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x. Jahrgang.

Marburg) Freitag, 15. Ottober 1875.

Mi». LAS

ObcrhcUlhc Jalung

Sinne unbeirrt inne gehalten hat, einer Politik, welche dem

und ich will Dir dann die Antwort darauf dictiren, nur sere Tochter Selma zuweilen mit Blicken ansah, in denen

König Ludwig von Bayern «nb die Mra wontanen.

der Kürze der Zeit nicht eingeholt werden könne. 81m | Abend des 3. d. M. nach 8 Uhr erhielt der König auf. Schloß Berg ein Telegramm des Bischofs von Ketteler, in welchem die Erlaubniß zur Abhaltung der Predigt von Sr. Majestät unmittelbar erbeten wurde. Obwohl auf dieses Telegramm keine Antwort erfolgte und wohl auch kaum zu erwarten war, wurde die Predigt doch vom Bi­schof von Ketteler gehalten. Als dies zur Kenntnitz des Königs gelangte, erließ Se. Majestät zwei Allerhöchste Handschreiben an den Kultusminister v. Lutz, von denen das eine dem ernsten Befremden Ausdruck gab, daß Bischof Haneberg (von Speyer) bei einem rein bayerischen Kirchen- feste in so erregter Zeit einem mit den bayerischen Ver­hältnissen wenig bekannten und an dem Streite der Par­teien in hervorragender Weise beiheiligten Kanzelredner einer fremden Diözese die Predigt überlassen habe; das andere, mit Beziehung auf die Thalsache, daß Bischof Haneberg unter Üebernahme der Verantwortung das Auf­treten des Bischofs Ketteler von Mainz als Prediger zu­gelassen, sich dahin äußerte: „Se. Majestät erblicke in die­sem Vorgehen des Bischofs Haneberg eine mit der von ihm beschworenen Pflicht des Gehorsams in schroffem Wi­derspruch stehende Haltung, während die Theilnahme des Bischofs Ketteler an dieser Handlungsweise eine schwere Verletzung jener Rücksichten enthalte, welche ihm das Ver­weilen im Lande Sr. Majestät auferlege."

Die Entschiedenheit und Würde, mit welcher König Ludwig auch in diesem Falle bekundet hat, wie cS ihm selber voller Ernst damit ist, die bayerffchen Kron- und Landesrechte nach allen Setten zu wahren, giebt im voraus die Bürgschaft dafür, daß auch auf die beabsichtigte Adresse die richtige Antwort vom Throne Bayerns erfolgen werde.

Die bevorstehenden Verhandlungen und die weitere par­lamentarische Entwicklung in Bayem werden nicht bloS für die inneren bayerischen Verhältnisse, sondern zugleich im Zusammenhänge der ultramontanen Bestrebung«» überhaupt von großem Jnterefle sein.

WaS die Beziehungen Bayerns zum Deutschen Reiche betrifft, so darf man zuversichtlich festhalten, waS alsbald nach den bayerischen Wahlen ausgesprochen wurde, „daß die parlamentarischen Verhältniffe in Bayern auch nach den neuen Wahlen die dortige Regierung nicht hindern können, die Wege einer rcichStreuen und im wahrsten Sinne patriotischen Politik weiter zu verfolgen, einer Po­litik, wie sie König Ludwig im vollen Bewußtsein der Pflichten gegen sein Land, zugleich aber in ächt deutschem

TageSbertchL

DaS Programm der Festlichkeiten während des Besuchs Sr. Majestät des deutschen Kaisers in Mailand ist nun­mehr, wie folgt, festgestellt: Am 18. October feierlicher Einzug Sr. Majestät, Familiendiner, Illumination des Doms. Am 19. große Truppenparade, Empfang und Vor­stellung im Königl. Schlöffe, Galadiner, Illumination der öffentlichen Plätze und des Stadthauses, Galavorstellung im Scalatheater. Am 20. Hofjagd in Monza, Abends Theatre pare. Am 21. Besichtigung der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten, am Abend Hofball. Am 22. Oktober Ausflug an den Korner See. Am Abend dieses Tages erfolgt die Rückreise Sr. Majestät.

