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JRatßutg, Sonntag, 3. October 1875.

x. Jahrgang.

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von Stanislaus Gras Grabowski.

Bestellungen auf die „Oberheff. Zeitung" pr. IV. Quartal werden noch in Marburg von der Expedition, sowie von allen Postanstalten an­genommen.

Die Exped. d. Oberh. Ztg.

Politische Wochru-Uebrrftcht.

Kaiser Wilhelm, der gegenwärtig auf kurze Zeit in Baden-Baden weilt, ist am Sonnabend voriger Woche auS Mecklenburg, wo er am selben Tage noch dem Schluß der Feldmanöver des neunte» Armeekorps zwischen Rostock und Dobbrran angewohnt hatte, in seine Hauptstadt zurückge- krhrt. Nach allen täglichen Anstrengungen deS Manöver­monats in Schlesien und in Mecklenburg ist das Wohlbe­finden und die Rüstigkeit die erfreulichste, so daß mit Zu- stimmung der Aerzte der feste Entschluß zu der vom Kaiser lange beabsichtigten Reise nach Mailand gefaßt worden ist, auf welcher außer dem Fürsten Bismarck auch Graf Moltkc den hohen Herrn begleiten wird. — Die mit großer Span nung erwartete Eröffnung de» baierischen Landtages ist am Dienstag durch den Prinzen Luitpold erfolgt, und zwar, wie erwartet worden, ohne Verlesung einer Thronrede. Bei der Wahl des Bureaus in der Abgeordnetenkammer hatte natürlich, da die Mitglieder der Kammer vollzählig gegen­wärtig waren, die zweistimmige Majorität der ultramontan particularistischen Opposition die Macht und besetzte (immer mit 78 Stimmen gegen 76) durchweg alle Stellen aus ihrer Partei, und bereits ist auch der Antrag aus Erlaß einer Adresse an den König durch den Vicepräsidenten Kurz eingebracht wordm.

Die Eröffnung der Delegationen in Wien war für die habsburgische Monarchie das große Ereigniß der Woche. Die Rede, mit welcher Herr v. Schmerling am 21. Sep­tember die Thätigkeit der Delegaten des ReichSratheS ein- leitete, die Ansprache der beiden Delegation««Präsidenten an den Kaiser am 22. und dessen Antwort, die Erklärungen, welche Andrafsy <n Ausschuß der ungarischen Delegation über die Haltung Oesterreichs in der orientalischen Frage ertheilte, sodann der Bericht, den der Finanzminister über die Finanzlage am 28. September dem Budgetausschuß der österreichischen Delegation ertheilte, endlich die treffliche Fi­nanzrede deS Finanzministers Szell im ungarischen Abge­ordnetenhause reihen sich zu einem Gesammtbilde aneinander, da» Oesterreich - Ungarn in einer sichtbar günstigeren Lage zeigt, al» im vorigen Jahre. Der Kaiser betonte die fried­liche Richtung Oesterreich« und daS gute Einvernehmen mit den befreundeten Nachbarreichen. Der Reichskanzler wies

hinsichtlich seiner Wunde hätte ich aber von Herzen ge­wünscht, daß dieselbe weniger gefährlich gewesen sei, als eS der Fall schien.

Es war ja eigentlich nur meine Absicht gewesen, den Schmuggler durch meinen Schuß zu erschrecken und vor­läufig kampfunfähig zu machen. Als ich aber in jenem kritischen Augenblicke auS Nothwehr mein Pistol gegen ihn richtete, war es bei der herrschenden Finsterniß, die mich nur undeutlich die Umrisse seiner Gestalt erkennen ließ und bei der Schnelligkeit, mit der Alles vor sich gegangen, dann auch in Folge der Unsicherheit deS Schusses vom Pferde auS, nicht möglich gewesen, die Richtung der Kugel nach meinem Wunsche zu bemessen.

