscher Städte sich gutachtlich über einzelne Fragen zu äußern, die Vorgänge der öffentlichen Gesundheitspflege in ihrer näheren Umgebung zu beobachten und darüber an den Vorsitzenden zu berichten, sowie von Zeit zu Zeit sich zu gemeinsamen Berathungen in Berlin zu versammeln.
Ein Erlaß des Kriegsministers genehmigt, daß die zu den fortifikatorischen Erweiterungen und Umgestaltungen in Köln, Coblenz, Spandau, Küstrin, Posen, Thom, Danzig, Königsberg, Glogau, Neiße, Memel, Pillau, Kolberg, Swinemünde, Stralsund, FriedrichSort, Sonderburg-Düppel, Wilhelmshafen, sowie der Befestigungen der unteren Weser und an der unteren Elbe erforderlichen Grundstücke, soweit nicht deren freihändiger Ankauf durch gütliches Ueberein kommen bewirkt werde» kann, im Wege der Enteignung für die Militärverwaltung erworben werden dürfen.
Die Minister der Finanzen, des Handels und des Innern haben die Oberpräsidenten aufgefordert, die beteiligten Behörden anzuweisen, daß die von de» Kreisen auSznge- benben Jnhaberpapiere in Beträgen nach der Reichswährung und in Stücken, welche sich durch 100 teilen lassen und auf mindestens 200 Mark Nennwert lauten, auSzustellen, und daß Stückbeträge, welche wie 300, 600 oder 1500 Mark besonders geeignet sind, die Rechnung nach der bisherigen Thalerwährung zu erhalten, so viel wie irgend möglich, zu vermeiden sind.
Eine für alle deutsche Seefahrer überaus wichtige Thai fache wird durch eine Bekanntmachung der Hamburger Telegraphendirektion zur öffentlichen Kmntniß gebracht, nämlich, daß in Kurhafen ein Zeitball aufgestellt worden ist, und seine Thä igkeit am 20. d. M. beginnt; er hat einen Durchmesser von 1,5 M., ist von schwarzer Farbe und befindet sich, wenn er ganz aufgezogen ist, 24 M. über Hochwasser, und 22 M. über dem Erdboden. Seine Bestimmung ist, einmal daß Mittag nach mitteler Kux- hasener Zeit und einmal nach mitteler Greenwiser Zeit anzugeben, deren genaue Kenntniß jedem Seefahrer zur genauen Berechnung des Punkte«, auf dem er sich befindet, von unbedingter Nothwendigkeit ist.
Das Madrider Amtsblatt veröffentlicht eine Bekanntmachung, wonach ausländische Schiffe deren Papiere nicht mit dem vorgeschriebenen Visa des spanischen ConsulS versehen sind, eine erhebliche Geldstrafe zu zahlen haben.
Alles war jedenfalls vorher schon arrangirt und ging nun in bester Ordnung vor sich. Die Dame mischte sich auch nicht hinein; ei» plötzliches leichtes Unwohlsein vvrschützeno, ließ sie sich zu einer versteckt liegenden Gartenbank führen, sank ganz erschöpft auf dieselbe nieder, und Gerhard blieb Nichts übrig, als sie in seinen Armen zu stützen.
Der rothglühende Wiederschein der aufsteigenden Feuer- garben leuchtete auf dem Antlitze Frau Helenen'S, das einen sehr schmachtenden Ausdruck angenommen hatte und in dieser magischen Färbung wirklich einen jugendlichen Anstrich betaut, und wenn der Doktor auf sie blickte, begegneten ihm ihre in aller Gluth flammenden Ange».
