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Marburg, Sonnabend, 28. August 1875.
x. Jahrgang.
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fieret Weise den Vorschriften genügt wird. — ES werden nun die einstweiligen Aufstellungen des Etats erfolgen. Die Anwesenheit des Finanzministers Camphausen wird diese Angelegenheit in lebhafteren Fluß bringen. — Die Nachricht der „Magdeb. Zig." über Eröffnung des Reiche tags ist wohl nur eine Vermuthung des Berichterstatters.
Potsdam, 26. Aug. Die Mitglieder der hier tagenden 29. Hauptversammlung des Gustav-Adolph-Vereins und die sonstigen Festgenossen versammelten sich, nachdem sie bereits durch das Einläuten des Festes von den Thür- men der evangelischen Kirchen Potsdams begrüßt waren gestern Morgen um 8 Uhr in und vor dem großen Saale des Königlichen Stadtschlosses, um in gemeinsamem Festzug sich nach der Garnisonkirche zu begeben. An der Spitze des langen Zuges, der seinen Weg nach der Hum- boldtstraße, über den Markt, durch die Schloß und Breite Straße nach der Kirche nahm, befand sich ein Musikcorps: ihm folgten die Deputationen der Potsdamer Schulen, die im Talar erschienenen Geistlichen, der Vorstand des Potsdamer Zweigvereins der Gustav-Adolph-Stiftung, Magistrat und Stadtverordnete der Stadt Potsdam, der Central- Vorstand des Gustav-Adolph-Bereins mit den Ehrengästen die Abgeordneten oer Hauptvereine, und zum Schluffe die anderen Festgcnoffen. Dem Gottesdienste wohnte Ihre Majestät die Kaiserin-Königin bei; die Predigt hielt Kon- sistorialrath Profeffor Dr. Bauer aus Leipzig über Psalm 123, die Liturgie hielt Hof- und Garnisonsprediger Rogge ab, die Chorgesänge wurden vom Königlichen Domchor unter Leitung des Profeffors von Hertzberg gesunaen Um 111/2 Uhr wurde alsdann die erste, öffentlich bera^ thende Versammlung in der Heiligengeistkirche durch Profeffor Dr. Frike aus Leipzig unter Gesang und Gebet er- öffnet. Nachdem der Vorsitzende einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Vereins geworfen, gelangten die telegraphischen und brieflichen Begrüßungen von auswärtigen Mitgliedern zur Kenntnißnahme der Versammlung ES waren Grüße eingelaufen von Pfarrer Dürr in Algier, dem Pastor Fliedner aus Madrid, sodann aus Varis Marseille, Basel, Zglau u. f. w. Es erfolgte hierauf die Begrüßung des Vereins durch die Vertreter der Königlichen Behörden u. s. w. An Stelle des durch die Abwesenheit verhinderten Ministers für die geistlichen rc. Angelegenheiten sprach der Unterstaatssekretär Dr. Sydow im Namen des evangelischen Oberkirchenralhs, dessen Mitglieder, soweit sie in Berlin anwesend sind, sämmtlich eingetroffen waren, der Oberkonsistorialrath Dr. Hermes. Prediger Krummacher aus Brandenburg sprach als Vicepräsident der ersten Brandenburgischen Provinzialsynode. Alle drei
fühlte in die Tasche^ suchte, war da. —
sie auf und nieder gingen, tarnen und verschwanden. Es waren bekannte, liebe Gestalten — die Gesichter seiner Geschwister, des alten, treuen Vaters, — dann ein blühender, lächelnder Kopf, Magdalene, in allem Liebreiz der Jugend und Schönheit, mit dem herzgewinnenden Ausdruck von Freundlichkeit und Güte. — Aber auch ein stiller Schmerz kam in ihrem Gefolge. Er ward sich nach und nach bewußt, daß sie sich ihm entzogen, seine Liebe verschmäht habe. Sie blickte so hold, ihre liebliche Erscheinung stand so voller Anmuth schwebend vor seiner Seele — war es denn nicht möglich, sie zu gewinnen? — Warum hatte er sich feige, muthlos abgewendet, zürnend im kindischen Trotz? Sic würde gewiß den Zugendgespielen, den Genoffen ihrer