Der Schuß hatte die Brust getroffen und das auS dem Munde des Verwundeten hervordringende Blut bewies mir, daß die Lunge verletzt und wohl jede Hülfe vergebens sein werde.

Während ich mich, noch um ihn beschäftigte und da» aus dem Munde hervordringcnde Blut zu stillen suchte, fiel mein Blick auf das neben ihm liegende Gewehr, mit welchem er mich bedroht hatte. Ich war nicht lange da­rüber im Zweifel, wo ich dasselbe schon früher gesehen; es war der alle Karabiner des AmtSsekretärS; ich würde ihn unter Tausenden herausgekannt haben.

„Um des Himmels willen, wie kommen Sie zu diesem Gewehr?" fragte ich den Schmuggler, der inzwischen wie­der zur Besinnung gelangt war.

Er sah mich erstaunt an, weil er sich wahrscheinlich die Hast meiner Frage nicht erklären konnte; als er aber seine Lippen^öffnete, um weine Frage zu beantworten, drang

| ein neuer, heftiger Blutstrom aus seinem Munde. Er schauerte. zusammen und ließ seinen Kops kraftlos auf meinen Arm sinken. Ich beugte mich zu ihm nieder und sah, daß sein Auge gebrochen war. Der Tod hatte seine Lippen für immer geschloffen.

Gegen Morgen langte ich, zum Umsinken erschöpft und bis auf die Haut vom Regen durchnäßt, in meiner Wohnung an. Die Sorge für den Tobten, sowie für den im Kampfe verwundeten Grenzwächter und die Unterbringung der von uns erbeuteten Maaren mußte ich einem Kollegen überlasten, denn ich war keines klaren Gedanken» mehr fähig. Mein Körper wurde abwechselnd von Forst- und Fieberschauern durchschüttelt. Ich warf mich auf mein Benannte aber vor Aufregung keinen Schlaf finden. Erst als der Tag schon matt durch die Scheiben schien, verfiel ich in eine wohlthätige Betäubung, die mich Alles, was während der letzten Stunden vorgegangen, vergesse^ ließ.

Ich mußte mehrere Tage da» Bett hüten, gepeinigt von meiner Ungeduld, die durch den alten Carabiner aufgetauchte Spur zu verfolgen.

Sobald ich das Zimmer wieder verlosten konnte, war wein erster Gang über dir Grenze nach dem Hause de» rochen Jean. ES war ein geräumiges, aber bereits halb verfallenes Gebäude; und wenn mir nicht ein schwacher, aus dem Schornstein aufsteigender Rauch die Anwesenbeit von Menschen darin verrathen hätte, so würde ich das Hau» für unbewohnt gehalten haben, denn weder vor noch in demselben ließ sich trotz meine« Rufen« ein menschliche» Wesen blicken.

Nachdem ich .längere Zeit gewartet und wiederholt heftig

Zm alte« Stift.

Erzählung von Rudolf Scipio. (Fortsetzung).

Mittlerweile waren nun auch mehrere von unseren Leu­ten herbeigekommen und hatten die Verfolgung der übrigen Schmuggler ausgenommen, denen e« aber unter Zurück­lassung ihrer Waarenpäcke gelang, da« Dickicht zu er­reichen, in welchem sie sich bald jeder weiteren Verfolgung entzogen hatten.

Ich sandte nun einen der Grenzwächter seinem ver­wundeten Kameraden zu Hülfe, während ein anderer nach dem nächsten Orte eilte, um von dort zum Transport unsere» Verwundeten und der von uns erbeuteten Waare ein Fuhrwerk herbeizuschaffen; dann wandte ich mich dem von meiner Kugel getroffenen Pascher zu, der noch immer, wie e« schien, bewußtlos auf der Erde lag.

E« war ein kräftiger Mann, etwa in meinem Alter. Er hatte röthlich-biondes Haar und Bart, und im Gegen­sätze zu seiner geringen Kleidung und der Gesellschaft, in welcher wir ihn angetroffen, zeigte sein Gesicht feine, in­telligente Züge.

