Südostgrenze zu bewahren. Redner sprach den Wunsch aus, daß es der Regierung und ihren Verbündeten gelingen möge, eine befriedigende Lösung durch Herbeiführung eines Zustandes zu bewerkstelligen, welcher eine Wiederholung des Aufstandes unwahrscheinlich mache, und drückte die Hoffnung auS, die Delegation werde Mittel zu einer besseren Verpflegung der Mannschaften bewilligen, um trotz der finanziellen Zustände deS Reichs eine befriedigende Lösung der Geschützfrage herbeizuführen. Hierauf wurde daS gemeinsame Budget pro 1876 und die Vorlage betreffs Anschaffung der neuen Geschütze eingebracht und die Ausschußwahl vorgenommen.
Pari-, 20. Sept. Die Rede, welche der Viceprästdent Buffet gestern auf dem landwirthschaftlichen Banket in Mire- court gehalten, hat, obgleich man dieselbe bis jetzt nur nach dem kurzen Auszug kennt, welche die Agentur HavaS davon gegeben, keinen guten Eindruck gemacht. Buffet zeigt sich in derselben reaktionärer denn je, da, wie er sagt, nicht allein die revolutionären Ideen bekämpft werden muffen, sondern auch die Idem, welche, ohne revolutionär zu sein, zu demselben Ziele führen werden. Buffet, der bekanntlich ganz unter geistlichem Einfluß steht, scheint also alles, was auch nur halb liberal ist, niederhalten zu wollen, und dies erklärt, warum er eines Tages dem sehr gemäßigten Republikaner Christophle, der Besitzer von vielen Millionen ist, in der Kammer zurief: «Ich war nie Ihr BundeSge- noffe und ich werde es nie sein!" In dm osficiellm Kreisen erregten die gestrigen AuSlaffungen des Vicepräsibenten des Ministerrathes keine besondere Befriedigung, wie zur Ge nüge eine Note des Moniteur, des officiösen Organs der Liberalen des CabinetS, darthut. Buffet wird darin nicht gerade angegriffen, aber seine Worte werden nach Möglichkeit beschönigt. Das officiöse Blatt schreibt: „Wir wollen gern überzmgt sein, daß, als der Viceprästdent des Ministerrathes sagte, „das Hauptziel des CabinetS sei, den Staats gesetzen Gehorsam zu verschaffen und auf diesem Boden die zerstreuten konservativen Streitkräfte zu sammeln, um gegen die revolutionären Ideen und gegen die Idem zu kämpfen, welche, ohne revolutionär zu sein, zum nämlichen Ziele hin- führen," er hauptsächlich auf die bonapartistischm Umtriebe hat anspielen wollen. Wenn wir in der That den Gedanken, dm Herr Buffet hat auSdrückcn wollen, seines rednerischen Schmucke» mtkleidm, so bleibt nur übrig, daß es eine Politik gibt, welche, indem ste ihre Liebe für die Ordnung und die Achtung vor dem Marschall betheuert, gerade nicht auf die Befestigung der Verfaffung abzielt. Dies ist eine revolutionäre Politik ersten Ranges, und es gehörte die ganze Zurückhaltung dazu, welche Herr Buffet in seinen Reden beobachtet, um unter einer abgeschwächten Form das darzustellen, welches in dm Augen des Gesetzes nichts Anderes ist als ein Verbrechen. Wie indeß die Form der gestrigen Rede des Herrn Buffet gewesen sein mag, gut ist eS, ihm Rechnung für eine Erklärung zu tragen, die zum wenigsten daS Verbimst hat, die Staatsgesetze laut zu bekräftigen. Wir erwarteten nicht weniger von dem Patriotismus und dem Scharfstnn des Herrn Buffet, und wir wissen in Zukunft, waS wir von dem Wort „Conservative" zu halten haben. Man konnte stch einen Augmblick darüber täuschen, und unsere Leser haben nicht vergeben, daß Herrn Buffet die Schuld dieser bedauernswerthm Auslegung beigelegt wurde. Aber der wahre Sinn des Wortes ist heute her- gestellt, und als Conservative können in Zukunft nur die gelten, welche die aufrichtigen und entschlossenen Anhänger der Verfaffung vom 25. Februar sind." Diese Erklärungen des officiösen Blattes sind natürlich nicht ernsthaft aufzu- nehmen, da der Zweck derselben einfach ist, die reaktionären AuSlaffungen des Herm Buffet abzuschwächen. UebrigenS hat sein Vertrauter, der Herzog von Broglie, der auf dem landwirthschaftlichen Banket zu BeaumeSnil (Eure) einen Toast auf Mac Mahon ausbrachte, stch in ähnlicher Weise ausgedrückt, und man kann daher mit Bestimmtheit annehmen, daß Buffet nach wie vor entschlossen ist, die reaktionäre Politik zu verfolgen, d. h. alles aufzubieten, um dm Geboten des SyllabuS nachzukommen.
