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Mr. 21«

Marburg, Mittwoch, 15. September 1875.

X. IlhkM-.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Mattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & So. in Gaffel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a M ; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M, Berlin, Leip­zig, <S6ln ic; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

(i^brrhrlfifdir Jritung.

Anzeigen nimmt entgegen: dtt Eqieditton b. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfutt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Stete« meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagennach Somi- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JInstrirteS SonntagSblatt" durch die Srpeditton (Rodi’t Su4,btu4eMt) bezogen Sh Mark, durch d,e Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. (e$l. Bestellgebühr). - Jnsertioiisgebühr für die gespaltene Zeile 10 ®fa

Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet.

Lage-bericht

Der Justizcommlsfion deS Reichstags steht jetzt die wichtige Entscheidung über die Berufung vor, welche eine Anzahl baierischer Abgeordnete beantragt haben, wieder in daS Gesetz aufzunehmen, und die eigentlich dessen Haupt punkt bildet; eine feste Majorität in der Commission scheint für sie aber nicht vorhanden. Wie sich die Regierung da­bei verhalten wird, ist schwer vorauszusehen.

Wie wir vernehmen, ist nunmehr der Kaufvertrag über die Berliner Nordbahn definitiv vereinbart und am 30. August auch Seitens der Gesellschaftsvorstände unterzeichnet. Ein Gleiches wird in den nächsten Tagen Seitens der preußischen Staatsverwaltung staltfinden, und so die Ueber- gab« und der Beginn des Baues schleunigst unternommen werden.

Die Ursache« des durchaus unerwarteten Sturzes Essad. Paschas und seiner Ersetzung durch Mahmud Pascha als Großvezier sind bisher nicht bekannt gewesen. Man er fährt jetzt, daß Essad-Pascha seit langem officiell vor dem drohenden Ausbruch eines Aufstandes in der Herzegowina gewarnt war, diese Mittheilung jedoch mißachtete und jede Vorsichtsmaßregel unterließ. Als aber die Jnsurrection ausbrach und Ausdehnung nahm, verlor er den Kopf und sah mit Freuden die Einmischung der Nordmächte zur Pa- cificirung. Er theilte dies schleunigst dem Sultan mit, der irriger Weise der Meinung war, daß nicht nur die drei Rordmächte, sondern alle Großmächte Europas die Me­diationsvorschläge gemacht. Essad - Pascha soll nun diese irrige Meinung des Sultans nicht sofort aufgeklärt und seinen Herrn zur Annahme der Vermittelung bewogen haben, ohne jedoch die Verantwortlichkeit für diesen Schritt selbst übernehmen zu «ollen. Erst als e« sich erwies, daß die Mediation von den drei Nordmächten allein beanttagt war und auch alle ernsteren Maßregeln zur Bewältigung des Aufstandes vernachlässigt waren, wurde Essad-Pascha ent­lassen und Mahmud Pascha an seine Stelle gesetzt. Gleich­zeitig wurden die westlichen Mächte ersucht, sich der vorge- schlagenen Vermittelung anzuschließen.

Die diretten Nachrichten vom Schauplatze des Auf­stande«, d. h. die Bulletins, die in letzter Zeit seltmer ge­worden, sangen wieder an häufiger zu erscheinen. ES wird wieder von neueren Gefechten gesprochen, in denen natür­lich stet« beide Parteien sich den Sieg zuschreiben; da aber die beiderseitigen Berichte in allen übrigen Punkten über­einstimmen, so kann man daraus einerseits auf ihr wirk­liche- Statthaben schließen, anderseits und namentlich aber aus die fortdauemde und stets sich vergrößernde Gährung in jenen Ländern.