Kindheit, dem sie ja stets mit Freundschaft zugethan ge wesen, nicht auf immer verschmähen, und Leonhard war ja fern, Leonhard I — Es gab einen Ruck in ihm, wie er diesen Namen dachte. — Warum war er selber später nicht hingegangen zur Geliebten seines Herzens, da doch der, den er fürchtete, deffen Gegenwart seinen Haß auf regte, fort war? — Er war einmal dorthin gegangen, ja, er entsann sich; aber da war alles so sonderbar, so still gewesen, und bann war er wieder in Zerstreuungen ge- rathcn, Alfred hatte ihn — o Gott! Alfred I--
Hatte er aufgeschrieen, hatte ihm jemand einen Schlag versetzt? — Es schwindelte ihm, die Gegenstände wirbelten um ihn, die Stube, der Tisch, die Gäste schienen sich rund um ihn zu drehen, es schallte in sein Ohr wie ein lautes, entsetzliches Gelächter. — Er war zum Bewußtsein, zum grauenvollen Bewußtsein gekommen Betäubt, vernichtet, namenlos elend, saß er noch geraume Zeit iaffungSIoS da, ehe er sich auf das Nothwendige besann. Er sah nach seiner Uhr; eS war Zeit umzukehren, nach der Stadt zurück, den letzten, verzweifelien Versuch zu machen.
Er stand auf, bezahlte das Glas, welches er mit feinem
Anzeigen nimmt entgegen: die Eichedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M - Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- ▲ meyer in Berlin; Carl Schüß-
v ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Tagesbericht
Die Commission für die Eisenbahntarife hat der Reichhaltigkeit des Materials wegen eine sehr umfangreiche En- quete anstellen müssen; ihre Conferenzen werden Anfangs September wieder beginnen, die Angelegenheit dürste aber doch wohl nicht in der nächsten Reichstagssession zu Stande kommen, da der Stoff wirklich zu umfaffend ist. Die bis jetzt erfolgten Aussagen der Sachverständigen constatiren, daß eine gemeinschaftliche Tarisbesiimmung für alle Bahnen höchst wünschmSwerth ist, über deren Princip jedoch noch eine sehr große Meinungsverschiedenheit herrscht. Es ist vorauszusehen, daß der von dem ReichSeisenbahnamte aus zuarbeitende Gesetzentwurf sich wesentlich auf die Vorarbeiten der Commission stützen wird; doch soll diesem Entwurf das Votum der Enquete - Commission vorausgehen. Die Privateisenbahnen thun mancherlei Schritte, um dahin zu gelangen, daß sofortige Conferenzen zwischen dem ReichSeisenbahnamte und den Vertretern dieser Bahnen eröffnet werden, um eine allgemein befriedigende Vorlage durch Kompromiß zu ermöglichen. — Was nun aber dasReichs- Eisenbahngesetz betrifft, so wird es wohl in der nächsten Session sowohl Seitens des Bundesrathes als des Reichstages erledigt werden.
Bei der Rückkehr von der am 22. August in München vor dem König von Baiern abgehaltenen Parade ließ der König den im Gefolge befindlichen preußischen Militär-Bevollmächtigten, Major von Stülpnagel, an seine Seite rufen und unterhielt sich einige Zeit mit ihm in sehr freundlicher . Weise. Seitdem das preußische Exercier.Reglement in der baierischen Armee eingeführt ist, hatte Seitens deö Königs Ludwig noch keine Truppenschau stattgefunden, und dies veranlaßte denselben, sich über den günstigen Erfolg dieser Einführung in sehr anerkennender Weise auszusprechen; übrigens ist eS wirklich außerordentlich, wie sehr die baierischen Truppen dadurch an Haltung, Präcision und gewandter Sicherheit in der Handhabung der Waffen gewonnen haben.
Wiener Berichten zufolge fängt auch die Insel Kreta
So trat er denn feinen Weg wieder Stadt. —
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Zeitung werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) entgegengenommen.