Petersburg, 20. Sept. General Kaufmann hat am 16. d. M. Khokand besetzt. Deputationen waren ihm entgegengegangen. Nirgends Widerstand. Der größte Theil der russischen Truppen bivouakirt 3h Meilen vor der Stadt. Alle russischen Gefangenen sind ausgeliefert. Der Chan hat die vom Gmeral Kaufmann gestellten Friedensbedingungen angenommen.
ßkettiuje, 21. Sept. Nach Berichten der Jnsurgen tm hat am Sonnabend ein achtstündiges Gefecht bei der türkischen Festung Berana stattgefunden, welches damit endete, daß die Türken stch in die Festung zurückzogen.
Konstantinopel, 14. Septbr. So wenig man auch noch wegen des Aufstandes in der Herzegowina zu fürchten hat, so ist damit das Gewitter nicht beschworen: auch sind die Course wieder gefallen, wenn auch nur wenig, denn es steckt ein Stückchen orientalischer Frage in der Luft. Wahrscheinlich wird man in der Herzegowina und in Bosnien an dem Souveränetätsrechte der hohen Pforte im Allgemeinen und im Besonderen, aus ihrem Seckel die Kosten zu bestreiten, nicht rütteln wollen. Das ist auch überhaupt die Neigung aller Anwohner der Küste Dalmatiens, daß Keiner etwas beitragen und zahlen will, der Staatsseckel aber immer für alle Bedürfnisse des Landes sorgen soll. Oesterreich würde in großer Verlegenheit sein, wenn die Pforte sagte: ich gebe euch Bosnien und die Herzegowina bis zur Ebene vom Koffova gegen eine kleine Abfindungssumme, gegen Rückzahlung der in Bosnien ausgelegten Eisenbahn - Arbeiten und die Verpflichtung,
innerhalb dreier Jahre die Bahnanschlüffe in diesen Län- dem fertig zu stellen, wobei eS stch von selbst versteht, daß ihr den in diesen Ländern wohnenden Türken, die ihre Scholle nicht verlaffen wollen, dieselben Rechte einräumt, die jeder andere Unterthan hat. Oesterreich hat noch genug andere Gründe, für diesen Zuwachs an Verlegenheiten einstweilen zu danken. Serbien und Montenegro würden zwar gern nehm»», aber nur Worte geben, und daß das Bürgschaftleisten Geld kostet, das haben die Mächte, welche bei der Entstehung Griechmlands ein Anlehen für dasselbe machtm, genügend erfahren. Diesmal wäre es eine andere Summe, um welche es sich handelt. Die Türkei ist aber noch kräftig genug, dm von Serbien und Montenegro angezettelten Aufstand in seinem Lande sowohl als in dm beiden angränzenden lüstern-n Vasallenländern niederzuwersen, wenn die Mächte außerhalb neutral im ganzen Sinne des Wortes bleibm. — Auf die niedrig gegriffene Gränze der Gehälter, über welche hinaus ein Abzug eintreten soll, ist verzichtet wordm; statt von jedem Gehalte, daS über 3000 Piaster beträgt, einen Ab zug zu machen, sollen nur Gehälter, die über 15,000 Piaster gehen, in dem Theile, der darüber hinausgeht, eine Verkürzung erleiden. Da nun aber 15,000 Piaster nahe an 1000 Thlr. monatlich ausmachm, so giebt eS unendlich viele Beamte, welche es bedauern, nicht in der Lage zu sein, solchen Abzug erleiden zu muffen.
Hessen-Nassau.
Marburg, 22. Sept. Die am 15. Oktober d. I. in Kraft tretenden Winterfahrpläne der Eisenbahnen Deutschlands (excl. BaiernS), welche dem Reichs Eisenbahnamte zur Prüfung vom Standpunkte deS Reichs vorgelegen haben, enthalten der Mehrzahl nach bei den Personenzügen größere Einschränkungen, als sonst der Wechsel der Jahreszeit mit stch zu bringen pflegt. Es ist dafür geltend gemacht, daß die Zunahme deS Personenverkehrs hinter dm Erwartungen zurückgeblieben und seither den durch die Eröffnung neuer Eisenbahnlinien entstandenen Konkurrenzen nicht gebührend Rechnung getragen sei; auch habe bei einem Theile der Zugverbindungen, wie durch statistische Erhebungen festgestellt worden, der Ertrag die Selbstkosten nicht gedeckt. ES erscheine deshalb zulässig und nothwendig, den Verkehr — wenigstens vorübergehend — auf eine geringere Zahl von Zügen zu konzentriren und dadurch die Betriebsausgaben entsprechend zu vermindern. Wenn schon nicht verkannt werden kann, daß dem Reiseverkehr, namentlich dem Lokalverkehr, hieraus hier und dort Unbequemlichkeitm erwachsen werden, so hat doch unter den obwaltenden Verhältnissen den an sich nicht unberechtigten Anträgen die Berücksichtigung nicht versagt werden können, in der Voraussetzung, daß die Eisenbahnverwaltungen die ausgefallenen Züge wiederherstellen werden, sobald dieVerkehr«- verhältnisse solches erheischen. — Zu wünschen wäre indessen daß die Main - Weserbahn in ihrem Winterfahrplan von einer Einschränkung der Züge Abstand nehme, da der Localverkehr gegenwärtig schon durch eine sehr geringe Anzahl von Zügen vermittelt wird.
