X. Jaljrflang.
Marburg, Sonnabend, 2. Oktober 1875.
Nr. 23 L
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Tagesbericht
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^7ch Täuschungen, um'Vo eiL-r wieder zu mLcm Dienste muthung,' daß wir in der Nacht etwa- erwarten dürften,
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dingungslose Unterstützung zugesagt haben; außerdem aber wird gemeldet, daß die Volksvertretung in geheimer Sitzung der Regierung bereits einen außerordentlichen Credit bewilligte. Es ist schwer, mit Genauigkeit zu begründen, in wie weit diese Nachrichten wahr sind, denn die an und für sich nicht immer auS durchaus sicherer Quelle stammenden Nachrichten wechseln noch die Farbe, je nachdem sie über Konstantinopel oder Belgrad kommen. Jndeffen ist oviel gewiß, daß trotz aller NeutralitätSverstcherungen von Seiten Serbiens und Montenegros diese Neutralität täglich verletzt wird, denn aus beiden Ländern kommen ganze Schaaren von Zuzüglern zu den Insurgenten, sowie Waffen und Munition. Die Vorstellungen, welche die Pforte bisher deßhalb gemacht hat, sind von den Regierungen beider Länder einfach ignorirt worden. Es ist daher nicht unmöglich, daß in Folge dcflen eine Verwickelung zwischen der Pforte einerseits, und Serbien und Montenegro entstehen, und der Aufstand viel größere Proportionen gewinnen würde.
Während der ganzen Zeil, in der ich nach ihr geforscht, hatte ich nur ein einziges Mal eine kurze und sehr unbe- stimmte Nachricht durch die dritte oder vierte Hand über sie erhalten Darnach sollte Clärchen an einen Kaufmann verhrirathet sein, der aber später durch unglückliche Specu- lativnen sein Vermögen verloren haben und dann vorschollen sein sollte. Es war jedoch unmöglich, die Quelle dieser Nachricht ausfindig zu machen, und so war ich damit nicht viel weiter als zuvor, da auch dieses Wenige sich mindestens sehr unsicher erwies. Nachdem die weitereLer- solgung dieser Kunde ebenso, wie alle meine andern Nachforschungen, ohne Resultat geblieben, kehrte ich, wie stets
zurück, der mir ja, besonders hier, auch hinreichend Gelegenheit gab, meine Gedanken und meine Aufmerksamkeit anderweit zu verwenden.
Unter den Schwärzern, die unS zu jener Zeit tn Athem hielten, war Einer, der sogenannte rothe Iran, der den Zollbeamten vor allen seinen Spießgesellen daö Leben sauer machte. Er wohnte etwa eine halbe Stunde jenseits der Grenze und trieb dort in seinem einsam im Walde gelegenen Hause, angeblich Schenkwirthschaft. DaS HauS bildete gleichsam den Mittelpunkt des Schmuggels der ganzen Gegend, der, wie wir ziemlich genau wußten, von dort aus organisirt und geleitet wurde.
ES war Anfang November. Wir hatten mehrere
zu theilen.
Auf dem Rückwege nach der Zollstat,on hörte ich in geringer Entfernung schießen. Ich gab meinem Pferde die Sporen, und als ich eine kurze Strecke geritten war, fand ich einen unserer Leute, der, wie er mir berichtete, auf einem Patrouillengange mit einem Trupp Schwärzer zusammengestoßen und dabei durch einen Schuß in das
Bein verwundet worden war.
Ich ließ mir, da der Mann nicht mehr weiter konnte, die Richtung angeben, in der die Schmuggler geflohen waren, und setzte denselben dann eilig nach.
Schon nach wenigen Minuten sah ich in geringer Ent fernung mehrere dunkle Gestalten vor mir dahin eilen,
verlor sie aber dann, da sie inzwischen einen kleinen Waldstreifen erreicht hatten, aus den Augen. Eine Verfolgung im Walde wäre ziemlich nutzlos und ich dabei entschieden im Nachtheil gewesen. Ich begnügte mich deßhalb vorläufig damit, die sich seitwärts längs dem Waldstreifen hinziehende Lichtung, so weit eS bei der Dunkelheit möglich war, im Äuge zu behalten und abzuwarten, bis mir die am nächsten sich befindlichen Grenzwächter, welche die Schüsie ebenfalls gehört haben mußten, zu Hülfe kommen würden.
