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Vr. 18S.

JRaröurg, Sonnabend, 14. August 1875.

L Jahrgang.

OlirrhtWr Jätung

mit der Einnahme aus in der Ausgabckafse, die Woche vorkam — sehen, und neben dem und Butterbrod zu br

wahrhaft großartigen Bau für das auswärtige Amt, in welches diese Privatwohnung mit einbegriffen werden soll, daher soll dieser Bau aus dem Palais Radziwill unter Hinzunahme der angrenzenden Straßenfront des Gebäudes entstehen, welches der Reichskanzler bis jetzt bewohnt; der Bau selbst soll und kann erst beginnen, wenn der Kosten­anschlag dem Reichstage vorgelegt und von diesem gebilligt sein wird; dagegen schreitet der Bau dcö Gebäudes am Wilhelmsplatz rasch vor, welches zunächst die Bureaux des auswärtigen Amtes und die Wohnung des Staatssekretärs v. Bülow enthalten soll; ebenso arbeitet man rüstig am Gebäude für das statistische Amt des Reichs, so rüstig selbst, daß es trotz seiner Ausdehnung schon am 1. Sep­tember 1876 wird in Benutzung genommen werden können Das Gebäude für die NormalEichungscommission ist fertig Man arbeitet gleichzeitig an den Plänen für verschiedene Regierungsgebäude in Elsaß-Lothringen sowie für die Bot. schaftshotels in Wien und Konstantinopel.

Die unter Borsitz deS Generals v. BoigtS Retz ge­führten Beratungen über die deutsche Wehrordnung dauern emsig fort, bieten insofern große Schwierigkeiten dar, als die von den verschiedenen Bundesregierungen emanirenben Anträge sehr von einander abweichend sind und sich nur in wenigen Punkten dem ursprünglichen Entwürfe nähern; die Commission arbeitet jedoch sehr ernst darauf hin, einen »ach vorhergehender Verständigung entworfenen, allen Re­gierungen genehmen, und daher annehmbarsten Plan aus­zuarbeiten.

Nicht minder seltsam und verworren ist Alles, was von Spanien verlautet. Der Unterschied zwischen den Nachrichten, je nachdem sie von der einen oder der anderen Seite kommen, liegt hauptsächlich darin, daß von alfonst- stischer Seite weniger auf Geschehene» gepocht, dagegen immer übergroße nahe Erfolge angekündigt werden, wäh­rend von earlistischer Seite immer der Bericht irgend eines wirklich davon getragenen Sieges erfolgt; inwieweit er glaubwürdig ist, mag dahingestellt bleiben, jedenfalls aber ist es doch etwas positives; so melden sie gegenwärtig, daß Saballs den General Weyler vollständig geschlagen und dann 12 nach Catalonien bestimmte schwere Geschütze mit all ihrem Material, Munition und einem Theil der Begleitungsmannschaft genommen habe.

Es sind sür das Deutsche Reich so viele Gebäude in Berlin, seies in Angriff genommen oder in nächster Zeit zu beginnen, daß die Bauabtheilung im Reichskanzlerarnte ihnen ihre ganze Thätigkeit zu widmen hat; der Umbau des Palais Radziwill soll schon im Spätherbst beendet werden, erheischt also einen besonderen Kraftaufwand, doch wird dabei auf möglichst geringen Kostenaufwand gesehen, da es sich nur hier um die Privatwohnung des Fürsten Bismarck handelt. Doch beschäftigt man sich auch mit den Plänen zu einem

hatten sie inne; denn sie kamen und es war immer nod> etwas wenn es galt — was regelmäßig einige gute Freunde bei sich zu hergebrachten Kartenspiel mit Thee