(Srnennungen, Verleihungen «.
Ur den Communallandtag des Regierungsbezirks Kassel ist zum Vorsitzenden der ritterschaftliche Obervorsteher Ferdinand v Schutzbar, genannt Milchling, zu Münden, zum Stellvertreter des Vorsitzenden der Oberamtsrichter Gottlob Wolff v Gudenberg zu Kassel ernannt worden.
vermischtes.
— sUniv. - Nacht.) Der Oberstabs- und RegimentS- arzt, Privatdocent Dr. Oscar Max Victor Fräntzel, sowie die Privatdocentm Dr. Senator und Dr. Busch zu Berlin sind zu außerordentlichen Profefform in der me- dicinischm Facultät der Königlichen Friedrich-WilhelmS- Universttät daselbst ernannt wordm.
Elbingerode, 17. Sept. Gestern in dm Nachmittagsstunden zwischen 2 und 4 Uhr ist nahe der Grenze des Wernigeröder Gebietes in der Nähe der sogenannten Bolmke folgender Raubmord vorgefallm: Drei Handwerksburschen, darunter ein, der Wäsche rc. nach zu urteilen, anständiger Bäckergeselle, auf dem Wege von Wernigerode nach hier begriffen, hatten sich auf Veranlassung der Uebelthäter ins Grüne gelegt, um zu schlafen, was jedoch nur bei dem Bäckergesellen stattfand, derselbe erwachte in Folge einiger Hiebe auf dm Kopf, ist aber bald darauf bewußtlos zusammmgesunkm, worauf ihm bann seine Baarschaft, bestehend in einem 10 Thalerscheine und einem 20- Markstücke, sowie seine Uhr genommen ist. DaS später erfolgte Winseln des Unglücklichen, haben die in der Nähe befindlichen Wegarbeiter herbeigelockt, die denn auch Samariterdienste ausübten Und veranlaßten, daß Gendarmerie requirirt und Hilft geschafft wurde. Der Unglückliche (auS dem Kreise Oppeln) ist gestern um 4'/2 Uhr hier in Verpflegung und ärztliche Behandlung gebracht und stellt stch heraus, daß derselbe furchtbar mißhandelt ist. Die Schläge scheinen mit einem scharfen, schaufelartigen Hammer ausgeführt zu sein, die Wunden im Genick lassen daraus schließen; ein Hieb oberhalb der Schläft, sowie zwei auf den Kopf, wovon der eine dm Schädel geläutert hat, haben dm Schädel ganz bloß gelegt. Glücklicherweise hat der Geist des Gernißhandeltm nicht gelitten, und hat die polizeirichlersiche Vernehmung ausführlich vorgenommen werden können, auch läßt das Befinden des Armen heute Morgen nicht unbedingt den Tod erwarten. Die Strolche sind glücklicherweise in Verwahrsam und der That geständig, auch haben stch die Werthgegmstände noch bei ihnen
vorgefunden. Ein Zufall und das lebhafte Jntereffe eines Kaufmanns aus Halberstadt haben zu dem glücklichen Fange beigetragen. Die oben besagten Arbeiter, welche in den ruhig dahinziehenden Burschen die Uebelthäter erkannten, machten einem des Weges fahrenden Kaufmann die Mittheilung von dem Geschehenen, dieser jagte den Mör- dem, die ihre Route wieder nach Wernigerode gewandt hatten, nach und erreichte sie glücklich, al» sie gerade in Wernigerode einmarschirtm. Seine Anzeige auf der Polizei veranlaßte sofort, mit seiner Hilft, die Verfolgung und Verhaftung, die in einem Bierlokale statt fand Die TranSportimng geschah noch in dieser vergangenen Nackt und wirb heute früh die Confrontation geschehen W