** Berlin, 26 August. Die „Prov.-Corresp." gestern mikgelheilt, daß von Seilen des Ministeriums Innern die Anweisung in Betreff der Wahlen für Provinziallandtage an die Behörden ergegangen ist. „ soll Alles vorbereitet werden, damit die Wahlen im Monat
Oktober vor sich gehen können. In erster Linie sind für die einzelnen Kreise die Zahlen der Anzahl Wähler festzu. stellen. In dieser Beziehung sind in § 10 und 12 die näheren Bestimmungen enthalten. Durch § 10 wird vorgeschrieben, daß die Provinzen Preußen, Brandenburg, Pommern und Sachsen für jeden Kreis 2 Abgeordnete, Schlesien für jeden Kreis mit weniger als 40,000 @im wohner 1 Abgeordneten für jeden Kreis mit 40,000 mehr Einwohner 2 Abgeordnete gewählt werden; 3 Abgeordnete werden gewählt, wenn die Einwohnerzahl eines Kreises in
Schlesien 80,000 Ew., in Preußen 60,000 Ew., in Bran
denburg und Sachsen 50,000 Ew. und Pommern 40,000 Einwohner erreicht. Für jede fernere Volkszahl von 50,000 Einwohner tritt ein Abgeordneter hinzu. Der Provinzialordnung ist bekanntlich ein besonderes Wahlreglement beigefügt. ■ Es ist in demselben nicht vorgeschrieben, daß jede einzelne Wahl in einer besonderen Wahlhandlung erfolgen muffe. In einer an die Behörden erlassenen
Instruction des Ministers des Innern, wird auf diesen Punkt hingewiesen, mit dem Bemerken, daß es sich em pichle, jede Wahl besonders vorzunehmen, da dieser Modus eine größere Bürgschaft gegen Fehler und Irrungen gebe.
■ Bei Besprechung der auf die Wehrordnung bezüglichen
Zwei Familie«.
Erzählung von Ernst Streben.
(Fortsetzung.)
Mittagszeit mußte schon vorüber sein. Er fühlte keinen Hunger, nur die Lippen waren trocken und wie verbrannt. Er war in einem Dorfe angelangt, ein Wagen hielt vor der Thür des WirthShanses; Reisende mit Gepäck auf dem Rücken, den Knotenstock in der Hand, gingen hinein. Er folgte ihnen in die Schenkstube, setzte sich in eine Ecke, hinter den langen, bräunlichen Tisch. Er ließ sich etwas zu hinten reichen, der Gedanke an Essen war ihm zuwider. Er trank einen Schluck, setzte daS Glas nieder und hielt es mit der Hand umspannt, während er gedankenlos und träumerisch gerade auS vor sich hinsah. — Die Stube war ziemlich voll von allerhand Gästen, sie schwatzten, lachten und erzählten. Der Wirth ging hin und her, die Wirthin war am Schenktisch beschäftigt, Gläser und Teller klapperten leise. Es war ihm mit einem Mal, als wäre er der Außenwelt entrückt, als wäre seine nächste Vergangenheit und alles hinter ihm vergeffen. Es kam eine wohlthätige Abspannung, eine Art Erstarrung Über ihn, die unendlich angenehm waren. Das verschiedenartige Gc täusch um ihn her floß wie zu einem entfernt tönenden Gesumme zusammen, welches die flatternden Schreckbilder feiner geängsteten Seele in Schlummer wiegte. Sie ruhte aus von dem schmerzhaften, peinigenden Denken und versank wie in einer weichen, linde sie umspielenden Fluth. Jetzt kräuselten sich die kleinen Wellen über ihr; sie zogen weite und immer weitere Kreise — nun war sie untergetaucht und kühle, süße Dämmerung waltete in ihr, um sie her; beschwichtigende Stimmen sangen leise, zart, aus entlegener Ferne, dann tiefe, friedvolle Stille. — Sein Kopf war auf die Brust gesunken, seine Rechte hielt das Glas umspannt. — I
Allmälig, ganz allmälig tauchten Bilder und Gestalten I a«S der Tiefe hervor. Er sah ihnen still beruhigt zu, wie'
Sechstes Kapitel.
Der Unwillkommene; verhängnißvolle Weae; der Stockschlag; Gestalten aus der Kindheit.
