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L Zhrgang.

Marburg) Freitag, 1. October 1875.

Nr. 230

Exped. d. Oberh. Ztg.

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Enttäuscht und niedergedrückt kehrte ich zurück und ließ nichts unversucht, um den Aufenthalt deS SecretärS und ClärchenS zu erfahren. Der gänzliche Mangel einer Spur machte cS wahrscheinlich, daß der Secretär absichtlich seinen Wohnort geheim halten wolle, um mir jede Möglichkeit einer etwaigen Annäherung zu nehmen»

So ging ein Jahr nach dem andern hin, und die Alles ausgleichende Zeit brachte auch mir allmälig, wenn auch kein Vergessen, so doch Linderung meines Schmerzes um den Verlust meiner Zugendliebe.

Nachdem ich während eines Zeitraums von fünfzehn Jahren an verschiedenen Orteen angestellt gewesen, wurde ich an die belgische Grenze versetzt, wo damals der Schmug­gel in voller Blüthe stand. Dort fand ich, waS mir bis- her gefehlt hatte, einen anstrengenden, aufregenden Dienst, der .Tag und Nacht alle meine Kräfte und Gedanken voll­auf in Anspruch nahm, denn wir befanden uns dort in einem fortwährmden Kriege mit den Schwärzern.

Freilich, wenn ich so eine ganze Nacht lang bei Schnee und Regen in der Eifel umhergeritten war und dann am Morgen kalt und müde nach Hause zurückkehrte, dann sehnte ich mich wohl lebhafter als je nach den mancherlei Annehmlichkeiten, die nur der Besitz eines liebenden Weibes von dem Manne zu bieten vermag, und ich empfand jetzt um fo mehr eineggewiffe Leere in meinem Haufe und mei­nem Gemüthe, da eine jüngere Schwester, welche mehrere Jahre meinem Haushalt vorgestanden und mich meine Einsamkeit weniger hatte fühlen lasten, sich kurz vor mei­ner Versetzung verheirathet hatte. Trotz Allem vermochte ich für meine Person mich immer noch nicht zu diesem Schritte zu entschließen, denn ich hatte die Hoffnung, daß es mir endlich doch gelingen werde, ClärchenS Aufenthalt zu entdecken, noch nicht anfgegeben.

(Fortsetzung folgt.)

Prov. Corr." werden im Reichskanzleramt und im Bundes rathe mit allem Eifer gefördert: der Reichstag wird vor­aussichtlich in den Tagen zwischen dem 20. und 25. October berufen und sofort mit den wichtigeren Vorlagen der Ses­sion befaßt werden. Neben dem Reichshaushaltsetat dürsten die schon mehrfach berathenen Gesetzentwürfe in Betreff der Einnahmen und Ausgaben der Reichsverwaltung und in Betreff des Reichs - RechnungShoseS den Reichstag von Neuem beschäftigen. Aus dem Schooße des BundesratheS sind ferner Steuervorlagen angeregt, vornehmlich zu dem Zwecke, das Finanzwesen, des Reiches auf selbstständigere Grundlagen zu stellen und die etwaige Erhöhung der Matrikularbeiträge der einzelnen Staaten zu vermeiden. Die wegen einer Revision des Strafgesetzbuchs unter den Bundesregierungen gepflogenen Verhandlungen haben zu einer Vorlage geführt, welche zunächst , dem BundeSrathe zugehen wird und auf Grund der Beschlüsse destelben dem nächst dem Reichstage unverweilt wird vorgelegt werden können. Ebenso der jüngst angekündigte Gesetzentwurf zur Regelung deS HülsSkastenwcsenS. So erheblich diese Aus­gaben (abgesehen von einer Anzahl minder wichtiger Vor- lagen) sind und obwohl zu erwarten ist, daß auch aus den Reihen des Reichstages selbst wiederum manche Gegen­stände zur Verhandlung gebracht werden, so erscheint doch der Wunsch und die Hoffnung berechtigt, daS es gelingen werde, die Session vor dem Ende des Jahres zum Abschluß zu bringen. Bei allen Erwägungen in Bezug auf die demnächstige parlamentarische Zeiteintheilung wird gewiß für den Reichstag ebenso wie für die Bundesregierung die Rücksichtnahme auf die wichtigste und umfassendste der noch ausstehenden Arbeiten deS Reichstags, auf die Berathung der Reichstags-Kommission für die großen Reichs-Justiz- gesetze vornehmlich ins Gewicht fallen. Die Erwartung, daß die Kommission die Ergcbniste ihrer Vorberathung dem

den drei großen Entwürfen, welche zur Berathung vor- liegen, werden bis zum Beginn der Session, bis wohin zunächst der Auftrag der Kommission überhaupt nur reicht, zwei nur in erster Lesung, der dritte noch gar nicht zur Berathung gelangt sein. Angesichts der bevorstehenden ReichStagSsesston und der bald darauf folgenden Landtags­session wird es deS allseitigen entgegenkommenden Zusammen­wirkens der betheiligten Kreise in Bezug auf die parlamen­tarische Zeiteintheilung bedürfen, wenn für die weitere Vor­berathung und Vereinbarung der Justizgesetze während der laufenden Reichstags-Legislatur überhaupt noch Raum ge­wonnen und die bedeutsame nationale Aufgabe nicht ins völlig Ungewisse hinaus vertagt werden soll.