Seit Kurzem haben die Arbeiten für die Einkommen­teuerveranlagung für 1876 begonnen. Den Gemeinde- Vorständen, in deren Bezirken Einkommensteuerpflichtige Sersonen vorhanden, sind nach Maßgabe der gesetzlichen Vorschriften Formulare zur Einkommensteuer-Nachweisung zugegangen. Die Angaben sollen in den betreffenden Spalten so vollständig und genau wie möglich eingetragen werden, damit Rückfragen und spätere Reclamationen thun- lichst vermieden werden. Insoweit doch in dem einen ober anderen Falle nach den Bezeichnungen der gedachten Spal­ten eine vollständige Grundlage für die Einschätzung noch nicht geboten wird, ober nähere Aufklärungen wünschcns- werth erscheinen, ist besonderer Bericht beizulegen. Sollten Zersonen, die bisher Klaffensteuer gezahlt haben, bei der Klaffensteuerveranlagung für 1876 zur Einkommensteuer überwiesen werden, oder aus anderen Gründen Personen in die Einkommensnachweisung für 1876 neu aufzunehmen ein, so find auch diese Personen in die Nachweisung auf zunehmen. Nach dazu gegebener Anleitung und um spätere Ueberweisung zur Klaffensteuer resp. um spätere Heber- nähme zur Einkommensteuer thunlichst zu vermeiden, hat die Prüfung der Nachweisung über einkommenpflichtige Personen zu geschehen, in Verbindung mit der Revision ber Klassensteuerrollen. _ Die Gemeindevorstänbe sollen da- her die Nachweisung über die einkommensteuerpflichtigen

wirthen

Für Magdalenchen, das hübsche, liebe Kind, hätte der Vater so gern was Rechtes gethan. Sie war so fleißig, so geschickt, immer heiler, und kam sie Abends nach Hause, bann ging erst das rechte Leben für ihn an. Sie halte nämlich in einer Blumeniabrik von bescheibenem Moßstabe, wo einige junge Mädchen beschäftigt wurden, die anmuthige Kunst ber Naturuachahmuiig, im Dienste der Mobe, er­lernt und ging einige Tage in der Woche dahin, gab es viel zu thun auch täglich. Da kamen denn nachher so hübsche Plauderabende; immer gab eS etwas zu schwatzen, zu erzählen zwischen Vater und Tochter, und Mama Wein- lich, die mit ihrer ruhigen Gemülhlichkeit die beiden leb. hasten Naturen so glücklich und angenehm vermittelte, saß behaglich da und hörte zu, handhabte den Strickstrumpf und lächelte über da« ganze Gesicht.

Ja, Magdalena war wohl lebhaft in Jugend und Frohsinn, aber ihre braunen Augen, die zuweilen ssalk- hast blickten, konnten auch recht verständig und finnig, ja

wohl gar^schwärmerisch drein schauen, und dies thaten sie am häufigsten, wenn die weichen Töne einer Violine vom erften Stock, wo Herr Leonhard ein Zimmer bewohnte ju ihr herausdrangen. Er spielte auch gar so wundervoll^ ber junge Mann, es klang bis.ins Herz hinein, unb dazu war er selber so so ganz besonders; Magdalena konnte es mcht genau anSdrücken, aber et war ganz außerordent- l-ch anziehend in jeeet Hinsicht. Kam er Abends, was r'emlich oft der Fall war, denn die Bekanntschaft, durch kleine Gefälligkeiten des Alten angeknüpft, war schon seit einigen Monaten im Gange und auf dem besten Wege in jene süße Traulichkeit überzugehen, die dem Gaste in einem Familienkreise das wohlthuende Gefühl von Zuhause giebt — dann war Freude in allen Ecken Vater Weinlich be- wlllkommte ihn mit einer Flut redseliger Freundschafts­bezeugungen und geräuschvollem Herbeirücken eines Stuhles Frau Weinlich mit fast mütterlichem Lächeln unb Kopf- niden und das junge Mädchen immer von Neuem mit 'evllchem Erschrecken unb dem wärmsten Roth auf ber blühenden Wange.

. So viel neue, nie geahnte Reize hatte die Unterhaltung mit ihm: neue Anschauungen, Anknüpfungen mit einer bisher unbekannten, reizvollen Welt, der Welt der Kunst und des Schönen thaten sich ihr auf: er hatte sie ihrem aufmerksamen Sinn, ihrem lauschenden Ohr aufgeschloffen War e« nicht natürlich, daß sie sich auf fein Kommen freute, baß sie ihm recht von ganzer Seele dankbar war? — Nur dankbar? — Ferdinand, ihr früherer Spielgefährte, m>t dem sie in geschwisterlicher Herzlichkeit aufgewachsen war und noch bis jetzt verkehrte, hatte mit dem Auge der Eifersucht schärfer gesehen und er nannte eS anders. Er grollte, er zürnte ihr, daß sie ihm den hergelaufenen Gel-

Zwei Familien.