„Sie sind krank, gnädige grau,* stammelte er, in der peinlichsten Situation nach Worten suchend, — „ich fühle an Ihrem Pulse, daß Sie wirklich Fieber haben; gestatten Sie mir, Sie nach dem Hause zu führen, — Sie würden am besten thun, sich sofort niederzulegen.*
Frau Helene verneinte durch bloßes Kopsschütteln und blieb bei dem alten Tone, der etwas Poetisches und Schwärmerisches in sich schließen sollte, und als sie sich endlich überzeugen mußte, daß sie damit bei dem jetzt wenigstens prosaisch gestimmten Gemüthe des DoctorS keinen Anklang sand, erhob sie sich fast unwillig und forderte ihn auf, sie zu der Gesellschaft zurückzubegleiten. Ehe sie die letztere noch erreicht hatten, ließ sie unter irgend einem Vorwande seinen Arm los und war ihm schnell ohne besonderen Abschied au« den Augen geschwunden; Gerhard begriff, daß er bei ihr in Ungnade gefallen sei, aber obgleich er auch recht gut an die materiellen Consequenzen derselben dachte, fühlte et fein Herz poch bedeutend erleichtert.
ES war ihm unheimlich in diesem Hause geworden, und noch vor Beendigung dcS Feuerwerkes schlich er sich davon, um Hut und Ueberziehet zu nehmen und sich nach seiner Wohnung zu begeben; daß er sich Selma noch nähern könne, durste er ohnehin nicht mehr erwarten.
Es waren nicht sehr erquickliche Empfindungen, mit
Deutsche« Reich.
---- Berlin, 20. Okt. Die heutige „Prov.-Corresp.* schreibt: Der deutsche Kaiser in Mailand ist in diesen Tagen der Mittelpunkt aller politischen Gedanken und Erörterungen, nicht bloS in Italien und Deutschland, sondern Überall,
Auge um «uze, Juhu um Suh«.
Original-Novelle von Stanislaus Graf Grabowski. (Fortsetzung).
Gerade mit dem Schluffe diese« Tanze« begann das Feuerwerk im Garten, durch ein paar Kanonenschläge an- gekündigt; al« wäre die« selbstverständlich, behielt die Dame den Arm ihre« Cavalier« und sagte nur: „Mein Feuerwerk beginnt nun; führen Sie mich hinaus und helfen mir noch bei einigen Arrangement«.*
Roch lag der größte Theil des Parkes in tiefer Finsterniß; die Illumination follte erst später entzündet werden, um den Effekt des Feuerwerk« nicht zu beeinträchtigen. Auf das gegebene Signal hatte sich auch die ganze Gesellschaft dicht vor der Villa zusammengefunden, Alles war erhaltener Weisung zufolge dorthin geeilt, Frau Helene führte ihren Cavalier in gerade entgegengesetzter Richtung der Ausstellung der Feuerwerkskörper und deren Bedienung zu und damit ie die dichtesten und jetzt noch dunkelsten Boskazen des Parke« hinein. Das war erklärlich, denn sie wollte ja die ganze Sache selbst leiten, wie sie sagte, aber Gerhard wurde durch den ihm auferlegten Ritterdienst gerade nicht zum Angenehmsten berührt. Die Dame hatte sich schwer in feinen Arm gehängt, lehnte sich fast an seine Brust und sprach nicht« weniger wie von ihrem Feuerwerke; sie Überschüttete ihn wieder mit Theilnahmebczeugungen, die beinahe etwa« Zärtliches hatten, und der junge Arzt war doch nicht mehr so gänzlich unerfahren unschuldig, als daß ihm nicht ein böser Verdacht gekommen wäre, der ihn anfänglich zwar noch überraschte, für den er aber auch durch die Aeußentngen feine« Freundes Alfred eine Bestätigung zu finden glaubte; fein Herz schnürte sich in banger Befangenheit zusammen, wurde aber auch gleichzeitig mit einem Un willen erfüllt, dem nur die Klugheit keine Worte zu geben erlaubte.
Da« Feuerwerk prasselte lo«, ohne daß e« noch eines besonderen Winke« von Frau Helene dazu bedurft hätte;.