Die von der Reichsjustizcommission ernannte Sub-' commission wird, wie man meldet, am nächsten Freitag zu einer Sitzung zusammentreten, und gedenkt in derselben die ihr zu Theil gewordene Aufgabe zu erledigen. Ihre Thä- tigkeit wird im Allgemeinen als keine vergebliche betrachtet, denn man darf nach den Ansichten, welche von zahlreichen Mitgliedern des Reichstages verschiedener Parteien Über den Werth der Handelsgerichte ausgesprochen werden, min­destens als sehr zweifelhaft hinstellen, daß der Reichstag sich dem Votum seiner Justizcommission über die Handels­gerichte ausschließen werde.

Der in dec letzteu Zeit von den Blättern vielfach be­sprochene UnterosficierSmangel in unserer Armee ist durch den massenhaften Abgang von Chargirten bei der dies­jährigen Entlassung der Reserven zu einer sehr bedenklichen Höhe, und zwar bei allen Truppentheilen gestiegen. So sind z. B. beim ersten Garde-Regiment allein 70 Unter- Offiziere ausgeschieden.

Den Consuln Deutschlands, Oesterreichs und Italiens ist eS gelungen; eine Unterhandlung mit den Insurgenten der Herzegowina anzuknüpfen, obschon eS ihnen große Mühe und Schwierigkeiten verursacht hat, diese aufzufinden, und sich mit ihren leitenden Führern in Verbindung zu setzen. Eine eigentliche oberste Leitung scheint bis jetzt bei den Insurgenten nicht vorhanden, so daß diesen Unterhand­lungen kaum ein einigermaßen günstiger Erfolg vorauszu­sagen sein dürfte. Die von den Insurgenten den Consuln ausgedrückten Forderungen scheinen ziemlich gemäßigt; sie verlangen einen Waffenstillstand, während dessen ihre Dele- girten mit Server Pascha und den Consuln auf irgend einem Punkte an der österreichischen oder montenegrinischen Grenze zusammentreffen, und dort ihre Wünsche darlegen sollen; sie scheinen von ihrer ursprünglichen Forderung vollständiger Unabhängigkeit zurückzutreten. Wenigstens heißt eS, daß sie gegenwärtig nur die Zulassung der Chri­sten zur Zeugenschasl vor den Gerichten, die Wahl der

Tagesbericht.

DieItalic" schreibt über die Reise des Kaiser«:Einige deutsche Zeitungen zeigen eine gewisse Verwunderung, daß die Italiener den Besuch Wilhelms L so sehr erwünschen. Wir können In der That keinen einzigen Grund für dieses

I» alte« Stift.

Erzählung von Rudolf Scipio. (Fortsetzung).

Aber wie kommen Sie denn in den grünen Steuer­rock?" fragte der ehemalige HauSwirth des SecretärS, nachdem er meine Fragen beantwortet; ich dachte, Sie wären bei den Weißröcken. Hier wurde noch dabei er zählt, Sie hätten die Tochter von einem General gehei- rächet, oder damals wenigstens zur Liebste gehabt, und wären deßhalb bei den Kürassieren geblieben und Offizier. Ich glaube auch, daß das dazumal der Grund gewesen ist weshalb dcr AmtSsckretär seinen Abschied genommen hat und von hier weggezogen ist, denn Jungfer Clärchen, die stch, wie eS mir schien, Hoffnung auf Sie gemacht hatte, verging wie ein Schatten, als die Geschichte hier bekannt wurde, und als der Herr Secretär damals bei Ihnen ge­wesen war und die Nachricht mitbrachte, daß die Sache richtig wäre, da war'S ganz am Ende mit dem Kinde. Sie wollte sich gar nicht mehr aus der Straße blicken lassen. Sehen Sie, so istö gekommen. Wo aber der Herr AmtSsecretär und Fräulein Clärchen geblieben sind, daS weiß, glaube ich, kein Mensch hier."

WaS der Mann mir gesagt, hörte ich in den nächsten Tagen noch von verschiedenen Bekannten, an die ich mich in derselben Angelegenheit wandte, bestätigen. Der Amts- secretär war, wie auch sie wußten, selbst nach meiner Garnison gereist, um stch von der Wahrheit deS über mich circulirenden Gerüchts, welches er, besonders aber Clärchen anfangs durchaus nicht hatten glauben wollen, zu über­zeugen. Bald nach feiner Rückkehr hatte er den Ort verlaffen und ich konnte fast überall bei meinen ehemaligen Bekannten unschwer merken, daß meine Handlungsweise, an deren richtiger Darstellung durch den Sekretär gar kein Zweifel herrschte, mir das allgemeine Mißfallen und dir Verachtung meiner alten Freunde und Bekannte zn- gezogen.!

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DaS frühere Hafthraler z» Schleswig.