„Wir haben da einen guten Fang gemacht", flüsterte mit einer unserer Glänzwächter zu, indem er den Da­liegenden beim Scheine einer Taschenlaterne betrachtete. „E» ist der rothe Jean, und ich denke, daß ihm das Pa­schen nun wohl für einige Zeit, wenn nicht für immer, vergehen soll."

Wa« die Person de» Verwundeten betraf, so war e« mir allerdings ganz interessant zu erfahren, daß e« gerade ber berüchtigte Jean sei, von dem ich schon so viel gehört,

daraus hin, daß er auch in der orientalischen Frage mit den beiden anderen Kaiserstaaten eine Politik ber Ueberein- stimmung und der Friedfertigkeit befolge; Oesterreich erstrebe Dreierlei: Wahrung der österreichisch-ungarischen Interessen, Erhaltung des europäischen Friedens und möglichste Be­seitigung der Mißstände, durch welche die Rajahs in Bos nien und der Herzegowina zur Verzweiflung getrieben wurden.

In Florenz hat vom 23. bis zum 26. d. der zweite italienische Katholiken Kongreß getagt; den Vorsitz führte, wie bei dem ersten Kongreß in Venedig, der Herzog Sal viati. Die Hauptgegenstände der Verhandlungen waren die Freiheit des Unterrichts, d. h. die Befreiung des Unterrichts von der staatlichen Aussicht, damit derselbe wieder in die Hände der Geistlichkeit komme, und die Betheiligung an den Wahlen.

DaS officielle Frankreich ist noch immer im Reden begriffen. Mac Mahon und Cissey, Leon Sah und Buffet waren oder sind noch auf Rundreisen von Paris abwesend und haben die Segnungen des Friedens und der Ruhe gepriesen, und ersterer rief in Rouen am 27. September bei einem Banket den Gästen und dem Lande zu: „Sie haben recht, daß Sie Vertrauen zu mir haben; denn so lange ich die Macht besitze, werde ich die Ordnung aufrecht erhalten I" Das ist ein stolzes Wort, doch keine leere Prahlerei; für die „Ordnung" wird der jetzige Präsident der Republik sicherlich stets einstehen. Die Segnungen dieses Vertrauens bei Befestigung der jetzigen Lage feierte der Finanzminister Leon Sah auf einem Banket, da» ihm die Maires des Kantons von J«le - Adam auf Schloß Stör« gaben, in einem Lebehoch auf Mac Mahon, in welchem er den Marschall-Präsidenten al« über allen Parteien stehen­den Beschirmer der Ordnung pries und dabei auf die Fi­nanzlage des Landes hinwies, daS trotz aller durchgemachten Fahr und Noch wieder fröhlich am Ausgeben sei, wa« ein schlagender Beweis fei, wie wohl eS sich fühle; der Ertrag der diesjährigen indirekten Steuern übersteigt jetzt bereits den Voranschlag um 70 Millionen. DaS Ziel dieser Rede war augenscheinlich auf die Haltung des Landvolkes bei den künftigen Wahlen gerichtet, die über den Gang der Dinge und über die Befestigung der republikanischen Insti­tutionen entscheiden werden; dadurch erklärt sich besonders die Verherrlichung der Mac Mahon'schen Aera. In Cissey'S Rede, welche am 26. in Vernon als Antwort auf ein Lebe­hoch, das General Lebrun ausgebracht, erfolgte, war be« merkenöwerth, daß der Kriegsminister der Armee als vor- leuchtendeS Exempel den Marschall - Präsidenten empfahl, und dann, sich an die fremden Offiziere wendend, die den Manövern beiwohnten, hinzusetzte: „Es ist die Freude und die Ehre deS Waffettwerkes, daß eS nach der Schlacht keine Feinde mehr gibt, sondern nur noch Soldaten, die sich achten und die Hand drücken."