Deutsche« Reich. ”

•* Berlin, 13. September. Die Nachrichten über, die großen Manöver in Schlesien und die damit in Ver­bindung stehenden Festlichkeiten, nehmen ein um so lebhaf. teres Jnteresie in Anspruch, weil dadurch die Besorgniste völlig zerstreut werden, die durch das jüngste Unwohlsein,

des Kaisers hervorgerufen waren. Der Monarch hat sich allen Strapazen der Truppenmusterungen, sowie der Re Präsentation Tag für Tag zu unterziehen vermocht, was doch unzweifelhaft für erwünschtes Wohlbefinden spricht. — Ein Theil der Presse hat sich mit großem Eifer deS Ge­rüchtes bemächtigt, daß in nächster ReichstagS-Sesston der Abg.Miqusl an Stelle des Abg. v.Forckenbcck das Präsidium übernehmen werde. Ungeachtet wiederholter Dementirungen taucht das Gerücht immer wieder auf, was sich nur durch die Taktik der Opposition erklären läßt, welche bestrebt ist, Zwietracht in daS national liberale Lager zu schleudern. In gutorientirten Kreisen ist auch thatsächlich nichts be­kannt, was eine derartige Veränderung erwarten ließe, es dürfte vielmehr die wohlverdiente Majorität den bewähr ten Abg. v. Forckenbeck wiederum auf den Prästdentenstuhl erheben. — Es ist bereits gemeldet worden, daß vom Reichskanzleramte dem Bundesrathe der Entwurf einer kaiserl. Verordnung zur Genehmigung übersendet wurde, wodurch der 1. Januar 1876 als Zeitpunkt der Einführung der Reichswährung int gesammten Reichsgebiete bestimmt ist. Einige Blätter behaupten nun, daß diese Vorlage unnütz sei, weil das Münzgesetz schon diesen Termin fest­gesetzt habe. Diese Behauptung ist völlig irrig. Der Art. 1 deS Münzgesetzes bestimmt ausdrücklich, daß dieser Zeit­punkt durch kaiserliche Verordnung mit Genehmigung des Bundesrathes festzusetzen sei. Den Landesfürsten ist dabei gesetzlich Vorbehalten, für besondere Gebiete schon früher die Reichswährung einführen zu können. Da übrigens die kaiserliche Verordnung mindestens drei Monate vor dem Termin publicirt werden muß, so steht die Veröffentlichung derselben bis 1. Octobcr bestimmt zu erwarten. — Ander- weite Vorlagen des Reichskanzleramtes an den BundeSrath beziehen sich auf die Außercourssetzung einer großen Reihe von Münzsorten, z. B. Hamburgische und Lübische Courant- Münzen, Mecklenburgische Schillinge, und einige ältere, thalsächlich schon veraltete Preußische Silber- und Scheide Münzen und andere ältere Münzsorten; Außerdem eine Ueberstcht der ordentlichen Einnahmen und Ausgaben des deutschen Reiches für 1874, nebst 9 Anlagen und eine Ueberstcht der außeretatSmäßigen, außerordentlichen Ein­nahmen und Ausgaben, welche durch den Krieg gegen Frank­reich veranlaßt sind oder damit im Zusammenhang stehen pro 1874 nebst 1 Anlage. — Unter Aushebung früherer Bestimmungen ist von dem Minister deS Innern eine neue Anweisung wegen Notirung der Preise für Naturalien und andere Lebensbedürfnisse den Provinzial-Behördm ettheilt worden.

BreSlau, 11. Sept. Ueber das Diner und Ballfest, welches gestern dahier stattfand, entnehmen wir der „Schief. Ztg." Folgendes: Auf die Parade folgte das Diner im Schloß, bei welchem der Kaiser nicht während der Tafel, sondern erst nach dem Dessert unter seinen Gästen erschien, um thatsächlich dadurch und durch die muntere gnädige Unter­haltung mit denselben zu beweisen, daß jene Gerüchte, welche in einem ernstlichen Unwohlsein den Grund seines Fern