Anzeigen nimmt entgegen: die Ötyebition d. Blatte«, sowie bte Amioncen-Bureaur von G L- Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, 81.9tete« rneyer in Berlin; Carl Schütz - ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoneen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M ; tzaasenstein & Bögler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Cvln ic; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. ic.
hall der großartigen Huldigungen für unser» Kaiser darf dem Reichskanzler und uns Allen eine erfreuliche Bestätigung Bedeutung, welche der beiwohnen sollten, in — Wie dasselbe Blatt 27. Oktober, wo mög- im Weißen Saale de«
TageObericht
Der BundeSrath hält heute eine Plenarsitzung, in welcher verschiedene Vorlagen für den ReichSrath fertig gestellt werden sollen, namentlich die Gesetze betreffs der Börsen- steuer und der Brausteuer. In Abgeordnetenkreisen ist man jedoch der Ansicht, daß der Reichstag die Steuergesetze nur im Zusammenhänge mit dem ReichAhauShaltSetat be« rachen möchte, der aber unmöglich im BundeSrathe binnen der nächsten 8 Tage zum Abschluß kommen kann.
Gestern sand die Verhandlung de« ProzeffeS Arnim vor dem Obertribunal statt. Nach dem Vortrage des Referenten und nach den Erklärungen des Generalstaats Anwälte» Wever und be« Vertheidigers Justizraths Dorn, daß sie auf den Inhalt der 13 kirchenpolitischen Actenstücke nur soweit eingehen würden, wie der zweite Richter ge« than, und daß für die Verhandlung über diesen Punkt der Ausschluß der Oeffenilichkeit nicht angezeigt erscheine, begründet der Vertheidiger die Nichtigkeitsbeschwerde in mündlichem Vortrage, ohne wesentlich Neues vorzubringen. Der General-StaatSanwalt Wever mvtivirt die Gegenausführung und betont, daß die Competenz des Stadtgerichts Berlin mittelst des Rechtes der Exterritorialität Srnim's als Botschafters, wonach das Delikt al« in Berlin begangen anzusehen, begründet sei; er vindicirt den 13 Acten- ftücken kirchenpolitischen Inhalt« die Eigenschaft amtlicher öffentlicher Urkunden und bittet um Verwerfung der Nichtigkeitsbeschwerde. E« folgt hierauf die Berathung deS Gerichtshofes. Das Urtheil des Obertribunals lautet auf Zurückweisung der Nichtigkeitsbeschwerde und sind dem Imploranten die Kosten zur Last gelegt.
.. Für die feierliche Enthüllung des Stein-Denkmals find in letzterer Zeit feiten« de« ComiteeS noch einige Festsetzungen hinzugefügt worden. Zur Aufnahme des Kaifer« und de« Hofe« wird ein neue« Kaiserzelt an Stelle be« bereit« vorhandenen hergerichtet. Zu beiden Seiten deS- selben wird eine Tribüne zu je 60 Sitzplätzen ausgestellt, außerdem noch Podien mit einigen hundert Stehplätzen angebracht. In den Grundstein werden u. A. noch eingeschloffen gebundene Exemplare der Pertz'fchen Schriften über Stein, der Gesetzsammlung von 1806—1808, und bie am Schluffe des 3. Bande« von Gneisenau's Leben enthaltene Mittheilung über bie Conventton von Tauroggen.
t<8« verlautet, daß da« zu errichtende ReichSgesundheitS- Amt ein Cenlralorgan werben soll, um vermöge seiner Sachkenntniß da« Reich in den Stand zu setzen, die An- gemeffenheit der zu treffenden Maßregeln vom technischen Standpunkte au« zu beurteilen. E« roiro aus ordentlichen und außerordentlichen Mitgliedern bestehen, und haben die letzteren, außerhalb Berlin« wohnend, und aus Gemeinde-
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlluftrirteö SonntagSdlatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2fr Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für bie gespaltene Zelle 10 Pfg.
Für in bet Expedition zu ertheilende Auskunst und Annahme von Adressen werden 25 Pfg berechnet.