Aus Wien wird über die Vorgänge in den türkischen Provinzen Folgendes berichtet: „Trotz der einlangenden Berichte über die nachhaltigen Äfolge der ottomanischen Truppen, schreibt die Pol. Corr., werden fortwährend neue Truppen nachgeschoben, theils auf der Eisenbahn über Adria- nopel dirigirt, theils auf dem Seewege. Für bessere Ver­pflegung wird jetzt mehr Sorge getragen, es sind Ingenieure nach Risch abgeschickt worden, die schleunigst eine Dampf­mühle für die Bedürfnisse der dort concentrirten Truppen errichten sollen." — Die N. Fr. Pr. erhält ein auö Türkisch- Kostainica vom 6. d. datirteS Schreiben, welches über die Haltung der kroatischen Grenzbevölkcrung dem bosnischen Aufstande gegenüber die merkwürdigsten Enthüllungen macht: „Bis jetzt haben mindestens 100,000 Flüchtlinge die öster­reichische Grenze überschritten. Ihr Unterhalt beansprucht täglich mehr als 7000 Fl. UnterstützungSgelder. Wenn man jedoch glaubte, daß die Flüchtlinge dieser Unterstützung thatsächlich bedürfen, so wäre man in großem Jrrthum. Die meisten Bosnier haben nicht nur wohlgesüllte Geldbörsen, sondern auch ihre, so wie ihrer türkischen Grundherrn Vich- heerden mit nach Oesterreich genommen; gewöhnlich kehren dann die Männer, nachdem sie zwischen Novi und Dodratin die Grenze überschritten und ihr eigenes so wie auch ge­stohlenes und geraubtes Gut nach Petrina glücklich in Sicher­heit gebracht haben, über Oesterrcichisch Dubica und -Kostainica mit Waffen und Munition wohlversehen nach Bosnien zu­rück, wo sie ihre Raubzüge und Diebstähle so lange fort« setzen, bis ste wieder mit reicher Beute beladen nach Oester­reich fliehen können. Die Grenzbevölkerung unterstützt diese Raubzüge und erhält dafür ihren bestimmten Amheil an der Beute. Dem Verkehr der flüchtigen Aufständischen mit Bosnien und insbesondere der Rückkehr derselben in ihre Heimath stehl nichts im Wege. Die Unterstützungsgelder, welche • die Regierung an die Flüchtlinge vertheilen läßt, werden von den Flüchtlingen an die Popen abgegeben, welche hiervon die Ausrüstung neu angeworbener Kämpfer besorgen. Bei vielen in den letzten Gefechten getödteten Ausrührern

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zuckend:

„Armer Mann, Dein Kopf scheint wirklich bei dem Eisenbahnunfalle stark gelitten zu haben I — Du phanta- flrstl — Wie könnte rS unserer Selma einfallen, auf die Blicke dieses jungen fremden Menschen, der fast wie ein Bettler in unsere Gesellschaft gekommen ist, zu achten? — und wie wahnsinnig müßte er fein, wollte er, der sein Nichts fühlen muß, sich solche Freiheiten herauSnehmen und die geringsten Hoffnungen darauf stützen? — War er uns nicht aufrichtig dankbar für die Protection, dir wir ihm anboten ? — Nein, nein, das find vage Traumbilder von Dir!"

„Wie entsetzlich aber, wenn sie zur Wirklichkeit werden könnten! — Bruder und Schwester." —

„Still, Anton l ich verbiete Dir jedes weitere Wort darüber! — Ueberlafse mir die Sorge für Selma und un­seren guten Ruf, — bekümmere Dich bloS um die geschäfl- lichm Angelegenheiten und siehe zu, daß Du bald Dein AdclSpatent bekommst, — der bürgerliche Name drückt mich lange genug!--Da fährt aber so eben unser alter

Freund Mörner vor; — in keinem Falle aber laffe ihn Etwas von Deiner Albernheit hören; am besten wird e« auch sein, wenn Tu Dich bald zu Belt legst, — was den Doctor Stürmer andetrifft, werde ich mit Mörner unter vier Atigen verabreden."

Mit einem Stoßseufzer lehnte stch Herr Weller refig- nirend in seinen Sessel zurück.