Spaniens Hoffnungen auf baldige Wiederherstellung des Friedens mehren sich. Mit dem CarliSmus geht e« augenscheinlich bergab; während in ber Bevölkerung ber nördlichen Provinzen die Sehnsucht nach Ruhe wächst,

herrscht unter den Generälen beö Prätendenten, nachdem Dorregaray zum Oberbefehlshaber ernannt worden, noch größere Uneinigkeit als je zuvor. Oestlich von Pamplona find die Carlisten aus einigen ihrer Stellungen vertrieben worden; in Guipuzcoa haben die Regierungstruppen mehrere Positionen am San Marco« besetzt, scheinen indessen bei ihrem Angriffe auf da« stark besetzte Santiagomenli keinen Erfolg gehabt zu haben.

Nach mehrfachen Schwankungen sind die Aussichten, daß Englands Verwicklung mit China auf gütliche Weise geschlichtet werden würde, neuerdings wieder im Sinken begriffen. Die Regierung in Peking macht keine Anstalten, die Mörder Margary'» zur Strafe zu ziehen, und der englische Gesandte will Peking am 13. Oktober verlassen, wenn bis dahin nicht eine befriedigende Erledigung der Angelegenheit erfolgt sein würde. Wenn die Lenker ber chinesischen Politik jeboch erfahren, baß England sein Geschwader in den Gewässern des himmli- lichen Reiches um vier Kriegsschiffe zu verstärken beschlossen hat, so werben sie wohl eine nachmalige Schwenkung im Interesse bes Friebens machen.

Die niederlänbis ch en Minister de« Innern und ber Finanzen, bie Herren Heemskerk unb van ber Heim, haben in Folge be« Tadelsvotum« ber Ersten Kammer wegen ber Uebereintunft mit ber Rheineisenbahn ihre Ent- lassung verlangt, welche der König aber nicht bewilligt hat. Sie bleiben demnach im Amte.

Die dänische Flotte hat am 23. unb 24 September im Suube ein große« Manöver gehabt, welche« die Ber- theibigung be« kopenhagener Binnenhafen» gegen einen bei den Seefort« vorbei eingebrungenen Feind darstellte. Am 18. Sept, hat der König auch über die kopenhagener Gar« nisonStrnppen große Heerschau gehalten.

Bei den Wahlen zum schwedischen Reichstage hat der bisherige Präsident der Zweiten Kammer, Asker, Amt­mann von Gefleborg, wieder ein Mandat erhalten unb wirb e« auch annehmen, so daß auch ihm, und nicht, wie eS bereits hieß, dem Führer ber Bauernpartei, Grafen Posse, ber Vorsitz wieber übertragen werden dürste.

In der Herzegowina haben die Konsuln ber fremden Mächte ihren Zweck, mit ben Führern be« Aus­standes gütlich zu verhandeln, nicht zu erreichen vermocht, weil sich ihnen keine Personen stellen wollten, welche An­sehen und Vollmacht genug gehabt hätten, im Namen ber ganzen Bevölkerung zu sprechen unb ein Abkommen zu schließen. Der Aufstanb hat eben keinen anberen „Führer" al« ben allgemeinen Hang zu gewaltthätiger Auflehnung. Vereinzelt ziehen die von ben türkischen Truppen gejagten Banden durch bie Berge; Hetzer unb Schürer haben sie genug, aber keinen einzigen Sprecher, auf besten Wort Alle hören möchten. Da hilft kein freundliches Zureden und Locken. Es ist den bethörten Menschen einmal weis ge­macht, sie hätten die Brandfackel in Händen, welche da» ganze osmanische Reich in Flammen stecken könnte. (Ser­bien unb auch Montenegro sinb so vernünftig, einzusehen

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4n den nächsten Tagen beginnt in dem unter- haltenden Theil unseres Blattes die höchst spannende Original-Novolle

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