Erzählung von Ernst Streben.

(Fortsetzung.)

Als geringer Beamter früher, jetzt auf eine schmale Pension angewiesen, hatte er mit feiner Familie, wie man sich ausdrückt, niemals hohe Sprünge machen können. Sie mußten rechnen und eintheilen, und diese schwere Kunst

Tagesbericht.

Bei der jetzigen, in der Jahreszeit liegenden Dürftig kett ber politischen Nachrichten unb Ereigniffe wenben sich alle Augen natürlich der einzigen Gegend zu, wo etwas geschieht, ber Herzegowina. Was aber von bort verlautet, ist wenig klar, benn von mehr wie einer Seite mag man wohl Interesse haben, bie reine Wahrheit nicht bekannt werden zu lassen. Wenn man aber die Bilanz zieht, so scheint bis jetzt der Erfolg noch auf Seiten ber Aufstän­dischen zu liegen. Mangel an Energie und vor Allem Mangel, ober gänzlicher Mangel an Geld paralystten jedes kräftigere Auftreten unb Hanbeln ber Türken. So hat b i jetzt Derwisch Pascha auf seine wicberholteu unb brin- genben Truppenforderungen aus Konstantinopel nicht ein­mal eine mehr oder minder gute, verweigernde oder rnoti- virte, sondern gar keine Antwort erhalten; bis zur Stunde verfügt er über höchstens 4000 Mann, von denen man noch die Besatzungen abrechnen muß, unb bie dürftig genug ausgerüstet sind; er hat nun versucht, man wird abwarten müssen, ob mit Erfolg, 2—3000 Mann aus eigener Machtvollkommenheit einzuberufen, da ihm aber außer dem (Selbe auch ziemlich olles Material fehlt, wirb er sie wohl nicht halb bienstfähig organistren können. Sollte ber Anf- stanb sich aber in bie Länge ziehen, so könnte es boch am Ende geschehen, daß unter dem Drucke der öffentlichen Meinung mit dem besten Neutralitätswillen bie Regierun­gen von Serbien unb Montenegro zur Nichtbeobachtung berfelben gezwungen würben; vielleicht würde auch wenig­stens einer ber beiden großen Nachbarstaaten dies nicht ungern sehen.

ger, wie er Leonhard heimlich nannte, vorzuziehen schien und nahm sich fest vor, das Haus nicht mehr zu betret n unb sich bas Mädchen aus dem Sinne zu schlagen; nut mar bie« eben nicht gar so leicht, wie er sich gern hätte einreben mögen.

ES war gegen acht Uhr Abends und durch die Thür der Wohnstube war ein kleiner struppiger Kopf gesteckt von straffen, seitlingS abstehenden kurzen Zöpfen überragt' meinem sich nach und nach die Figur eines halbwüchsigen Mädchens zugesellte, in einem merkwürdigen Anzuge, ohne Andeutung von Taille, aber mit sonderbaren Erhabenheiten wie zum Ansatz von Flügeln auf den Schultern. Mit ihren immer an Entzündung leidenden, von rothen Rän­dern umgebenen Augen blickte sie wie ein erschrockenes kleines Kaninchen um sich her, unb auf bem Arme trug sie einen wohlbepackten Hanbkorb, welchen sie an ber Thüre niedersetze. — „Nun, Christel, bist du endlich da?" rief Frau Weinlich dem jugendlichen Aufpaßmädchen entgegen »Hast du das Fleisch zu morgen und kommt Herr Höpfner diesmal her?" — Es war Sonnabend, wo gewöhnlich die f.eundfchastlichen Zusammenkünfte zum gemüthlichen Plauderstündchen ober bem beliebten Sechsundsechzig statt- fanben unb der alte Musikus war bas vorige Mal aus- geblieben.