bleibens finden wollten, durchaus falsche wären. Abends um halb neun Uhr begann da» große Hauptfest während des kaiserlichen Aufenthalts in BreSlau: der von den schle« fischen Ständen im Ständehause dem Könige von Preußen und Herzog von Schlesien gegebene Rout und Ball. Weit­hin über den Exercierplatz vor dem Schloß und dem Stände- hause leuchteten die GaSflämmchen, welche an der Faxade entzündet waren: Bogen, architektonische Linien, Adler und Eisenkreuze, in ihren Umrissen durch solche Flämmchenreihen gezeichnet. Vor der Front waren zu beiden Seiten des Por­tal« lange, sehr gelungen decorirte Zelte geschaffen, die sich während des Festabend« als eine höchst dankenöwerthe und weise Einrichtung erwiesen. Die Wagen fuhren zwischen beiden Zelten hindurch bi« zum Fuß der großen Stiege. Das ganze Treppenhaus war in einen lebendigen grünen und blumenreichen ©arten verwandelt. Unten verbargen junge Tannen die Wände. Läng« beider Geländer der mit rothem Teppich bedeckten Stufen zog sich der Flor der Topf­gewächse. Er schmückte den breiten Absatz, die beiden Arme, in welche sich die Treppe von dort ab theilt und oben die Vorräume der Sääle. Die Fenster dieses Stiegenhauses waren durch rothe Vorhänge geschlossen. Auf der Mitte eines jeden zeigte sich abwechselnd ein preußischer Adler im weißen, und ein schlesischer im goldigen Felde, von schwarz-weißen und weiß-gelben Fahnengruppen umgeben. Das mittelste der Rückwand deckte völlig daS große Bild des deutschen Kaiseradlers. Vor den Zwischenräumen der Fenster strahltm Sterne aus Gasflämmchen. Auf den Stufen und dem Po­dest standen, ihrer höchsten Gäste wartend, die erlauchten Vertreter der schlesischen Stände in großer Uniform, die Herzöge von Ujest und Ratibor, Fürst Pleß im goldbetreßten Scharlach rock, Graf Maltzan, Graf Pückler, Graf Pfeil und der Oberbürgermeister Herr v. Forckenbeck; die Damen- Herzogin von Ratibor in lichter zatt lachsfarbiger Gräfin Maltzan in fliederfarbener, vielfach mit vollen weißen, rosa und lila Astern garnirter Robe, Gaze über Seide, reichen Perlenschmuck um den Hais. Der sonstige große Sitzungs­saal der Stände, hinter jenem zum Garten verwandelten Vorraum, aus besten dunklem Gebüsch die Marmorbüfte des Ministers Friedrichs II, de« Grafen Hoven, hervor- schimmerte, war zu dem Ball bestimmt. Die großen Bild- n,ffe der drei preußischen Könige Friedrich Wilhelms III deS Vierten und Wilhelms I. in ganzer Figur schmückten zwei von seinen Wänden. Große goldumrahmte Rund- schtlder, welche den preußischen Adler und abwechselnd da- mit solche, welche das großherzoglich sächsische Wappen der Katserin-Kömgin zeigten, und an den Seitenwänden kleinere runde helle Metallschilder mit dem schwarzen Adler auf ihrem Grunde und von schlesischen und preußischen Fahnen umgeben, vollendeten die festliche Saaldecoration. In den anderen Räumen sind es die, ihre Wände bedeckenden Ge­mälde der Sammlung des schlesischen Kunstvereins, welche diesen Zweck auf'S Beste und Genügendste erfüllen. In betn einen kleineren Saal des Unten Flügels, in welchem unseres Holtei große« Bildniß (mit dem Schlapphut und Pelzrock)

»•Stic«.

(Fortsetzung).

Die Provinz Bosnien hat nach den Angaben von Wla­dimir Zackschitj, Chef der administrativen Statistik in Belgrad, einen Flächenumfang von 1100 geographischen Ou.-Meilen oder 60,569 Qu.-Kilometern, auf welchen 1,357,984 Ein­wohner leben, so daß also durchschnittlich auf 1 Qu.-Meile 1234 Einwohner, auf 1 Qu.-Kilometer 22 Einwohner ent­fallen; das Land ist also vtthältnißmäßig dünn bevölkert. Unter den Einwohnern befinden sich 493,148 Mohamedaner und 864,836 Nicht - Mohamedaner. Die Mohamedaner, welche da« Land bewohnen, leben meist in den Städten und den festen Plätzen (auf die Hauptstadt BoSna Sarai oder Serajevo kommt nahezu der sechste Theil der gesamm­ten i-larnitischen Bevölkerung), wo sie die Ueberhand haben; auf dem flachen Lande herrscht dagegen daS durch etwas über 800,000 Köpfe (darunter ca. 180,000 römische Katho­liken) repräsentiere christliche Clement vor. Der Volks unterricht ist vernachlässigt und geht in den vorhandenen katholischen, griechischen und türkischen Schulen über Lesen und Schreiben nicht hinaus.