Nach etwa zehn Minuten hörte ich von der anderen Seite des Wäldchens schießen. Die Schmuggler befanden sich also jetzt zwischen zwei Feuern und ich war überzeugt, daß die Burschen, sobald sie sich dort den Weg verlegt ! sähen, seitwärts über die nur etwa 500 Schritte breite Lichtung gehen würden, um einen von dort sich weithin auSdehnenden großen Waldcomplex zu erreichen, der ihnen ziemliche Sicherheit gegen weitere Verfolgung gewährte. Es galt also, ihnen dort zuvor zu kommen, was auch da ich beritten war, wenig Mühe kostete. Um die Schmuggler glauben zu machen, daß der eben von mir verlassene Platz ebenfalls besetzt sei, feuerte ich einen Schuß ab und rief mit lauter Stimme die Namen mehrerer unserer Leute; dann sprengte ich rasch über die Lichtung und hatte wenige Minuten später die ersten Büsche deS jenseitigen Waldes erreicht.
Wie ich erwartete, so geschah e«. Kaum hatte ich meine Aufstellung genommen, als die Pascher auf der Lichtung erschienen und gerade auf mich zu kamen. Sobald sie nahe
Pfennigen völlig gleichberechtigt im Umlauf zu bleiben. Hiernach ist die Menge deS kursirenden Kupfergeldes in Preußen fast um 3 Millionen Mark vermehrt, so daß es völlig unbedenklich erscheint, die Dreier aus dem Verkehr zu ziehen, durch welche Maßregel auch ein regerer Umlauf der Reichspfennige bewirkt werden wird. An Reichsmünzen, den Zehn- und Fünspfennigstücken, welche den ganzen und halben Silbergroschen im Werthe gleichstehen, sind in Zreußen bereits 51/2 Mark verausgabt worden. Das Beträchtliche dieser Summe wird mehr hervortreten, wenn man sich vergegenwärtigt, daß früher in Preußen in Silbergroschen und halben Silbeigroschen durchschnittlich jährlich etwa 400,000 M. geprägt sind, also in Nickelmünzen der Betrag eines früheren Prägequautums von mehr als 13 Jahren vertheilt ist. Von den Silbergroschen und halben Silbergroschen sind von Reichswegen bisher erst etwa über 180,000 M. aus dem Verkehr gezogen worden.
Zu den Vorlagen betreffend Verwaltungsreformen für die nächste Session des Landtages, gehört auch der Gesetzentwurf über eine neue Slädteordnung, deren Anwendung jedoch nicht auf die ganze Monarchie, sondern nur aus die sechs östlichen Provinzen berechnet ist, weil man av- zunehmen scheint, daß das im Osten bestehende System, mit dem am Rhein obwaltenden nicht vereinbar ist. Es heißt auch, daß der Gesetzentwurf zur Bildung einer Provinz Berlin wieder eingebracht werden wird, und man versichert, daß man die Ausdehnung der VerwaltungSresorm auf den Westen im Ministerium deS Innern ernstlich
Zm alte« Stift Erzählung von Rudolf Scipio. (Fortsetzung).
Deutsches «eich.