Bekanntlich ist die Existenzfrage der bisherigen Hof­theater in den drei von Preußen erworbenen Ländern, Han- nover, Kurheffen und Nassau, dahin entschieden worden, daß die früheren Residenzen Hannover, Kassel und Wies­baden auch fernerhin im Besitz von königlichen Theatern geblieben sind. Unwillkürlich blickte man bei dieser Nach­richt nach dem vierten Staate, den daffelbe Loos getroffen, nach Schleswig-Holstein, und fragte sich, ob nicht auch dort ein ähnliche« Kunstinstitut existire, das aus gleiche Schonung Anspruch machen dürfe. Da erfuhr man freilich, daß kein Hoftheater dort vorhanden, aber kommt man an alte Leute in der Stadt Schleswig, die sich noch des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhundert« zu erinnern vermögen, so beginnen sie sofort mit Lebhaftigkeit und vielem Lob von dem Hvstheater zu reden, welches damals den Glanzpunkt der allen Residenz der Herzogthümer ausmachte.

Vor dem Schlosse Gottorff, links auf der freien Fläche, welche jetzt zu militärischen Hebungen benutzt zu werden pflegt, stand bis in die vierziger Jahre dieses Jahrhunderts ein wenig ansehnliches und düsteres, aber geräumige« Haus, ringsum mit Brettern bekleidet. Das war das frühere Hos- theater.

ES war um daS Jahr 1745, al« der Landgraf Karl von Heffen die Statthalterschaft des HerzogthumS antrat. Der damals noch jugendliche Fürst war kein Mann von ganz gewöhnlichem hausbackenen Schlage, sondern beschäf­tigte sich eifrig mit den verschiedensten Zweigen der Kunst und Wissenschaft, namentlich auch mit den geheimnißvollen Kräften der Natur, trieb Astrologie und Alchymie, und arbeitete tagelang, ohne sich sehen zu laffen, mit seinem Freunde, dem berüchtigten Grasen St. Germain, der die letzten Jahre seine« abenteuerlichen Lebens bei ihm zubrachte, an der trügerischen Kunst Gold zu machen.

Auch an einer glänzenden Hofhaltung ließ efl deralte

Landgraf" nicht fehlen. -Alle möglichen Hofchargm »arm

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maßen eine Zusammenkunft der beiden Nationen erblicken, I welche sich von Neuem die Hände drücken. Da« wäre nach unserer Meinung ein bedeutender Unterschied. UeberdieS hätte die Abwesenheit deS Herrn v. Bismarck bei dieser feier­lichen Gelegenheit in den Augen gewisser Leute einen An­schein von Voreingenommenheit, den die ausgezeichnet guten Beziehungen, welche zwischen den beiden Regierungen bestehen, nicht rechtfertigen könnten. AuS alledem läßt sich leicht begreifen, daß, wenn die Italiener den Reichskanzler im Gefolge seines Souverains in Mailand zu sehen wünschen, sie dabei einem Gefühle folgen, welches über einfache Be­friedigung der Eitelkeit unendlich hoch erhaben ist."

Die Vorarbeiten für die ReichStagSsesston, schreibt die

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Erstaunen finden. Seit zwei Jahren sprechen die Italiener diesen Wunsch au«, und eS ist natürlich, daß sie ihre Be­friedigung an den Tag legen, da sie die Wahrscheinlichkeit de« kaiserlichen Besuches von Neuem sehen. UebrigenS ge­hören die betreffenden Zeitungen fast alle jenem Theile der deutschen Preffe an, welcher unzufrieden ist, daß wir lieber eine unseren Nationalbedürfniffen entsprechende Politik ver­folgen, al« in die Fußtapfen fremder Politik zu treten. Darnach haben sie auch den Grund der Freundschaft der Italiener und ihrer Regierung für die Deutschen, und der Reichsregierung meffen wollen; und da« Erstaunen über dft Befriedigung, welche die Nachricht von der Kaiserreise bei ün« hervorgerufen hat, ist nach unserem Dafürhalten nur eine Folge de« ersten JrrthumS. Der Äaifer wird ebenso aufrichtig herzlich von uns empfangen werden, wie wir vor zwei Jahren aufrichtig gewünscht haben, ihn zu sehen. Wir bedauern nur, daß er nicht nach Rom kommt, aber wir wissen die Gründe zu würdigen, welche ihn ver hindern, bis unter die Mauern des Vatikans vorzurücken. Ferner scheinen die deutschen Zeitungen darüber erstaunt zu sein, daß die Italiener auf das Mitkommen des Herrn v. Bismarck hohen Werth legen. Wenn der Kaiser allein käme, so könnte in seinem Besuche sehr wohl weiter nichts als ein Akt der Höflichkeit zwischen den beiden Höfen von Deutschland und Italien erblickt werden. Wenn er da- _ . .

gegen vom Reichskanzler begleitet käme, so wäre es mehr! Reichstage in seiner bevorstehenden Session werde vorlegen al« ein Akt der Höflichkeit und man würde darin gewisser j können, kann nicht mehr zur Erfüllung gelangen. Von