Dr. Mörner durfte ohne förmliche Anmeldung eintreten; er war schon bei dem verstorbenen Baron von Weißenberg Hausarzt gewesen und bewegte sich in dieser Familie seit

Anzeigen nimmt entgegen: die Qtyebition d. Blattes, sowie bie Annoncen-Bnreaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Invaliden dank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz- ter in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte*, sowie die Annoneen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cvln k; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. re.

Halse schaffen. Wenn er leint Hoffnung hat, mehr von In die Wangen Frau Wellers stieg eine flüchtige Dir zu erpressen, so wird er um so eher schweigen, denn Röthe, und vielleicht nur um dieselbe zu verbergen, wandte er kann es nicht aus das Aeußerste ankommen lasten . . Jfie sich ab, trat vor einen Spiegel und antwortete achsel-

Auge m» Auge, Zahn um Zahn.

Original-Novelle von Stanislaus Graf Grabowsl». (Fortsetzung).

Wenn der alte Stürmer ihn mir ober gerade auf den Hal» geschickt hätte?"

Er würde die« nicht wagen, weiß er doch, daß Du eine "noch gefährlichere Waffe gegen ihn in der Hand hast, wie er gegen Dich: den falschen Eid, den er vor Gericht leistete, um Carola de» Ehebruches zu bezüchligen; er wird deßhalb getreulich seine Verpflichtung halten, Gerhard immer als seinen Sohn anzuerkennen und uns in keiner Weise mehr zu belästigen."

„Er hat das Letztere dennoch schon gethan! seufzte der Mann, der jetzt eine wahre Armesündermiene hatte, kleinlaut.

„Inwiefern?" fuhr die Dame auf.

„Ich will Dir nur gestehen, Helene, daß er im Lause der Jahre mehrere Male an mich geschrieben und in seiner Schuldennoth Geld von mit erbeten hat, zuletzt unter Drohungen."

„Und Du hast es ihm gegeben?"

Der Banqitier zuckte nur, wie zu seiner eigenen Eni» schuldigung, die Achseln.

Bei diesem Geständniste verschwand alle» Weibliche au» dem Antlitze und dem ganzen Wesen seiner Gattin; mit flammenden Augen und vor Zorn zitternden Lippen, ergoß sie eine Fluth von Vorwürfen und Schmähungen über den schwachen Mann und schüchterte ihn noch mehr durch die Behauptung, die übrigens nicht ganz unmotivirt jein mochte, ein, er habe durch seine Nachgiebigkeit gegen jenen Lieu tenant Stürmer einen unverzeihlichen Fehler gemacht; diese lange Strasrece, gegen die er sich kaum eine Ein­wendung erlaubte, schloß endlich mit den drohenden Worten:

„Sollte der Elende noch einmal wagen, sich an Dich zu

wenden, so wirst Du mit sofort sein Schreiben vorlegen,

in solcher Weise können wir ihn uns für immer vom stch ein gewisteS Jntereste wiederzuspiegeln schien.

In die Wange» Frau Wellet» stieg eine flüchtige

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quattal mit der wöchentlichen Beilage „JllnftrirteS SountagSdlatt" durch die Ssvedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2!» Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf», (eil. Bestellgebühr). - JnsertronSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf». Für in der Expedition zu erlheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf», berechnet.

„Aber nun," fuhr sie etwas ruhiger fort, — „sprechen wir wieder von dem Doctor! — Ich bin überzeugt, daß er keine Ahnung von irgend welchen näheren Beziehungen zu unS hat, und e» bleibt uns jetzt nichts Andere» übrig, ai» das einmal gegen ihn eingeschlagene Benehmen fortzu- führen."

„Du willst chm doch nicht wirklich Zutritt in unser Haus gestatten?" rief der Banquier erschreckt und doch noch ungläubig.

„Ganz gewiß! Könnten wir ihn wohl in anständiger Art abweisen?"

„Aber bedenke doch, daß schon sein Name genügen dürfte, wenn er mit dem meinigen wieder in Verbindung gebracht würde, einen alten, vielleicht erst halb verschollene» Verdacht in der öffentlichen Meinung von Neuem wach­zurufen !"