Der kurze Tag ging schon in eine graue, trübe DLm- merung über, welche durch die Fenster der Stuben in die Hauser schaute, und eS allmälig dunkler und dunkler machte. Wohl mochte diese Zwielichtstunde für Manche einen ganz eigenen Reiz haben — für poetische Gemüther, die gern dem Flüstern und Raunen der hereinbrechenden Schatten lauschen; für Kinder, die ans Knie der Mutter oder Wärterin geschmiegt, auf das Märchen von ihren Lippen Horcher; ffür junge Mädchen, die sich tausend kleine, reizende Gcheimniffe kichernd und kosend mitzutheilen haben; für fleißige, die Nadel führende Finger, die eine kurze Rast der Erholung sich vergönnen, und für sonst noch allerhand Leute und Stimmungen So viel steht fest, in dem großen, schönen Hanse tu der Hauptstraße, mit der breiten Front und den vielen splegclnden Fenstern lieble man aber die herein chauenden, trüben Augen bet Dämmerung nicht. ®ie schweren Vorhänge waren schon niedergclaffen, der ® Cr CU<maL ,Unb *n ben Zimmern schimmerten die prächtigen Möbeln und reichen Vergoldungen im strahlenden Lichte.
a betB bcm Sohn des Hauses, dem jungen Herrn Alfted Schaffner, brannte schon die Lampe, vom hohen Fußgestell milden Schein versendend, über den mit Büchern
Inhalt stehen ließ und ging hinaus, seinem Verhängniß entgegen. Er fühlte, daß eS daS Letzte war; gelang ihm fein Vorhaben nicht, dann — er schauderte zusammen aber dann — mußte eS fein. Er ' ' '
nickte vor sich hin, — das, was er
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Cöln rc; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae MuKrirteS SountaaSblatt" bur* di- ffrnphw™ re *,f. Buchdrucker-.) bezogen ft Mark durch bie Postämter bes Deutschs Reiches 2 Mark 50 (eÄ gefÄ 3®^ 10 U f
Für tn der Expedition zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.
wieder an, in Gährnng zu geraten; es sollen bereits in den Berggegenden zahlreiche Insurgenten die Waffen er- .... greisen; die nächste Ursache dazu ist folgende: Unmittelbar — L _.1T.... ,.v
nach dem Aufstande von 1868 waren den Krelensern Sei- Verhandlungen sind" Gerüchte Derbreheftoorben "nach wel- tenS des Sultans große Versprechungen gemacht, aber nicht chen eine Verschärfung der Ansprüche für den einiäbria- im mindesten erfüllt worden; die Krelenser schickten daher freiwilligen Dienst bevorstehe. Dies ist nicht der Fall
vor „ Monaten eine Adresse an den Sultan, in der sie Wie man hört, handelt es sich nicht um eine Verschärfung um endliche Erfüllung der gegebenen Versprechungen baten; der bestehenden Vorschriften, sondern eö soll nur darauf tue einzige Antwort nun, die ihnen diesmal zu Theil wurde, Bedacht genommen werden, daß tn der Praxis in stren- war eine bedeutende Erhöhung ihrer Steuern. * 1 * * * * .
Die mehrfach besprochene Wallfahrt deutscher Katholiken nach Lourdes ist sicher eine der unpatriotischsten Demonstrationen, da alle Katholiken sehr wohl wissen, daß die Madonna von Lourdes keine allgemein religiöse Bedeutung, sondern nur die specielle der Schutzpatronin der französischen Revanche gegen Deutschland hat, sie trat ja auch erst nach dem Frieden von Frankfurt auf. Ein sehr bedeutendes französisches Blatt, das durchaus nicht seiner Vorliebe für Deutschland wegen bekannt ist, dcr „Courrier de la Gironde" von Bordeaux spricht sich, wie bereits mitgetheilt, in einer Weise auS, die allen Theilnehmern die Lust verleiden sollte, und zeigt uns dabei, beiläufig gesagt, wie und was man doch noch jetzt von uns in Frankreich denkt, und trotzdem wird die Sache in Scene gesetzt!