Das Klima ist nut in der Herzegowina zum Theil südlich heiß, während es im eigentlichen Bosnien durch die Gebirge, deren höchste Spitzen das ganze Jahr hindurch mit Schnee bedeckt sind, bedeutend gemildert wird. Dagegen find die Kraina und die Ebenen der Save milder, als das benachbarte Äroatien. An fließenden Gewässern ist Bos­nien, da die noch gut bewaldeten Berge die Quellen hin­reichend nähren, sehr reich. Hauptstösse sind die Narenta, Save, Bos na, Unna, Semna, Drtna und derVerbaS, von

dmen im Lande selbst aber nur die Save und Drina mit Schiffen befahren werden, während die Unna und Sanna nur zum Holztcansport Verwendung finden.

Schon wegen seine« Wafferreichthum« könnte Bosnien eines der bühendsten Länder sein. Jndeß ist das Land schleHt bebaut, theilS »egen der dünnen Bevölkerung, theils wegen Mangel an Kommunikationsmitteln. Der Ackerbau, sowie die Landwirthschaft überhaupt, stehen noch auf einer sehr niedrigen Stufe der Entwickelung. Wie von alterSher benutzt der Bauer den Holzpfiug, der eine kaum 3 Zoll tiefe Furche zieht, und hält an dem System der Brache fest. Das überwuchernde Unkraut wird nicht befeitigt und daher kommt e«, daß die Frucht nicht nur einen schweren Kern besitzt, sondern mit Unkraut vermischt auf den Markt gelangt. Die Haupterzeugniffe der Landwirthschaft sind Weizen, Gerste, Hafer, Hirse und Mais. In guten Jahren wird nicht blo« der inländische Bedarf gedeckt, fonbern bleibt noch Manches zur Ausfuhr übt g, inSbesonbere nach Dal­matien unb der oberen Militärgrenze. Grund und Boden gehört beinahe ausschließlich dem mohamedanischen Grund­adel, der ihn durch ZinSbanern meist christlicher Confesston bebauen läßt. Christliche Bauern, welche eigene Grund­stücke besitzen, find nur in geringer Zahl vorhanden. — Zu den hauptsächlichsten HülfSquellen des Landes gehört die Viehzucht; Bosnien liefert Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen und Schweine it: großer Menge. Da e« an Auf­zeichnungen fehlt, läßt sich die Kopfzahl der einzelnen Vieh gattungen nicht einmal annähernd angeben. Dieselbe ist jedoch so bedeutend, daß sie nicht nur für den eigenen Fleisch- bedarf de» Lande- genügt, sondern noch reichliche Mengen

für die Versorgung de- österreichisch-ungarischen Marktes übrig läßt. Insbesondere ist es das weidenarme Dalmatien welches sich mit Rindvieh lediglich aus Bosnien und der Herzegowina versieht. — Die Obstbaumzucht bilbrt gleich­falls eine der Hauptertragsquellen des Lande«; unter den einzelnen Obstgattungen nimmt jedoch nur die Pflaume im Handel eine hervorragende Bedeutung ein. Sie wird in ganj ®o«nien, hauptsächlich aber in der Umgegend von Banfaluka unb in der Poffavina gezogen. Im Jahre 1873

LH der Werth der Ausfuhr an gedörtten Pflaumen auf 500,000 Dukaten; dieselben gingen dem Haupttheile nach auf der Save nach Budapest. Weinbau findet in größerem Umfange namentlich bei Mostar statt; die hier gewonnenen Trauben sind berühmt und versieht Mostar einen großen Theil Bosniens mit Wein. Bon Handels- Pflanzen werden Tabak, Flachs, «rapp unb Sumach ziem­lich häufig gebaut. 0

kSchluß folgt.)

Das Srntigc* der Orleans.

D« »Univers« entwirft folgende Statistik des Ver. mögens der Familie Orleans: Durch ein Edict hem 14 Wtirg 1661 schenkte Ludwig XIV. feinem Bruder Philipp, Herzog von Orleans, als Apanage die Herzogthümer Or- eans, Valois und Chartres, sowie die Herrschaft Mou- Ä ' 1669 .^sitzungen durch Erklärung vom 24.

-^ukamen da- Herzogthum NemourS, die Grafschaften Dourgan und Romorantin und di« Mar- qmsate Couch und Folemblay. Patentbriefe vom Februar 1682 gaben dem Herzog da» Palais Royal, ein Erlaß