Kösen, 16. Sept. Gestern Mittag gegen 3 Ubr erschoß stch ein junger Mann mitten auf der Badevrome- nabe zum Entsetzen der Spaziergänger, welche harmlos dort sich auf und ab bewegten. Es liegt hier ein Liebes- roman vor, dessen begleitende Umstände von sehr vikanter Beschaffenheit sind. Vor einigen Tagen traf hier ein junges Paar ein, daS stch als Ehepaar geltend machte Die schweren Koffer, die nach dem Hotel gebracht wurden fo- wie die ganze Reiseausstattung der glücklichen Beiden schienen darauf hinzuweisen daß man sich auf einen längeren Genuß der schönen Tage von Aranjuez eingericktet hatte. Gestern Mittag nach 2 Uhr, als Beide, wi^vi Andere auf der Babepromenade in vollen Rügen die reine Landluft genossen, trat plötzlich ein Dritter zwischen unser Paar. ES war der Mann der Frau. Nach kurzem Wortwechsel, in welchem sich die Dame für dm verratbe neu Ehemann erklärte schoß sich der Entführer mit einem R-volver vor den Kopf, daß er mit zerschmettertem Schädel medersturzte. Der Tod erfolgte nach wenigen Minuten
- (De» eigenen Sohn erschossen). Ein Unglücksfall, wie «gräßlicher wohl kaum gedacht werben kann, ereignet sich lüngst bei Neutttschem. Der bort begüterte Graf von Vetter, ein passtomrter Jäger, ging mit seinem Sohn auf d'e Jagt». An tmer WaldeSlichtung nahm ber alte Graf Anstand; nach kurzer Weile hörte er da« Laub rasche!? er vermeinte Wild in der Nähe, legte an unb kaum krachte d« Schuß, °lS auch schon e.n lauter markdurchbringmber Aufschrei gehört würbe. Der Graf eilte in das Gebüsch unb fanb bort fein eigene« Kinb zu Tobe getroffen m S--I-D-- N« «M ”
Arm unb wollte bem Vater bie Hand reXen, liefe biefe aber im nächsten Momente schlaff nieberstnkm'- m „« tobt. Die Leiche bes Grafen würbe auf einer Sabre von ben Bauern in das Schloß getragen. Der Rustand de« stand fürcht? bCtart Cmßter' "aß man für seinen Ber- ~ — Eine Seltenheit, war am 18. Septbr. bei ßerrn Sean Seng, Schweinenmetzger in Kaiserslautern ein mit MU« g-mifte« Solb gen 300
prima Qualität, tm Alter von 12 Wochen welche« feit d»ser Zeit, an der «uh genährt, zu sehen. L^V wnrd geschlachtet und auSgehaum.
Telegraphische Depesche« Per Oker. Hessische» Zeii»«g.
Darmstadt, 21. Septbr. KreiSrath Hallwachs zu Dieburg ,st im Wahlkreise Vilbel zum »bgeoibneten für die Ständekammer gewählt worden.
Wie«, 21. Sept. Nach einem hier eingegangenen Telegramm aus Sassetot vom 21. d. Vormittag« war da« Befinden der Kaiserin in jeder Beziehung zufriedenstellend - Die Sitzungen bet ungarischen Delegation sind heute eröffnet worben. Szöggenyi wurde zum Präsidenten ge- wählt. In seiner Antrittsrede sprach derselbe die Erwartung au« d.e Delegation werde ben Weg zu finben wiffen, welch-r unter gleichzeitiger Sicherung einer angesehenen S ellung der Monarchie bet correcten Richtung in der Seitung ber auswärtigen Angelegenheiten, bie sich durch Erhaltung de« Weltftiebm« unb durch da« Bestreben kunb- gebe, die am Horizonte gegen Südosten auffteigenben Wolken zu zerstreuen, eine feste Bast« unb eine mächtige Stütze gewähren werbe. * "
Madrid, 21. Sept. Hier eingeengten Mittheilungen zufolge ist bet Carlistenchef SaballS am 18. September mü zwei Söhnen auf französisches Gebiet übergetreten. — „Jmparcial" vernimmt, daß Antonelli bie biesftitige Regierung benachrichttgt habe, er werbe ben Mächten bie zwischen bem Vatican unb dem Minister de« Auswärtigen Castro, gewechselten Depeschen bekannt geben.
Southampton, 14.September. Das Postdampfsckiff de« Nordd. Lloyd Donau, Capt.Busfius, welches am 4SepLemb« von Newyork abgegangen war, ist heute 7 Uhr 45 Min Nack, mittags wohlbehalten hier angekommen und bat um in hk, SÜLS'ÄÄS” »A M M Passagiere und volle Ladung. 0
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V "L* k ’»^vtbr. Laut telegraphischer Depesche au« Posidampfschiff des Pordd. Lloyd Hermann, ^See^egangm""' °m 15‘ b' Don bort bitett ^Sternen