Christel bedachte sich, als hätte sie ein Räthsel aufbe- kommen, blickte wild in die Höhe und that endlich den stets offenen Mund noch mehr von einander, um zu ant­worten, als Weinlich aus der Kammer neben ber Stube, wo er feinen harmlosen Liebhabereien stöhnte, unb bereu Xbur etwas offen staub, mit feiner gewöhnlichen Beweg- uchkeit herausfuhr unb gerade auf Christel zu, die bei feiern Anblick den Kopf mi: den steifen Zöpfen hin und

•• »erlitt, 12. August. Der Umstand, daß bie „Provtnztal-Correspondenz" in anerkennenben Worten deS 5 beutfchen Schützenfestes in Stuttgart gebenft, wirb im erften Augenblick Erstaunen erregen, wenn man bebentt, welche Antipathie in früherer Zeit gegen Schützen und Turn­feste Kreisen der Regierung herrschte. Die Zeiten haben sich allerdings geändert. Der Geist des Volkes, welcher heute diese Schützenfeste leitet, ist ein nationaler deutscher geworden, so daß das patriotische Bestreben ber Schützen­vereinigungsfeste, ein Zusammenhalten beutscher Männer zu bewirken, barauS hervorgehoben werben muß. — Der Kultusminister hat im Anschluß an bie „Allgemeinen Be- ftimmungen vom 15. Oktober 1872", welche bie Schul. Regulative zu ersetzen bestimmt sind, die Provinzialbe- behörden darauf hingewiefen, wie wichtig es sei, nicht nur die Bildung der Volksschullehrer, sondern auch deren Fort­bildung zu erstreben. Ein geeignetes Mittel für diesen Zweck soll u. A. bie Vervollstänbigung unb Errichtung oon Kreisbibliotheken fein, welchen die Kreisschulinspeetoren die größte Aufmerksamkeit schenken sollen. — Es ist viel Staub aufgerohbelt worden, daß zu Gunsten Italiens eine Aufhebung deS Pferdeausfuhrverbots erlassen fei. Inzwischen hat die „Italic" die Erklärung hierfür gebracht, daß nur behufs Ankaufs einer kleinen Anzahl von Pferden eine Ausnahme in Bezug auf das Pferbeausfuhrverbot gestattet worben fei. Diese Nachricht ber „Jtalie" ist durchweg zu betätigen, mit dem Bemerken, daß es sich um den Ankauf von kaum 50 Pferde für des Königs speeiellen Dienst gehandelt hat. — DaS Verfahren gegen die „Frank- urtcr Zeitung" hat bie Presse zu lebhaften Erörterungen veranlaßt. Ein besonberS harter Kampf über diese Frage ist,von ber „National Ztg." unb „Kölner Ztg." geführt. Wahrenb sonst bie Presse immer eine Gleichstellung verlangt beansprucht sie in biefem Falle eine Sonderstellung, eine bevorzugte Behanblung. - Die Rebakiionen ber Zeitungen oUten wohl bedenken, daß es außer Pflichten für bie Ge- efce noch allgemeine Bürgerpflichten giebt, denen sich Nie- mand entziehen kann. Zn diesen Bürgerpflichten gehört auch bie, baß man bazu beiträgt, den Urheber einer straf- iur Verantwortung ziehen zu können. DaS Nichtbesolgen dieser Pflicht verstößt gegen alles loyale Benehmen eines die Gesetze achtenben Mannes.

,,, 10. August. Zur Generalversammlung

chlestscher Katholiken, welche am 6. und 7. September in Reiffe statlfindet, ist jetzt öffentlich die Einladung ergangen, in welcher zugleich betom wird, daß man sich freuen würde „auch Gäste von außerhalb des Schlesierlandes in Reiffe begrüßen zu können." Das Programm der Verfammlung

Anzeigen nimmt entgegen: Me Expedition b. Blatte«, sowie bie Annoncen-Bnreaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haafenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln ic; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. ic.

Anzeigen nimmt entgegen: bie Echebitton b. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Stete» ▲ meyer in Berlin; Carl Schilß- v ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Personen spätestens gleichzeitig mit der Klaffensteuerrolle, alfo bis zum 1. September b. I. an bie zustehenbe Be­hörde einreichen.

Deutsches »eich.