•# Berlin, 30. Sept. Nach der „Prov.-Corr." gedenkt der Kaiser nach dem 10. Oktober die Reife nach Mai- and anzutreten. Man hört, daß der Tag der Abreise höchst wahrscheinlich in den Tagen vom 10.—15. Oktober fallen werde. Fürst Bismarck und Graf Moltke werden den Monarch begleiten und soll der Aufenthalt in Italien im Ganzen auf 4—5 Tage bemessen sein. Fürst BiSmarck wird von Varzin nach Berlin kommen, um die Reise von hier auS fortzusetzen, dürste ober nach der Rückkehr auS Ztalien wiederum nach Varzin gehen. — Auf Grund des Gesetzes vom 20. Juni d. I. über die Vermögens-Verwaltung der Kirchen ist unter dem 27. d. Mts. eine Allerhöchste Verordnung ergangen, die die im Gesetze vorbehaltene Regelung des Staatsaussichtsrechtes dahin feststellt, daß die Ausübung des Aussichtsrechtes dem CultuSminister in folgende Fällen zufällt: Lei dem Erwerb der Veräußerung oder Belastung von Grundeigenthum, wenn der Werth die Summe von 10,000 Mark übersteigt, bei der Veräußerung von Gegenständen, welche einen geschichtlichen oder wiffenschast- lichen Kunstwerth Haden, bei dem Bau neuer Gotteshäuser, bei der Anlegung von Begräbnißplätzen. Von den Ober- präsiventen wird das AufsichtSrecht auSgeübt: Bei Ausführung von Sammlungen für kirchliche, wohlthätige oder Kunstzwecke außerhalb dec Kirchengemeinden. In allen übrigen Fällen hat der Regierungspräsident daS AusstchtS- recht. Den Kirchenvorständen steht bei Verfügung deS Ober» Präsidenten die Berufung an den Minister der geistlichen Angelegenheiten und des Innern zu, bei Verfügungen deS Regierungspräsidenten beim Oberprästdenlen. — Alljährlich tritt bekanntlich eine Kommission zusammen, welche dem Kultusministerium Vorschläge zu machen hat über den Ankauf von Kunstwerken auS Staatsmitteln für die National- gallerie. In der ersten Hälfte des Monat Oktober wird biefe Kommission einberufen werden. — Die AuSführungS-
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vorbereitet. . , -
Gegenwärtig tagt der Protestantentag tn Breslau. ES liegt ihm eine Reihe wichtiger Fragen zur Beha ndlung vor, die alle ein allgemeines Interesse in Anspruch nehmen. Das erste Thema hat den öffentlichen Gottesdienst zum Gegenstand. Als Referent tritt der Decan Zittel auS Heidelberg auf, der jedenfalls die Ursachen darlegen wird, auS welchen die an vielen Orten stattfindeude Mißachtung des öffentlichen Gottesdienstes entstanden ist, sowie auch die Mittel angeben, durch welche diesem Mangel an Ge meindebewußtsein am besten entgegenwirkt werden kann. Besonders intereffant dürfte daS zweite Thema des Pro- testantentageS werden. Es lautet: „Die preußische Kirchenverfassung und ihre Bedeutung für die evangelische Kirche Deutschlands." DaS Referat über diesen Gegenstand hat der Prediger Richter, ein Mitglied deS preußischen Abge- ordnetenhauses übernommen.
Die Nachrichten au« dem Orient wechseln von Tage zu Tage; bald lauten sie ganz friedlich, bald im höchsten Grade kriegerisch. Heute wird Wie Haltung von Serbien und Montenegro für sehr bedenklich gehalten. ES heißt, daß beide, trotz aller entgegenstehenden Versicherungen sich heimlich entschlossen haben, an der Insurrektion sich zu betheiligen, und nur den geeigneten Moment dazu abwarten. In dem geheimen Memorandum, welches die Skupschtina außer der Adreffe an den Fürsten Milan gesendet, soll sie diesem für den Fall eine« Krieges ihre be-
Auzeigen nimmt entgegen: Me Eichedition b. Blatte-, sowie bte Aimoncen-Bureaux von ® L. Daube & 60. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalidendank, 31. Rete- ♦ meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Wochen wenig von den Paschern gemerkt, doch ließ ich 1 mich dadurch nicht einschläfern, sondern blieb mit unver- l minberter Wachsamkeit auf meinem Posten; denn eS war i ein längst bekanntes Manöver, daß die Schmuggler eine 1 solche kleine Ruhepause in bet Regel dazu benutzten, um I die Zollbeamten sichet zu machen und bann bei bet ersten I besten Gelegenheit einen Hauptcoup auszuführen. Ein solcher wat jetzt mit einiger Sicherheit zu erwarten, denn das trübe Wetter und die finstern, mondlosen Nächte waren für die Unternehmungen der Schmugglet überaus günstig.