„Thorheit! WaS kümmert mich die öffentlich Meinung! Weißt Du nicht, daß sie Reichthum und Glanz gegenüber immer zu schweigen versteht? — UcberdieS sind jene Ge­schichten so alt, daß kaum noch ein Mensch daran denkt. Grade die Unbefangenheit, mit der wir diesen Dr. Stür­mer aufnehmen, wird jede alberne Klatscherei am besten entkrästen Helsen."

„Und dann —" stotterte Herr Weller.

„Nun, welches Bedenken hast Du noch?"

„Ich weiß nicht, liebe Helene, ob Du gar nicht be­merkt haben solltest, — und wäre dies auch nicht der Fall, sollte ich mich irren, so liegt die Möglichkeit einer solchen Entwickelllng doch sehr nahe, — daß dieser Gerhard un-

Die ultramontane Partei in Bayern schickt sich an, ihr durch die letztm Wahle»» gewonnenes Uebergewicht von 2 Stimmen in der Abgeordnetenkammer dazu zu benutzen, die Krone zur Enklasiung deS bisherigen Ministeriums und zu einem Wechsel de» Regierungssystems zu drängen. Nach dem Anträge eines der schroffsten Führer der Mtramon- tanen soll eine Adresse an den König gerichtet werden, durch welche als einziger Weg zur Wiederherstellung des inneren Frieden« geradezu die Entfernung des jetzigen Mi- nisteriumS gefordert wird. Während der Adreßentwurf es mit auffallender Beflissenheit unterläßt, den wirklichen Grund deS inneren Gegensatzes, den Kampf der staatlichen Autorität gegen die geistlichen Ansprüche, auch nur anzu­deuten, — wird dagegen die reichStreue Politik der bis­herigen Regierung dahin verdächtigt, daß durch sie „ein Stück nach dem andern von den bayerische» Kron- und Landesrechten dahinfallen solle in einem Jntereffe, das sehr weit entfernt sei, daS allgemeine deutsche zu sein."

ES ist eine merkwürdige Führung, daß in demselben Augenblick, wo die Ültramontanen sich als Wächter der bayerischen Kron- und Landesrechte dem Throne aufzu- drängen versuchen, König Ludwig in dem Verhalten zweier Bischöfe eine neue unmittelbare Erfahrung darüber gemacht hat, wie die Ultramontanen die Treue und Ehrerbietung gegen die Krone verstehen und zu üben gesonnen sind. Ein bedeutsamer Vorfall hat dem Fürsten Anlaß gegeben, seine Königliche Autorität ausdrücklich gegen die geistliche Ueber- hebung zu wahren.

Auf Grund versaffungSmäßigen Rechte» dürfen bte kirchlichen Oberen in Bayern zur Vornahme autzerordent- Ucher kirchlicher Feierlichkeiten fremde Geistliche nur nach eingeholter Allerhöchster Genehmigung heranziehen. Am 3. und 4. d. M. fand nun in Oggersheim die Jubelfeier der dortigen Kirche in Gegenwatt des Bischofs Haneberg von Speyer statt, und eS war beabsichtigt, daß ein Dom- befan au» Mainz babei bie Predigt halten sollte. Es wurde die Einholung der Allerhöhsten Genehmigung dazu beantragt. Auf de» Vortrag deS Kultusministeriums bei Sr. Majestät dem Könige wurde diese Genehmigung ver­sagt. Von einem Vorhaben deS Bischofs von Ketteler zu Mainz, gleichfalls bei der Feier in Oggersheim zu predigen, war bis dahin nichts erwähnt worden. Erst am 3 Oft. richtete der B-schof Ketteler ein Telegramm an den Kul- luSminister deS Inhalts, daß er an demselben Abend in „ , . , ...

Oggersheim predigen wolle und die Genehmigung dazu er-s bayerischen Thron und Staat eine hervorragende und ge> bitte. Der Kultusminister erwiderte ihm telegraphisch, daß achtete Stellung inmitten des großen und starken deutschen dazu die Erlaubniß des Königs erforderlich sei, welche in I Gemeinwesens gesichert hat." (Prov.-Corresp.)