Wir hatten den ganzen Tag Regen gehabt, der gegen Abend etwas nachließ. Gegen 10 Uhr Abends bestieg ich mein Pferd und ritt nach der Grenze hin, um die dort stationirten Posten zu infpiriren. Es war Alles in bester «Ordnung, denn die Grenzwächter schienen meine 53er»
Die Reise deS Kaisers nach Italien tritt jetzt in den Vorder- , gründ der politischen Betrachtung. Nachdem sie verschiedene Male aufgeschoben wat, wird sie nun definitiv stattfinden. 1 Dies Ereigniß seiner politischen Bedeutung zu entkleiden ist un- ; möglich. Allerdings wurde damals, als die Reise des Kaisers ; nicht zur Ausführung kam, auf das entschiedenste behauptet, daß die Ursache davon lediglich in den Rücksichten aus die Gesundheit des Kaisers zu suchen sei. Jndeffen haben jedenfalls auch politische Erwägungen dabei mitgespielt. Es war eine vorübergehende Erkaltung in den Beziehungen zwischen Italien und Deutschland eingetreten, die namentlich ihren Grund darin hatte, baß Italien keine Neigung zeigte, gegen die päpstlichen Anmaßungen aufzutreten, und sich damals Frankreich zu nähern schien. Nun aber ist in dieser Beziehung alles geklärt, jeher Anschein von Differenz beseitigt. Italien hat jedenfalls unzweideutige Beweise geliefert, daß es durchaus nicht die Absicht habe, sich in irgend etwas Deutschland zu entirem» den sondern vielmehr fest an seiner Freundschaft zu halten. So' wird denn die Zusammenkunft in Mailand durchaus nicht irgend eine neue politische Constellation herbeiführen, sondern sie wird eben nur daS innige VerhLltniß beider Reiche besiegeln und der Welt beweisen, daß die italienische Regierung fortgesetzt die Politik verfolgt, welche die Reise beS Königs Victor Emanuel nach Berlin inaugurirt hat. Durch biese nämlich trat Italien zu dem Bündniß der Nordmächte hinzu, welche sich zur Erhaltung heS europäischen Friedens vereinigt haben, und gewiffermaßen den jetzigen Status quo einander garantiren.
Noch verschiedentlich kehren in öffentlichen Blattern allgemein gehaltene Klagen wieder, daß eS für den kleinen Bekehr an einer genügenden Menge von Scheidemünzen fehle Diesen Klagen gegenüber erscheint e»- zweckmäßig, daS thatsächliche Verhältniß darzulegen. Zn Preußen sind, nach dem „R. u. St. Anz.", bis jetzt in angemessenen Noten mehr als 3'/2 Millionen Mark an Reichskupfer- mün«n zur Vertheilung überwiesen. Von den Kupfermünzen der Thalerwährung sind dagegen bisher nur die auf der Zwölftheilung des Groschens beruhenden Zwei- und Vierpfennigstücke außer Kurs gesetzt, von denen in Folge dessen im Deutschen Reiche bei den Einlösungskaffen noch 470,000 M. eingegangen sind, während von diesen Münzen in Preußen in dem Zeiträume von 1857 bis 1873 gegen 600,000 M. geprägt waren. Die Dreipfen- niastücke der Thalerwährung, von denen in Preußen in bem bezeichneten Zeitraum ca. 1,600,000 M. geprägt worden sind noch nicht außer Kurs gesetzt, sie werden in- beß soweit sie bei ben Königlichen Kaffen eingehen, nicht wieder verausgabt, auch von denselben in Beträgen von mindestens 1 Mark zum Umtausch gegen Reichskupfermüzen angenommen. Aus diese Weise waren von den fraglichen Münzen bis Ende August b. I. etwas über 125,000 M. eingeiogen Die Einpfennigstücke der Thalerwährung sind durch das Reichsmünzgesetz auf den Werth von einem Markpfennig tarifirt und dazu bestimmt, neben den Mark-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition 4. Matte-, sowie die Annovoen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt 0. M.; B'teilt & Vogler in rt a. M, Berlin, Leip- In ic; Rudolf Müsse m'Äerlin, Frankfutt a. M. ic. __________________________________________ ___________
Buchdruaeret) oezogen 2, efpebit,on ^heilende Auskunft und Annahme von Adresien werden 25 Pf«, berechnet.________________________________________